Als man Ende Dezember 2009 die Zugverbindung Aleppo-Gaziantep angekündigt hatte, war für mich klar, dass ich die Strecke befahren muss. In diesem Forum war dann oft zu lesen, dass der eine oder andere Leser die Strecke im Frühling 2010 auch gerne befahren wollte. Leider hatte es zeitlich nicht mehr geklappt, um mit Alex (BrakerBahn) die Strecke im Mai 2010 gemeinsam zu befahren, da ich im April hin musste. Daher kam die Idee einen gemeinsamen Reisebericht über die Strecke zu schreiben. Die Reise begann für mich mit der Fluggesellschaft Germania, mit einem Flug ab Berlin-Tegel nach Aleppo via Damaskus.
Bereitstellung der Germania Boeing 737-700 mit der Flugnummer ST6126 (TXL-DAM-ALP) um 05h45 in Berlin-Tegel
Pünktlich um 07h00 starteten wir Richtung Syrien. Nach ca. 2,5 Stunden Flug zeigte die Navikarte an Board der Maschine den Zielflughafen Aleppo an.
In Aleppo gelandet bot sich folgendes Bild:
Mit ca. 250 km/h und 29°c Außentemperatur landen wir sanft auf RWY27 des internationalen Flughafen von Aleppo
Da der Zug am nächsten Tag Freitag früh fährt, geht es sofort ohne Umwege durch den dichten Stadtverkehr zum Bahnhof von Aleppo.
Das historische Bahnhofsgebäude vom Aleppo, auch als Bagdad Bahnhof genannt
Rechts vom historischen Bahnhofsgebäude, soll die neue Wartehalle noch im Jahr 2010 eingeweiht werden
Mit dem Eintritt ins Bahnhofsgebäude fällt mir sofort auf, das die Ticketschalter neu sortiert sind. So muss man jetzt die Internationalen Fahrscheine im linken Bahnhofsflügel kaufen. Der internationale Schalter ist unbesetzt.
Linker Bahnhofsflügel mit den Schaltern für Internationale Fahrkarten, Fahrkarten in Richtung Ostsyrien und Anmeldung
Also frage ich beim Schalter neben an, ob er nach seinen Kollegen rufen kann bzw. ob er mir die Tickets ausstellen würde. Die Antwort lautet: „Er kommt glich. Er ist nur schnell zum Mittagsgebet gegangen und hat den Kassenschlüssel mitgenommen, daher könne er keine Tickets ausstellen“. Also gut. Ich warte. In der Zwischenzeit füllt sich die Wartehalle schlagartig, da später ein Zug nach Deir-ez-Zor fährt. Viele wollen noch schnell ein Ticket kaufen, aber die Plätze wären schon am Tag davor ausverkauft gewesen, so die Antwort des Beamten. Nach ca. 30 Minuten Wartezeit ist der internationale Schalter endlich besetzt. Ich verlange ein Ticket nach Gaziantep. Der Beamte öffnet die Kasse und sein Registrierbuch, verlangt 600 syrische Lira und meinen Pass damit er mit den benötigten Daten das Ticket ausstellen kann. Ich bin der Gast mit der Nr.2 in seinem Registrierbuch. Ob die Fahrt in ca. 15 Stunden bei so einer geringen Anzahl von Fahrgästen überhaupt statt finden wird?
Nach ca. 10 Minuten habe ich endlich mein Ticket für den nächsten Tag bekommen mit dem Hinweis ca. 1 Stunde vor Abfahrt am Bahnhof schon zu sein.
Seite 1 des Fahrscheins Aleppo-Gaziantep
Seite 2 des Fahrscheins Aleppo-Gaziantep
Seite 3 des Fahrscheins Aleppo-Gaziantep mit den Beförderungsbedingungen
Kurzer Überblick was auf den Ticket steht:
Abreise von Aleppo nach Gaziantep am Freitag den 16.04.2010 um 05h00 morgens mit dem Zug Nr. 61
Das Ticket war 3 Monate ab Ausstellungsdatum gültig und kostet für einen Sitz in der ersten Klasse 600 syrische Lira. Der Preis beinhaltet nicht die Ausreisesteuer, welche dann an der Grenze bezahlt werden muss.
Mit der Fahrkarte in der Tasche konnte ich beruhigt zu meiner Unterkunft gehen und schon mal alles für die Reise vorbereiten.
Nach dem die Nacht zu vor, wegen des frühen Fluges schon kurz war, habe ich mich auf eine weitere kurze Nacht eingestellt. Ich war gegen 04h15 am Bahnhof angekommen. Bahnhof und Bahnhofsvorplatz waren mit kleinen und großen Fahnen beschmückt. Grund dafür ist der Unabhängigkeitstag der jährlich am 17.04. gefeiert wird.
Blick auf die Eingangshalle des Hauptbahnhofes von Aleppo
Der Bahnhof war um diese Zeit noch relativ leer gewesen. Im linken und Rechten Bahnhofsflügel warteten einige Reisende. Ich war gespannt gewesen, ob es unter Ihnen auch einige gibt, die mit nach Gaziantep reisen wollten. Immerhin waren es ca. 14 Stunden zuvor gerade mal 2 Personen, die eine Fahrkarte für den Zug Nr.61 gekauft hatten. Gegen 04:25 wurde ein DMU (Trainset) koreanischer Bauart, bestehend aus 5 Waggons, auf Gleis 1 bereitgestellt. Das „Flagschiff“ der Syrischen Eisenbahn, welches seit 2006 im Einsatz ist, könnte Geschwindigkeiten von bis 160 km/h erreichen. Leider wird es auf dem Abschnitt Alepp-Gazianteo bei 140 km/h bleiben.
Die DMU Einheit Nr. 5 mit der Zug Nr.61 wird auf Gleis 1 im Bahnhof Aleppo für die fahrt nach Gaziantep bereitgestellt
Um 04h30 wurden dann die Eingangstüren zu den Bahngleisen geöffnet und zwei Sicherheitsbeamte kontrollierten die Pässe, Ausweise und Fahrkarten alle Reisenden die in den Zug 61 einsteigen wollten. Als Erster im Zug konnte ich folgende Bilder machen:
Innenansicht des Waggens Nr. 2 des Trainset nach Gaziantep
Der Trainset machte einen sehr guten und gepflegten Eindruck. Alle Sitze hatten Kopfhöreranschlüsse und waren verstellbar. Als Begrüßungsmusik wurden Lieder der bekannten arabischen Sängerin FAIRUZ über das Board-Entertaiment-System gespielt.
Sitzwagen der ersten Klasse eines syrischen Trainsets. Für einen Feuer- und Durstlöscher für Unterwegs ist auch gedacht.
In der Zwischenzeit steigen immer mehr Fahrgäste ein so auch das Zugteam, welches aus 7 CFS Mitarbeiter und einen Grenzbeamten besteht. Sie verschaffen sich einen Überblick, wer alles in den 5 Waggons verteilt sitzt. Da die Anzahl der Gäste sehr gering war und die in allen 5 Waggons verteilt saßen, beschloss das Zugteam alle Fahrgäste in Waggon Nr. 2 zu platzieren.
Um 04:59 wird die Bahnhofsglocke 3 mal geläutet bevor sich der Trainset pünktlich um 05:00 in Bewegung Richtung Norden, auf einen Teil der Bagdadbahnstrecke, setzt.
Bildquelle: Google-earth: Karte mit dem Streckenverkauf Aleppo-Gaziantep
Die Fahrt durch die Vororte von Aleppo verläuft gemütlich mit geschätzten 50 km/h. Zu sehen ist zu dieser Uhrzeit noch nicht viel, da es noch Dunkel ist, dafür wird ein tonloser Film von Mr. Bean eingeschaltet, während die Begrüßungsmusik weiterläuft. Der erste kurze Halt dieser Fahrt erfolgt schon um 05:25 im Bahnhof Mouslimie. Einige Gäste stiegen ein und aus. Ich zähle jetzt 30 Mitreisende.
Bildquelle: Reinhard Dietrich aus Wikipedia
Im Bahnhof Mouslimie treffen sich der Ostast (Richtung Bagdad) und der Westast( Richtung Istanbul) der Bagdagbahn bevor die Strecke nach Aleppo führt. Alle 10 Gleise des Bahnhof, in dessen nähe ein Zementwerk errichtet wurde, waren mit viele Güterwagen verschiedenster Art belegt gewesen. Nach dem unser Zug den Ostast der Bagdadbahn befuhr, beschleunigt er auf 70 km/h vorbei an fruchtbaren Ackerland. Während der Fahrt verteilt das Zugpersonal Saft, Trinkbecher, Bombons und Kopfhörer und verweißt auf den tonlosen laufenden Mr. Bean Film. Jetzt kann ich die immer noch laufende Musik durch Mr.Bean Geräusche überhören ;-) Das Zugpersonal ist schnell mit dem Verteilen der o.g. Sachen fertig und zieht sich ins Restaurantwagen neben an zurück. Das zusammenlegen der Gäste hat sich somit wirklich gelohnt!
Der mitfahrende junge Grenzbeamte und der Zugchef kommen einige Minuten in unseren Waggon und verteilen Coupons und rechnen jeden Gast 550 syrische Lira für die Ausreisesteuer ab. Danach werden erneut alle Pässe kontrolliert, um einen schnellen Vergleich der Passbild mit den Gesichtern der Reisenden durchzuführen. Alles OK und die Zwei ziehen sich in den Restaurantwagen für einen Tee zurück. Um 06h00 passieren wir ohne Halt den Bahnhof Akhtarin, der sogar noch einen Wasserkran besitzt, und 10 Minuten später ebenfalls ohne anzuhalten den Haltepunkt Tal Aar.
Kurz nach dem passieren des Haltepunktes Tal Aar. Links und Rechts fruchtbares Ackerland
Unterwegs sah man viele abgebaute und ausgetauschte Gleise und Schwellen. Langsam verschwinden die aus dem Jahr 1903 stammenden Gleise.
Ausgetauschte Gleise inkl. Stahlschwellen zwischen Tal Aar und Ar´Ray
Schon während wir den Bahnhof Akhtarin passieren, erscheint der Grenzbeamte und sammelt Pässe und Ausweise ein. Als er alles eingesammelt hat, kündigt er an, das wir bald den Grenzbahnhof Ar´Ray erreichen. Nach ca. 62 km erreichen wir um 06:25 den syrischen Grenzbahnhof Ar´Ray .
Mit dem überqueren des Bahnübergangs, erreichen wir den syrischen Grenzbahnhof Ar´Ray
Der Grenzbahnhof der aus einem Durchfahrtsgleis und zwei Abstellgleise besteht, stand fast 20 Jahre stillgelegt. Seit dem 08.01.2010 rollen wieder regelmäßig Güter- und Personenzüge durch. Der Grenzbahnhof besitzt einen kurzen Bahnsteig für ca. 3 Waggons. Ein Bahnhofsgebäude existiert nicht mehr. Dafür stehen mehrer Baracken wo Bahnhofspersonal und Grenzsoldaten untergebracht sind. Das Zugpersonal kündigt einen ca. 30 Minuten Stopp an. Der junge Grenzbeamte, der zuvor die Pässe und Ausweise eingesammelt hat, nimmt diese und verschwindet in einer der Baracken. Es war nicht notwendig bei der Abfertigung persönlich zu erscheinen. Die 30 Fahrgäste nutzten den kurzen Aufenthalt um sich die Füße auszulaufen und einen Tee im Bordrestaurant zu trinken. Ich nutzte die Gelegenheit das alle Grenzsoldaten in ihren Baracken waren für folgendes Bild:
Blick in Richtung Türkei
Anbei ein weiteres Bild vom Bahnsteig des Grenzbahnhofes Ar´Ray
Bildquelle: [www.syria-news.com] Abfertigung der Fahrgäste bei der Streckeneröffnung am 08.01.2010
Im nächsten Teil des Reisebericht bewegen wir uns in die Türkei.
Den Reiseericht: [TR][SY] Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke A: Nusaybin – Al Qamishli findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
Den Reisebericht: [TR][SY]Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke B: Muslimiya-Karkamis 2/4 (22 B) findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
Den Reisebericht: [TR][SY]Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke B: Muslimiya-Karkamis 3/4 (22 B) findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
Den Bericht: [TR][SY]Grenzverkehr im Jahr 2010 Strecke B: Muslimiya-Karkamis 4/4 (26 B) findet Ihr hier:
[www.drehscheibe-foren.de]
http://www.syrische-eisenbahn.de
7-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:10:25:20:36:00.