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[MN] Mongolei im Mai Teil 6: Im Süden von UB – mit Verkehr und Wetter (m26B.)

Hoi Welt,

Zurück aus dem Urlaub geht es weiter, sorry für die Verzögerungen!
Lange mussten wir bei eher bescheidenem Wetter „ausharren“, jetzt kommt die Zeit wo wir dafür belohnt wurden – viel Spass.

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Noch etwas kleines zu den Namen: Nomu = Guide und Segi = Fahrer.




Sonntag 8.5.2011 Honhor – Tschuluut

Das erste mal wurde ich heute wach als jemand den Wind angeschaltet hatte. Er kam natürlich genau aus dem Tal hinaus und pfiff ungebremst über unsere Zelte. Während der Nacht war mir das ziemlich egal, mein Zelt hielt, wobei ich schon ein wenig Bammel hatte, dass das jeden Moment samt mir in die Mongolische Nacht hinein fliegt ;-).
Das erste was ich heute morgen neben dem Wind bemerkte war ein nicht enden wollendes und tiefes grummeln. Als in diesem Moment etwas helles in mein Zelt schien steckte ich mal den Kopf raus. *Phoar*, war das kalt, und feucht. Die Sonne schien aber tatsächlich, ich blinzelte etwas und schaute in Richtung der Sonne. Feststellung: Der Streifen wo die Sonne ungehindert scheinen konnte war nur winzig klein. Mein Nachbar Christof streckte seinen Kopf auch schon raus aus seinem Zelt und wir begrüssten freundlich den (kurzzeitig) schönen Morgen.
Als das ewige grummeln nicht näher und näher kommen wollte zog ich mich ins Zelt zurück. Anstatt, dass das bekannte grummeln näher kam, rauschte es auf einmal von hinten. Ich steckte mein Kopf deshalb „zwangsläufig" wieder aus dem Zelt und schaute dem Nachbarn zu, wie er mit Kamera im Anschlag im Zelt sass. Es kam von oben ein P-Zug mit einer grünen 2M62.

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Grau und mit Temperaturen um die Null Grad zeigte sich dieser Morgen. Aber wenn man den Zeltplatz gut wählt, muß man den wärmenden Schlafsack nicht einmal verlassen um die ersten Bilder des Tages zu schiessen. Geweckt vom Rollen des 285 Saynshand - Ulaanbaatar war noch genug Zeit um selbigen mit der Zuglok 2M62M-028 abzulichten. - Bild von Christof

Kaum war der Zug durch ging das grummeln von der anderen Seite wieder los und eine Russen 116er kam mit einem richtig langen Güterzug nach Süden durch unsere Fotokurve geröhrt. Bis der Zug dann komplett weg war, war es etwa halb 7 Uhr, und die Bewölkung war wieder komplett dicht. Es sah fast so aus, als ob es das mit der Sonne schon war heute. Also legten wir uns wieder rein ins Zelt.
Aber nur für 30min, dann schien dann schon wieder die Sonne durch die dünne Zeltwand. Ich steckte also wieder meinen Kopf raus und sah schon wieder mein Nachbar. Und es kam schon wieder ein Zug, ein Nordfahrer mit einer Mongolen 116. Wir nickten uns als der Zug durch war an und standen auf, die Wolkenlöcher waren Zahlreich geworden und der Tag konnte beginnen. Pascal war auch schon wach und war sogar noch vor Christof "fertig".

Der Weg zur ersten Fotostelle führte uns erst mal auf die andere Seite der Eisenbahn, da wir unser Camp auf der „falschen“ Seite aufgeschlagen hatten. Wir liefen die Aussenkurve hoch und blieben gleich mal stehen am erstbesten Platz. Nach wenigen Minuten standen wir wie Eiszapfen auf dem Feld, obwohl die Sonne schien war es unheimlich kalt!
Wir standen gar nicht lange, ich nuckelte gerade an meinem mitgebrachten gefrorenen Goldbären, trötete es das erste mal hinter dem Berg. Wir rechneten damit, dass es der Personenzug sein wird der um halb 10 in UB ankommt. Als die Front aus dem Einschnitt zog freute ich mich das erste mal heute, endlich kam mal eine 2Zagal! Es war sogar 2Zagal 006, mit der 116er Front, wovon es nur 2 Stück gibt. Am Hacken war aber nicht der erwartete Personenzug sondern ein Güterzug.

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Die 2Zagal 006 mit einem Kohlezug auf dem Weg in die Mongolische Hauptstadt, es war der erste Zug im richtigen Licht - bei Honhor.

„Auch gut“, dachte ich mir, nachdem der Zug durch war, dann kommt ja gleich noch mal etwas. War dann wirklich auch der Fall, es kam der P-Zug wie wartet. Bespannt heute nur mit einer Russen 116er, und nicht wie letzte Woche zwei mal gesehen mit einer Doppeltraktion. Der Zug war aber schon wieder gewaltig, 27 Wagen!

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Mit dem 275 Zamyn Üüd - Ulaanbaatar rollt die 2TE116 907 der Russischen Eisenbahn, vermietet an die Mongolen, durch die mongolische Weite bei Honhor. Beim durchzählen kommen wir auf 27(!!) Wagen, ein Mächtiger Zug.

Es war halb 9 Uhr, zu dem Zeitpunkt war der Transsib Zug Moskau - Peking schon seit einer Stunde aus Ulan Bator raus, und genau ihn erwarteten wir als nächstes. Dafür liefen wir etwas weiter nach Norden hinter den Einschnitt. Da war es zwar auch nicht wärmer, aber die Stelle war genau so nett.
Es war dann tatsächlich der Transsib Zug der als nächstes kam, bespannt mit einer roten 2M262, was die Garnitur natürlich nicht unbedingt abwertete, im Gegenteil.

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Unser Camp bei Honhor, in der Kurve. Im Bild Pascal auf dem Weg zur Fotostelle für den Transsib Zug ;)

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2M62M-0727 mit Express 4 von Moskau nach Peking in der Nähe von Honhor. Diese "Starzüge" sind mit 13 Wagen verhältnismässig kurz und wohl zu 90% mit Touristen besetzt.

Der Zug war durch und wir suchten unser nächstes Ziel, es war ein Bergrücken mitten im Aussenbogen der 180° Kurve. Wie wir da standen kam dann auch gleich schon der nächste Zug und so lohnte sich immerhin das warten im kalten Wind. Der Hoh-hot - Ulan Bator Zug rollte ran. Auch wieder lange, sogar noch mit Chinesischen Wagen vorne drin. Bespannt war er mit einer blauen 2M262 und dahinter einer Mongo 116. Fein!

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2M62MM 748 + 2TE116 004 mit Zug 43 von Hoh-Hot nach Ulan Bator. Dieser Zug verbindet täglich die Hauptstadt der inneren Mongolei (China) und Ulan Bator. Auch er ist mit seinen >20 Wagen ordentlich lang.

Wir setzten uns dann im Bergrücken in den Windschatten, es war einfach zu kalt! Unten im Camp regte sich dann etwas, unsere Mannen schienen auch erwacht zu sein und turnten ums Auto herum.
Christof bekam in diesem Moment Hunger und ging wenig später runter zum Frühstücken. Ich bestellte bei ihm noch ein paar Dinge blieb aber im Wind sitzen. Wir haben es beide kommen sehen, es dauerte als er los lief kaum 15min bis sich auf den Gleisen wieder etwas regte. Erst sah die Lok am kommenden Südfahrer wie eine 2Zagal aus, je näher die Kiste aber kam desto sicherer konnte man es als Dash7 identifizieren. Sie zog alleine einen stattlichen Leerwagenzug den Berg hinauf, und war dabei nicht mal langsam.

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Dash7 001 kommt auch noch, mit einem Kohlezug aus der Hauptstadt nach Süden bei Honhor. Die Lok war schon von weitem zu hören, der Sound ist im Vergleich zu den Russischen Loks doch anders.

Pascal kam anschliessend von seiner Erdungstour zurück und gesellte sich zu mir. 10min später kam Christof vom Essen zurück und als er noch nicht ganz bei uns war kam schon wieder ein Zug von Norden. Ich veränderte meine Position im Laufschritt – was gar nicht schadete um mich wieder etwas auf Temperatur zu bringen. Zug: Es war eine Russen 116 welche von einer M62 Schub erhielt, entsprechend lange war der Zug.

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2TE116 935 der RZD mit einem langen gemischten Güterzug nach Süden bei Honhor.

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.. am Zugschluss schob noch eine die M62UM 009 der MTZ.

Die Zugdichte heute früh gefiel uns ausgesprochen gut! Und wenn es schweinisch kalt sein muss um schönes Wetter und Verkehr zu bekommen, dann muss es halt so ein, nehmen wir gerne in kauf.
Es war halb 11 Uhr durch und als nächstes erwarteten wir eigentlich den Personenzug der UB um halb 10 verlässt. Ich lief für diesen etwas weiter nach hinten an eine von Pascal entdeckte Stelle. Als ich da ankam war das Licht schon etwas sehr nah an der Gleisachse. Wollte ich für den Personenzug wirklich da warten? Die Frage wurde mir abgenommen, es trötete einmal hinterm Berg und es kam wieder mal eine Mongo 116er nach Süden. Die Blechkisten haben sich heute früh bisher recht rar gemacht, aber irgendwann mussten sie ja kommen ;).

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2TE116 006 mit einem nächsten gemischten Güterzug nach Süden eine kurve weiter hinten. Die ersten Wagen sind von der Chinesischen Minengesellschaft, die im Norden eine eigene Eisenbahn betreibt.

Ich schoss den Zug und lief dann gleich zurück, wieder in die 180° Kehre beim Camp. Auf halber Strecke kam mir Christof entgegen, der die Stelle da hinten auch noch machen wollte. Es war 20 nach 11 als ich auf der Bergkuppe vor der 180° Kehre war und beschloss gleich da zu bleiben. So stand ich auf dem höchsten Punkt der Ecke und sah sowohl unsere Kurve als auch die Strecke dahinter. So sah ich auch früher als alle anderen das Unheil kommen .. Wolkenschatten, grosse fette Wolkenschatten, auf breiter Front.
Der Personenzug tauchte hinten auf, der Schatten auch ... und bei mir passte es Haarscharf. Sehr Haarscharf, aber es klappte mit der Sonne. Es war wieder eine blaue 2M62 am Zug, wie "bekannt" und vor einer Woche auch schon. Ich schaute dann nach hinten und sah wie Christof ins Unglück stürzte. Zug da, Wolke da, und kaum war die Lok durch war der Zug wieder im Licht. Satz mit X, ging mir durch den Kopf. Pascal erwischte es weiter hinten in der 180° Kehre auch nicht besser, bei ihm war der Schatten der mir fast das Bild vermasselt hätte bereits auf dem Zug.

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Das war ein Haarscharfer Wolkentreffer - der Schatten den man hinten sieht war 5 Sekunden nach dem Bild auf dem Gleis. Zu sehen ist eine 2M62 mit dem Personenzug 286 nach Sainschand.

Wir hatten vorher ausgemacht das wir uns nach dem Personenzug ums Zusammenräumen kümmern wollten, um mal noch weg zu kommen aus der Ecke. Also taten wir das, ich wartete auf Christof und wir liefen zusammen runter, zu Pascal der ebenfalls auf uns wartete. Am Camp angekommen räumten wir dann wirklich gleich zusammen, ich war ziemlich flott fertig, wobei das Zelt zusammenfalten im Wind gar nicht so einfach war.
Wie wir so am Zusammenräumen waren kam oben ein Personenzug nach UB lang gefahren. Davor hing eine 2Zagal, dahinter eine riesige Schlage Chinesischer Wagen. Pascal sagte sofort; „Das ist der Personenzug aus Peking, fährt bis UB, mist, habe ich Vergessen!“. ABER: Hätten wir es gewusst, wir wären oben in die Kurve gestanden, und da war bei der Zugdurchfahrt kein Licht. Insofern störte es mich überhaupt nicht, dass wir ihn verpasst haben, es hätte uns unter Garantie mehr verärgert wenn wir für ihn gestanden wären.
Wir waren dann mit Zusammenräumen fertig und fuhren los, aber erst nachdem Segi das Auto wieder flott gemacht hat. Die Karre hatte immer wenn sie länger stand etwas mühe mit Anspringen, aber Segi wäre nicht Segi, wenn er die Karre nicht zum laufen bringen würde ;)
Wir schlugen den Weg in Richtung Süden ein, das haben wir eigentlich erst beim losfahren so richtig entschieden, gewisse Tendenzen zogen uns nach Norden - das Wetter war dann aber der ausschlaggebende und entscheidende Punkt - im Süden sah es deutlich besser aus. Wir fuhren der besten der wenigen Pisten entlang und merkten relativ flott, dass die irgendwie nicht der Bahn entlang führen kann. Aber das ist mir unserer Mannschaft natürlich kein Problem. "Hey, könnt ihr mal links halten zur Bahn? Da ist bestimmt schön". Gesagt getan und wenig später standen wir hoch oben auf einer Hügelkette und schauten auf die Bahn tief unter uns. Zu sehen auch noch der Bahnhof von Choolt.
Da wollten wir dann hin, oder zumindest in die Richtung, von oben sah es da unten sehr gut aus. Christof warf dann nur ein; „machen wir, aber erst nachdem der Zug der da unten ums Eck schleicht vorbei ist“. Ui, tatsächlich, an der Bahnhofs Einfahrt schlich eine Mongo 116 mit Zug in unsere Richtung. Um ihn gut zu Fotografieren zu können wollten wir noch einen Hügel weiter vor, und teilten dies so mit. Das war natürlich kein Problem, Segi heizte mit dem Auto über das Feld ;) Wir waren früh genug, den Zug schossen wir mit etwas Sonnenglück von unserer erhabenen Position hinunter.

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Unser Auto in den Hügeln über Choolt.

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Ein Südfahrender Güterzug mit einer 2TE116 der MTZ, zu sehen hinten der Bahnhof von Choolt

Der Zug war durch und wir waren wieder froh im Auto sitzen zu können *bibber*. Dann folgte der Hinweis, dass wir gerne zum Bahnhof würden. Anstatt aber aussen rum zu fahren, an das dachten wir eigentlich, wählte Segi den direkten Weg. Er hatte sichtlich Spass am direkten Weg, auch wenn er beim runter rollen vermutlich nicht grossartig hätte reagieren können, wenn etwas gewesen wäre ;). Wie wir unten angekommen sind stellten wir uns im Auto ausgerichtet an die Stelle und warteten erstmal. Die schöne 2 Richtungsstelle überzeugte vollends und das Tüpfelchen auf dem i war das warten im Auto.
Lange dauerte es auch diesmal nicht, schon bald erkannte Nomu ,wieder mal als erster, ein Zug von Süden. Pascal meinte auch, ihn gesehen zu haben, ich nicht. Das lag daran, dass da nur ein Lokzug kam, eine Mongo 116 auf Solofahrt. Wir hatten dabei schweinisches Sonnenglück. Das beste daran war, dass die Lok über Ablenkung ins Ausweichgleis fuhr. Bedeutet wohl Kreuzung? Jaha, wenig später rollten Güterwagen durch einen Einschnitt vor uns. Und wer hat den Zug wieder als erstes gesehen, Nomu. ;)Auch an diesem Zug war eine Mongo 116 dran und wieder hatten wir Glück mit der Sonne.

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2TE116 005 als Lokleerfahrt nach Norden an der Einfahrt von Choolt.

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Und gleich die nächste 2TE116 der Mongolen, diesmal Nr 9 an der Ausfahrt Choolt.

Angesichts der Grosswetterlage waren die letzten beiden Bilder wirklich als Glückstreffer zu bezeichnen. Es hatte richtig viele ehrliche Wolken und nach der Durchfahrt des zweiten Zuges kam eine Wolkenfront, die so aussah, als ginge die Welt gleich unter. Aber kaum waren wir drin in dieser Wolkenfront (mit Schnee drin), sah man auch schon wieder das blaue Ende.
Ich bin mal raus als sich ein Ende abzeichnete. Da wir beide Richtungen der Stelle schon mit einem Zug hatten trieb es mich in Richtung Bahnhof. Am Schluss stand ich zwar an der Ausfahrt auf der anderen Seite des Bahnhofs, aber was soll’s ;). Die Stelle für Südfahrer war solala, die für Nordfahrer aber super - nur, kommt da wohl irgend etwas? Der Lokzug da vorhin sprach nicht unbedingt dafür.
Um 16 Uhr lief ich zurück zum Auto und stieg wieder ein. Ich hatte da dann den Eindruck das alle 4 Leute da drin geschlafen haben, eine Müde Bande schaute mir entgegen, das faule Pack! ;) .
Ich wollte weiter, denn ich hab in den 30min des Wartens unter dem freien Himmel gewisse Dinge gesehen, die mir nicht gefielen. Es zogen immer wieder Fette Wolken direkt auf uns zu, sie zogen über uns hinweg und lösten sich dann auf. Ich wollte hinter den Punkt wo sich die Wolken auflösen, in den blauen Himmel hinein! Dummerweise waren wir als ich den Wunsch äusserte gerade in der Sonne und es brauchte etwa Überzeugungsarbeit. Man war aber irgendwann einverstanden ... also los.
Wohin?
Ja nach Süden natürlich.
Wie weit?
Was weiss ich… !
Wir fuhren einfach mal. Bei Tsagaan Chjar, kaum 10min nach der Abfahrt kam eine Mongo 116 mit einem Zug nach Norden vorbei, die hatte uns an der Stelle gefehlt! Der Blick zurück fiel aber auf Schattige Berge, hätte also sowieso nicht geklappt. Segi trieb sein Auto durch die immer weiter werdende Steppe und wir hielten erst wieder an als uns eine Stelle wirklich gefiel. Das Problem in diesem Abschnitt war, dass die Bahn immer an Nordhängen verläuft, man also meist einen Standpunkt unter der Bahn hat. Überall, ausser in zwei Kehren, die in die leicht hügelige Landschaft gelegt wurden. Gleich an der ersten Kehre hielten wir inne, es gefiel uns.
Pascal entfernte sich von der Gruppe (Pferde gross) und wir machten es uns gemütlich auf unseren Plüschigen Zebrasitzen. Ich klappte meinen Laptop auf und schrieb diese Zeilen als kurz darauf schon weeeit hinten ein Zug in Sicht kam.
Schon von weitem erkannte man, dass eine Solo Lok am Zug hängt und je nach Position der Lok hätte ich beim Blick durchs Tele auf eine Evolution getippt, weil mir die Lok richtig in der Sonne entgegen glänzte. Als der Zug näher kam bestätigte sich der erste Eindruck, es war "nur" eine Solo Trommel in grün. Da dran hingen lausige 11 gefüllte Kohlewagen, trotzdem schlich die Blechkiste urgemächlich in unsere Richtung.
Wir schossen die Trommel erst quer und liefen dann nach vorne um ihr auf die Nase zu knallen. Die Nummer der guten war M62 018b - wobei die B auf eine 2M62 Hälfte hinweist. Die Trommel war aber „richtig“ mit zwei Führerständen ausgerüstet. Die (frische) Lackierung war ebenfalls speziell, das Schema entspricht der normalen blauen Lackierung, einfach in grün. Eine ganz spezielle Trommel haben erwischt, vielleicht ... na, Christof will sich ihrer annehmen wenn wir wieder zuhause sind, ich bin ja gespannt was da raus kommt.

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M62M 0186 mit einem kurzen Kohlezug zwischen Tsagaan Chjar und Tschuluut auf dem Weg in die Hauptstadt. Der Zug kam kaum vorwärts, was entweder für die Strecke oder gegen die M62 spricht ;)


Wir liefen wieder zum Auto zurück und ich schrieb weiter, als wieder kaum 30min später ein Zug in Sicht war, wieder von Süden - was ein Glück! Diesmal liefen wir in die Innenseite der Kehre und schossen die Russen 116 quer. Mit einem Bomben Himmel und einem richtig langen Zug ... ein Bild der Tour!

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Eine 2TE116 der RZD mit einem langen Güterzug nach Norden, zwischen Tsagaan Chjar und Tschuluut.

Wie wir zurück liefen fuhr gerade unser Auto davon ;) Segi und Nomu waren schon vor 1h „scharf darauf“ ein Nachtlager zu finden, wir fanden das zwar auch wichtig, aber nicht ganz so arg erste Priorität. Wir winkten und gingen rüber. Resultat als wir drüben waren für Christof; Jacke: -1.
Themenwechsel: Übernachten, gar keine einfache Kiste heute Abend, wir brauchten zwingend einen (fast) windstillen Platz. Also suchten wir ein bisschen herum. Erst fuhren wir zu ein paar kaputten Häusern, dann hinter den Bahndamm, dann über einen Bergkamm, dann wieder hinter den Bahndamm, dann in ein matschiges Flussbett. Und überall wo wir waren war es entweder nass, oder die Gräser am Boden zeigten klar an – Windstill ist es hier sicher nicht.
Das brachte uns, und vor allem Nomu, etwas zur Verzweiflung. Aber er wäre ja nicht der beste Guide der Welt, wenn er nicht eine Lösung bereit hätte. Der nächste Bahnhof war nicht weit und er wollte da bei den Häusern mal fragen, ob wir irgendwo unterkommen.
Bei einer Jurte die wir unterwegs anfuhren stiess er auf Granit, dann ging es zum Bahnhof. Wir blieben erst im Auto, ich bin dann jedoch ziemlich flott auch raus. Grund der Aktion war ein Personenzug von UB der irgendwie in meinem Kopf rumfuhr und nicht „raus wollte“. Ich wollte da nichts riskieren bei dem Abendlicht und war der Meinung, dass er bald kommen müsste. Und tatsächlich, die 10min in der Kälte stehen haben sich gelohnt, es bog bald eine 2Zagal mit einem Personenzug ums Eck. Ich lief kurz vor an die angedachte Stelle, vorbei an ein paar streunenden Hunden die das irgendwie so gar nicht lustig fanden, und schoss dem 2Zagal auf die (leider nicht ganz helle) Nase. Der Zug war aber wieder mal sehr eindrücklich und ich hatte mühe, ihn nicht abzuschneiden am Ende.

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Der Bahnhof von Tschuluut war der letzte Platz des Tages. Die 2Zagal 001 kam im schönen Abendlicht mit Zug 276 von Ulan Bator nach Zamyn-Üüd.

Als er durch war sah ich schon Nomu warten am Bahnsteig und er winkte uns zu sich. Er habe etwas, wir sollen mitkommen. Oben bei einem der beiden Wohnhäuser führte uns der Bahnhofsvorstand durch eine Tür in eine Kammer mit 2 Räumen ... die Wände hätten wieder mal einen Anstrich nötig, der Boden hatte auch schon bessere Zeiten erlebt und die Fensterscheibe welche auch aus einer Folie besteht reden wir besser nicht. Aber wenn wir den Raum so haben können zum übernachten, noch so gerne! Auch ein Vorteil, die Stelle für den Morgen ist keine 50m entfernt. ;)
Wir schlugen natürlich gerne ein, auch wenn wir noch nicht wissen ob und was es kostet, aber daran soll es definitiv nicht scheitern.

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Eingang in unsere "Wohnung" ... – von Christof

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Kochstelle mit dem Ofen.

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Und das Schlafzimmer / Wohnzimmer Zimmer ... eine Bescheidene bleibe, die aber bald von einer Familie bewohnt werden wird!

Segi wurde angewiesen mit dem Auto die Gleisseite zu wechseln und kurz darauf brauste er im Wind davon. Ich und Pascal liefen in der Abendsonne noch zur Südausfahrt des Bahnhofs, für 30min sollte da vielleicht noch Licht sein. Leider hatte es aber nicht geklappt, es kam nichts von keiner Richtung.
Als wir zurück kamen war der Segi und Nomu schon am fleissig Kochen. Christof lag im Schlafsack und döste, der Wind und die Kälte hatte ihm ganz schön zugesetzt.
Wir setzten uns dann ans Feuer neben Segi und fragten was es mit dem Raum auf sich hat. Es sei eine Wohnung die nächste Woche wieder von einer Familie bezogen werde ... das wirft dann doch einen ganz anderes Licht auf die "Abstellkammer". Es sei aber ideal für eine Familie. Nicht zu gross, da müsse man nicht so viel Fläche heizen im Winter. Die Räume, ich hab es oben bemerkt, spotten jeder Beschreibung, aber Wohnungen nach unserem Standard sehen natürlich anders aus. Das lässt einem dann doch nachdenken...

Das Essen war klasse, es gab Reis mit Gemüse / Fleischsauce und anschliessend leerten wir noch den Vodka und tranken die letzten Biere aus der „Minibar“ (unserer Kartonkiste mit Getränken ;)).

Ich sitze jetzt vor dem noch warmen Holfofen und schreibe diesen Bericht zu Ende. Die andern pennen schon.. Christof hat gerade das sägen begonnen ... super, Zeit die Musik ins Ohr zu stecken. Ich schaue gleich noch kurz nach den Pferden und gehe dann auch in den Schlafsack, in der Hoffnung morgen früh auf einen blauen Himmel zu stossen. Die Uhr am Laptop steht auf 16:10, was in der Zeit hier 22:10 bedeutet. Gn8




Das wars schon wieder. Der nächste Teil kommt dann wieder von Pascal. Da unsere Urlaubsaison langsam zu Ende ist werden wir versuchen den Takt jetzt etwas höher zu halten. Und was kommt nach der Mongolei, Türkei, oder USA / Kanada? Wir wissen es noch nicht ;)

En Gruess
Nil


Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...
Ui, plötzlich sind drei mit Spannung erwartete Fortsetzungen da. Sehr schön.
Herrliche Bilder aus einer eindrucksvollen, fremdartigen Landschaft, die Du uns da zeigst. Und die Züge sind ja wirklich abwechslungsreich und fotogen.

Und was kommt nach der Mongolei, Türkei, oder USA / Kanada? Wir wissen es noch nicht ;)

Du hast Chile vergessen ;-)

Viele Grüße,
Jan

Fantastisch! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 17.08.11 10:32

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Re: Fantastisch! :-)

geschrieben von: rene

Datum: 20.08.11 00:57

Da schließe ich mich an, großartige Reportage mit beindruckenden Bildern..

Schöne Grüße

René
Klasse Bilder!

Interessant ist auch , dass sich die Wortschöpfung "Bumbat- Pass" schon so weit herum gesprochen hat.
Einen Bumbat- Pass gibt es eigentlich gar nicht.

Grüße aus Halle
Matthias
Ein Super Beitrag, den ich leider erst jetzt entdeckt habe, aber es ist ja noch nicht zu spät.

Dazu mal eine Frage: Bei den Zügen mit Schiebelok, wie wird die Schiebelok gesteuert?
Ich vermute ja mal nicht per Funk sondern sie ist auch mit Personal besetzt?
Gehe ich da richtig in der Annahme.

Danke im voraus.