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Liebe Forengemeinde,

ich hatte vor ca. einem Monat hier in diesem Forum [www.drehscheibe-foren.de] die Frage nach der Zukunft des Schmalspurverkehrs auf dem Peloponnes gestellt. (Nochmals vielen Dank für die Antworten.)

Mittlerweile bin ich in der Blogosphäre auf [www.griechenland-blog.gr] auf einen Eintrag gestossen, der ein sehr sehr düsteres Bild betreffend die Zukunft des Bahnverkehrs in Griechenland generell zeichnet (incl Normalspurlinien). In diesem Eintrag werden zwar hauptsächlich Fahrpreisfragen angesprochen (Tendenz zur Verdoppelung des Preises eines Tickets), es geht aber auch um Einstellungen des Zugverkehrs auf einigen Strecken.

Ich beabsichtige, Mitte Februar in bzw nach Griechenland mit der Bahn zu fahren.

Auf der Seite von Trainose werden für diese Zeit die beiden internationalen Züge Beograd-Thessaloniki (über Idomeni) als auch der Verkehr zwischen Thessaloniki und Athen (der allerdings dem zitieren Blogeintrag zufolge nicht vom Aussetzen des Verkehrs betroffen wäre) unverändert angezeigt. Aber auch auf dem Peloponnes gibt es sowohl für Patras - Kalamata (lt Blog nicht von Verkehrseinstellung betroffen) als auch für Korinth - Tripoli Ergebnisse (täglich jeweils zwei Zugpaare).

Und nun die Fragen:
- Darf ich damit rechnen, dass Mitte Februar der Nachtzug von Beograd nach Thessaloniki verkehrt?
- Darf ich weiters davon ausgehen, dass zwei Züge täglich von Korinth nach Tripoli verkehren? (Mögliche Streiktage mal ausgenommen.)

Und etwas off-topic: als alternative Route für die Anreise (zurück soll es mit dem Flieger gehen) käme anstelle der Zugfahrt über Beograd - Thessaloniki eine Überquerung der Adria mit der Fähre infrage, und zwar Italien - Patras. Als Abfahrthäfen in Italien finde ich im Web Venedig, Ancona und Bari - aber nicht Brindisi. Weiss hier jemand, ob es die Fährverbindung von Brindisi nach Patras (noch) gibt? (Ich habe mal in den 1980er Jahren auf dieser Route übergesetzt.)

Danke allseits und einen schönen Abend.

Andreas
austrobelge schrieb:
-------------------------------------------------------
> Weiss hier jemand, ob es die Fährverbindung von
> Brindisi nach Patras (noch) gibt? (Ich habe mal in
> den 1980er Jahren auf dieser Route übergesetzt.)
>

Schau mal hier: [www.endeavor-lines.com]

Gruss Dani

Hallo,

es soll in Kürze (vermutl. innerhalb der nächsten vier Wochen) einen neuen "Fahrplan" geben. Was da drin sthet, weis niemand. Nur, dass er sehr sehr dünn wird. Sicher sind nur Athen-Saloniki (+ Volos-Larissa-Kalampaka), Saloniki-Konstantinopel und der Vorortverkehr von Athen (Proastiakos). Makedonien, Lamia und der gesamte Peloponnes (mögl. ausser den Vorortverkehren von Patra und Pyrgos) werden komplett geschlossen. Wie es mit internationalen Verbindungen aussieht? Ich gehe davon aus, dass die Griechen diese nicht einfach einseitig einstellen können. Aber wissen tue ich es nicht. Leider erfolgen die Ankündigungen über Fahrplanänderungen traditionell immer extrem kurzfristig (standard ist zwei bis drei Tage vorher). Deshalb würde ich dir zur Anreise mit dem Schiff raten.
Mein Favorit ist in der Regel die Verbindung Venedig-Patra. Die bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis und zudem als Bonus die Fahrt durch das traumhafte Venezia. Es gibt Abfahrten am Nachmittag, dann ist man die Nacht, den nächsten Tag und wieder die Nacht auf See und kommt morgens ausgeschlafen in Patra an (da gibt es derzeit Busse von OSE nach Kiato mit Anschluss an die Regelspur - ob das nächste Woche auch noch so ist...)
Ansonsten gibt es Abfahrten ab Ancona (mit Zuganschluss im Hafenbahnhof), Bari und wie oben gesagt ab Brindisi.

Viele Grüße,
Christoph
Hier ist ein Link zur aktuellen Lage in Griechenland:
[www.heise.de]

Zitat daraus: "Gleichzeitig sollen die Preise für öffentliche Verkehrsmittel in zwei Stufen, erst um dreißig und in wenigen Monaten um weitere zwanzig Prozent, erhöht werden. Parallel dazu wird in Großstädten die Hälfte der Busverbindungen gestrichen, gleiches gilt für den Schienenfernverkehr."

Also ich würde sagen: Verkehrstechnisch ist eine instabile Situation zu erwarten.
Und hier ist ein video aus Athen: [www.youtube.com]

Wer will unter diesen umständen noch nach Griechenland?
Eben noch "sicherer Drittstaat", morgen schon quelle von bürgerkriegsflüchtlingen.
@tbk:

Superqualifizierter Beitrag. Haste auch was zum Thema "Verkehr in Griechenland" beizutragen? Nein? Dann geh' nach Haus' mit deiner BLÖD-Zeitungssammlung spielen...

Ich muss auch aufgrund der aktuellen Berichterstattung mal was grundsätzliches loswerden:
Die Verhältnisse in Hellas sind nicht dolle, keine Frage. Und viele Missstände sind hierzulande noch nichtmals bekannt. Dennoch - einen guten Teil Schuld daran hat aber auch die von Deutschland immer indifferenziert gewollte EU mit ihren unsäglichen Subventionierungen. Und von eben jener EU und den Aufträgen, die mit den Subventionen bezahlt wurden, haben wir hier lange Jahre sehr gut gelebt und tun das immer noch.
Nochmals - die Griechen sind alles andere als unschuldig an der Misere. Aber wer sich die Mühe macht, mal in die Geschichte zu schauen, wird feststellen, dass der 1822 von der anti-Osmanischen Koalition künstlich geschaffene Staat seitdem mit den selben Schwierigkeiten kämpft wie Heute. Also, man hätte schon lange vieles wissen können seitens der EU - wollte man (wir) aber nicht. Die Aufträge aus Griechenland waren (obschon ein kleines Land) offenbar wichtiger. Das sollten all' die Stammtischparolenquasseler bedenken.

Und die Streckenschließungen werden aktuell vom IWF (den Frau Merkel unbedingt dabei haben wollte) diktiert! Das muss auch deutlich gesagt werden. So sieht aktive Klimaschutzpolitik aus...

Die beste Hilfe für die Griechen wäre es gewesen, wenn als Bekundung der Solidarität und als aktive Hilfe viel mehr Menschen ihren Urlaub in Hellas verbracht hätten. Das ist nämlich trotz gelegentlicher kleinerer Ärgernisse völlig problemlos möglich (auch wenn der ein odere andere Hyteriker uns hierzulande was anderes weismachen möchte), und es lohnt sich. Es erfordert lediglich ein gewisses Maß an Planungsfähigkeit und Flexibilität. Wenn also keine Züge fahren - es gibt auch (private) Busse, Leihwagen und und und... Und es wird wahrlich nicht jeden Tag gestreikt, und wenn, dann meistens nur im öffentlichen Dienst. Und Demos gibt es fast immer nur in Athen und Saloniki. Quelle von Bürgerkriegsflüchtlingen ist also dermaßen was von daneben... Genaus diese Panikmache verschärft die Krise in Griechenland (und damit auch die unseres Euro) nur noch. Der Tourismus ist schon deutlich eingebrochen.

Und noch ein Tipp für "den BesserDeutschen" alias tbk: Video, Umstände, Morgen, Quelle und Bürgerkriegsflüchtling schreibt man in unserer Muttersprache übrigens GROß...

Viele Grüße,
Christoph
Athener schrieb:
-------------------------------------------------------

> Dann geh' nach Haus' mit deiner
> BLÖD-Zeitungssammlung spielen...

Bestimmt 20 jahre her, seit ich zuletzt eine in die hand gekriegt habe .... meine leitmedien heißen Der Standard und Ö1, ergänzt von diversen internetquellen.

> Und noch ein Tipp für "den BesserDeutschen" alias
> tbk: Video, Umstände, Morgen, Quelle und
> Bürgerkriegsflüchtling schreibt man in unserer
> Muttersprache übrigens GROß...

Soll ich mich als friedliebender europäer mit wohnsitz in Österreich nun mit "BesserDeutscher" angesprochen fühlen oder was? Lieber nicht, und so bleibe ich auch bei gemäßigter kleinschreibung und überlasse die ungerechtfertigte großschreibung von adverbien wie "morgen" sowie die BinnenVersalHäufung (sowie den rückgriff auf sprachpedanterie, sobald einem nichts besseres mehr einfällt) lieber den wahren "BesserDeutschen".

Aber zurück zur griechischen eisenbahn. Im zuge der finanzkrise war auch mal die rede davon, teile der OSE zu privatisieren. Ist das noch aktuell? Und gäbe es, gesetzt den fall, es käme dazu, überhaupt interessierte investoren?

tobias



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:12:18:00:41:52.
@tbk

Schön, dass du doch noch noch die Kurve kriegst und zum Thema zurückkehrst. Haste aber lange im Duden (oder habt ihr dafür ein österreichisches Äquivalent?) nachschlagen müssen ;)

Die Privatisierungen sind theoretisch sehr aktuell. Es geht konkret wohl um die beiden Blöcke "Athen-Saloniki" und "Proastiakos". Das Ganze war schon ziemlich weit fortgeschritten, Interessenten gab es angeblich aus China, Russland, Frankreich - und aus Deutschland (das hat mich wirklich überrascht). Praktisch hat man das ganze aber zunächst auf die Zeit nach den Regionalwahlen vertagt (die nun auch schon wieder einige Zeit vorbei sind). Von hier an kann ich nur vermuten: Da demnächst bestimmte Verkehr entfallen sollen (ziemlich viele), kann ich mir vorstellen, dass es ein wenig schwierig ist mit potentiellen Kandidaten konkret zu verhandeln - es ist ja noch nicht mal raus, welche Verkehre es dann noch geben soll. Zudem gibt es gerade wieder eine happige Gehaltskürzungsrunde (bis zu 50 %) - ich könnte mir vorstellen, dass die potentiellen Kandidaten auch diese erst abwarten werden, da sie vermutl. auf ehemaliges OSE-Personal zurückgreifen werden müssen. Da soll dann wohl der Staat erst die Drecksarbeit erledigen und die Netze und die Kostenstruktur etwas attraktiver machen, dann können die Angebote im Nachgang günstiger ausfallen.
Angeblich soll der Vorortverkehr in Athen an einen "deutschen Interessenten" vergeben werden - diese ca. sechs Wochen alte Aussage ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, sie stammt von einem bestenfalls halbseriösen Privatsender.

Ich vermute, dass das Thema nach erfolgten Einschnitten in Netz und Gehälter ziemlich bald wieder auf den Tisch kommt.

Viele Grüße,
Christoph
Lieber Athener,
du sprichst mir aus der Seele.
Ja, ich habe mein Geld im letzten Urlaub nach Griechenland getragen und träume in diesen sch...kalten Zeiten davon, das bald wieder zu tun.
Wir raufen uns immer mal wieder die Haare über unsere griechieschen Freunde, klar.
Freunde sind sie zum großen Teil trotzdem (Ausnahmen gibt es immer...).
Aber die anderen von dir genannten Faktoren spielen eben auch eine gewichtige Rolle.
Dass die Eisenbahn in den Mühlen zwischen KTEL und IWF nur den Kürzeren ziehen kann, ist klar - und zum Heulen.
Allerdings noch kein Grund, sich auf niedrigstes Boulevard-"Journalismus"- Niveau zu begeben.
Das spielt genau denen in die Karten, die Griechenland als ersten Dominostein fallen sehen wollen.
Das gilt wirtschaftspolitisch ebenso wie verkehrspolitisch.
Dieses Szenario bis zum Ende durchzuspielen wäre hier allerdings OT.
Wäre dann nicht mehr das Stammtischniveau, das dieser Thread leider angenommen hat.
Kalinichta in jeder Beziehung :-(
Was soll ich noch dazu schreiben?
Ich schließe mich "Athener" und "Germiston" vollinhaltlich an!
Auch ich bin mehrmals im Land der Hellenen, nicht nur, um Urlaub zu machen. Ich will und kann meine griechischen Freunde nicht im Stich lassen und werde dieses trotzdem wunderschöne Land auch im nächsten Jahr wieder mehrmals besuchen, mangels öffentlicher Verkehrsmittel dann eben mit dem privaten PKW mittels Fähre, wie ich es schon mehrmals gemacht habe. Jedesmal wurde auch ein Stück mit der Bahn gefahren, überwiegend mit der schmalspurigen Peloponnesbahn. Ich hoffe doch sehr, dies auch im nächsten Jahr wiederholen zu können, vermutlich aber nur noch im Stadtbahnverkehr im Bereich Patras bzw. Kalamata - Messini.
Die EU hat vieles im Land zerstört und die Griechen waren dabei (nur) die Ausführenden, was jedoch keine Entschuldigung sein soll. Wer vom Flair dieses wundervollen Landes infiziert ist, liebt dieses Land und seine Bewohner und kommt immer wieder. Wie schon von meinen Vorrednern (-schreibern) erwähnt, wäre die beste Hilfe, Griechenland zu besuchen, trotz der Panikmache vieler Journalisten....

Kalamata

EU-Gelder in GR

geschrieben von: Jan vdBk

Datum: 18.12.10 18:14

Die EU hat vieles im Land zerstört

Magst Du das bitte näher erläutern?
Für mich als politisch vielleicht nicht 100%ig kundigen Reisenden fallen mir in Griechenland als erstes die Tafeln mit dem EU-Zeichen auf. Man findet sie z.B. an Straßen, die mit EU-Geldern bis zum einsamsten Gebirgsdorf asphaltiert wurden. Das würde ich nicht als Zerstörung bezeichnen.

Man findet diese Tafeln allerdings auch an Bahnanlagen, die mit EU-Subventionen erneuert wurden. Dazu einige Beispiele:

1. Bahnhof Nea Filadelfia. Im Zuge der Streckenbegradigung der eingleisigen Bahnlinie Thessaloniki - Strimonas wurde dieser kleine Dorfbahnhof leicht verlegt. Für fünf dort haltende Zugpaare am Tag entstand ein gigantischer Neubau mit einem Haus- und einem Mittelbahnsteig. Beide Bahnsteige sind über eine hohe Fußgängerbrücke miteinander verbunden. Das beste kommt noch: Von der Brücke führen zu beiden Bahnsteigen Fahrstühle, die einige Monate nach Inbetriebnahme bereits vollkommen demoliert und unbrauchbar waren. Der Nutzen des Mittelbahnsteigs ist zudem fraglich, da kein Abfahrtsplan über die Abfahrgleise informiert. Spannende Frage: Hat Brüssel der OSE diesen überdimensionierten Bahnhof aufgedrängt? Wohl eher unwahrscheinlich, oder?

2. Bahnhof Messonission und Streckenabschnitt von dort zur mazedonischen Grenze (FYROM). Hier wurden der gesamte Bahnhofsbereich und die Strecke mit EU-Geldern neu angelegt. Vor dem Umbau fuhren hier 0 Zugpaare. Und nach dem Umbau fahren hier ebenfalls 0 Zugpaare (Güterverkehr eingeschlossen). Wer mag die EU-Gelder hierher gelenkt haben? Die EU aus eigenem Antrieb wohl eher nicht, oder?

3. Wieviele Gelder sind von der EU schon in die Planungen aberwitziger Küstenbahnprojekte a la Igoumenitsa - Patras und dgl geflossen?

4. Wieviele Züge sind je auf der mit EU-Mitteln wiederaufgebauten Strecke Messologhi - Agrinio gefahren? Seit dem Wiederaufbau genau ein einziges, damit sich irgendein griechischer Politiker im Wahlkampf vor dem Zug fotografieren lassen konnte.

5. Wieviele EU-Gelder sind in die Neubeschaffung von Fahrzeugen geflossen? Fahrzeuge, die beim ersten notwendigen Achswechsel stillgelegt werden mussten, weil man halt keine Achsen mehr hatte.

Sorry, aber wenn ich als EU-Steuerzahler all diese Dinge betrachte, dann weiß ich nicht, ob ich heulen oder schreien soll. Und da gehören einige Leute zur Rechenschaft gezogen, Leute aus Brüssel sicher auch, aber in erster Linie wohl doch eher Leute in Griechenland!?!

Wenn ich jetzt von der Fast-Kompletteinstellung der Peloponnesbahn höre, kommen mir jedenfalls bittere Tränen. Dass aus dieser touristisch wertvollen Bahn nie mehr gemacht wurde, dürfte wohl kaum der EU anzulasten sein (hat die EU nicht im Gegenteil auch hier manches Mal in die Tasche greifen müssen?).

Wer die Bildergalerien auf meiner Website kennt, der weiß, dass ich Griechenland mal sehr geliebt habe. Nicht nur wegen der Bahn, sondern einfach, weil Griechenland wunderbare Landschaften und Erholung dicht nebeneinender bietet. Dazu das herrliche Essen, die Gastfreundschaft usw...

Ich kann nur hoffen, dass sich die Intelligenz in Griechenland noch rechtzeitig gegen die Raffgier durchsetzt. Anders als mit sehr harten Sparmaßnahmen (auf allen Ebenen und in allen Schichten) dürfte da nichts mehr zu machen sein. Die Bahnweichen wurden jedenfalls schon weit vor den aktuellen Sparzwängen in Richtung Abgrund gestellt...

Viele Grüße,
Jan

Es gibt Links, die sehr viel Geld kosten, wenn man ihnen folgt. Und...
Es gibt Links, die sehr viel Zeit kosten, wenn man ihnen folgt...
Meine Fotos in der DSO-Galerie
Meine Fotos auf flickr
"Die Blockstelle" mit dem Archiv voller neuer und alter Bahn(foto)reiseberichte.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:12:18:18:41:11.
tbk schrieb:
-------------------------------------------------------
> Und hier ist ein video aus Athen:
> [www.youtube.com]
>
> Wer will unter diesen umständen noch nach
> Griechenland?
> Eben noch "sicherer Drittstaat", morgen schon
> quelle von bürgerkriegsflüchtlingen.


Hallo und guten Abend,

zuerst mal betreffend dem Video: Youtube hat dieses gesperrt aufgrund einer
Community-Meldung.

Zu "wer will unter diesen Umständen noch nach Griechenland ?":

tbk meinte wohl, wer will den im Urlaub mit Streiks, Demonstrationen inklusive
aller Nebenumstände konfrontiert sein ? Stromabschaltungen, Benzinknappheit,
Lieferengpässe ...; das wollen wir im Urlaub auch nicht.

Für mich als Bahnreisender in Europa, so nehme auch ich einmal Abstand von Griechenland-Reisen
obwohl ich schon mehrmals dort im Land herumgereist bin und Land/Leute/Kultur kennengelernt habe.

Aber jetzt ist die Stimmung und Situation dort eben schlecht - meine Meinung.
Aber es kann in Griechenland wieder besser werden wenn man ordentlich in die Hände spuckt und anpackt. Von nichts kommt nichts.

D461

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: Athener

Datum: 18.12.10 18:46

Hallo Jan,

du hast sicher recht, dass die Weichen schon vor langer Zeit falsch gestellt wurden. Dennoch:

Es gibt ein vielzahl unsinniger Straßen- und Bahnprojekte.

Beispiel: Die Sanierung der Bergstrecke war in weiten Teilen föllig unnötig (das weis ich von einem guten Freund, der für OSE die Track-recordings mit Spezailfahrzeugen macht). Zudem war sie vom Verkehrsaufkommen eine der schwächste Strecken in Griechenland. Sie wurde saniert, weil

a) der Staat während der Sanierung keine Betriebskosten hat (Gehaltskosten natürlich schon),
b) griechsiche Privatfirmen Aufträge erhalten und über die zu zahlenden Steuern den griechischen Eigenanteil von 15 % locker wieder reinholen (zusätzliche Jobs in der Baubranche),
c) viele lukrative Aufträge durch die Politik vergeben werden konnten (mit entsprechender Beteiligung).

Das ist alles nicht schön. Doch der eigentliche Skandal ist, dass das alles bei der EU seit langem bekannt ist (das weis ich von höchsten Stellen in Hellas). Fahrgastaufkommen und Fahrpläne sind übrigens ziemlich leicht zu kontrollieren, beim Streckenzustand ist das zugegebenermaßen etwas schwieriger. Doch der Punkt ist, dass man bei der EU selbst daran interessiert ist, auch die unsinnigsten Projekte zu finanzieren - aus reinem Selbsterhaltungstrieb. So fällt nämlich auch für die EU-Beamten eine Menge an Arbeit an, z.B. "beratende Tätigkeiten" nebst häufigen Dienstreisen nach Hellas etc. Würden die Töpfe nicht ausgeschöpft, würde gekürzt - sowohl finanziell als auch personell. Deshalb weis die EU sehrwohl, dass die Griechen das Geld mindestens zu 50 % in Unsinn stecken, nur damit etwas gebaut wird und Leute kurzfristig in Lohn und Brot kommen.

Es gibt leider viele viele Beispiele für falsche Projekte, z.B. völlig überdimensionierte Straßen, die erst ein ehem. traumhaftes Tal völlig zerstören und dann im Nirgendwo enden, oder die völlig aus dem Rahmen fallenden Bahnhöfe der NBS Athen-Korinth(-vielleicht irgendwann mal Patra).

Der Tourismus ist der Wirtschaftszweig no.1 in Hellas. Gleichzeitig ist Griechenland ein sehr teures Land, dass gegen die Konkorrenz aus dem Norden (Bulgarien, ex-Jugoslavien) und Osten (Türkei) nur bestehen kann, wenn es Qualitätstourismus bietet - über den Preis ist da nix zu machen. Deshalb sind die Unmengen an Landschaft zersörenden Straßenbauten der falsche Weg. Sinnvoller wären kleine, traditionell gebaute, hochwertige Hotels etc., die den finanziell besser ausgestatteten "Bildungsbürger" ins Land locken. So etwas fördert die EU aber nicht, Verkehrsinfrastruktur schon, weil sich daraus angeblich wirtschaftlicher Aufschwung generiert. Griechenland wird abe nie mehr zum Industrieland, das ist offenkundig. Insofern ist sie Strategie der EU grundsätzlich falsch, entweder aus Unwissen, was schlimm wäre, oder gar vorsätzlich, was noch schlimmer wäre. Und die Griechen? Die nutzen es halt aus, da kann ich ihnen noch nichtmal allzu böse sein, auch wenn ich mir wünschen würde, sie täten es nicht.

Insofern hat die EU zumindest eine erhebliche Mitschuld an den falschen Entwicklungen in Hellas, sie bietet falsche Anreize - klar, die Griechen tragen ihren erheblichen Teil bei, überhaupt keine Frage. Insbesondere der Missbrauch des öffentlichen Sektors als Jobmaschine vor und nach den wahlen (und man wählt oft in Griechenland) hat dem Land und der Bahn nachhaltig geschadet und führt jetzt zu Kürzungszwängen.

Viele Grüße,
Christoph



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:12:18:18:56:35.

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: tkautzor

Datum: 19.12.10 21:27

Die folgende Information erschien auf der "Greek-Rail-Group":

"Heavy changes in 2011, from RailNewsInternational site:

The very bad financial situation of Greece is now affecting the state
railways organisation OSE as well.

The Government's orders:

The current railway network may be reduced from the existing 2500 km of
lines in operation to only 750 km. All metre and narrow-gauge lines may be
closed. The number of employees may be reduced from the current level of
9350 to 6000 and the remaining staff will get heavily reduced salaries, with
up to 50% lesser incomes and loose all privileges they had before.

The Railway workers union confirms:
The cuts in staff and salaries and the reduction of the rail network for
2011. There are strikes about every week against these measures, but
apparently without any success. The many strikes during 2010 (over 120 days
at all) brought the passenger numbers down by a double digit percentage,
increasing again the heavy losses of the railway company.

What will happen from January 1, 2011 on:
The Greek newspaper "Ta Nea" published the following official statement in
its December 4, 2010 edition:

As per January 1, 2011 the following railway lines will be closed to all
traffic (a few are already not operating):
Patras - Kalamata
Pirgos - Olympia
Pirgos - Katakolo
Isthmos - Lutraki (currently not operating)
Diakofto - Kalavrita (operating irregularly only)
Kalonero - Kiparissia
Korinthos - Kalamata (currently not operating between Tripoli and
Zevgolatio)
Argos - Nafplio
Patras - Rioni suburban service
Kalamata - Zevgolatio suburban service
Thessaloniki - Edessa - Aminteo - Florina
Aminteo - Kozani
Serres - Alexandroupoli - Pithio - Dikea - Ormenio
(for trains to Turkey no decision published for the moment; Train from
Ormenio to Bulgaria currently not operating)
Thessaloniki - Idomeni (international services may remain)
Strimon - Kulata (international services may remain, currently not operating
due to flood damage in Bulgaria)
Larisa - Volos (local trains)
Paleofarsalos - Kalambaka (local trains)
All remaining train operation will be transferred from OSE to the
infrastructure company TRAINOSE per January 1, 2011, 00.00 hours..

The following services will continue to operate (no details about timetables
and frequencies yet available):
Pireas - Athina - Korinthos - Kiato - Patras (Kiato - Patras after
completion of regauging to 1435 mm only)
Athina - Lianokladi - Paleofarcelos - Larisa - Plati - Thessaloniki
Thessaloniki - Serres
Athina - Lianokladi - Stylida
Athina - Lianokladi - Paleofarcelos - Kalambaka
Kalambaka - Paleofarcelos - Thessaloniki
Athina - Lianokladi - Paleofarcelos - Larisa - Volos
Volos - Larisa - Plati - Thessaloniki
And the suburban services of Athina and Thessaloniki. No decision yet about
the local service Athina - Inoi - Halkidia
Freight services will also be maintained on the same lines as passenger
services (if existing prior to January 1, 2011).

To make train services profitably fares will increase heavily. On most lines
fares and supplements will increase by 90 to 100%, on the Athina - Stylida
service they will increase by 210% to reach the level of intercity bus
fares. Ticket prices to Patras may increase by 175%.
Discounts and free travel tickets will be abolished to all, except the fare
reduction for children. International passes and tickets, like InterRail
etc. will still be offered at normal prices. TRAINOSE will have the freedom
to increase ticket prices even further at any time to reach profitability.

What may follow:
After a period of one year, on January 1, 2012, the Greek Government will
oversee the results of these measures. Depending of the results it will then
be decided if a few lines may be reactivated for tourist operation like as
Diakofto - Kalavrita and Patras - Pirgos - Olympia. Perhaps the Thessaloniki
- Edessa, Larisa - Volos and Larisa - Kalambaka local services may be
reinstated after 2012, if local authorities will be willing to pay for an
eventual deficit.
On the lines closed from January 1, 2011 on no maintenance will be carried
out. Buildings may be sold or rented to private people.
Lines not mentioned above, like as Paleofarsalos - Volos, Volos - Milies,
the Kilini branch line or the Agrinio network and others will be liquidated
as soon as possibly."

Das hört sich ja alles vielverspechend an.

Thomas.

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: Ennstalsportzug

Datum: 19.12.10 22:49

Jan vdBk schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die EU hat vieles im Land zerstört
>
> Magst Du das bitte näher erläutern?
> Für mich als politisch vielleicht nicht 100%ig
> kundigen Reisenden fallen mir in Griechenland als
> erstes die Tafeln mit dem EU-Zeichen auf. Man
> findet sie z.B. an Straßen, die mit EU-Geldern bis
> zum einsamsten Gebirgsdorf asphaltiert wurden. Das
> würde ich nicht als Zerstörung bezeichnen.
...

Genau das ist es aber in einem Land, das sich das alles nicht leisten kann. "Mit EU Geldern" bedeutet nicht 100% Finanzierung. Nicht selten ist das "EU-Geld" in Wahrheit ein Kredit. Die EU hat (MM vor allem im Interesse von Großkonzernen) Druck auf den Ausbau eines EU-konformen Verkehrsnetzes gemacht (auch ein paar Eisenbahnen wie die teure und vollkommen unnötige Umspurung am Peloponnes, vor allem aber Autobahnen). Und wenn dann die Banken irgendwann krachen, dann macht man Druck, auf den Sozialabbau. Glaubt irgendwer ernsthaft, dass sich in einem Land wo so viele Leute auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sich die Wirtschaft erholen kann, wenn man die öffentlichen Verkehrsmittel lahm legt (oder könnten da nicht vielleicht auch wieder in 1. Linie die Interessen gewisser Konzerne dahinter stecken?)

Sorry für OT



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:12:19:22:56:23.

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: Hauptmann Mumm

Datum: 20.12.10 09:12

> The current railway network may be reduced from
> the existing 2500 km of lines in operation to only 750 km.

> The number of employees may be reduced
> from the current level of
> 9350 to 6000.

Hört sich nicht nach einer Verbesserung der Produktivität an, leider...

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: Ennstalsportzug

Datum: 20.12.10 09:22

Hauptmann Mumm schrieb:
-------------------------------------------------------
> > The current railway network may be reduced from
> > the existing 2500 km of lines in operation to
> only 750 km.
>
> > The number of employees may be reduced
> > from the current level of
> > 9350 to 6000.
>
> Hört sich nicht nach einer Verbesserung der
> Produktivität an, leider...

Aus der Sicht eines Autohändlers schon.

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: Kalamata

Datum: 21.12.10 14:34

Hallo Christoph, vielen Dank für Deine Erklärungen.
So ähnlich habe ich es auch gemeint.

Auf der Liste der Greek-Rail-Group fehlt die kurze Stichstrecke zwischen Kalamata bzw. Asprochoma und Messini. Was wohl daraus wird? Ich kann mir nun wirklich nicht vorstellen, dass für eine solch kurze Strecke ein eigener Schmalspur-Fuhrpark erhalten wird.

Viel Schuld gebe ich aber auch dem Euro. Hätten unsere griechischen Freunde die Drachme behalten, könnte diese Währung bedarfsweise abgewertet werden und die Bevölkerung würde die Probleme nicht so massiv spüren. Vielleicht wäre diese Lösung die bessere als die derzeitige "Bankenrettungs-Aktion".

Durch die vorzunehmenden Schließungen sind auch die Luftschlösser einer eventuellen Reaktivierung einiger Strecken wie z.B. Kavasila - Kyllini buchstäblich geplatzt!

LG Kalamata

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: André Albrecht

Datum: 21.12.10 16:20

Kalamata

Viel Schuld gebe ich aber auch dem Euro. Hätten unsere griechischen Freunde die Drachme behalten, könnte diese Währung bedarfsweise abgewertet werden und die Bevölkerung würde die Probleme nicht so massiv spüren. Vielleicht wäre diese Lösung die bessere als die derzeitige "Bankenrettungs-Aktion".
Daran sind die Griechen aber selbst Schuld. Sie mußten der EU und sich selbst ja (über ihre gewählten Volksbertreter) das nicht gegebene Einhalten der Eurostabilitätskriterien vorgaukeln.

Grüße,
André

Re: EU-Gelder in GR

geschrieben von: Athener

Datum: 21.12.10 22:10

@Kalamata:

Die von dir angesprochene Liste halte ich für zumindest fragwürdig. Das z.B. der Verekehr nach Stylida aufrecht erhalten werden soll - das war ursprünglich der erste Streichkandidat, und das schon seit Monaten. Und das die Grundstücke der Pilionbahn "verwertet" werden sollen? Sehr unwahrscheinlich.

Bezüglich Kalamata - Messini kann ich nur soviel sagen:
Vor einigen Wochen wurden die neuen erhöhten Fahrpreise für die Zeit nach dem Fahrplanwechsel dorthin geschickt. Das kann etwas bedeuten, muss es aber nicht...

Viele Grüße,
Christoph

Seiten: 1 2 All

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