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Endlich fand ich Zeit, wieder einen Teil fertigzustellen:

Balkan-Abenteuer Teil 5: Sarajevo – Ploce – Dubrovnik – Split - Zagreb

Die bisherigen Teile:
Teil 1: Wien-Zagreb
Teil 2: Zagreb-Sarajevo
Teil 3: Sarajevo
Teil 4: Mostar

Tag 5: Freitag, 16. Juli 2010 – Sarajevo-Ploce-Dubrovnik
Fahrplan B391: (194 km)
07.05 plan / 07.22 echt ab Sarajevo
11.00 plan / 12.50 echt an Ploce (Konjic-Capljina: Schienenersatzverkehr)
Fahrplan Bus: (112 km)
12.20 geplant / 15.41 echt ab Ploce
14.30 geplant / 17.50 echt an Dubrovnik


Mit dem Zug nach Ploce

Wir sind wie am Vortag kurz vor 7 Uhr am Bahnhof. Unterwegs sehen wir von Weitem einen Achtachser, ich vermute, es muß ein Tatra-Achtachser gewesen sein, sonst hätte ich „Amsterdamer“ in mein Büchlein notiert. Leider erinnere ich mich aber nicht mehr dran, was es genau war. Aber am Bahnhof sehen wir einen Wiener E (Nummer 708), damit haben wir also zwei verschiedene Wiener gesehen während unseres Aufenthaltes! (Da ist mir im vorigen Teil ein Fehler passiert: das Foto des E entstand nicht am Abend, sondern am Morgen unserer Abreise).
Der Zug nach Budapest dürfte heute schon pünktlich abgefahren sein, denn wir sehen ihn nicht mehr, als wir zum Bahnsteig kommen. Der Wagensatz für unseren Zug kommt heute mit nur 31 Minuten Verspätung an. Der Lokwechsel geschieht dann wieder recht flott, sodaß wir mit nur 17 Minuten Verspätung abfahren können. Unsere Lok ist diesmal die 441-910. Der Zug ist auch wieder ziemlich voll. Die Verspätung vergrößert sich aber wieder wegen der Langsamfahrt durch den Ivan-Tunnel. In Pazaric kann ich jetzt endlich den schon gestern gesehenen Güterwagen mit der alten UIC-Kennzahl 89 (für ŽBH) fotografieren, zumindest das Anschriftenfeld.

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1: UIC-Code 89 und Bahngesellschaft ŽBH auf einem abgestellten Güterwagen.

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2: Auf der Fahrt vom Ivan-Paß herunter.

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3: Endlich gelingt mir auch ein halbwegs brauchbares Bild der Viadukte kurz vor Konjic.

In Konjic kommen wir mit 30 Minuten Verspätung an, das Umsteigen in die Busse klappt aber wieder recht schnell, 11 Minuten später geht es weiter. Diesmal haben wir einen Mercedes-Bus gewählt, man sitzt bequemer, allerdings sind zumindest die Fensterrahmen schon sehr verrostet. Hoffentlich nicht die Achsen!

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4: Ob ich jemals an so einem verrosteten Fenster gereist bin?

Im Gegensatz zum gestrigen ex-Postbus hat dieser Bus Klimaanlage. Auf der Straße ist ein Weiterkommen aber nicht so leicht wie auf der Schiene. Bis Mostar haben wir weitere 15 Minuten Verspätung dazubekommen, 8 Minuten dauert der Aufenthalt mit ziemlichem Fahrgastwechsel. Ab Mostar wird es für uns interessanter, weil wir die Landschaft noch nicht kennen. Wir sehen viele Weintrauben, aber natürlich sehen die Kulturen hier ganz anders aus als bei uns in der Steiermark. Das Tal ist auch breiter hier und recht flach. Kurz vor Capljina gibt es einen längeren Stau. Es hat einen Unfall gegeben, wie wir später sehen werden, und so stehen wir längere Zeit. Einmal zufällig neben einem Straßenhändler mit Obst. Ich möchte einen kleinen Apfel kaufen, aber die Verkäuferin meint, den einen könnte ich gratis nehmen. Das ist mir unangenehm und ich kauf daher noch was, damit sie auch was verdient.
Zwischen Konjic und Capljina, der herzegowinischen Grenzstation, gibt es keinen Lokalverkehr mehr. Dafür hält aber der Zug in vielen kleinen Stationen auf dieser Strecke. Zu Jugoslawienzeiten gab es nur fünf Lokalzüge in diesem Abschnitt, aber natürlich weit mehr Schnellzüge. Als wir dann zum Bahnhof Capljina kommen, ist ein riesiger Platz vor dem modern aussehenden Bahnhofsgebäude abgezäunt und eine Baustelle, man kann aber nicht erkennen, was hier genau neugestaltet wird.

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5: Modernes Bahnhofsgebäude Capljina – Grenzstation Bosniens. Der Vorplatz ist noch Baustelle, fotografiert durch das schmutzige Autobusfenster.

Um 11.45 Uhr kommen wir beim Gleis an, direkt neben dem Zug, sodaß wir vom Bus zum Zug nur wenige Schritte haben. Wir kommen mit 1 Stunde und 45 Minuten Verspätung an (im Vergleich zum fahrplanmäßigen Zug). Der Zug hätte normalerweise 17 Minuten Aufenthalt, wir fahren hingegen schon nach 10 Minuten weiter. Der Zug besteht aus drei ehemals schwedischen Wagen, deren breite Polstersitze (an die ich mich noch erinnere – 1972 und 1974!!) bereits total durchgesessen sind und das Sitzen darin also nicht wirklich bequem ist. Die Nummer unseres Wagens: 50 50 20-05 402-7, und er ist von außen auch schon ziemlich verrostet. Im Inneren der Wagen kann man ein Schild lesen, das auf die Spende der schwedischen Regierung und der Schwedischen Eisenbahnen hinweist.

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6: Vom Plattformfenster des letzten Waggons aus: der Hausbahnsteig des Grenzbahnhofs Capljina.

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7: Das ehemals sehr komfortable Innere des ex-SJ-Wagens. In sowas Ähnlichem fuhr ich 1972 nach Narvik!

Bevor wir noch abfahren, kommen die bosnischen Zöllner und kontrollieren die Reisepässe, was recht schnell vor sich geht. Natürlich kann ich nicht den ganzen Zug hier fotografieren, eben wegen der Zöllner und weil wir natürlich schnell umgestiegen sind. Kaum steigen die Zöllner aus, fahren wir auch schon ab. Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof sehe ich zufällig eine gelb lackierte ex-DB 212 und kann sie auch fotografieren. Sie hat ŽFBH-Aufschriften, aber offensichtlich noch die gleiche Nummer wie bei der DB.

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8: ŽFBH 212-184 in Capljina

Abschied von Bosnien-Herzegowina
Nun ist es Zeit für eine kleine Rückschau auf dieses interessante Land, das ich nun zum ersten Mal für wenige Tage besucht habe. Der Eindruck ist sehr zwiespältig. Einerseits fand ich viele sehr nette und freundliche Menschen, andererseits habe ich die Befürchtung, daß es mit der Zukunft des Staates nicht gar so rosig aussieht. Ehrlich gesagt fehlt mir der Glaube, daß sich die Volksgruppen wirklich auf ein gemeinsames Leben einlassen wollen. Ich fürchte, es werden irgendwann einmal neue, kleinere Staaten entstehen. Es sind so viele seltsame Eigenheiten: Diese Manie mit den Schriften zum Beispiel. In Serbien ist das gar kein Problem, welche Schrift man verwendet, hier ist die Schrift offensichtlich eine Demonstration der je eigenen Identität und der Abgrenzung „von den anderen“. Das zeigt sich auch bei den Geldscheinen. Ich finde das eigentlich lächerlich. Auch die zwei Bahngesellschafen sind so ein Fall. Und auch die Autokennzeichen wurden zum Problem. Man hat im ganzen Land erst seit 1998 einheitliche Kennzeichen (angeblich, damit die Feindseligkeiten gegenüber Autos der jeweils anderen Entität aufhören), aber auch hier ist das Schriftproblem auf die Spitze getrieben worden. Nur jene Buchstaben, die in beiden Schriften die gleiche Bedeutung haben, werden verwendet: also A, E, J, K, M, O, T. Da merkt man sogar, daß das komisch ist, auch wenn man nicht weiß, daß die Anzahl der möglichen Buchstaben stark limitiert ist. Der junge Staat ist irgendwie ein Beispiel dafür, wieviel man zerstören kann, wenn man versucht (wie es vor und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg geschehen ist), künstlich Grenzen zu ziehen entlang vermeintlicher ethnischer Grenzen, die es nie so rein gegeben hat, daß echte Nationalstaaten gebildet werden können. Immer und fast überall haben Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Ethnien gemeinsam oder nebeneinander gelebt. Gewollte Bereinigungen brachten und bringen immer nur Leid und Migration mit sich – gewollt oder ungewollt. Es ist ein trauriges Kapitel der Geschichte, für das es offenbar keine Lösung gibt.

Grenzübergang Capljina/Metkovic
Zehn Kilometer (und 10 Minuten) nach Capljina erreichen wir den kroatischen Grenzbahnhof Metkovic. Unterwegs hab ich aus dem Fenster gesehen und versucht, die Grenzlinie zu entdecken, was mir aber nicht gelungen ist. Irgendwann merkte ich dann an den Autokennzeichen, daß wir wohl schon in Kroatien sein müßten. Das Bahnhofsgebäude von Metkovic ist ein schöner, alter Bau, renoviert und mit rosa Fassade. Hier stehen wir nun statt der fahrplanmäßigen 15 Minuten leider doppelt so lang. Ob das mit der Grenzkontrolle oder mit der Streckenbelegung durch unsere Verspätung zu tun hat, weiß ich nicht.

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9: Das Bahnhofsgebäude von Metkovic – kroatischer Grenzbahnhof.

Während heutzutage nur mehr zwei tägliche Schnellzüge diesen Grenzübergang frequentieren, waren es zu JŽ-Zeiten um einige mehr, dazu auch mehrere Regionalzüge. Die Schnellzüge sind schon in einem früheren Teil aufgezählt worden. Hier daher nur eine Übersicht über die Regionalzüge:
1991/92: 3x Ploce-Metkovic-Konjic, 2x Ploce-Metkovic-Konjic-Sarajevo
2009/10: 5x Ploce-Metkovic

Für die restlichen 21 Kilometer von Metkovic bis Split benötigen wir 18 Minuten.
Die Landschaft zwischen der Grenzstation und dem Endbahnhof Ploce ist hochinteressant, eine sehr schnelle Änderung durch das flache Flußdelta der Neretva (so vermute ich jedenfalls) und durchaus nicht geradlinig.

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10: 5 Minuten vor dem Endbahnhof Ploce.

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12: Ankunft im Bahnhof Ploce.

In Ploce kommen wir schließlich mit 1 Stunde 50 Minuten Verspätung an, was natürlich bedeutet, daß unser Bus nach Dubrovnik schon längst weg ist. Wir hatten gedacht, daß 1 Stunde 20 Minuten Übergangszeit reichen würden und wir um 14.30 Uhr in Dubrovnik ankommen würden. Nach der Ankunft mach ich gleich mal Bilder vom Zug (jetzt weiß ich auch endlich, welche Lok wir drangehabt haben: nämlich die 1141 005), auch einen Regionalzug nach Metkovic (Lok und ein Wagen) kann ich bei der Ausfahrt gerade noch fotografieren. Irgendwie verwunderlich, daß man wegen 21 Kilometern hier eigene Loks und Wagen stationiert hält. Außerdem wundere ich mich auch, daß in den letzten 50 Jahren niemand auf die Idee gekommen ist, eine Bahnverbindung entlang der Küste zu bauen, also beispielsweise Split und Dubrovnik mit einer Linie zu verbinden.

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13: Regionalzug mit einem Wagen von Ploce nach Metkovic bei der Ausfahrt aus Ploce.

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14: Denkmallok in Ploce, beschriftet als 83-106.

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15: Und nochmal unser Zug in Ploce: B391 von Capljina (normalerweise von Sarajevo) nach Ploce.

Nachdem ich mich auf dem Bahnhof fotografisch ausgetobt habe, kaufen wir beim Busbahnhof die Karten für den nächsten Bus nach Dubrovnik (14.10 Uhr, 60 Kuna) und haben dann noch genügend Zeit, um essen zu gehen. Auch die zwei dänischen Inter-Railer (die ich in Sarajevo über den Bus-Ersatzverkehr informiert hatte) sind hier, und weil wir wieder geplaudert haben, gehen wir gemeinsam in die Richtung, in der wir ein Restaurant vermuten – und auch finden. Das auf der Tafel angeschriebene „meša meso“ (ich übersetze das mit „gemischtes Fleisch“) erregte mein Interesse und auf Anfrage war es wirklich ein Teller mit „etwas von allem“, also Cevapcici, Raznjici, Würstchen, Pleskavica und Kotelett sowie Pommes und Brot. Und natürlich nahmen wir das – und es waren die besten Cevapcici der ganzen Reise! Und natürlich war auch alles übrige auf dem Teller exzellent – ebenso wie das Bier! Während des Essen einige Anmerkungen zu den vielen Namen der Stadt Ploce:
Ploce hat im Laufe der Geschichte viele verschiedene Namen getragen. Etwa ab 1918 erfolgte die erste Umbenennung in Aleksandrovo (nach König Aleksandar I. Karadordevic), im Zweiten Weltkrieg hieß der Ort Porto Tolero (Italienische Besetzung), ab 1945 wieder Ploce, 1950-1954 Kardeljevo (nach einem kommunistischen Politiker aus Slowenien: Edvard Kardelj), 1954-1980 nochmals Ploce, 1980-1990 ein zweites Mal Kardeljevo, seit 1990 zum vierten Mal und endgültig wieder Ploce.

Nach der Stärkung erwarteten wir also den nächsten Bus nach Dubrovnik, der mit nur kleiner Verspätung daherkam. Allerdings drängten sich zwei deutsche Touristinnen, die nach uns ihre Fahrkarten gekauft hatten, vor – und der Bus war schon fast voll, sodaß er nur mehr drei Leute mitnehmen konnte. Wir vier blieben also zurück. Auf Streitereien wollte ich mich in meinem Urlaub nicht einlassen… Also guckten wir, wann der nächste Bus fährt: um 15.21 Uhr. Also wieder eine Stunde warten. Die Fahrkarte war dafür nicht gültig, wir mußten austauschen (andere Betreibergesellschaft) und bekamen sogar einige Kuna zurück. Die Wartezeit verbrachten wir aber jetzt auf dem Busbahnhof.

Busfahrt nach Dubrovnik
Der Bus hatte schließlich 20 Minuten Verspätung (er kam von Šibenik und war weniger als halb voll), und erst um 15.41 Uhr ging es nun endlich weiter Richtung Dubrovnik – aber es war eine sehr schöne Fahrt! Die ersten paar Kilometer kamen mir wie eine umständliche Umleitung vor. Vielleicht um Höhe zu gewinnen, fuhren wir nicht direkt an der Küste entlang, sondern zunächst einen großen Bogen über die etwas landeinwärts liegenden Hügel/Berge mit Blick auf das Neretva-Delta.

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16: Blick auf die Ebene des Neretva-Deltas im Hinterland von Ploce.

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17: Fahrt entlang der Küstenstraße Richtung Dubrovnik.

Dann aber kamen wir näher an die Küste. Von der Straße aus sah man meist die vorgelagerten Inseln und nicht das offene Meer. Interessant war das Durchfahren von wenigen Kilometern bosnisch-herzgegowinischen Territoriums – natürlich auch mit zugehöriger Grenzkontrolle, jedoch nur bei der Ausreise aus Kroatien (und nur kroatische Beamte kontrollierten!). In diesem kleinen Abschnitt Bosnien-Herzegowinas hielt der Bus etwa 20 Minuten lang in der Ortschaft Neum – offenbar ein beliebter (vielleicht weil billiger) Badeort.

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17: Küste im Korridorstück von Neum in Bosnien-Herzegowina.

Daß wir dort 20 Minuten halten würden, sagte uns jedoch niemand, ich fragte den Busfahrer, den ich im Restaurant neben dem Parkplatz sitzend fand. Ich konnte im angeschlossenen Geschäft nun auch meine letzten bosnischen Maraka ausgeben für Bier und Naschereien. Die Kassierin staunte eigentlich, daß ich mit bosnischem Geld zahlte. Die Maschine warf die Preise sowohl in Maraka als auch in Kuna und Euro aus. Und selbstverständlich konnte man auch in diesen drei Währungen bezahlen. Das ganze wirkte wie ein Duty-Free-Shop, und die Leute kamen in Scharen in den Shop bzw. in das Restaurant, um hier was zu kaufen. Bei der Wiedereinreise nach Kroatien (also sozusagen in die Enklave Dubrovnik) gab es keine Kontrolle. Wir fuhren einfach durch. Ob das für alle Fahrzeuge gilt, konnte ich nicht ausreichend beobachten.
Kurz vor dem Ziel in Dubrovnik (beim Hafen) überquerten wir eine große, interessante Brücke. Dann bogen wir in das Hafengebiet ein und waren in Dubrovnik. Um 17.50 Uhr. Gegenüber unseren ersten Plänen eigentlich um 3 Stunden 20 Minuten zu spät. Aber wir sollten doch noch Glück haben.

Zimmer in Dubrovnik
Genau wie mir ein User des DSO vorhergesagt hatte, war es auch: ich hatte noch nicht meinen Koffer aus dem Bauch des Busses geholt, als ich schon gefragt wurde, ob wir ein Zimmer suchen. Klar suchen wir. Für wie lange, wie viele Personen? Rückfrage wegen der Erreichbarkeit der Altstadt und des Hafens, morgen Früh fahren wir ja mit einer Fähre weiter… Alles kein Problem. Er bringt uns in die Stadt, er bringt uns zum Hafen. Das Zimmer kostet 300 Kuna (das sind 21 Euro) pro Person. Wir nahmen sofort an. Die Sprache war übrigens Englisch, und das ziemlich gut. Geht es noch besser?
Er brachte uns in einem Bus zu seinem großen Haus auf dem gegenüberliegenden Hügel, in dem er jede Menge Fremdenzimmer hatte. Frühstück gabs keins, aber das Zimmer bot alles, was man benötigte: Klima, Dusche, WC. Hier gab es eine schöne Aussicht auf den Hafen und die vorhin erwähnte Brücke. Zur Altstadt konnte man nicht sehen, die lag weiter südlich, gar nicht so nahe. Wir machten mit ihm aus, daß er uns um 7 in die Stadt bringt. Wir sollten dann auf sein Handy anrufen, wenn wir wieder abgeholt werden wollen. Er muß sowieso noch andere Leute irgendwohin bringen oder holen. Kein Problem, auch die Uhrzeit ist kein Problem.
Wir machten uns also frisch und um 19 Uhr gings los. Begleitet von einigen Mädchen, die er auch irgendwohin brachte. Auf der Fahrt merkten wir schnell, daß der Plan, evtl. zu Fuß zurückzugehen, nicht gut ist. Die Entfernung ist viel zu groß, wir brauchen 15 Minuten bis zum Stadttor. Auf der Fahrt dahin sehen wir die wuchtige Stadtmauer. Beim großen Stadttor läßt er uns Nikola aussteigen und hier will er uns wieder abholen. Es folgen fast drei Stunden in der wunderbaren Altstadt, inklusive köstlichem Fisch-Essen. Da es off-topic ist, nur drei Bilder als kleinen Eindruck von der Stadt:

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18: Stadttor von Dubrovnik

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19: Die wuchtigen Stadtmauern

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20: Blick auf die Altstadt von Dubrovnik

Übrigens: Die Stadt war bis 1972 an das bosnische Schmalspur-Eisenbahnnetz mittels einer Zweiglinie angebunden. Vom Bahnhof (beim heutigen Hafen) führte eine Straßenbahn in die Stadt, die ebenfalls seit 1972 eingestellt ist. Leider hatten wir keine Gelegenheit, den alten Bahnhof zu besuchen.
Die Abholung klappte vorzüglich und wir schliefen trotz großer Hitze und vielem Schwitzen ganz gut.

Tag 6: Samstag, 17. Juli 2010 – Dubrovnik-Split

Nikola, unser Zimmervermieter, bringt uns in der Früh mit seinem Bus zur Fähre nach Split. Wir werden heute fast den ganzen Tag auf dem Schiff verbringen, sind also sozusagen typische Urlauber! Daher gibt es zunächst keine bahnbezogenen Bilder. Den alten Bahnhof der bosnischen Schmalspurbahn, der in der Nähe des Hafens liegt, konnten wir natürlich wegen der gedrängten Zeit nicht besuchen.

Eine wunderschöne Schiffsfart
Die Fahrt entlang der Küste und zwischen zahlreichen vorgelagerten Inseln hindurch ist ein Genuß. Die Aussicht ist interessant, man erkennt sogar die alte Trasse der ehemaligen Schmalspurbahn zwischen und Dubrovnik im Gelände der ufernahen Berge. Von der Fahrt erlaube ich mir, einige off-topic-Bilder zu zeigen:

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21: Interessante Küstenlandschaft bei den Inseln, an denen wir vorbeifuhren.

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22: Eine kleine Insel mit Kirchlein.

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23: Und immer wieder andere Schiffe...

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24: Bei der Ankunft in Split: Blick vom Schiff auf die Altstadt.


Split/Spalato
Beim Aussteigen haben wir es nicht eilig. Kaum erreichen wir das Hafenpflaster, fragt uns schon eine Dame, ob wir ein Zimmer brauchen und wir antworten sofort mit Ja. Es kostet aber auch 400 Kuna (56 Euro), aber wir wollen jetzt nicht herumsuchen. Das Zimmer ist nämlich in Alstadtnähe und Bahnhofs(=Hafen)-Nähe, das werden wir noch zu schätzen wissen! Nach kurzen Erklärungen werden wir an die Tochter verwiesen, die perfekt Englisch spricht und uns am Hafen entlang Richtung Alstadt begleitet, immer im Gespräch mit uns, denn sie erzählt uns viel von der Geschichte der Stadt. Sie hatte bisher selten Gäste aus Austria, dafür eher aus Australia… Wir kommen zu einer Straße, an der links die Alstadt grenzt, rechts ein älteres Wohnviertel, das eigentlich auch noch wie Altstadt aussieht. Durch eine kleine Gasse führt sie uns nun einige Meter weit, wir erhalten den Zimmerschlüssel - eigentlich Hausschlüssel, denn es ist eine Art Apartment mit Vorraum, Küche, Schlafzimmer und Dusche/WC. Den Schlüssel sollen wir morgen Früh einfach stecken lassen, es sei kein Problem, wenn das Haus offen bliebe. Wir bezahlen und auf alle Formalitäten (Reisepaß, Meldekarte) verzichten die Vermieter. Auch gut.

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25: In einer Seitengasse dieser Straße liegt unser Quartier.

Nach dem Frischmachen gehen wir nach 19 Uhr noch in die Alstadt zu einer ersten Besichtigung.
Split (kroatisch Split, italienisch Spalato, entstanden aus griechisch Aspalathos = spanischer Besen) ist die zweitgrößte Stadt Kroatiens. Split zählt etwa 220.000 Einwohner, wobei die gesamte Metropolregion fast 410.000 Einwohner umfaßt. Die Stadt war im frühen Mittelalter Hauptstadt des Königreichs Kroatien.
Die Ursprünge der Stadt sind auf den Diokletianspalast zurückzuführen. Die Innenstadt von Split mitsamt dem Diokletianspalast wurde 1979 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Aus diesem Palast hat sich die heutige Stadt eigentlich entwickelt. Die Hälfte der Altstadt wird von diesem Palast gebildet, in dessen Inneren unter Verwendung der vorhandenen Bauten Gassen und neue Gebäude entstanden sind, man erkennt aber noch die alten Außenmauern und andere Teile, die mehr oder weniger unverändert geblieben sind.
Die Ursprünge der Stadt liegen in einer griechischen Kolonie an der Adria (Aspalathos). Um 300 wurde der Diokletianspalast erbaut. Im 7. Jahrhundert siedelten sich im längst verlassenen Palast neue Bewohner an, die Stadt gehörte lange zum byzantinischen Reich. Später war Split zeitweise Hauptstadt Kroatiens, gehörte im 14. Jahrundert zum Königreich Bosnien, war von 1420 bis 1797 Teil der Republik Venetien und fiel danach an Österreich-Ungarn, wo es unter dem venezianischen Namen Spalato bis 1918 verblieb.


Den Rest des Abends verbringen wir mit einem Rundgang in der Altstadt und einem köstlichen Abendessen (natürlich Fisch) mit gutem Wein („Žlahtina ist ein Weißwein aus der Gemeinde Vrbnik auf der Insel Krk. Die für den Wein verwendete Rebsorte ist eine autochthone Art, die nur in der Umgebung von Vrbnik im östlichen Zentrum der Insel sowie bei Crikvenica auf dem Festland wächst.“ . . . weiß Tante Wiki)

Tag 7: Sonntag, 18. Juli 2010 – Split-Zagreb

Fahrplan ICN524: (423 km)
15.00 plan / 15.00 echt ab Split
20.42 plan / 20.55 echt an Zagreb

Wir gehen mit unserem Gepäck zunächst einmal zum Bahnhof. Auf dem Weg dahin kann ich von Ferne ein Bild des Bahnhofs machen.

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26: Blick auf den Bahnhof Split.

Etwa um 8 Uhr sind wir beim Bahnhof und geben das Gepäck in die Aufbewahrung. Kostenpunkt: 15 Kuna pro Stück (etwa 2 Euro). Die Preise in Kroatien sind sehr ähnlich den unseren. Auf dem Bahnhof fotografiere ich schon mal ein wenig, das Gebäude und einen ex-schwedischen Triebwagen.

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27: Triebwagen 7122 007 in Split.

Dann nehmen wir ein Lokal in der Nähe und frühstücken erstmal. Schwarzen Kaffee gibt es hier leider nur in Mini-Ausgabe (als Espresso). Nach dem Frühstück besichtigen wir die Stadt. Einige Off-topic-Bilder kann ich Euch nicht vorenthalten, obwohl die Stadt sicher ausreichend bekannt sein dürfte.

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28: Die große Mauer, die im Bild sichtbar ist, war einmal die Mauer des Diokletianspalastes.

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29: Gasse in Split.

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30: Turm der Kathedrale Sveti Duje.

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31: Blick vom Turm der Kathedrale zum Bahnhof.

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32: 2044 015 abfahrbereit im Bahnhof Split.

Nach der Stadtbesichtigung und einem guten Mittagessen geht es zum Bahnhof, denn die Abfahrt nach Zagreb steht bevor. Der Triebwagen wird 15 Minuten vor der Abfahrt eingeschoben, er ist platzkartenpflichtig und ziemlich voll besetzt. Klar: heute ist Sonntag und viele Urlauber fahren damit nach Hause. Wir sitzen auf der in Fahrtrichtung rechten Seite. Die Sitzbezüge erinnern mich an schweizerische und auch deutsche Regionaltriebwagen.

Fahrt von Split nach Zagreb
Schon zwischen 1873 und 1888 wurde die Strecke zwischen Split und Knin in Abschnitten eröffnet, aber eine Verbindung mit anderen Teilen der Monarchie gab es zunächst nur durch die bosnischen Schmalspurlinien ab 1902.
Unser Zug ICN 524 ist ein Neigezug der Bauart Regio-Swinger, Baureihe 7123, ein zweiteiliger Neigezug deutscher Bauart also. Ich habe ihn zuvor noch nie im Original gesehen, nur auf Bildern. Die Neigezüge benötigen für die 423 km bis Zagreb nur mehr 5 Stunden und 42 Minuten – gegenüber 7 Stunden für den schnellsten Zug zu Jugoslawienzeiten. Dafür mußte natürlich die Strecke auch ausgebaut und teilweise neu trassiert werden.

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33: Gleich nach dem Bahnhof verschwindet die Strecke in einem Tunnel unter der Stadt.

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34: Unser ICN 7123 011 nach Zagreb wird bereitgestellt.

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35: Das Innere unseres ICN wirkt freundlich und bequem.

Wir fahren pünktlich ab und nach 44 Kilometern bergaufwärts erreichen wir Perkovic. Hier zweigt die 21 km lange Zweiglinie nach Šibenik ab. Zu Zeiten Jugoslawiens gab es auch nach Šibenik je einen Schnellzug von Beograd und Zagreb, im Sommer sogar zwei, außerdem auch einen Zug von Osijek. Heute gibt es immerhin noch einen Kurswagen von Zagreb im Sommer. Die Landschaft ist sehr interessant und sieht karstig aus. Die Klimaanlage scheint nicht zu funktionieren, jedenfalls ist es sehr heiß im Wagen und schon 15 Minuten nach der Abfahrt bin ich schweißnaß.
Die Fahrt an sich ist eigentlich sehr interessant. Im DSO-Forum gab es ja schon viele Foto-Berichte darüber, daher erspare ich mit die wenig aussagekräftigen Bilder vom Zugsfenster aus. Die Landschaft ist interessant, nach dem karstigen Gebiet kommt man Richtung Ostarije immer mehr in bekanntere Landschaften. Eigentlich wirkt die Geschwindigkeit nicht atemberaubend, auch wenn man die Neigung des Zuges manchmal ganz gut merkt. Eineinhalb Stunden für die ersten 100 Kilometer ist auch nicht sehr schnell. Der Dieselomotor ist im Inneren ziemlich laut zu hören und stört eigentlich den Reisekomfort. Jedes „Gasgeben“ und „Nachlassen“ kann man mithören. Unterwegs bringt der Schaffner einmal Kaffe – mit der Bemerkung, daß der erste Kaffee gratis ist. Leider ist es ein Instant-Milchkaffee (igitt!). In Drniš gibt es eine Kreuzung mit einem Güterzug und mit dem ICN 1523, der mehr als 40 Minuten verspätet ist. Wir haben dafur bereits 9 Minuten Verspätung.
Nach 102 km erreichen wir Knin. Hier begegnen wir einem Güterzug mit zwei 2062ern. Nach zwei Stunden Fahrt hab ich endlich das Gefühl, daß die Klimanlange ein wenig funktioniert.
Die Stadt Knin war bis zum Kroatienkrieg 1991-95 zu 80% von Serben bewohnt. Im Zuge des Krieges fungierte die Stadt als Hauptstadt der „Republik Serbische Krajina“, die aber nie völkerrechtlich anerkannt war. Die kroatische Bevölkerung wurde vertrieben, ihre Häuser sowie auch viele Kirchen und Klöster wurden geplündert und angezündet. Erst 1995 konnte Kroatien die Stadt zurückerobern. Zuvor war die serbische Bevölkerung auf Anraten der serbischen Behörden größtenteils geflohen. Durch die kroatische Armee kam es trotzdem zu schweren Verbrechen an der Zivilbevölkerung, 3000 Fälle wurden von der kroatischen Justiz aufgearbeitet und die Täter verurteilt. Heute leben in der Stadt etwa 15.000 Menschen, 76% davon sind Kroaten, 20% bezeichnen sich als Serben. Die Bewohner setzen sich aus zurückgekehrten kroatischen Flüchtlingen und Vertriebenen sowie zurückgekehrten Serben zusammen. Viele Serben kehrten jedoch nicht zurück, sondern verkauften ihren Besitz an Kroaten, die aus der bosnischen Republika Srpska vertrieben worden waren und sich hier niederließen.
Knin ist auch ein kleiner Eisenbahnknotenpunkt. Von hier gibt es die 95 km lange Zweiglinie nach Zadar, auf der es zu Jugoslawienzeiten im Sommer direkte Schnellzüge oder Kurswagen von Zagreb, Osijek und Beograd gab. Heute gibt es im Sommer einen täglichen Kurswagen aus Zagreb. Die zweite Abzweigung (die Una-Bahn) hat derzeit keinen Verkehr:

Die „Una-Bahn“ Knin – Bihac – Novi Grad (– Sisak – Zagreb)
In Knin zweigte die sogenannte Una-Bahn (nach dem Fluß Una benannt) ab, die über Bihac nach Novi Grad (früher Bosanski Novi) führt. Während der nördliche Teil zwischen Novi Grad und Bihac bereits 1923 eröffnet wurde, wurde die ab 1936 gebaute Linie südlich von Bihac erst 1948 fertig und bis 1987 sogar elektrifiziert. Teilweise wurden Trassen der früheren bosnischen Schmalspurbahnen mitverwendet (Steinbeisbahn). Die Strecke war kürzer und auch viel leistungsfähiger als die Lika-Bahn und wurde zu Jugoslawienzeiten auch von vielen internationalen Zügen befahren. Durch die Kriegsereignisse nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 wurde die Strecke unterbrochen und ist heute an vielen Stellen durch die bosnisch-kroatische Grenze zerstückelt. Ein durchgehender Verkehr ist daher nicht mehr möglich und die Strecke vermutlich auch gar nicht mehr durchgehend befahrbar. Da die Gegend sehr dünn besiedelt ist, ist an eine Wiedereröffnung wohl auch gar nicht zu denken. Verkehr gibt es heute nur im bosnischen Abschnitt zwischen Bihac und Novi Grad.

Zur (fast) gegenwärtigen Situation dieser Bahnlinie: [forum.mysnip.de]
Und hier ein Überblick über den Verkehr vor und nach dem Jugoslawienkrieg:
JŽ 1991/92:
4x täglich Split-Bihac-Zagreb, davon fuhr einer nach Ljubljana und Maribor weiter, ein anderer hatte Kurswagen nach München. 1 Zug nach Osijek, 1 Zug nach Beograd.
Von Zadar und Šibenik gab es einen Zug nach Beograd, von Bihac gab es einen Zug nach Sarajevo sowie einen nach Beograd und Novi Sad.
Im Regionalverkehr konnte man 5x täglich von Knin über Martin Brod bis Bihac fahren und 3x täglich von Bihac nach Novi Grad.
Heute gibt es nur mehr Regionalverkehr auf dem bosnischen Abschnitt: 4x ŽRS von Novi Grad nach Blatna und 3x ŽFBH von Blatna nach Bihac. Der Rest der Strecke wird nicht bedient.

Ab Juli 1991 war die Strecke gesperrt, auch wenn es im Kursbuch 1992/93 noch einen „normalen“ Fahrplan gab. Der Abschnitt von Knin bis Martin Brod fehlte im Fahrplan 1993/94 bereits und wurde seither nicht mehr in Betrieb genommen. Das Fahrplanbild 72 fehlt seither im kroatischen Kursbuch.

Lika-Bahn Knin – Ostarije
Die Bahnlinie zwischen Knin und Ostarije wird als Lika-Bahn bezeichnet. Sie wurde 1925 eröffnet und ist eingleisig und im Gegensatz zur Una-Bahn nicht elektrifiziert. Baubeginn war bereits 1913, also zu Zeiten Österreich-Ungarns, doch konnte das Vorhaben wegen des Weltkrieges nicht weitergeführt werden (geplant war die Eröffnung für 1919). Während des Jugoslawienkrieges ab 1991 wurde die Strecke, die durch die ehemals serbische Krajina führt, in erheblichem Maße zerstört, der Wiederaufbau ist aber weitgehend abgeschlossen. Heute gibt es Neigezüge (Typ Regioswinger), die die Verbindung von Zagreb nach Split in möglichst kurzer Fahrzeit (5¾ Stunden für 435 km) bewältigen. Die Züge heißen ICN (InterCity nagibni). Heute ist dies die einzig mögliche Verbindung zwischen Zagreb und Dalmatien, weil die Una-Bahn teilweise über bosnisches Gebiet führt. Lokalverkehr besteht auf der Strecke bis auf zwei Zugpaare zwischen Ogulin und Vrhovine (68 km) nicht mehr.
Und auch hier ein Überblick über die Entwicklung des Verkehrs vor und nach dem Jugoslawienkrieg (Abschnitt Knin-Ogulin):
JŽ 1991/92:
2x täglich von Zadar und Šibenik über Gospic nach Zagreb, davon einer bis Varaždin, 1x täglich von Split und Šibenik nach Zagreb, im Sommer 1x täglich von Split über Zagreb nach Budapest. Im Regionalverkehr wurde der Abschnitt Knin-Ogulin von insgesamt 6 Zügen in verschiedenen Abschnitten befahren (nur zweimal täglich die ganze Strecke).
HŽ 2009/10:
Heute gibt es 4 Verbindungen von Split nach Zagreb, davon drei als ICN. Im Regionalverkehr nur mehr 2 Züge zwischen Vrhovine und Ogulin (68 km).

Die Abzweigung der Una-Bahn ist gut zu sehen, auch ein Stück der Trasse mit einem gemauerten Viadukt. Die Oberleitung ist abmontiert, die Gleise sehen verrostet aus.

http://share.bahnforum.info/transfer/4b34bb10c170dda14241baa237c7d58d12b33f68/Balkan/s4093.JPG
36: So sieht die Abzweigung der Una-Bahn nahe Knin derzeit aus.

Die weitere Fahrt führt durch sehr viel „Nichts“. Die Gegend scheint streckenweise total unbesiedelt zu sein. Es geht häufig bergauf und bergab. Gegen Gospic kommen mehr und mehr Wolken auf. Der Rest der Fahrt ist dann nicht mehr spektakulär. Wir erreichen auf der Hauptstrecke endlich eine etwas höhere Geschwindigkeit und kommen dennoch mit +13 Minuten in Zagreb an.

Warten in Zagreb
Wir gehen nach der Ankunft auf ein Bier (und Kremšnite) und sitzen im Gastgarten vor dem Bahnhofsgebäude. Es ist hier ziemlich kühl, erstmals ist es unangenehm kalt, sodaß ich die Jacke brauche. Danach warten wir auf dem Bahnsteig und beobachten den Zugsverkehr. Der Schnellzug von Ploce (und Sarajevo) kommt mit 2 Stunden und 20 Minuten Verspätung an, er hat statt der üblichen drei verschiedenen Wagen nur einen ŽRS-Wagen und zwei HŽ-Wagen (jedoch keinen der ŽFBH). Schließlich kommt unser Zug B315 (von Villach) pünktlich an. Er wird von der 1142 004 gezogen, unser Schlafwagen ist der 51 72-80 900 der JŽ. Auch die Abfahrt erfolgt pünktlich und als Premiere in unserem Urlaub kann ich schon jetzt verraten, daß auch die Ankunft in Beograd pünktlich sein wird! Nun beginnt ein weiterer interessanter Teil der Reise. Aber zunächst einmal schlafen wir relativ gut, bis uns der kroatische und serbische Zoll aufweckt.

http://share.bahnforum.info/transfer/4b34bb10c170dda14241baa237c7d58d12b33f68/Balkan/s4103.JPG
37: Das ist unser Schlafwagenabteil im 51 72 80-900 der JŽ. Fachleute können mehr dazu sagen.

http://share.bahnforum.info/transfer/4b34bb10c170dda14241baa237c7d58d12b33f68/Balkan/s4104.JPG
38: Noch ein Bild mit aufgeklapptem Waschtisch.

Fortsetzung folgt!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:11:01:08:16:07.

Wunderbar! (mit zwei Anmerkungen)

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 01.11.10 09:39

Guten Morgen!

Wieder mal wunderbar! Gute Bilder, Text mit viel Inhalt. Zumindest ich hätte nichts gegen noch mehr eisenbahnlose Bilder gehabt.

Ich gestatte mir zwei Anmerkungen:

Das Inselchen in Bild 22 trägt einen Leuchtturm und kein Kirchlein.

Der Neigezug von Split nach Zagreb ist baugleich mit den DB-Triebwagen der Baureihe 612. Die letzten Wagen wurden von der DB nicht abgenomen, in den HŽ fand Bombardier dann doch einen Käufer. Auf langen Strecken sind sie unangenehm.

Vielen Dank für diesen Bericht, ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

Viele Grüße, Sören

Re: Wunderbar! (mit zwei Anmerkungen)

geschrieben von: octo

Datum: 01.11.10 10:52

Dem kann ich mich nur anschliessen! :-)

Gruß, octo.

p.s.: wohl dem der eine Freundin hat mit der man solche Reisen unternehmen kann ;-)

Klasse Tour! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Karl Arne Richter

Datum: 01.11.10 11:10

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
http://www.bahn-adressbuch.de/temp/link99.gif http://www.bahn-adressbuch.de/temp/link2.gif http://www.bahn-adressbuch.de/temp/link8.gif http://www.bahn-adressbuch.de/temp/link6.gif
Vielen Dank für den Bericht. Schön, dass du die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt hast. Die ÖV-Unwägbarkeiten im Urlaub sind immer schöne Erinnerungen. Auch die Kombi mit dem Schiff ist natürlich top. Bilder jenseits der Bahntrecken finde ich durchaus wichtig. Vor allem regen diese auch mal andere Fuzzys an, über den "Bahn-Tellerrand" zu blicken. Weniger wichtig ist, was "richtig und falsch rum" ist, sondern der Flair einer Reise, den man in der Karre eher weniger mitbekommt und der hier gut rüber kommt. Wobei die Fortbewegung mit dem Auto auch seine Vorzüge hat.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:11:01:12:25:55.

Re: Wunderbar! (mit zwei Anmerkungen)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 01.11.10 13:32

octo schrieb:
-------------------------------------------------------
> Dem kann ich mich nur anschliessen! :-)
>
> Gruß, octo.
>
> p.s.: wohl dem der eine Freundin hat mit der man
> solche Reisen unternehmen kann ;-)


Danke für alle Anmerkungen bisher. Freundin? Nein, ich habe einen Freund, mit dem ich jedes Jahr zwei bis drei Wochen Urlaub gemeinsam genieße. Und es ist fast immer Bahnurlaub, selten Auto (aber dann auch auf Bahnjagd). - Und manchmal ist die Frau auch dabei...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:11:02:22:42:32.

Wieder super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 02.11.10 17:20

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Wirklich spannend. Danke schön!

>>Fortsetzung folgt!

Ich bin gespannt!

En Gruess
Nil

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum: [www.drehscheibe-foren.de]

https://bahnbilder.ch/calendar/banner.jpg

Leben und Leben lassen ...

Re: Wunderbar! (mit zwei Anmerkungen)

geschrieben von: octo

Datum: 04.11.10 00:16

Oh ok. Ich hatte das eine Bild so interpretiert^^

Grüße, octo.
Ein toller Bericht von dir. Ich finde es schön, dass du auch soviele off-topic Bilder zeigst.

Erschreckend wenn man die Kriegsfolgen sieht.

Hallo,

Vielen Dank für den wirklich gut gemachten Bericht. Ich möchte noch ein Bild vom Hafen in Ploce beisteuern.

http://img43.imageshack.us/img43/2223/img78100956969.jpg

Und hier schließt sich noch eine Frage an. Kurz vor dem Erreichen des Bahnhofs Ploce zweigt rechts eine Zweigstrecke nach Stablina ab. Auch ist ein Tunnelportal zu erkennen. Laut dieser Übersicht, endet diese Strecke direkt vor diesem Tunnel. Weiß hier jemand mehr? Markiert mit dem roten Pfeil.

http://img186.imageshack.us/img186/6140/img78150999432.jpg

Allen noch einen schönen Restsonntag.

Grüße
Alex
Offtopic: Recherchen im Hafen des damaligen Kardeljevo führten übrigens zur Bekanntgabe eines der größten österreichischen Polit-Skandale, siehe hier.
BrakerBahn schrieb:
-------------------------------------------------------

> Und hier schließt sich noch eine Frage an. Kurz
> vor dem Erreichen des Bahnhofs Ploce zweigt rechts
> eine Zweigstrecke nach Stablina ab. Auch ist ein
> Tunnelportal zu erkennen. Laut dieser Übersicht,
> endet diese Strecke direkt vor diesem Tunnel. Weiß
> hier jemand mehr? Markiert mit dem roten Pfeil.
>
> [img186.imageshack.us]


Ich weiß es auch nicht, aber dieser Abzweig ist mir auch aufgefallen. In Stablina gibt es dann noch in rechtem Winkel zu dem fraglichen Gleis nach links noch einen Tunnel, der nun für eine Straße dient (auf der Karte die weiße Straße ungefähr neben dem Pfeil nach links). In Stablina habe ich seinerzeit bei einem privaten Zimmeranbieter für 100 Kuna übernachtet (dort, wo die gelbe von der dunklen Straße hinunter nach Ploce abzweigt), weil sich in Ploce nichts in dieser Preisklasse finden ließ.
tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
Außerdem
> wundere ich mich auch, daß in den letzten 50
> Jahren niemand auf die Idee gekommen ist, eine
> Bahnverbindung entlang der Küste zu bauen, also
> beispielsweise Split und Dubrovnik mit einer Linie
> zu verbinden.


Das wundert mich gar nicht! Bist du schonmal am Küstenstreifen zwischen Dubrovnik und Split entlanggefahren??? Da ist es aufgrund der topografischen Verhältnisse einfach unmöglich eine Bahnlinie zu bauen! Da geht gar nichts, weil es einfach zu gebirgig und zu karstig und zu steil ist. Früher gab es zwar eine Schmalspurlinie, die kurz vor Metkovic nach Südosten abzweigte und über bosnisches Gebiet nach Dubrovnik führte, doch es war eben nicht entlang der Küste.