Kiskörös war der Endpunkt des nördlichen Streckenastes. Beginnen wir mit dem eindrücklichen Teil. Die mehrgleisige Güteranlage erinnert an glorreiche Zeiten.
Unglaublich bescheiden ist der Schmalspur-"Bahnhof" Kiskörös im Bereich des Personenverkehrs. Eine völlig unscheinbare Hinweistafel am Prellbock weist allfällige Reisende darauf hin, wo der Zug Richtung Kecskemet abfährt.
Abfahrbereiter Zug, von der Gegenseite her fotografiert. Ein paar Randsteine und niedergetretenes Gras markieren den Bahnsteig. Im Gegensatz zu vielen Bahnhöfen in der Schweiz verfügt Kiskörös über kundenfreundliche Gratis-Park-and-Ride-Abstellplätze. Unser VW Sharan bekommt den Platz, der am nächsten bei der Schmalspur-Haltestelle gelegen ist. Als Proviant für die ganztägige Fahrt nach Kecskemet und zurück haben wir Brötchen, französischen Weichkäse, Kekse, Mineralwasser und feinste lokale Biersorten im nahe gelegenen Supermarkt eingekauft.
Zug nach Kecskemet am Schmalspurbahnsteig in Kiskörös.
Kreuzungen zwischen Schmal- und Normalspurbahnen sind in Ungarn grundsätzlich so angelegt, dass Die Normalspurgleise durchgehend sind, die schmalspurigen aber unterbrochen darüber hinweg geführt werden. Die Spurkränze der Schmalpurwagen fahren also über die Schienenköpfe der Normalspur! Führungsschienen bewahren vor dem Entgleisen. Kreuzung Schmalspur - Normalspur in der Ausfahrt Kiskörös.
Ausblick vom Schmalspurzug auf den elektrfizierten Normalspurbahnhof Kiskörös.
Drei Unterwegsbahnhöfe der Strecke Kiskörös - Kecskemet erhielten richtige Stationsgebäude. Sie sind leider etwas heruntergekommen, sind aber hervorragende Zeugnisse der Architektur ihrer Entstehungszeit, knapp nach 1950. Aufnahmegebäude Kaskantyu, bereits privat genutzt.
Der Endpunkt des anderern Streckenastes in Kiskunmajsa bestand zwar auch nur aus einem Stumpfleis wie in Kiskörös, dafür war er in unmittelbarer Nähe der Normalspurgleise, für umsteigende Passagiere nicht zu verpassen. Auch auf diesem Streckenast muss ein einzelner BD im Schlepp der Mk48 für alle Verkehrsbedürfnisse genügen.
Obwohl ich jetzt leicht OT werde, kann ich nicht anders, als euch die herrlichste und schönste Bahnmeister-Draisine zuzumuten, die ich 2009 kennengelernt habe. Sie hört auf den klangvollen Namen TVGnh.1330M und ist leider normalspurig.
Den Bahnhofgebäuden sieht man an, dass die Strecke älter ist als jene nach Kiskörös. Der Bahnhof Bugac war für Naturfreunde Ausgangspunkt von Wanderungen und Pferdewagenfahrten in die unter Naturschutz stehende Bugacpuszta.
In Jakabszallas wartet der schöne vierachsige Flachwagen mit seine beiden Wasser-Zisternen auf die nächste Dampflok-Extrafahrt, die leider nie mehr stattfinden wird. Die Kecskemeter Traditionslok ist wegen Fristablaufs schon länger abgestellt, und sie wird wohl nie mehr aufgearbeitet werden. Vielleicht möchte jemand den schönen und gut erhaltenen Wasserkran erwerben - bitte rasch melden bei MAV Kisvasut Kecskemet!
Nun ist es wohl endlich Zeit für ein paar Bilder aus dem Betriebsmittelpunkt Kecskemet. Mk48.2036 mit abfahrbereitem Mittagszug Richtung Kiskunmajsa.
Aus der entgegengesetzten Richtung fällt der Blick auf den Zug nach Köskörös. Der Zug nach Kiskunmajsa ist bereits abgefahren.
Viele frisch revidierte Wagen, darunter auch solche ohne Gepäckabteil, warten auf dem Nachbargleis auf eine Einsatz, der vielleicht nie mehr kommen wird. Wenn keine grossen Gesellschaften angemeldet sind, wird jeder Zug mit einem einzigen BD gefahren.
Die wunderschönen Vierachser mit offenen Plattformen wären für den Einsatz mit der Dampflokomotive gedacht, doch sie fährt nie mehr.
Beim Bereitstellen des Zuges nach Kiskörös sind mir im Eingangsbereich des Bw zwei herrliche Draisinen aufgefallen.
Das erforderte eine formatfüllende Nahaufnahme. Wer kann zu diesen edlen Gefährten einen sachkundigen Kommentar abgeben?
Vor Jahren hatte jemand die grossartige Idee, in Kecskemet ein Museum mit nicht mehr benötigten Fahrzeugtypen der Schmalspurbahn einzurichten. Gesagt, getan! Und dann wurde das Museum sich selbst resp. der Natur überlassen - seht selbst: Zweiachsiger Flachwagen aus der Bauzeit.
Zweiachsiger Kesselwagen zur Wasserversorgung isolierter Bahnwärterhäuser in der Puszta.
Vierachsiger Rollschemel zum Transport von normalspurigen Güterwagen.
Ja, und das ist sie, die letzte Frau Bahnhofvorstand in Kecskemet. Würdig, aber immer zu einem Spass aufgelegt, bestreitet sie ihren Dienst bis zum bitteren Ende der Kekskemeter Schmalspurbahnen. Hoffentlich hat die MAV eine gute neue Stellung für sie gefunden.
In der letzten Folge dokumentiere ich ein Erlebnis unserer Familie aus den Sommerferien 2009. Bis später an der gleichen Stelle!
Werner
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