Hallo zusammen,
als Fortsetzung vom 4. Teil [
www.drehscheibe-foren.de] haben wir am 14. Mai 2010 um 6:57 Uhr die türkisch-syrische Grenze passiert.
Alle Bilder und Beschreibungen entsprechen dem Stand der Fahrt vom 14. Mai 2010.
In dem heutigen Teil des Berichts geht es um den grün unterlegten Abschnitt:
[
www.tcdd.gov.tr]
Gaziantep 21:00
Mustafayavuz
Türkyurdu
Nizip 21:45-21:47
Yesildag
Elifoglu
Karkamis 22:20-22:24
Mürsitpinar
Bekciler
Gültepe
Akçakale 00:57-00:58
Goçar
Sayarli
Ceylanpinar 03:36-03:38
Gürpinar
Akdogan
Senyurt
Toruntepe
Serçehan
Nusaybin 06:04-06:40
Staatsgrenze Türkei–Syrien
Grenzbahnhof Al-Qamishli (2) 07:00-07:40
Tall Ziwan
Kabur al-Bid
Umm Qaif-Faukani
Demir Kapi
Tall Hadsch
Al-Yarubiyya / El Yarobieh / Al Yarobia (Tall Kutschak) 09:27-10:15
Staatsgrenze Syrien–Irak
Al-Rabia 10:30-11:05
Abu Hudschaira
Tall al-Uwainat
Tall-Hugna
Al-Wa’ailiyya
Abtir
As-Sabuniyya
Hayy al-Yarmuk
Al Mawsil (Mosul, Mossul, Musul) 14:00
Syrische Soldaten steigen in den Zug, ebenfalls ein Grenzbeamter. Ibrahim wirkt sichtlich nervös, ich habe auch keine so rechte Meinung davon, was jetzt passieren wird. Die Soldaten betreten das Abteil, äußerst verwundert darüber hier Ausländer anzutreffen. Die erste Frage war: „USA?“ „Ne, Deutschland“, entgegnete ich. Die Augen leuchteten und die Soldaten wollten die Pässe sehen. Ausreisestempel von Nusaybin drin, syrisches Visum, alles klar. Der Grenzbeamte hat uns dann die Einreisekarten gegeben und den Einreisestempel in die Pässe gedonnert. Dann hat er einen Blick auf unser Gepäck geworfen. Solche Situationen liebe ich überhaupt nicht. Nicht dass wir irgendetwas Verbotenes mit dabei hatten, das wirklich Verbotene sind die Aufnahmen in meiner Kamera. Bahnhöfe und Züge in Syrien zu fotografieren ist streng verboten. Militäranlagen, zu denen auch Grenzen gehören, zu fotografieren, kann mit Knast bestraft werden. Hätte man mich dabei erwischt, wäre ich wohl nicht im Bau gelandet, hätte aber wahrscheinlich massive Schwierigkeiten bekommen.
Jedenfalls wirft er nur einen prüfenden Blick auf die Taschen, ich brabbel etwas von Touristen, gut, gut, willkommen in Syrien. Trotzdem bleibt die ganze Szene relativ nüchtern.
Zu den Gegebenheiten auf der syrischen Seite der Grenze hier nochmal eine Übersicht.
Mit dem blauen Pfeil ist der Grenzbahnhof Al Qamishli 2 markiert.
Die gelben Pfeile markieren die Fahrtrichtung aus Richtung Nusaybin weiter bis zur irakischen Grenze in Al Yarobia.
Die roten Pfeile markieren das Gleisdreieck und damit die Abzweigung zum Stadtbahnhof Al Qamishli 1 und der weiteren Strecke nach Al Hasaka und Aleppo.
Bild 1:
Wir fahren weiter bis zum Bahnhof Qamishli 2. Hier bleibt der Zug einige Zeit stehen. Diesmal steige ich nicht aus. Mit so viel Glück, wie in Nusaybin, habe ich hier nicht gerechnet. Viel zu sehen gibt es eh nicht. Abgestellte Getreidewagen, einige Syrer verladen irgendwelche Kartons in den Generatorenwagen und das war es auch schon. Weitere Aufnahmen wollte ich dann machen, wenn wir unter uns sind, das heißt, wenn der Zug wieder fährt.
Um 7:50 Uhr verlässt der Zug den Grenzbahnhof. Wir lassen das Gleisdreieck rechts liegen und fahren auf der 83 Kilometer langen Strecke fast schnurgerade durch die Ausläufer des Fruchtbaren Halbmonds, der Kornkammer Syriens.
Mich würde ja interessieren, ob überhaupt jemand von euch schon einmal auf dieser Strecke gefahren ist. Wie auch immer, einige Impressionen möchte ich euch zeigen. Da sich kein Fenster öffnen lässt, hat Ibrahim für mich die Tür des Liegewagens aufgeschlossen und den Stahlbügel zur Seite gelegt.
Bild 2:
Ibrahim hält mich fest, ich klammere mich an den Griff am Einstieg und kann einige Aufnahmen machen.
Bild 3:
Vereinzelt kann man in dieser dünnbesiedelten Gegend Menschen auf den Feldern arbeiten sehen. Im Hintergrund gehören die Berge schon zur Türkei.
Bild 4:
Bild 5:
Ibrahim schließt wieder die Tür zu und ich mache noch Aufnahmen vom Übergang zum Generatorenwagen und dem Gang des Liegewagens.
Bild 6:
Bild 7:
Bild 8:
Irgendwann lässt sich auch der Zugchef blicken. Einen syrischen Zugführer oder Schaffner haben wir nicht zu Gesicht bekommen. Dann geht es in dem folgenden Gespräch um die Fahrkarten. Ibrahim wird dazu gezogen und er fragt uns, warum wir drei Fahrkarten haben? „Wieso drei Fahrkarten?“ Ich sehe mir noch einmal den Umschlag mit den Fahrscheinen an, stelle fest, dass weder ein türkischer noch ein syrischer Prüfvermerk oder Stempel drinnen ist. Ich kläre die beiden auf. Zwei Fahrscheine, eine Liegewagenreservierung für zwei Personen. Ob die beiden das Prinzip verstanden haben, bleibt unklar. Jedenfalls wird mir klar, dass die Auslastung des Zuges auch in den Vorwochen gen Null tendierte und das Personal wahrscheinlich auf dieser Verbindung nie oder kaum türkische Fahrkarten zu Gesicht bekommen hat.
Ich frage wiederum, wie das mit Fahrkarten im Irak läuft? Die Antwort bleibt schwammig: keine Fahrkarten. Gut, lassen wir das mal so im Raum stehen.
Wesentlich wichtiger ist für die beiden die Passagierliste. Auf einem Zettel sehen wir in Arabisch geschrieben die Namen des Personals. Wir müssen unsere Namen dazu schreiben. Diese Liste wird an der Grenze noch eine Rolle spielen.
Bild 9:
Wir durchfahren die Bahnhöfe Tall Ziwan, Kabur al-Bid um 8:24 Uhr, Umm Qaif-Faukani, Demir Kapi, Tall Hadsch. Der Zug hält nicht und fährt ganz langsam durch. Personenverkehr findet auf der Strecke nicht statt. Auffällig sind an jedem Bahnhof die großen Silos der Getreidespeicher und die langen Reihen abgestellter Getreidewagen der CFS. Überhaupt hinterlassen die ganze Strecke und die Bahnhöfe einen ziemlich unwirklichen Eindruck. Hier sehen wir den Bahnhof Kabur al-Bid und einen Muffelpott von Mitarbeiter, aufgenommen durch die verschlossene Scheibe.
Bild 10:
Es folgen zwei Aufnahmen durch die geschlossene Scheibe auf eine typische Szene an dieser Strecke und den Gleiszustand eines Abstellgleises.
Bild 11:
Bild 12:
Unterwegs fliegt noch ein Stein auf den Generatorenwagen. Und so sieht eine von einem Stein getroffene Scheibe von innen aus.
Bild 13:
Wir fahren weiter durch die Kornkammer. Kein Zug kreuzt uns, kein Güterzug in den Irak muss uns passieren lassen.
Jedenfalls existiert eine Aufnahme von einem Güterzug auf dieser Strecke:
[
commondatastorage.googleapis.com]
Wir nähern uns langsam Al Yarobiah, dem syrisch-irakischen Grenzübergang. Hier bei der Einfahrt in den Ort, werden wir um 9:22 Uhr von den beiden syrischen Kindern begrüßt.
Bild 14:
Zu den folgenden Aufnahmen. Egal wo man rumgurgelt, Bilder vom Grenzbahnhof findet man im Netz so gut wie gar nicht. Eine alte Aufnahme des Zuges Bagdad – Istanbul ist mir bekannt, allerdings schon wesentlich weiter westlich aufgenommen.
[
trains-worldexpresses.com]
Wir kommen pünktlich in Al Yarobiah an und es bleibt für die Grenzkontrolle und Abfertigung eine Zeit von 45 Minuten.
Die folgenden Aufnahmen hier nur aneinander gefügt zu zeigen, würde wenig Sinn machen. Deshalb gibt es noch einmal eine Luftaufnahme, wo zu sehen ist, wo sich das Gezeigte jeweils befindet.
- Der gelbe Pfeil markiert die Fahrtrichtung weiter in den Irak
- Der rote Pfeil markiert den Bahnhof, wo die Bilder 16-21 entstanden sind
- Der weiße Pfeil markiert das Gleisdreieck, kurz vor dem Grenzzaun
- Der blaue Pfeil markiert die Aufnahmen 22-24 vom Bahnhofsgebäude auf dem Vorplatz
- Das Bahnhofsschild an der Außenmauer ist lila markiert (Bild 25)
- Die abgestellten Güterwagen (Bild 26) befinden sich an der Position des grünen Pfeiles
- Schwarz der Straßenübergang
Bild 15:
Bei der Ankunft in Al Yarobiah müssen wir unsere Taschen auf dem Bahnsteig auf einer improvisierten Sitzgelegenheit abstellen. Die Stimmung ist reserviert. Wenige Minuten geschieht überhaupt nichts, dann beginnt ein Geheimdienstknilch mit der Inspektion des Reisegepäcks meiner Begleiterin. In alter Ostblockmanier schaut er sich jedes Kleidungsstück, Aufzeichnungen, Reiseführer usw. an. Und dabei hat er mit der eigentlichen Grenzkontrolle überhaupt nichts zu tun. Dann öffnet er ihren Kulturbeutel und muss sich durch die Utensilien wühlen. Was eben Frauen so mitschleppen. Er beschäftigt sich mit ihrem Shampoo, schüttelt die Flasche, öffnet sie, drückt auf sie und der erzeugte Schaum landet in seinem Geheimdienstschnauzbart.
Das ist das Peinlichste, was einer staatlichen Autorität geschehen kann. Es wischt sich den Schaum von seinem Rotzfänger und ich muss lachen, ernte einen bösen Blick, kriege mich aber schnell wieder ein, denn jetzt ist meine Tasche dran. Nach der peinlichen Vorstellung ist er bei der Inspektion meiner Habseligkeiten nicht mehr so akribisch. Geht ja auch recht fix mit dem, was Männer so dabei haben. Die Büchse Efes vom Vorabend wird nur noch zur Kenntnis genommen. Am meisten interessieren ihn meine Unterlagen. Ich erkläre ihm nur: Serbien, Bulgarien, Türkei usw. Dann kommt die Fototasche dran. Also, wenn der Kerl jetzt wirklich Bilder sehen will, habe ich ein Problem in diesem Nest. Ich ergreife die Initiative, erkläre ihm, als Tourist hat man natürlich eine Kamera dabei, Sura im schönen Syrien, Palmyra – obwohl wir gar nicht da waren – usw., mit viel Theatralik und Gestikulieren vorgetragen. Er schluckt es und ich habe wieder Glück.
Nach dieser Szene habe ich zuerst damit gerechnet, dass es zu überhaupt keinen Aufnahmen kommen wird. Jedoch hatte ich auch hier Glück und mit dem folgenden Trick hat es doch funktioniert.
Im Anschluss mussten wir ins Bahnhofsgebäude. Die Passagierliste lag schon bereit und unsere Namen mussten in den PC eingetragen werden. Mit Hilfe der Pässe war alles klar und es hieß vertraut: Willkommen in Syrien. Plötzlich gab es auch Tee und die Stimmung war wesentlich gelöster.
Der Bahnhofschef der CFS links hatte seinen kleinen Neffen?? im Büro sitzen. Rechts daneben der Kollege von der IRR. Ob ein Bild Sura in Ordnung sei? Wie die Kinder freuten sie sich und ich drückte ab.
Bild 16:
Natürlich war das Büro mit allen möglichen Leuten besetzt. Plötzlich wollte der Rest auch fotografiert werden. Ich habe dann wie ein Oberlehrer regiert, der seine Schulklasse raus scheucht. Alles auf den Bahnsteig und schön vor dem Zug Position beziehen.
Bild 17:
Und jetzt müssen alle artig sein und noch einmal ein Stück nach links gehen, sodass ich euch schön vor der irakischen Grenze aufnehmen kann. Obwohl Soldaten auf dem Bahnsteig waren, konnten sie nichts dagegen unternehmen, da ja diese Aufnahmen de facto legitimiert waren.
Bild 18:
Und jetzt alle bitte nach links und noch ein Schuss. Im Hintergrund sehen wie eine weiter DEM in grün mit einem Güterzug in den Irak.
Bild 19:
Jetzt auf die Idee zu kommen, ein Tele aufzusetzen oder wild fotografierend durch den Bahnhof zu marschieren, wäre das Dümmste gewesen, was man machen kann. Mir war klar, dass diese Aufnahmen nur ein wirklicher Glücksfall waren. Jedenfalls muss ich mich im Weiteren auf diese Ausschnittsvergrößerung beschränken. Man sieht unsere Lok mit einer Schwestermaschine vor einem Güterzug, dahinter Kesselwagen und am Ende die Mauer des Bahnhofs.
Bild 20:
Eine Aufnahme gibt es noch von der ehemaligen Bahnhofsuhr und der Glocke.
Bild 21:
Einige Bilder kann ich noch vom Bahnhofsgebäude und dem Vorplatz beisteuern. Auch hier waren die Aufnahmemöglichkeiten eingeschränkt, denn genau gegenüber dem Bahnhof befindet sich eine Kaserne.
Bild 22:
Bild 23:
Hier noch eine Ansicht vom Bahnhofsgebäude mit dem alten und dem jungen Chef – Assad sen. und jun.- und Werbung für den Trainset der CFS, der auf dieser Strecke überhaupt nicht fährt.
Bild 24:
Der Bahnhof ist von einer Mauer umgeben. An der Zufahrt zum Bahnhof, welche durch ein Tor verschlossen ist, befindet sich noch dieses Bahnhofsschild. Typisch für die CFS zweisprachig in Arabisch und Englisch. (lila Pfeil)
Bild 25:
Ebenfalls konnte ich hier noch eine Aufnahme von abgestellten Güterwagen machen (grüner Pfeil) …
Bild 26:
… und das war es dann mit diesem Teil.
Der letzte folgt in Kürze.
Grüße
Alex
Hier noch die Links zu den anderen Teilen, ergänzt am 26. Mai 2010:
Teil 1: [
www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2: [
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Teil 3: [
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Teil 4: [
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Teil 6: [
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Und noch die Linkliste zu ähnlich gelagerten Themen:
[
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© Bilder: BrakerBahn
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:06:26:08:01:51.