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Leider haben mich die Serverprobleme längere Zeit am Einstellen dieses Beitrags gehindert. Entschuldigt daher bitte die Verspätung, aber jetzt geht's ja weiter mit meiner Serie über Myanmar.

Eines meiner Hauptziele meines Myanmar-Urlaubs im Januar und Februar waren die Namtu Mines Railways im Shan-Gebirge in Nordost-Myanmar. Das Gebiet ist nur mit einer speziellen Genehmigung Regierung zu betreten. Für einige US-Dollars holte ich mir die Genehmigung und einen obligatorischen Guide, um drei Tage in Namtu zu verbringen.

Namtu steht in der lokalen Shan-Sprache für "schlechtes Wasser". Außer ein paar mit Bambus bewaldeten Bergen gibt es in dem kleinen Städtchen Namtu in 700m ü.M. eigentlich nichts Besonderes, wären da nicht die reichen Silber-, Kobalt- und Bleivorkommen in der Umgebung.

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Das kleine Städtchen Namtu im Shan-Gebirge, im Vordergrund die Kabel des Telefonsystems der Namtu Mines


Seit einigen Jahrhunderten bauten die Chinesen (die Grenze ist keine 100km Luftlinie entfernt) hier Blei für Patronen und Kanonen ab. Später wurden dann auch Silbererzvorkommen entdeckt. Mit der Eroberung Nordmyanmars Ende des 19. Jahrhunderts fiel die Mine an die Briten, die die Burma Mines Railway & Smelting Company gründeten und den Abbau mit technischen Mitteln forcierten. 1903 erreichte die meterspurige Eisenbahnlinie von Mandalay ihren Endpunkt in Lashio. Ursprünglich war eine Verlängerung bis nach China geplant, die aber nie realisiert wurde. Allerdings ließ die Strecke Namtu links liegen und so wurde 1907 dann die über 50 Meilen lange Strecke von Manpwe an der Linie von Mandalay nach Lashio über Namtu nach Tiger Camp in 610 Millimetern Spurweite errichtet. Zwei Jahre später erreichte die Linie dann ihren Endpunkt in Bandwin. 1914 wurde der Anschluss an die Hauptstrecke von Manpwe nach Namyao verlegt.

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Bis 1911 wurden die Erze noch in Mandalay verhüttet, ab dann erfolgte die Verhüttung ausschließlich in Namtu. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte bei Kämpfen zwischen Briten und Japanern komplett zerstört und nach dem Krieg an anderer Stelle in Namtu wieder aufgebaut. 1951 wurden Mine und Hütte verstaatlicht, die Engländer mussten aber noch bis in die Mitte der 70er Jahre vor Ort technischen Support leisten, bis die Burmesen schließlich den kompletten Betrieb selbst übernehmen konnten.

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Überreste des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hüttenwerks, im Hintergrund Namtu

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Das "neue" Hüttenwerk in Namtu. Immerhin hat man den Schornstein auf einen Hügel gesetzt und verpestet jetzt nicht den Talkessel mit Abgasen!


Heute arbeiten angeblich 3.000 Menschen in den Minen und den Hütten. Die Brennstoffe für die Hütte, die dort aufbereiteten Erze sowie die Schlacke werden mittlerweile von LKW’s über katastrophale Straßen angeliefert bzw. abtransportiert. Quelle und Ziel ist jeweils China. Lediglich das Rohmaterial wird noch per Bahn von Bandwin und Tiger Camp nach Namtu transportiert. Somit liegt der größte Teil der Strecke zwischen Namtu und Namyao brach, auch wenn ab und zu angeblich noch ein Zug fahren soll. Es wird wohl aber auch nicht mehr allzu lange dauern, bis die LKW’s auch den Transport zwischen Bandwin und Namtu übernommen haben und dieses eisenbahntechnische Kleinod wird der Vergangenheit angehören.

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LKW in Namtu, im Hintergrund das Hüttenwerk. Vorne rechts kann man aber schon die Schienen erkennen.

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Der unmaßstäbliche Gleisplan des Bahnhofs von Namtu, unüblicherweise ist oben Süden und nicht Norden. Die Gleise A-D führen zum Hüttenwerk (siehe nächstes Bild)

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Gleisplan des Hüttenwerks

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Skizze der Minenanlage in Bawdwin


Jetzt aber genug der Zahlen und Fakten. Anbei die ersten Appetithäppchen, die den Auftakt zu einem elfgängigen Menu bilden sollen. Ich serviere...


... drei Tageszeiten-Teller ...

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Morgendliche Idylle am Bahnhof von Namtu

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Nachmittägliche Idylle am Bahnhof von Namtu

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Abendliche Idylle am Bahnhof von Namtu


... an einer Szenerie wie aus dem 19. Jahrhundert ...


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Bahnhof und Lokschuppen in Namtu


... und einer Essenz betriebsfähiger und nicht betriebsfähiger Dampfloks ...


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Nicht betriebsfähig abgestellte Dampfloks in Namtu

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Betriebsfähige Dampfloks im Lokschuppen von Namtu


... gewürzt mit Dieselgefährten (auch aus deutschem Anbau!) ...


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Ein Wickham (?) im Bahnhof von Namtu

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Schienentraktor Marke Eigenbau zum Personentransport

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Diesellok aus (leider nicht ökologischem Anbau) vom Hofe Orenstein & Koppel in Dortmund

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Güterwaggon (wohl ebenfalls Marke Eigenbau)


... und garniert mit Streckenimpressionen ...


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"Personenzug" Richtung Bawdwin

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Durch Bambuswälder geht es in Richtung Bawdwin


Dazu empfehle ich einen ordentlichen Schluck Industrieimpressionen aus einem gefühlt sehr alten, aber hervorragenden Jahrgang


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Hüttenwerk Namtu im Morgennebel

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Alter Schmelzofen im neuen Hüttenwerk


Ich hoffe, dieser erste Gang mundet und macht Appetit auf mehr. Deswegen begebe ich mich jetzt wieder in die (Foto-)küche und bereite den nächsten Gang vor.



Bisherige Berichte dieser Serie:

Teil 1: Mal wieder Myanmar (Burma) – Yangon Hbf (12 Bilder)
Teil 2: Ausbesserungswerk Insein - Teil 1 (12 Bilder)
Teil 3: Ausbesserungswerk Insein - Teil 2 (16 Bilder)
Teil 4: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 1 (25 Bilder)
Teil 5: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 2 (25 Bilder)
Teil 6: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 1 (18 Bilder)
Teil 7: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 2 (15 Bilder)
Teil 8: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 1 (24 Bilder)
Teil 9: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 2 (20 Bilder)
Teil 10: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 3 (18 Bilder)
Teil 11: Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
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