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[NO] Reisebericht Bergen- und Dovrebahn (7)

geschrieben von: Jan vdBk

Datum: 27.10.09 21:40

Moin!

Hier folgen die Tage 13 und 14 unserer Skandinavienreise. Tag 13 verbrachten wir erneut bei Wechselwetter zwischen Dovrefjell und Gutbrandsdalen und Tag 14 war mal wieder Reisetag. Da Nil Samstag abfliegen musste, wollten wir schon mal ein Stück südwärts vorrücken. Der Campingplatz in Tagen war für die letzten Nächte vor Rückflug schon bestens erprobt...

Die alten Teile:
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Ein Karteneinstieg für Dombås:
[www.gulesider.no]

God tur!
Jan




Donnerstag, 24.09.2009: Dombås - Kongsvoll - Kvam - Dombås

Die Nacht über hat es oft heftig geregnet. Morgens hingen die Wolken tief über dem Tal, so dass sich die Lust auf die Di6 stark in Grenzen hielt. So um 8.30 brachen wir aber doch mal auf. Wo die Wolken nicht den Blick auf die Berge verbargen, sondern ein Stück höher hingen, konnte man eine feine Puderzuckerschicht ausmachen. Der erste Schnee war gefallen! Wir schauten wie üblich am Bahnhof vorbei. Die Di6 hatte nur vier Continertragwagen (zwei davon leer) mitgebracht und wurde schon wieder an die Steckdose gelegt. Den Hauptzug von Cargolink sahen wir gar nicht, auch weiter oben im Gebirge nicht.

Oben auf dem Fjell war man den weißen Flächen schon ganz schön nahe gekommen. Aber die Fokstumyra hing unter tiefen Wolken. Voraus allerdings ein heller Schein. Konnte das die Sonne sein? Tatsächlich erreichten wir am Vålåsjøen nicht nur die ersten Schneeflächen auf Straßenniveau, sondern auch die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Der spätherbstliche Wald sah mit dem diffusen Sonnenlicht unter dem Hauch von Schnee sehr interessant aus. Wir stellten uns kurz ans Ufer, aber ein Schnee-/Regengemisch und die Neugierde, wie es weiter hinten aussehen mochte, und das Wissen, dass Cargolink schon durch sein kann, ließen uns bald wieder ins Auto steigen.

Das Tal der fehlenden Möglichkeiten lag natürlich schon wieder schön in der Sonne. In Hjerkinn war der Ausblick wunderschön. Hinter dem Talkessel des Skytefelts (Schießplatz) erhoben sich die Berggipfel unter einer schon ganz schön geschlossenen Schneedecke. Und diese wurde von der Morgensonne prächtig angestrahlt. Wir waren noch beim Fotografieren dieses Ausblicks, da kam bereits der Gt 5732 ohne Sonne durch. Schade, kurze Zeit später hätte die Sonne die Bahn, aber nicht mehr die Gipfel beleuchtet. Der Gipfel der Snøhetta war natürlich auch heute bestenfalls mal kurz zu erahnen, ansonsten immer hinter Wolken.

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Schnee auf den Bergen bei Hjerkinn.

Wir wussten ja nicht, wo der Cargolink-Autozug steckte. Vielleicht kam er ja noch. Deshalb stellten wir uns startklar bei Grønbakken auf den Parkplatz. Es tat sich aber nichts mehr. Zwei Minuten vor dem Roten fuhren wir die Straße entlang voraus. Genau an der Stelle von gestern, wo uns der Blaue statt des Roten überraschte, schien wieder relativ sichere Sonne zu sein. Wir warteten. Und diesmal klappte es sogar: Rt 42 war der Rote und - wie die Österreicher zu sagen pflegen - er ging sich hier wunderbar vor schneebedeckten Berggipfeln aus.

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Der Rote zwischen Kongsvoll und Hjerkinn.

Da er ja in Hjerkinn halten musste, konnten wir ihn erstmal locker überholen und hofften, ihn am Vålåsjøen erneut zu bekommen. Der Zug hatte aber offenbar gar nicht in Hjerkinn angehalten, sondern war nur langsam durch das Bahnsteiggleis gefahren. Im Tal der fehlenden Möglichkeiten gab er jedoch alles und holte mächtig auf. Am Vålåsjøen waren auch nur noch paar Spots im Licht. Nil rief nur "Nicht anhalten, gib Vollgas", so konnte er aus dem fahrenden Auto den Zug an genau der Stelle nehmen, wo wir auch sonst abgedrückt hätten. So ging sich wenigstens ein Bild für Nil aus, mit Anhalten hätte es garnix gegeben.

Wir schauten dann noch kurz hinter Dombås um die Talecke, doch dort herrschten Wolken vor. Ein Besuch am Bahnhof ergab, dass gerade der Bus aus Åndalsnes angekommen war. SEV für einen ausgefallenen Talent! Wir besuchten nun Frichs Cafeteria und entschieden uns für ein frühes Mittagessen. Ich nahm Dorschfilet, das aber ziemlich eklig paniert und frittiert war. Dazu gab es Kartoffeln vollkommen ohne Soße, wie trocken ist das denn? Habe die für den Fisch bestimmte Remoulade an die Kartoffeln geschmiert, so ging das einigermaßen.

Der Wetterbericht per WLAN / Internett war nun eher schlecht, aber inwieweit wir dem Wetterbericht auf dieser Tour glauben durften, hatten wir ja in den vergangenen Tagen gesehen... Für den Bm73 nach Trondheim fuhren wir gestärkt wieder auf das Fjell hoch. Paar Mittagsmotive waren noch in Kongsvoll offen. Und zunächst schien es auch so, dass dort ein großes blaues Loch auf uns warten würde. Ja, es hatte auch auf uns gewartet. Erst als wir da waren, verlagerte es sich. Die nächste Viertelstunde zog nun ständig die Wolkenkante an uns lang. Unser Motiv war dunkel, der Bahnhof ca 500m weiter hatte fast andauernd Licht. So gelang letztenendes vom verspäteten Rt 41 nur ein Teleschuss beim Halt im Bahnhof, in dem tatsächlich drei Fahrgäste gewartet hatten. Überhaupt schien diesmal der Güterverkehr wesentlich pünktlicher zu laufen als der Personenverkehr. Bitter...

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Der Blaue steht bestimmt zwei volle Minuten in Kongsvoll um drei Reisende aufzunehmen.

Für den Güterzug, den wir aufgrund der Rt-Verspätung schon ständig von unten erwartet hatten (gestern hatte er uns ja auch vor Durchfahrt des Blauen von hinten überrascht), suchten wir uns nun allerdings lieber ein Motiv mit größeren Sonnenchancen, denn in Kongsvoll hatte es gut zu gemacht. Wir gingen von einer Kreuzung in Drivstua aus und fuhren dem Güterzug paar Minuten voraus. Im Rückspiegel war er jedenfalls noch nicht zu sehen. Diesmal hatte es den Bf Hjerkinn mit vollem Sonnenschein erwischt.

Also am Bahnhof das Auto geparkt und über die Gleise rüber auf die andere Seite. Ein Campermobil stand ungünstig neben dem EG. Zwei Insassen waren fleißig am Fahrplanheftchen lesen. Auch Eisenbahnfreunde? Anstelle uns mit Kameras zu folgen, verließen sie aber zum Glück den Bildausschnitt. Auch gut. Der Blick in die Richtung, aus der der Güterzug kommen musste, war nun etwas kurios. Der Güterzug stand schon da! Nicht im Bahnhof, sondern vorm Einfahrsignal. Nachdem aus Richtung Fokstua ein Skl eingefahren war, durfte auch der Güterzug wieder beschleunigen. Ob wir ohne diese Skl-Kreuzung noch ein Bild vom Gt 5704 geschafft hätten? Glück gehabt!

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Der Cargonet-Güterzug und das schmucke Empfangsgebäude von Hjerkinn. Architekt war Erik Waldemar Glosimodt, der auch die EGs von Fokstua, Kongsvoll und Drivstua baute.

Der Wetterbericht hatte für den Süden tendenziell besseres Wetter angesagt. So waren wir auf die Idee gekommen, mal paar Nordfahrer bei einer schönen Fotokurve westlich Kvam, ein ganzes Stück südlich von Otta, aufzunehmen. Zum ersten Güterzug pressierte es nun schon wieder ganz schön. Aber zunächst kamen wir sehr zügig voran, auch wenn ich ja der Meinung war, dass die Korrektur der Zielankunft im Navi nach unten doch noch all zu langsam voranschritt. In Dombås hatten wir offenbar eine Tarnhaube auf, jedenfalls schnitt mir eine Olsche mit paar Kindern an Bord am Kreisverkehr so richtig die Vorfahrt. Ich erlaubte mir etwas, das man im norwegischen Straßenverkehr ja nur bei ganz bösen Fällen macht: Ich habe gehupt! Das eine Kind glotzte uns dafür im weiteren Fahrtverlauf durch die Heckscheibe blöde an. Wer weiß, was für Titel seine Mutti für uns hatte? Zum Glück bog sie bald ab.

Das Glück hielt allerdings nicht lange. Irgendwo hinter Dovre liefen wir auf eine Karawane der Lahmen und Schwachen auf. Im Einzelnen handelte es sich um drei LKWs, einen Linienbus "Lavprisekspressen" (die wollen der Bahn Konkurrenz machen!) und zwei PKWs mit Anhängern. Das ganze Sammelsurium gurkte hinter einem kleinen Mini-PKW her, der meist "nädeli" fuhr, oft aber auch deutlich drunter. Als der PKW abgebogen war, machte der darauffolgende Wagen mit Pferdeanhänger den Bremser. Und der war nun so richtig nervig. Besonders nach Blitzer-Ankündigungen (60er und 70er-Zone), ging der Typ auf 40 runter. Es gab absolut keine Chance, den los zu werden, weil dahinter immerhin noch ein LKW kam. Wir bekamen plötzlich Riesen-Appetit auf Pferdefleisch...

Und die Zeit war nun wirklich knapp. Der von uns zu fotografierende Zug sollte in Sjoa, dem Ort vor dem Motiv, Kreuzung mit dem in Hjerkinn aufgenommenen Zug haben. Und dann fuhren wir auch noch am Abzweig zur Feldwegbrücke vorbei. Im Navi war ja jede Privatstraße drin, aber diese Feldwegbrücke fehlte. Dennoch ging alles gut. Als wir an der Brücke ausstiegen, war zwar ein nahe gelegenes Blocksignal grün, aber der Zug tauchte erst nach etwa 5 Minuten auf. Besonders schön war hier, dass wirklich kaum noch Wolken am Himmel waren. Nachdem der Gt 5731 bei Sonne abgegangen war, war die Welt wieder in Ordnung.

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Gerade noch geschafft: Der Güterzug bei Kjørem, westlich von Kvam.

Als das Blocksignal, das nach dem Zug natürlich auf Rot gegangen war, nur ganz kurz wieder grün wurde, dann zum Nachdenken erlosch und dann wieder Rot zeigte, war klar, der im Bildblatt enthaltene Holzzug würde noch nicht folgen. Die Erlaubnis war gewechselt worden und der Gt 5704 rollte von Sjoa heran. Hinter Kvam beschreibt die Bahn einen Rechtsbogen, da müsste der Zug Licht auf der Front haben. Also da hin, natürlich mit Schlenker zum Bahnhof Kvam, um sicher zu stellen, dass hier nicht Kreuzung mit dem Holzzug ist. War nicht, 5704 hatte grüne Durchfahrt. So trafen wir gerade am Standpunkt hinter Kvam ein, da ertönte auch schon ein Tröt und der Gt 5704 kam um die Ecke. Wir konnten gerade noch die Kamera hochreißen und haben den Tf hoffentlich nicht zu sehr erschreckt, weil wir noch paar Schritte in Richtung eines unbeschrankten BÜs machen mussten.

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Nochmal der Zug von Hjerkinn östlich von Kvam.

Nun konnten wir wieder zu unserer schönen Feldwegbrücke zurückkehren. Dort ließ es sich sehr angenehm warten. Es dauerte nun aber eine ganze Weile, bis das Blocksignal wieder zum Nachdenken ausging und für "unsere" Richtung dann Fahrt zeigte. Nil bandelte jetzt erstmal mit paar Damen an, die ein Stück weiter am Grasen waren. Insbesondere die mit der Ohrmarke 190 rief ständig zu ihm rüber. Der Holzzug tauchte leider nicht auf. Dafür machten es die Wolken jetzt sehr spannend. Doch der nächste Containerzug Gt 5701 kam noch mit schönem Sonnenschein durch. Allmählich hatte man von den CargoNet-Güterzügen auf der Dovrebahn genug. Es gab ausschließlich El14 zu sehen. Langweilig!

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Nil übt sich als Rinderflüsterer...

Wir starteten nun noch eine kleine Erkundung talabwärts, doch dort hing auch eine dichte, hohe Bewölkung. So nahmen wir eine hoch am Hang verlaufende Panoramastraße (schöne Bahn-Ausblicke!) zurück nach Kvam. Zwischen Sjoa und Otta nahmen wir die Nebenstraße auf der Bahnseite des Flusses. Die Bahn war hier schön freigeschnitten, die Ausblicke mit den typischen Gutbrandsdal-Bauernhöfen und dem Fluss dahinter prima frei. Natürlich war jetzt die Sonnne schon hinter den Bergen verschwunden. Das dürfte sich nur im Sommer ausgehen, weil die Zeit zwischen vernünftigem Seitenlicht und Sonne-hinter-Berg sehr kurz ist. Ansonsten ging es auf der E6 wieder zurück.

Ein Check im Bahnhof Dombås ergab, dass der eine Talent-Umlauf wohl immer noch im SEV betrieben wird. Vielleicht kommt ja eine Ersatzgarnitur aus Di4 und drei Wagen? ;-) Nun fehlte nur noch der "Kunstzug", der Rote nordwärts, für den wieder mal nirgends mehr richtig Licht war und den wir nochmal gegen den hellen Himmel bei den schwarzen Hütten südlich Fokstua machten. Vielleicht war es aber auch weniger die Lust auf Fotos für die Tonne, als die Lust auf den netten Spaziergang auf einem vernünftigen Weg durch das duftende Kraut im Angesicht der nur noch schemenhaft erkennbaren Sonne.

Es ging weiter wie jeden Abend: Supermarkt - Hütte - Essen kochen. Diesmal machten wir nochmal ein indisches Gericht. Dann wurde der unterwegs bereits angefangene Reisebericht fertig geschrieben. Anschließend gab es von Nil paar Fotos zu sehen. Es gab Frankreich und Schweiz. Erst gegen Mitternacht kamen wir in unsere Kojen.

Freitag, 25.09.2009: Dombås - Tangen

Zwar hatte ich wie gewohnt für 6.30 die Littig aktiviert und dann nach einer schönen Dusche auch gefrühstückt, doch war es draußen derartig trübe, dass ich danach wieder in die Koje gekrochen bin. Gegen 9 Uhr gab es den zweiten Aufstehversuch, diesmal erfolgreicher. In Ruhe räumten wir die Hütte leer und machten sauber (ja, sie schien uns sogar hinterher sauberer als vor unserem Einzug!). Dann ging es zunächst nach Dombås, wo tanken und Bahnhof guggen auf dem Programm stand. Danach gab es einen kurzen, schmerzlosen Abschied vom Fjell, wo wir nur zum Wettercheck nochmal bis kurz vor Fokstua hochfuhren. Es hing aber ganz schön dicke drin, so dass wir uns entschieden, einem Güterzug, der gerade südwärts fuhr, ein Stück voraus zu fahren.

Die Wetterprognose war für heute bei allen Anbietern sehr vernichtend gewesen, egal ob für Dombås oder weiter südlich. Doch als wir hinter Dombås um die Ecke bogen, sahen wir in der Ferne bereits hellen Schein über dem Gutbrandsdalen. Und ab Sel wurde es richtig sonnig. Hinter Otta konnten wir nicht länger warten. Wir fuhren das Auto an den Rand und kletterten über moosige Steine und schlammigen Boden ans Flussufer. Am gegenüber liegenden Ufer lag ein schön freies Streckenstück. Leider hielt sich natürlich ausgerechnet hier so eine kleine Feder- oder Fönwolke hartnäckig. Wir waren nicht ganz sicher, ob der Gt 5732 volles Licht hatte, aber auf dem Bild sah es eigentlich ganz gut aus.

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Güterzug zwischen Otta und Sjoa.

Sicher waren wir hingegen, dass wir hier auch den Roten gern hätten. Abgesehen von einzelnen Fönwolken war der Himmel blau. Da konnten wir locker mal eine Dreiviertelstunde warten. Erst kam noch der Rt 41 nordwärts. Den Bm73 gab es aus anderer Perspektive mit Bauernhof. Für den Roten Rt 42 suchten wir hingegen wieder die Uferstelle von eben auf. Leider hatten sich jetzt plötzlich und überraschend recht dicke Schleier gebildet, die einen Teil des Lichtes schluckten. Ich belichtete lieber mal etwas reichlicher. Die Spiegelung, die beim Güterzug noch vorhanden war, war nun leider verschwunden.

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Der Blaue mit Hof Melem und den senkrechten Felsen.

Es ging weiter gen Süden. Das Wetter war jetzt richtig schön und irgendwie gar nicht "skandinavisch". Hohe Schleierwolken waren durchaus noch an einigen Stellen vorhanden, aber weitestgehend war der Himmel blau. Hinter Kvam fuhren wir mal kurz die Panoramastraße hinauf, weil wir bei Otta vor der Kreuzung der Rt-Züge schon meinten, einen Tröt eines von Norden einfahrenden Zuges zu hören, der sich dort von Rt 42 überholen ließ. Vielleicht fuhr heute der Bedarfsgüterzug von Åndalsnes? Wir hatten richtig gehört, doch es handelte sich nicht um den Güterzug, sondern eine Stopf- und Bettungsreinigungsmaschine von Leonhard Weiss. Ein weiterer Grund, hier hoch zu fahren, war wieder mal so ein krankhafter Langsamfahrer, der vor uns gewesen war und hinter dem sich schon eine lange Autokette gebildet hatte.

So etwa ab Ringebu hatten wir den Corso allerdings schon wieder eingeholt. Was mindestens genauso auf die Nerven ging: Unser Auto hatte schon seit ca anderthalb Wochen eine deutliche Neigung zum Quietschen. Und zwar in verschiedenen Tonlagen und auch aus verschiedenen Richtungen. Zumeist hatte sich unser Avensis allerdings nach einer halben Stunde beruhigt und war wieder still. Doch heute gab es heftiges Dauergequietsche, so dass die Leute sich schon nach uns umdrehten. Gut, dass wir das Auto übermorgen abgeben konnten!

Weil uns das mit dem hilflosen Autofahrer vor uns, der wohl 10-20 km/h zu wenig fuhr, auf den Zeiger ging, und weil wir Hunger hatten, war hinter Ringebu mal wieder der Veikro "8kanten", das achteckige Lokal, für eine Pause angesagt. Die Portion Lövstek und Pommes war gut und reichlich und längst nicht so trocken wie die Geschichte gestern. Danach quietschten wir zügig weiter. Zwar kann man da unten keine leere E6 erwarten, aber die Leute fuhren wenigstens das, was man durfte, gelegentlich vielleicht auch a bissle mehr. Der Mjøsa lag nahezu wolkenfrei da. Erst ab Hamar durften wir misstrauisch werden. Da war ein kleines Wolkenfeld mit einigem Dunst drumherum. Eigentlich war das ja klar, dass das für unser Ziel, die Fotokurve von Tangen, zuständig sein würde.

Ein Stück hinter Hamar wurde der Verkehr sehr zähflüssig. Hier geht das erste Stück der Autobahn der Vollendung entgegen. Der Verkehr wurde aber jetzt noch ganz blöde über irgendwelche Auf- und Abfahrten und dortige Kreisverkehre geleitet, so dass sich gerade in der Gegenrichtung im starken Freitagsverkehr ein langer Stau gebildet hatte. Auch die Abfahrt Tangen war völlig neu und an veränderter Stelle. Aber wir fanden mühelos zur Fotokurve. Aus dem Schleierzeug waren wir "natürlich" nicht hinaus gekommen. Vor uns war der Himmel hingegen strahlend blau. Überraschend war nun der Blick zurück: Da war fette Bewölkung hinter uns hergekommen. Dem Zeug hätten wir wahrscheinlich gar nicht entfleuchen können. Den Rt 45 gab es nur mit Minimallicht in der Kurve, schade!

Für einen südfahrenden Rt von Lillehammer suchten wir jetzt südwärts nach Standpunkten, wobei ich dort ja eigentlich schon von vor einigen Jahren wusste, dass da nicht so recht was zu holen ist. So war es dann auch. War zum Glück nur ein Triebwagen. Der nächste Nordfahrer sollte nun allerdings definitiv eine El18 mit B5-Wagen sein. Viele Motive für Nordfahrer fielen uns nicht ein, auch eine kurze Suche nördlich Tangen hatte keine Ergebnisse gebracht. So ging es mal wieder an die Fotokurve, wo eine dicke schwarze Katze bald Freundschaft mit Nil schloss. Rt 324 (Bm70), Rt 323 (El18) und Rt 47 (Bm73) klappten mit mehr oder weniger Licht in der Kurve.

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Der Rote mit den B5-Wagen in der Fotokurve von Tangen.

Zwischenzeitlich waren wir auch am Camping Tangenodden gewesen, wo mal wieder nur eine Rufnummer aushing, die wir anwählten. Ja, in einer halben Stunde könnten wir dort eine Hütte bekommen. Prima! Am Platz angekommen, äußerte der Wirt erstmal seine Freude über mein Norwegisch und dass ja viele Deutsche nach Norwegen kämen und nichtmal englisch könnten. Bezüglich der Hütte handelte er sich selbst von 890 NOK pro Nacht auf 1000 NOK für beide Nächte herunter. Wirklich, ich musste gar nichts sagen. Erst war er bei 690 pro Nacht, dann nur noch bei 1000 NOK für zwei Nächte. So billig habe er noch nie eine Hütte vermietet, meinte er. Ganz nüchtern erschien er uns übrigens nicht...

Wir tätigten nun im örtlichen Sparmarkt noch paar Einkäufe, nahmen noch schnell den Gt 5704 von der falschen Seite in Espa mit und richteten uns dann in der Hütte gemütlich ein. Nudeln mit Hacksoße sollten es heute Abend sein. Als Verdauungs"spaziergang" ging es nach dem Essen an den See. Wir hatten einen richtig warmen und sternenklaren Abend. Und das Ende September in Norwegen! Am anderen Seeufer konnte man gelegentlich die Lichterkette eines Zuges beobachten.

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Güterzug in Espa am Mjøsa.

Re: [NO] Reisebericht Bergen- und Dovrebahn (7)

geschrieben von: tbk

Datum: 27.10.09 21:56

Danke für die bilder! Sehr interessant, dass es immer noch viele strecken mit holzmastenoberleitung gibt!

Re: [NO] Reisebericht Bergen- und Dovrebahn (7)

geschrieben von: Der Bimmelbahner

Datum: 28.10.09 04:19

Hallo Jan,

vielen Dank für diese feinen Fotos. Mit dem Wetter hattet ihr wirklich Glück.
Mir wurde Mitte September mehrmals bestätigt, dass der Sommer (bzw. das dazugehörige Wetter)
erst mit dem September kam. Von daher also dieses Jahr genau die richtige Zeit zum Urlaub machen in NO!

Beste Grüße
Der Bimmelbahner

Re: [NO] Reisebericht Bergen- und Dovrebahn (7)

geschrieben von: carpe-noctem

Datum: 28.10.09 10:11

Grandiose Bilder! Ein schöner Bericht.

C.N.

Su-pi! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 28.10.09 11:39

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Re: Su-pi! :-)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 28.10.09 23:44

Ich fidne die Bilder sehr interessant, besondern aus dieser gegend wo ich im Jahr 2006 mla war.