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Die Reise nach Shibanxi 1.Teil Anreise und erste Fahrt

Am 24.Februar, einem kalten verschneiten Wintertag trifft sich am Mittag eine kleine Reisegruppe am Frankfurter Flughafen um in wärmere Gefilde aufzubrechen. Shixi am östlichen Fuße des Himalaya in der Provinz Sechuan ist das Ziel. Dort gibt es noch ein abgelegenes Tal das nur von einer Schmalspurbahn erschlossen wird.
Aber zunächst einmal gibt es Probleme überhaupt in die Luft zu kommen. Flügel und Leitwerk des Jumbos sind vereist und wir müssen 3 Stunden auf die Enteisung warten. Als wir mit 3 stündiger Verspätung in Hongkong landen ist unser Anschlussflug nach Chengdu längst fort und wir werden über Shanghai umgebucht. Unser Kleinbus war informiert und nach 2 Stündiger Fahrt können wir endlich gegen 1 Uhr Peking Zeit in Yuejing in unsere Betten fallen.

Die Nacht war kurz, um 5.30 Uhr klingelte der Wecker. Um 6.00 startet der Frühzug in Shixi und um 6.15 müssen wir in Yuejing in den bergwärts fahrenden Zug, die einzige Möglichkeit in die Berge und an die Strecke zu kommen, außer Laufen natürlich. Es ist noch finster als wir zum Bahnhof gehen. Von Weitem hört man bereits das durchdringende Jaulen der Dampfpfeife,  dass eher eine QJ erwarten lässt als eine kleine Schmalspurdampflok. Der Bahnsteig ist betoniert mit einer Kante und überdacht. Beleuchtet durch einige wenige Energiesparbirnen, die ohne Schirm von der Decke baumeln. Das Ganze sieht zwar so aus als stünde es schon 50 Jahre, auf Fotos von 2007 ist hier jedoch noch Schotter ohne Dach zu erkennen. Einige Fahrgäste haben sich an diesem kühlen Samstagmorgen schon eingefunden und haben etliches an Waren am Bahnsteig aufgestapelt, dass mit in den Zug muss. Der Zug ist noch die einzige Möglichkeit Waren ins obere Tal zu befördern. Die Ankunft des Zuges ist ein Erlebnis. Der Zug ist völlig unbeleuchtet und mit Pfeifgetöse und einem riesigen Flackscheinwerfer auf dem Tender schneidet er sich seinen Weg durch die Dunkelheit. Die Lok, es ist die Nummer 9 mit dem Tender der 10, steht bis zum Spitzkehrenbahnhof Mifengjang rückwärts am Zug.
Während die Lok abkoppelt und zur Bekohlung an die Kohleverladeanlage der benachbarten Zeche fährt, wird der Zug beladen. Auch wir suchen uns einen Platz in einer den dunklen Blechbüchsen ohne Fester. Direkt hinter der Tür sitzt eine Schaffnerin mit Taschenlampe und verkauft die Fahrkarten. Nach wenigen Minuten ist alles verladen, die Lok hat angekuppelt, Bremsprobe braucht es nicht und los geht’s. Mit mächtigem Getöse geht es durch die Dunkelheit das Tal hinauf. Der Zug fährt ungefähr 20 km/h aber wegen der nur 60cm großen Räder der Lok ist der Auspufftakt schnell wie bei einer Schnellzuglok. Die Gleislage ist sehr gut. Man fühlt sich Jahrzehnte bis in die Anfangszeit der Kleinbahnen zurückversetzt. Durch die Ritzen im Boden sieht man die noch glühenden Schlackebrocken, die aus dem Aschkasten fallen.
Nach 15 Minuten ist Mifengjang erreicht. Hier muss die Lok den Zug umfahren. Abkuppeln vorfahren Ausschlacken Ankuppeln, keine 5 Minuten, dann fahren wir bereits wieder. Durch den Zug erwacht in diesem noch völlig dunklen Dorf das Leben. Die Frauen holen sich von der Ausschlackstelle die noch glühenden Brocken um das Herdfeuer zu entzünden. Nach einer halbstündigen Fahrt und 3 Zwischenhalten ist Bagou erreicht. Die blaue Stunde ist angebrochen. Hier verlassen wir den Zug. Die Entladung des Fakultativwagens dauert seine Zeit, so können wir eine Aufnahme machen ehe der Zug zur letzten 3km langen Etappe nach Huangcunjin aufbricht.

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Der Zug in Bagou, Güter werden ausgeladen


Bagou ist ein Marktflecken, der größte Ort im Tal. Wir gönnen uns erst mal ein Frühstück im aufwachenden Ort und schauen dem Aufbau des Marktgeschehens zu. Vom Bahnhof grüßt per Pfeife der nach Shixi zurückkehrende Dampfzug.

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Markt in Bagou


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Im Restaurant hängt ein Bild des kleinen Zuges

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Szene in Bagou


Nach Frühstück und Besichtigung des Bergarbeiterortes folgen wir dem Gleis bis zum Ende der Schmalspurbahn.


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Am großen Zechenhaus mit Waschkaue für die Bergarbeiter grüßt Mao noch von der Wand. Heute ist hier das Bergwerksmuseum untergebracht.

Dort liegt auch die Mine, aus der per Hand in regelmäßigen Abständen Loren heraus geschoben und in die Schmalspurgüterwagen entleert werden.

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Eine Lore wird aus dem Bergwerk geschoben

Um 10.40 erreicht der nächste planmäßigen Personenzug Huangcunjin. Es wird Zeit den ausgewählten Fotopunkt aufzusuchen. Am Ortseingang ist die Trasse zugleich der Weg zu den Häusern. Die Bahn fährt zwischen Haus und zugehörigem Gemüsegarten. Jeder Zentimeter auf dem was wachsen kann ist mit Gemüse bestellt. Die Wasserleitung läuft oberirdisch, hier gibt es keinen starken Frost.

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Noch herrscht reges Treiben bevor der Zug kommt. Ein Huhn für das Mittagsmahl muss gefangen werden. Das ist Aufgabe des Hausherrn.

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Das Gleis vor dem Haus muss herhalten um das Brennholz zu zerkleinern.

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Als der Zug auftaucht sind aber Alle wieder im Haus.

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Auch hier oben wird blitzschnell umgesetzt und gleich wieder losgefahren.


Ein Güterzug ist heute nicht unterwegs, dafür fährt ein Touristenzug. Bagou ist ein beliebter Touristenort und oben in Huangcunjin ist ein Teil der Mine bereits Besucherbergwerk. Der Hof des Besucherbergwerks und auch der Bahnsteig wurde mit Betonplatten verlegt. Am Bahnsteig ein Stand mit Andenken, Süßgkeiten  und Getränken. Er ist aus Stahlrohr mit Zeltplane, ein Zeltling aus dem Baumarkt. Langsam und im Detail zieht auch hier die Neuzeit ein. Vor 4 Jahren noch als Bob Avery hier ein Foto machte, war der Bahnsteig noch unbefestigt und essbare Kleinigkeiten wurden in einem Stand aus Holz und Bambus angeboten.  Wir laufen die Strecke bergab auf der Suche nach Motiven.

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Am Wasserbehälter von Bagou werden wir fündig. Auch hier fährt der Zug direkt vor den Häusern, er ist mit der Nummer "7" bespannt

Gleich unterhalb von Bagou liegen in kurzem Abstand 2 Tunnel. Da es keine Straße gibt, läuft auch der fußläufige Personenverkehr sowie die Motorräder durch den Tunnel. Damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt sind die Tunnel durch Personal gesichert und am Tunneleingang gibt es ein rotes Licht welches leuchtet, wenn ein Zug unterwegs ist.

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Am Tunnel warten wir zusammen mit Bewohnern auf die Rückkehr des Touristenzuges und die Freigabe des Tunnels.


Mittags erreichen wir den größeren Ort Jiaoba, auch hier gab es mal eine Kohleverladung. Wir gönnen uns ein ausgiebiges Mittagessen auf dem Dorfplatz.

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Die Küche auf dem Dorfplatz

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Den Mittagspersonenzug nehmen wir hier bei der Ausfahrt auf.


Bei seiner Rückkehr werden wir bereits mitfahren. Der Spätzug fährt hier erst im Dunkeln und für den ersten Tag wollen wir es noch langsam angehen lassen. Die Zeit bis zur Rückkehr des Zuges nutzen wir für eine Begehung des Ortes und der Besichtigung einer typischen chinesischen Dorfapotheke.

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Die Dorfapotheke von Jiaoba, Abakus statt Scannerkasse

Von Shixi wird ein Touristenzug erwartet und es bleibt spannend wo die Züge kreuzen.

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Pünktlich läuft unser Zug zuerst in Jiaoba ein und es geht weiter.

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Kreuzung mit dem Touristenzug ist im nächsten Bahnhof Xianrenjiao.

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Freundliche Blicke aus dem Touristenzug

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und so sieht es in unserer Donnerbüchse aus

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In Mifengjang muss in der Spitzkehre umgesetzt werden

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und schon wird Mifengjang wieder verlassen


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Schaffnerin und unser Guide Zebedee

Gegen 17.00 erreichen wir Yuejing und verlassen den Zug. Wir beobachten das Treiben hier im Bahnhof.

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Unser Zug hat einen Hochbordwagen mit Bambusstangen mitgebracht, der hier abgekuppelt wurde und nun von einer E-Lok auf ein Ladegleis rangiert wird.

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An der Verladeanlage der Zeche werden Schmalspurselbstentladewagen beladen.

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Bis hier reicht von Shixi der Fahrdraht. Im Stundentakt werden von hier die Kohlezüge elektrisch nach Shixi abgefahren.

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Den zurückkehrenden Touristenzug  fangen wir auch an der Verladeanlage ein.

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Die Lok kuppelt ab und fährt zur Bekohlung an die Verladeanlage.

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Wir nutzen die Zeit um uns in die Ausfahrt des Bahnhofs mit dem Bahnübergang zu begeben.

Nun geht es aber ins nahegelegene Hotel. Es wird Zeit fürs Abendessen.

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Aus unserem Hotelzimmer nehmen wir den nächsten und für heute letzten bergfahrenden Personenzug auf.

Rechts und links der Lok erkennt man 2 künstliche Palmen, die uns schon unten aufgefallen waren. Was es damit auf sich hatte sollten wir nach dem Essen erfahren. Hierzu geht’s endlich in eines dieser typischen chinesischen Straßenrestaurants. Als wir wieder am Hotel sind leuchten die Palmen in grün und orange. Sie zeigen an das das Tanzvergnügen auf dem Platz eröffnet ist.

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soviel für den ersten Tag, ich hoffe es hat gefallen und ihr seid gespannt auf den weiteren Verlauf der Reise

Bis nächste Woche
Euer Pängelanton


Mein Inhaltsverzeichnis : [www.drehscheibe-foren.de]




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:04:20:21:53:34.
Auf jeden Fall hat dein Beitrag gefallen. Faszinierende Bilder aus einer fremden Welt.

Bin schon gespannt auf den nächsten Teil.

Gruß
Jörg

Gruß
Jörg
Sehr schön, freue mich schon auf die Fortsetzung.

kondensierte Grüße, Stefan

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=190387
Kondenslok.de + Industrial Railways of Indonesia SIG (fc)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.
Moin,

ganz großes DSO-Kino!!! Besten Dank.

Grüße,
der Schwejk
Vielen Dank! Sehr interessanter Bericht, freue mich schon auf den naechsten Teil.

MfG, C.N.
Hallo,

dem kann man sich nur anschließen !!

Fahrt frei !!
Jan

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
Alexander von Humboldt,Naturforscher (1769-1859)

Mein Kanal:
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Transsib Verzeichniss
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Hilfe zur Planung einer transsibirischen Eisenbahnreise.
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10 jähriges Jubiläum meiner ersten Transsibreise, 21.10.2006 Abfahrt von Berlin im Kurswagen nach Novosibirsk und weiter nach Vladivostok.

Fantastisch! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 01.04.11 18:32

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de] - Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Na, das ist ja eine phantastische Reportage. Ganz prima. Und nebenbei hast Du mich auf ein Forum aufmerksam gemacht, wo ich noch gar nicht reingeschaut habe.

Schöne Grüße

Klaus
Hallo Ulrich,

vielen Dank für diese fein geschriebene und sehr ansprechend illustrierte Reportage!

Ich bin beeindruckt, wo Du Dich so rumtreibst... Bilder aus einer anderen Welt....

Bin gespannt auf die weiteren Teile!

Viele Grüße,
Matthias