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Interrail 2011: EU-Mitte-Nord – Teil 3 (Prag-Berlin)


Alle bisherigen Teile:
Teil 1: Wien-Prag
Teil 2: Prag



Wir befinden uns noch in Prag auf Spazierfahrten mit der Straßenbahn und Besichtigungswegen zu Fuß.

Altstädter Ring mit Rathaus und Teynkirche
Wir spazieren also durch die Hybernská, durch die einstmals auch eine Straßenbahn gefahren ist. Dank Wikipedia und OpenStreetMap kann ich daheim feststellen, daß der schöne Turm am Ende dieser Straße der Pulverturm bzw. auf Tschechisch Prašná brána ist. Der 65 Meter hohe gotische Turm wurde 1476 begonnen, aber danach unfertig gestehen gelassen. 1886 wurde er neugotisch fertiggestellt. Weil der Turm bis zum 17. Jahrhundert als Schwarzpulver-Lagerplatz verwendet wurde, erhielt er diesen Namen. Gleich daneben sehe ich auch das schön renovierte Obecní dum (Repräsentationshaus oder Gemeindehaus), das ich ebenso schon 1973 fotografiert habe – damals noch schmutzig-schwarz und mit Straßenbahnlinie davor. Es wurde 1906-12 an Stelle des alten Königshofes hier erbaut. 1918 wurde in diesem Gebäude die Souveränität der Tschechoslowakei proklamiert.

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Der Pulverturm am Eingang zur Innenstadt. Hier fuhr einst eine Straßenbahn durch!

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Das Obecní dum, wie es sich heute präsentiert…

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… und wie es im November 1973 aussah (Ausschnitt) – mit einem Arbeitswagen davor.

Durch die Celetná (Zeltnergasse), in der einst Franz Kafka wohnte, kommen wir zum touristischen Hauptanziehungspunkt Prags, dem Altstädter Ring bzw. Staromestské námestí. Warum dieser Platz als „Ring“ bezeichnet wurde, ist mir unbekannt, aber auch in Rumänien gibt es in Siebenbürgen Plätze, die im Deutschen als „Ring“ bezeichnet wurden.
Natürlich ist so ein Platz nicht gerade ein Lieblingsaufenthalt für mich, aber wenigstens einmal möchte man ja doch drübergegangen sein, und auch die Teynkirche (Týnský chrám) möchte ich mir innen anschauen. Genaugenommen heißt die Kirche „Kostel Panny Marie pred Týnem“ bzw. „Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn“. Als Teyn oder Thein wurden eingefriedete Fürstenhöfe bezeichnet, die auch der Zolleinhebung dienten. Mit dem Bau der Kirche wurde 1365 begonnen, die Türme wurden allerdings erst am Anfang des 16. Jahrhunderts fertiggestellt. Eine Besonderheit ist, daß das Hauptportal nur durch einen Hausdurchgang erreichbar ist. Der Platz vor dem Eingang ist auch entsprechend klein. Stellvertretend für die typischen Postkartenmotive aus Prag soll nur das eine Bild dieser Kirche dienen:

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Die Teynkirche in Prag hinter den schön renovierten Fassaden der Bürgerhäuser

Wir lassen dann aber das Hus-Denkmal sowie sowie die hussitische Nikolaus-Kirche rechts liegen, denn ich will nur einen Blick auf die astronomische Uhr (von 1410) am Altstädter Rathaus werfen, die ich auch 1973 fotografiert habe. Dann flüchten wir aber vor den Menschenmassen und nicht zuletzt vor dem Lärm, denn es ist irgendeine Volkstanzgruppe auf dem Platz in Aktion (was den Lärm und die Menschenmassen noch verstärkt), und den Platz kann ich mir auch nächstes Jahr (vielleicht in einer frühen Morgenstunde) einmal genauer anschauen. Bei der Durchforschung des ehemaligen Straßenbahnnetzes bin ich dahintergekommen, daß sogar über diesen Platz einmal die Straßenbahn gefahren ist (durch die Celetná über den Altstädter Ring weiter durch die Parížska zur Cechuv most. Diesen Weg möchte ich nächstes Jahr einmal abschreiten. Klarerweise beachten wir auch die anderen schönen Gebäude auf diesem Platz nicht weiter, sondern gehen wieder am Magistrat Prag vorbei zu einer U-Bahnstation der Linie A (Staromestská). Eine sehr lange Rolltreppe führt in die tief gelegene Station.

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Unscheinbare Gebäude faszinieren mich manchmal mehr als berühmte Bauten: Magistrat der Stadt Prag.

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Eines der wenigen U-Bahn-Bilder, die ich in Prag machen kann – und auch das beste von allen: Station Staromestská.

Mit dieser Linie fahren wir nun bis Hradcanská am anderen Moldauufer neben der Prager Burg (die wir nicht besichtigen können, weil uns die Zeit fehlt). Wir fahren von dort mit der Linie 1 bis Vozovna Strešovice, denn wir wollen uns nun, da es nicht mehr regnet, die Gleise hier anschauen. Offensichtlich gibt es hier Betriebsgleise, die nicht mehr befahren werden. Tatsächlich finden wir dann in unmittelbarer Nähe die ehemalige Abzweigung Richtung Myslbekova, allerdings enden sowohl Straße als auch Gleise im Nichts, denn hier wird der „Tunnelkomplex Blanka“ gebaut. Es gibt aber eine Umleitungsstraße und über einen Weg durch einen Park entlang von alten Festungsmauern kommen wir zur Myslbekova. Gleise liegen hier zwar noch, der Gleisanschluß bei der Kreuzung mit der Straße Hládkov besteht aber nicht mehr, diese Verbindungsstrecke muß daher schon längere Zeit nicht mehr befahren worden sein – obwohl noch die Oberleitung hängt. Auf meinem alten Plan von 1978 verkehrte hier noch die Linie 8. Im unteren Teil der Straße liegt natüarlich noch ein Gleis, nämlich jenes der Linie 25, die in Fahrtrichtung Osten über Belohorská – Myslbekova - Hládkov in die Keplerová einmündet, während sie in Fahrtrichtung Westen direkt von der Keplerová Richtung Belohorská auf der Hauptstraße verbleibt. Wieso ausgerechnet wegen einer einzigen Haltestelle nur eine Linie diesen Seitenweg befährt, während die Linie 22 in beiden Richtungen auf der Achse Belohorská-Keplerová bleibt, ist uns natürlich nicht klar. Vielleicht ist es nur eine der vielen ungelösten Fragen in den Netzen öffentlicher Verkehrsmittel, denen man allerorten begegnen kann – auch in Wien – und die stets ohne Antwort bleiben!


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Blick auf die Myslbekova Richtung Norden: hier enden die längst nicht mehr benutzten Gleise. Dahinter ist die Baustelle des Tunnelkomplexes zu erkennen.


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Der Blick in die andere Richtung (Süden): Hier ist die eingleisige Strecke der Linie 25 (Wagen 9034) genau an der Abzweigung – eine Gleisverbindung gibt es aber nicht mehr.


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So sieht die Abzweigung derzeit aus.


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Die eingleisige Ablenkstrecke, die nur von Linie 25 befahren wird. Hier in der Haltestelle Hládkov.


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Einmündung in die Keplerova Richtung Innenstadt. Ein Zug der Linie 8 (8082, Typ T3M) kommt entgegen.


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Gegenüber dem T3R.P (8440) wirkt der KT8D5 (9020) sehr wuchtig. Beide Züge übrigens in Linie 25!


Durch Gärten zum Petrín-Hügel
Unser Ziel waren nicht nur die Straßenbahnstrecken hier, sondern auch die Straße Pohorelec, die wir schon am Vormittag beim Regen von der Straßenbahn aus gesehen hatten. Von hier wollen wir durch die Parkanlagen des Petrín-Hügels zur Standseilbahn gehen und zur Kleinseite hinunterfahren.

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Bevor wir in diese Straße einbiegen, muß noch dieses Bild gemacht werden: T3R.PLF 8257 in der umgelenkten Linie 8 auf der Keplerová. Auch der zweite (nicht niederflurige) Wagen hat diesen Sonderanstrich.

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Auf der anderen Straßenseite auf dem selben Platz befindet sich ein attraktives Gebäude, das sich auf „OpenStreetMap“ als hradcanská kasárna entpuppt.

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Doch dann gehen wir durch die schön renovierte Straße Pohorelec …

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…Richtung Loretánská und kommen an einem riesigen Palais vorbei, das sich daheim beim Recherchieren als Palais Czernin (Cernínský palác) entpuppt. Der 150 Meter breite Bau wurde 1669 begonnen. Das Palais wurde kaum bewohnt und brachte den Grafen an den Rand des Ruins. Ab 1851 diente es der österreichisch-böhmischen Armee als Kaserne und wurde rücksichtslos umgebaut. Unter Präsident Masaryk wurde das Palais ab 1928 nach Originalplänen restauriert, um als Außenministerium der Tschechoslowakei zu dienen. Während der deutschen Besatzung residierte hier der Reichsprotektor Reinhard Heydrich. Nach dem zweiten Weltkrieg diente das Palais wieder als Außenministerium und wurde im März 1948 Schauplatz des Dritten Prager Fenstersturzes, dem nach dem kommunistischen Februarputsch der nichtkommunistische Außenminister Jan Masaryk zum Opfer fiel. Heute befindet sich im Palais Czernin das Außenministerium der Tschechischen Republik. Von hier kann man auch ganz gut die Anlagen der Prager Burg mit dem Veitsdom sehen, aber wie schon erwähnt, sparen wir uns diesen Teil für den nächsten Besuch auf.


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Auf dem weiteren Weg bieten sich mehrere Blicke zur Prager Burg mit dem Veitsdom.

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Wir spazieren nun durch weitläufige Parkanlagen, wobei wir achten, nicht unnötig viele Steigungen zu nehmen, denn eigentlich sollte es ja an der anderen Seite des Hügels bergab gehen. Hier erkennt man, auf wie vielen Hügeln Prag eigentlich erbaut ist. Überall gibt es Steigungen und viel Grün.

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Wir kommen zur Mittelstation der Standseilbahn (Nebozízek), auf der unsere Tageskarte auch gültig ist. Hier fahren wir mit dem nächsten Zug hinunter nach Újezd. Leider läßt die beengte Situation keine besseren Bilder zu. Es ist aber auch ein Zeitproblem.


Es ist außerdem Zeit, daß wir wieder Straßenbahn fahren. Allerdings mit der Linie 6 nur bis I.P.Pavlova, wo wir in die Metrolinie C umsteigen und eine Station weit bis Vyšehrad fahren (die Stationsabstände der Metro sind in Prag besonders lang). Knapp vor der Metrostation befindet sich eine riesige Brücke (Nuselský most) über einen tieferliegenden Stadtteil, in dem auch die Bahnstrecke Smíchov-Hlavní Nádraží verläuft. Die wollte ich mir eigentlich anschauen, aber natürlich kann man sie von nirgendwo so richtig gut ins Bild bekommen. Wenn man unten im Tal durchfährt, wird einem die Dimension der Brücke erst so richtig bewußt! Die 485 Meter lange und 42 Meter hohe Brücke wurde 1973 eröffnet und ist sechsspurig, außerdem fährt in ihrem Inneren die Metrolinie C. Die Brücke wurde auch oft Selbstmord-Brücke genannt, doch wurde 1997 mit einem Gitter und 2007 durch eine besondere Verblechung im oberen Bereich ein Überklettern der Brüstung erschwert bzw. verhindert. Klarerweise hieß die Brücke wie viele wichtige Straßen und Bauten bis 1989 nach einem kommunistischen Politiker (Klement Gottwald, Staatspräsident 1948-1953). In der Metrostation kann ich einen neueren Metrozug von der Seite fotografieren. Hier in einer Station lassen sich Frontbilder nicht so einfach machen.


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Ein modernerer U-Bahn-Zug in der Station Vyšehrad der Linie C.

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Nuselský most über das Nusle-Tal. Zugleich mit dem Bau wurde die U-Bahn mitgebaut.


Vyšehrad
Wir steuern nicht das hier befindliche Konferenzzentrum an, sondern natürlich den Vyšehrad-Hügel, auf dem im 10. Jahrhundert die zweite Burg Prags errichtet wurde. Doch heute wird der Hügel durch die weithin sichtbare St.Peter-und-Paul-Kirche dominiert. Das ist auch der Grund, daß wir uns das hier näher ansehen wollen. Wir spazieren durch die Burganlagen, ohne uns näher mit der Geschichte auseinanderzusetzen (mangels guter deutscher Informationen). Aber daheim gibt es ja Wikipedia: Während der erste böhmische König seine Residenz 1070 auf die Burg Vyšehrad (übersetzt: Hohe Burg) verlegte, verfiel die Burg nach 1170 wieder. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Burg unter Karl IV. wieder ausgebaut, später wurde sie ein geistliches Zentrum mit über hundert Geistlichen. Nach vielen weiteren Wirren und unterschiedlichen Nutzungen wurde die veraltete Anlage 1654-1680 zu einer Barockfestung umgebaut. 1866 wurde Vyše-hrad ein Stadtviertel Prags, 1911 wurde die Festung fast vollständig geschleift. Archäologische Forschungen brachten Teile alter Gebäude zum Vorschein. Für uns war der Hügel – abgesehen von den wuchtigen Mauern – vor allem wegen der Kirche interessant. Sie wirkt wie eine neugotische Kirche, obwohl sie innen (untypisch für Neugotik) schrecklich dunkel ist (was an der Bemalung und wohl auch an den alten Fenstern liegt). Daher war ich überrascht, daheim in Wikipedia zu lesen, daß die Kirche ebenso auf das Jahr 1070 zurückgeht. Im 15. Jahrhundert wurde sie weitgehend fertiggestellt, doch in der Folgezeit mehrmals umgestaltet (Renaissance und Barock), 1885-87 erfolgte eine neugotische Umgestaltung (also doch!), der die Kirche das heutige Aussehen verdankt (Die Türme kamen erst jetzt dazu). Leider wußten wir bei unserem Besuch nichts von dem angeschlossenen berühmten Friedhof, auf dem u.a. Bedrich Smetana, Antonín Dvorák und Rafel Kubelík begraben sind. Aber nächstes Jahr ist auch noch Gelegenheit dazu.


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Die Peter und Pauls-Kirche auf dem Vyšehrad.


Wir spazieren durch das Chotek-Tor aus der Burganlage heraus und am verfallenen Bahnhof Vyšehrad vorbei, den ich nun mit Sorgfalt fotografieren kann. Die Geschichte des Bahnhofs (Jugendstil!!) würde mich interessieren, vor allem, warum er nicht als S-Bahn-Station dient. Im Internet ist nur eine tschechische Beschreibung verfügbar, die unmögliche automatische Übersetzung läßt zumindest erkennen, daß der Bahnhof schon 1960 stillgelegt wurde. Außerdem gab es einige Jahre davor zwei schwerere Unfälle (was aber sicher nichts mit der Auflassung zu tun hat). Nach 1980 wurde das Gebäude renoviert, allerdings nicht sehr sorgfältig, sodaß Wasser eindrang und es stark beschädigte. In den letzten zehn Jahren gab es zahlreiche Versuche, das Gebäude zu nutzen, die Details sind unverständlich und es sieht derzeit nicht so aus, als ob es wirklich bald zu einer guten Renovierung kommen würde.


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Der ziemlich verwahrloste alte Bahnhof Vyšehrad wird seltsamerweise nicht mehr genutzt. Er würde sich doch als S-Bahn-Station eignen, oder nicht? Die Schönheit der Architektur ist noch immer sichtbar.


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Eine größere Ansicht des Bahnhofs.


Abendessen und Wenzelsplatz
Wir steigen beim Bahnhof Vyšehrad (Haltestelle Albertov) in einen Straßenbahnug der Linie 7 ein und fahren damit bis Otakarova, der Station nahe unserem Hotel. Im Hotelrestaurant nehmen wir ein günstiges Wochenendmenü: Kartoffelsuppe mit Pilzen, Geselchtes mit Erdäpfelknödel (endlich!!) und Sauerkraut, als Nachspeise Lívance (In Wien sagt man Liwanzen oder böhmische Dalken)! Noch mehr Glück kann man gar nicht haben. Das Ganze kostete lediglich 149 Kronen (5,80 Euro), dazu ein Bier um 23 Kronen oder 95 Cent. Die Liwanzen waren mit Heidelbeeren und Schlagobers garniert.


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Wer kennt die köstlichen böhmischen „Lívance“?


Nach diesem köstlichen Mahl fahren wir noch einmal weg, und zwar, um den Wenzelsplatz zu besuchen und spazieren zu gehen. Dort gibt es nämlich zwei Straßenbahnwagen, die als Café dienen. Wir fahren daher mit der Linie 11 bis Muzeum, von dort zu Fuß den Wenzelsplatz hinunter (in der Mitte und rechts) und auf der anderen Seite wieder zurück. Unterwegs sehen wir das „Cafe Tramvay“, die hier abgestellten alten Tramwaytypen (Triewagen 2077, Beiwagen 1429) sah ich 1973 noch in Betrieb. An das Národní muzeum, das man vom Wenzelsplatz aus gut sehen kann, erinnere ich mich auch noch von damals. Allerdings gab es damals hier noch Straßenbahngleise!


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Der obere Bereich des Wenzelsplatzes: Das Wenzelsdenkmal mit dem Národní muzeum im Hintergrund.


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Und ein Vergleichsbild von 1973: ob über diese Gleise damals noch etwas fuhr?


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Hier paßt auch dieses Bild von 1973 als Vergleich – vermutlich die heutige Washingtonova in der Nähe des Wenzelsplatzes: Propaganda allerorten! Man feierte die Freundschaft mit der Sowjetunion.


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Zwei alte Straßenbahnwagen als Café. Wir sind dennoch nicht hineingegangen!


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Und so sah diese Type im November 1973 im Betrieb aus: Wagen 2228 in Linie 9. Aufnahmeort unbekannt.


Auf dem Platz, an dem sich 1969 Jan Palach (und später Jan Zajíc, von dem ich das nicht wußte) verbrannte, gibt es heute natürlich ein Denkmal. Die Umstände weiß ich heute natürlich nicht mehr so genau, wie sie in Wikipedia nachzulesen sind, doch der Name und das Anliegen waren mir immer im Bewußtsein. Von Jan Zajíc hatte ich bis heute allerdings nichts gehört.


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Jan Palach-Denkmal auf dem Wenzelsplatz.


Auf dem weiteren Weg rund um den Platz kommen wir auch bei einem berühmten Lokal vorbei, in dem eine LGB-Eisenbahn das Bier zu den Gästen bzw. zu den Tischen bringt. Vielleicht besuchen wir das Lokal ja im nächsten Jahr! Die Rückfahrt wollten wir mit der Metro (von Muzeum bis I.P.Pavlova) und der Linie 6 absolvieren. Dabei übersehe ich jedoch, daß der 6er nur bis 20 Uhr verkehrt. Also mußten wir ein paar Meter gehen, um mit der Linie 11 heimzufahren – das hätten wir schneller am Muzeum haben können, also gleich von dort die Linie 11, ohne Metro, also ohne Umsteigen! Wir sind müde, als wir ins Hotel zurückkommen. Morgen haben wir noch einen halben Tag in Prag, den wir aber auch gut nützen werden!


Samstag, 9. Juli 2011: Praha – Hostivice – Praha – Berlin

Der heutige Tag bringt uns eine interessante Bahnfahrt über den „Prager Semmering“, und damit ein wenig Bahnfahren in Tschechien, bevor wir am frühen Nachmittag nach Berlin aufbrechen, wo wir eine Woche bleiben werden. Die Fahrpläne für den heutigen Tag:
09:30 ab Praha Masarykovo
10:04 an Hostivice
10:31 ab Hostivice
10:56 an Praha Smíchov severní nástupište
14:31 ab Praha hl.n.
19:07 an Berlin Südkreuz
Gesamtkilometer: 388.

Ein paar Bilder vom Hauptbahnhof
Bevor wir zum Masarykbahnhof gehen, wollen wir auf dem Hauptbahnhof erstens ein paar Bilder machen und zweitens einen Dampfsonderzug sehen, der laut Fahrplan (Kursbuch und Internet) heute verkehren soll. Wir fahren also mit der Linie 11 und der Metrolinie C zum Hauptbahnhof, wo unser Gepäck bis zum Nachmittag in einem Schließfach auf uns warten wird. Den angekündigten Dampfzug finden wir nicht, obwohl er auf den Fahrplänen, die hier ausgehängt sind, vermerkt ist.
Ich mache jedoch einige Bilder hier, die zwar nicht besonders sind, aber dafür zeige ich an dieser Stelle zum Vergleich auch einige Bilder von 1973 (November). Damals fragte ich voller Angst, ob ich überhaupt fotografieren dürfe, was mir aber ohne Probleme sofort gestattet wurde.


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Von den wenigen und nicht aussagekräftigen Bildern nur ein Beispiel: EC75 Praha-Wiener Neustadt mit 1216 239.


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Dafür hier von 1973: E469.1, später Reihe 121 mit Beflaggung anläßlich irgendeines Freundschaftsvertrages mit der Sowjetunion.


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E499.1, später Baureihe 141. Der rote Fünfzack war in fast alle kommunistischen Ländern an den Loks angebracht!


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M262 bzw. heute 830 verkehrten damals noch sehr häufig. So auch im Prager Hauptbahnhof.


Nach diesem Rückblick gehen wir zu Fuß zum nahen Masaryk-Bahnhof. Um 9.25 Uhr sollte von hier ebenso ein Dampfzug abfahren, aber es steht kein Dampfzug hier, obwohl er auf den hier affichierten Fahrplänen aufscheint. Ich kaufe mir eine Fahrkarte für den Zug nach Hostivice, denn mein Interrail gilt ja erst ab 13. Juli. Die Karte für die 17 Kilometer kostet 29 Kronen (etwa 1,30 Euro). Bevor unser Zug abfährt, mache ich noch einige Bilder:


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Unser Zug (S5) ist der Os 9812, mit dem wir bis Hostivice fahren werden.


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Unser Zug, der Regionova-Triebwagen 814 064, ist bei der Beengtheit nicht gut abzulichten.


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Daher wieder ein Rückblick in vergangene Zeiten (1973): auch in Praha Stred (wie der Bahnhof damals hieß) gab es die Nähmaschinen der Reihe M262.


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…und die T458.1 war schon damals immer schmutzig, wie auch heute noch als Reihe 721.


Bahnfahrt nach Hostivice und über den „Prager Semmering“ zurück
Die Strecke von Prag Richtung Hostivice (und weiter nach Kladno und Chomutov ist eigentlich eine Hauptbahn und wurde von der Buschtehrader Eisenbahn erbaut (1863-71) und betrieben. Die Strecke wirkt auf mich jedoch wie eine Nebenbahn. Auf dieser Strecke fährt man heute vor allem nach Kladno, eine Industriestadt 30 km westlich von Prag. Heute verkehren die Züge nach Kladno als Linie S5 des Prager Verkehrsverbundes. Eingesetzt werden Schienenbusse der Baureihen 810 und 814. Nach Kladno gibt es etwa 30 tägliche Verbindungen, etwa die Hälfte davon fährt weiter nach Lužná und/oder Rakovnik. Unter den ewähnten Verbindungen gibt es sogar Schnellzüge (4x nach Chomutov, 1x davon weiter bis nach Jirkov,) sowie 5 Eilzüge nach Rakovnik.
Ich staune über die extrem langsame Fahrt auf der eingleisigen Strecke. In Praha-Dejvice halten wir ziemlich lange wegen einer Zugkreuzung. 34 Minuten S-Bahn für 17 Kilometer sind schon ziemlich viel! Im Zug gibt es Ansagen vom Band wie in allen S-Bahn-Zügen. Viel Aussicht ist zunächst nicht, wir fahren auf einer Strecke, die rundherum sehr verwachsen ist, sogar Tunnels sind dabei. Erst in Ruzyne wird weiteres Land sichtbar. Hier in der Nähe befindet sich der Prager Flughafen, von dem man aber nichts sieht. Ich wundere mich, warum man nicht einen Bahnanschluß an den Flughafen hergestellt hat.
In Hostivice haben wir eine halbe Stunde Aufenthalt bis zur unserem Zug zurück nach Prag. Das Bahnhofsgebäude sieht schön renoviert aus und ist in einem sehr bekannten Stil – wie viele österreichische Bahnhöfe – gehalten. Gleich nach unserer Ankunft kommt ein Güterzug mit zwei CDC-blauen 753ern an, eine Brotdose (Reihe 810) steht schon bereit, wir sind aber noch nicht sicher, ob das unser Zug sein wird (er wird!).


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810 224 in Hostivice. Mit diesem Zug werden wir nach Praha Smíchov zurückfahren.


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Ein Güterzug Richtung Prag mit der führenden 753 755 von CD-Cargo fährt ein und muß eine Zugkreuzung abwarten.


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Das Bahnhofsgebäude von Hostivice ist schön renoviert und sieht wie ein altösterreichischer Bahnhof aus.


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Und damit man sich eine Vorstellung machen kann, wo wir gefahren sind: rot: die Linie von Masarykovo nach Hostivice, blau: die Linie von Hostivice über den Prager Semmering nach Praha-Smíchov.


Ich muß noch meine Fahrkarte besorgen, am Automaten scheitere ich aber bzw. ich bin unsicher, denn eigentlich rechne ich ja damit, daß ich nur bis zur Stadtgrenze (Tageskarte) einen Fahrschein brauche. Ich kaufe die Fahrkarte daher am Schalter, zeige auch meine Tageskarte, bezahle aber trotzdem 32 Kronen (1,40 Euro), obwohl ich mit nur 12 Kronen (laut Liste) gerechnet habe. Da ich aber zu wenig Tschechisch kann, um der Schalterbeamtin (immerhin gibt es hier eine!!) das „auszudeutschen“ (oder soll man sagen: auszutschechen?? Hihi), lasse ich es. So viel ist es ja nicht und es geht ja um den Spaß. Kurz bevor wir mit dem Zug Richtung Prag über den Prager Semmering abfahren, fährt auch ein Schnellzug aus Rakovník ein, der aus einem Triebwagen Reihe 853 und zwei weiteren Wagen gebildet ist und Richtung Masarykovo nádraží weiterfährt.


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Der R1289 von Rakovnik nach Prag fährt wenig später ein. Die Komposition wird von einem Triebwagen Reihe 853 geschoben.


Über den Prager Semmering
Die Strecke von hier nach Praha Smíchov wurde ebenfalls von der Buschtehrader Eisenbahn erbaut (1868-72), und zwar auch als Hauptbahn. 9 Kilometer davon werden als Prager Semmering (Pražský Semmering) bezeichnet, weil sich die Strecke über mehrere Viadukte 90 Meter in die Höhe schraubt. Ausgangspunkt der Strecke war bis vor einigen Monaten der Nordbahnsteig des Bahnhofs Smíchov (Smíchov severní nástupište), der vom Bahnhof Smíchov aus regulär gar nicht erreicht werden kann (inoffiziell finden sich natürlich schon Wege). Der Ausgang ist nach Westen hin. 1989/90 gab es noch 8 Züge, die nach Hostivice (und tw. weiter bis Slaný oder Rudná) verkehrten. 2008 gab es nur mehr zwei Züge ab Smíchov (nur zwischen Zlicín und Hostivice gab es mehr Züge). 2011 wurde plötzlich die Bahnstrecke wiederentdeckt, weil ein Straßenbahnersatzverkehr zwischen der provisorisch errichteten Haltestelle Smíchov Na Knížecí (im Plan: K) und Zlicín (Straßenbahnendstation Sídlištè Repy) so einen Erfolg hatte, daß heute diese Strecke als S-Bahn (S65) mit 16 Zugpaaren zwischen dem (provisorisch) errichteten Endbahnhof Praha-Smíchov na Knížecí und Hostivice betrieben wird. Allerdings nur an Werktagen (Mo-Fr). Das Werktagssymbol, das bei uns Werktage von Montag bis Samstag bezeichnet, bezeichnet in Tschechien offensichtlich nur die Werktage bis Freitag – bei uns als (A) bezeichnet –, sodaß wir bekümmert feststellen mußten, daß wir an diesem Bahnsteig heute gar nicht ankommen können. An Samstagen und Sonntag fahren die Züge nämlich bis zum hlavní nádraží (und über den severní nástupište – im Plan: S.N.). Allerdings sind es nur vier Zugpaare, lediglich zwischen Zlicín und Hostivice gibt es mehr Verbindungen – wie auch 2008. Wir sind natürlich schon am severní nástupište ausgestiegen. Na Knížecí müssen wir auf 2012 verschieben… Die Strecke, die vom Prager Semmering kommt, ist im Plan rot eingezeichnet, die Hauptlinie von Praha nach Most ist im Plan durch die blaue Linie gekennzeichnet. – Offensichtlich kann man vom Prager Semmering nicht in den Hauptbahnhof Smíchov einfahren!
Wenn man im Zug sitzt, merkt man eigentlich nicht viel von dem gebirgsartigen Charakter der Strecke. Da sieht man mehr, wenn man in Hlubocepy von der Straßenbahn auf die Bahntrasse blickt, die auf der Schleifenfahrt zweimal die darunterliegende Strecke nach Most überbrückt.

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Hier brauchen wir wieder die Karte aus dem letzten Teil, um die Situation in Smíchov zu veranschaulichen.


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Blick aus dem Zugfenster auf die Straßenbahnstrecke nach Barrandov.


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In Smíchov „nördlicher Bahnsteig“ angekommen. Der Fußgängersteg führt zum nördlichen Ausgang (Straßenbahnlinie 7).

Nachdem wir also auf dem severní nástupište ausgestiegen sind, gehen wir nach einigem Herumschauen über eine Fußgängerbrücke, von der wir den werktäglichen Endbahnhof Na Knížecí suchen, aber von hier fast nicht erkennen können. Die meisten der (ehemaligen) Gütergleise sind gesperrt. Vermutlich lag hier irgendwo einmal der Buštehrader Bahnhof von Prag. Wir verlassen die Fußgängerbrücke beim westlichen Ausgang, wo wir bei der Haltestelle Krížová in die Straßenbahnlinie 7 einsteigen können und eine Station bis Na Knížecí fahren. Dort ist ein Autobusbahnhof und dort wollen wir den Bahnsteig, der an Werktagen benützt wird, suchen. Wir finden ihn auch und ich mache meine Fotos eben ohne Zug.


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Sehr einladend sieht der severní nástupište (der nördliche Bahnsteig) nicht gerade aus.


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Das Gleis zum Bahnsteig Na Knižecí hab ich rot markiert. Man erkennt den Bahnsteig von der Fußgängerbrücke aus kaum.


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Der Eingang zum kleinen Bahnsteig ist trotz großer Schilder leicht zu übersehen.


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Und das ist auch schon der ganze Bahnsteig.


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Der Fahrplan: annähernd Stundentakt. Aber nur an „pracovní den“ (mit Werktagszeichen) – daß dabei Samstage ausgeschlossen sind, hätte ich nicht vermutet.


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Noch ein Bild vom Bahnsteig, Richtung Busbahnhof aufgenommen.


Danach gehen wir zur Metrostation Andel, und weil wir noch Zeit haben, fahren wir einmal bis zur Endstation der Linie B im Westen, nach Zlicín, wo es auch ein Metro-Depot gibt, von dem wir bei unserem Besuch aber noch nichts wissen und wofür wir außerdem auch keine Zeit hätten. Wir wollten eigentlich nur wissen, ob es oberirdische Streckenabschnitte gibt (ja, gibt es), aber Stationen im Freien, wo man gut fotografieren könnte, gibt es hier eigentlich nicht. Immerhin staune ich wieder (so wie schon bei der vorgestrigen Straßenbahnfahrt nach Barrandov), wie weit hinaus es eigentlich Neubausiedlungen gibt und wie hügelig diese ganze Gegend ist. Die Metrolinien scheinen hier hauptsächlich der schnellen Verbindung von ganz außen in die Innenstadt zu dienen und nicht dem Ersatz von Straßenbahnen im Stadtzentrum. Das erklärt auch die gar nicht so seltenen parallel verlaufenden Straßenbahnlinien (obwohl natürlich im Zentrum schon die eine oder andere Straßen-bahnstrecke aufgegeben worden ist). Zlicín ist es übrigens gar nicht mehr so weit nach Hostivice!
Von der Endstation fahren wir nun wieder zurück. In Luka steigen wir aus, um einige Fotos zu versuchen, danach geht es nach Radlická, denn dort hat die Linie 7 ihre Endstation. Nicht weniger als drei Züge dieser Linie stehen aufgefädelt und die Fahrer halten hier also eine längere Ruhepause ein. Mit der Linie 7 fahren wir dann wieder bis Andel zurück, wobei ich wieder staune, daß es hier wie in einem kleinen Tal aussieht, also mitunter ganz dörflich.


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Es ist auch in Luka nicht einfach, Metrozüge zu fotografieren.


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Die Linie C ist ziemlich lang, mehr als 20 Stationen, und die sind weit auseinanderliegend!!


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Eine Innenaufnahme der Prager Metro: es dominiert rot!


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Die Endstation Radlická der Linie 7: drei Züge stehen in der Schleife und warten ihre Abfahrtszeit ab. Im Hintergrund der Metroeingang.


Grundsätzliche Bemerkungen zur Prager Straßenbahn
Bevor wir uns von Prag verabschieden sind einmal einige grundsätzliche Bemerkungen zur Prager Straßenbahn angebracht. Im Gegensatz zu Wien fällt mir hier nämlich auf, daß man bei vielen Kreuzungen und Abzweigungen nicht optimal umsteigen kann. Allerdings ist auch das Liniennetz ganz anders aufgebaut als bei uns: auf den meisten Außenästen gibt es bis zu drei verschiedene Linien, die von der selben Endstation aus in drei verschiedene Richtungen quer durch die Stadt in entgegengesetzte Außenbezirke fahren. Die meisten Relationen in Prag lassen sich solcherart mit lediglich einmaligem Umsteigen erreichen! Und wenn man dann weiß, wo man das am besten tun kann, sind die vorhin erwähnten nicht-optimalen Kreuzungsstationen nicht mehr so wichtig. Erfreulich fällt mir auch auf, daß es im Innenstadtbereich keine Buslinien zu geben scheint. Man kommt mit Straßenbahn und Metro aus, wobei die Metro sehr große Haltestellenabstände hat, was zu beweisen scheint, daß sie nur als übergeordnete Ergänzung und nicht als Ersatz für Straßenbahnstrecken gedacht war. Sehr angenehm empfinde ich auch die Ansagen durch die Lautsprecher (Stationen usw.). Sie sind nämlich sehr gut verständlich, auch wenn man nicht (oder nicht gut) Tschechisch spricht. Nach kurzer Zeit hab ich schon bemerkt, daß bei der Ansage der Station auch gleich die Folgestation angesagt wird. Das macht die Vorausplanung für das Aussteigen leichter!

Zurück zum Hauptbahnhof und Abfahrt nach Berlin
Mit der Linie 20 geht es nun weiter bis Újezd, wo wir eine Kaffeepause in einer sehr kleinen, alten Konditorei namens „U knoflícku“ (etwa: „zum Knopferl“) machen, an der wir gestern schon vorbeigegangen sind. Es gibt hier einige sehr hübsche Kleinigkeiten (wirklich klein, wie es in Tschechien oft üblich ist, daher nehmen die Leute auch zwei oder drei verschiedene Dinge auf den Teller). Der Kaffee ist gut und wir sitzen bei einer offenen Arkade zur Straße hin. 170 Kronen kostet unsere Kosumation zusammen (etwa 7,50 Euro).


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Klein und wie aus vergangener Zeit: sowas mag ich: Konditorei „U knoflícku“


Nach dieser angenehmen Pause fahren wir mit Linie 22 bis Malostranské und steigen dort in die Metrolinie A um, mit der wir bis Muzeum fahren. Nun nutzen wir die Chance, den schmalen Weg (vermutlich nicht offiziell) neben der Mauer entlang der Legerova zum Hauptbahnhof zu gehen, von dem man einen Blick auf die Gleisanlagen hat. Immerhin kann ich hier eine 1216 gemeinsam mit einem City-Elefant (S-Bahn-Triebwagen Reihe 471) fotografieren sowie eine 750 im neuen Farbkleid. Wir gehen dann gleich direkt auf den nächstliegenden Bahnsteig und ich kann unseren Gegenzug, den EC173 Vindobona von Hamburg nach Villach fotografieren, der mit der 371 004 angekommen ist. Auf der anderen Seite erhält der Zug nun die 1216 235, die ihn bis Villach bringen wird.


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1216 238 und ein S-Bahn-Zug (471 009) beim Tunnelmund zum Hauptbahnhof. So ein Bild wollte ich immer schon machen.


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750 703 samt Wagensatz in den neuen CD-Farben.


Ein paar Bilder gehen sich noch aus, dann gehen wir zu unserem Schließfach, um unser Gepäck zu holen. Dabei werfen wir auch einen Blick in die historische Kassenhalle, die – zumindest teilweise – heute als Café dient.


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Abschiedsbild von Prag: die alte Schalterhalle im hlavní nádraži.


Fahrt nach Berlin
Unser Zug hat 5 Minuten Verspätung. Auf dem Wagenstandsanzeiger können wir schon sehen, wo unser Wagen zum Stehen kommen wird, denn wir haben ja reserviert, ab heute sind wir zu dritt, dank Bahnagentur Schöneberg haben wir Reservierungen in einem Abteil bekommen, obwohl mein Freund und ich erst in Prag zusteigen. Das Reservieren war auch eine kluge Entscheidung, denn der Zug ist ziemlich gefüllt. Allerdings ist im Wagen 260 (angenehmerweise ein Abteilwagen!!) die Klimaanlage defekt, das Abteil ist also entsetzlich heiß und heute ist auch das Wetter sehr heiß. In Wien hatte man für heute 35 Grad angesagt! Wir überlegen kurz und ich schaue in den Nachbarwagen 259, wo die Klimaanlage funktioniert und ich einige Plätze finde. Also wechseln wir den Wagen, die Reservierung war also quasi für die Katz. Bereits in Holešovice hören wir, daß der Schaffner den Fahrgästen des Wagens 260 angeboten hat, im Erste Klasse-Wagen Platz zu nehmen, weil das Verweilen dort doch untragbar geworden ist. Naja, wir sind also voreilig gewesen... Unser neuer Wagen ist der 61 81 28-91 104-6. Er hat breitere Abteile als der überhitzte Wagen von vorhin, aber die Sitze sind eindeutig schlechter. Die Sitzflächen sind so schräg nach vor geneigt, daß man vom Sitz zu rutschen glaubt. Leider werde ich auf der ganzen Reise in diesem Urlaub feststellen, daß es nicht mehr allzu viele wirklich bequeme Sitze in den Eisenbahnen gibt. Woran das liegen mag?
Wenigstens funktioniert also die Klimaanlage hier. Die zwei anderen Fahrgäste im Abteil, die sich vorher ziemlich breit gemacht haben (damit nur ja keiner dazukommt?) und nun das Abteil mit uns teilen müssen, haben Inlandsfahrkarten, wie ich sehen kann, sodaß wir also in absehbarer Zeit das Abteil vielleicht für uns haben werden. Tatsächlich steigen sie dann in Ústí nad Labem aus. Unsere Verspätung beträgt hier schon 10 Minuten. Ab Decín kommt schon die deutsche Schaffnerin, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Meine Fahrkarte ist ja eine Sparschiene um 29 Euro, erfreulicherweise konnte ich also damit in Prag die Fahrt nach Berlin zwei Tage unterbrechen. Während der tschechische Schaffner ab Prag die Ansagen auf Tschechisch-Deutsch-Englisch machte, spricht der deutsche Zugbegleiter nur Deutsch-Englisch (was ich auch nicht anders erwartet habe).
Unterwegs spaziere ich wieder mal zurück zu dem verlassenen „heißen Wagen“, um nochmals die Sitze dort zu probieren. Tatsächlich: sie sind wirklich viel bequemer (Wagen 61 81 21-90 051-7). Leider kenne ich mich mit den heutigen Reisezugwagen nicht mehr wirklich aus, sodaß ich auch keine Gründe dafür benennen kann. In Dresden haben wir langen Aufenthalt, denn hier wird wieder die Lok gewechselt: eine DB 101 kommt vor den Zug (vermutlich weil die tschechische 371 eine zu geringe Höchstgeschwindigkeit hat). Eigentlich könnte zwischen Prag und Hamburg auch eine 1216 den Zug ziehen, genügend 1216er müßte es ja geben! Ich staune nur, daß unser Zug auch zwischen Dresden und Berlin nicht wirklich schnell fährt. Erst in der letzten Stunde der Reise ist die Geschwindigkeit merklich höher. Eigenartigerweise ist die direkte Strecke (Dresdner Bahn) nach Berlin hinein noch nicht fertig, sodaß der Zug bei Blankenfelde auf den BAR wechseln muß, um beim großen Kreisel Genshagener Heide auf die Anhaler Bahn zu wechseln. Das ist ein schöner Umweg, der bestimmt 5 bis 10 Minuten Zeit kostet!

Ankunft in Berlin
Wir steigen schon in Berlin Südkreuz aus. Ich staune, daß der Bahnhof Papestraße umbenannt worden ist, irgendwie habe ich das wohl verschlafen. Mit S2 und U7 erreichen wir unser Ziel in Berlin, wo wir nun eine Woche bei Freunden bleiben werden. Die Fenster der U-Bahn-Garnituren sind total beklebt mit Folien, die in weiß das Brandenburger Tor zeigen. Das ist neu und sieht gräßlich aus. Und es stört sehr, wenn man mal aus dem Fenster blicken will. Der Tag klingt mit einem Abendessen in einem Gastgarten aus.




Noch ein Wort zu den nächsten sieben Tagen in Berlin und Dresden: ich habe lange überlegt und mehrere Meinungen eingeholt, in welches Forum ich den Reisebericht ggf. verschieben sollte. Nun lasse ich ihn hier im Auslandsforum. Vielleicht ist es für die deutschen User ja spannend, die Ösi-Sicht auf Berlin und Dresden zu lesen, sozusagen mit der Sicht eines Ausländers. Dafür werde ich off-topic Bilder zum Großteil weglassen und mich mehr auf Straßenbahn und Eisenbahn konzentrieren bzw. eben auf die Dinge, die für mich als Österreicher von Interesse waren.

Außerdem gibt es im Laufe der Berlin-Woche ja auch einen Ausflug nach Stettin.

EDIT: Link zu Teil 4 eingefügt:
Fortsetzung:
Teil 4: Berlin



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:11:27:20:41:56.
Hallo,

vielen Dank fuer die Berichte. Ist immer wieder interessant zu lesen. Deine Bemerkung zu den Sitzen und Grossraum-/abteilwagen kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich selbst bin mittlerweile an einem Punkt angelagt, an dem ich keinen Spass mehr am Bahnfahren habe, wenn nur noch gesichtslose Grossraumwagen angeboten werden, die eher an Flugzeuge denn an Eisenbahn erinnern.
Besonders frappierend finde ich, dass ich mittlerweile lieber in den alten Abteilwagen in Serbien, als in westeuropaeischen Durchschnittsgrossraumwagen sitze. Es ist trotz des teilweise sehr heruntergekommenen Zustands dort wesentlich bequemer und gemuetlicher. Aber das ist ein anderes Thema.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:10:06:16:51:42.

Einige Kommentare

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 06.10.11 17:06

Moin!

Danke für den sehr umfassenden und gut recherchierten Bericht.

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Ein paar Anmerkungen meinerseits.

Ring ist laut Wiki eine regionale Bezeichnung für Marktplatz. Der Wahrig kennt diese Bedeutung nicht. Dem sprachwissenschaftlichen Laien kommt das polnische Rynek mit selber Bedeutung in den Sinn.

Touristenmassen. Ja, die sind immer nett. :-(

Daß auch Kubelik auf dem Vyšehrad begraben liegt, war mir neu. Die Gräber von Dvorak und Smetana habe ich damals gefunden, einer der beiden liegt an der Mauer. Ich kann mir kaum erklären, daß ihr den Friedhof nicht gesehen habt, aber andererseits ging es mir schon ähnlich. So kann ich mich nicht an die Kirche erinnern.
Die dortige U-Bahn-Brücke ist schon interessant, als normaler Fahrgast merkt man von ihr ja nichts.

Bei eurem Abendessen mußte ich googeln, Österreichisch und Deutsch sind doch unterschiedliche Sprachen. Daß Geräuchertes Geselchtes heißt, war mir neu. Liwanzen und Dalken sind mir vom Namen her völlig unbekannt.

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Auf der Semmeringrundfahrt erwähnst Du die automatischen Ansagen. Die gab es um Frýdlant auch in den Regionalzügen, scheint also nicht S-Bahn-spezifisch zu sein (ich war positiv überrascht).

Der 810 224 [share.bahnforum.info] träft übrigens das S-Bahn-Symbol. Das erinnert den Deutschen an die Leipziger S2, die zwischen Plagwitz und Gaschwitz zuletzt mit einteiligen Schienenbussen fuhr.

Smíchov Na Knížecí war wegen einer Straßenbahnbaustelle eingerichtet worden, der Zug diente als Ersatzverkehr. Das Angebot wurde verlängert, da es gut angenommen wurde. Interessant der Haltestellenfahrplan, der eher an Stadtverkehr als an Eisenbahn erinnert.

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Viele Grüße, Sören

Wieder sehr interessant, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 06.10.11 19:55

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

feiyang schrieb:
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> Besonders frappierend finde ich, dass ich
> mittlerweile lieber in den alten Abteilwagen in
> Serbien, als in westeuropaeischen
> Durchschnittsgrossraumwagen sitze. Es ist trotz
> des teilweise sehr heruntergekommenen Zustands
> dort wesentlich bequemer und gemuetlicher. Aber
> das ist ein anderes Thema.

Da triffst Du genau meine Erfahrung. Auf der Balkanreise im Sommer 2010 fand ich diese alten Abteil-Wagen so ziemlich als die bequemsten der ganzen Reise.

@Sören:
Vielen Dank für die Anmerkungen. Ich belasse absichtlich die österreichischen Ausdrücke, weil ich authentisch bleiben will. Heutzutage sind die Wörter entweder eh bekannt - oder man kann googlen... Mir geht es auch bei deutschen Ausdrücken oft so, daß ich nicht alles gleich erkenne. Kürzlich erfuhr ich z.B. von der Speise "Arme Ritter", die man bei uns "Pofesen" nennt.

Re: Einige Kommentare

geschrieben von: Jörg Schwabel

Datum: 07.10.11 10:57

@ Sören:

Bei eurem Abendessen mußte ich googeln, Österreichisch und Deutsch sind doch unterschiedliche Sprachen. Daß Geräuchertes Geselchtes heißt, war mir neu. Liwanzen und Dalken sind mir vom Namen her völlig unbekannt.

"Der größte Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern ist die gemeinsame Sprache". (c) Karl Kraus

Noch eine Anmerkung zum "Ring - Marktplatz - Rynek": Im alten Österreich wurden diese zentralen Plätze auf deutsch meist "Ringplatz" genannt, ich meine, daß dieser Begriff offensichtlich vom polnischen "Rynek" abgeleitet ist. Meine Großmutter, die aus Galizien (heute West-Ukraine) kam, sprach Zeit ihres Lebens nur vom "Ringplatz".

@ tokkyuu
Jetzt wieder zum Thema: Wie von Dir gewohnt, wieder ein schöner, informativer Bericht. Danke dafür.

Gruß aus Wien
Moin,

tokkyuu schrieb:
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> Das Werktagssymbol, das bei uns
> Werktage von Montag bis Samstag bezeichnet,
> bezeichnet in Tschechien offensichtlich nur die
> Werktage bis Freitag – bei uns als (A) bezeichnet


Ist definitiv so:

[gvd.cd.cz] S. 2.

Gruß, ULF
Tjaja, Abendessen mit einer solchen Portion Liwanzen/böhm. Dalken um € 5,80! In Wien würden die Liwanzen allein schon € 6 kosten!

Sitze in den Eisenbahnwagen: In den Abteilwagen gibt es meist bessere Sitze als in den Großraumwagen, wo oft Einzelschalensitze verwendet werden. Diese sind mMn die unbequemsten überhaupt (ÖBB-Railjet!!!), auch dann natürlich, wenn sie in Abteilwagen eingebaut werden. Ich habe das Gefühl, daß hier die ja auch so überaus wichtige "ergonomische Formgebung" dran schuld ist. Oder sind unsere westlich-zivilisierten Rücken bereits so ausgeleiert? Ich jedenfalls sitze lieber in den aus zwei Teilen bestehenden Abteilsitzen, die man ja auch ausziehen kann und meist drin hervorragend sitzt.

Zum "Ringplatz" s. weiter oben!

Gruß aus Wien
Moin,

tokkyuu schrieb:

> [share.bahnforum.info]
> Der Fahrplan: annähernd Stundentakt. Aber nur an
> „pracovní den“ (mit Werktagszeichen) – daß dabei
> Samstage ausgeschlossen sind, hätte ich nicht
> vermutet.


Steht eigens in der linken Spalte, daß man sich an Sams- und Sonntagen zu einem anderen Halt begeben möge.

Gruß, ULF
Die sog. ergonomischen Sitze sind m.E. dann ok, wenn man genau sitzt, wie es vom Design her vorgegeben ist. Das ist fuer mich bei Fahrten <2h in Ordnung, alles darueber hinaus aber nicht mehr. Bei Langstrecken moechte ich mal meine Sitzposition aendern und z.B. auch einfach mal eine schraege Sitzposition einnehmen - und dann wirds wirklich unbequem.
Auf meiner letzten Balkan-Rundreise hatten wir auf der Fahrt von Beograd nach Skopje eine Verspaetung von mehr als 6 Stunden, d.h. wir waren mehr als 16 Stunden im serbischen Abteilwagen. Trotzdem war es ertraeglich, da die Sitze angenehm und weich gepolstert waren und man eine gewisse Privatsphaere hatte (auch wenn das Abteil einen recht heruntergekommenen Eindruck machte). Ich wage nicht einmal daran zu denken, 16 Stunden im economy-Grossraum eines Railjet zu verbringen......



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:10:07:14:19:03.