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An vielen Stellen werden gerade die Holzschwellen durch Betonschwellen ersetzt. Die Regierung hat ausgerechnet, dass die Betonschwellen 20 Jahre halten, im Gegensatz zu nur zwei Jahren für die (unbehandelten) Holzschwellen. Da die Betonschwellen aber in Myanmar selbst hergestellt werden, bezweifle ich, ob die auch wirklich 20 Jahre halten.

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Arbeiter laden am Bahnhof Palin eine Betonschwelle aus einem LKW


Die Militärs haben vor kurzem irgendwo gelesen, dass Biokraftstoffen die Zukunft gehört. Da das Land trotz Miss- und Mangelwirtschaft sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen kann, hat die Regierung den Anbau einer Ölnussart angeordnet, aus deren Früchten man Biodiesel herstellen kann. Jetzt muss jeder Burmese auf mindestens 10% seiner Fläche unentgeltlich (!) diese Früchte anbauen und dem Staat schenken. Zwar gibt es in ganz Myanmar keine einzige Anlage, wo Biodiesel hergestellt werden kann und aufgrund der katastrophalen Infrastruktur ist der Transport auch sehr schwierig. Aber immerhin, die Früchte werden schon einmal angebaut und den bösen westlichen Industriestaaten kann man vorhalten, dass sich Myanmar um Klima, Umwelt und die Zukunft der Menschheit sorgt.

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Die hässlichen, blattlosen Büsche der Ölnusspflanze am Rande der Strecke


Während der Trockenzeit ist auf den Feldern nicht soviel Arbeit zu tun und so werden die Jungs ins Kloster geschickt. Jeder männliche Burmese geht mindestens einmal in seinem Leben für ein paar Wochen ins Kloster. Dazu werden die Jungen im Rahmen der Shin-Pyu geschmückt, auf ein Pferd gesetzt und in das nächste Kloster gebracht, wo ihnen die Haare abrasiert werden und die Mönchsrobe angezogen wird. Die Zeremonie symbolisiert den Werdegang Buddhas, der seinem Leben als reicher Prinz entsagte und in Askese lebte, um die Erleuchtung zu finden.

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Das ganze Dorf begleitet die Shin-Pyu mit Musik und Tänzen, im Vordergrund wieder die Biodiesel-Pflanzen.

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Am Bahnübergang muss aber auch der Umzug der Shin-Pyu-Zeremonie warten


Auf der gesamten Fahrt von Nyaung U nach Mandalay geht es durch eine endlose Ebene ohne spektakuläre Bahnabschnitte. So bleibt einem nur, das Geschehen an dörflichen Bahnhöfen zu betrachten.

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Am Bahnhof Myingyan warten schon wieder die fliegenden Händler

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Der Bahnhof Wetlu hat sogar drei Durchgangsgleise

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Im Bahnhof Supyugon erwartete uns bereits der Gegenzug ...

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... gezogen von Lok DD 1204

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In den dörflichen Bahnhöfen liegt immer Ladung bereit, die aber nur mit den regionalen Nahverkehrszügen (meistens GmPs) transportiert werden

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Im Bahnhof von Paleik hält eine Schafherde das Unkraut klein. Wäre doch auch mal eine Idee für die DB, um der Ausbreitung der Dschungellandschaft in deutschen Bahnhöfen Einhalt zu gebieten. Andererseits bringen die Schafe dann ja nur wieder ICE's zum Entgleisen. In Myanmar fahren zum Glück keine ICE's!


Die Hälfte meines Waggons war von einer weiblichen burmesischen Pilgergruppe belegt, die gerade vom Mt. Popa zurückkamen. Eine der Frauen war ganz scharf auf meine Kekse, die ich mir vor der Abfahrt gekauft hatte. Nachdem ich sie verstanden hatte, überließ ich ihr die noch halbvolle Packung. Im Gegenzug überließ sie mir eine Tüte gekochter Schwarzwurzeln. Ein sehr schlechtes Tauschgeschäft für mich.

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Am Bahnhof von Paleik. Rund um Mandalay wurden die Formsignale noch vor dem zweiten Weltkrieg durch Lichtsignale ersetzt, im Hintergrund leuchten schon zwei der zahlreichen Pagoden Mandalays


Um 15 Uhr kamen wir dann fahrplanmäßig im Hauptbahnhof von Mandalay an. Für die 185km benötigten wir acht Stunden, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23 km/h macht. Höhere Geschwindigkeiten lässt eine burmesische Neubaustrecke eben nicht zu.

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Abstellgleise am Bahnhof von Mandalay

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Einfahrt in den Bahnhof von Mandalay. Der alte englische Bahnhof wurde leider vor einigen durch den hässlichen weißen Betonklotz im Hintergrund ersetzt


Bevor wir den Bahnhof verlassen, blicken wir schnell noch in die Güterabfertigung

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Viele Waren werden mit Jeeps und kleinen LKWs angeliefert oder abgeholt ...

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... aber auch Fahrradrikschas kommen noch zum Einsatz



Bisherige Berichte dieser Serie:

Teil 1: Mal wieder Myanmar (Burma) – Yangon Hbf (12 Bilder)
Teil 2: Ausbesserungswerk Insein - Teil 1 (12 Bilder)
Teil 3: Ausbesserungswerk Insein - Teil 2 (16 Bilder)
Teil 4: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 1 (25 Bilder)
Teil 5: Übersicht Dampflokgattungen Myanmar/Burma - Teil 2 (25 Bilder)
Teil 6: Von Nyaung U (Bagan) nach Mandalay, Teil 1 (18 Bilder)
Sehr interessante Berichte aus einem Land, das kaum jemand kennt.
Es gab doch vor Jahrzehnten Pläne, die Bahnnetze von Indien/Bangladesh und Thailand über Myanmar/Birma zu verbinden und solcherart eine durchgehende Bahnverbindung (wenn auch mit Umsteigen wegen der unteschiedlichen Spurweiten) zu schaffen. Ich nehme an, daß - abgesehen von der politischen Situation - diese Pläne längst ad acta gelegt wurden. Oder?
Hi, wie immer hochinteressant. Gibt es das burmesische Gleisnetz auch als KMZ-Datei für Google-Earth?

kondensierte Grüße, Stefan

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=190387
Kondenslok.de + Industrial Railways of Indonesia SIG (fc)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.
Nein, die Pläne sind bei weitem noch nicht ad acta gelegt. Aber je nach Grenze sieht die Situation unterschiedlich aus:

Bangladesh: Die Chinesen bauen auf Ramree Island gerade einen riesigen Hafen samt einer Ölpipeline nach China. Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten wurde auch der Bau einer Bahnlinie von Sittwe über Ann nach Magwe geplant. Die Bauarbeiten sollen angeblich bereits begonnen haben. Der Fokus liegt allerdings nicht auf einer Anbindung an Bangladesh, vielmehr wollen die Chinesen den strategisch wichtigen Hafen besser an Südchina anbinden. Der Haussegen zwischen Myanmar und Bangladesh hängt momentan ziemlich schief, seit man sich um Gas- und Ölfelder vor der Küste streitet. Es sind mehrere tausend Soldaten an der Grenze aufmarschiert und die Militärjunta baut gerade einen Grenzzaun.

Indien: Weite Teile des indisch-myanmarischen Grenzgebiets sind aktuell unter der Kontrolle von Rebellengruppen, der Grenzverkehr soll praktisch zum Erliegen gekommen sein. Neben der Instabilität der Region sind beim Eisenbahnbau auch geographische Gebirgshürden zu überwinden. Aber es liegen fertige Pläne in den Schubladen, die bereits bestehende Linie nach Kalaymyo nach Indien zu verlängern.

China: Bereits seit über 100 Jahren ist ja eine Anbindung des myanmarischen Schienenetzes an China geplant. Bis jetzt haben die Schienen nur Lashio erreicht. Die Anbindung soll gerüchteweise zwischen den Generälen in Naypidaw und den KP-Führern aus Peking bereits beschlossene Sache sein. Es ist wohl nur noch unklar, ob die Anbindung in Muse oder wie ursprünglich geplant in Kunlong erfolgen soll. Zudem wird momentan eine Linie von Katha nach Bhamo, das nur wenige Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt liegt, gebaut.

Thailand: Die Thailändern wollen zusammen mit den Indern einen Tiefseehafen in der Nähe von Dawei (Tavoy) errichten, der per Eisenbahn an Thailand angebunden werden soll. Das wurde von den myanmarischen Generälen bereits öffentlich verkündet. Allerdings ist noch strittig, wo die Anbindung erfolgen soll. Während die Thais die direkte Anbindung quer von Dawei nach Thailand bevorzugen, würden die Generäle in Myanmar lieber wieder die alte Todeseisenbahn von Thanbyuzayat über den Drei-Pagoden-Pass wieder aufbauen, denn dann wären weite Teile der Strecke unter ihrer Kontrolle. Zudem wird die Line Mawlamyaing (Moulmein) - Ye - Dawei (Tavoy) gerade bis Myeik (Mergui) und die Linie Thazi - Shwenyaung - Taunggyi - Namhsam gerade bis Kyaing Tong (Keng Tong) verlängert. Da bieten sich weitere Anschlüssen an Thailand an.
Hallo Stefan,

ich bin gerade dabei, das Streckennetz als kml-Datei aufzusetzen. An ein paar Stellen ist die Auflösung so schlecht, dass die Strecken nicht zu erkennen sind und nur ein Strich durch die Landschaft geht. Zudem sind die aktuellsten Entwicklungen noch nicht alle nachgezogen. Ansonsten ist die Datei aber recht vollständig:

RailwayLinesMyanmar.kml


Aus der Datei generiere ich automatisch meine interaktive HTML-Streckenkarte auf Google Maps Basis:

Streckenkarte Myanmar Railways
Höchst spannende Einblicke, herzlichen Dank! Nicht nur grandiose Bilder, auch die Hintergrundinformationen sind 1A - da merkt man, dass du vom Land wirklich eine Ahnung hast!

wie immer: erste Sahne

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 06.04.09 11:40

in Wort und Bild! Man lernt viel über Land und Leute (und natürlich die Eisnebahn!)

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(