Hallo,
in dem heutigen Teil des Berichts geht es um den Abschnitt der Strecke von Rreshen nach Klos. Alle nötigen Informationen findet ihr im ersten Teil: [
www.drehscheibe-foren.de]
Die Strecke habe ich von Rreshen nach Klos in mehrere Abschnitte unterteilt:
Diese Karte ist die einzig brauchbare über die Strecke, da sie den realistischen Streckenverlauf widergibt. Alle übrigen Karten, die ich kenne, geben die Strecke als komplett mit Schienen fertig gestellt wider, was natürlich nicht stimmt. Hinter Rreshen sind nie Gleise verlegt worden.
1. Bahnhof Rreshen:
Der Bahnhof Rreshen war der letzte Bahnhof an der gesamten Strecke auf der Gleise lagen und wo Züge fuhren. Heute muss man genau hinsehen, um zu erkennen, dass sich hier jemals ein Bahnhof befunden hat.
Empfangsgebäude des Bahnhof Rreshen von der Seite aus betrachtet
Das Empfangsgebäude des Bahnhof Rreshen gesehen von der Gleisseite
Streckenverlauf in Richtung Milot
Auf der rechten Seite im Hintergrund befindet sich eine ehemalige Halle mit Zufahrtmöglichkeit für Lokomotiven, die der von Ballsh sehr ähnlich ist
Im folgenden Bild sehen wir den Streckenverlauf zur Tarazh-Brücke.
Bevor wir Rreshen in Richtung Brücke verlassen, folgt eines der seltenen Bilder mit einem Gepäckwagen der HSH in Rreshen. Bilder über diese Strecke aus alten Tagen gehören heute zu den größten Raritäten. Auch hier gilt mein Dank Thomas Becker aus Bremen für das zur Verfügung gestellte Bild:
© Thomas Becker, Bremen: [www.drahtkupplung.de]
2. Die Tarazh – Brücke (Urë Tarazhi):
Von der Existenz dieser Brücke habe ich nach meinem ersten Besuch in Rrëshen erst ein Jahr später im Jahr 2010 erfahren. Auf Arte lief ein Film über das Gefängnis in Burrel, das in ganz Albanien berüchtigt war und mit der Hölle gleichgesetzt wurde. Die albanischen Gefängnisse waren zu kommunistischen Zeiten die schlimmsten weltweit. Jedenfalls wurde in diesem Film die Brücke kurz gezeigt und mir war in diesem Moment klar, dass ich bei meinem damaligen Besuch ganz gewaltig was verpasst habe. Das hätte mir seinerzeit mit der defekten Kamera auch nicht viel gebracht.
Die Brücke, die sich ca. drei Kilometer östlich hinter Rreshen an der Straße nach Tarazh befindet, daher auch der Name, ist die längste Eisenbahnbrücke Albaniens. Natürlich lagen hier nie Gleise. Die Bushtrica-Brücke, die an der Strecke Rroghozine – Pogradec vor Prrenjas liegt, ist mit 47 Metern die höchste Eisenbahnbrücke des Landes, aber nicht die längste!
Die Brücke besteht aus zwei Teilen: Die kürzere, hinter Rreshen endet an einem Damm, dann schließt sich die gewaltige Hauptbrücke an, die ohne den beiden Widerlagern auf insgesamt 16 Pfeilern ruht. Die Brücke beschreibt erst einen leichten Rechtsbogen, und verläuft ab dem dritten Pfeiler rechts neben der Straße gerade zum rechten Widerlager oder auch Brückenkopf.
Tarazh Brücke, Tarazh railway bridge Albania, Urë Tarazhi Hekurudha Shqiptare
rechtes Widerlanger der Tarazh Brücke
linkes Widerlanger der Tarazh Brücke
Auf dem folgenden Bild sehen wir links die kleine und rechts die große Brücke:
rechtes Widerlanger der kleinen Tarazh Brücke
Ihr könnt gerne einmal gurgeln, ob ihr im Netz ein Bild von dieser Brücke findet. Bei mir war das Fehlanzeige, was sich mit diesem Beitrag hoffentlich ändern wird.
Jedenfalls hoffe ich, dass alle Eisenbahninteressierte etwas dazu gelernt haben.
Ein kurzes Video habe ich hierzu eingestellt, nichts besonderes, aber die Stimmung lässt sich ganz gut einfangen: [
www.youtube.com]
Hinter der Brücke musste die Strecke unter den Bergen untertunnelt werden. Vier Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2,2 Kilometern waren dazu nötig, bis der Ulez Stausee, der den Mat staut, erreicht wird.
Diese Aufgabe muss Ende der 1980er Jahre den albanischen Ingenieuren gewaltige Kopfzerbrechen beschert haben, das umzusetzen, was Ramiz Alia und sein Politbüro sich in den Kopf gesetzt hatten. Abgesehen natürlich von den „Freiwilligeneinsätzen“ jugendlicher Pioniere und wahrscheinlich auch der vielen Zwangsarbeiter aus den Knästen in Burrel und Spac.
3. Liqeni Ulëz (Ulez Stausee):
Das Terrain zwischen der Brücke und dem Stausee ist abgelegen und unzugänglich.
Anhand der Abbildung habe ich euch den Streckenverlauf markiert.
(Blau und rot) = kleine und große Tarazh - Brücke
(gelb) = geplante Trasse
(Grün) = Tunnel
Der weitere Verlauf der Strecke bis zum unteren Ufer ist nicht fertig gestellt worden.
Die Brücke unten am Ulez – Stausee an der schmalsten Stelle, dort wo der Mat in den See mündet, ist nur fragmentarisch erhalten und nie fertig gestellt worden. Sie besteht nur aus vier Pfeilern, einem Brückenlager und drei Brückenelementen, schöne albanische Fertigplatte.
Brücke über den Ulez-Stausee bei Urake
Ab dem Stausee gibt es noch den Oberbau zu sehen, der ab Burrel wieder jäh endet.
4. Burrel:
Das kleine Städtchen Burrel lebte in kommunistischen Zeiten von den Chromerz-Minen, die heute geschlossen sind und die Arbeitslosigkeit in die Höhe haben schießen lassen. Vielleicht entdecken die Chinesen eines Tages wieder ihre alte sozialistische Brüderschaft und machen in Albanien im Minensektor noch einmal den großen Reibach.
Typischer Plattenbau in Burrel
In Burrel ist nichts von einem Bahnhof oder einer Bahntrasse zu entdecken.
Wir müssten eigentlich kurz vor hier die Trasse kreuzen, aber nichts ist zu entdecken. An der Straßenkreuzung biegen wir rechts nach Klos ab. Links geht es nach Zenisht.
Normalerweise würde man davon ausgehen, dass dieser Bericht nun seinen Zenisht (wie passend) Zenit überschritten hat, jedoch gibt es doch auf dem weiteren Abschnitt zwischen Burrel und Klos Interessantes zu entdecken.
5. Zwischen Burrel und Klos:
Hinter Burrel ist das Terrain wieder einfacher geworden. Die albanischen Ingenieure haben hier einige Brücken fertig gestellt bekommen, wovon es einige gibt, um den Mat zu überbrücken. Der Oberbau ist teilweise zu erkennen und verfällt mehr und mehr.
(Weiß) die Trasse, gelb die Straße (Ruga SH 6) von Burrel nach Klos.
Partisanen-Denkmal
Es folgen Aufnahmen vom mehreren Brücken:
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)
Eine Brücke sticht sehr markant hervor. Die Straßenbrücke über die SH 6. Von dieser Brücke folgen drei Bilder:
Streckenverlauf in Richtung Klos
Streckenverlauf in Richtung Burrel
6. Klos:
Klos war der geplante Endpunkt der Strecke. Hier befand sich wiederum ein heute stillgelegtes Chromerz-Bergwerk. Der geplante Bahnhof in Klos ist recht gut erhalten. Ihn auszumachen, war nicht so einfach. Auf die Frage, wo denn die „stacioni trenit“ sei, war die Reaktion erst einmal Unverständnis. Aber dann fiel der Groschen.
Zuerst einmal wieder eine Übersicht. Oberhalb von SH 6 befindet sich die einzige Brücke in Klos, rechts daneben der geplante Bahnhof.
Es folgen zwei Bilder von der Eisenbahnbrücke in Klos:
Jeweils ein Bild vom „Bahnhofsvorplatz“ und der zerfallenen Lagerhalle.
Und aus irgendwelchen Gründen wurde genau hier am Bahnhof in der Pampa eine Moschee errichtet, wie eine späte Rache für den Atheismus, der albanische Staatsdoktrin war.
Als Fazit kann gezogen werden, dass dieses Bahnprojekt durchaus in den letzten albanischen Fünfjahresplan passte, aber sich in dem Land nicht mehr verwirklichen ließ.
Die neue Zeit machte sich im Westen bemerkbar, ein System nach dem anderen im Osten brach zusammen, das albanische als letztes.
Viele von uns erinnern sich noch an die Bilder der überfüllten Flüchtlingsboote nach Italien. Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht sogar gut, dass diese Strecke nie fertig gestellt wurde. Zu ausgeblutet und ausgemergelt war das Land.
Wenn sie es doch wäre, und das behaupte ich mit allem Nachdruck, wäre sie die schönste im ganzen Land. Egal, was ihr über die Linie nach Pogradec denkt.
Zurück ging es dann direkt ab Burrel wieder zur Schnellstraße in Richtung Milot.
Die letzten drei Bilder zeigen noch die Schönheiten am Fluß Mat.
Damit habe ich endlich nach jahrelangen Recherchen meinen Frieden mit diesem Projekt gefunden. Evtl. fahre ich eines Tages einmal die Strecke mit dem Fahrrad ab. Übrigens wäre das auch ein Projekt für unseren Railwalker. Grüße!
Bisherige Beiträge über die Eisenbahn in Albanien, April 2011:
Prolog, Fahrpläne, Pilgerzüge: [
www.drehscheibe-foren.de]
Strecke Podgorica – Hani i Hotit – Shkodër (20. April 2011):
Teil 1: Podgorica – Tuzi [
www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2: Hani i Hotit [
www.drehscheibe-foren.de]
Teil 3: Hani i Hotit bis nach Bajzë [
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Teil 4: Bahnhof Bajzë [
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Teil 5: Koplik bis Shkodër und Züge: [
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Nebenbahn Kashar – Yzberish, Durres-Pendel: [
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Strecke Fier – Ballsh (25. April 2011):
Teil 1: [
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Teil 2: [
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Teil 3: [
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Betriebsalltag in den Bahnhöfen Tirana und Vorë: [
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Industriebahn Papërr – Cërrik, Stahl der Partei (Elbasan): [
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Bahnhof Prrënjas und der Lokfriedhof: [
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Züge Nr. 18 und 19: Von Tirana nach Vlorë (24. April 2011):
Teil 1: [
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Teil 2: [
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Strecke Milot – Rreshen – Burrel – Klos (April und Juli 2011) Teil 1: [
www.drehscheibe-foren.de]
Dalje: Epilog mit Güterzügen und Informationen [
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Mehr von der HSH: [
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Grüße
Alex
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:10:04:10:38:50.