Als Ergänzung zu der interessanten Reihe „Die Eisenbahn des Dschingis Khan“ möchte ich einen kleinen Bericht mit ein paar Bildern beisteuern, die bei einem Mongolei-Aufenthalt im Sommer 2010 entstanden sind.
Breitspur heute
Die Mongolei ist das Land der Überraschungen: Eines schönen Morgens klingelte mich im Quartier in Ulaanbaatar das Telephon aus dem Bett - mit dem Angebot, bei einer Inspektionsreise zu einer Bahnlinie „in Richtung der russischen Grenze“ mitfahren zu können - und zwar gleich. Eine solche Gelegenheit läßt man sich als Eisenbahnfreund natürlich nicht entgehen, schon eine halbe Stunde später ging die Fahrt los. Das dies keine Phototour war, konnte ich nur ab und zu ein paar Bilder machen, die hier zu sehen sind.
Ziel der Reise war eine neugebaute (und teilweise noch im Bau befindliche) Erzbahn im Selenge-Aimag im Norden der Mongolei, die bei Dulaankhan von der Nord-Süd-Hauptstrecke der transmongolischen Eisenbahn abzweigt und durch ein Flußtal im Yeröö-Distrikt etwa in Richtung Osten verläuft, wo größere Erzvorkommen sind. Mit dieser Bahn wird Erz nach China befördert. Die Erzbahn wird offensichtlich auch mit massiver chinesischer Unterstützung gebaut.
Die ersten Bilder sind in einem Bahnhof entstanden, an dem es außer ein paar Häusern eines Betriebsgeländes und einem Camp mit chinesischen Bauarbeitern nicht viel gab.
Ein nagelneuer Erzwagen aus chinesischer Produktion
Erzwagen älterer (russischer?) Bauart
Abgestellte Erzwagen-Garnitur
Impressionen aus einem unbekannten Bahnhof, dessen Empfangsgebäude noch im Bau war. Rechts eine Reparaturhalle, davor im Freien vor der Halle Hebeböcke zum Ausachsen von Wagen.
Zwischen zahlreichen abgestellten Erzwagen fährt ein Güterzug los
Imponierend ist die Länge der Züge, links ist das Zugende noch nicht erreicht, die Zugspitze rechts bei der Halle ist kaum noch zu erkennen. Zum Längenvergleich: Die Strommasten (rechts im Bild) stehen üblicherweise in einem Abstand von 50 m!
Die Zugspitze hat den Bahnhof bereits verlassen und rollt in die endlosen Weiten der Mongolei
Bei einem Stop am Bahnübergang ergab sich die Chance für ein paar Bilder eines weiteren Zuges
Das Warten am Bahnübergang dauert in der Regel eine mongolische Minute (die allerdings sehr flexibel definiert ist und auch etliche deutsche Minuten dauern kann...)
Obwohl die Bahnanlagen im allgemeinen einen recht gepflegten Eindruck machen, dürften diese Schienennägel nicht mehr allzuviel halten. Geschweißte Schienenstöße scheinen nicht üblich zu sein, da die geschraubten Schienenstöße wohl bei den extremen Temperaturunterschieden von ca. -50 bis + 40 °C mit einfachen Mitteln besser zu beherrschen sind.
Vielteilig aufgebautes Herzstücks einer Breitspurweiche
Danach ging es mit einem Zwischenstop zum Abendessen in Darkhan zurück nach Ulaanbaatar, alles in allem eine Tour von über 600 km an einem Tag...
Schmalspur historisch
Die erste mongolische Eisenbahnlinie war eine Schmalspurstrecke, deren letzte erhaltene Dampflok in der Nähe des Bahnhofs von Ulaanbaatar als Denkmal im Freien aufgestellt ist. Nach der Umstellung auf Breitsspur wurden die Fahrzeuge nicht mehr gebraucht. Zu meiner Überraschung konnte ich noch vier Aufbauten von Schmalspurwagen finden, die über das Stadtgebiet von Ulaanbaatar verteilt sind. Zwei der Wagen sind so umbaut, das sie nicht mehr als Eisenbahnwagen zu erkennen sind, ein sehr gut erhaltener Güterwagen stand in der Nähe vom Heizkraftwerk, den ich leider zum Knipsen nicht wiedergefunden habe. Der vierte Wagen wird heute als Reifenhandel genutzt, der neben einer Ausfallstraße stand:
Aufbau eines Schmalspurgüterwagens der mongolischen Eisenbahnen, heute als Reifenhandel in Ulaanbaatar genutzt
Rahmen des Wagens mit kyrillischer Anschrift „Tara 10,75 t“, (=Gewicht), sogar die Federböcke sind noch vorhanden.
Soweit ein paar Eisenbahn-Splitter aus der Mongolei,
Gruß
rh
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:09:29:09:52:32.