Hier sind einige Bilder, die in der ersten Septemberwoche in Kayseri aufgenommen wurden.
Stadtbahn:
Kayseri nimmt am dem Stadt- und Straßenbahnboom der Türkei teil. Nach vier Jahren Bauzeit ist die Stadtbahn "KayseRay" vor ein paar Wochen eröffnet worden. Ziel der Bahn ist die Reduzierung des Individualverkehrs, den ich aber für eine aufstrebende Millionenstadt für sehr gering halte. Staus gab es nur zwischen 18 und 19 Uhr, wenn alle Leute hungrig und durstig (Ramadan!) nach Hause oder in ein Restaurant wollten.
Von den kurzen Planungs- und Bauzeiten können wir in Deutschland nur träumen. Bei uns wird erst Jahrzehnte lang geplant und debattiert, bis der erste Zug fährt, falls überhaupt.
Das "Netz" in Kayseri besteht aus einer Linie. Aber die Anlagen sind für die Zukunft gebaut. Sicherlich wird es Erweiterungen geben, so dass der Ausdruck "Netz" in ein paar Jahren gerechtfertigt sein wird.
Diese beiden Bahnen warten im Depot. Die Fahrzeuge kommen aus Italien von Ansaldobreda.
Das Depot selber ist mit modernster Technik ausgestattet. Es gibt u.a. aufgeständerte Gleise (erinnert an das ICE-Werk Hamburg Eidelstedt) und eine Unterflurvermessung- und Radsatzdrehmaschine.
Dieses Universalfahrzeug dient u.a. zum Rangieren von Bahnen, die sich nicht aus eigener Kraft fortbewegen können.
Neben dem Depot befindet sich die Station Organize Sanayi.
Ein Zug fährt dort aus...
...und einer ein.
Bei der Station Stadyum. Dort befindet sich das große nagelneue Stadion, welches auch die Bedingungen für Fußballländerspiele erfüllt. An einem Abend fand dort das EM-Qualifikationsspiel Türkei gegen Estland statt, welches vom Gastland mit 4:2 gewonnen wurde.
Bei der Station Yeni Sanayi mit den für Kayseri typischen Hochhäusern.
Auffällig ist auch hier das Rasengleis, welches fast die gesamte Strecke der Stadtbahn zu einem 17 km langem grünen Band durch diese Millionenstadt macht.
Im Stadtzentrum: Cumhuriyet Meydani. In Hintergrund das Hilton-Hotel.
Einige Stationen sind unter Straßenkreuzungen verlegt worden. Oben drüber sieht es so aus.
Am Ostende der Strecke: Dogu Terminali. Dort erkennt man den Eingang zu dem Bahnsteig mit seinen Drehkreuzen. Alle Stationen sind mit ein oder zwei Aufpassern besetzt, die sich sofort einer Trillerpfeife bedienen, falls jemand versucht, sich auf illegalem Weg Zutritt zu der Station zu verschaffen. Der Lärm der Trillerpfeife gehört nun zur ständigen Geräuschkulisse der Stadt.
Einzelfahrscheine für die Stadtbahn kosten 1,20 TL und können 60 Minuten lang in beliebiger Richtung benutzt werden. Auch das Umsteigen in den Bus ist damit möglich.
Bahnhof:
Auch die große Eisenbahn gibt es in Kayseri.
Vor dem Bahnhof ist ein kleiner Park mit historischen Fahrzeugen. Z. B. dieser Draisine...
...und dieser Dampflok.
Auf den Achslagern des Tenders steht KPEV.
Und wie dieses "Datenblatt" zeigt, ist die Maschine deutscher Herkunft. Einen Hersteller konnte ich nicht ausmachen.
Hinter dem kleinen Bahnhofspark ist das Bahnhofsgebäude, welches gar nicht zu einer Millionenstadt passen will.
Auch die Bahnhofshalle ist wie das übrige Bahngelände gut gepflegt.
Personenzüge verkehren selten, es dominiert der Güterverkehr. An einem Abend waren Bahnhofshalle und Bahnsteig voller Leute. Es sollte der Transasia-Express nach Teheran fahren. Planzeit war 17:30, aber um 18:40 war er noch immer nicht da. In Kayseri leben viele Iraner, die vor dem Regime in ihrer Heimat geflüchtet sind. Die Reisenden sind Verwandte, die ihren Besuch zu Ramadan bei ihren Angehörigen beendet haben und nun wieder zurückfahren.
Den Transasia-Express habe ich nicht mehr gesehen, dafür haben diese beiden DE22 einen kurzen Stop im Bahnhof gemacht. Vielleicht haben sie mit dem Transasia-Express gekreuzt.
An einem anderen Tag gab es westlich des Bahnhofs diese DE33 zu sehen, deren Lackierung an die Farben Russlands erinnern.
Diese kleine Lok scheint für Rangierarbeiten im Bahnhof zuständig zu sein.
Hier ist sie bei der Arbeit. Aufgenommen von der Brücke östlich des Bahnhofs.
Und noch einmal zwei DE22 ohne Zug.
Lokdepot:
Westlich des Bahnhofs liegt ein Lokdepot mit einen Rundlokschuppen.
An der Eingangspforte steht auf einem als Brücke modellierem Zaun ein Modell einer DE24. Die Ersteller haben mit Liebe zum Detail gearbeitet. Im Dunkeln zeigten sich die Lampen der Modelllok in bester Funktion.
Auch in dem Depot ist eine Dampflok als Denkmal abgestellt.
Laut Fabrikschild ist sie bei Nohab gebaut worden.
Dieses Datenblatt nennt als Herkunft trotzdem Almanya. Merkwürdig.
Off Topic:
Touristen scheint es in der Stadt keine zu geben. Vermutlich werden sie vom Flughaben direkt zu den Highlights Kappadokiens gekarrt um abends wieder nach Istanbul zurückzukehren. Aber auch in der Stadt gibt es interessante Orte. Die Stadtväter haben keine Mühe gescheut, die Stadt zu illuminieren. So werden die Oberleitungsmasten der Stadtbahn in der Innenstadt mit Mehrfarb-LEDs mit wechselnden Farben beleuchtet.
Auch die große Moschee wird in der Dunkelheit angestrahlt.
Dieses Denkmal daneben zeigt sicherlich Mustafa Kemal Atatürk.
Diese Moschee neben meinem Hotel hat zuverlässig jeden Morgen um ca. 4:40 Uhr den Weckdienst übernommen, falls der Trommler um ca. 3:10 nicht schon erfolgreich gewesen ist.
Viele Grüße
von
Marcus
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:09:14:23:11:57.