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[NO] Reisebericht Bergen- und Dovrebahn (5)

geschrieben von: Jan vdBk

Datum: 14.10.09 20:15

Moinmoin!

Nachdem Nil in Teil 4 mal wieder von schönem Wetter berichten konnte, bin ich nun für den nächsten Ortswechsel zuständig. Von Voss sollte es nach Dombås gehen, von der Bergen- an die Dovrebahn. Auf die Fahrt quer durch freuten wir uns beträchtlich, würde man doch die Vielfältigkeit der norwegischen Landschaft voll "erfahren".

Die ersten Teile:
Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de]
Teil 3: [www.drehscheibe-foren.de]
Teil 4: [www.drehscheibe-foren.de]

God tur wünscht
Jan




Sonntag, 20.09.2009: Voss - Dombås

Wir wurden von Regen geweckt, der an unsere Scheibe klopfte. Dies war ja auch so ähnlich angekündigt gewesen. Daher hatten wir uns schon von vornherein auf einen entspannten Tagesstart eingestellt. Erstmal gab es um 8 Uhr ein ausführliches Frühstück, dann schauten wir noch kurz ins Internet. Die heutige Vorhersage für Dombås trieb uns allerdings doch bald zum Aufbruch, denn dort sollte die Sonne scheinen. Um 9.45 ging es los. Das Navi sagte, dass wir die 11.30-Fähre ab Vangsnes locker bekommen würden.

(Nachtrag: Wie ich nach dem Urlaub von einem Kollegen erfuhr, der ab heute in der Hardangerfjord-Region südlich Voss Urlaub machte, soll es dort tagelang nur geschüttet haben).

Nach der Überholung einiger Nädlifahrer (schweizer Ausdruck für die Autofahrer, die sich strichgenau an die Tempobegrenzung lt Tacho halten und damit reell immer zu langsam fahren) ging es auch zügig voran. Erster Höhepunkt war schon mal das Vikafjell. Beeindruckend ist ja der Ausblick vorm Anstieg, wenn man auf die Felswand schaut, an der der Straßenverlauf in diagonalen Zick-Zack-Linien zu erkennen ist. Oben im Gebirge ein herrlich flammender Herbst. Die Straße wand sich oberhalb der Baumgrenze durch die karge Bergwelt. Hinter einem Tunnel plötzlich eine Lichterscheinung: Die Sonne kam hervor, über dem Sognefjord herrschte offenbar schon richtiger Sonnenschein.

http://www.blockstelle.de/n26/090920-01.jpg
Im Vikafjell.

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Der Sognefjord kommt in Sicht.

Über eine langgezogene Gefällestrecke ging es wieder abwärts. Es dauerte nicht lange, da schimmerte voraus (aber noch sehr tief unten) die Wasserfläche des Sognefjordes, auf der sich geschäftig verschiedene Fährschiffe bewegten. Unterhalb von uns, tief unten in dem Tal, oberhalb dessen wir abwärts glitten, war irgendein Happening zugange. Bereits beim Fotohalt oben auf dem Fjell hörten wir aus der Tiefe merkwürdige Lautsprecherstimmen. Irgendwelche Waldwege standen voller Autos. Bald hatte man den Landgrund von Hove erreicht, durch den es mit Serpentinen weiter in die Tiefe ging. In Viksöyri hatten wir den Sognefjord erreicht, an dessen Ufer es noch das kurze Stück bis Vangsnes ging. Unsere Fähre näherte sich bereits.

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Unsere Fähre nähert sich dem Anleger, während wir uns einen geographischen Überblick verschaffen können.

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Da bietet sich ein Blick auf unsere heutige Tagesetappe an...

Insgesamt waren wohl etwa 10 Autos auf der Fähre. Sicher nicht gerade ein lohnendes Geschäft... Wir hatten von der Fähre einen beeindruckenden Ausblick auf Balestrand und den Vetlefjord. Die dahinter liegenden Berge waren in Wolken eingehüllt und über den Fjærlandsfjord, auf den wir jetzt zufuhren, bildete sich ein Regenbogen.

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Blick auf Balestrand, den Vetlefjord, fette Wolken und einen Regenbogen.

Nach der Fährüberfahrt erwies sich die Gesetzmäßigkeit, dass die Autos längere Zeit in der Reihenfolgen fahren müssen, in der sie von der Fähre kommen, mal wieder als richtig. Von Hella bis hinter Sogndal hatten wir dieselben zwei PKWs von der Fähre vor uns. Das war allerdings nicht schlimm, da beide vernünftig fuhren. Der Trip entlang des Sognefjordes war zwar landschaftlich sehr nett, aber ich persönlich finde es auf die Dauer dann doch eher langweilig, immer am Ufer eines Fjordes langzufahren und noch ne Bucht zu umrunden und noch ne Bucht usw... Hermansverk und Sogndal waren allerdings hübsche Orte. In Sogndal mussten wir dreimal vor einem Zebrastreifen anhalten...

Hinter Sogndal ging es bergauf ins Gebirge (wie ich dachte). Doch der Abschnitt war nur kurz und bald senkte sich die Straße erneut in Richtung Fjord. Nun ging es ziemlich lange am Lustrafjord entlang. In Skjolden war es allerdings wirklich soweit. Wir konnten uns vom Sognefjord und seinen Nebenfjorden verabschieden und die Straße führte ins Gebirge hinein. Im Fortunsdalen hatten wir Glück und fanden einen netten Veikro, in dem wir zu Mittag speisen konnten. Es gab hervorragende Kjøttkaker mit Kartoffeln, Karotten und Weißkohl. Dazu nahm ich mir einen selbstgemachten Milchshake. Mmmmmh! Nach dem Essen noch einen schönen Kaffee und weiter konnte es gehen.

Nun führte die Straße so richtig in die Höhe - oftmals nur einspurig. Netterweise machten einige langsame Autos Platz, wenn man vorbei wollte. Dumm war nur, dass man nach so einer Überholung nicht unbedingt an den Rand fahren mochte, um zu fotografieren. Das Wetter war hier sehr wechselhaft. Die Sonne beschien die feurige Herbstlandschaft gelegentlich, doch die Wolken nahmen ca 50% des Himmels ein. Weiter oben mussten wir allerdings doch mal paar Bilder machen. Die Straße führte ganz schön lange durch das hohe Gebirge. Bald hatte man tolle Ausblicke auf einen großen Gletscher, den Smørstabbreen. Unweit dessen erhebt sich der höchste Berg Norwegens, der Galdhöppigen, mit 2469m.

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Ganz oben im Gebirge.

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Kann der Herbst schöner sein?

Durch das Leirdalen gelangte die Straße nun wieder unter die Baumgrenze und weiter in die Tiefe. Der Abstieg erinnerte mich zum Teil doch sehr an den Abstieg durch das Sjodalen ein Stück weiter östlich. Hinter Lom nahm der Verkehr deutlich zu. Leider hielten hier einige Unter-Nädeli-Fahrer den gesamten Verkehr auf, doch nach einiger Zeit waren wir an dem ganzen Tross vorbei. Die Verbindungsstraße aus dem Ottadalen rüber nach Sel an die Dovrebahn ran war nagelneu angelegt und jetzt durchgängig asphaltiert. Hinter Sel ging es auf DIE norwegische Straße, ohne die ein Urlaub wohl nicht auskommt. Die E6. Als uns zwei Polizeiwagen (seltener Anblick in Norwegen!) entgegen kamen, musste Nil mir unbedingt erzählen, dass in den USA auch aus fahrenden Polizeiwagen heraus geblitzt werden könne. Nun, ich konnte nur hoffen, dass diese Technik noch nicht ihren Weg nach Norwegen gefunden hatte... Dafür gab es hier eine andere neue Technik, doch das sollten wir leider erst morgen kapieren.

Das Bildblatt wies uns um 17.00 eine Kreuzung zwischen TÅGAB-Zug nordwärts und einem vermeintlichen Cargolink-Zug südwärts in Dombås aus. Das war auch der Grund gewesen, weshalb wir es ein kleines bischen eilig hatten. Wettertechnisch hatte der Himmel inzwischen sehr gut aufgemacht. Nur noch wenige Wolken zierten den Himmel. Leider hingen gerade über dem Dovrefjell, wo wir uns eigentlich hinstellen wollten, deutlich mehr Wolken. Dummerweise war auch die vorgesehene Stelle lichttechnisch noch gar nicht geeignet. So landeten wir mal wieder am guten alten Sporntunnel südlich von Dombås und nahmen dort erstmal den südfahrenden Rt 44 als Nachschuss mit.

http://www.blockstelle.de/n26/090920-26.jpg
Der Blaue vom Sporntunnel aus.

Dann war die große Frage: Kommt jetzt der TÅGAB-Zug als erstes oder wird womöglich von hinten der (vermeintliche) Cargolink-Zug auftauchen? Irgendwie hatten wir es im Blut, dass man Zügen aus Richtung Dombås die Aufmerksamkeit schenken sollte, und kletterten mal um den Sporn rum, so dass wir auch Züge von Norden machen konnten. Das ging zwar nur spitz im Streiflicht und man stand doch arg dicht am Abgrund, doch leuchteten hier die Herbstfarben ausgesprochen nett. Und tatsächlich tauchte der erwartete Gt 5716 bald von Norden her auf. Es war allerdings nicht Cargolink, sondern eine ordinäre CargoNet-Fuhre mit El14. Aus der anderen Richtung tat sich gar nichts, so dass wir von Norden auch noch Rt 46 mitnahmen.

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Blick zur anderen Seite des Sporntunnels, der eher einem Felsentor ähnelt und eigentlich Skjelletunnel heißt.

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Blick vom selben Standpunkt ins Tal. Unmittelbar hinter der beleuchteten Fläche liegt unser Campingplatz Faksfall im Dunkel.

Der sollte in Dovre mit dem nordgehenden Roten kreuzen. Die Sonne war zwar schon arg dicht am gegenüber liegenden Berghang, doch der Rote konnte noch gehen. Statt eines Roten von unten kam allerdings eine Baumaschine von oben angefahren. Bis die in Dovre wäre und der Rote dann bei uns, war die Sonne gewiss weg. Per UMTS mal nachgeschaut, was der Rote so treibt. Das Ergebnis: NSB opplyser, dass Rt 45 leider aufgrund technischer Probleme am Zug mit +59 unterwegs sei. Nun ja, Beileid an die Fahrgäste.

Wir fuhren nun beim Faksfall Camping vor. Da wir es vorhin schon erfolglos probiert hatten und auch jetzt alle Fenster des Hauses dunkel waren, rechneten wir gar nicht damit, dass jetzt jemand da wäre. Und Nil übte sich in Sturmklingeln... Aber es war doch jetzt jemand zuhause. Die Wirtin kam und mochte wohl denken, dass der Klingelknopf einen Kurzschluss hätte. Aber mich erkannte sie natürlich als Stammkunden :-) Sie teilte uns mit, dass leider nur die großen Hütten verfügbar seien. Aber genau auf die hatten wir es ja abgesehen :-) Da wir mindestens drei Nächte bleiben wollten, gab sie uns die Riesenhütte mit Du/WC, großem Wohnraum und zwei Schlafräumen für 500 NOK die Nacht (normal 600). Dagegen konnten wir nichts sagen! Und die Hütte war mal wieder urgemütlich, die zwei Schlafräume ideal für unser nächtliches Um-die-Wette-Sägen...

Nach dem Einchecken ging es mal wieder, wie schon so oft, "in die Stadt". Erstmal schauten wir am Bahnhof vorbei, wo der Rote mit nunmehr 80 Minuten in der Kreide stand und wo zahlreiche Reisende warteten. Auch den fast im Block folgenden Bm73 nach Trondheim und den Talent nach Åndalsnes schauten wir uns noch an. Dann ging es zum Centrumsgrillen, wo wir endlich mal eine Hamburgermahlzeit einwarfen und schon mal ein Konzept für die nächsten Tage entwarfen.

Montag, 21.09.2009: Dombås - Rondane - Drivstua - Dombås

Es gibt Tage, an denen man am besten im Bett bleibt. Heute war einer davon. Aber fangen wir von vorn an. Der Himmel war bewölkt, als der Handywecker mich mit der sehr angenehmen Stimme von Rebecca Littig und einer Musik aus dem Tatort "Heilig Blut" weckte. Deshalb schnell wieder hingelegt. Gegen 8 standen wir aber auf. Wir hatten leider nichts fürs Frühstück im Hause. Deshalb wollten wir einfach nur paar Sachen zum frühstücken aus dem Supermarkt holen. Der Kiwi, der ab 7 geöffnet hätte, wurde leider gerade komplett umgebaut. Die anderen Supermärkte öffneten erst um 9. Super! Zum Zeitvertreib mal am Bahnhof geschaut, was sich denn bei Cargolink so tut. Planmäßig soll hier rund um 9 Uhr die Vereinigung der Autozüge von Åndalsnes und Trondheim stattfinden.

Tatsächlich war der erste Zugteil schon da und die Zuglok (Di6 / ex NOB-ME26 mit Beschriftung "Mein Weg. Der Nahverkehr in Schleswig-Holstein") parkte bereits wieder an ihrem üblichen Standplatz. Bald tauchte der Zug aus Trondheim auf. Als Zuglok fungierte hier die Hector-Lok "R2D2". Paar Containerwagen wurden auf dem Streckengleis draußen stehen gelassen und mit dem Rest setzte sich R2D2 vor den Åndalsneser Zugteil. Mit allem wurden nun die draußen wartenden Containerwagen aufgenommen, so dass reinrassig vorne Autowagen und hinten die Container von beiden Streckenzweigen dran hingen.

Wir beschlossen, mal nach Dovre zu fahren, wo Nil ein "Stammmotiv" hatte. Dort war auch gerade etwas Sonnenlicht im Tal zu sehen, denn erste blaue Flächen zeigten sich am Himmel. Dort angekommen, ging erstmal der Talent nach Lillehammer ohne Sonne durch. Der Hector folgte auf dem Fuße. Als er hinten auftauchte, war noch kein Licht. Ich ließ die Kamera liegen. Doch die beschienene Fläche kam deutlich näher, und der Zug fuhr langsam durch eine La-Stelle, da vor Dovre offenbar gebaut wurde. Nun schnell zur Kamera gegriffen. Doch weshalb kann ich nicht fokussieren? Zug kommt näher. Und weshalb wird keine Blende angezeigt? Zug kommt immer näher. Sonne ist voll da! Gestern hatte ich die Speicherkarte getauscht, sitzt da was nicht richtig? Speicherkarte raus, rein, selber Zustand wie vorher. Zug war da. Wunderbar im besten, prallsten Morgenlicht vor schwarzen Wolken! Abdrücken ging! Bild angeschaut. Aaaaaaaaahhhhggggggrrrrrrrrrrr!

Jeder einigermaßen mit Fotografie bewanderte Mensch wird mir jetzt sagen, dass die Anzeichen vorher doch wohl eindeutig von einer fehlenden Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv sprachen. Weshalb nicht einfach mal Objektiv ab- und wieder anschrauben? Nun, unmittelbar nach Zugsvorbeifahrt habe ich das ja auch gemacht, und alles war wieder gut. Aber wenn der Zug schon auf einen zu kommt, kann schon mal in Panik das klare Denkvermögen aussetzen. Bei mir jedenfalls... Das Bild war also bei Offenblende aufgenommen und damit um rund 5 Blendenstufen überbelichtet worden. Das herrliche Morgenlicht auf dem Zug überstrahlte als ein weißer Brei. Da wird auch keine RAW-Rettung mehr hinhauen... Nil stand ein Stück weiter vor und bei ihm war die Sonne zu spät aufgetaucht. Gerade Lok und erster Wagen hatten wohl Sonne abbekommen.

Mit entsprechender Laune kauften wir im Coop zu Dovre erstmal ein und fuhren zum Frühstück in die Hütte. Am Himmel waren ja durchaus paar blaue Löcher. Und der Rote würde ja nun bald südwärts kommen. Weiterer Ärger war vorprogrammiert. In Ruhe frühstücken und den Roten Roten sein lassen oder schnell frühstücken und sich dann darüber ärgern, weil die Eile doch kein Sonnenbild eingebracht hat? Wir frühstückten erstmal in Ruhe. Ich schaute gar nicht auf die Uhr, es hatte sich bei mir eine gewisse "@#$%&egal"-Haltung breitgemacht. Doch Nil wurde irgendwann zappelig. Ok, schnell noch aufs Töpfchen und dann los. Nebenan war übrigens ein Däne dabei, palettenweise Bier in die Nachbarhütte zu laden. Sollte da heute Abend noch Ramba-Zamba sein?

Eine Minute vor dem Roten waren wir auf der Hochfläche vor Fokstua. Der Zug kam bei einer gewissen Helligkeit durch, aber von Sonne konnte man keineswegs sprechen. Wir fuhren dem Zug jetzt einfach mal voraus, da weiter südlich ein Ende der hier mittlerweile herrschenden Wolkendecke zu erkennen war. Erstaunlicherweise kamen wir einzig durch den vor Dombås gewonnenen Vorsprung, wo der Zug ja durch die Haarnadelkurven muss, dem Zug bis vor Ringebu voraus! Etwas mulmig waren uns zwei neue Blitzer zwischen Dovre und Sel, die mit "avsnittsmåling" (Abschnittsmessung) angekündigt wurden. Sollten das solche Teile wie in Österreich sein, bei denen die Zeit genommen wird, die Du von einem zum anderen Blitzer brauchst? Wir hielten uns die 5 km zwischen beiden (in Gegensatz zu gestern...) brav an die 80 km/h.

http://www.blockstelle.de/n26/090921-02.jpg
Der Rote braust durch die Fokstumyra und wirbelt auf dem frisch geschotterten Gleis einigen Staub auf.

Vor Hundorp war die blaue Fläche noch etwa genau so weit vor uns wie bei Abfahrt in Dombås. Wir gaben es auf, offenbar zog die Bewölkung genau mit uns mit. In Hundorp schauten wir zum Bahnhof runter, der vom Zug immer einen netten Eindruck vor der Kulisse eines Gutshauses machte. Doch konnten wir nicht so recht den idealen Standpunkt entdecken. Kurz vor Ringebu ließen wir den Roten an uns vorbei fahren. Wir wollten nun einen anderen Kurs einschlagen, für den sich im Nachhinein das Aufstehen auch durchaus gelohnt hatte: Es sollte über den Rondanevegen nordwärts nach Hjerkinn gehen.

Es ging nach Verlassenn des Gutbrandsdalen natürlich gleich steil aufwärts. Auf der Nebenstraße waren wir erstaunt über ordentlich viel Verkehr. Den Grund erkannten wir bald: Da oben an der Baumgrenze gibt es riesige Feriengebiete mit großen Hüttenansammlungen und verstreut liegender Infrastruktur (zwei Supermärkte, ein Kirchlein). Und das alles mitten in der kahlen Bergwelt. Kahl war es hier tatsächlich, denn hier war die Vegetation mit dem Herbst praktisch durch. Die Birken waren alle kahl. Nach dieser Siedlung wurde die Verkehrsdichte etwas geringer. Nach einer wieder mal wunderschönen Hochgebirgsfläche ging es wieder in den Herbstwald hinunter (hier waren die Blätter noch dran). Dort trafen wir bald auf die Straße Atna - Folldal, der wir nordwärts folgten.

Bald tauchten die Gipfel der Rondane vor uns auf. Der Rondane-Nationalpark beherbergt eine Gruppe von einigen sehr markanten und hohen Berggipfeln, die für sich zusammen stehen. Als wir gerade noch so dachten, dass man ja mal fotografieren müsse, tauchte vor uns schon das Hinweisschild für einen Aussichtspunkt auf. Wir parkten dort, sahen aber nur Bäume. Doch in ultramoderner Architektur war hier ein Beton-Balkon durch den Wald hindurch bis zur freien Aussicht gebaut worden. Und der Ausblick von diesem Sohlbergsplassen war traumhaft. Harmonischer hätte man die Blick-Bestandteile der Rondane-Gipfel, des Atnsjøen und der herbstlich gefärbten Bäume nicht in ein Bild zusammen fügen können. Der Maler Harald Sohlberg hatte von ähnlicher Perspektive wohl zahlreiche Bilder "seiner" Rondane-Berge produziert, eines davon war am Aussichtsbalkon abgebildet. Wir nahmen uns die Zeit, hier etwa eine halbe Stunde auf Sonne zu warten.

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Blick vom Sohlbergsplassen auf die Rondanegipfel. Da fehlt doch nur noch der rörende Elch im Vordergrund ;-)

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Der durchgestylte Aussichtsbalkon selbst.

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An der Straße vor Folldal.

Über Folldal und vorbei am Bauernhof Sletten, von dem ich schon manch herrliche Tour gestartet habe, gelangten wir nach Hjerkinn. Paar blaue Flächen waren zu sehen. Aber irgendwie nicht an der Bahn. Nach einigem Hin und Her machten wir den nördlichen Fjellabstieg als am sonnenverwöhntesten aus und fuhren erst zum Bahnhof Drivstua, wo ein Montagsbedarfszug nicht kam und wo der Bergschatten bald alles einnahm, und dann noch ein Stück weiter nordwärts. Als wir gerade so am Sondieren von möglichen Stellen für den nächsten Blauen waren, kam dieser auch schon. Huch, das ging ja schnell. Unsere Bilanz der selbstverhunzten Sonnenbilder mit Zug blieb damit für heute bei 100% und war bloß im absoluten Wert von 1 auf 2 gestiegen. Na ja, siehe erster Satz des heutigen Berichtes...

Wir fuhren nun wieder gen Dombås, hielten gelegentlich auf dem Fjell nochmal zaudernderweise an, weil ja doch mal Sonne und könnte nicht und wenn vielleicht doch und haste nicht gesehn... Irgendwie gelang es uns aber doch, in Dombås anzukommen. Erstmal kauften wir ein, dann schauten wir zum Bahnhof hoch. Die ME26 wurde kurz von gutem Sonnenschein erfasst. Doch noch ein Bahnbild mit Sonne? Das brachte jetzt unsere ganze Bilanz durcheinander. Doch es sollte schlimmer kommen...

http://www.blockstelle.de/n26/090921-17.jpg
Man sieht sich immer zweimal. Eine alte Bekannte aus Schleswig-Holstein.

Über dem Talausgang Richtung Raumabahn etablierte sich ein richtig großes blaues Loch. Und ein Talent von der Raumabahn sollte ja bald anstehen. Wir schauten uns erstmal die Jorabru am Stadtrand an, doch das Licht war schon viel zu weit rum. So ging es zum altbekannten Wegübergang an einem Bauernhof ca 500m westlich. Die Sonne hielt sich wirklich phantastisch und brachte einiges Herbstlaub zum Leuchten. Rt 2346 kam im besten Licht durch. Da der Nachschuss-Blick sehr schön gewesen war, der leere Fahrersitz aber durch das tief stehende Licht bestens zu erkennen war, beschlossen wir, auch noch den Gegenzug Rt 2345 hier abzupassen.

http://www.blockstelle.de/n26/090921-20.jpg
Das Fjell-Ei rast nach Dombås.

Nun zogen langsam wieder Wolken auf die Sonne zu und hatten die auch regelrecht umzingelt. Aber das fetzige Licht blieb in voller Intensität erhalten. Wir rechneten schon gar nicht damit, dass es wirklich halten würde, aber tatsächlich ging sich Rt 2345 hier erneut mit herrlichem Licht aus. Damit war die Selbstverhunzungsbilanz dann doch nur noch bei knapp 50%, wenn man das gelungene Stand-Bild der ME26 mitrechnet.

http://www.blockstelle.de/n26/090921-24.jpg
Das Fjell-Ei verschwindet wieder in die Wildnis und nach Åndalsnes.

In der Hütte gab es Tikka Masala. Der Geruch erinnerte mich an den 146er Bus, mit dem ich in Hamburg zur Arbeit fahre...

Ob Nil im nächsten Teil wieder für schönes Wetter zuständig ist, werdet Ihr von ihm sicher in wenigen Tagen lesen...





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:14:20:25:07.

Fantastische Landschaften! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 14.10.09 20:37

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Re: [NO] Reisebericht Bergen- und Dovrebahn (5)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 14.10.09 21:28

Jan vdBk fotografierte und schrieb:
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> http://www.blockstelle.de/n26/090920-25.jpg

> Kann der Herbst schöner sein?

Nein!

Dachte ich und wurde einige Bilder später eines Besseren belehrt.
Wie habt Ihr Petrus rumbekommen Euch solch herrliches Wetter (für skandinavische Verhältnisse) zu zaubern?


Absolut neidvolle Grüße von Niels
Hallo Jan,
vielen Dank für diese wunderbaren Fotos! Und die 'alte Bekannte' aus SH: Mit Schneepflug sieht sie eben doch noch besser aus;-)

MfG
Karsten
Jan und Nil: Einfach klasse, Eure Berichte. Super-Fotos, auch (und vor allem) abseits der Bahn. Danke für´s zeigen!

Die Bahnbilder waren überflüssig!

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 15.10.09 10:26

Hej!

Danke für die wunderbaren Aufnahmen, dieses Mal fand ich die Bahnbilder überflüssig, fast jedenfalls http://www.postvagnen.com/forum/images/smilies/wink.png. Anders gesagt, die Landschaftsbilder waren für mich der Höhepunkt.

Viele Grüße, Sören


Edith setze sicherheitshalber einen Smaili.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:15:10:43:59.