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[BUR] Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel

geschrieben von: Flo1979

Datum: 15.04.09 20:45

Die Zugfahrt von Mandalay nach Myitkyina hatte mich ziemlich geschlaucht, so dass ich mich erst am nächsten Tag aufmachte, um das Städtchen Myitkyina zu erkunden. Myitkyina ist Hauptstadt des Kachin-States (die Kachin stellen die größte Bevölkerungsgruppe in diesem State, daher der Name), der bis vor einigen Jahren größtenteils von Kachin-Rebellen kontrolliert wurde. Seit einigen Jahren gibt es ein Friedensabkommen zwischen den Kachin-Rebellen und der Militärregierung, das den Kachin relativ viel Autonomie zugesteht. Die Chinesen als östliche Nachbarn haben dann gleich zugegriffen und investierten in Straßen, Staudämme und Brücken. So lassen sich die Wälder und Bodenschätze leichter plündern, im Gegenzug wird der burmesische Markt dann mit billigem Plastikschrott, billigen Schrottmopeds und Klamotten überschwemmt. Im Stadtzentrum Myitkyinas sieht es mittlerweile eher wie in einer chinesischen Kleinstadt aus und Mopeds verstopfen die mehrspurigen Straßen. Das einzig Positive war, dass es im Gegensatz zu den Millionenstädten Yangon und Mandalay rund um die Uhr Strom gab.

Jetzt aber zurück zur Eisenbahn. Nach dem Frühstück wartete ich am Bahnhof auf die Ankunft des ersten Expresszuges aus Mandalay (täglich starten in Mandalay drei Expresszüge nach Myitkyina):

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Noch ist es ruhig, die Personenwaggons im Hintergrund stehen auf einem Abstellgleis. Im Vordergrund stehen die Lastkarren, deren Besitzer sich zwischen den Schienen bei einem Volleyball-Spiel vergnügen.

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Und da kommt er auch schon, bespannt mit DD 964, wiederum einer Lok aus dem Hause Krupp (wer die Bilder von den Testfahrten diese Lokomotive vor der Auslieferung sehen möchte, sollte sich diesen Bericht von Martin Welzel im HiFo nicht entgehen lassen). Rechts stehen ausreichend Trishaws und Tuk-Tuks für den Weitertransport der ankommenden Passagiere bereit.

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Die Fahrer und Kulis warten schon, damit sie auf den Zug aufspringen können, um sich die Fahrgäste zu sichern.

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Der letzte Waggon hat gerade den Bahnübergang hinter dem großen Baum passiert.

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Kurze Zeit später stürmen die Kulis und Fahrer mit Gepäck und Fahrgästen heran.


Nach der Einfahrt des Zuges in den Endbahnhof wurde die Einfahrtsweiche umgestellt. Allerdings rastet die Weichenzunge nicht mehr richtig ein und muss daher mit einer Schraubzwinge fixiert werden:

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Der Weichenwärter hat die Schraubzwinge schon in der Hand...

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...und fixiert damit die Weichenzunge.


Auf dem Rückweg ins YMCA machte ich dann am nahen Bahnübergang Halt und wartete auf den nächsten Zug. Es dauerte nicht lange und ein Nahverkehrszug fuhr in den Bahnhof ein:

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Bei der leider nicht identifizierten Lok scheint es sich wohl auch um den Umbau einer Krupp-Lok zu handeln. Zumindestens wurde der vordere Motor ausgebaut und durch ein Passagierabteil ersetzt.

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Die Waggons erinnern ein bisschen an die Zweiachser, die früher auf Nebenbahnen zur Länderzeit unterwegs waren. Der dichte Straßenverkehr in Myitkyina ist anhand der zahlreichen Mopeds nachvollziehbar.


Kurze Zeit später verließ der erste Express-Zug von Myitkyina nach Mandalay den Bahnhof:

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Lok DF 1311 zieht den Zug aus dem Bahnhof, im Hintergrund sieht man die modernen Häuser, die die Chinesen in Myitkyina gebaut haben.

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Nachdem der Zug den Bahnübergang passiert hat, überquert die wartende Meute die Schienen.


Mir wurde es dann zu heiß und ich zog mich zum Mittagsschlaf (ich hatte noch immer Schlafdefizite aufgrund der Zugfahrt) zurück ins YMCA. Gegen Nachmittag machte ich mich dann auf zum Bahnübergang am Einfahrtsignal des Bahnhofs. Direkt am Bahnübergang gab es eine Teestube, wo ich es mir bequem machte. Die Züge kündigten sich meist durch Pfiffe an und so blieb genügend Zeit, um von der Teestube zum Bahnübergang zu gehen. Beim ersten Mal schaute die Besitzerin ziemlich verdutzt, als ich plötzlich ohne zu bezahlen aufstand. Nachdem der Zug aber vorbeigefahren war und ich zurückkehrte, hatte sie mein Ansinnen verstanden und tischte mir einen herrlichen Zitronenkuchen auf.

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Ein weiterer Expresszug aus Mandalay passiert das herrliche, alte Einfahrtsignal, das freie Fahrt in den Bahnhof anzeigt. Zuglok ist DD 968, wiederum eine Krupp-Lok. Im Vordergrund warten die Burmesen mit ihren blütenweißen Hemden und longyis, bis der Zug den Übergang passiert hat.

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Ein Güterzug passiert den Bahnübergang. Gezogen wird er von DD 1503, einer Krupp-Lok aus dem Jahre 1964 mit 1500PS, Vmax von 90km/h und einem Dienstgewicht von knapp 49t (siehe Bericht von Martin Welzel im Historischen Forum).

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Der Junge im orangefarbenen T-Shirt bedient die Schranken und bessert damit die Familienkasse mit ein paar Cent auf. Im Hintergrund wirbt die große Tafel für ein chinesisches Haarshampoo, das sich aber nur die Reichen leisten können.

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Eine Art Caboose bildet den Schluss des Zuges, auf dem zusätzlich noch Brennholz transportiert wird, während der Junge die Schranken bereits wieder öffnet.

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Der letzte Zug des Tages hat den Bahnübergang passiert und das Einfahrtsignal steht auf Halt.


Bevor es mit einer Berichtsserie über die Namtu Mines Railways weitergeht, muss erst noch das folgende Rätsel gelöst werden. Vom Plastikhocker in der Teestube bot sich mir der folgende Ausblick (rechts im Hintergrund das Einfahrtssignal):

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Um was handelt es sich bei dem Holzkasten auf der linken Seite? Es ist jedenfalls keine Whiskey-Bar, wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen würde!



Bisherige Berichte dieser Serie:

Teil 1: Mal wieder Myanmar (Burma) – Yangon Hbf (12 Bilder)
Teil 2: Ausbesserungswerk Insein - Teil 1 (12 Bilder)
Teil 3: Ausbesserungswerk Insein - Teil 2 (16 Bilder)
Teil 4: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 1 (25 Bilder)
Teil 5: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 2 (25 Bilder)
Teil 6: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 1 (18 Bilder)
Teil 7: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 2 (15 Bilder)
Teil 8: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 1 (24 Bilder)
Teil 9: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 2 (20 Bilder)
Teil 10: Mit Krupp von Mandalay nach Myitkyina, Teil 3 (18 Bilder)

Re: [BUR] Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 16.04.09 11:58

TAg !

Rätseltip:

es sind die Utensilien eines Schuhputzers !?


Grüße

Re: [BUR] Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel

geschrieben von: Montana

Datum: 16.04.09 13:36

Eine Tankstelle ? Normal- und Superbenzin aus der Flasche ...
Ganz klar - Tankstelle. Gibt es fast überall in dieser Art in Südostasien. Einmal volltanken fürs Moped

Re: [BUR] Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel

geschrieben von: 52 2006

Datum: 17.04.09 22:32

Dem schließe ich mich an!

http://img174.imageshack.us/img174/5341/dsc2349rp5.jpg

kondensierte Grüße, Stefan

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=190387
Kondenslok.de + Industrial Railways of Indonesia SIG (fc)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.

Re: [BUR] Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel

geschrieben von: Gyuri_FT

Datum: 17.04.09 22:40

Solche "Tankstellen" gab es in Serbien während der Sanktionen fast überall.

Re: [BUR] Zugverkehr in Myitkyina (17 Bilder) + Rätsel

geschrieben von: falk

Datum: 17.04.09 23:08

Allerdings rastet die Weichenzunge nicht mehr richtig ein und muss daher mit einer Schraubzwinge fixiert werden:

Nein, da kann nichts einrasten. Zwar ist das betreffende Bild ein bisschen klein, aber es ist zu erkennen, dass es keinen Spitzenverschluss gibt. So richtig häufig ist diese letztlich sehr deutsche Einrichtung auf der Welt sowieso nicht. »Zungensperren« wie auf Deinen Fotos sieht man dagegen öfters.
Die Signalmasten scheinen eine ziemlich typisch britische Bauart zu sein. Im alten Bahnhof von Jerusalem stehen (standen?) sehr ähnliche.

Falk

Rätsel gelöst...

geschrieben von: Flo1979

Datum: 18.04.09 18:28

... es handelt sich tatsächlich um eine der vielen Schwarzmarkttankstellen in Myanmar. Aktuell schießen diese Tankstellen wie Pilze aus dem Boden, vor fast jeder Hütte entlang der Straßen steht so ein Ding. Ursache dafür ist der niedrige Ölrpreis. Auf den ersten Blick klingt das unlogisch, aber es gibt eine recht simple Erklärung.

"Offiziell" gibt es in Myanmar nur an den staatlichen Tankstellen Benzin auf Bezugsschein. An den staatlichen Tankstellen kostet eine Gallone Benzin 3.000 Kyat unabhängig vom aktuellen Ölpreis (zum Vergleich, ein Lehrer verdient ca. 15.000 Kyat im Monat). Als der Ölpreis sehr hoch war, kostete die Gallone auf dem Schwarzmarkt 5.000 Kyat. Daher tankten die meisten Fahrzeugbesitzer an den staatlichen Tankstellen, vor denen sich lange Warteschlangen bildeten. Nur wenn die Menge auf dem Bezugsschein nicht ausreichte, kaufte man sich auf dem Schwarzmarkt Benzin dazu. Nachdem der Ölpreis jetzt aber so tief steht, kostet die Gallone auf dem Schwarzmarkt nur noch 2.300 Kyat. Ergebnis: Fast jeder hat vor seiner Hütte eine Schwarzmarkttankstelle aufgebaut und die staatlichen Tankstellen haben allesamt geschlossen.

Wie versprochen geht es dann in Kürze mit einer längeren Beitragsserie über die Namtu Mines Railway weiter.