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Hoi Welt

Es folgt bereits der zweite Teil. Diesmal aber nur ein Tag, dafür mit weniger Text und mehr Bildern. Wir hatten uns in Chile bereits ein bisschen eingelebt und erreichten mit der Ferronor Strecke von Huasco über Vallenar zur Mine Los Colorados unser erstes Ziel der Reise.

Leider gibt es von Chile keinen GPS Track, da ich am zweitletzten Tag mein Tracker irgendwo in den Sand gesetzt habe (das dürfte eine ziemlich treffende Formulierung sein ;)). Es ist jedoch die genaue Position (meist) in den EXIF Daten hinterlegt. Ich verzichte auf eine Karte und verlinke einfach die Position direkt auf Google jeweils direkt unter dem Bild.

Teil1 und Prolog: [www.drehscheibe-foren.de]




Freitag 10. Juni 2011 – Huasco > Copiapó

Der zweite Tag in Chile begann erstmal pünktlich um halb 7 Uhr in der Früh. Draussen war es noch dunkel und Daniel hatte seinen Wecker falsch gestellt, so dass wir über 45min „zu früh“ (also vor Plan) aus den Federn geholt wurden. Moment, Juli und dunkel draussen? Sonneaufgang ist in Chile in der Region erst um kurz vor 8 Uhr, also relativ spät – Winter!
Als wir um halb 8 Uhr dann das erste mal vor die Türe getreten sind sahen wir anstatt dem Pazifik (schöner Meerblick laut Reiseführer) nur eine Nebelsuppe. Da die Sonne aber noch gar nicht oben sein konnte liessen wir ihr noch etwas Zeit den Nebel zu vertreiben - und wir gingen derweil zum Frühstück. Dieses gab es im „Hauptgebäude“ unten und es war gar nicht schlecht, Rührei mit Brot und O-Saft .... so liess es sich leben.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0358kgr.jpg

Morgens in Huasco mit dem Blick auf den Pazifik. "Wunderschöne Aussicht" stand im Reiseführer ... das würde zweifelsohne wohl stimmen.

Nach dem Essen war der Nebel noch immer da, möglicherweise nicht mehr ganz so dicht wie zuvor aber das mochten wir nicht beurteilen. Von der Sonne, oder der Richtung wo die Sonne herkommen sollte, sah man aber nicht viel.
Wir räumten zusammen, stiegen die steilen Treppenstufen hinunter und fuhren mal aus dem Parkplatz raus. Der Plan war der Ferronor Strecke noch kurz bis zum Hafen zu folgen und dann, hoffentlich in der Sonne, an einem schönen Platz auf einen Zug zu warten den man dann verfolgen kann.
Noch bevor wir das Gleis sahen, sahen wir einen Zug zum Hafen mit drei Loks vorne dran. Er tauchte als wir an einer Kreuzung standen aus dem nichts auf und nahm uns die Entscheidung ob es wohl links oder rechts geht Dankenderweise gleich ab. Die Nebelsuppe wurde wieder dichter als wir der Bahn folgend den Ort verliessen, trotzdem schossen wir den Zug so gut es halt ging am einzigen Dreckweg BÜ den wir entdeckten.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0363kgr.jpg

Per Zufall haben wir im dichten Nebel an der Küste einen Zug zum Hafen gesehen. Wir verfolgten ihn ein paar Meter und erwischten ihn kurz vor der Zufahrt zum Hafengebiet von Huasco.

Wir folgten der Bahn noch eben bis zum Werk/Hafen und schauten zu wie zwei der drei Loks vom Zug rangierten und, gefühlt, vor einen neuen Satz Wagen fuhr. „Dann kommt der vielleicht gleich hoch“, dachten wir uns und fuhren mal vom Ort des Geschehens weg nach Huasco rein. In der Ortsdurchfahrt gibt es eine nette Stelle und in der Meinung, dass die Sonne den Nebel gleich auflösen würde warteten wir mal.
Leider kam der Zug, wie vermutet mit den zwei Loks, vor der Sonne zu uns und wir setzten nach dem ersten Bild zur Verfolgung an.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0372kgr.jpg

In Huasco kommt ein Leerzug mit Lok 413 vorweg durch den Nebel gerollt. Er ist auf dem Weg zur Mine und hinter dem Ort wäre (ziemlich sicher) der Pazifik zu sehen ... wäre.

Wir fuhren gleich "in die Sonne" die schlagartig nachdem wir von der Küste weg waren auftauchte und den Nebel lichtete. Wir suchten uns einen netten Platz direkt am Rio Huasco und warteten mal gespannt. Bevor aber der Zug kam, er liess sich Zeit, schwappte die Nebelwand im Flusstal zu uns hoch in die Fotostelle rein. So gab es nach einem Nebelbild im Ort als zweites noch ein Bild im Halbnebel.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0377kgr.jpg

Hinter dem Nebel war es natürlich 100% Wetter. So stellten wir uns bei Freirina an die Strecke und erwarteten den Leerzug.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0384kgr.jpg
[maps.google.com]
Eigentlich erwarteten wir, dass sich der Nebel auflöst, stattdessen zog er das Flusstal hoch und erreichte uns noch vor dem Leerzug. So blieb es bei einem Spassbild bei Freirina.

Ein zweites mal fuhren wir aus dem Nebel raus in die Sonne hinein. Diesmal fuhren wir aber so weit, dass er uns nicht mehr einholen konnte. Als nächste Stelle fuhren wir die Ecke von gestern Abend an. Wir waren wieder mal etwas über den Sonnenstand erstaunt als wir direkt am Motiv parkten. Irgendwie vermuteten wir die Sonne an einem etwas anderen Ort als sie tatsächlich war. Der Sonnenstand auf dieser Südhalbkugel ist schon sehr ungewohnt ... da muss man immer umdenken ;).
Im weiteren Verlauf schossen wir den Zug noch zweimal bis die Einfahrt am Bahnbetriebswerk von Vallenar erreicht war. Da ging der Zug wieder über die Ablenkung „raus“ und stellte sich hin.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0405kgr.jpg
[maps.google.com]
Der Zug strebte dem Tal hinauf und der Nebel war irgendwann definitiv vorbei. Bei Nicolasa passten wir dem Zug das erste mal in der Sonne ab.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0414kgr.jpg
[maps.google.com]

Bei Loncomilla gelang ein weiteres Bild an einer netten Stelle im Flusstal. Der nächste grössere Ort und der Betriebsmittelpunkt der Bahn, Vallenar, liegt nur noch wenige Kilometer vor dem Zug.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0418kgr.jpg
[maps.google.com]
Und noch eine typische Szene für das breite Flusstal. Der Zug mit Lok 413 in der aktuellen Ferronord Lackierung hat Vallenar erreicht.

Vielleicht um eine Schublok zu bekommen? Oder eine Kreuzung?. Der Grund war uns Wurscht und wir fuhren nach Vallenar hinein und suchten eine Stelle.
Die Streckenführung durch Vallenar ist es Wert kurz erläutert zu werden. Vallenar liegt im Tal des Rio Huasco. Das Tal schneidet sich tief durch die Wüste und passt mit seinen grünen Wiesen, Wäldern und Flächen gar nicht in die Umgebung. Die Bahn verlässt das Tal nach Norden und muss dazu schnell an Höhe gewinnen. Dies geschieht mittels „Serpentinen“ im Ort drin, sie gewinnt mit zwei 180° Wendeln an Höhe, was Akustisch einem Spektakel gleich kommt .
Wir fanden mit etwas Schwierigkeiten einen Platz auf der „obersten Ebene“ und warteten in der Sonne auf Verkehr und unseren Zug. Erst kam eine Draisine hinunter und dann länger nichts mehr. Das nächste war dann der Zug welchen wir von Huasco aus verfolgt haben in Richtung Mine. Er lärmte schier ewig durch den Ort die Steigung hinauf und erinnert mich von Sound her doch sehr an die Artverwandten HZ 2062 die sich an der Kroatischen Küste hinter Split die Steigung hoch kämpfen!

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0427kgr.jpg
[maps.google.com]
Vallenar ist der grösste Ort im Tal des Río Huasco. Er liegt an der Ruta 5 (Pan Americana) und die Eisenbahn windet sich um Höhe zu gewinnen mittels zwei 180° Kehren durch den Ort. Dieses Foto entstand auf der obersten Ebene und der Zug biegt gleich weg vom Ort in die Wüste ab.

Wir hängten uns mit fast leerem Benzintank an den Zug ran und verfolgten ihn in die „Ebene“ über dem Flusstal. Diese Ebene präsentiert sich als Steinwüste, wie wir es uns vorgestellt hatten. Es gelang da ein erstes Bild direkt am Anfang der schiefen Ebene.
Auf dem Weg zu einer zweiten Stelle sahen wir von der Hauptstrasse aus einen Gegenzug in der Wüste stehen, wohl in einem Ausweichgleis auf Kreuzung wartend. Das kam uns sehr gelegen, denn einerseits hatten wir noch eine Stelle für einen Zug in die Richtung „offen“, andererseits mussten wir dringend wieder nach Vallenar zurück um den Tank und den Kanister zu füllen, Tankstellen sind bis Copiapó nämlich keine mehr zu erwarten (und das ist ziemlich weit).
Wir stellten uns also noch ein letztes mal für den Leerzug in die schiefe Ebene. Und der Zug brüllte eine Unendlichkeit lange langsam die Steigung hoch – ein Hochgenuss.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0437kgr.jpg
[maps.google.com]
Das Tal des Río Huasco hat die Bahn verlassen und sie rollt auf der alten Nord-Südstrecke nach Norden.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0440kgr.jpg
[maps.google.com]
Vende = zu Verkaufen, wer also noch ein Fleck Wüste will, die Vorwahl für Chile wäre +56 ;)

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0444kgr.jpg
[maps.google.com]
Unser Zug rollt die starke Steigung hinter Vallenar hinauf und macht dabei mächtig Dampf. Hinten ist noch ein Kreuzungszug zu erkennen der voll beladen auf dem Weg zum Hafen von Huasco ist.

Nach dem Sounderlebnis fuhren wir runter zum Rio Huasco für den Zug zum Hafen der schon ein bisschen Vorsprung hatte. Wir schossen ihn zweimal an beiden geplanten Stellen und fuhren dann zur Tanke am Ortsrand. Vollmachen Bitte! Wir füllten nicht nur der Tank sondern auch unseren 25 Liter Kanister ... und ab da haben wir einen Reservetank dabei mit dem wir 250 - 300km weit kommen - ein beruhigendes Gefühl ;).

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0468kgr.jpg
[maps.google.com]
Wir haben den Zug mit der Lok 413 fahren lassen und hängten uns an die kreuzenden Zug in Richtung Huasco. Der Grund war vor allem der leere Tank welcher uns zu einer Tankstelle zwang - die es ausser in Vallenar in der Gegend nicht gibt.
Am Zug zum Hafen hängt Lok 423 und die bremst den Zug in das Gefälle der Kehren in Vallenar hinein.


http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0470kgr.jpg

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0474kgr.jpg
[maps.google.com]
Vallenar liegt links und der Zug hat die Kehren gemeistert, nun rollt er auf der anderen Talseite weiter Flussabwärts bis Huasco.

Wir wollten dann versuchen "unserem" Bergfahrer hinterher zu kommen, der war ja eh nicht schnell und wir schätzten unsere Chancen realistisch ein, auch wenn wir 20min verloren hatten. Aber wir „mussten“ es nicht mal probieren, denn als wir über die grosse Talbrücke fuhren rollte unten im Ort schon der nächste Leerzug in Richtung Mine. Praktisch, und so hatten wir ein neues Taxi!
Diesen Zug verfolgten wir dann ewig bis die Eisenbahnstrecke die Strasse verlässt und dabei entstanden ein paar nette Bilder aus verschiedensten Perspektiven. Die Zuglok war eine Blechbüchse im Lack der FCN (Ferrocarril del Norte).

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0487kgr.jpg
[maps.google.com]
Nach dem Tanken rollte bereits der nächste Ferronor Zug durch Vallenar in Richtung der Mine. Wir passten ihn in der oberen 180° Kehre ab. An der Spitze ist mit Lok 419 noch eine in der alten Lackierung der "Ferrocarril del Norte" - der Eisenbahn die früher fast das ganze Netz in Nordchile betrieben hat.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0496kgr.jpg
[maps.google.com]
Nicht das uns die Lackierung der Lok 419 gefallen hätte, aber er fuhr sowieso in unsere Richtung. Ein weiteres mal fotografierten wir ihm am Scheitelpunkt der Strecke im Ausweichbahnhof Chehueque.
Erst dachten wir der Zug geht in eine Kreuzung auf das Ausweichgleis. Dieser Verdacht bestätige sich leider nicht. Die Ausweichbahnhöfe sind mit Rückfallweichen die aufgeschnitten werden ausgerüstet und der leere Zug fährt immer über das Ausweichgleis.


http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0508kgr.jpg
[maps.google.com]
Kurz hinter dem Scheitelpunkt geht es für den Zug rasant Bergab. Und man hat als Fotograf endlich mal die Möglichkeit den Zug mit der fantastischen Bergkulisse zu Fotografieren!

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0529kgr.jpg
[maps.google.com]
Parallel zur Bahn führt auch die Ruta 5 und so sind mehrere Bilder vom Zug ohne weiteres möglich.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0539kgr.jpg
[maps.google.com]
Von Vallenar bis zu diesem Punkt benutzt die Ferronord die alte Nord-Südstrecke. Hier in Ewpalve Norte zweigt die Stichstrecke zur Mine "Los Colorados", welche nur noch wenige Kilometer entfernt liegt, ab.

An dem Ort wo die Strecke die Strasse verlässt stand eine einsame Lok im weiterführenden Gleis der Nord- Südstrecke (die nicht mehr in Betrieb ist) und wartete mit laufendem Motor auf ... irgendetwas. Die Lok steht da, das merkten wir ziemlich flott, um die vollen Züge von der Mine über den Berg zu drücken bis der höchste Punkt erreicht ist.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0540kgr.jpg
[maps.google.com]
Da die vollen Züge nach Huasco bis zum Scheitelpunkt für zwei Loks zu schwer sind steht eine Schublok bereit welche die Züge bis Chehueque Schubhilfe leisten. Die Lok 2805 war an diesem Tag zum Schubdienst eingeteilt.

Die Mine „Los Colorados“ war das nächste was wir uns anschauen wollten. Erschwerend war nur, dass es der Bahn entlang keine Strasse sondern nur eine Piste gibt. Und die war auf der Karte nicht mal wirklich drauf. Aber man hat ja nicht umsonst ein kleines Geländegängiges Fahrzeug gemietet ;) Also probierten wir es einfach mal. Und noch in Sichtweite vom Streckeabzweig fanden wir eine so schöne Stelle wo wir nicht wieder weg wollten. Wir waren etwas am hin und her überlegen was wir machen wollten ... bis ein grummeln unsere Denkarbeit störte. Es musste ein Zug von de Mine sein und er wurde immer lauter. „Schon“ 20min später war er bei uns. Er hatte das bekannte Lokpaar vom Vormittag davor.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0548kgr.jpg
[maps.google.com]
Dieser Zug, mit Lok 413 hinten dran, rollt nun beladen von der Mine in Richtung Huasco. Gleich wird der Zug die Nord-Südstrecke erreichen und ab da Schubhilfe erhalten.

Der Zug hielt wie vermutet an der Abzweigung an und ein sehr merkwürdiges Rangiermanöver begann: Logisch wäre es ja wenn der Zug hinter die Weiche fährt und dann die Schublok aus dem alten Streckengleis direkt an den Zug setzt – ganz einfach. Es ging aber anders: Erst wurde die Schublok aus dem Gleis geholt und auf das Streckengleis zur Mine gestellt. Der volle Zug stand dabei auf dem Streckengleis nach Süden / Vallenar. Hmm, was sollte das? Das war uns nicht ersichtlich. Schieben? Wir der Zug getrennt, oder gibt es Vorspann? Der volle Zug drückte dann in das alte Streckengleis nach Norden zurück und die Schublok fuhr hinterher - fuhr aber nicht an den Zug ran.
Häää? Was wir als nächstes sahen war ein grelles Licht gaaanz weit weg in der Wüste, ein weiterer Zug zur Mine kündigte sich an. Das erklährte das Rangieren auf das alte Gleis Sinn, die Aktion mit der Schublok blieb aber ein Rätsel. Egal, um den Zug wollten wir uns später kümmern, denn bis der Leerzug zur Mine durch war konnte er sich sowieso nicht bewegen.
So fuhren wir wieder an die Stelle auf der Strecke und Fotografierten den Leerzug, mit zwei gelben Loks, bunte Sache!

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0560kgr.jpg
[maps.google.com]
Und wieder eine andere Lackierung - noch ist es bunt an der Ferronor. Diese beiden Hübschen tragen eine alte Ferronor Lackierung und hören auf die Nummer 422 und 425. Sie sind kurz vor der Abzweigung zur Mine.


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[maps.google.com]
Der Leerzug hat die Nord-Südstrecke verlassen und rollt der Mine Los Colorados entgegen. Links hinter dem Zug sehen wir den beladenen Zug nach Huasco welcher sich zur Kreuzung auf die alte Strecke gestellt hat (so kann man also mit einer einzigen Weiche zwei Züge kreuzen).

Der Zug war durch und wir widmeten uns wieder „unserem Problem“. Es bewegtes ich wieder etwas: Die Schublok fuhr aus dem Gleis raus und setzte wieder aufs Streckengleis zur Mine um. Der Volle Zug fuhr auch raus und die Schublok ging hinten an den Zug ran. Was für ein Aufwändiges und unnötiges Rangiermanöver …
Auf jeden Fall verloren die Chilenen keine Zeit mehr und der Zug fuhr gleich los, und wir hinterher. Zwei Bilder gab es im besten Abendlicht, wobei das zweite davon relativ aufwändig war. Wir mussten einerseits einen Hügel besteigen und andererseits irgendwie an von der Autobahnbaustelle zur Bahn hin kommen, was nicht einfach war.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0581kgr.jpg
[maps.google.com]
Nachdem der Zug mit der beiden gelben vorbei war durfte auch der volle Zug der nun die Schublok erhalten wieder auf die Strecke. Die drei Loks sind gerade schwer arbeitend damit beschäftigt den Zug etwas zu beschleunigen.

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[maps.google.com]
Blick in den Steigungsabschnitt mit dem vollen Zug nach Huasco.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0603kgr.jpg
[maps.google.com]
Und noch ein Blick auf die Schublok. Links sehen wir die Baustelle der Ruta 5. Diese wird auf der Ebene 4-Spurig ausgebaut und mit einer Brücke über die Bahn versorgt.

Auf ein drittes Bild freuten wir uns an einer netten Stelle kurz vor dem Scheitelpunkt der Strecke in der Wüste. Doch irgendwie kam er nicht. Wir vermuteten erst noch einen Gegenzug, der aber auch nicht auftauchen wollte. Als die Sonne nach 20min warten hinter dem Berg versank sahen wir weit unten eine Dieselwolke langsam auf uns zu fahren. Ich freute mich darauf mit den Bedingungen zu spielen, doch man liess mich nicht. Die Dieselwolke war auf einmal weg und das Spitzenlicht der Lok bewegte sich nicht mehr. Eine ausweiche konnte da unmöglich sein, dafür waren die anderen zu nah. So fuhren wir halt, als richtig dunkel wurde, los in Richtung unserer Betten – los nach Norden – nach Copiapó. Der Zug stand übrigens wirklich mitten in der Wüste und bewegte sich keinen Meter, da war es wohl jemandem zu warm geworden.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0619kgr.jpg
[maps.google.com]
Kurz vor dem Scheitelpunkt warteten wir nochmal auf den Zug. Er kam aber nicht mehr in der Sonne ... . Die Steigung verlangt den Loks alles ab und die Fahrt dauert mit den geschätzten 15km/h ziemlich lange.

http://bahnpics.com/nil/11.06%20Chile/11.06.10%20Vallenar/DSC_0629kgr.jpg
[maps.google.com]
Abendstimmung in der Wüste

10 Kilometer weiter unten, beim Abzweig der Strecke zur Mine, rollte uns dann sogar noch ein zweiter beladener Zug (mit den beiden gelben Loks) vor der Nase durch, der nahm die Steigung aber ohne Schublok in Angriff .. hm?
Die Fahrt führte uns heute noch bis Copiapó, 150km weiter nördlich von unserer Position. Da hatten wir im laufe des Tages per Handy ein Hotel reserviert welches der Lonley Planet Reiseführer ausspuckte. Es sei eine „Perle“ in mitten der Lebendigen Stadt, einziges Manko: Sehr schwer zu finden, weil kein Hotelschild. Wir waren ob dieser Botschaft einfach mal vorbereitet und gespannt ;)
Die Fahrt durch die Nacht war angenehm. Die Gesetzmässigkeit der Strasse, dass man immer zu dem Zeitpunkt auf einen Schleicher aufläuft indem man sicher nicht überholen darf oder kann, gilt übrigens auch in Chile. Sie war das einzige kleine „nerverchen“ an der Fahrt. In Copiapó drin fanden wir über das Navi zwar relativ schnell die richtige Strasse, nur das Hotel sahen wir nicht beim zweimaligen durchfahren im angepeilten Nummernbereich. Warum wählen wir auch ein Hotel welches nicht angeschrieben wird? Wo wir doch auch sonst schon immer die Probleme mit finden von Hotels haben! ;) Am Schluss gingen wir stupid nach der Hausnummer und sahen wirklich erst als wir im Hauseingang vor der Klingel standen das da ein Hotel im Gebäude liegt.
Das Hotel selber ist nett ... nichts Wahnsinniges, aber nett. Ärgerlich war nur gerade unser Klo. Die Spülung streikte und wir reparierten sie notdürftig (Zimmerwechsel wäre sicher möglich gewesen, aber selbst ist der Mann ;).
Nach dem einräumen ging es etwas Essen in der Stadt, wobei der zentrale Platz Dankbarerweise zu Fuss kaum 3min vom Hotel entfernt war. Ein wirklich tolles Restaurant fanden wir nicht und so landeten wir am Schluss in einem belebten Gasthaus wo ganz ordentliche Hamburger serviert wurden ... leider ohne Beilage ;). Achja, die tollen Pet Bierflaschen mit Crystal Bier drin gab es auch da, diesmal aber mit 0.66 Liter und nicht gleich einem ganzen.
Wieder im Hotel, es ist kurz vor 22 Uhr, tun wir nicht mehr viel (wie immer). Ich war gerade noch Duschen und als ich mich fertig eingeseift habe war das warme Wasser alle ... iiiik. Auch in diesem Zimmer ist übrigens wieder keine Heizung vorhanden, dafür ein halbes Dutzend Wolldecken - praktisch ;).




Dies war der zweite Teil und der zweite Tag. Im nächsten Teil, der im laufe der Woche folgt, verschieben wir uns weiter in den Norden zu einer weiteren von Ferronor betriebenen Strecke … und eines kann ich euch versprechen: Landschaftlich wird nur noch besser.

Grüess
Nil



Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...
Vielen Dank für diesen tollen Bericht, freue mich schon auf den nächsten Teil.
Ganz grosses Kino ! und deshalb ein Genuss zum Lesen & Anschauen.
Auch ich bin gespannt auf die Fortsetzung,
Paul
Hallo!

Höchst genial, vor allem auch die Nebelbilder! :-)

lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Hallo Nil,

kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Und nach so einer Anreise kann der Rest der Tour ja nur gut werden ;-)

Schön, aus dieser Ecke der Welt mal wieder etwas aktuelles zu lesen; der Lok-Report Artikel über Nordchile ist ja nun auch schon viele Jahre her. Und bis ich da selber hinkomme, sind zumindest die GE-Elloks sicher längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen ...

Die Schublok; das ist doch sicher eine der mittlerweile auf südamerikanischen Meterspurbahnen gehäuft auftretenden ehemals US-amerikanischen Normalspurloks, oder?
Bei der neunen Farbgebung der Meterspurloks könnte man meinen, Ferronor hat irgendwann mal eine Lok von CSX gekauft, und dann Gefallen an der Farbaufteilung gefunden ...

Bin gespannt auf den nächsten Teil.

Gruß
Michael
Hoi Nil!

Tja, was soll man sagen? Irgendwann gehen einem bei Deinen Berichten die Superlativen aus!!!

Also heute dann mal ganz einfach: Bilder atemberaubend!!!! Und Text wieder toll zu lesen!

Grüße
Chris
Toller Beitrag! Der Trip wurde doch nicht etwa durch die genialen Fotos von J.-M. Frybourg auf [www.railpictures.net] inspiriert, oder? ;-)
Freue mich schon auf die weiteren - und darauf, das alles dann selbst zu sehen.
Gibt es eigentlich irgendwo eine Karte mit den Bahnlinien in der Gegend?


Michael_F schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die Schublok; das ist doch sicher eine der mittlerweile auf südamerikanischen Meterspurbahnen gehäuft auftretenden ehemals US-amerikanischen
> Normalspurloks, oder?

Mit grosser Wahrscheinlichkeit eine ehemalige GP50, welche ein schmalspuriges C-C Fahrwerk bekommen hat. Eine nette Abwechslung zu den GR-12 "Hammerheads".


> Bei der neunen Farbgebung der Meterspurloks könnte man meinen, Ferronor hat irgendwann mal eine Lok von CSX gekauft,

Und bei einer wollte man wohl das "Black Widow-Scheme" der ehem. Southern Pacific wieder aufleben lassen.


Thomas



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:11:07:08:31:51.

Schublok = ex GP49 aus Alaska

geschrieben von: TS-Sounddesigner

Datum: 07.11.11 09:18

Hallo,

auch ich sage danke für den tollen Bericht und die spannenden Bilder!

Um das Rätsel der Schublok 2805 aufzuklären:

Es handelt sich um eine von zwei zur Ferronor verkauften GP49 der
Alaska Railroad, die mit drei achsigen HTC-Drehgestellen ausgerüstet
wurde. 2805 und 2808, so die Nummern, werden wohl aktuell mit je einem
Slug verbunden (ex GE U9C), um mit nur einem dann stärkeren Motor und
weiterhin 12 Achsen die Züge zu bewegen. Quelle: [en.wikipedia.org]

Bei der FEPASA gibt es darüberhinaus 14 Stück SD39M-2 und 9 Stück SDL39.
Während die SDL39 ( [en.wikipedia.org] ) von EMD gebaut wurde nach Art
einer GP39, aber mit den leichten dreiachsigen Exportdrehgestellen und
damit als SDL39, wurden die SD39M-2 für Chile sukzessive aus GP35, 38 und
vor allem GP40 umgebaut. Allen gemeinsam ist der Dieselmotor 12-645E3 mit
Turbolader.

Siehe auch [es.wikipedia.org] für die Bahn und für die Lokomotiven
[www.fepasa.cl] => Nuestra Empresa => Locomotoras.

Ich bin gespannt auf den nächsten Teil von Nil!


Viele Grüße




TS-Sounddesigner


EDIT: eindeutigere Formulierung zur SDL39, die natürlich nie GP39 hieß :-)
sondern ab Werk immer schon SDL39.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:11:07:21:53:55.

Re: Schublok = ex GP49 aus Alaska

geschrieben von: SD40-2XR

Datum: 07.11.11 10:49

TS-Sounddesigner schrieb:
-------------------------------------------------------
> Es handelt sich um eine von zwei zur Ferronor verkauften GP49 der Alaska Railroad,...

Ach ja, stimmt! Da hatte ich doch kürzlich Bilder vom Strassentransport der Lok gesehen. Die ARR GP49 ist jedoch zumindest stark mit der GP50 verwandt. ;-)


> Während die SDL39 (> [en.wikipedia.org] ) original von EMD gebaut wurde als GP39 mit den leichten
> dreiachsigen Exportdrehgestellen...

Die SDL39 war von Beginn weg eine sechsachsige Lok. Sie wurde auf Basis der vierachsigen GP40 für die Milwaukee Road, welche eine leichte Lok für ihre branch lines benötigte, gebaut. Die dreiachsigen trucks dienten zur Verteilung des Gewichts auf dem leichten Schienenoberbau. Selbiges kann man auch im Wiki-Beitrag und in einem kürzlich erschienen, kurzen Beitrag im "Trains" lesen.


Thomas



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:11:07:10:50:38.

Re: Schublok = ex GP49 aus Alaska

geschrieben von: Nil

Datum: 07.11.11 21:29

Hoi zäme,

merci für das Licht ins Dunkle bei der Schublok.
Wenn ich euch Experten schon an der Strippe hab komme ich wieder auf euch zu - den für mich sind die Loks in erster Linie Fotoobjekte - Blechbüchsen ;)

>>Der Trip wurde doch nicht etwa durch die genialen Fotos von J.-M. Frybourg

Ein bisschen vielleicht ;)

Gruess
Nil

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...

Sehr schön!

geschrieben von: wiesentäler

Datum: 08.11.11 22:18

Hallo Nil,

vielen Dank für den Bericht und die tollen Bilder.
Im Februar flieg ich selbst nach Chile und bin schon ganz gespannt.

Ich glaube wir sehen uns am Freitag in Wien? Dann hätte ich noch ein paar Fragen....

Gruss
Wiesentäler

Bitte immer in Fahrtrichtung pfeifen