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[MM][BUR] Von Namtu nach Bago (Teil 2, 14 Bilder)

geschrieben von: Flo1979

Datum: 23.07.09 23:26

Wie im ersten Teil angekündigt, zunächst ein paar Bilder zur Streckensicherung. Die zweigleisige Hauptstrecke ist für myanmarische Verhältnisse sehr gut ausgebaut und die Züge sind mit bis zu 70km/h unterwegs. Viele Bahnhöfe sind über elektrische Signale gesichert, nur ab und zu findet sich noch ein Formsignal. Die Blocksicherung erfolgt aber noch immer durch das klassische Schlüsselprinzip. Die folgenden drei Bilder zeigen die Schlüsselübergabe bei voller Fahrt. Der Fahrdienstleiter des Bahnhofs hält dem Lokführer den Schlüssel entgegen und zeigt gleichzeitig mit der grünen Fahne an, dass der Zug freie Durchfahrt durch den Bahnhof hat.

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Im Nachgang wirft der Lokführer dann noch den alten Schlüssel aus dem Fenster.


Neben Bago und Pyinmana ist Thazi der wichtigste Bahnhof zwischen Yangon und Mandalay. In Thazi zweigen Strecken nach Westen (Myingyan) sowie nach Osten in das Shan-Hochland (Aungban, Loikaw, Shwenyaung, Lawksawk, Taunggyi, Namhsam) ab. Da momentan der gesamte Zugverkehr Myanmars auf die neue Hauptstadt Naypidaw ausgerichtet wird, wurde eine Verbindungskurve südlich von Thazi gebaut. Südliche Züge aus bzw. in Richtung Shan-Hochland fahren also nicht mehr über den Bahnhof Thazi. Das folgende Bild zeigt die Einfahrt in den Bahnhof Thazi, links liegen die umfangreichen Gleisanlagen des Güter/Rangierbahnhofes. Weichen und Lichtsignale werden elektrisch gesteuert.

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Auf dem Gegengleis wartete bereits ein GmP mit Ziel Myingyan

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Kontrast Alt-Neu an der südlichen Ausfahrt des Bahnhofs. Der Wasserkran versorgte noch bis vor wenigen Jahren Dampfloks, die planmäßig den Bahnhof Thazi erreichten. Früher fuhren vom Bahnhof Thazi auch Garratts hinauf ins Shan-Hochland. Mit der Installation von Lichtsignalen wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg durch die Briten begonnen. Die großen Bahnhöfe in Yangon und Mandalay bekamen als erste Lichtsignale. Seither hat sich nicht arg viel geändert, an Neubaustrecken stellen die Myanmar Railways neuerdings wieder Formsignale auf.

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Das folgende Bild zeigt die abzweigende Strecke in Richtung Shan-Hochland

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Kurz nach Thazi stand auf dem Gegengleis dieses ulkige "Zwei-Wege-Gefährt", wobei eine Fahrt damit auf den katastrophalen Straßen Myanmars allein schon aufgrund des Gewichts scheitern würde.

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Nach mehreren Stunden Fahrt zogen sich über mehrere Kilometer hinweg Baustellen die Gleise entlang. Zahlreiche Bagger und Raupen waren im Einsatz, während sich am Horizont sogar Baukräne abzeichneten. Dies ist für Myanmar äußerst ungewöhnlich, den Baumaschinen gibt es auf myanmarischen Baustellen normalerweise nicht. Mir war klar, wir hatten die neue Hauptstadt Naypidaw erreicht. Auf mehr als 50km² errichtet das Militärregime hier gerade eine Retortenstadt inklusive einer 1:1 Abbildung der fast 100m hohen Shwedagon-Pagode in Yangon. Im November 2005 verlegte die Junta Hals über Kopf den Regierungssitz von Yangon in eine ländliche Steppe bei Pyinmana und nannte den Ort Naypidaw (Heimstatt der Könige). Das Datum des Umzugs und der Ort wurden angeblich durch den "Hofastrologen" des Militärherrschers Than Shwe bestimmt. Seit mehr als drei Jahren stampft die Junta jetzt dort eine komplett neue Stadt aus dem Boden, Bilder gibt es u.a. hier und hier. Neben den Baumaschinen waren aber, wie sonst üblich in Myanmar, Sträflinge und "Freiwillige" im Einsatz, zudem waren auch einige Soldaten und Polizisten in meinem Waggon. Daher gibt es nur zwei Notschüsse:

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Der neue Hauptbahnhof steht vollkommen isoliert mitten in der Pampa und ist noch nicht ganz fertig, wie man im nächsten Bild sieht.

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Der dritte Bahnsteig wurde noch nicht in Angriff genommen, das Gleisbett hat aber schon aufgrund der letzten Regenzeit und der mangelhaften Ausführung erheblich gelitten. Ganz links kann man übrigens die Telegrafenmasten und die Gleise der alten Hauptstrecke sehen. Erstaunlicherweise hielt unser Zug nicht einmal im neuen Bahnhof, sondern fuhr weiter nach Pyinmana, um dort zu halten. Impressionen aus Pyinmana:

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Zwischen Pyinmana und Toungoo zogen sich dann wieder endlose Reisfelder den Schienen entlang, die dank künstlicher Bewässerung auch in der Trockenzeit bestellt werden können.

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In Toungoo enterte dann eine Meute junger Referendarinnen unseren Waggon und so lenkte sich meine Aufmerksamkeit vom Zugfenster weg hinein ins Zuginnere. Anfangs waren sie alle noch ein bisschen schüchtern, aber so langsam fassten sie Vertrauen. Zusammen mit ihren Englisch-Kenntnissen und meinem Wörterbuch Englisch-Burmesisch kamen wir ins Gespräch. Leider stiegen die meisten Referendarinnen in Nyaunglebin wieder aus, aber eine blieb mir bis Bago treu, da sie bis nach Abaya in der Nähe von Bago nach Hause fahren musste. Sie wollte wissen, warum ich mit dem Zug fahre, denn Flugzeug oder Bus wären doch viel schneller und bequemer. Da erzählte ich ihr, dass ich mich sehr für Eisenbahnen und insbesondere Dampflokomotiven interessiere. Darauf antwortete sie mir, dass in ihrem Heimatdorf Abaya vor gut einem Jahr ein Ausländer auf einem Moped aufgetaucht wäre und überall Bilder von Dampfloks gemacht hätte. Tja, ich glaube, diesen Ausländer kenne ich ganz gut ;-)

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Dezember 2007, Bahnhof Abaya


Kurz vor 23 Uhr lief der Zug dann nach über 15 Stunden Fahrt im Bahnhof von Bago ein. Dort begab ich mich dann am nächsten Tag wieder auf Fotosafari und machte einmal mehr wieder Bekanntschaft mit der Militärpolizei. Dazu aber in den nächsten Berichten mehr.


Bisherige Berichte dieser Serie:

Teil 1: Mal wieder Myanmar (Burma) – Yangon Hbf (12 Bilder)
Teil 2: Ausbesserungswerk Insein - Teil 1 (12 Bilder)
Teil 3: Ausbesserungswerk Insein - Teil 2 (16 Bilder)
Teil 4: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 1 (25 Bilder)
Teil 5: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 2 (25 Bilder)
Teil 6: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 1 (18 Bilder)
Teil 7: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 2 (15 Bilder)
Teil 8: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 1 (24 Bilder)
Teil 9: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 2 (20 Bilder)
Teil 10: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 3 (18 Bilder)
Teil 11: Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel
Teil 12: Namtu Mines Railways - Einführung & Appetitanreger (21 Bilder)
Teil 13: Namtu Mines Railways - Rundgang Teil 1 (27 Bilder)
Teil 14: Namtu Mines Railways - Rundgang Teil 2 (24 Bilder)
Teil 15: Namtu Mines Railways - Rollendes Material (22 Bilder)
Teil 16: Namtu Mines Railways - Die teuerste Zugfahrt meines Lebens (24 Bilder)
Teil 17: Namtu Mines Railways - Dieselloks (u.a. von O&K und Diema, 20 Bilder)
Teil 18: Namtu Mines Railways - Rangierverkehr (25 Bilder)
Teil 19: Namtu Mines Railways - Dampflokomotiven (18 Bilder)
Teil 20: Namtu Mines Railways - Zugverkehr im Morgennebel (17 Bilder)
Teil 21: Namtu Mines Railways - Werkstatt (11 Bilder)
Teil 22: Namtu Mines Railways - Stimmungsbilder (29 Bilder)
Teil 23: Von Namtu nach Bago (Teil 1, 13 Bilder)