DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 08/01 - Auslandsforum 

Hier sind alle Beiträge über die Eisenbahnen im Ausland (außer AT und CH) willkommen. Ein separates Forum gibt es für die Alpenländer Österreich und Schweiz, das » Alpenlandforum.
Zur besseren Übersicht und für die Suche sind » Länderkennzeichen nach ISO 3166 Alpha-2 in [eckigen Klammern] zu verwenden!
Verlinkungen zu Beiträgen im Historischen Forum, Straßenbahnforum und Wagenforum sind gestattet.
Hauptverantwortliche Moderatoren: Heiko Focken - Jan vdBk - Sören Heise

Neu bei Drehscheibe Online? » Hier registrieren!  Zum Ausprobieren und Üben steht das » Testforum zur Verfügung!
Hallo,

im Rahmen der Streckenbereisung geht es heute als Fortsetzung von hier [www.drehscheibe-foren.de] um den grün markierten Abschnitt, nämlich um den Bahnhof Bajzë.

Podgorica
Tuzi
Hani I Hotit

Bajzë
Koplik
Grilë
Shkodër


Anfang der 90er enthüllte der Spiegel, dass rund 480 Tonnen Altpestizide aus Deutschland mit der Bahn nach Albanien geliefert wurden. „Sie sind als humanitäre Hilfe deklariert und sollen in der albanischen Landwirtschaft eingesetzt werden. In Deutschland gelten die Schädlingsbekämpfungsmittel als Giftmüll, denn ihr Verfallsdatum ist abgelaufen; die meisten sind ohnehin verboten. Einige sollten ab Ende 1992 aus dem Verkehr gezogen werden. Die Entsorgungskosten betrugen zwischen 8.000 und 10.000 Mark pro Tonne; also zusammengerechnet fast fünf Millionen Mark.

Die Altpestizide stammten noch aus der DDR-Produktion. Der Exporteur, die Schmidt-Cretan GmbH, ist beim Amtsgericht Hannover eingetragen unter: "Handel mit Spielkarten, Spielen und ähnlichen Artikeln". Im Briefkopf führte Schmidt-Cretan das Logo: King Cards - Play with the best. Die Deklaration der Giftfracht als humanitäre Hilfe erfolgte immerhin mit dem Einverständnis der albanischen Botschaft in Bonn. Sie bestätigte Schmidt-Cretan die "freie Lieferung von Pflanzenschutzmitteln nach Albanien". Darunter hoch giftige Stoffe wie Lindan, Trizilin und Falisan.

Empfänger des Giftmülls sind zwei albanische Staatsfirmen. Geliefert wird per Bahn und per Lastwagen zwischen Oktober 1991 und März 1992. Dann fordern beide Firmen den hannoverschen Exporteur Schmidt-Cretan auf, die Lieferung zu stoppen. Die Empfänger haben nämlich bemerkt, dass die Stoffe zum Teil aus uralter Produktion stammen - hergestellt zwischen 1985 und 1987 - und alle das Verfallsdatum überschritten haben. Außerdem sind sie schlecht verpackt und größtenteils in Albanien verboten. Die Bevölkerung ist ahnungslos.

Die Bevölkerung weiß nichts von der Gefährlichkeit dieser Stoffe. Woher auch? In ihrem Land werden Pestizide arglos an Kiosken vertrieben; portioniert in alten Getränkeflaschen, als handelte es sich um Milch. Auf dem Bahnhof Bajze plündern Bauern einen Waggon mit deutschen Altpestiziden, um die Kanister als Regentonnen oder als Vorratsbehälter für Schnaps, Essig, Saatgut und Viehfutter zu benutzen. Den Inhalt der Fässer kippen sie einfach in die Landschaft.

Einige der Kanister enthalten eine hoch giftige Quecksilberbeize (Falisan-Universal-Feuchtbeize). Insgesamt 96 Kanister Falisan werden in der Umgebung von Bajze geleert; 70 Liter pures Quecksilber sickern in den Boden und ins Grundwasser. 1992 befinden sich nach Angaben albanischer Behörden insgesamt rund 480 Tonnen deutscher Altpestizide im Land: 25 Tonnen im Hafen von Durres; 217 Tonnen am Bahnhof von Bajze, 50 km nördlich von Schkoder; 90,5 Tonnen im Lager Milot, 50 km nördlich von Tirana, und 148 Tonnen an vielen verschiedenen Plätzen in den Pestizidlagern der albanischen Bezirke.“

Zitiert nach:

[www.greenpeace.de]

Wenn ich mich recht entsinne, hatte damals die ungarische MAV die Wagen gestellt, die sie zwar irgendwann zurückforderte, aber aufgrund der leckgeschlagenen Fässer abschreiben musste.

Hier gibt es einen albanischen Film über die Entsorgung und den Bahnhof im Jahr 2009 zu sehen.

[www.youtube.com]

Die ganze Aktion war damals trotz der ausposaunten Blaserei über die historische Verantwortung in deutschen Landen (Kohl und Töpfer) und das Drumherum eine riesige Sauerei.

Mittlerweile hat die britische Firma Arundelle die giftige Hinterlassenschaft entsorgt.

Valentin Popaj ist Bahnhofsvorstand in Bajzë und für den gesamten Streckenabschnitt Hani i Hotit – Shkodër zuständig. Hier äußert er sich im Jahr 2008 zu den giftigen Hinterlassenschaften in seinem Bahnhof:

[www.youtube.com]

Ebenfalls sind im Bahnhof zwei Maschinen stationiert: T 669.1039 (Baujahr 1983, 1996 Werklok in Ballsh) und T 669.1048 (laut einer Sichtung im Jahr 1996 abgestellt in Prrënjas?). Keine Maschine ist im Bahnhof zu sehen und das hat seinen Grund, wie wir noch zu sehen bekommen werden. Aber schauen wir uns diese ehemalige Giftmüllkippe von Bahnhof näher an.

Bei der Fahrt in den kleinen Ort Bajzë werden wir symbolisch von den Müllbergen empfangen.

Bild 1:

http://img233.imageshack.us/img233/4394/img0151c.jpg

Wenn man die Hauptstraße rechts abbiegt, gelangt man über einen kleinen Weg zum Bahnhof.

Bild 2:

http://img40.imageshack.us/img40/6538/img0159kx.jpg

Bild 3:

http://img508.imageshack.us/img508/8355/img0154ma.jpg

Hier sehen wir eine der Hallen, in denen der Giftmüll lagerte.

Bild 4:

http://img151.imageshack.us/img151/570/img0155jh.jpg

Bild 5:

http://img861.imageshack.us/img861/3064/img0156n.jpg

Bild 6:

http://img585.imageshack.us/img585/1395/img0157hx.jpg

Ob den Bewohnern des Hauses die giftige Nachbarschaft jemals bewusst geworden ist?

Bild 7:

http://img26.imageshack.us/img26/5674/img0158wv.jpg

Bild 8:

http://img842.imageshack.us/img842/2435/img0160sx.jpg

Bild 9:

http://img222.imageshack.us/img222/5728/img0161ho.jpg

Auf dem Streckengleis in Richtung Hani I Hotit stehen einige Wagen abgestellt.

Bild 10:

http://img822.imageshack.us/img822/718/img0162uq.jpg

Und der Blick Richtung Shkodër:

Bild 11:

http://img847.imageshack.us/img847/6094/img0163f.jpg

Bild 12:

http://img153.imageshack.us/img153/3458/img0168p.jpg

Bild 13:

http://img17.imageshack.us/img17/5329/img0170en.jpg

Hier sehen wir die Wagen noch von der Seite. Albanischer Selbstentladewagen und VTG-Kesselwagen.

Bild 14:

http://img847.imageshack.us/img847/8162/img0171k.jpg

Bild 15:

http://img856.imageshack.us/img856/8256/img0164tc.jpg

Wir verlassen diesen ungastlichen Ort und fahren weiter in Richtung Koplik. Die Strecke verläuft jetzt wieder dicht an der Straße.

Bild 16:

http://img716.imageshack.us/img716/6421/img0176fz.jpg

Bild 17:

http://img140.imageshack.us/img140/2975/img0180oc.jpg

Bild 18:

http://img24.imageshack.us/img24/3301/img0181vt.jpg

Der letzte Teil folgt in Kürze.

Grüße
Alex

Bisherige Beiträge über die Eisenbahn in Albanien, April 2011:

Prolog, Fahrpläne, Pilgerzüge: [www.drehscheibe-foren.de]

Strecke Podgorica – Hani i Hotit – Shkodër (20. April 2011):

Teil 1: Podgorica – Tuzi [www.drehscheibe-foren.de]

Teil 2: Hani i Hotit [www.drehscheibe-foren.de]

Teil 3: Hani i Hotit bis nach Bajzë [www.drehscheibe-foren.de]

Teil 5: Koplik bis Shkodër und Züge: [www.drehscheibe-foren.de]

Nebenbahn Kashar – Yzberish, Durres-Pendel: [www.drehscheibe-foren.de]

Strecke Fier – Ballsh (25. April 2011):

Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de]

Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de]

Teil 3: [www.drehscheibe-foren.de]

Betriebsalltag in den Bahnhöfen Tirana und Vorë: [www.drehscheibe-foren.de]

Industriebahn Papërr – Cërrik, Stahl der Partei (Elbasan): [www.drehscheibe-foren.de]

Bahnhof Prrënjas und der Lokfriedhof: [www.drehscheibe-foren.de]

Züge Nr. 18 und 19: Von Tirana nach Vlorë (24. April 2011):

Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de]

Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de]

Strecke Milot – Rreshen – Burrel – Klos (April und Juli 2011) Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de]

Strecke Milot – Rreshen – Burrel – Klos (April und Juli 2011) Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de]

Dalje: Epilog mit Güterzügen und Informationen [www.drehscheibe-foren.de]

Mehr von der HSH: [www.drehscheibe-foren.de]



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:02:05:11:01:47.
Klasse Bilder !

das wäre ein idealer Film - Schauplatz für einen Krimi .

Steve
Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Kontakt | Impressum
(c) 2026 - Arbeitsgemeinschaft DREHSCHEIBE e.V.