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[RO]Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti (m41B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 17.02.11 10:32

Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti

Die bisherigen Teile:
Teil 1: Wien-Zagreb
Teil 2: Zagreb-Sarajevo
Teil 3: Sarajevo
Teil 4: Mostar
Teil 5: Sarajevo-Dubrovnik-Split-Zagreb
Teil 6: (Zagreb-) Beograd
Teil 7: Beograd - Podgorica
Teil 8: Podgorica – Bar (-Skopje)
Teil 9: (Bar -) Skopje
Teil 10: Skopje-Bitola-Ohrid-Kicevo-Skopje
Teil 11: Skopje-Thessaloniki-Athen
Teil 12: Athen
Teil 13: Athen (-Sofia)
Teil 14: (Athen) - Sofia
Teil 15: Rhodopenbahn
Teil 16: Sofia-Bucuresti



Tag 18: Donnerstag, 29. Juli 2010 – Bukarest

Ich habe schlecht geschlafen, nicht nur wegen dem Kreuz, auch der Bauch macht Probleme, ab 4 Uhr bin ich munter. Ich hätte so spät nicht so eine Speise essen dürfen. Heute muß ich früher essen! Die Kreuzschmerzen führe ich auf die Nerven zurück. Freue ich mich auf Julia? Bin ich nervös, weil der Urlaub zu Ende geht? Auf solche Fragen gibt es fast nie eine Antwort. Also ignoriere ich so gut es geht die Beschwerden.
Zum Frühstück gibt es im Unterschied zu Sofia ein super Buffet, natürlich viel reichhaltiger als das Frühstück in Sofia, außerdem ist alles erstklassig. Bei der Rezeption bekomme ich ein Werbeheft, in dem auch ein einfacher Stadtplan enthalten ist, den ich heraustrenne, damit ich mich ein wenig leichter orientieren kann. Zwar sind keine Straßenbahnen eingezeichnet, aber ich habe dafür einen Linienplan von „Blicktpunkt Straßenbahn“ kopiert und mitgenommen, auch einen Plan von ratb (Stand Jänner 2010) hab ich aus dem Internet. Das genügt, daß ich mich orientieren kann. Allerdings stimmen viele Linienführungen nicht, weil inzwischen zahlreiche Strecken vorübergehend (wegen Baustellen) oder ganz eingestellt worden sind und etliche Linien umgeleitet werden.
Mein erster Weg führt mich zum Bahnhof, um dort ein paar Bilder zu machen und eine Reservierung für die morgige Fahrt nach Temesvár zu besorgen. Die Reservierung kostet 2,60 Lei (etwa 65 Eurocent), und wieder genieße ich es, daß ich die Sprache verstehe und verwenden kann, ohne zu radebrechen. Auf den Bahnsteigen ist um diese Zeit nicht allzuviel los, aber einige Bilder von Desiros und auch von den aus Frankreich übernommenen dreiteiligen E-Triebwagen kann ich machen. Mir fällt auch gleich auf, daß eine neue Straßenbrücke quer über das Bahnhofsgelände in Bau ist. Zwei riesige Betontürme werden die Stütze für Drahtseile bilden, auf denen die Brücke hängen wird. Das Stahlgerüst der Brücke ist schon über die Gleise gelegt, die Seile fehlen noch, weil der Betonturm noch nicht fertig ist.

Reihenbezeichnungen bei CFR
Ein Accelerat nach Brasov steht abfahrbereit mit einer Lok der Reihe 477 (oder sollte man lieber sagen 47-7700?). Die Anordnung und Unterteilung der Ziffern bei den rumänischen Lokomotiven scheint willkürlich zu sein, wie mir schon öfter aufgefallen ist. Auf der empfehlenswerten Seite cfr.stfp.net finden sich jedenfalls die „Baureihen“ 470, 474, 477 und 478 sämtlich unter der Rubrik clasa 47 vereint. Und genau das habe ich auch erwartet. Und hier finde ich auch erstmals eine Erklärung: die dreistelligen Bezeichnungen sind nach UIC-12 immatrikuliert, während die zweistelligen das alte rumänische System repräsentieren. Umgezeichnete Loks (ohne Umbau) gibt es auch, wie aus den Fotos zu ersehen ist (alt: 47-0002-7, neu: 91 53 0 470 002-7).

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Bild 1: Attraktives Bahnhofsgebäude Gara de Nord. Der Hauptbahnhof von Bukarest für alle Richtungen.

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Bild 2: Desiro 96-2076. Wie bekannt dienen diese Züge nicht dem Regionalverkehr sondern fahren als „Blauer Pfeil“. Im Hintergrund die erwähnten Türme für die große Brücke, die in Bau ist.

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Bild 3: 477-753 mit einem Accelerat (beschleunigter Zug) nach Brasov (Kronstadt).

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Bild 4: Die großen Türme und das Brückengerüst (in weiß) über die Ausfahrt aus Gara de Nord.

Die Reisezugwagen sehen sehr gepflegt aus. Ich entdecke jedenfalls hier keine graffitiverschmierten Wagen. Lediglich die alten hellblauen Wagen sehen innen wie außen erbärmlich aus. Es gibt eine Vielzahl von Lackierungsvarianten bei den Reisezugwagen und es gibt auch viele ziemlich neu aussehende Wagen. Eine Lackierung sieht den Railjet-Wagen in Österreich recht ähnlich. Es dominieren dunkle Rottöne, aber auch Blau mit Grau kommt oft vor. Mindestens 8 Gestaltungsformen konnte ich feststellen. Welche Unterschiede die Lackierungen jeweils repräsentieren, kann ich nicht herausfinden. Ich kann mir auch nicht die Zeit nehmen, die Wagen innen zu besichtigen. Meine Vermutung, daß die unterschiedlichen Zuggattungen Accelerat, InterCity, Rapid usw. auch aus jeweils zugehörigen Wagengattungen bestehen könnten, erwies sich jedenfalls als falsch. Wie viele verschiedenen Lackierungen es gibt, ist gut auf der Seite [www.railfaneurope.net] zu sehen.

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Bild 5: 58-3202 ex Frankreich als Accelerat nach Ploiesti.

Stadtspaziergang
Nach diesem Rundgang durch den Bahnhof beginne ich mit einem Spaziergang duch Bukarest, wobei ich hoffe, auch etwas vom sogenannten „Paris des Ostens“ aber auch von den Resten der alten Innenstadt zu entdecken. Zunächst gehe ich über die Calea Grivitei und den Bulevardul Dacia Richtung Piata Romana. Auf diesen Straßen gibt es keine Straßenbahnen, aber ich bekomme doch einen ersten Eindruck von den Gebäuden in Bukarest, von größeren und kleineren Straßen und Gassen.

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Bild 6: Eine kleine Kirche und Seitengasse an der Calea Grivitei.

Bei der Piata Romana biege ich Richtung Süden ab und komme auf eine Art Prachtstraße: Bulevardul General Gheorghe Magheru und Bulevardul Nicolae Balcescu. Hier gibt es eine Menge vornehmer Hotels, monumentaler Wohnbauten und viele Geschäfte und Warenhäuser. Darunter ist die Metro. Man vergißt schnell, daß man in Bukarest ist, so kann es in jeder Hauptstadt aussehen. Die Piata Universitatii ist dann ein erster Punkt, an dem ich mich länger aufhalte, was wohl an den Gründerzeitbauten liegt, die den Platz umgeben. Beim Gebäude der Banca Commerciala Româna fällt mir das bei uns gebräuchliche Sparkassensymbol auf.

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Bild 7: Viel Verkehr auf der Piata Universitatii.

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Bild 8: Ein weiteres beeindruckendes Gebäude auf diesem Platz.

Ein paar Schritte weiter komme ich zur ersten Straßenbahnschleife in Zentrumsnähe: Piata Sfântul Gheorghe. Laut meinem Straßenbahnplan sollten die Gleisanlangen etwas anders aussehen, doch als ich die Gleise durch enge Gassen entlanggehe, komme ich zu einer zweiten, größeren Schleifenanlage neben einer Hauptstraße: Piata Sfânta Vineri. Hier gibt es mehrere Linien und Wartegleise. Leider lassen sich aus Sonnenstandsgründen und wegen der Beengtheit des Platzes keine guten Bilder machen. Ich bin aber auch kein Straßenbahnspezialist und kann und will nicht in jeder Stadt alles wissen. Ich halte mich deshalb auch nicht länger hier auf, sondern gehe wieder zurück zur Hauptstraße und zur nahen Piata Unirii.

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Bild 9: Achtachser 016 auf Linie 21 in der Schleife Piata Sfântul Gheorghe.

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Bild 10: Achtachser 307 auf Linie 21 kurz vor der Endstation.

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Bild 11: Die Endstation Piata Sfânta Vineri.

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Bild 12: Typische Straße (Bul. Corneliu Coposu) in Bukarest. Unmittelbar nach rechts geht es zur Piata Sfânta Vineri.

Das dürfte einer der Plätze sein, der auf Ceausescu zurückgeht. Man mag zu den großen Umbauten, die er im Zentrum der Stadt befohlen hat (und zu seinem Palazzo Protzo), stehen wie man will, aber der Platz der Einheit (Piata Unirii) sieht sehr interessant und weltstädtisch aus. Der Platz wird gestaltet von einem Park mit vielen Brunnen und Wasserkaskaden. Von hier sieht man auch über den breiten Bulevardul Unirii bis zum protzigen Palast Ceausescus, der heute als Parlament dient.

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Bild 13: Der erste Blick auf den Parlaments-Palast – von der Piata Unirii aus in den Bulevardul Unirii.

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Bild 14: Blick in den Bulevardul Unirii in die andere Richtung. Nicht alle Springbrunnen sind in Betrieb.

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Bild 15: Protziger Baustil, westliche Werbung, altertümliche Laternenmasten mit neueren Leuchten, viele Springbrunnen auf der Piata Unirii.

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Bild 16: Und es gibt noch viel mehr Springbrunnen!

Schräg nach links geht eine Straße auf einen kleinen Hügel, Dealul Mitropoliei. Auf dem Weg dorthin komme ich zunächst aner einer derzeit aufgelassenen Straßenbahnschleife am Rand des Platzes vorbei (früher Linien 7 und 27). Danach passiere ich schon weiter oben auf dem Hügel einen alten Glockenturm (Clopotnita), der schon zum Rumänisch orthodoxen Patriarchat mit der Patriarchatskirche gehört. Dahinter bzw. daneben befindet sich das große Gebäude der Deputiertenkammer. Lauter ansehnliche Gebäude!

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Bild 17: Das Orthodoxe Patriarchat von Bukarest auf dem Metropoliten-Hügel.

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Bild 18: Die Patriarchatskirche.

Zurück zur Piata Unirii gehe ich dann über den Bulevardul Unirii, der gesäumt ist von neuen Wohnbauten in einem eklektischen Stil, zum Parlamentspalast. Je näher man kommt, umso unwirklicher erscheint das Gebäude, das wirklich riesengroß ist und auf einer kleinen Erhöhung erbaut ist. Direkt davor und ohne die umliegenden Bauten zu sehen, verliert sich das Gebäude jedoch und man kann am Bild die wahre Größe gar nicht erahnen. Natürlich könnte man das Innere auch besichtigen, aber ein Tag Bukarest ist mir zu kostbar, als daß ich mir goldene Wasserhähne oder Repräsentationsräume anschauen möchte. Ich gehe an staatlichen Amtsgebäuden entlang, um den riesigen Palast von verschiedenen Perspektiven aus zu sehen – und er sieht immer wieder etwas anders aus.

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Bild 19: Je näher man dem Palast kommt, umso unwirklicher erscheint die Größe.

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Bild 20: Aus dieser Perspektive erscheint er nicht so monumental...

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Bild 21: ...wie in der Frontansicht.

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Bild 22: Und im Halbkreis davor Regierungsgebäude rund um den „Verfassungsplatz“.

Durch den Parcul Izvor, in dem ich mir eine Erfrischung gönne, gehe ich dann über den Fluß Dâmbovita und bin unversehens wieder in der Nähe meines Hotels und des Cismigiu-Parks. Ich wandere aber nach Westen, an der Universität vorbei zur Oper, die jedoch durch Plakate völlig verdeckt ist und architektonisch nichts hergibt. Das Gebäude dürfte erst nach dem 2. Weltkrieg entstanden sein.

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Bild 23: Zurück zu normalen Maßen: Schöne Architektur sieht man immer wieder!

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Bild 24: Ich hab auch an die O-Bus-Freunde gedacht.

Durch den Parcul Operei gehe ich wieder Richtung Parcul Cismigiu, um dort das Restaurant von gestern aufzusuchen. Denn ich bin nicht nur hungrig, sondern mir tun auch die Füße gehörig weh. Diesmal wähle ich Piept de Rata cu varza (Entenbrust mit Kraut), als Zuspeise erbitte ich Mamaliguta dazu, denn das liebe ich besonders.

Straßenbahnfahrten
Nach dem köstlichen Essen gehe ich über lauter kleine Straßen in Richtung Linie 16, denn ich möchte mich nun bei einigen Straßenbahnfahrten ausrasten. Zunächst geht es zum Ateneul Român (Athenäum), einem heute als Konzerthaus (Staatsphilharmonie George Enescu) genutzten Gebäude, das ursprünglich für einen Zirkus vorgesehen war. Über die Strada George Enescu und weitere kleinere Straßen, in denen ich immer wieder typisch rumänische Häuser entdecke, komme ich schließlich zur Strada Viitorului (Straße der Zukunft), auf der die Linie 16 verkehrt. Ich komme glücklicherweise an einem Kiosk der ratb (Regia Autonoma de Transport Bucuresti) vorbei, wo ich frage, ob es eine Tageskarte gibt. Ja, gibt es! Die Karte heißt „Multiplu“ und kostet 9,60 Lei (etwa 2,40 Euro). Sie erinnert an die Fahrkarten in Lissabon: Im Karton ist ein winziger Metallpunkt eingearbeitet, man muß die Karte an einem Lesegerät vorbeiziehen, um z.B. eine Metro-Sperre durchschreiten zu können.

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Bild 25: Das Ateneul Român.

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Bild 26: Und immer wieder typisch rumänische Häuser – ich lasse mich auch von den vielen Autos nicht abschrecken.

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Bild 27: Und noch ein letztes Architekturbild, dann schauen wir uns wieder die Straßenbahn an...

In der Strada Viitorului mache ich dann auch einige Straßenbahnbilder, bevor ich mit Mühe eine schlecht angeschriebene Haltestelle finde und einen Zug der Linie 16 besteige. Ich staune eigentlich über die Sauberkeit der Züge, sowohl innen wie außen. Von irgendwelchen Berichten hab ich im Hinterkopf einen schlechten Eindruck von früher gespeichert, der heutzutage sicher nicht mehr zutrifft. Man ist offenbar bemüht, den Fuhrpark halbwegs in Schuß zu halten. Hier verkehren Achtachser der Type heißt V3A. Es gibt aber viele Varianten, auch modernisierte mit neuem Wagenkasten. Hier verkehren die normalen Achtachser.

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Bild 28: Meine Rundfahrt beginnt mit der Linie 16...

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Bild 29: ...an der Haltestelle Toamnei (Herbststraße). So kleine Haltestellentafeln muß man erst mal entdecken!

Ich fahre nur wenige Stationen bis zur großen Gürtelstraße (Haltestelle Obor), von hier will ich eine große Runde um das Zentrum bis zur Gara de Nord fahren. So einfach ist das aber nicht, denn mein Linienplan ist nicht aktuell und ich finde nicht alle Linien, die ich sehe oder die auf dem Plan eingezeichnet sind. Die große Gürtelstraße heißt hier Soseaua Stefan cel Mare (Stefan der Große). Hier steige ich in einen Zug der Linie 34, es ist ein modernisierter Achtachser der Serie 4000 (V3A- Subtype CH-PPC). Viele Bilder kann ich natürlich nicht machen, wenn ich selbst mit der Straßenbahn fahre, aber bei den Haltestellen versuche ich, ein paar Dokumentationsbilder zu schießen. Auffällig ist in Bukarest (wie auch sonst in Rumänien), daß auch die Straßenbahntriebwagen amtliche Kennzeichentafeln haben. Auf den älteren Wagen sind sie noch aufgemalt, auf den neueren entsprechen sie den Trolleybus- oder auch Motorrad-Nummerntafeln. Die Farbgebung der Wagen ist relativ einheitlich und freundlich gestaltet in weiß mit gelben und grauen Zierlinien.
Unterwegs im Straßenbahnwagen bemerke ich, daß sich viele Fahrgäste – auch Jugendliche! – bekreuzigen, wenn der Zug an einer Kirche vorbeifährt. Sogar mitten während eines Handytelefonats! Ich erinnere mich, daß ich so etwas in Wien zuletzt in meiner Kindheit bemerkt habe. Bei uns am Land machen das immerhin noch viele Leute, wenn sie an einem Wegkreuz vorbeifahren oder -gehen.

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Bild 30: Weiter geht es mit Linie 34 und einem modernisierten Achtachser, deshalb auch die 4000er-Nummer. Gut zu sehen die Kennzeichentafel. Auch die Bebauung im Hintergrund ist interessant.

Bei der Kreuzung mit der Linie 27 (Calea Dudesti) steige ich um. Die Linie 27 sollte laut meinem ratb-Plan vom Jänner 2010 zur Piata Unirii fahren, die Schleife ist aber außer Betrieb, wie ich vorhin ja gesehen habe. Ich bemerke dann, daß der Zug in den Bulevardul Nerva Traian abbiegt. Aha? Wohin geht es jetzt? Jedenfalls nicht in meine gewünschte Richtung, daher steige ich bei Eroii Revolutiei aus, wo ich wieder in die gewünschte Richtung nach Gara de Nord umsteigen kann. Zufällig ist hier ein Friedhof für die Revolutionsopfer von 1989, den schaue ich mir natürlich an. Es sieht so aus, als ob ein Teil dieses Friedhofs im Nachhinein als „Cimitirul Eroii Martiri ai Revulotiei din Decembrie 1989“ gewidmet wurde. Die Grabsteine sehen größtenteils gleichartig aus, klarerweise sind die Opfer meist sehr junge Männer, aber nicht nur. Mir fällt ein, daß mir Rumänen immer wieder erzählt haben, daß die Regierung die Opfer hochstilisiert hat, um die damalige Revolution als das im Bewußtsein bleiben zu lassen, was sie in Wirklichkeit gar nicht so gewesen sein soll, sondern wie die Regierung sie offiziell sehen will. Auch in Temesvár habe ich viele derartige Aussagen gehört, aber ich will mich nicht mit Politik beschäftigen, von der ich nichts verstehe. Ich nütze die Haltestellen an dieser Abzweigung, um ein paar Bilder zu machen, denn hier fahren auch Tatra T4.

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Bild 31: Die „Heldengräber“ von 1989. Kaum zu glauben, daß das schon über 20 Jahre her ist!

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Bild 32: Nur an dieser Straße in Bukarest sah ich Tatrawagen (Linie 25).

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Bild 33: Und noch ein besseres Bild der Serie 4000.

Ich überlege derweil, mit welcher Linie es am besten wäre, weiterzufahren. Ich entscheide mich für Linie 11, sie fährt laut Plan 2003 zwar direkt zur Gara de Nord, laut ratb-Plan vom Jänner jedoch derzeit zur Schleife Ghencea, wo ich in die Linie 41 umsteigen kann, eine Art Schnellstraßenbahn, die den Westteil Bukarests tangential umfährt und nördlich des Bahnhofs die Bahnanlagen überquert. Beim Umsteigen in die Linie 41 mache ich dann aus Gründen der Beengtheit keine weiteren Bilder mehr, außerdem sehe ich ja keine mir unbekannten Typen mehr.
In den neuen Straßenbahnwagen gibt es Laufbandanzeigen der Haltestellen. Netzpläne sieht man selten (nur an manchen Haltestellen), aber wenn, sind sie auch unbrauchbar, weil die roten Linien (Straßenbahn) schon so verblaßt sind, daß man sie nicht mehr erkennt, und außerdem sind nicht mehr aktuell wegen der vielen Baustellen. Die Linie 41 fährt alle 2-3 Minuten und es geht auf teilweise eigener Trasse relativ schnell Richtung Norden. Ich steige nach der Überquerung der Bahnstrecke (Podul Grant) aus. Aber ich habe schon im Vorbeifahren bemerkt, daß sich die Brücke über die Bahn nicht für Fotos eignet – auch nicht für Eisenbahnfotos, weshalb ich zurückfahre zur Kreuzung mit der Linie 44, die verkürzt nur bis zum Baustellenbeginn der großen Straßenbrücke über das Bahngelände fährt. Mit dieser Linie geht es wenige Stationen bis zur stumpfen (provisorischen) Endstelle direkt vor der Baustelle. Ich staune, denn erst jetzt bemerke ich, daß ich in einem Zweirichtungswagen gefahren bin. Es gibt nämlich sechs Zweirichtungswagen dieser Type, wie man auch bei public-transport.net nachlesen kann.

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Bild 34: Mein letztes Straßenbahnbild: Zweirichtungswagen 4041 in der stumpfen Endstelle nördlich des Gara de Nord.

Damit beschließe ich meine Straßenbahn-Erkundigungen und suche mir meinen Weg durch die staubige Baustelle. Hier, westlich des Bahngeländes, wird nicht nur an der großen Straßenbrücke über die Bahn gebaut, sondern auch die Straßenführungen darunter werden neu geordnet, auch für die künftigen Linienführungen der Straßenbahn erkennt man schon die Arbeiten. Derzeit sind die Linien hier in der Umgebung jedoch alle eingestellt. Auf dem (wohl auch nicht ganz aktuellen) Liniennetzplan im pfd-Format unter [harti.tramclub.org] sind diese Strecken derzeit auch nicht enthalten, die Schleife bei meinem Hotel sowie die Schleife Piata Unirii jedoch schon. Ich versuche nun, eine Station mit der Metro zu fahren (von Basarab bis Gara de Nord), aber leider akzeptiert die Sperre in der Station meine Tageskarte nicht. Also gehe ich zu Fuß entlang der Mauer, bis ich zu einem Loch in derselben komme, durch das viele Bahnkunden das Bahnhofsgelände betreten (ein Baustellenzaun ist verschoben worden). Von etwa 18 bis 20 Uhr bleibe ich hier, denn von diesem Standpunkt aus kann man mit relativ guten Lichtverhältnissen das Treiben am Bahnhof beobachten und Fotos machen.

Am Bahnhof Gara de Nord
Zuerst begebe ich mich auf einen Bahnsteig und mache einige Aufnahmen, dann jedoch bleibe ich am Rand, wo der „wilde“ Ausgang ist – wild, weil hier die Leute sozusagen über Stock und Stein und durch ein Gittertor, das eigentlich verschlossen sein müßte, den Bahnhof verlassen können. Aber es regt sich keiner auf. Ich hoffe, hier den gleichen Zug fotografieren zu können, mit dem ich gestern um diese Zeit etwa angekommen bin. Auf einem Bahnsteig sehe ich einen Vater, dessen etwa 5-6jähriger Sohn mit seinem Handy Eisenbahnfotos macht. Es gibt also auch in Rumänien schon Nachwuchs für Eisenbahnfans!
An Besonderheiten sehe ich zunächst einmal Zug 59/60 bzs. 383 von Moskwa und Kyjiv nach Sofia (mit zahlreichen Großprofilwagen). Um 18.40 Uhr kommt mit 10 Minuten Verspätung der 462 aus Sofia und Istanbul an. Wie gestern ist der Kurswagen von Sofia ein Mitteleinstiegswagen, aber nicht so stark verschmiert. Später sehe ich die renovierten Doppelstockwagen, die aussehen, als würden sie einen Schnellzug bilden. Zwei Kurswagen von Bukarest nach Sofia (ein BDŽ-Mitteleinstiegswagen 1./2. Klasse und ein CFR-Schlafwagen) werden an den Zug 383 nach Sofia angehängt. Es gibt also doch auch 1. Klasse zwischen Bukarest und Sofia, aber nur im Nachtzug! Bemerkenswert ist ein Zug, dessen Wagen wie Railjetwagen aussehen: Von einer Diesellok Reihe 63 gezogen, modernste Wagen, Ziel: Galati. Zwischendurch wird mir auch nicht fad, denn auch hier gibt es viele streunende Hunde, ich erlebe einen Rang-Kampf mit, als unbeteiligter menschlicher Zuseher hat man dabei nichts zu befürchten, aber ein Hund möchte ich hier mitten unter den 6 oder 8 ziemlich aggressiven Hunden nicht sein!

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Bild 35: 62-1196 mit einem Zug aus alten Wagen von Urzicenii. Gut zu sehen die Brücke in Bau im Hintergrund.

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Bild 36: Blick Richtung Bahnhofsgebäude Gara de Nord. Links ein Zug nach Budapest.

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Bild 37: 65-1385 mit dem Zug 462 aus Sofia: BDŽ-By aus Sofia, CFR-WL aus Theassaloniki, CFR-B aus Dimitrovgrad, TCDD-Bc aus Istanbul, nicht mehr sichtbar CFR-WL aus Istanbul.

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Bild 38: Ein Zug mit erneuerten Doppelstockwagen mit 41-0587.

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Bild 39: Erinnert schon stark an einen Railjet: Zug R673 nach Galati, gezogen von der 63-0902.

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Bild 40: Es gibt auch noch die alten Lackierungen: 62-1353 mit alten Wagen nach Pietrosita.

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Bild 41: Hundekampf neben dem „wilden Ausgang“ aus dem Bahnhof.

Nach zwei Stunden genügt es mir. Ich beobachte noch die Ausfahrt des 383 nach Sofia (die Bilder sind nicht gut genug geworden, um sie hier zu zeigen) und begebe mich dann zu meinem Hotel. Ich bin eigentlich recht angetan vom Bahnhofsleben hier. Die hochwertigen Inlandszüge haben alle erstklassiges Wagenmaterial, außen wie innen. Graffitiverschmierte Wagen sah ich nicht, außer den bekannten By der BDŽ. Nur die Mauer beim „wilden Ausgang“ ist verschmiert.
Ich spaziere den bekannten Weg zum Hotel zurück. Mein Eindruck von Bukarest ist noch immer sehr positiv. Ich bin froh, daß ich morgen erst zu Mittag nach Temesvár weiterfahre und noch ein wenig etwas besichtigen kann. Um ¾9 bin ich wieder beim Hotel, zum Tagesausklang trinke ich in der Hotelbar noch einen Kaffee und esse zwei Clatite cu dulceata (Palatschinken mit Marmelade).

Fortsetzung:
Teil 18: Bucuresti-Timisoara



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:02:25:13:14:16.

Re: [RO]Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti (m41B)

geschrieben von: Klosterwappen

Datum: 17.02.11 13:22

Danke Gustav!
Ist wieder sehr spannend!

Zum "S":
Die Erste ist in Rumänien sehr aktiv - in Bosnien springen Dir ihre Logos ebenso ins Auge wie in Ungarn.

RATB und Metro

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 17.02.11 16:04

Hej!

Vielen Dank auch für diesen Teil - und wenn ich sonst nichts beizutragen habe auch schon vielen Dank für diese Serie. Sie ist für mich der Höhepunkt der letzten Monate hier bei DSO.


Zitat:
Ich versuche nun, eine Station mit der Metro zu fahren (von Basarab bis Gara de Nord), aber leider akzeptiert die Sperre in der Station meine Tageskarte nicht.

Warum sollte sie auch? Es gibt keinen Verkehrsverbund und daher sind unterschiedliche Fahrscheine erforderlich, siehe auch [www.drehscheibe-foren.de]. Für uns als Verkehrsverbundverwöhnte ist das sicherlich ungewohnt. (Genau wie es für mich als Deutschen ungewohnt wäre, mit einem Verbundfahrschein einen Fernzug zu nutzen.)

Viele Grüße, Sören

Re: [RO]Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti (m41B)

geschrieben von: JanH

Datum: 17.02.11 22:48

Toller Bericht, danke dafür.

tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
> Auf dem (wohl auch nicht ganz aktuellen)
> Liniennetzplan im pfd-Format unter [harti.tramclub.org]
> sind diese Strecken derzeit auch nicht enthalten

Falls du irgendwann mal wieder nach Bukarest kommen solltest, die aktuelle Fassung dieses Plans gibt es unter [transbuc.info]

Re: [RO]Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti (m41B)

geschrieben von: Wrzlbrnft.

Datum: 17.02.11 22:57

Danke schön für diesen nützlichen Hinweis! Ich kannte bisher nur die Routenpläne (retele) vom Tramclub. Die Transbuc-Seite werde ich vsl. im März gut brauchen können. ;-)

Re: [RO]Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti (m41B)

geschrieben von: D461

Datum: 18.02.11 09:25

Guten Morgen,

danke auch für diesen Teilbericht deiner Tournee.
Super Bilder gemacht, sei es von Bukarest, den Zügen und diversen
Straßenbahnfahrten durch die Stadt. Freue mich auf die Fortsetzung.

D461

Re: [RO]Balkan-Abenteuer Teil 17: Bucuresti (m41B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 18.02.11 09:39

JanH schrieb:
>
> Falls du irgendwann mal wieder nach Bukarest
> kommen solltest, die aktuelle Fassung dieses Plans
> gibt es unter [transbuc.info]

Die Sehnsucht, wieder dorthin zu fahren, ist riesengroß!! Aber zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit klafft eine Lücke!

Danke für den Link! Ausgezeichnet. Da kann ich also das Liniennetz, das im Juli gegolten hat, wunderbar verfolgen! Jetzt sehe ich auch, welche Strecken eingestellt waren und warum die Linien 27 und 11 anders verkehrten... Nochmals Danke!

EDIT: Ist ja enorm, wenn man die verschiedenen Karten vergleiche, wieviele da umgebaut und erneuert worden ist in den letzten Jahren! Das sieht man an den jeweils eingestellten Streckenabschnitten.
Da kann man davon ausgehen, daß auch die Schleife der Linie 20 wohl wieder einmal in Betrieb genommen wird.
Wenn ich das nächste Mal in dem Hotel übernachte, werde ich also die Straßenbahn vor der Haustür haben! Hurra!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:02:18:10:00:56.