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Hallöle,

wer sich für Bahnen in der rumänischen Bukowina interessiert, dem sei dieser rumänischsprachige Link empfohlen:
Prin Bucovina pe calea ferata
Beschrieben werden die Linien 502/513 Suceava-Paltinoasa und 515 Dornesti-Nisipitu. Ein Teil der Bilder in den Beiträgen sind Links zu Photobocket, die sich problemlos öffnen lassen.

Ich denke, mit ein wenig «Restlatein» im Kopf lassen sich die Beiträge lesen.

Viele Grüsse,
Hubert.
Hubert G. Königer schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallöle,
>
> wer sich für Bahnen in der rumänischen Bukowina
> interessiert, dem sei dieser rumänischsprachige
> Link empfohlen:
> Prin Bucovina pe calea ferata
> Beschrieben werden die Linien 502/513
> Suceava-Paltinoasa und 515 Dornesti-Nisipitu. Ein
> Teil der Bilder in den Beiträgen sind Links zu
> Photobocket, die sich problemlos öffnen lassen.
>
> Ich denke, mit ein wenig «Restlatein» im Kopf
> lassen sich die Beiträge lesen.


Vielen Dank für den Link. Kommt man bei Nisipitu über die Grenze in die Ukraine? Die Bilder zeigen (unscharf) eine Art Grenzübergang, sieht aber verschlossen aus...

Bilder von einer Fahrt nach Nisipitu 2006 hatte ich hier schon mal eingestellt:
[drehscheibe-online.ist-im-web.de]

Hier gibt es noch Bilder von der Strecke Dornesti-Siret von 2006:
[drehscheibe-online.ist-im-web.de]

Interessanterweise ist auf der Landkarte in dem rumänischen Beitrag einen Schienenanbindung aus Richtung Norden aus der heutigen Ukraine nach Siret eingezeichnet. Die heutige Strecke Dornesti-Siret wurde dann erst nach dem zweiten Weltkrieg gebaut?
MP schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hubert G. Königer schrieb:
...
Danke fürs Einstellen dieses hochinteressanten Links!
>
> Vielen Dank für den Link. Kommt man bei Nisipitu
> über die Grenze in die Ukraine? Die Bilder zeigen
> (unscharf) eine Art Grenzübergang, sieht aber
> verschlossen aus...

Das hier [img.photobucket.com] sieht wirklich wie "eine Art Grenzübergang" aus. In meinem rumänischen Straßenatlas ist eine durchgehende Straße eingezeichnet - wurde die Straße evtl. für allfällig notwendige "brüderliche Hilfe" (= "Konterrevolution") der UdSSR an Rumänien in Ordnung gehalten? ;-))
...
> Interessanterweise ist auf der Landkarte in dem
> rumänischen Beitrag einen Schienenanbindung aus
> Richtung Norden aus der heutigen Ukraine nach
> Siret eingezeichnet. Die heutige Strecke
> Dornesti-Siret wurde dann erst nach dem zweiten
> Weltkrieg gebaut?

Das ist korrekt. Im österreichischen Kursbuch 1914 existiert das Fahrplanbild 178c Hliboka-Sireth (in der Karte als Adancata-Siret bezeichnet). Nach Ende des 2. Weltkrieges verblieb Siret bei Rumänien, während Hliboka / Adancata / Glibokaya zur UdSSR kam und daher heute in der Ukraine liegt. das "Stationsverzeichnis der Eisenbahnen Europas" von 1939 kennt auch nur die Strecke von Adancata nach Siret. Ich vermute daher, daß die heutige Strecke nach Siret nach dem 2. Weltkrieg erbaut wurde. Hubert weiß dazu aber sicher mehr...?

Gruß aus Wien



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:11:28:17:28:46.
Hallo MP und der Rest der Welt,

Zur Bahnverbindung nach Siret zunächst ein Ausschnitt aus einer alten rumänischen Eisenbahnkarte von ca. 1920:

http://img151.imageshack.us/img151/6379/bukoig9.jpg

Hier sieht man die ursprüngliche Anbindung von Siret durch die am 01. Juli 1898 eröffnete Linie [Adâncata (österr. Hliboka)-] Petriceni (österr. Kamenka)-Siret (östterr. Sereth), welche in Petriceni von der Hauptbahn Cernauti (österr. Czernowitz)-Suceava Nord (österr. Itzkany) abzweigte und Siret aus nördlicher Richtung erreichte. Der damalige Bahnhof war ein Kopfbahnhof, ist heute Busbahnhof und damit nicht identisch mit dem heutigen «neuen» Bahnhof.

Der alte Bahnhof von Siret (Foto von Mircea Dorobantu) im Jahr 2006:

http://img151.imageshack.us/img151/7462/siretru8.jpg

Die Bukowina war bis 1918 österreichisch; die Bahn wurde von den «Neuen Bukowinaer Lokalbahnen» betrieben.

Im Jahre 1913 erbaute Österreich aus strategischen Gründen eine weitere von Sereth ebenfalls zuerst nach Norden ausgehende, dann nach Osten drehende Stichstrecke nach Synoutz Reichsgrenze (rum. Sinauti veche). Diese Strecke war kaum ein Jahr in Betrieb. Im Österr. Kursbuch von 1914 scheint sie mit vier täglichen und drei nichttäglichen gemischten Zugpaaren auf.

Beide genannten Strecken wurden nach Einmarsch der Russen (1914-1917) von denselbigen abgebaut. Nach Kriegsende wurde lediglich Petriceni-Siret durch Rumänien wieder aufgebaut und von der CFR betrieben. Als die Bukowina 1940 erneut von Russen besetzt wurde, hat man die Strecke endgültig aufgegeben.

Das Trassee der Strecke Siret-Adâncata führt bis Höhe Sterche (rum. Stârcea) im Wesentlichen links der heutigen Fernstrasse E85 Siret-Staatsgrenze-Cernivci; ich konnte es bei einer Busfahrt 1995 über diese Grenze noch teilweise erkennen.

Die heutige und entgegen der Kursbuchveröffentlichung erneut stillgelegte Strecke Dornesti-Siret wurde am 04. Juni 1986 eröffnet.

Zur Strecke Dornesti-Radauti-Nisipitu (-Ulma-Seletin):

Ich glaube nicht, dass in Nisipitu ein Grenzübergang ist, da auf der ukrainischen Seite nichts ausser Wald ist. Einen Sinn gäben Übergänge in Vicovu de Sus oder in Ulma, wo es auf der ukrainischen Seite Dörfer und weiterführende Strassen ins Landesinnere gibt.

Dass die Strecke vor dem 1. Weltkrieg ab Brodina schmalspurig (760mm) war und bis Seletin (ukr. Seliatyn) führte, dürfte bekannt sein. Die Russen haben 1916 mit dem abgebauten Material von Siret (siehe oben) die Strecke auf Normalspur (! Ja, nicht Breitspur!) umgebaut und eine Erweiterung nach Izvoarele Sucevei errichtet. Letztere wurde in den 30er Jahren durch die CFR wieder aufgegeben.

Quellen:
Radu Bellu, Mica monografie a cailor ferate din România, Vol. VI, Liniile regionalei de cale ferata Iasi; Hrsg. CFR, Bucuresti 2001
W. Wendelin, Karpatendampf Band 2, Schmalspurbahnen in der Nordbukowina; Eigenverlag, Lviv 2003

Ich hoffe, das war nicht zuviel oberlehrerhafter Geschichtsunterricht...

Viele Grüsse,
Hubert.
Hubert G. Königer schrieb:
...
> Zur Bahnverbindung nach Siret zunächst ein
> Ausschnitt aus einer alten rumänischen
> Eisenbahnkarte von ca. 1920:

Wunderbar! Danke!

> Hier sieht man die ursprüngliche Anbindung von
> Siret durch die am 01. Juli 1898 eröffnete Linie
> Petriceni (österr. Kamenka)-Siret (östterr.
> Sereth), welche in Petriceni von der Hauptbahn
> Cernauti (österr. Czernowitz)-Suceava Nord
> (österr. Itzkany) abzweigte und Siret aus
> nördlicher Richtung erreichte...

Und wieder eine Unklarheit beseitigt! Lt. Fahrplan von 1914 ist anzunehmen, daß die Strecke Hliboka-Sereth in oder bald hinter Hliboka abzweigt. Mitnichten - der Halt Kamenka (rum. Petriceni) wird nur von der Lokalbahn nach Sereth bedient.

...

> Die heutige und entgegen der
> Kursbuchveröffentlichung erneut stillgelegte
> Strecke Dornesti-Siret wurde am 04. Juni 1986
> eröffnet.

Weißt Du etwas über den Grund, warum diese Strecke überhaupt gebaut wurde?

> Zur Strecke Dornesti-Radauti-Nisipitu
> (-Ulma-Seletin):
>
> Ich glaube nicht, dass in Nisipitu ein
> Grenzübergang ist, da auf der ukrainischen Seite
> nichts ausser Wald ist. Einen Sinn gäben Übergänge
> in Vicovu de Sus oder in Ulma, wo es auf der
> ukrainischen Seite Dörfer und weiterführende
> Strassen ins Landesinnere gibt.

Aussehen tut's aber so! Hinter der Grenze liegen noch die Ortschaften Ruska, von wo man auf der Straße nach Berehomet kommt, und etwas weiter in Ri. Südwesten Selyatin, von wo aus Vizhnitsya erreichbar ist. Lt. meiner rumänischen Straßenatlas (Verlag Cartographia, Sf. Gheorghe, etwa 2002) existiert in Vicovu de Sus ein Straßenübergang, allerdings ins Nichts, denn er ist auf einer recht unbedeutenden Straße in Ri. Verkhny Petrivoy und nicht auf der als wichtiger markierten in Ri. Krasnoilsk eingezeichnet.

> Dass die Strecke vor dem 1. Weltkrieg ab Brodina
> schmalspurig (760mm) war und bis Seletin (ukr.
> Seliatyn) führte, dürfte bekannt sein. Die Russen
> haben 1916 mit dem abgebauten Material von Siret
> (siehe oben) die Strecke auf Normalspur (! Ja,
> nicht Breitspur!) umgebaut und eine Erweiterung
> nach Izvoarele Sucevei errichtet. Letztere wurde
> in den 30er Jahren durch die CFR wieder
> aufgegeben.

Ist bekannt. / Ist nicht bekannt!

> Ich hoffe, das war nicht zuviel oberlehrerhafter
> Geschichtsunterricht...

Nein!! Wunderbar, wieder einiges gelernt von meiner "Lieblingsgegend" der alten Monarchie!

Danke!

Gruß aus Wien
> > Zur Strecke Dornesti-Radauti-Nisipitu
> > (-Ulma-Seletin):
> >
> > Ich glaube nicht, dass in Nisipitu ein
> > Grenzübergang ist, da auf der ukrainischen
> Seite
> > nichts ausser Wald ist. Einen Sinn gäben
> Übergänge
> > in Vicovu de Sus oder in Ulma, wo es auf der
> > ukrainischen Seite Dörfer und weiterführende
> > Strassen ins Landesinnere gibt.
>
> Aussehen tut's aber so! Hinter der Grenze liegen
> noch die Ortschaften Ruska, von wo man auf der
> Straße nach Berehomet kommt, und etwas weiter in
> Ri. Südwesten Selyatin, von wo aus Vizhnitsya
> erreichbar ist. Lt. meiner rumänischen
> Straßenatlas (Verlag Cartographia, Sf. Gheorghe,
> etwa 2002) existiert in Vicovu de Sus ein
> Straßenübergang, allerdings ins Nichts, denn er
> ist auf einer recht unbedeutenden Straße in Ri.
> Verkhny Petrivoy und nicht auf der als wichtiger
> markierten in Ri. Krasnoilsk eingezeichnet.

In Vicovu de Sus ist der Straßengrenzübergang auch in Betrieb (war er zumindest letztes Jahr im Sommer) und mit gar nicht wenig Grenzverkehr für diese doch recht verlassene Gegend. Ich persönlich habe zwar nicht viele Autos an der Grenze beobachtet, aber es haben doch nicht wenige Fußgänger die Grenze passiert.

Ist wirklich eine in jeder Hinsicht interessante Gegend.

Re: Grenzübergang - gefunden!

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 28.11.08 20:54

Hallo Hubert (schön, von Dir zu lesen!), hallo an alle hier im Thema!

Bei googlemaps ist im Satellitenbild der genannte Grenzübergang aus der von Hubert verlinkten Bldreportage deutlich erkennbar. Die beiden Flugdächer über der Fahrbahn sind eindeutig. Er liegt an der "Straße" (und damit unmittelbar parallel zur ehemaligen Bahntrasse) von Nisipitul über Ulma (RO) nach Rus'ka (UA), direkt an der Grenzlinie (diese verläuft, wenn google hier exakt ist, direkt zwischen den beiden Dächern). Blickrichtung auf den Fotos: von den letzten Häusern von Ulma aus Richtung Ukraine. Im Satellitenbild links vom Übergang, also auf ukrainischer Seite, schaut die Straße allerdings überhaupt nicht nach einer solchen aus - vermutlich handelt es sich beim Übergang um eine Investitionsruine, jedenfalls bis dato??

Besteht eigentlich eine Chance, daß der zur Zeit eingestellte Verkehr nach Nisipitul wieder eröffnet wird, oder ist der Zug hier wirklich abgefahren?

Ich bin wirklich froh um W. Wendelins Recherchen und seine vielen Bilder von diesem abgebauten Strecken- und dem Grenzabschnitt zwischen Nisipitul und Selyatin in "Karpatendampf 2". So kann man sich die Gegend und das Umfeld dieser einst am kürzesten von der kkStB betriebenen Schmalspurbahn gut vorstellen.

Danke, Hubert, für den Link!

Schönen Abend,
Joachim

Re: Grenzübergang - gefunden!

geschrieben von: Hubert G. Königer

Datum: 30.11.08 11:40

Hallo Joachim, «Lindimax», Jörg etc.,

...dann haben meine Mutmassungen zu den Strassen-Grenzübergängen ja gestimmt.

Zur Wiedereröffnung der Strecke nach Nisipitul: ich weiss nichts Offizielles, glaube aber nicht daran. Wichtigste Stadt an der Strecke ab Dornesti ist Radauti; darüber hinaus eventuell noch Putna. Doch die Besucher des weltberühmten Klosters reisen bestimmt nicht per Bahn an.

Zur Linie nach Siret: Ich war zwar schon dort, weiss aber nicht, ob es dort Industrie für Schienengüterverkehr gibt. Siret ist nach Suceava ausgerichtet, und dorthin gibt es eine gute (und im Vergleich zur Bahn schnellere und umsteigefreie) Buslinie.

Beide Strecken gehören nicht zum betriebswirtschaftlichen CFR-Netz. Daher heisst es abwarten, was das neue Mersul Trenurilor bringt.

Wen es interessiert: Entlang der ukrainischen Grenze leben «Ruthenen» (auch Russinen genannt). Sie sprechen einen ukrainischen Dialekt. Als wir 1979 in Nisipitul im «Magazin mixt» (Tante-Emma-Laden mit Schnapsausschank) waren, stellte meine Frau ganz erstaunt fest: «Da spricht ja niemand mehr rumänisch!» Siehe diesen Link betr. Ruthenen.

Viele Grüsse,
Hubert.