Hallo, liebe Türkeifreunde,
in der letzten Oktoberwoche gings also los auf meiner Runde: Hasankeyf-Batman-Diyarbakir-Malatya-Gaziantep-Akcakale-Urfa-Gaziantep. Ziel war Kultur und Benutzung von Zügen nach Möglichkeit.
Nach Binnenflug Ankara-Batman mit anadolujet (gut!) fuhren wir am 27. Oktober nach Hasankeyf, über das schon mehrmals berichtet wurde (Ilisu).
Im Hintergrund sieht man die Baustelle, wo der neue Ort entstehen soll.
(@Brakerbahn: das Motel ist so grindig wie eh und je, nur jetzt hellgrün angefarbelt; der Fisch am Tigris war exzellent)
Am nächsten Tag war der Yolcu52537 angesagt - 15:00 ab Batman, 17:15 an Diyarbakir.
Eine bessere Aufnahme war leider nicht möglich, soll eher der Doku dienen.
Gott seis gedankt, der GüneyEks fährt wieder!
Die Garnitur mit DE24xxx hatte keinen Generatorwagen; am Haken liefen 4 Kompartli, die schon ab Batman bis Diyarbakir auch ordentlich voll wurden. Ankunft in Diyarbakir mit +10, also praktisch pünktlich.
Ein Kurdendorf irgendwo in der Steppe.
Am nächsten Tag (Freitag) Fahrt mit dem GüneyEkspres nach Battalgazi, auch Eskimalatya genannt, eine Station vor Malatya.
Der Eks hat 40 Minuten Verspätung, daher muß der Yolcu nach Batman warten.
Dahinter der Yolcu Diyarbakir-Kurtalan-Diyarbakir
Einfahrt des verspäteten GüneyEkspres. Er bestand aus DE22xxx, Generatorwagen, Packwagen, 2 Kompartli, 1 Pulman (schön und sauber), 1 deutlich mieserer Pulman (numarasiz), 1 Kusetli, 1 Yatakli.
Die Besetzung war mäßig.
1828 Kilometer, über 36 Stunden...
5 1/2 Stunden genossen wir die Fahrt, zuerst in der Ebene, ab Ergani dann durchs Gebirge, vorbei an Maden, dem herrlichen See bei Sivrice und dann den aufgestauten Euphrat entlang, um ihn schließlich zu überqueren.
Trotz diverser Langsamfahrstellen, die offensichtlich im Plan eingearbeitet sind, hielt der Güney genau die 40 Minuten Verspätung bis Battalgazi.
(@BrakerBahn: Ich hab geschaut, dein Formsignal vor Yolcati gibts noch, eine Signalgruppe hab ich aber nicht bemerkt. Naja, es waren aber auch TVS2000 Waggons)
Bahnhof Battalgazi mit dem langsam ausschleichenden Güney. Schaut einsam aus, zur Stadtmitte sind es aber vielleicht 10 Minuten
Besichtigung von Eskimalatya (die Karawanserei wird hergerichtet; durchaus sehenswert, wenn man grad da ist), Bus in die Stadt Malatya; am Samstag Aslantepe (nur für Archeologen interessant) und Museum in Malatya (mit Funden aus Aslantepe, gibt schon mehr her)
späthethitisches Relief im kleinen aber feinen Museum Malatya
Am Samstag nahmen wir den Firat(=Euphrat)Ekspres nach Narli. Dieser Zug kommt von Elazig, fährt um 12 Uhr ab (pünktlich!)und war bestückt mit DE24xxx, Generatorwagen und 4 gepflegten TVS2000 Pulman, aber numarasiz, was wurscht war - der Zug war halbvoll.
Die Fahrt ging wunderschön durchs Gebirge und kreuzte mehrmals den Euphrat.
Ankunft püntlich in Narli, wo zu unserer Überraschung zwei Dolmus warteten, eines nach Maras, das andere nach Antep. Ich war bisher 12mal in der Türkei; ich hab aber noch nie einen "Busanschluß" an einen Zug erlebt.
Narli, 4 Uhr nachmittags
Am nächsten Morgen, am Sonntag, gingen wir zunächst in das äußerst sehenswerte Stadtmuseum von Gaziantep, mit herrlichen Mosaiken aus Zeugma. Diese antike Stadt verschwand unter dem Euphratstausee, nachdem Archäologen verzweifelt noch buddelten, während der Wasserspiegel schon stieg...
der Gott des Euphrats...
Währenddessen wartete schon das Objekt der Begierde am nahegelegenen Bahnhof, der inzwischen unter Eisenbahnfreunden schon bekannte Karma62952 am Bahnhof Gaziantep.
Dieser Zug fährt als GmP nach wie vor Di, Do und So um 10:01 von Gaziantep nach Nusaybin und Mo, Mi und Fr in die Gegenrichtung. Danke für die aktualisierten Zeiten an Mistral!
Wir hatten am Haken: 1 A, 1 B, 10 Gabs, 6 Eanoss und 21 Vier- und Zweiachser, beladen mit Betonschwellen. Zuglok war eine 33xxx, als Schiebe war eine 24er eingeteilt.
Ganz langsam ging der Lokführer auf Spannung des Zuges, bevor die volle Leistung angriff.
Die Fahrt ging über Nizip, an Birecik und Euphrat vorbei nach Karkamis, wo die Bagdadbahn einmündet.
Bis hierher war das Gleis in Ordnung und der Zug fuhr mit geschätzten 40km/h durch die Ebene.
Ein kleiner Unterwegshalt im Euphrattal südlich von Birecik.
In Karkamis, wir fotographierten noch hektisch die Einmündung der alten Bagdadbahn, dann die große Überraschung: Keine Soldaten, keine Aufpasser, keine grimmigen Gesichter wegen unserer Kameras, nichts.
Wir konnten weiterhin nach Herzenslust schauen bei offenem Fenster und Fotos machen.
Im folgenden eine lockere Folge von Bildern aus dem Zug bis Akcakale. Wenn der Schatten sichtbar ist, schaut man in Richtung Türkei.
Es bleibt noch zu erwähnen, daß die Entscheidung, von Gaziantep nach Akcakale zu fahren, zufällig die richtige war: Die Steigung vom Euphrattal bis nahe Mürsitpinar(wo tatsächlich Soldaten einstiegen, unsere Pässe kontrollierten, sich aber dann vergnügt in den Zweitklasswaggon zurückzogen) war ein Hammer. Eine ausgelastete 33er röhrte vorn, die 24er am Zugschluß konnte man in günstigen Situationen auch hören. Das dauerte fast eine Dreiviertelstunde lang!
Ab Mürsitpinar wird die Fahrt sichtlich und hörbar eintöniger; und nachdem in Akcakale die Schiebe24er abgekuppelt wurde, war ich denn doch sicher, das wichtigste erlebt zu haben.
Von Akcakale fahren 200m hinter dem Bahnhof nahezu stündlich Dolmus nach Sanliurfa. Unsere Verspätung war gering, gerade einmal 20 Minuten. Ich registrierte noch das Abhängen der Schiebe24er.
Nach einem schönen Tag in Urfa fuhren wir abteilig über Birecik (schöne Reste einer Kreuzfahrerburg mit herrlichem Sonnenuntergang über dem Euphrat) nach Gaziantep zuück, um am nächsten Tag über Ankara (natürlich MIT Besuch des Hethitermuseums) zurück nach München zu fliegen.
Dieser Abschluß muß einfach sein.
Kuriositäten: Mein Schwager wurde im Februar 60; er erhielt seine erste Seniorenermäßigung
Im Basar von Malatya erstand ich Nüsse; eine Bezahlung wurde abgelehnt
Das teuerste Hotel(Hasankeyf) war zugleich das schlechteste
Der ZuB des BatmanYolcu bat meinen Schwager, seinen Platz zu räumen und sich
neben mich zu setzen. Er brauchte Platz für das Abendgebet, nachdem er sich im WC
die Füße gewaschen hatte
Liebe Grüße aus Ebensee
kurt