Hallo zusammen,
als Fortsetzung vom ersten Teil [
www.drehscheibe-foren.de] rief das Zugpersonal nach 20 Minuten Aufenthalt im syrischen Grenzbahnhof Ar´Ray zum Einstieg in den Zug ein. Als alle Gäste (wir waren jetzt 32 Gäste geworden) im Zug saßen, kam zum letzten mal der junge Grenzbeamte zu jeden einzelnen Fahrgast und verteilte die Pässe. Ich muss gestehen, das ich so einen „Service“ nicht von den Grenzbeamten im Orient gewohnt war. Die Organisation der Abfertigung und die Höflichkeit der Beamten hat mich positiv überrascht. Als der Grenzbeamte ausstieg bewegte sich der Zug um 06h50 Richtung Bahnhof Çobanbey in der Türeki. Für die Fahrt Richtung Çobanbey hatte das Zugpersonal 10 Minuten angekündigt. Genug Zeit für 2 der Reisenden damit anzufangen, Ihre Tee-Kartons und Zigarettenstangen bei anderen Reisenden verteilen zu wollen. Zu Info: In der Türkei ist Tee "teuer" und zollpflichtig. Jede Person darf max. 500 g Tee zollfrei einführen. Da in Syrien der Teepreis vom Staat subventioniert wird, lässt sich damit für Grenzbewohner gute Geschäfte machen. Manch Reisende kannten das schon und haben freiwillig mitgemacht. Auch das Zugpersonal wurde davon nicht verschont. Mir war das ganze zu heiß, um da mit zu machen. Ich ernte dafür böse Blicke von den 2 Verteiler.
Der Zug fuhr langsam durch das Grenzgebiet dabei entstanden folgende Bilder:
Kurz nach dem Verlassen des syrischen Grenzbahnhofes Ar´Ray
Gleich erreichen wir türkisches Staatsgebiet
Schienenverlauf nach Links und schon ist im Hintergrund der türkische Grenzbahnhof Çobanbey zu sehen
Punkt 07h00 erreichen wir den Bahnhof Çobanbey, der noch vor der Streckenreaktivierung von Grund auf renoviert wurde. Diese Arbeit lässt sich im folgendem Bild sehen:
Bahnhof Çobanbey mit Blickrichtung Türkei. Das Gleisbett und die Schienen wurden alle neu verlegt. Bildquelle: Ahmet Ersungur
So sahen die Gleise im Bahnhof Çobanbey im Jahr 2003 aus. Bildquelle: Muammer Samiloglu
Ein Blick über die Gleise Richtung Syrien stammend aus dem Jahr 2003. Bildquelle: Muammer Samiloglu
Der Bahnhof von Çobanbey besteht aus 2 Bahnhofsgebäude, 5 Gleise, 1 Gleisdreieck in Nordwestlicher Richtung, 1 Wasserkran und mehreren Grenzwachtürmen. Öffentlich hier Bilder zu machen, würde sehr viel Ärger bedeuten, besonders weil Soldaten ständig vorbei gelaufen sind. Trotzdem entstand folgendes Bild welches das Gleisdreieck im Hintergrund zeigt:
Im Hintergrund Gleisdreick des türkischen Grenzbahnhof Çobanbey beim Verlassen des Bahnhofes richtung Gaziatep
Wer mehr vom Bahnhof was sehen will, der kann sich folgenden Link mal anschauen:
wowTurkey
Auf zwei Gleise standen Güterwagen herum, die wohl später nach Syrien transportiert werden. Insgesamt machte der Bahnhof einen sehr gepflegten Eindruck. Als nun der Zug am Bahnsteig stand, wurden alle Gäste raus gerufen. Jeder Gast war für seine Abfertigung selber verantwortlich. Alle 32 Fahrgäste stürmten in die kleine Abfertigungshalle des Bahnhofes. Die türkischen Beamten waren schnell genervt und haben erstmal keinen mehr Abgefertigt. Einer der Teeverteiler, der sowohl arabisch als auch türkisch sprach, wies alle Reisende zur Ordnung auf und vermittelte bei den Beamten. Eine ½ Stunde später waren alle Pässe abgestempelt. Man ging nach und nach in den Waggon zurück, während jetzt 4 türkische Zollbeamte den Zug inspizierten. Jeder Gast der größeres Gepäck dabei hatte, durfte mit seinen Sachen in den nächsten Waggon gehen, wo dann genau nachgeschaut wurde und bei Bedarf gehandelt, gefeilscht und am Ende Hände geschüttelt wurde. Einige kamen zufrieden zurück, andere mussten Ihren Tee und mitgebrachtes Essen abgeben, da man sich wohl nicht auf einen “Bakschisch” einigen konnte. Einer der Fahrgäste versprach den Beamten mit dem Konsul seines Landes Mittag aus Gaziantep zurück zukommen, um sein Tee und das Essen zurück zu holen. Nach 1 Stunde Aufenthalt, ging es um 08h00 endlich weiter Richtung Gaziantep. Mit dem verlassen des Bahnhofes passierte der Zug den Kilometerstein 717 und nimmt Kurs Richtung Osten, wobei er auf geschätzte 80 km/h beschleunigte. Hier macht sich der bessere Gleiszustand auf dem türkischen Streckenabschnitt im Fahrkomfort deutlich bemerkbar. Dadurch das die Strecke direkt an der Grenze vorbei führt, blickt man in Fahrtrichtung Gaziantep rechts auf syrisches -und links auf türkisches Staatsgebiet.
Wie bereits Alex (BrakerBahn) in früheren Berichte geschrieben hat, bewirtschaften die Syrer bis zum Gleisrand jede mögliche Ackerfläche. Die türkische Seite, die einige Meter hinter dem Gleis erst anfing, ist noch relativ unbewirtschaftet und wird in regelmäßigen Abstände von Wachtürmen bewacht.. Dies soll sich bald ändern, nachdem sich Syrien und die Türeki politisch näher gekommen sind und eine strategische Partnerschaft beschlossen haben. Zwischen den Kilometerstein 756 und 758 ist in Fahrtrichtung links die Ruine eines syrischen Bahnhofes zu erkennen(auf der Karte mit einem X gekreuzt). Wir passieren auf einer der beiden Bahnhofsgleisen, ohne zu halten, durch. Sollte jemand den Bahnhofsname kennen, dann würde ich mich freuen wenn er es uns den hier im Forum nennen würde. In der Zwischenzeit sammeln die Teeschmuggler Ihre Teekartons bei den Passagieren wieder ein und machen sich bereit für den Ausstieg am nächsten Bahnhof. Wir erreichen um 08h30 den Bahnhof Karkamis mit seinen 5 Gleisen aus südlicher Richtung. Weiter in nordöstlicher Richtung geht’s dann nach Nusaybin (siehe Reisebericht von BrakerBahn: [
www.drehscheibe-foren.de])
Bahnhof Karkamis mit Blickrichtung Gaziantep
Bahnhof Karkamis um 08h30
Bahnhof Karkams in September 2009. Bildquelle BrakerBahn
In Karkamis stehen auf Gleis 1+2 mehrer Bauwagen und ein Generatorenwaggon der TCCD. Hier steigen die Teeschmuggler aus und der syrische Lokführer und sein türkischer Kollege wechseln den Führerstand. Ohne langes Zögern geht es in Umgekehrter Richtung um 08h35 weiter Richtung Gaziantep. Dabei sieht man jetzt deutlich den Abzweig nach Syrien:
Die Strecke Karkamis-Çobanbey-Aleppo im April 2010
BrakerBahn hat bei einer seiner Türkei-Touren folgendes Bild kurz vor der Reaktivierung machen können:
Die Strecke Karkamis-Çobanbey-Aleppo im September 2009. Bildquelle: BrakerBahn
Und davor sah es mal so aus:
Die Strecke Karkamis-Çobanbey-Aleppo im Jahr 2003. Bildquelle: [www.globrailer.de]
Der türkische Lokführer der den Funkkontakt mit den Bahnhöfen entlang der Strecke hält, verlangt vom syrischen Lokführer dass er richtig auf die Tube drückt und der Zug erreicht auf manchen Streckenabschnitte 140 km/h. Das Zugpersonal ist von der Leistung der DMUs begeistert und träumen von ähnlichen Geschwindigkeiten auf syrischen Schienen. Während der Fahrt nach Gaziantep kommt kein Gegenzug entgegen. Unser Lokführer muss aber weiterhin Gas geben, da ein Güterzug nach Nusaybin auf unsere Ankunft in Gaziantep wartet. Auf der Strecke Karkamis-Gaz-Nizip-Gaziantep wird noch an einigen Stellen gebaut. Die Bauarbeiten machen den Anschein, dass die Strecke begradigt wird um durchgehend Geschwindigkeiten von 140 km/h zu erreichen. Um 09h10 erreichen wir Nizip (Kilometerstein 133).
Brückenarbeiten bei Nizip
Brückenarbeiten bei Nizip mit Blickrichtung Gaziantep
Brückenarbeiten bei Nizip mit Blickrichtung Karkamis
Die Gleise des Bahnhofes Nizip wurde zu dieser Zeit auch erneuert. In einigen Abschnitten wurden solarbetriebene Signale aufgestellt. BrakerBahn hatte das bei seinen Touren in der Türkei auch festgestellt und hier berichtet.
Solarbetriebene Signale im Bahnhof von Nizip
Weiterhin ging es mit hoher Geschwindigkeit durch einen Tunnel (Kilometerstein 116), durch den Bahnhof Turkey Yurdun (Kilometerstein 115-114), durch einen Tunnel der parallel zu unserem Gleis verlief (Kilometerstein 108) und dann anschließend verlief die Strecke parallel zu Autobahn (Kilometerstein 103). Zwischen dem Kilometerstein 102 und 100 wird Platz geschaffen für ein zweites Gleis. Um 09:52 erreichen wir Mustafayavus (Kilometerstein 89), ein Vorort der Stadt Gaziantep.
Haltepunkt Mustafayavus
Haltepunkt Mustafayavus
Die ersten Wohnsiedlungen der Stadt Gaziantep
Es geht zügig weiter, so dass wir planmäßig um 10h00 in Gaziantep angekommen sind. Der Güterzug wartet schon auf unsere Ankunft.
Hier wartet der Güterzug nach Nusaybin auf unsere Ankunft
Im Nächsten Teil wird das Bahnhofsumfeld von Gaziantep begutachtet.
Den Bericht: [TR][SY] Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke A: Nusaybin – Al Qamishli findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
Den Bericht: [TR][SY]Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke B: Muslimiya-Karkamis 1/4 (21 B) findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
Den Bericht: [TR][SY]Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke B: Muslimiya-Karkamis 3/4 (21 B) findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
Den Bericht: [TR][SY]Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke B: Muslimiya-Karkamis 4/4 (26 B) findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
http://www.syrische-eisenbahn.de
3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:10:25:20:37:19.