Hallo zusammen,
im Vorfeld einer Fahrt nach Tatvan am Van-See mit dem Vangölü Express wollte ich mit Google Maps die Zufahrt vom Bahnhof Tatvan zum Hafen (Tatvan Iskele) erkunden. Bei der Suche habe ich mir die Zeit genommen und bin die Strecke Richtung Mus „abgewandert“ und habe bei der Betrachtung diese Entdeckung beim Bahnhof Rahova gemacht:
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maps.google.de]
Meiner Nase folgend war mir klar, um was es sich bei dieser Aufnahme handelt. Ein undokumentiertes und unbekanntes Gleisdreieck. Da stellt sich natürlich die Frage, welchen Sinn und Zweck ein Gleisdreieck erfüllt, wenn wenige Kilometer weiter am Endpunkt der Strecke in Tatvan eine Wendeschleife existiert, die genau den gleichen Zweck erfüllt wie die Anlage in Rahova:
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maps.google.de]
Im Nachhinein fällt die Erklärung recht leicht. Der Streckenabschnitt Mus-Tatvan wurde 1964 fertiggestellt. Zu dieser Zeit gab es noch keine Pläne mit der Fährverbindung eine Verlängerung über Van und Kapiköy via Tabriz nach Teheran in den Iran zu realisieren. Diese Verbindung wurde erst sieben Jahre später 1971 in Betrieb genommen.
Dazu kommt, dass die geografischen Verhältnisse in Tatvan keine Anlage eines Gleisdreiecks zugelassen haben. Der Bahnhof liegt auf einer Anhöhe; der tiefer gelegene Hafen ist mit einer Spitzkehre auch erst seit 1971? erreichbar. Aus der baulichen Not heraus wurde die Anlage der nötigen Wendemöglichkeit für ganze Züge und Lokomotiven daher 1964 weiter westlich verlegt. Der Bahnhof Rahova in Nähe des Nemrut Dagi gelegen hat sich dafür angeboten, da er völlig unbesiedelt über ausreichend ebenes Terrain verfügt.
Die Zeit des aktiven Betriebs auf dieser Anlage endete wahrscheinlich kurz nach der Inbetriebnahme der Verbindung nach Van Anfang der 70er Jahre und dem Bau der Wendeschleife unterhalb des Bahnhofs Tatvan. Die folgenden Aufnahmen sind während der Durchfahrt mit dem Vangölü Express entstanden. Der Zug hält in diesem Bahnhof nicht.
Falls jemand von euch beabsichtigt diesen Bahnhof zu besuchen und das Gleisdreieck zu Fuß abzuwandern (ich weiß, es gibt hier einige Exoten mit dem Hang zum Ungewöhnlichen) beachtet folgenden Hinweis. Diverse verlassene Bahnhöfe zwischen Elazig und Tatvan sind Soldatenunterkünfte und hier gilt absolutes Fotografierverbot.
Persönlich froh, dass meine Spekulation und Anfrage [
www.drehscheibe-foren.de] sich nicht als Fata Morgana erwiesen hat, hier nun einige Bilder.
Zuerst ein Ausschnitt aus der Streckenkarte der TCDD über den betreffenden Streckenabschnitt – markiert mit dem Pfeil und der Ellipse. Rahova ist die letzte Station vor Tatvan.
Bild 1:
Bevor wir Rahova erreichen, durchfährt zwischen Mus und Tatvan der Zug diverse Tunnelanlagen oder Schneegalerien. Im Winter liegt hier meterhoch der Schnee. An den Stellen, wo heftige Schneeverwehungen herrschen, wurden diese Bauwerke aus grobem Beton angelegt. Flachstelli hat letztes Jahr in seinem ausgezeichneten Bericht über eine Fahrt mit dem Transasia-Express nach Teheran schon darauf aufmerksam gemacht.
Bild 2:
Bild 3:
Bild 4:
Wir erreichen den Bahnhof Rahova. Unverkennbares Indiz dafür, dass dieser Bahnhof nicht mehr in Betrieb ist, sind die alten Bahnhofsschilder. Die TCDD hat alle Bahnhöfe, die in Betrieb sind, in den letzten Jahren mit einem neuen Design beschildert. Ob der vorgelagerte Turm ein Wasserturm oder Wachturm bzw. Aussichtsposten ist?
Bild 5:
Bild 6:
Es folgt als grobe Zeichnung ein Gleisplan des Bahnhofs Rahova.
Bild 7:
Auf der linken Seite seht ihr den linken Schenkel des Gleisdreiecks.
Bild 8:
Bild 9:
Bild 10:
Der Zug durchfährt mit ca. 40-50 Stundenkilometern den Bahnhof. Wir sehen jetzt den anderen Schenkel des Dreiecks, …
Bild 11:
Wobei sich das Ende, mit Platz für komplette Züge zum Wenden, an den Ausläufern der Berge befindet.
Bild 12:
Im Hintergrund ist rechts der Nemrut Dagi zu sehen. Der berühmtere der beiden Vulkane mit den Statuen befindet sich jedoch in der Nähe von Malatya.
Bild 13:
Bild 14:
Bei der weiteren Fahrt nach Tatvan erreichen wir den anderen Schenkel.
Bild 15:
Bild 16:
Bild 17:
Bild 18:
Bild 19:
Bild 20:
Bild 21:
Bei den folgenden Aufnahmen habe ich noch schnell die Seite gewechselt und wir sehen die Ausläufer des Bahnhofs mit seinen umfangreichen Gleisanlagen.
Bild 22:
Bild 23:
Bild 24:
Das Ende des Bahnhofs ist mit einem langen Ausziehgleis erreicht.
Bild 25:
Und wir verabschieden uns von dem Bahnhof mit einem letzten Blick auf die Strecke.
Bild 26:
Soweit der Stand der Dinge und alle Bilder vom Sommer 2009 nach einem Schauer und noch regenverhangenem Himmel.
Bilder © BrakerBahn
Der Beitrag über eine fast komplette Übersicht über die Gleisdreiecke, Wendeschleifen und Drehscheiben in der Osttürkei in den Regionen 4, 5 und 6 wird wahrscheinlich nächstes Jahr fertig sein.
Grüße
Alex
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:10:07:12:55:23.