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Hoi Welt

Wir haben die Ferronor verlassen und rollten von Taltal aus nach Norden. Unser Bett stand in Calama und dazwischen statten wir dem Cumbrepass einen ersten Besuch ab.

Teil 1 und Prolog: [www.drehscheibe-foren.de] >> wir erreichen Chile
Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de] >> an der Ferronor um Vallenar und Huasco
Teil 3: [www.drehscheibe-foren.de] >> Ein Tag an der spektakulären Eisenbahn nach Potrerillos
Teil 4: [www.drehscheibe-foren.de] >> Einen zweiten Tag an der Eisenbahn nach Potrerillos




Montag 13. Juni 2011 – Taltal > Calama

Bei uns ist Pfingstmontag, in Chile ist das (wie auch der Sonntag) irgendwie ein ganz normaler Arbeitstag. Soll uns soweit nicht stören, so kommt man ohne Komplikationen überall hin und an alle Dinge die man so braucht, z.B Essen und Benzin. Davon brauchten wir heute wieder mal eine ganze Menge (also vom Benzin ;)).
Der Tag begann in Taltal im Hotel, wo wir definitiv sagen müssen: da will man nicht mehr weg. Warum das von unserem treuen Begleiter, dem Lonley Planet, nur so nebenbei erwähnt wird ist uns schleierhaft. Es ist die Bude mit dem definitiv besten Preis / Leistungsverhältnis in diesem Urlaub bisher. Sogar das Frühstück war jeden Peso wert. Es gab zwar Europäisches Frühstück, dass dafür aber in seiner besten (wenn auch einfachsten) Form - Marmelade mit Brot und Tee.
Es war am Schluss dann doch 8 Uhr bis wir draussen waren und auf den erwarteten Nebelbedeckten Himmel blickten. Jetzt im Tageslicht sahen wir auch, dass das Meer gerade mal 50 Meter von unserem Hotel entfernt lag, hatten wir gestern Abend im dunkeln gar nicht gemerkt ;). Wir waren draussen und mussten vor der längeren Fahrt nach Norden erstmal den Tank füllen. Dazu ging es zur Tankstelle im Ort und da liessen wir uns nach kleiner Wartezeit den Tank und Kanister wieder voll machen. Da es wohl die einzige Tankstelle im Umkreis von 150km ist war entsprechend viel los.
Als alle unsere Tanks gefüllt waren ging es der Küste entlang in Richtung Norden. Der Küste entlang ist einerseits kürzer als über die Ruta 5 und ausserdem Landschaftlich sicherlich interessanter. Das mit der Landschaft trifft definitiv zu, auch wenn wir wegen dem blöden aber allgegenwärtigen Hochnebel nicht wahnsinnig weit sahen. Gleich schon als wir aus Taltal raus waren winkte uns eine Polizeikontrolle (welche es im Norden deutlich häufiger zu geben scheint als im Süden) raus. Daniel fuhr und er streckte gleich alle Papiere raus. Der Polizist plapperte aber wild drauf los und fragte ob wir alleine unterwegs seien und ob wir nach Antofagasta wollen. Obwohl ich praktisch kein Spanisch kann verstand ich seine Worte ziemlich genau.. er wollte mitfahren ;) Daniel fragte noch mal nach und er bejahte, es müsse nach Antofagasta. Wir schauten bei uns hinten rein und lachten, er schaute bei uns hinten rein und sagte danke, weiterfahren. Er hatte natürlich Recht, bei dem Chaos hinten drin sucht er sich lieber ein richtiges Auto und nicht zwei Touristen ;).

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Auf der Fahrt nach Norden entlang des Pazifiks

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Wir verlassen den Pazifik und wechseln auf eine Strasse ins Landesinnere

Unsere Fahrt ging, ohne Polizei auf der Rückbank, eilig gen Norden. Als wir vom Meer weg kamen und die Strasse steil nach oben in die Berge führte wurde auch das Wetter schlagartig besser. Die Wolken waren weg und der blaue Himmel lachte uns entgegen. Und auch ein Turbus mit Panne lachte uns entgegen ... arme Schweine, in dieser Gegend will man keine Panne haben.
Wir fuhren dann im Landesinnern weiter und kamen, als fast einziges Auto auf der Strasse, sehr gut voran. Wir kamen auch bei dem Observatorium Paranal vorbei. Da haben wir nächsten Sonntag einen Besichtigungstermin, wir freuen uns, auch wenn Zeit und Ort nicht „optimal“ sind.

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Wir haben den Ozean verlassen und sind gleich auf knapp über 2500 M.ü.M. angestiegen. Das Wetter in der Höhe war deutlich besser, die Nebelgrenze lag auf knapp 1000 Meter.

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Ob da der Fahrer der Planiermaschine eingeschlafen ist? ;)

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Blick in Richtung Antofagasta. Unten im Tal hängt der Dunst ...

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Der die Sonne dann schon deutlich abdunkelte. Wir fassten zu dem Zeitpunkt den Plan gleich weiter in Richtung Calama zu fahren.

Wir erreichten vor La Negra wieder die Ruta 5 und überlegten uns mal, wo wir jetzt hin wollten. Es waren wieder mal ein paar Ideen im Raum und am Schluss entschieden wir uns dafür nach Prat zu fahren. Das ist der Bahnhof wo die Strecke von Antofagasta und vom Cumbrepass zusammentreffen - wir erhofften uns da einen Zug "packen" zu können, in irgendeine Richtung, um ihn dann zu verfolgen.
Erst mussten wir aber durch La Negra durch, ein hässlicher Berbauort über dem eine Dunstglocke hing. Die Strasse war mies, der Verkehr lief zähflüssig durch den Ort und es war überall dreckig und staubig - kein Ort wo hin will. Wobei der Ort mehr aus Industriebetrieben und Minen zu bestehen scheint als aus Häusern.
Wir zogen durch, die Strasse wurde besser und auch der Dunst wurde weniger, Prat lag bald vor uns. Etwa 5km vor dem Ort sahen wir am Begrücken zu unserer linken einen Güterzug hochfahren - in Richtung Cumbrepass. Da ich irgendwie keine Lust hatte den Zügen zuzuschauen wendeten wir und fuhren auch da hin. Wir wussten nicht viel über die Gegend, eigentlich nur, dass man auf der normalen Strasse erst auf der anderen Passeite wieder an die Bahn kommt irgendwann. Eigentlich wollten wir uns die Gegend mal noch auf Google Earth anschauen und die Wege auf der Karte eintragen (wobei nicht mal die Bahn auf der Karte drauf ist).
Jetzt waren wir halt gezwungen ein bisschen die Augen offen zu halten. Und im ersten Anlauf klappte es! OK, es war der einzige und erste befahrbare Weg, aber wir waren "mutig" genug ihn zu fahren, auch wenn wir zeitweise nicht daran glaubten, mit ihm ans Ziel zu kommen. Wir trafen dann offensichtlich am „Cumrbe Summit“ ein, der Passhöhe – genau da wo wir hin wollten … sind wir super oder super? ;).
Die Passhöhe ist nicht wahnsinnig hoch, die Strecke geht nur knapp auf 1000 Meter über Meer, trotzdem sind die Steigungen beidseits beachtlich (die Bahn kommt einmal vom Meer und einmal von etwa 600m). Wir erkannten den Bahnhof vor allem daran, dass er voll war. Es stand pro Richtung ein Zug drin und jeweils noch 2x 2 Schubloks die den Zügen den Berg hochgeholfen haben. Dabei fehlte der Zug den wir hochfahren sahen sogar noch. 3 Züge, praktisch Zeitgleich, also wenn da immer so viel läuft waren wir definitiv am Ziel ;).
Wir schossen dann mal die Loks und Züge die im Bahnhof standen und liefen für den letzten der zum Meer fuhr etwas aus dem Bahnhof raus.

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[maps.google.com]
Die Strecke von Mejillones nach Prat (und weiter in Richtung Calama und Atacamawüste) führt über den Cumbrepass. Die Strecke wurde in den Neunzigerjahren wieder aufgebaut um den zunehmenden Verkehr direkt nach Mejillones leiten zu können, ohne das Antofagasta passiert werden muss.
Auf der Passhöhe befindet sich ein Ausweichbahnhof wo Züge kreuzen und jeweils die Schubloks von den Zügen gehen..
Hier befindet sich Lok 2007 mit einem Zug aus Bolivien in der Ausweichstation.


http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1162kgr.jpg
[maps.google.com]
Die beiden Loks vorne (wir haben Sie aufgrund der vielen Fenster / Augen nur noch "Spinnen" genannt) haben einem Kesselzug den Berg hoch geschoben und stehen jetzt noch am Zug dran. Lok 1410 hat mit einer Schwesterlok dem Zug aus Bolivien den Berg hoch geholfen und haben gerade umgesetzt.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1167kgr.jpg
[maps.google.com]
Die Spinnen sind die mit Abstand hässlichsten Loks die uns auf dem Südamerikanischen Kontinent begegnet sind. Herkunft?

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[maps.google.com]

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[maps.google.com]
Ein zweiter Zug erreicht den Cumbrepass, er ist mit Produkten aus den Minen beladen und hat den Hafen von Mejillones als Ziel.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1176kgr.jpg
[maps.google.com]
Ein kurzer Schwatz und dann beginnen sich die Züge langsam vom Pass zu verabschieden. Eine solch grosse Betriebsamkeit haben wir auf dem Pass kein zweites mal erlebt ...

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[maps.google.com]
Die beiden Schubloks mit Lok 1410 an der Spitze verlassen den Pass und fahren nach Mejillones zurück.

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[maps.google.com]
Es folgt der Zug mit den Kupferplatten.

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Die beiden Spinnen stehen noch immer im Bahnhof als wir zum Auto zurück liefen.

Wir waren dann schon mal höchst zufrieden mit dem Mittag und holten unser Auto am Bahnhof oben ab. Es war klar, dass wir nun der Bahn nachfahren wollten, was wir aber erst noch auskäsen mussten war: in welche Richtung ... Talwärts ;) Wir entschieden uns für die Westflanke, also in Richtung Hafen Warum? Jaaa, das sah irgendwie alles Fotogener aus.
Also fuhren wir eine Piste der Bahn entlang und wir waren wieder mal froh keinen Matiz sondern ein richtiges Auto gemietet zu haben, alles andere hätten wir vermutlich irgendwo in einem Sandloch versenkt oder auf einen Stein gesetzt ;). Was wir da unten dann fanden bedarf nicht viel Beschreibung, wir haben das PARADIES gefunden. Eine offene 270° Kehre, Kurven und offene Hügel soweit das Auge reicht. Da gefiel es uns und da blieben wir, auch wenn wir den Cumbrepass heute eigentlich nicht primär machen wollten.
Wir stellten uns in der offenen Kehre auf einen Hügel und warteten, immer in der Hoffnung auf viel Betrieb.

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Daniel auf dem Weg zur Fotostelle ...

Es verging aber Zeit, viel Zeit. Irgendwann nach etwa 2 Stunden wurde es im Wind langsam kalt und wir wollten auch was Essen. Im Auto fanden wir alles um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Brötchen, Thunfisch, Mayo, Getränke und einen Pulli. Wir warteten oben wieder weiter und waren permanent der Meinung ein Dieselgrummeln zu hören. Für Strassenlärm war es viel zu gleichmässig. Aber Zug sahen wir keinen; und von dem Berg sieht man die Züge verdammt früh! Der Zeiger auf der Uhr war den 16 Uhr schon sehr nahe und das grummeln wurde irgendwann so laut, dass der Zug einfach kommen musste. Und wirklich, man sah etwas. Nach über 20min zuschauen war er dann auch bei uns.
Die Stelle wo wir standen wäre in beide Richtungen gut umsetzbar, praktisch natürlich das man an den Zügen fest mit einer Schublok rechnen kann. So hatte der Zug auch welche dran, doch hinter den Schubloks kam noch etwas. Flachwagen, fiese blöde Flachwagen. Aber Flachwagen schiebt man so schlecht, so wurde aus den Schubloks halt Mittelloks und die ganzen schönen Stellen für die Schieber waren futsch - schade!

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1204kgr.jpg
[maps.google.com]
Dieser Zug mit Kesselwagen (und dahinter noch Flachwagen) rollt den Pass von Mejillones kommend hoch. Unten sieht man auch nochmal die Strecke im Dunst, sie führt nach einer 180° Kehre entlang der Strasse.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1215kgr.jpg
[maps.google.com]
Am Ende der "Strasse" (die von weiter weg besser aussieht, als sie wirklich ist) liegt die Passhöhe, bis dahin müssen die Loks aber noch ordentlich arbeiten. Die zwei Loks die dem Zug den Pass hoch gedrückt haben hat man aufgrund der Flachwagen leider vor den Flachwagen eingereiht, somit blieb uns ein Bild davon verwehrt.

Wir folgten dem Zug nach der Durchfahrt über den Pass hinweg und fuhren auf der anderen Seite etwas runter. Natürlich um den Zug ein zweites mal zu erwischen und natürlich auch um uns diese Seite noch anzuschauen. Resultat? Es wäre ähnlich Fotogen wie "drüben", einziges Problem: zwei fette Hochspannungsleitungen welche mitten durch den schönsten Abschnitt führen.
Wir stellten uns aber so, dass man die nicht arg sah und warteten mal. Es war klar, dass es ein bisschen dauern wird bis der Zug kommt, die Mittelloks mussten ja rausrangiert werden. Pünktlich bevor die Sonne den Einschnitt verliess (es fehlten kaum 5min) kam der Zug langsam talwärts geschlichen.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1225kgr.jpg

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1233kgr.jpg
[maps.google.com]
Auf der Passhöhe wurden die Mittelloks ausgereiht und so hatten wir genug Zeit dem Zug zu folgen und auf der Talfahrt ein weiteres Bild zu machen.

Wir blieben beim runter fahren zur Hauptstrasse an der Bahn so gut es ging. Kurz vor Prat, wir waren bereits wieder auf der Hauptstrasse, erwischten wir den Zug noch ein letztes mal im Streiflicht vor den bereits im Schatten liegenden Berghängen.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1239kgr.jpg
[maps.google.com]
Stop ... klar

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1243kgr.jpg

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.13%20Cumbre/DSC_1246kgr.jpg
[maps.google.com]
Die Bahn hat den Talboden und den Dunst bei Prat erreicht und wird von den allerletzten diffusen Sonnenstrahlen erfasst.

Den Bahnhof von Prat schauten wir uns natürlich auch noch kurz an, wobei man nicht viel sah, es ist alles eingezäunt. Wir sahen aber einen Zug im Bahnhof stehen der im Begriff war den Cumbrepass in Angriff zu nehmen. So warteten wir die letzten 20min bis die Sonne unterging noch an der Ausfahrt, ohne das der Zug kam. Dafür kam vom Pass her noch mal einer.
Die Sonne war weg und wir hinterliessen an der Ausfahrt nur eine Staubwolke, Calama war unser Ziel. Die Minenstadt Nordöstlich von Antofagasta gelegen ist die einzige grosse Stadt in der ganzen Gegend und bietet sich für Touren in alle Richtung perfekt an. Man kann in Richtung der Bolivianischen Grenze, man kann in Richtung Cumbrepasses und auch in Richtung der komischen Elektroeisenbahn fahren – alles ist „erreichbar“.
Zum Hotel: Wir vertrauten wieder mal der Lonley Planet Empfehlung und wählten das Hotel Universal. Es sei zwar ein dunkles Universum (Beleuchtung) aber sonst tiptop. „Mal schauen“, dachten wir uns. Wie wir uns langsam auf Calama zu bewegten wurde der Tank immer leerer und leerer, auf Kanister schleppen hatten wir aber überhaupt keine Lust und so fuhren wir einfach bis wir die erste Tanke im Ort sahen. Viel Sprit war am Schluss wohl nicht mehr im Tank, aber so ein Kanister beruhigt ungemein ;). Das Hotel Univerum fanden wir auf Anhieb, dank des Navis welches Calama komplett und ziemlich genau drin hat. Von aussen sah das Hotel ganz passabel aus und da wir direkt vor dem Hotel ein Parkplatz fanden gingen wir mal rein. Wieder mal machten wir den Fehler uns vom ersten Eindruck täuschen zu lassen. Wir schlugen zu früh ein und buchten das Zimmer für die Nacht, es sah nämlich alles tiptop aus. Nur das Zimmer ... und das Badezimmer erst. Es ist wieder mal eine verdammte Höhle ;). Die Betten sind zwar bequem (das Zimmer besteht eigentlich nur aus Betten), das Badezimmer aber etwas arg abgenutzt, die Duschwanne war schwarz / gelb anstatt weiss und die TV und Stromkabel Kabel hängenso tief vor der Türe durch das man den Kopf einziehen muss. Der Preis war natürlich dementsprechend günstig, aber diese Nacht wird die einzige bleiben in diesem Universum.
Essen, jaaa, das war nach dem Duschen aktuell und wieder hielten wir uns an den LP Tipp. Die Bar wo wir drin landeten war wirklich schmuck eingerichtet, die Fleischplatte die wir kriegten war reichhaltig, aber es fehlte so das gewisse etwas (die Beilagen). Wir fanden das gewisse etwas dann im Alkohol (Bier und Pisco Sour) und den Sidedishes welche dazu gereicht wurden. Irgendwer hat beim aufstehen nach den gemütlichen Stunden das Karussell eingeschaltet ;).
Im Zimmer nutzten wir sogar gerade noch das WeiFei bis es auf einmal aus irgendeinem Grund nicht mehr funktioniert hat. Gute Nacht!




Calama bleibt dann auch gleich unsere Basis für die nächsten Tage. Und im nächsten Teil fahren wir das erste mal noch in Richtung Bolivien …

Grüess
Nil


Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...

Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: TS-Sounddesigner

Datum: 04.12.11 20:28

Hallo Nil,

vielen Dank für diesen wieder überragenden Bericht.
Es ist wie ein Kurzurlaub ... Sowohl das Land, die
Landschaft als auch die Eisenbahn und ihr Verkehrszweck.

> Die beiden Loks vorne (wir haben Sie aufgrund der
> vielen Fenster / Augen nur noch "Spinnen" genannt)
> haben einem Kesselzug den Berg hoch geschoben und
> stehen jetzt noch am Zug dran. Lok 1410 hat mit
> einer Schwesterlok dem Zug aus Bolivien den Berg
> hoch geholfen und haben gerade umgesetzt.

> Die Spinnen sind die mit Abstand hässlichsten
> Loks die uns auf dem Südamerikanischen Kontinent
> begegnet sind. Herkunft?

Alle diesmal gezeigten Loks scheinen von GM/EMD zu sein.
Ein guter Link ist die Seite zu EMD Export-Lokomotiven von
Larry Russell [emdexport.railfan.net] auch wenn seit
2004 kein Update mehr erfolgte.

In der Country List für Chile [emdexport.railfan.net]
findet sich auch "die Spinne": [emdexport.railfan.net]

Es handelt sich um ein seltenes Exemplar der Bauart NF210,
ehemals Nummern 1413-1423 mit EMD 12-567C engine built for
Canadian National's Newfoundland service. Wikipedia sagt dazu
[en.wikipedia.org] Etliche weitere kanadische "Absonderlichkeiten"
(Spezialserien) finden sich in schlechter Bildqualität hier:
[members.fortunecity.com]

Die anderen gezeigten Loks sind oft vom Typ GR 12 wie diese
hier [emdexport.railfan.net] und damit den 661 der JZ recht
ähnlich (12 statt 16-Zylinder, aber auch mit dem 567er Motor).
Typisch die schräg angeordneten Einsauggitter für die elektrische
Widerstandbremse im kurzen Vorbau.

Etliche andere hier gezeigten Loks wirken recht gedrungen und
erinnern schnell an die australischen Loks von Clyde Engineering,
der ebenfalls EMD-Loks in Lizenz baute und baut. Larry Russel
bestätigt das u.a. hier: [emdexport.railfan.net]

Mit diesem Exkurs bedanke ich mich für Bilder und Text!


Viele Grüße




TS-Sounddesigner
Ich weiß nicht, was ich sagen soll...ganz großes Kino (auch die anderen Teile)

http://www.abload.de/img/godmakesthedifference92ebc.jpg
Hallo Nil,

vielen Dank für die tollen Bilder.

Hier noch ein paar Linktipps:
Railpage Australia - Forumsthread zu "Australian Expats in Chile"
Railpictures.net - hat tolle Bilder von Jean-Marc Frybourg aus Chile (da gibt es irgendwo auf DSO auch einen Thread zur Reise)
Latin Tracks - hat interessante Artikel zum Thema Chile (leider nur bei Kauf der Zeitschrift)

Grüße Nachtzugnutzer

Re: Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: Don Pedro

Datum: 05.12.11 19:04

Buenas tardes

Zuerst natürlich ein grosses Kompliment an Nil für die tollen Fotos!

Der Lokomotivpark der FCAB besteht bis auf 3 Ausnahmen (2 Davenport, von denen ich eine 2001 in der Werkstätte in Antofagasta antraf, sowie eine von EFE/Arica - La Paz übernommene Alco) nur aus Produkten von GM/EMD bzw. Lizenzbauern.

Nun zu den von Nil fotografierten Loks:

Die Nummern 1414 und 1420 ("Spinnen") gehören zu einer Serie von 18 Lokomotiven des Typs NF210, gebaut von GMD in Ontario, Canada zwischen 1956 und 1960 für die Eisenbahn auf Neufundland (in Kapspur 1067 mm). Die ersten 10 Loks kaufte die FCAB 1988 und 2 weitere 1989. Diese wurden aber erst zu Beginn der 90er-Jahre umgebaut und in Betrieb genommen. 1994 erwarb FCAB 6 weitere Loks desselben Typs von der stillgelegten FCP in Nicaragua - diese wurden von Neufundland ins zentralamerikanische Land verkauft (gleiche Spurweite). Die Betriebsnummern bei FCAB sind 1413 bis 1430.

1408 stammt aus einer Serie von 4 Loks Typ GR12UD von 1964 (1406 - 1409); fabrikneu an FCAB. Lok 1408 wurde ca. 1999 von FCAB mit einem Endführerstand versehen und ist somit ein Einzelstück.

Ein weiterer Einzelgänger ist 1410, eine G22CU von 1969, die ebenfalls fabrikneu an FCAB geliefert wurde.

Im Jahr 2001 kaufte FCAB von Queensland Government Railways 10 Loks der Baureihe GL26C-2, die 1971/1972 von Clyde in Lizenz gebaut wurden. FCAB passte die Loks in der Folge an ihre Verhältnisse an. Betriebsnummern bei FCAB 2002 - 2011.

Bin gespannt, was dem Fotografen noch vor die Linse gefahren ist - der "Fuhrpark" der FCAB ist eine interessante Mischung von Fahrzeugen verschiedenster Herkunft.

Saludos,
Don Pedro
Hallo!

Fantastisch, freue mich auf das Kommende! :-)

lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Re: Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: SD40-2XR

Datum: 06.12.11 12:29

Don Pedro schrieb:
-------------------------------------------------------
> Ein weiterer Einzelgänger ist 1410, eine G22CU von 1969, die ebenfalls fabrikneu an FCAB geliefert wurde.

Offenbar gibt es aber noch weitere G22CU, welche aber aus Neuseeland stammen und durch NREC zu "GR12-3" umgebaut wurden:
[www.railpictures.net]

Die Ansammlung von exotischen Diesel-Typen bei der FCAB ist phänomenal!


Thomas

Re: Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 06.12.11 13:49

Ja, die Ansammlung ist phänomenal, wobei ich wie Nil die NF210 ex Neufundland genannt "Spinnen" ebenfalls absolut hässlich finde....
An Nil vielen Dank für die sensationellen Bilder und die interessanten Begleittexte, bin "giggerig" das nächsten Frühling auch sehen zu können!

Georg

Re: Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: Don Pedro

Datum: 06.12.11 19:47

Ich verfüge ebenfalls über eine Lokliste von Mel Turner, da gibt es noch eine Lücke zwischen den FCAB-Betriebsnummern 1442 und 1452 - man lernt halt nie aus!

FCAB hat bereits 1998 Loks von WAGR erworben, 6 Clyde G22, 1 Clyde G12 und 1 Clyde G26C-2. Diese gingen anscheinend ohne Umweg über Neuseeland und die USA direkt nach Chile.

Das Sammelsurium von GM-Loks bei der FCAB ist tatsächlich bemerkenswert; es ist dort Tradition, sich mit gebrauchten Loks einzudecken und diese z.T. selbst aufzuarbeiten oder auch extern aufarbeiten zu lassen. Nur gerade zu Beginn der Verdieselung erwarb man fabrikneue Loks in einer Grössenordnung, die man als Serie bezeichnen kann: 1961 6 GR12U, 1964 4 GR12UD und 3 GA8. Danach wurden nur noch bei 3 Gelegenheiten je 1 Lok als Einzelstücke fabrikneu angeschafft. Der grosse Rest des Bestandes von annähernd 80 Einheiten sind "second-hand".

Saludos,
Don Pedro

Re: Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: Don Pedro

Datum: 08.12.11 12:49

Buenos días

Ich bin auf eine Geschichte gestossen, welche eine Lok betrifft, die wir auf Nils Bildern schon gesehen haben. Es handelt sich um die Nummer 94, die einzige G22CU der Ferrocarril de Potrerillos; zu sehen hier (das 4. Bild): [www.drehscheibe-foren.de]

Diese Lok wurde 1971 von der FCAB von GM/EMD erworben und erhielt sogar die Betriebsnummer 1411. Die Lok verkehrte aber nie dort, sondern wurde direkt an die Ferrocarril de Potrerillos/Codelco geliefert mit der Nummer 94. Grund dafür waren die Devisenrestriktionen der Allende-Regierung. Codelco wurde zu jenem Zeitpunkt gerade verstaatlicht und hatte keinen Zugang zu Devisen. FCAB hingegen als private (und damals noch britische) Firma erhielt hingegen eine Bewilligung zum Erwerb von Devisen und konnte die Lok kaufen. Codelco "bezahlte" die Lok mit einem Transfer von Kupfer zugunsten von FCAB an der Rohmetall-Börse in London. Es wird berichtet, dass die Geschäftsführung bei Codelco zu jenem Zeitpunkt höchst chaotisch war...

Die FCAB-Betriebsnummer 1411 wurde ca. 1978 wieder belegt, als von der staatlichen EFE zwei G12U übernommen wurden (1411/1412).

Saludos,
Don Pedro

Re: Exkurs zur "Spinne" und den anderen Loks

geschrieben von: Nil

Datum: 08.12.11 22:26

Spannende Sache, merci für die Informationen!

Grüsse an alle,
Nil

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

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