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Moin moin!

Hier folgt der dritte Teil. Wir erleben einen letzten Tag am Ivan mit neuen Motiven, erleben einen Wintereinbruch und "fliehen" an die kroatische Küste.

Über Anmerkungen, Fragen und Ergänzungen freuen wir uns wie immer sehr! Den letzten Teil wird Nil dann wieder einstellen.

Viel Spaß beim Mitreisen,
Jan

Die bisherigen Teile:
Teil2: [www.drehscheibe-foren.de]
Teil1: [www.drehscheibe-foren.de]




Zwischen den Baustellen des Balkan: Apriltour 2011 (3)


Dienstag, 12.04.2011: Jablanica - Ivan III - Jablanica

Heute gab es nochmal Marmeladenbrote zum Frühstück. Irgendwie mag ich die Balkan-Marmelade, die, egal ob aus verschiedenen Früchten gemischt oder einfruchtig oder sogar aus Hagebutten, immer gleich schmeckt. An einem Nachbartisch saß heute zum dritten Mal ein Mensch, den ich für einen einheimischen Fernfahrer gehalten hatte, der hier sein Frühstück zu sich nimmt. Der hatte schon in den vergangenen Tagen immer so interessiert zu uns hingeschaut und vor allem -gehört. Heute bekam er Gesellschaft durch einen zweiten Mann und die beiden unterhielten sich --- auf richtigem urbayrisch! Der andere Mann meinte, dass irgendwo bei Rostock ein großes Autounglück bei Sandsturm gewesen sei. Das schöne an so einem Urlaub ist ja eigentlich immer, dass man all die Nachrichten aus Deutschland fast nie mitbekommt. Nach dem Auschecken fuhren wir erstmal zum Wahrzeichen von Jablanica, dem Schmalspurzug-Denkmal vor der eingestürzten Brücke. Letztere konnte man morgens allerdings eher schlecht umsetzen, da sie vollkommen im Schatten lag.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-02.jpg
Bin ja sonst nicht so der Denkmallok-Fotograf. Aber diese Lok auf dem Brückenkopf der alten, in die Schlucht abgeknickten Brücke, fand ich schon sehr eindrucksvoll.

Danach ging es nochmal nach Dreznica, wo ich den B 396 mit anderen Brennweiten als gestern aufnahm. Der Zug war heute besonders langsam, so dass wir ihn wieder mühelos bis in den engsten Teil der Schlucht überholen konnten. Dort gab es ihn ein zweites Mal. Unverhofft war dann das dritte Mal. Bei Durchquerung des Bf Jablanica entdeckten wir, dass der Zug noch im Bahnhof stand und grün hatte. Wir fuhren weiter und beobachteten stets die Strecke. Da tat sich nichts. So versuchten wir einfach auf gut Glück, ob wir ihn am Hp Jablanica Grad nochmal erwischen würden. Und siehe da - es klappte tatsächlich.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-18.jpg
B 396 hat die Neretvabrücke hinter sich und verlässt gerade den ortsnahen Haltepunkt Jablanica Grad. Ein gutes Stück unterm Zug verläuft der Schmalspurtunnel quer. Durch den Tunnel und weiter auf der Trasse führt der Asphaltweg, der zum Brückenblick führt, den wir vorgestern aufgesucht hatten.

Dabei hatte ich allerdings einen Mann aufhalten müssen, der hinter mir den Pfad runterkam und der mir sonst ins Bild gelaufen wäre. Er lief zwar noch paar Schritte weiter als mir lieb war, aber es ging gerade noch. Wie sich herausstellte, sprach er gut englisch und kam gerade vom Joggen. Muss wohl ein ziemliches Berg-Jogging gewesen sein. Wir waren außerdem erstaunt, wie viele Leute in Jablanica ausstiegen. In Dreznica waren auch welche eingestiegen.

Wir fuhren dem Zug, der nun aber wieder normal schnell fuhr, mal wieder hinterher. Rund um den Ivanpass schmodderte es aber am Himmel extrem rum. Wir waren schon drauf und dran umzukehren, sahen aber hinterm Tunnel, dass es wieder etwas blauer wurde. So steuerten wir nochmal den einen Viadukt zwischen Rastelica und Pazaric an. An der Hauptstraße war der Abzweig mit Smucka ausgeschildert, wobei Smucka sicher das erste Dorf zu Füßen des Betonviaduktes ist und wir hinterm Dorf rechts zum nächsten Dorf abgezweigt sind (Asphaltweg). Diesmal nahmen wir den Viadukt von unten, wozu zu unserer Freude auch die Sonne wieder stärker hervor kam.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-20.jpg
Ok, diesen Viadukt hatten wir schon paarmal. Aber diese Perspektive von unten gabs noch nicht.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-23.jpg
Kleines Dorf vor großer Bergkulisse. Leider haben wir keine genauen Karten, so dass ich den einzelnen Siedlungen nichtmal genaue Namen zuordnen kann.

Nun wollten wir uns aber nicht weiter nördlich des Passes aufhalten und machten wieder rüber an die "Bradina Rampa", also an die gewundene Südrampe. Im Bahnhof Bradina stand der gemischte Güterzug, der an den Vortagen immer mittags runter bis Celebici gegangen ist, unbespannt da. An einer Tanke unten im Tal kauften wir uns leckere Knabberteilchen aus Italien (Bruschette von Maretti, Geschmacksrichtungen Tomate für Nil und Käse für Jan) und bogen in die Wildnis ab.

An dieser Stelle herzlichen Dank an den Mitleser STIB, der vor unserer Reise diese genaue Karte von der Bradina Rampe, also dem Südaufstieg des Passes, verlinkt hatte: [img222.imageshack.us]

Die Nebenstraße nach Stari Grad sollte es nochmal sein. Beim gestern bereits entdeckten Blick auf den Stinkefingerfelsen blieben wir stehen, da nun bald der Perso hochkommen sollte. Und von oben hatten wir eine Lok anrollen sehen. Doch plötzlich klang es eher von unten nach hart arbeitender Energie. Und tatsächlich tauchte von unten ein Kohlezug auf. Leider schmodderte das Licht ziemlich herum, was aber angesichtts eines eher geringen Himmelsanteils nicht so schlimm war.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-26.jpg
Ein Kohlezug kommt unterm Stinkefinger-Felsen hervorgerollt. Er befindet sich noch auf der mittleren Ebene.

Wir "verfolgten" den Zug dann zum Bahnhof, der laut Karte Stari Grad, lt Aufschrift am EG und im Fahrplan jedoch nur einfach "Grad" hieß. Eine Bezeichnung, die am wenigsten zutraf, denn hier war alles, nur keine Stadt. Rings herum nur Felsen und Wildnis. Selbst bis zum namensgebenden Dorf musste man vom Bf einen mühseligen Pfad zum Fahrweg hochkraxeln und dann noch mindestens eine halbe Stunde gehen. Die Verfolgung dauerte 2 Min, der Zug brauchte dafür ca 12 Minuten. Leider ging er auch oben nur im Halblicht.

Dann ging es sogleich wieder runter zum Stinkefinger, denn der Pu 2402 stand jetzt unmittelbar an. Kaum waren wir auf Posten, kam er auch schon. Auch diesen Zug wollten wir natürlich nochmal oben in "Grad" haben - allein um zu schauen, wie rege der Fahrgastwechsel ausfallen würde. Den Cheffe hatten wir natürlich - wie bisher auf jedem Bahnhof, in dem wir fotografieren wollten, um Erlaubnis gefragt. Er war ein ganz Alter und saß über seine Zeitung gebeugt. Ein Fernseher lief auch. Gegen das Fotografieren hatte er nichts, eine weitere Unterhaltung war allerdings mühsam.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-35.jpg
Reger Fahrgastwechsel im Bahnhof Grad, was soviel wie "Stadt" bedeutet. Und: Wer braucht schon Bahnsteige?

Wir waren erstaunt, wie viele Leute den Halt in Grad nutzten; es fand ein Fahrgastwechsel von ca 5 Leuten statt, den wir fotografieren konnten. Der Zug hatte zu unserem Vergnügen die frisch lackierte Lok 912 vor. Als der Zug weg war, hörten wir es unten beim Stinkefinger schon wieder rollen. Wir blieben mal gleich im Bahnhof. Und tatsächlich kam schon wieder ein Kohlezug angefahren - diesmal mit besserem Licht.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-42.jpg
Kohlezug im Bahnhof Grad vor der Kulisse der beiden Gradina-Spitzen. Die höhere rechts erhebt sich immerhin 1023m aus dem Meer.

An der Nordeinfahrt standen zwei alte Golf 2 (oder 3?) und ein Käfer. Was wäre Bosnien ohne Wolfsburg? Spaßeshalber warteten wir hier die zurückkehrende Schiebelok ab, die aber leider als zwei Loks runterkam, was nicht gar so gut passte.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-44.jpg
Zurückkehrende Schiebeloks und der Park and Ride Platz von Grad. Zugang: Nur über die Gleise.

Nun verließen wir diesen Teil des Eisenbahngebirges, nur um nach einem Erkundungsbesuch in Konjic, wo gerade die zwei "Helpers" von oben ankamen und ein Kohlezug mit einer roten 441 bereitstand, wieder nach Ovcari abzubiegen.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-48.jpg
Die beiden "Helpers" sind in Konjic angekommen und erhalten von der Cheffin neue Instruktionen.

Wir wollten uns nun endlich mal den Bahnhof Ovcari selbst ansehen. Von dort sieht man ja verhältnismäßig viele Bilder, während man ja sonst vom Ivanpass gar nichts sieht. Wir hatten gerade unterhalb des Bahnhofs geparkt und liefen den Bahnhofspfad aufwärts, da tauchte unten im Tal auf der untersten Ebene schon der Güterzug mit der roten Lok auf. Man hatte also eine der beiden Helpers sofort hinten gegengefahren und ab gings. Wir hechelten den Pfad hoch, dass die Lungen pfiffen und kamen völlig außer Puste oben an. Der Cheffe stand schon vorm EG, eine Fotoerlaubnis holten wir uns per Zuruf. Die hohe Schmodderschicht am Himmel hatte übrigens jetzt "ehrlichen" Quellwolken Platz gemacht, so dass es schon wieder sehr spannend wurde. Aber die rote Lok klappte prima mit dem Portal des dreispurigen Tunnels.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-52.jpg
Die rote 441 taucht aus dem bekannten dreispurigen Tunnel Nr 40 in Ovcari auf.

Danach war erstmal Shake Hands mit Cheffe angesagt. Ich schätze mal, das war derselbe, von dem schon mehrere Fotokollegen berichtet haben, der total freundlich war. Er stellte durch Gesten dar, dass wir uns auf dem dritten (offenbar weitestgehend ungenutzten) Gleis nach Lust und Laune im Bahnhof bewegen dürften. Dabei empfahl er ausdrücklich den Gang durch den Tunnel, weil der Ausblick dahinter wirklich schön sei. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Da hinten konnte man sich auch wunderbar in den Schatten setzen und erstmal Bericht schreiben. Der Zugverkehr rollte immer mal wieder. Von unten kam ein Kohlezug - leider gerade eben mit Wolke. Dann tauchte von oben ein Güterzug mit Containern und leeren Kohlewagen auf, den wir mit Sonne an der oberen Einfahrt nehmen konnten.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-54.jpg
Tunnelimpressionen aus Ovcari. Liebe Kinder! Sowas dürft Ihr in Deutschland nicht nachmachen, das ist verboten und kann lebensgefährlich sein! ;-)

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-56.jpg
Eine Lok rollt in Tunnel Nr 40 ein.

Weiter warten. Ich legte mich sogar teilweise lang auf einen Felsen. Wenn ich da lag, brutzelte ich natürlich in der Sonne. Als eine Lok von oben runterkam, die man gut hätte nachschießen können, war die Sonne wie vorhin schon mal erst 20 Sekunden zu spät zur Stelle. Ärgerlich. Aber was soll's. Das war auf jeden Fall ein herrliches Plätzchen. Wir warteten weiter. Es kamen weitere zwei Güterzüge von oben, also eher aus der Richtung, für die wir nicht standen. Die nahm ich mit dem Bahnhofsgebäude, das im wesentlichen aus einem Dienstraum und einem Relaisraum, in dem es wie Kraut und Rüben aussah, bestand. Ovcari ist die einzige Station auf diesem Streckenstück, die keine funktionierende Stellwerkstechnik hat und wo ein Weichenwärter als Esig und Weichensteller zugleich eingesetzt wird.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-70.jpg
Cheffe gibt Zeichen: Anhalten! Dieser Zug musste in Ovcari eine Weile gepuffert werden.

Der zweite Güterzug wurde in das Ausweichgleis eingefahren und der Fdl sagte mit Gesten, dass der Zug erstmal stehen bliebe. Hatte ich zunächst noch an eine Kreuzung gedacht, war bald klar, dass Konjic wohl voll ist und man Gleise für den Bummelzug plus dessen Lokumlauf freihalten muss. Somit stand dieser Güterzug also allen weiteren Zügen im Motiv - immerhin auf dem hinteren Gleis... Als nächstes folgte der Pu 2403, für den gerade rechtzeitig das Licht aus ging. Da half es auch nicht, dass der Zug vollkommen pünktlich kam. Wieviele Leute mochten ihn wohl verpasst haben? ;-)

Die Wolken zeigten eindeutig Auflösungserscheinungen. Sie lösten sich allerdings dadurch auf, dass sie sich abregneten. Es wurde ein wenig feucht von oben, was aber ganz gut tat. Heute war es nämlich wieder deutlich wärmer geworden als gestern. Nun war die bange Frage, ob sich die Wolke denn bis zur Rückkehr des Bummelzuges als Pu 2404 genügend abgeregnet hätte und wieder Platz für Sonne machen würde. Als der Zug unten im Tal unter uns lang fuhr, sah es noch so aus, als ob ein fieses kleines Wolkengebilde genau "rechtzeitig" vor der Sonne sein würde. Doch dieses Gebilde hatte sich bis zur Zugeinfahrt bei uns oben (etwa 7 Min später) fast vollständig aufgelöst. So ging der Bummelzug mit der frisch lackierten Lok hier wenigstens mal mit unserem Wunschmotiv. Der Güterzug im Hintergrund störte nicht gar so sehr.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-76.jpg
Die Schönheit 441 912 nochmal in Großaufnahme.

Der Güterzug blieb allerdings auch weiterhin stehen. Es war klar: Von unten folgte nun ein Güterzug. Es handelte sich um den Zug, den wir heute Morgen in Jablanica hatten stehen sehen. Der hatte nämlich E-Wagen mit Schrott an der Spitze. Der Zug kam mit Doppeltraktion und Nachschublok. Wir waren bis zur Einfahrt vorgelaufen, wo wir zunächst auch die Winksignale des Ww (in seiner Eigenschaft als Einfahrsignal) aufnehmen konnten, als das Spitzenlicht im Tunnel in Sicht kam.

http://www.blockstelle.de/hr13/110412-80a.jpg
Der Weichenwärter signalisiert "Einfahrt frei" in den Tunnel hinein. Da bei mir nur zwei Lichter der Lok zu sehen sind, zeige ich hier Nils Variante.

Eigentlich hatten wir heute ja noch bis Ploce gewollt, doch der Tag hatte sich wettertechnisch besser entwickelt als erwartet. Da es mittlerweile auf 18 Uhr zuging, entschieden wir uns, noch eine Nacht in Jablanica dranzuhängen. Morgen sollte das Wetter ja schlechter werden, da konnte man immer noch einen Fahrtag einlegen. Nachdem wir noch etwas am Bahnhof Ovcari gesessen und den Abend hoch über dem Talkessel mit seinem Dorf genossen haben, fuhren wir im Torso hinter mehreren LKWs zurück nach Jablanica, wo wir uns dieselben Zimmer wie zuvor geben ließen.

Heute drehte sich auch wieder ein Lamm über dem Spieß. Ich wollte es trotz der schlechten Erfahrungen neulich nochmal wissen und bestellte mir 600g davon (wohl wissend, dass davon an "realem" Fleisch wahrscheinlich nur 300g übrig bleiben würden). Aber was kam da? Die herrlichen Fleischstücke wirkten geradezu filetiert, es handelte sich um 600g pures Fleisch, natürlich mit dem üblichen Fett- und Hautanteil, der halt dazugehört und besonders lecker ist... Zum Glück hatte ich als Beilage nur Salat bestellt, somit wurde es zu einem Genuss, der restlos satt machte. Der Kellner hatte die 600g Bestellung übrigens mit „Ah, ein richtiger Bosnier!“ kommentiert, was ich durchaus als Ehre empfunden habe ;-)

Mittwoch, 13.04.2011: Jablanica - Knin

Der Tag begann in der Nacht mit einem lauten Donnerknall. Diesem folgte heftiger Regen. Der hielt sich bis zum Aufstehen. Und bis zum Losfahren. Und bis Ploce. Und bis --- nein, danach war irgendwann Schluss. Aber beginnen wir doch einfach von vorn. Nach dem Frühstück, bei dem es zum Marmeladenfrühstück noch eine sehr wohlschmeckende Gummiwurst gab, war erstmal Wetterbericht wälzen angesagt. Heute war ein idealer Tag, um große Entfernungen zu überbrücken. Insofern wollten wir wissen, wie die Woche wo weitergehen würde. Wir verglichen Vorhersagen für Doboj, Podgorica, Bihac, Split und Rijeka. Eine Tour nach Podgorica wäre nochmal ein ziemlicher Sprung gewesen. Das hätte sich nur gelohnt, wenn für Donnerstag ordentlich Sonne angekündigt gewesen wäre. Es sah aber nach mehr Wolken als Sonne aus. Auch an nördlicheren bosnischen Zielen war die Vorhersage eher ungünstig.

Wir entschieden uns, erstmal nach Ploce zu fahren, dort zu übernachten und dann weiterzusehen. Jedenfalls sahen die Wetterberichte für die kroatische Küste noch am günstigsten aus. Von Split her sollte es sich sogar heute Nachmittag schon aufklaren. So checkten wir heute ein zweites Mal aus, schauten noch am Bahnhof in strömendem Regen den B 396 an, der heute zwei HZ-Wagen und keinen von der ZFBH hatte. Ein Güterzug Richtung Norden hatte schon zwei Loks vorbekommen und dürfte wohl dem Schnellzug folgen. Es ging auf die Straße südwärts. In der Schlucht kam ein Güterzug mit Rohren (oder Schwellen?) und E-Wagen entgegen. Der war mit GM bespannt. Viele Autos hatten weiß verklebte Nummernschilder. Und tatsächlich: Die Berge um uns herum waren weiß! Am Ivanpass dürfte heute Schnee liegen, denn auch hier unten zeigte das Thermometer nur 3° an.

In heftigem Regen kamen wir dank ätzender Kriecher und vieler LKWs nur schleppend voran. Wenn man gerade mal einen überholt hatte, fuhr der nächste Kriecher direkt vor einem am Straßenrand los. In Capljina schauten wir am Bahnhof zu, wie der SEV-Bus aus Konjic direkt auf den Bahnsteig fuhr und Tür an Tür mit dem Schwedenwagen-Zug die Leute umsteigen ließ. Aber auch die zwei Schritte reichten aus, um total durchnässt zu werden. Wir reisten aus Bosnien aus und waren unserem Kennzeichen zufolge wieder Landsleute. Über Metkovic gelangten wir nach Ploce, wo wir etwa zeitgleich mit dem Schwedenzug gegen 12 Uhr eintrafen. Wir gingen nochmal in uns und erkannten zum Glück schnell, dass wir morgen Vormittag bis zum Schwedenzug gegen Mittag eigentlich nichts zu fotografieren haben würden, da offenbar hier ja der Güterverkehr eher nachts abgewickelt wurde.

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Man mochte das Auto gar nicht verlassen. Regenimpressionen aus Capljina.

Wir beschlossen, nordwärts weiterzufahren und in Knin zu übernachten. Von dort würde man bei Lust ja auch nochmal nach den gelben 212ern in Bihac schauen können. Aber erstmal stand eine kleine Pause an. Wir suchten eine Pizzeria am Hafen auf, wobei die Gehwege unter Wasser standen und man bei den paar Schritten auch von oben eine gehörige Dusche abbekam. Die Pizza war lecker, und gestärkt konnten wir in Richtung Autobahn fahren. Wir wollten nochmal den Weg über die neue Schnellstraße probieren, den Oli und ich letztes Jahr hergekommen waren, und wurden mit einigen serbischen Extremst-Schleich-LKWs vor uns "belohnt". Überhaupt scheint mir der Weg, den Nil und ich vor paar Tagen runter gekommen waren und der auch ausgeschildert ist, deutlich kürzer zu sein.

Wer hätte das gedacht: Auf der Autobahn erreichten wir tatsächlich die Schneegrenze! Und das in Kroatien im April! An der Odmoriste Gornje fotografierten wir die weiß eingepuderte Landschaft und Nil warf mit einem Schneeball nach mir. Was uns aber besonders gefiel: In der Ferne vor uns schienen die Wolken ein Ende zu haben! Der Wetterbericht mochte recht haben, dass in Split nachmittags die Sonne rauskommt! Tatsächlich wurde es kurz vor Split sonnig. Allerdings machten es einige Wolkenfelder immer noch spannend. Was macht man, wenn man sich gegen 15 Uhr der Gegend von Split nähert? Ganz klar! Das 16-Uhr-Konzert in Kastel Stari erleben. Wenn die Hänge vom Georgel der GM-Dieselloks erbeben.

http://www.blockstelle.de/hr13/110413-09.jpg
Rastplätze in Kroatien haben was! Winterlicher Ausblick an der Odmoriste Gornje.

Über einige nette Nebenstraßen, auf denen absolut nichts los war, gelangten wir von der Abfahrt Vucevica nach Kastel Stari und hatten von der letzten Hügelkuppe einen genialen Blick auf die See. Ein Wolkenfeld war anscheinend gerade am Abziehen, das konnte also was werden. Wir fuhren den schönen Feldweg parallel zur Bahn hinein und bauten uns an der ersten Fotokurve auf. Erst sollte der Bummelzug und dann der Güterzug, the one and only 60308, auf der Rampe aufwärts gegen die Gravitation ankämpfen.

Die Wolken hatten sich ganz gut von der Sonne zurückgezogen. Ein Güterzug kam noch von oben durch und ging in Kastel Stari zur Kreuzung an die Seite. Der Pu 5506 donnerte pünktlich aus dem Bahnhof. Und das beste war: Die Lok stand richtig herum und beide Wagen waren noch in alter Farbgebung. Dass wir das noch erleben durften!

http://www.blockstelle.de/hr13/110413-22.jpg
Der Personenzug verlässt mit einer Wunschgarnitur den Bahnhof Kastel Stari.

Damit war der untere Standpunkt schonmal ordentlich erledigt und wir fuhren um die Kurve rum zur nächsten Fotomöglichkeit. Die ganze Bucht von Kastela lag zu unseren Füßen. Wir mussten uns allerdings etwas gedulden, denn durch den gerade abwärts gefahrenen Güterzug verzögerte sich der 60308 etwas, denn auch der in Kastel Stari stehende Y1 musste wieder runter. Aber dann begann das Konzert. Obwohl der Wind aus Westen kam, war das Georgel sehr früh zu hören. Der Güterzug hatte noch nichtmal die Umgehungsstraße von Kastela unterquert. Die Wolken kamen nun der Sonne wieder kritisch nahe, aber es ging gut aus. Der Zug hätte allerdings keine Minute später kommen dürfen.

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Während Split schon im Schatten liegt, haben wir in Kastel Stari Sonnenglück mit dem Gz 60308.

Wir sahen zu, dass wir dem Zug hinterher kamen. Erst den ganzen Feldweg zurück, dann vom Bahnhof runter auf die üble Umgehungsstraße von Kastela. Dort kamen wir allerdings sehr gut durch. Diese vollkommen überlastete Straße wird jetzt endlich zur vierspurigen Schnellstraße ausgebaut, ist allerdings noch längst nicht fertig. Beim Flughafen bogen wir ab - hoch in Richtung Labin. Bereits vor der Scheitelhöhe hatten wir den Güterzug überholt. Dummerweise fuhren wir nun wieder in ziemlich fette Bewölkung hinein. Wir schauten hinter Primorski Dolac und in Unesic, ob noch etwas geht, doch wir bekamen bestenfalls in Unesic noch ein Viertellichtbild hin. Rund herum war nur noch blauer Himmel, aber gerade hier hing die Sonne in fetter Bewölkung.

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Unser Mietwagen muss ja auch mal gezeigt werden. Die Flasche Karlovacko war allerdings nicht von uns...

Somit starteten wir durch nach Knin. Bei Drnis gab es an einem neuen Aussichtsplatz ein Bild von unserem Auto, nachdem gerade unten der 60308 im besten Licht vor unseren Augen durch die Ebene gefahren war. Schade, das hätte man wissen sollen... Kurz nach halb 8 trafen wir in Knin am Hotel Mihovil ein und bekamen dort Zimmer. Wir bestellten zwei Nächte, doch angesichts der Wetterberichte waren wir abends schon am überlegen, ob man sich nicht doch bereits morgen nach Norden orientieren sollte. Beim Einräumen des Zimmers hörte ich plötzlich ein wohlbekanntes Geräusch. Der 60308 beschleunigte nach seinem Aufenthalt aus dem Bahnhof in die Rampe zum Malovan Pass hoch. Wohl eine Viertelstunde währte das Konzert, das ich nebenbei bei geöffnetem Fenster genoss. Zum Abendessen gab es auf Empfehlung Gulasch nach dalmatiner Art ("Pasticada"), wobei das keine Fleischwürfel, sondern -scheiben waren. Mit (Mais?-)Klößen und Gnoccis und reichlich Sauce war das alles sehr lecker.


Wirklich wunderschöne Fotos! Meinen Respekt, das macht wirklich Spaß, sich das anzuschauen - und dann auch noch aus einer doch eher unbekannten Gegend. Ein Traum - und ich werde dort sicherlich auch mal hinfahren müssen!

Direkt das erste Bild ist echt der Hammer, die Lok auf dem Brückenrest ist schon echt eine ziemlich findige Idee. Und wenn dann noch die halbe Brücke im Hintergrund runterhängt... krass!

Eine Anmerkung und eine vielleicht konstruktive Kritik hätte ich anzubringen.

Zunächst die Kritik: Ich finde es etwas schade, dass Du sehr detailliert über Kleinigstkeiten beim Licht etc. schreibst, weil es die einfach tollen Bilder schon selbst 'vermiest'. Auch wenn ich verstehen kann, dass Du Dich bestimmt das ein- oder andere Mal geärgert hast, sind echt tolle Bilder rausgekommen und Du machst sie irgendwie unnötigerweise schlecht... :-/

Die Anmerkung bezieht sich aufs Essen: beim zweiten Mal wird es sehr oft besser. Wenn man mehrmals kommt ist man recht schnell "Stammkunde", insbesondere wenn man mit dem Trinkgeld nicht knauserig ist - was man ob der niedrigen Preise eigentlich sowieso nie sein sollte. Wenn man dann ein weiteres Mal kommt, fallen die Portionen durchaus mal größer und qualitativ besser aus. Zumindest habe ich das in Bulgarien und Griechenland so erlebt ;-)

Freue mich schon auf den nächsten, letzten Teil!
Hallo Fips,

zu 1: Das ist interessant. Der Text eines solchen Reiseberichtes, der schon vor Ort geschrieben wird, gibt sicher manches Mal ganz unbewusst die Stimmung wieder, in der man sich gerade befand. Aber Du kannst Dir sicher sein: Wir waren von der Ausbeute am Ivan insgesamt mehr als begeistert, da wir nie damit gerechnet hätten, überhaupt so viele Züge und so viele verschiedene Motive zu bekommen.

Zu 2: Ja, Nil hatte ein/zwei Abende zuvor von 43 auf 50 KM aufgerundet. Ich hatte zwar gesagt, wir sollten nicht so großkotzig auftreten, aber vielleicht war das doch eine gute Sache gewesen :-)

Viele Grüße,
Jan

Hallo!

Wieder toll, besonders Split mit angezuckerten Bergen kann etwas! :-)

Ja, den Strecken südlich von Sarajevo sollte ich auch einmal wieder Aufmerksamkeit schenken, 2006 gab es da kaum Güterverkehr, seitdem hat sich sehr viel geändert.

lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Einfach wunderbar, vielleicht, weil ich die Strecke ja kenne und nun im Nachhinein noch viel besser verstehen kann, wie beeindruckt man von der Gegend einfach sein muß.
Auch der Text ist hervorragend! Einfach ein Genuß zu lesen! Und daß so schnell nach der Reise schon ein Bildbericht mit Text vorliegt, ist für mich sowieso völlig unverständlich. Ich brauche da viel mehr Zeit dafür (siehe mein Balkanbericht).
GRATULATION!

superklasse, Danke! (o.w.T)

geschrieben von: Karl Arne Richter

Datum: 29.04.11 08:50

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
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STARK

geschrieben von: MarkusMG

Datum: 29.04.11 17:03

Ich bin Begeistert

Urlaub im Hunsrück Ferien.in.Unzenberg
Homepage zum Thema
Hunsrückbahn
Meine Facebookseite zum Thema Hunsrückbahn
http://www.kbs607b.hunsrueckquerbahn.de/BilderStartseite/werbklli04.gif

Re: STARK

geschrieben von: 219 003-1

Datum: 03.05.11 14:20

Hallo Jan

da wart ihr ja wieder mitten im tiefsten Jugoslawien unterwegs. Ja, ich habe auch schon totale Entzugserscheinungen von der Gegend... Die 2062 und 2044 und 2063 donnern tagein-tagaus die Berge hoch... Hat der Güterzugverkehr im allgemeinen in der Lika wieder zugenommen? Gibt es da viele Güterzüge? Existiert noch der Mittagszug von Siebeneck rauf, der so gegen 12:00 Uhr mittags fuhr und eine Doppeltraktion hat? Die Bilder sind echt traumhaft schön und ich finde es schon ungewöhnlich, das selbst in Kroatien im April noch Schnee fällt...

Immer wieder gruselt es mich, wenn ich an den Krieg denke, der da unten wütete und alles schöne so zurückgeworfen und zerstört hat...

mit Hochspannung warte ich schon auf eure nächsten Teile.

Gruß, 219 003-1, FAUR-Power aus Rumänien für die DR-das U-Boot!!!

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.....DIE Seite mit Sound !!!
Gaaanz toll!
Michael

Facito aliquid operis, ut te semper diabolus inveniat occupatum