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[BUR] Ausbesserungswerk Insein - Teil 1 (12 Bilder)

geschrieben von: Flo1979

Datum: 14.03.09 15:01

Der Name Insein ist nicht (nur) wegen des Ausbesserungswerks bekannt, vielmehr befindet sich hier das berüchtigtste Gefängnis Myanmar. Zahlreiche politische Gefangene sitzen hier ihre Zeit ab, mittlerweile wurden aber viele von ihnen in entfernt gelegene Regionen verlegt. Dort lässt es sich leichter foltern und die Angehörigen können die Gefangenen nicht mehr besuchen.

Es gibt verteilt über ganz Myanmar kleinere Betriebswerke, die einfache Reparaturen ausführen. In Insein werden die Lokomotiven repariert und hier erfolgen auch die Hauptuntersuchungen. Ein weiteres größeres Werk gibt es in der Nähe von Mandalay (Myohaung), dort werden aber fast ausschließlich Waggons gewartet.

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So sah es vor 30 Jahren im Ausbesserungswerk in Insein aus (das Bild stammt aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Myanma Railways, daher bitte die mangelhafte Qualität entschuldigen)

Um das Ausbesserungswerk zu besuchen benötigt man eine Ausnahmegenehmigung. Diese hatte ich beim Tourismusministerium zusammen mit den Ausnahmegenehmigungen zum Besuch der Sperrgebiete im Chin- und Shan-State beantragt. Während ich die Genehmigung für die Sperrgebiete ohne Probleme bekam, verweigerte man mir den Besuch in Insein zunächst. So schrieb ich am Tag meiner Ankunft im Tourismusbüro in Yangon einen Bettelbrief an den Eisenbahnminister. Im Brief betonte ich, dass ich mich hauptsächlich für die dort abgestellten alten Loks interessiere. Kurz zuvor hatte ich im Hotel in der englischsprachigen Ausgabe der "New Light of Myanmar" (das ist das Propagandasprachrohr der Militärjunta) einen Artikel über die Myanma Railways gelesen. Dort wurde gepriesen, wie die Eisenbahn das Land zusammenhält und wirtschaftlichen Fortschritt in alle Regionen bringt, da die Regierung das Eisenbahnnetz massiv ausbaut. Den einen oder anderen Satz zitierte ich in meinem Brief und schickte ihn dann per Fax in die neue Hauptstadt Naypitaw. Nur zwei Stunden später hielt ich die Genehmigung in meinen Händen:

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Die Ausnahmegenehmigung zum Besuch des Ausbesserungswerk, meine Reisepassnummer (ohne die geht gar nichts in Myanmar) habe ich geschwärzt.

So ging es am nächsten Morgen mit einem deutschsprachigen Guide nach Insein. Vor dem Betriebstor musste ich erst einmal längere Zeit warten, da mein Guide mit meiner Genehmigung zuerst ohne mich zum Betriebsleiter musste. Am Betriebstor musste sich jeder, der das Gelände verließ, einer genauen Durchsuchung unterziehen. So soll wohl verhindert werden, dass wertvolle Teile (und dazu gehört durch die Improvisationskunst der Burmesen wohl selbst die kleinste Schraube) heraus geschmuggelt werden.

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Lokreparaturen vor 30 Jahren im Ausbesserungswerk in Insein (das Bild stammt aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Myanma Railways, daher bitte die mangelhafte Qualität entschuldigen)

Schließlich kam mein Guide mit einem scharfen Aufpasser zurück und ich konnte die Besichtigungstour starten. Im Freigelände durfte ich eine der Dampflokomotiven, die als Denkmallok aufgestellt war, sowie zwei total verrostete Diesellokomotiven aus Frankreich bzw. China fotografieren.

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Lokomotive Nr.3 der Baureihe SL, gebaut 1940 von Avonside Engine Co. Ltd., Bristol; Aufgestellt als Denkmallok

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"Neue" Lokomotive chinesischer Herkunft. So sieht eine Lok nach kurzer Zeit aus, wenn chinesische Qualität auf burmesische Wartung trifft!


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Eine alte Diesellok französischer Herkunft (Alsthom), das mittlere Drehgestell fehlt.

In den erstaunlich modernen Werkshallen wurde mir das Fotografieren aber leider verboten. Momentan werden hauptsächlich alte französische und neuere chinesische Dieselloks (die halten sich nicht ganz so lange) generalüberholt. Am Ende der Werkshalle stand dann die frisch gestrichene Tenderdampflokomotive 772 der Baureihe ST, die gerade für Touristenfahrten aufpoliert wird. Dort durfte ich dann wieder fotografieren und ein indischstämmiger Mechaniker, der erstaunlich gut Englisch konnte, erläuterte mir die Details der Maschine.

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Lok ST 772, gebaut 1949 von Robert Stephenson & Hawthorns Ltd., Newcastle-upon-Tyne, wurde gerade auf Hochglanz gebracht, links einer der Mechaniker

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Nach ihrer Generaluntersuchung steht ST 772 für Touristenzüge zur Verfügung

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Kennzeichen aller burmesischer Dampflok ist das massive Spitzenlicht

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Links neben der Lok steht schon alles für die nächste Teepause bereit

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Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurde in Myanmar die automatische Klauenkupplung eingeführt

Als ich mit Detailkenntnissen über die burmesischen Eisenbahnen glänzte und mein burmesisches Eisenbahnbuch mit Fotos aus Insein herausholte, taute der Aufpasser ein bisschen auf. Er wollte dann sogar ein Foto mit mir vor der Dampflok haben.

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Außerhalb der Halle im Freien konnte ich einen ganzen Haufen alter, verrosteter Dampflokomotiven erkennen. Aber der Zugang nach draußen war abgeschlossen und bis jetzt konnte noch kein Schlüssel aufgetrieben werden. Als Entschädigung brachte der Mechaniker eine dicke Mappe und zeigte mir den Inhalt. Eine fast komplette Inventarliste aller jemals in Myanmar betriebenen Dampfloks samt Konstruktionsskizzen. Mehr dazu im übernächsten Bericht.

Im nächsten Bericht geht es dann erst einmal zu den Schrottresten der alten Dampfloks (darunter auch eine Beyer-Garratt) im Freigelände und anschließend im Nahverkehrszug zurück nach Yangon Hbf.


Bisherige Berichte dieser Serie:

Teil 1: Mal wieder Myanmar (Burma) – Yangon Hbf (12 Bilder)
Sehr exotisches Thema und sehr schöne Bilder!!!

Die "China-V-Lok" erinnert mich an die Alstoms die auch nach Ecuador geliefert worden. Vermutlich hat der Chinamann diese Fahrzeuge einfach kopiert.

Viele sonntägliche Grüße von Jan Olaf



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:03:15:12:49:57.
Sehr interessanter Bericht, und schöne Fotos.

Während Insein für die diesel-elektrischen Loks zuständig ist (und bis April 2008 die Dampfloks, immer noch für Dampfkräne), ist die Hauptwerkstatt Ywataung nahe Mandalay für die diesel-hydraulischen Loks zuständig. Diese fahren auch meisten im Norden des Landes.

Obwohl die Avonside-Lok SL 3 erst 1940 nach Burma kamm, wurde sie schon 1929 gebaut (Fabrik-Nr. 2026) und an Sir J. Jackson Ltd., Singapore geliefert.

Übrigens habe ich dank deiner Berichte das selbe Buch bei einem Buchhändler in Rangoon im Dezember 2008 gefunden.

Schöne Grüsse,
Thomas Kautzor.