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TR: Mit dem Toros Express nach Gaziantep Teil 2 (mB)

geschrieben von: Mistral

Datum: 17.06.08 13:21

Hallo,

hier also der zweite Teil:

Teil 2 von Adana nach Gaziantep

Um 07:10h geht`s ohne Lokwechsel weiter mit knapp zwei Stunden Verspätung Richtung Osten.

http://img179.imageshack.us/img179/8775/dscn2527uw7.jpg

zwischen Ceyan und Toprakkale ist linker Hand diese Burg zu bewundern, deren Herkunft sich mir nicht ganz erschließt. Deutschsprachige Quellen im Internet sprechen von einer Kreuzritterburg, die angeblich Toprakli kalesi genannt wird, englischsprachige Quellen nennen die Burg Abbasid castle und führen deren Entstehung auf die Abbasiden zurück. Mein Marco Polo Reiseführer kennt die Burg überhaupt nicht.

http://img406.imageshack.us/img406/8730/dscn2528xc5.jpg

Ankunft in Toprakkale. Von hier zweigt nach Süden die Strecke Richtung Iskenderun ab. Wie Cetinkaya und Malatya ist auch Toprakkale elektrifiziert, obwohl der elektrisch betriebene Erzverkehr per Gleisdreieck Toprakkale stets umfährt. Die junge Dame macht sich auf den Weg zum Gepäckwagen, um dort ihr aufgegebenes Gepäck in Empfang zu nehmen.

Ab Osmaniye wird der Zug dann leer, im Schlafwagen bin ich mittlerweile der einzige Fahrgast. Über Mamure geht es nun hinauf ins Nurgebirge nach Bahce. Von Bahce nach Antep sind es auf der Straße 90km, der Bus braucht dafür eine Stunde, der Toros Express planmäßig vier! Zwischen Toprakkale, wo die Strecke nach Iskenderun abzeigt, die derzeit im Personenverkehr aber nicht bedient wird und Fevzipascha ist unglaublich viel Güterverkehr. In Bahce kreuzen wir zwei Erzzüge die aus Demirdag bei Divrigi kommen, was rund 30 Minuten Aufenthalt bedeutet, anschließend geht es über Bahcesehir (wo auch nicht gehalten wird) in den fast 5 km langen Scheiteltunnel der Strecke hinab nach Fevzipascha, dem für mich aus betrieblicher Sicht interessantesten Bahnhof der ganzen Türkei.

http://img179.imageshack.us/img179/719/dscn2536er1.jpg

In der Ausweichstelle nach Mamure ein Güterzug (kein Erzzug!) E-lok bespannt. Dürfte eigentlich nicht vorkommen, da die wenigen E-loks für den Erzverkehr vorgesehen sind.


http://img293.imageshack.us/img293/2766/dscn2538lo7.jpg

Erzzug aus Divrigi/Demirdag nach Iskenderun bei der Einfahrt nach Bahce

http://img519.imageshack.us/img519/9025/dscn2542oa9.jpg

Die Erzwagen dieses Zuges weisen automatische Kupplungen auf

http://img151.imageshack.us/img151/3280/dscn2543gt5.jpg

Einfahrt des zweiten Erzzuges in Bahce

http://img179.imageshack.us/img179/32/dscn2544jb4.jpg

hier werden die Erzwagen „gemischt“ gekuppelt. Automatische Kupplung an konventioneller Kupplung. Der Grund dafür entzieht sich meiner Kenntnis.

http://img179.imageshack.us/img179/2969/dscn2550oj3.jpg

Blick von Bahce auf die neugebaute sechsspurige Autobahn von Adana nach Gaziantep. Hier ist richtig Geld in die Hand genommen worden. Die Busse benötigen für die 214 km von Antep nach Adana etwa drei Stunden, da sie in Osmaniye einen Zwischenhalt einlegen. PKW Verkehr ist kaum zu sehen, dafür viel Bus- und LKWverkehr, allerdings kein Vergleich zum Istanbuler Autobahnverkehr.

http://img247.imageshack.us/img247/3842/dscn2552hr9.jpg

Der Toros Express fährt in den 4509 km langen Scheiteltunnel des Nurgebirges ein. Auf der anderen Seite erwartet uns bereist die Tiefebene in der auch Fevzipascha liegt.

http://img206.imageshack.us/img206/2491/dscn2554ow2.jpg

Da hinab müssen wir

Aus topografischer Sicht war hier ein offener Loop nicht möglich, dafür hätte man einen Spiraltunnel bauen müssen, und so fungiert Fevzipascha als Spitzkehre. Lediglich die paar Züge Richtung Islahiye bzw. Syrien tangiert das nicht. Hier habe ich zum ersten Mal in der Türkei ein kleineres fotografisches Problem. Während Aufnahmen des Nordkopfes problemlos möglich waren, hat man mir Aufnahmen des Südkopfes höflich aber bestimmt verweigert. „Here no photos, please“.

http://img178.imageshack.us/img178/9629/dscn2563el6.jpg

Einfahrt in den Bahnhof Fevzipascha. Das linke Gleis führt über den Berg nach Adana/Iskenderun, das rechte Gleis Richtung Malatya/Gaziantep

http://img294.imageshack.us/img294/8406/dscn2562pe3.jpg

Viel Betrieb in Fevzipascha

http://img179.imageshack.us/img179/8232/dscn2564fz6.jpg

Der recht übersichtliche Fahrplan. Die internationalen Verbindungen sind nirgends aufgeführt.

Mit neuer Lok fahren wir dann um 10:30h weiter Richtung Narli, kreuzen oder überholen an jeder Station einen Güterzug und halten um 11:40h in Narli.

http://img84.imageshack.us/img84/4494/dscn2566yt1.jpg

Überholung eines Erzuges, der Richtung Malataya unterwegs ist im Bahnhof von Köprüagazi, den wir im weiteren Verlauf noch mehrmals begegnen werden.

http://img409.imageshack.us/img409/5476/dscn2570cl1.jpg

Einfahrt des Toros Express in den Bahnhof von Narli. Die Schranken werden der Einfachheit halber erst gleich gar nicht geschlossen

Dort wird die Lok abgekuppelt, verschwindet im Ostkopf des Bahnhofs um zehn Minuten später von Westen her kommend wieder am Zug anzukuppeln. Dann geht es in einem Loop einmal rund um Narli zum Ostkopf des Bahnhofes und weiter Richtung Antep. Eigentlich ist dieses Manöver völlig sinnlos, da wir die Fahrrichtung nicht gewechselt haben. In Antep erfahre ich dann, es gibt kein Gleisdreick zum Wenden der Garnitur, daher wird Narli dafür verwendet. Der Zug fährt somit am nächsten Betriebstag in Antep mit dem Schlafwagen an der Spitze aus, lässt in Narli den Loop außen vor und steht dann in Fevzipascha in der „richtigen“ Richtung nach Istanbul, also mit Schlafwagen am Schluss des Zuges. Hinter Narli geht es dann wieder hinauf in die Berge um Narli herum über Salmanli, Sehitarif und Beylerbeyi, dem neuen gewerblichen Zentrum von Antep mit großem Güterbahnhof in den Bahnhof von Gaziantep, Ankunft um 13:40 mit rund zwei Stunden Verspätung.

http://img179.imageshack.us/img179/4642/dscn2573zp8.jpg

Die DE 24 nähert sich, nachdem sie Narli umrundet hat, von Westen kommend wieder dem Zug

http://img179.imageshack.us/img179/9748/dscn2574hv1.jpg

Der Toros Express abfahrbereit in Narli

http://img179.imageshack.us/img179/1739/dscn2575vk3.jpg

Bei der Ausfahrt aus Narli in den Loop begegnet uns wieder der Güterzug aus Köprüagazi

http://img149.imageshack.us/img149/9235/dscn2578ss2.jpg

Einfahrt aus dem Loop in den Ostkopf des Bahnhofes Narli

http://img179.imageshack.us/img179/622/dscn2579eg0.jpg

Etwa fünf Kilometer sind die beiden Strecken nach Malatya und Gaziantep parallel geführt, daher können wir den Güterzug wieder überholen.

http://img441.imageshack.us/img441/415/dscn2580bx1.jpg

Die Strecke zweigt nach Süden ab und es geht in die Berge, wieder einmal um Narli herum

http://img179.imageshack.us/img179/4386/dscn2585dq7.jpg

Der Bahnhof von Salmanli, wo niemand ein- oder aussteigt, aber „Kuriergut“ entladen wird

http://img179.imageshack.us/img179/5320/dscn2582er6.jpg

Der dazu gehörige Ort, wie es sich in der Türkei gehört rund vier Kilometer vom Bahnhof enrfernt

http://img179.imageshack.us/img179/1262/dscn2586zk8.jpg

In den Bergen etwa 90 Minuten von Gaziantep entfernt

http://img363.imageshack.us/img363/2852/dscn2588ok4.jpg

Kreuzung mit einem Güterzug im Bahnhof Sehitarif

http://img181.imageshack.us/img181/4214/dscn2589ry1.jpg

Ausfahrt des Güterzuges mit 2x DE 24xxx aus Sehitarif

http://img179.imageshack.us/img179/9148/dscn2592he4.jpg

Ankunft nach 28 Stunden und 40 Minuten in Gaziantep am Freitag den 13. Juni (!!)

http://img179.imageshack.us/img179/3851/dscn2593hk6.jpg

Blick auf die Bahnsteigseite des in Hochlage erbauten Bahnhofs von Gaziantep. Der kleine Schalter für den Fahrkartenverkauf befindet sich im (leeren) Untergeschoss (Treppe runter) und war geöffnet.


Die Rückfahrt erfolgt dann per Bus nach Adana, dort Übernachtung im Hotel und am Samstagnachmittag mit dem IcAnadolu Mavi zurück nach Istanbul.

Kleine Anekdote am Rande: In der Türkei herrscht seit Mitte Mai Rauchverbot in öffentlichen geschlossenen Räumen, also auch im Zug. Der Anadolu Mavi hat einen Speisewagen (Baujahr 2006), in dem aber ab Adana geraucht wird. Bei mir am Tisch ein etwa 30 jähriger Türke, der, wie sich im Gespräch herausstellt Richter in Karaman ist und selbst der als Amtsperson raucht kräftig mit. Etwa zehn Minuten vor der Einfahrt nach Konya, dem Epizentrum der AKP und mittlerweile trockengelegt, sammelt der Kellner alle Aschenbecher ein, verweist die Raucher aus dem Wagen um zehn Minuten nach Abfahrt aus Konya den alten Zustand wieder her zu stellen, der bis Istanbul (Ankunft mit + 120) anhält. That´s the Turkish way of living!

Grüsse Mistral



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:06:17:15:28:35.

Re: TR: Mit dem Toros Express nach Gaziantep Teil 2 (mB)

geschrieben von: Idberg

Datum: 17.06.08 14:00

Sehr schöne Bilder! Beim Loop in Narli habe ich mich damals auch sehr gewundert, danke für die Erklärung!
Die Burg im ersten Bild ist auf der Marco Polo-Landkarte "Türkei" mit Namen bezeichnet. Leider wurde mir diese Karte später geklaut, so kann ich nicht mehr nachschauen... türkische Wikipedia hilft da nichts?

Hier noch ein paar Bilder (z.T. von den identischen Stellen!) die ich während meiner Reise mit dem Toros-Express aufgenommen habe, die ersten beiden zwischen Bahce und Fevzipasa, das dritte kurz vor Gaziantep:

http://farm3.static.flickr.com/2348/2449469515_86b37b8b02.jpg?v=0

http://farm3.static.flickr.com/2330/2450296228_4d593cbeec.jpg?v=0

http://farm4.static.flickr.com/3045/2449500253_539bec8434.jpg?v=0

Noch eine Ansicht der Betonwüste Antep:

http://farm3.static.flickr.com/2069/2449507115_79a2fa1ce8.jpg?v=0

(Mein ganzer Reisebericht: [www.flickr.com]
Wiedermal ein interessanter Bildbericht Mistral. Danke! Nur im ersten Teil wurde einmal CFS mit CFR verwechselt ;-)

Toller Bericht, Danke!

geschrieben von: BR232

Datum: 17.06.08 19:38

Hallo Mistral,
danke für den tollen Bericht und die schönen Fotos. Das macht gleich wieder Lust auf eine neue Tour. Leider muß ich wohl noch ein bißchen warten :(.

Grüße, Dirk

Re: TR: Mit dem Toros Express nach Gaziantep Teil 2 (mB)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 19.06.08 02:57

Schonmal gut, dass östlich von Adana wieder Reisezüge verkehren. Im Juni 2004 war dort Feierabend, alles Richtung Osten war im Fahrplan überklebt, es machte einen ziemlich endgültigen Eindruck. Einen Tag später sind wir mit dem Bus nach Adiyaman (beim i ohne Punkt patzt das Auslandsforum wie immer) gefahren, auf der parallelen Eisenbahn war nichtmal in den Bahnhöfen irgendein Fahrzeug zu sehen.
Die Willisonkupplung der Kohle- und Erzwagen hat, soweit das rauszubekommen war, hat den üblichen Grund der für Schraubenkupplung zu hohen Zugmasse. Die mit Schraubenkupplung habe ich vor allem im Einzellauf gesehen. Mischen ist aber kein Problem, weil die Kuppelköpfe alle mit einer Hilfskuppelkette ausgerüstet sind.
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/13/1246913/1280_3731636133393961.jpg

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/13/1246913/1280_6266653161336336.jpg

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