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Hallo Welt,

Teil II folgt da unten. Nach dem einen Tag Koratien bewegen wir uns diesmal über Serbien in den Kosovo und verbringen da einen ersten Tag.
Es ist ein relativ langer Teil, also viel Spass und haltet durch ;)
Btw. Der Kosovo hat noch gar keinen ISO Ländercode, da aber KS frei ist war ICH so frei ;)

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Noch ein Hinweis zu den Berichten vom Kosovo: Wir haben die Ortsnamen konsequent in Albanisch ausgeschrieben und nicht in Serbisch. Dies zur Orientierung, weil teilweise haben die Orte total unterschiedliche Namen (z.B Hani i Elezit = Djeneral Jankovic).
Und noch ein Hinweis, da wir nicht immer an den selben Orten gestanden sind und anschliessend die Bilder getauscht haben kann es sein, das der Text nicht immer 100% logisch zum Text passt.

Allgemeine Informationen zum Urlaub findet ihr im Prolog:
[www.drehscheibe-foren.de]

Die ganzen Berichte und (mehr) Bilder findet ihr bei [www.bahnbilder.ch] oder direkt auf meiner Seite [www.bahnpics.com] bzw. [bahnpics.com]

Und hier noch die Links zu dem Bericht im Forum:
Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de]

Die Karte welche ich jeweils verlinke ist diesmal leider nicht direkt mit der Route drin, mein GPS Tracker wollte nicht. Deshalb einfach so den Kartenausschnitt, teilweise hab ich von Hand noch ein paar Punkte markiert.




Tag 3: Dienstag, 07.07.2009, Slavonski Brod - Fushë Kosovë, 408km

[maps.google.ch]

Text: Pascal Zingg

Eine Konsultation der Wetterkarte verriet uns vor der Abfahrt, dass es Morgen in Pristina schönes Wetter sein sollte, also entschieden wir uns diesen Tag zum Transfertag zu machen. Wir checkten gegen 9:30 Uhr in Slavonski Brod aus, wobei uns der Herr an der Rezeption fragte, wo es denn hin gehen sollte. Als wir ihm sagten, dass wir in den Kosovo fahren, begriff er die Welt nicht mehr. Er gab uns dann aber noch den Tipp, dort unten die Frauen nicht zu genau zu studieren, denn die Männer seien im Kosovo sehr eifersüchtig... Dies wurde bald zum runnig gag. Nach einem kurzen Stopp bei einem Supermarkt fuhren wir auf die Autobahn. Nach ca. einer Stunde Fahrt erreichten wir die serbische Grenze in Sid. Beim Übertritt nach Serbien stellte man uns keine Steine in den Weg, so dass wir kurze Zeit später auf der serbischen Autobahn waren. Obwohl das Wetter nicht gerade berauschend war, entschieden wir uns kurz in Ruma vorbei zu schauen, schliesslich sahen wir vor einem Jahr an gleicher Stelle und etwa zur gleichen Zeit eine Titolok im Bahnhof. Wir fuhren also ab und als wir auf den Bahnhof zufuhren war da etwas Blaues. Nil meinte erst, es könnte ein blauer Container sein, es war aber tatsächlich die 666 001. Wir fuhren also kurz zum Bahnhof um zu fragen, wann denn der Zug fahren würde, allerdings liess sich niemand finden, der zuständig schien. So fuhren wir einfach mal an unsere Stelle, an der wir letztes Jahr von der Polizei vertrieben wurden, schliesslich hatten wir diesmal eine Genehmigung und damit nichts zu befürchten. Es war nun aber klar, dass es dieses Mal niemanden interessierte, was wir dort machten, ausser vielleicht den einen netten Herren, der dachte, wir hätten eine Panne. Nach rund einer Stunde Warten kam dann die 666 001 mit ihren sechs Wagen. Leider war das Licht aber nur mässig brauchbar, so dass kein wirkliches Burner-Bild entstand.

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Die Loks der Baureihe 666 von der Serbischen Staatsbahn (JZ) welche speziell für den Titozug beschafft wurden sind immer noch in Betrieb. Hier Lok 001 mit einem Güterzug von Ruma nach Sabac kurz hinter Ruma.

Da das Wetter aber wie gesagt mehr schlecht als recht war, fuhren wir nach dem Titobild wieder auf die Autobahn und von da immer gegen Osten. Als wir auf der Höhe des Belgrader Flughafens waren, stand plötzlich alle 200m ein Polizist. Wir fragten uns ob dies wohl wegen der Universiade sei, oder was denn genau der Grund für dieses übermässige Polizeiaufgebot sein könnte. Weiter sahen wir, dass es in der Stadt diverse Bushaltestellen auf der Autobahn gab. Nach Belgrad folgte der wahrscheinlich langweiligste Teil der Reise, schier endlos schien die Autobahn bis Nis. Einsames Highlight war dabei der Geisterfahrer, Entschuldigung Rückwärtsfahrer, den wir jenseits der Leitplanke sahen.
Als wir dann endlich in Nis waren, kamen die interessanteren Strassen, wobei vor allem der Belag, weil kaputt und gammlig, interessant war. Obwohl die Strasse eine ziemliche Holperpiste war, überholten wir immer wieder LKWs, dies zeigte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Als wir an einer Tankstelle vorbei kamen, wollten wir eigentlich noch etwas tanken, nur fragten wir uns, ob wir nun den BM oder den BMB Sprit reinlassen mussten? Da wir es nicht wussten fuhren wir weiter. Etwas später fanden wir dann eine bediente Tankstelle und man füllte uns den Tank, hoffentlich mit dem richtigen Sprit. Nach der Tankstelle fuhren wir wenig später auf eine Lastwagenkolonne auf. Schnell ahnten wir, dass dies wohl der Zoll sein musste. Irgendwie war die Lage an der Grenze recht chaotisch, da fuhren alle kreuz und quer, mal überholte ein LKW einen PKW und dann passierte das umgekehrte. Dies war vor allem so, weil PKW und LKW wie überall am Zoll getrennt abgefertigt wurden, die schmale Landstrasse jedoch keine Infrastruktur dafür bot.
Nach einiger Wartezeit kontrollierte man dann unsere Papiere und winkte uns weiter in Richtung des Kosovarischen Zolls. Bevor wir aber zu den Grenzern gingen, mussten wir uns noch die Versicherung fürs Auto kaufen. Wir taten dies und fuhren dann vor zum Zoll. Dort wollte man natürlich wissen, wo wir hin wollten und warum. Nach Fushë Kosovë für Ferien, war unsere Antwort. Der Grenzer wollte uns nicht so recht glauben, dass man im Kosovo einfach so Ferien machen möchte. Wir erzählten ihm deshalb, dass wir Züge fotografieren wollten, weil die speziell seien.
Auf die Frage woher wir von den Zügen wussten, antworteten wir, dass wir die Infos aus dem Internet hatten. Der Grenzer schien uns unsere Geschichte zu glauben und brachte unsere Papiere ins Zollhäuschen. Dort gab es einen Zettel in den Pass, dass wir bei der UNMIK angemeldet seien. Das witzige an der Karte ist dabei, dass die UNMIK anscheinend eine Hotmail-Adresse hat, sehr seriös, wie wir finden. Im Kosovo drin waren wir dann doch etwas erstaunt, wie gut das Land aussah. Im Vergleich zu Serbien schien es tatsächlich ein bisschen weiterentwickelt zu sein. Auch die Strassen waren in einem guten Zustand.

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So begrüsste uns der Kosovo an einem Wolkenverhangenen Tag.

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Verkehrschaos in Pristina, an diesem Kreisverkehr sahen wir 4 Unfälle in nur drei Tagen - hier hat sich ein Lastwagen mit einem Österreicher angelegt.

Auf dem Weg nach Pristina machten wir dann ein wenig Autonummern-Watching. Wir sahen dabei sehr viele Schweizer Nummern, was uns aber nicht weiter verwunderte. In Pristina angekommen mussten wir uns erst einmal durch den Verkehr kämpfen, ehe wir in Fushë Kosovë landeten. Beim Bahnhof fanden wir dann nach einigem Suchen auch ein Hotel. Es heisst Hotel Bali. Das Hotel ist hinter dem Bahnhof versteckt und in einer nicht sehr belebten Gegend, wir fragten uns deshalb, wie sicher wir und vor allem unser Auto in dieser Umgebung wohl sein wird. Nil hatte vorerst jedoch keine Bedenken und meldete uns für drei Nächte an. Pro Person und Nacht kostet uns das übrigens 15 Euros. Das Zimmer ist seine 15 Euros sicher wert (Anmerkung von Nil und Gubi: Zingg hatte die einzige gescheite Matratze erwischt, die Sau!) und bietet einen ausgezeichneten Blick auf den Bahnhof.
Dieser Blick zeigte uns dann auch, dass gerade die 008 am rangieren war. Wir gingen also schnell zum Bahnhof rüber und wollten die Lok ablichten, sie fuhr uns allerdings gleich vor der Nase weg. Wir schauten uns dann noch am Bahnhof um, und wurden prompt von Jugendlichen angequatscht. Sie wollten wissen wo wir wohnten, und was wir hier wollten.
Der eine, geschätzte 20 Jahre alt, habe mal in Düsseldorf gewohnt und sagte uns gleich zu Beginn: Ihr müsst hier aufpassen, weissdu, hier hat ziemliche viele komische Leute, weissdu! Auf unsere Frage, was sie den machen hier kam als Antwort: Ach, nichts .. bisschen abhängen, weissdu. Kam uns doch etwas merkwürdig vor und so ganz sicher fühlten wir uns nicht mehr, weil die waren ebenfalls zu dritt.
Als wir zurück zum Hotel gingen, fragten wir uns, wie sicher wir hier wohl wirklich sind, wobei wir uns vor allem um das Auto sorgen machten. Als ich allerdings meinen Laptop anschmiss und einen Bericht von Michael Frick durchlass, stellte ich fest, dass er auch hier wohnte. Dies beruhigte doch ungemein. So kamen wir dann doch noch zu einer guten Nacht, in der ich von den Nohabs und dem ehemaligen VBL-Bus, welchen wir am Bahnhof sahen, träumte.

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Vor dem Bahnhof wartet der Bus 52 der Luzerner Verkehrsbetriebe auf Fahrgäste die er ins Zentrum von Pristina befördern darf.




Tag 4: Mittwoch, 08.07.2009, Fushë Kosovë - Fushë Kosovë

[maps.google.ch]

Text: Neel Bechtiger

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein... oder auch nicht, denn anstatt der besungenen gelben Kugel war um 7 Uhr beim ersten Fensterblick dichter Nebel vor uns über dem verlassenen Bahnhof Fushë Kosovë. Aha! Ein Blick zum Auto runter: Stand noch da; In die Kameratasche: Alles noch da. Wir konnten gemütlich weiter schlafen. Hatten wir uns also gestern Abend etwas zu viele Sorgen gemacht?! Wir schliefen auf jeden Fall mal weiter, und als kurz vor 9 Uhr der Nebel weg war und die Sonne lachte, standen wir auf.
Ohne Frühstück (die letzte Mahlzeit war das Frühstück in Slavonski Brod) liefen wir gleich mal rüber zum Bahnhof, um uns um die Genehmigung zu kümmern. Bereits im Vorfeld hatten wir uns per E-Mail „angemeldet“ und bekamen die Antwort, dass wir uns direkt vor Ort melden sollen. Am Bahnhof selber war wie erwartet nichts los, auch die Jugend war nicht anwesend, wohl noch im Bett, sofern vorhanden. Am Bahnsteig wurden wir vom Bahnhofsvorstand in Empfang genommen und via sein Büro, in welchem lauter Poster von Schweizer Zügen hingen, gelangten wir an den Empfang, wo man Zyrafete (die Zuständige Person bei der Kosovo Railways) für uns rief.
Zyrafete war sehr nett und stellte uns nach wenigen Minuten eine Genehmigung aus, für alles, irgendwie. Auf Nachfrage, was wir denn damit alles machen können, hiess es: wirklich alles, Eisenbahn fahren, Fotografieren, im BW, auf Strecke, in Bahnhöfen! Sehr nett und unkompliziert ging das Ganze von Statten, nicht mal unser Trinkgeld, welches wir wirklich gerne gegeben hätten, wollte sie. Sie selber war von unserem Tun sehr angetan und erzählte ganz stolz, dass sie letzte Woche in der Schweiz bei ihrer Familie war und die Eisenbahn da doch ganz anders sei. Sie entschuldigte sich sogar dafür, dass die Kosovo Railways nicht mehr zu bieten hätten... wir versicherten ihr aber, genau deswegen da seien ;) Unsere weiteren Fragen wurden dann geduldig beantwortet, Zugverkehr nach Mitrovica fand leider nicht mehr statt, ansonsten fahre alles wie im „Kursbuch“ (es handelt sich dabei um einen Flyer, der im Bahnhof auflag) abgedruckt, auch wenn dieses laut Aufdruck nur bis zum 1.7. gilt. Güterzugfahrzeiten konnten sie uns leider keine besorgen, bzw. sie wusste auch nicht, wer uns die Information geben könnte.
Mit der Genehmigung im Sack ging es ein erstes mal wieder raus. Hm, immer noch nichts los. Da der nächste Zug weit weg war zogen wir es vor, erste mal zum BW, welches etwa 500m in Richtung Süden vom Hotel entfernt war, zu spazieren. Wir liefen dabei an den „Slums“ von Pristina vorbei, die Kinder waren draussen bereits wieder am spielen und der Müllcontainer, welcher gestern Abend gebrannt hatte, war noch immer am rauchen. Ein beissender Gestank lag deswegen in der Luft, was die Anwohner jedoch offenbar wenig störte. Als erste Lok bekamen wir eine „Kennedy“ zu Gesicht, welche auf Hilfsdrehgestellen vor der Wagenhalle abgestellt war. Nebst den fehlenden Drehgestellen sah die Lok auch nicht mehr sonderlich fit aus, wird wohl als Ersatzteilspender verwendet.

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Vor der noch genutzten Wagenhalle und unter dem Wasserturm welcher auch schon bessere Zeiten erlebt hat steht ein Kennedy (ex JZ 661) und wartet wohl nur noch auf den Schneidbrenner. Das ist die erste Szene die vom Gang vom Bahnhof Fushë Kosovë zum BW ins Auge sticht.

Weiter ging es ins richtige BW, und da wurde bald auch ein Wachmann auf uns aufmerksam, aber mit der Ankündigung, eine Genehmigung zu haben, gab er sich zufrieden.
Vor dem einen Schuppen erlegten wir Kennedy 002 …

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Lok 002 der Kosovo Railways wartet im Depot von Fushe auf den nächsten Einsatz.

… und dahinter Nohab 006. Diese Lok war laut Werkstatt mit einem Generatorschaden abgestellt, dieser sei in Serbien in Reparatur. Von den Serben waren die Kosovaren, wie man sich denken kann, nicht sonderlich angetan, deshalb meinte man auch, dass nicht so klar sei, wie lange die Reparatur dauern würde, denn die Serben wüssten natürlich, woher der Generator stammt.

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Lok 006 hingegen wartet nicht auf einen Einsatz sondern auf einen reparierten Generator.

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Lok 006 und 002 im BW von Fushë Kosovë

Weiter standen zwischen und vor den Gebäuden Triebwagen der FS und viele Loks rum, die nicht mehr benötigt wurden und auch dementsprechend aussahen.

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Mit nur kleineren Schäden abgestellt sind die drei ALn668 Triebwagen welche die Kosovo Railways von der UN Behörde übernommen hat. Diese wiederrum hat sie von Italien für den Einsatz erhalten. Seit aber die jüngeren Y1 Triebwagen im Einsatz sind werden die Triebwagen nicht mehr benötigt.

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Hier zu sehen ist Lok 001, doch sie scheint eher als Ersatzteilspender zu dienen. Was es umso erstaunlicher macht, dass die Lok überhaupt noch eine Nummer bekam.

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Eine grosse Reihe mit Schrottloks ist am südlichen Ende des BWs zu finden. Diese 661 welche sogar noch das JZ Logo trägt ist noch mit KFOR beschriftet. Ansonsten finden sich alte Franzosen, Deutsche, Slowenen und viele Serben in der Reihe.

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Schrottloks in Fushë Kosovë

Es waren einerseits einige V60 da, viele GM-Loks, ein Franzose und hinter dem Schuppen stand noch ein SJ-Hobel. Im BW standen NOHAB 008 und 005 (die letzte Lok, die noch nicht neu lackiert wurde), sowie Kennedy 004.

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Ebenfalls in der Halle befindet sich nebst Lok 008 auch die Nohab 005, welche als letzte verbleibende Nohab noch den \"orignal\" Kosovo Lack trägt.

Um Fahrzeiten von Güterzügen in Erfahrung zu bringen, fragten wir uns dann bis zum Depotchef durch, aber dieser konnte uns nichts sagen oder verstand unsere Frage nicht ganz. Aber für uns war das kein Problem, wir waren erstmal wieder zufrieden. Auch er wollte übrigens kein Trinkgeld, auch wenn wir ihn direkt in der Pause (um halb 11?) gestört hatten ;)
In der prallen Sonne ging es dann zurück, so dass wir gegen 11 Uhr wieder im Hotel waren. Draussen war es schon gemein heiss und wir dementsprechend total verschwitzt. Rausfahren bei dem Mittagslicht wollten wir nicht, so beschlossen wir, die folgende Züge, einer aus Han i Elzit und einer aus Pejë, im Bahnhof oder dessen direkten Umgebung erlegen. Jugendliche, die anscheinend nichts zu tun hatten und an einem Bahnhofsende sassen, veranlassten uns dann dazu, das Schauspiel der ankommenden NOHAB am anderen Ende zu geniessen. Ich hatte zwar unser gesammeltes Kleingeld in der Tasche, aber man wusste ja nie. Es wirkte schon etwas befremdlich auf uns, und die Leute konnten einem Leid tun. Nichts zu tun und wohl kaum Geld... Da einige ja bereits in der Schweiz oder in Deutschland waren, wusste man auch nicht so recht, wie gut diese auf einem zu sprechen waren, da einige ja vermutlich nicht freiwillig zurück in den Kosovo kamen.
Mit dem Zug aus Hani i Elezit kam NOHAB 007, sie zog vom Zug weg und mit einem freudig winkenden und aufs Horn drückenden Lokführer fuhr sie ins BW.

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Lok 007 erfreut sich bester Gesundheit und durcheilt hier den Bahnhof von Fushe nach der Ankunft mit einem Personenzug aus Hani i Elezit.

Da der Zug den Bahnhof erst in über einer Stunde wieder verlassen sollte, dachten wir, sie gehe ins BW und gut; wir latschten daher zurück zum Hotel. Kaum im Zimmer kam aber NOHAB 005 im alten Lack vom BW nach vorne und setzte sich vor den Zug. Hmm... also nochmal raus und den Zug im Bahnhof fotografieren, leider wegen der praktisch achsig stehenden Sonne aber nicht ideal. Wie wir da so standen kam der Bahnhofchef wieder und wollte die Genehmigung sehen, ihn interessierte wohl eher, was wir da genau für einen Zettel bekamen, als dass er uns das Fotografieren verbieten wollte. Er selber hatte uns ja am Morgen noch zur passenden Person gebracht ;)
Der Zug stand still und wir waren fertig, nun stand der Zug aus Pejë auf dem Plan. Es war zwar nur ein Triebwagen, aber bekanntlich soll man auch solche nicht verachten :)
Am besten im Licht kam der Zug beim BW in der Einfahrtskurve, so liefen wir mal dort hin. Auf dem Weg dahin sahen wir nebst dem kleinen Jungen von gestern (diesmal habe ich ihm etwas Kleingeld gegeben) auch wieder den stinkenden und noch immer rauchenden Müllcontainer ;) Der Zug, gebildet aus zwei Y1, kam pünktlich und wir erlegten ihn von einem Gebäude runter mit Minarett im Hintergrund.

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Insgesamt 4 Y1 hat die Kosovo Railways von Schweden erhalten, hier befinden Triebwagen 02 + 04 auf den letzten Metern vor Fushë Kosovë. Noch bis zum Bahnhof von Pristina müssen Sie als Zug 4201 fahren.

Dann war etwas Eile angesagt, wir liefen zurück zum Auto um aus der Stadt raus in Richtung Hani i Elezit zu kommen. Ziel war der Nachmittagzug mit NOHAB von Fushë Kosovë nach Hani i Elezit. Schwitzend stiegen wir ins Auto und los ging die „wilde Fahrt“ durch die Vororte von Prishtinë. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, unseren Chevy zu lenken... vorbei an VBL- und Postauto-Bussen ging es bis zum zentralen Kreisverkehr (aka Mörderkeisel) am Rande des Stadtzentrums, welcher dank Bauarbeiten viel mehr Verkehr verkraften musste als bei der Planung wohl vorgesehen. Irgendwie kamen wir aber durch und waren schon auf der Strasse in Richtung Skopje. Die Ausfallstrasse in diese Richtung war fertig und vierspurig, bei dem eher bescheidenen Verkehr waren Geschwindigkeiten von gegen 100km/h möglich... theoretisch zumindest. Und wieder fielen uns die sehr vielen unfertigen Bauten auf. Entweder war kein Putz auf den Fassaden oder die Gebäude befanden sich noch gänzlich im Rohbau. Auffällig waren auch die vielen neuen Tankstellen, welche im Gegensatz dazu jeweils immer fertig gebaut waren. Als sich die Spuren auf eine Spur verengten sank die Geschwindigkeit massiv, viele Trecker, LKWs und Pferdefuhrwerke verunmöglichten ein schnelles Vorwärtskommen. Dazu kam die meist kriminelle Fahrweise der Kosovaren, was die ganze Angelegenheit für gemütlliche Schweizer nicht einfacher machte.
Bis Lipjan hatten wir gefühlt genug Vorsprung vor dem Zug, um mal eine Fahrt in ein Zentrum zu wagen. Wie erwartet ging es langsam durch das Städtchen, bis wir direkt am Bahnhof landeten. Dieser machte einen netten Eindruck und sollte das erste Motiv für unseren Zug werden. Der Bahnhof war gut besucht, es warteten eine ganze Menge Leute auf den Zug. So warteten wir auf der Güterrampe vor dem Auto. Der freundliche Herr, welcher uns ein Parkticket verkaufen wollte, zog wieder ab, als wir meinten, dass wir in 5 Minuten wieder weg seien. Der Zug kam pünktlich, spuckte eine Menschenmasse aus und frass ebenso wieder eine in sich hinein. Mit lautem Getöse verliess der Zug den Bahnhof vor unserer Nase.

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Lok 005 hat zwei ex SJ Personenwagen als Treni Lokal (Regionalzug) 4103 nach Hani i Elezit am Hacken. Nicht wenige Menschen warten am Bahnhof von Lypian auf die Ankunft. Ein Orchester spielte nicht für den Zug, auch wenn es der Trommler am linken Bildrand vermuten lässt.


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Und als alle drin waren ging es gleich weiter in Richtung Hani i Elezit.

Eine Verfolgung war zwar von uns geplant, ob sie von Erfolg gekrönt sein würde mochten wir aber nicht ausrechnen. Der Zug brauchte für 25 Kilometer zwar 30 Minuten, ob man mit dem Auto aber einen 50er-Schnitt erreichen würde... wohl eher nicht. Es ging schon bei der Fahrt vom Parkplatz los, die ganzen Automassen, welche vor dem Bahnübergang gewartet hatten, mussten erst mal durch, was die ersten drei Minuten kostete. Bis Ferizaj hatten wir den Zug nicht eingeholt, so fuhren wir weiter auf der Hauptstrasse und hofften, ihn weiter hinten noch zu erwischen. Die Hauptstrasse überquert die Strecke ein einziges mal über eine Strassenbrücke, und es passte! Ich dachte bei der Anfahrt noch, langsam, schauen ob was geht, falls der Zug noch nicht durch ist. Auf der Brücke schrieen die Beifahrer aber „Er kommt!“. Ich hielt an, schmiss die beiden raus, fuhr weiter und wendete, um den Verkehr nicht noch weiter unnötig zu blockieren ;) Es reichte für die beiden und der Zug wurde wieder erwarten ein zweites mal nett erlegt.

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Zug 4103 mit Lok 005 ein zweites mal erwischt kurz vor dem Bahnhof von Gurëz.

Dann brauchten wir erstmal wieder etwas Abkühlung, welche wir im nahe gelegenen Mini Market fanden. Diese Tante-Emma-Läden sind praktischerweise überall und in grosser Anzahl an den Hauptstrassen vorhanden sind. Im Geschäft wurden wir, oh Wunder, wieder sofort als Ausländer erkannt und ein anwesender Kunde kam mit uns ein wenig ins Gespräch, auch er war natürlich mal in Deutschland, wie so viele andere Leute auch. Wir konnten unsere Betriebstemperaturen mit Eis und etwas Getränk gemütlich senken und fuhren dann zur Stellensichtung mal nach Ferizaj rein. Da gab es eine sehr interessante Stadtdurchfahrt, anders kann ich es nicht beschreiben. Die Bahn ging direkt durch das Städtchen, es wurde zentimetergenau geparkt und die Bahngleise dienten mehr als Wanderweg als die stark befahrene (und viel zu schmale) Strasse nebenan. Die Fotomöglichkeiten lagen vor allem für den Vormittagszug gut, was uns im Moment nichts brachte, aber es war notiert. Weiter drehten wir noch eine Runde durch die Stadt, ehe wir zurück zur Brücke fuhren. Wir wollten da mal warten, in der Hoffnung, dass noch ein Güterzug käme, man wusste ja nie, und auf den Bildern von [www.nohab-gm.de] konnten wir erkennen, dass gegen Nachmittag gelegentlich Züge unterwegs waren. Wir standen auf die Brücke und wollten mal warten, mindestens bis zum IC aus Skopje, der in fast zwei Stunden sicher kommen würde. Genug Zeit auch für die zahlreichen Quellwolken, sich zu verflüchtigen.
Aus reiner Langweile begannen wir mal etwas die Autos zu vergleichen. Resultat: Deutlich mehr als die Hälfte konnte man als modern bezeichnen. Erstaunlich, vor allem im Gegensatz zu Serbien war dieser Anteil extrem hoch. Weiter erstaunlich war, dass in Serbien die nicht modernen Autos meist alt und Ostmarken waren, also Yugo, Skoda, Lada etc. Im Kosovo waren die „alten“ Autos aber zu 90% Deutsche Marken. VW, Mercedes, Opel, Audi... alles war vertreten. Bei den LKWs sah die Statistik etwas anders aus.
Während wir warteten, tauchte auf einmal ein Güterzug im Bahnhof von Gurëz auf. Es war allem Anschein nach Lok 009 der Kosovo Railways, die mit Abstand modernste Lok der Firma, eine G 1700 aus Kiel, hübsch lackiert und anscheinend wieder im Einsatz. In der aktuellsten uns bekannten Fahrzeugliste war sie als abgestellt mit Unfallschaden aufgeführt. Bevor der Zug bei uns vorbei kam wurde aber erst noch ein Waggon in ein Industriegleis rangiert. Nach 20 Minuten war dann alles fertig und der Zug zog an uns vorbei, aber leise und ohne ein Räuchlein ;(. Da hat der parallel fahrende Traktor deutlich mehr Lärm und Abgase produziert.

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Die mit Abstand modernste Streckenlok der Kosovo Railways, Lok 009, fährt hier mit einem gemischten Güterzug welcher aus Mazedonien nach Hani i Elezit gelangt ist gen Pristina. Im Bahnhof von Gurëz welcher hinten noch zu erkennen ist wurde kurz rangiert und dann ging es auf bis zum Endpunkt des Zuges, bei Mirandi, dem Rbf von Pristina nur wenige Kilometer entfernt von Fushë.


Da bis zum IC nur noch 30 Minuten Zeit waren und wir die Stelle auch etwas seitlicher verwursten konnten, blieben wir und warteten, ohne dass wirklich etwas weiteres geschah, abgesehen davon, dass wir von den ganzen Autofahrern angeglotzt wurden. Der IC aus Skopje, mit der unverschämt langen Zuggarnitur (2 Wagen ;)), rollte mit etwa fünf Minuten Verspätung mit der erwarteten NOHAB unter uns durch.

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Lok 005 hat nun den IC 892 aus Shkup / Skopje am Hacken und fährt hinter Gurëz an uns vorbei, Endbahnhof selbstverständlich für den einzigen Internationalen Zug im Kosovo; Pristina Hauptbahnhof.

Eine Verfolgung schlossen wir im Vornherein aus, aber wir wollten den Leerzug vor der Stadtkullise von Pristina erlegen. Dazu mussten wir aber erstmal rein in diese Stadt, was mit Müh und Not gelang. Der grosse Kreisverkehr war wie erwartet immer noch total überlastet, wir kamen aber hinter einem LKW gut durch :)

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So etwas gibt es überall im Kosovo zu sehen, halbfertige Gebäude auf der grünen Wiese. Nicht selten sind die Gebäude aber zumindest teilweise Bewohnt.

Da die Stelle mit der Kulisse gleich neben dem Kreisverkehr auf einer Strassenbücke lag, mussten wir in der direkten Umgebung parken. Ein bewachter Parkplatz lud uns geradezu ein. 2,50 Euro wollte der von uns für 30 Minuten haben, war zwar vermutlich etwa 5 mal zuviel, aber wir hatten es eilig und wir waren froh, überhaupt etwas schlaues gefunden zu haben.
Auf der Brücke ging die Warterei los, doch anstatt von vorne kam der Zug erstmal von hinten und stellte sich, etwas unerwartet, an den Haltepunkt Sh. Ekon. Wir benötigten die ganze Minute Standzeit, um auf der Brücke die Strassenseite zu wechseln, relativ illegal zwischen dem Verkehr hindurch. Gerade so gelang noch das Foto vom IC.

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Lok 005 befindet sich mit IC892 aus Skopje auf dem letzten Kilometer vor dem Endbahnhof Pristina. Der Haltepunkt Sh. Ekon welcher direkt neben dem Zug liegt wurde natürlich von diesem Zug auch bedient!

Dieser fuhr dann nach hinten und blieb auf einmal stehen. Da wird doch nicht... Da ist doch nicht...? Doch, genau da war er, der „Hauptbahnhof“ von Pristina, mitten im... Nichts? Naja nicht Nichts, aber Stadtzentrum ist etwas anderes. Die Lok setzte über die Handweichen um und kam relativ bald wieder zurück.
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Der Bahnhof wirkt unscheinbar, trotzdem ist er relativ Zentral in Pristina gelegen, dies offenbart aber erst der Blick über die Büsche und Gebäude. Hier ist Lok 005 beim Umsetzen.

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Lok 005 hat umgesetzt und steht im Bahnhof von Pristina, sie hängt am GZ 4403 zur Fahrt nach Fushë Kosovë. GZ ist in diesem Falle ein \"Garniturë e Zbrazët\", also eine Leergarnitur welche aber für reisende Freigegeben ist!

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Lok 005 verlässt mit GZ4403 den Bahnhof von Pristina

Wir liefen zum Auto zurück und sahen am Kreisverkehr den zweiten Unfall (wir kamen inzwischen drei mal am Kreisverkehr vorbei und zweimal hats gekracht). Zwei Frauen waren sich in die Seite gefahren, da aber keine Schuld sein wollte blieben die mal mitten im Kreisel stehen ;) Am Parkplatz holten wir unseren Wagen wieder ab, der Herr grüsste freundlich, hatte Freude an uns, und wir fuhren in das Chaos hinein. Der Unfall der Frauen war aus dem Weg, mit der Polizei hat man sich an den Rand gestellt, dafür hatten sich in unserer Schlange zwei andere die Seite zerkratzt, und auch die blieben erstmal stehen. Die Quote zeigte: Der Kreisel war anfällig ;) Wir passierten ihn ohne Probleme, fuhren über die Hauptstrasse bis nach Fushë Kosovë zu unserem Hotel.
Das geplante Abendessen musste aber noch etwas warten, denn die Sonne stand noch am Himmel und im BW sollten jetzt jene Loks gut im Licht stehen, welche morgens nur bedingt gut standen, z.B. Kennedy 002. Am nun wieder brennenden Müllcontainer vorbei liefen wir ins BW.
Da begannen wir gleich mit der Arbeit und vergassen, uns anzumelden, was wir eigentlich in Zukunft machen wollten. Der Security-Mann verschwand aber schnell wieder, als er die Bewilligung gesehen hatte und wir machten weiter. Auf dem Weg zu den Lokleichen kam aber noch ein Chef mit dem Security im Schlepptau und wollte die Genehmigung auch noch sehen. Wir hatten zwar nicht verstanden, was die beiden miteinander diskutieren, aber als der Chef den Namen der Person auf der Bewilligung las machte er eine abschätzige Geste in Richtung Bahnhof und sagte etwas. Wir deuteten dies so, dass er mit der Arbeit der Bürolisten nicht ganz einverstanden war. Auf meine Frage „Problem?“ Reagierte er nicht und gab uns den Wisch zurück.
Wir wussten zwar noch immer nicht genau was da wirklich in Albanischer Sprache stand, aber es musste genug präzise gewesen sein um auch einem alteingesessenen Chef den Wind aus den Segeln zu nehmen ;)

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Ruhe ist eingekehrt im BW von Fushë Kosovë, Lok 007 hat sich neben 002 in die letzten warmen Sonnenstrahlen gestellt und wartet auf den nächsten Tag.

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In den letzten Sonnestrahlen wärmt sich Lok 007 und schaut zum Minarett rüber.

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Hinter dem BW steht noch ein Traktor welcher ebenfalls von Schweden ins Land gelangt ist.

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Lok 001 steht prominent und alleine abgestellt, wobei sie nicht viel besser in Schuss ist wie die ganzen Verwandten welche links in der Lokreihe vor sich hin gammeln.

Nach der Runde im BW liefen wir gemütlich zurück, am BÜ zwischen Lok- und Wagen-Betriebswerk quatschte uns von der Seite über zwei Gleise ein Päärchen an und fragte, ob wir Deutsche seien. Ich antwortete wie immer „Nein, Schweizer“, da kam ein Daumen nach oben als Antwort. Nett! ;) Am BÜ selber war ein uns bekannten Eisenbahner dabei mit dem Funkgerät irgendwas am hantieren, wir warteten also mal ab, denn umsonst ist der bestimmt nicht hierher gelaufen. Und tatsächlich, im allerletzten Sonnenlicht kam die uns noch fehlende NOHAB von der Pejë-Strecke bis zum BÜ gefahren, setzte um und verschwand im BW.

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Im nun allerletzten Licht kommt Lok 008 leer aus Drenas zurück und stellt sich für den verdienten Feierabend ins BW vor Lok 007.

Wir liefen zurück, kreuzen unterwegs noch einige Eisenbahner und Security, die uns alle freundlich grüssten, man scheint uns also schon langsam zu kennen. Am noch immer brennenden Müllcontainer vorbei ging es zurück zum Hotel und nach dem abladen der Ausrüstung gleich weiter, um etwas zu Essen zu suchen. Unterwegs kam uns der Junge von gestern und vom Morgen entgegen, er hob nur die Hand und ich schlug ein... der Kleine ist cool ;) Nur 500 Meter vom Bahnhof entfernt fanden wir ein nettes Lokal, welches in einem gepflegten (!!) Gartenlokal auftischte. Es gab die Albanische Spezialität des Hauses, zusammen mit einem Peja, dem besten Bier des Kosovo (so suggeriert es die Werbung ;)). Es war herrlich, und pünktlich rief der Muezzin abermals durch die Gassen zum Gebete. Das Essen war sehr günstig, für weniger als 10 Euro gab es ein reichhaltiges Menü mit viel Fleisch, Beilagen, Salat, zwei mal Bier und Kaffe zum Schluss! So günstig war bisher kein von mir bereistes Land, höchstens vielleicht noch Lettland oder Litauen.

Ein wirklich erfolgreicher und sehr eindrucksvoller Tag ging nun langsam zu Ende. Wir hatten an einem Tag Kosovo schon viel erlebt, viele freundliche Menschen sind uns begegnet. Man ist uns immer respektvoll und freundlich entgegen getreten. Ich hatte einige Vorurteile abgelegt, Autofahren können die hier zwar auch nicht, aber das allgemein gültige Bild vom „Kosovaren“ hat sich so überhaupt nicht bestätigt! Jetzt um 22:30 meldet sich der Muezzin das letzte mal vom Turm runter, es wird langsam ruhig draussen. Nur der beissende Gestank von verbranntem Müll liegt noch in der Luft.




Das war er, der erste Tag im Kosovo. Und ich kann euch versprechen, es war nur einer von vielen sehr interessanten und spannenden Tagen im Kosovo!

Von diesem Tag gibt es natürlich noch mehr Bilder direkt hier, auch in grösserer Auflösung als hier gezeigt:
klein: [bahnpics.com]
gross: [bahnpics.com]

Sollten Fragen sein oder habt ihr Anregungen sind wir natürlich im Forum, per PN oder Mail erreichbar!

En Gruess aus der Schweiz
Nil

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Leben und Leben lassen ...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:08:16:13:47:53.
Hallo in die Schweiz!

Sehr sehr interessanter Bericht mit wunderschönen stimmungsvollen Bildern. Macht einfach Spass.

Freue mich schon auf die Fortsetzung!

Herbert
Vielen Dank für den Report, sieht sehr gut aus!

Wie ist denn der Status der Eisenbahn im Kosovo? Wird sie genutzt, weil die Fahrkarten billig sind oder ist sie eine echte Alternative zu Auto bzw. Bus?
Hallo,

wie du auf den Bildern erkennst versammeln sich immer eine ganze menge Leute um die Züge in den Bahnhöfen.
Die Züge werden dementsprechend gut angenommen, nicht übervoll, aber sehr gut ausgelastet würde ich sagen.
Von Zugfahrten werden wir in den nächsten zwei Teilen noch berichten, Grundsätzlich haben wir aber beobachtet, dass nur wenige Leute die ganze Strecke fahren sondern viele nur wenige Stationen weit.

Die Fahrpreise sind sehr moderat, für 160km haben wir irgendwie 3 Euro bezahlt pro Nase ;)
Ob der Bus günstiger ist weiss ich gar nicht, vermutlich nicht unbedingt. Die Züge erschliessen aber Gebiete (v.a auf der Peje Piste) die vom Bus nicht angefahren werden. Auch die Geschwindigkeit ist mit der Strasse Konkurenzfähig (zumindest Streckenweise ;)).


En Gruess

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Leben und Leben lassen ...

die Spannung war echt kaum auszuhalten...

geschrieben von: 219 003-1

Datum: 17.08.09 00:23

Hallo Nil,

ich habe schon Tage lang immer wieder geguckt, ist der nächste Berichtteil schon da? Ich hab es vor Neugierde kaum noch ausgehalten. Aber jetzt ist es ja wieder soweit. Es war wieder sehr interessant. Schockiert war ich bloß über die Vossloh-Lok. Hoffentlich kommen so schnell nicht noch mehr davon in den Kosovo. Aber das mit den Jugendlichen, sind die da so aggresiv?

Gruß, 219 003-1, der es kaum erwarten kann, den nächsten Teil zu lesen.

Re: die Spannung war echt kaum auszuhalten...

geschrieben von: Nil

Datum: 17.08.09 00:35

Hallo,

>>Hoffentlich kommen so schnell nicht noch mehr davon in den Kosovo.

Ich glaube die Gefahr besteht nicht, das Unternehmen soll sich wohl selber Finanzieren können, ob es aber für eine neue Lok reicht (die notabene nicht wirklich benötigt wird)? Wohl kaum ... bzw. hoffentlich nicht - aus der Sicht des Fotografen ;) Die G1700 ist auch schon ein paar Jahre da unten, es ist also sicher keine Bestellung am laufen oder dergleichen.

>>Aber das mit den Jugendlichen, sind die da so aggresiv?

Aggresiv wäre das falsche Wort, wenn das so rüber gekommen ist war nicht die Absicht.
Sie sind halt sehr neugierig und etwas "kommunikativer" als hierzulande, sicher nicht mit schlechten Absichten, das will ich niemandem Unterstellen. Aber als uns der andere am Bahnhof über allerlei Details wie Hotel, Preis, wo, wie, mit was, warum ausfragte waren wir schon etwas unsicher. Ich hatte da anschliessend auch kein schlechtes gewissen weil ich bei den Antworten etwas geflunkert haben (muss ja nicht alles wissen) ;))

>>Gruß, 219 003-1, der es kaum erwarten kann, den nächsten Teil zu lesen.

Den wird dann Zingg wieder besorgen, dauert sicher nicht mehr lange.


En Gruess

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Leben und Leben lassen ...

Ein überaus großartiger Beitrag und ein ...

geschrieben von: Rübezahl

Datum: 17.08.09 04:00

... seltenes Hochlicht (für die nicht deutschsprachigen Mitbürger = highlight) in diesem Forum.

Erstklassige Fotos kombiniert mit einem aussagekräftigen Begleittext - einfach Spitze !!!

Begeisterte Grüße

Rübezahl
Nabend,

ich kann mich nur anschließen,die Berichte sind sehr interessant und auch die Bilder sind sehr schön aber es wäre schön wenn man vieleicht auch mal ein paar Bilder deutscher Loks sehn könnte sehn,mal so als kleine anmerkung vieleicht ;) Ich freu mich aber auch schon auf sehr den nächsten Beitrag...!

Mfg Br.155
Ist die G 1700 keine deutsche Lok? ;)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:08:18:13:03:31.
Hallo,

>sind sehr interessant

Danke.

Deutscher als die G1700 geht es leider nicht mehr im Kosovo.
Die V60 welche wir gesichtet haben waren Schrottreif und die V100 haben das Land vor einigen Jahren bereits wieder verlassen gen Norden.
Im Aktuell Betriebsbestand der Bahn befinden sich nur 4 Kennedy GM Loks (01 - 04), 4 Nohabs aus Schweden/Norwegen (05-08) und eben die G1700 (09).

En Gruess
Nil

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Leben und Leben lassen ...
Da ich einige Tage unterwegs war, habe ich den Beitrag erst mit Verzögerung gelesen.
Wie schon die anderen beiden Beiträge eurer Tour war auch dieser wieder spitze, und mit sehr guten und aussagekräftigen Fotos versehen.
Die nächsten Teile werden mit großer Spannung erwartet. Da ich selbst eine Reise und Fototour ins Kosovo, spätestens im nächsten Jahr, vorgesehen habe, und es mich sehr reizt dorthin zu fahren, sind auch sehr viele Anregungen dabei. Ein Reiseführer kann nicht besser sein.

Gruß aus Dortmund in die Schweiz
rolwie



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:08:21:12:56:41.
Leider hatte ich diese Woche etwas stress (ich musste noch ne Website releasen und dieses Weekend bin ich gänzlich weg), deshalb wird der nächste Teil erst nächste Woche folgen, danke für Verständnis.

http://bahnbilder.ch/graphics/banner.png

Herrlich, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 23.08.09 12:35

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Hallo,
sehr schöne Aufnahmen und ne Frage zu den V60
sind das V60-west oder v60-ost.
über die Ost v60 fehlen uns noch viele Daten und auch Fotos.
Könnt Ihr mir da weiterhelfen??
Gruß Manfred
[www.dr-bahn.de]
Ich hätte nicht gedacht, dass die Eisenbahn im Amselfeld (»Kosovo« ist schließlich nur der erste Namensteil und dazu noch ein Adjektiv) überhaupt überlebt. In Bosnien hungert sie auch nur auf ziemlich niedrigem Niveau vor sich hin und die Albaner regelmäßig sind mir als das autogeilste Balkanvolk aufgefallen. Bei der Fahrweise konnte man das jahrzehntelange Fehlen von echter staatlicher Autorität gut erkennen. Vor ein paar Jahren hieß es auch mal, die von der UNMIK betriebenen Züge würden mehr oder weniger nur für den serbischen Bevölkerungsteil verkehren. Jetzt bin ich nur gespannt, was draus wird und wie es weitergeht.

Falk