Hallo,
hier also der zweite Teil:
Teil 2 von Adana nach Gaziantep
Um 07:10h geht`s ohne Lokwechsel weiter mit knapp zwei Stunden Verspätung Richtung Osten.
zwischen Ceyan und Toprakkale ist linker Hand diese Burg zu bewundern, deren Herkunft sich mir nicht ganz erschließt. Deutschsprachige Quellen im Internet sprechen von einer Kreuzritterburg, die angeblich Toprakli kalesi genannt wird, englischsprachige Quellen nennen die Burg Abbasid castle und führen deren Entstehung auf die Abbasiden zurück. Mein Marco Polo Reiseführer kennt die Burg überhaupt nicht.
Ankunft in Toprakkale. Von hier zweigt nach Süden die Strecke Richtung Iskenderun ab. Wie Cetinkaya und Malatya ist auch Toprakkale elektrifiziert, obwohl der elektrisch betriebene Erzverkehr per Gleisdreieck Toprakkale stets umfährt. Die junge Dame macht sich auf den Weg zum Gepäckwagen, um dort ihr aufgegebenes Gepäck in Empfang zu nehmen.
Ab Osmaniye wird der Zug dann leer, im Schlafwagen bin ich mittlerweile der einzige Fahrgast. Über Mamure geht es nun hinauf ins Nurgebirge nach Bahce. Von Bahce nach Antep sind es auf der Straße 90km, der Bus braucht dafür eine Stunde, der Toros Express planmäßig vier! Zwischen Toprakkale, wo die Strecke nach Iskenderun abzeigt, die derzeit im Personenverkehr aber nicht bedient wird und Fevzipascha ist unglaublich viel Güterverkehr. In Bahce kreuzen wir zwei Erzzüge die aus Demirdag bei Divrigi kommen, was rund 30 Minuten Aufenthalt bedeutet, anschließend geht es über Bahcesehir (wo auch nicht gehalten wird) in den fast 5 km langen Scheiteltunnel der Strecke hinab nach Fevzipascha, dem für mich aus betrieblicher Sicht interessantesten Bahnhof der ganzen Türkei.
In der Ausweichstelle nach Mamure ein Güterzug (kein Erzzug!) E-lok bespannt. Dürfte eigentlich nicht vorkommen, da die wenigen E-loks für den Erzverkehr vorgesehen sind.
Erzzug aus Divrigi/Demirdag nach Iskenderun bei der Einfahrt nach Bahce
Die Erzwagen dieses Zuges weisen automatische Kupplungen auf
Einfahrt des zweiten Erzzuges in Bahce
hier werden die Erzwagen „gemischt“ gekuppelt. Automatische Kupplung an konventioneller Kupplung. Der Grund dafür entzieht sich meiner Kenntnis.
Blick von Bahce auf die neugebaute sechsspurige Autobahn von Adana nach Gaziantep. Hier ist richtig Geld in die Hand genommen worden. Die Busse benötigen für die 214 km von Antep nach Adana etwa drei Stunden, da sie in Osmaniye einen Zwischenhalt einlegen. PKW Verkehr ist kaum zu sehen, dafür viel Bus- und LKWverkehr, allerdings kein Vergleich zum Istanbuler Autobahnverkehr.
Der Toros Express fährt in den 4509 km langen Scheiteltunnel des Nurgebirges ein. Auf der anderen Seite erwartet uns bereist die Tiefebene in der auch Fevzipascha liegt.
Da hinab müssen wir
Aus topografischer Sicht war hier ein offener Loop nicht möglich, dafür hätte man einen Spiraltunnel bauen müssen, und so fungiert Fevzipascha als Spitzkehre. Lediglich die paar Züge Richtung Islahiye bzw. Syrien tangiert das nicht. Hier habe ich zum ersten Mal in der Türkei ein kleineres fotografisches Problem. Während Aufnahmen des Nordkopfes problemlos möglich waren, hat man mir Aufnahmen des Südkopfes höflich aber bestimmt verweigert. „Here no photos, please“.
Einfahrt in den Bahnhof Fevzipascha. Das linke Gleis führt über den Berg nach Adana/Iskenderun, das rechte Gleis Richtung Malatya/Gaziantep
Viel Betrieb in Fevzipascha
Der recht übersichtliche Fahrplan. Die internationalen Verbindungen sind nirgends aufgeführt.
Mit neuer Lok fahren wir dann um 10:30h weiter Richtung Narli, kreuzen oder überholen an jeder Station einen Güterzug und halten um 11:40h in Narli.
Überholung eines Erzuges, der Richtung Malataya unterwegs ist im Bahnhof von Köprüagazi, den wir im weiteren Verlauf noch mehrmals begegnen werden.
Einfahrt des Toros Express in den Bahnhof von Narli. Die Schranken werden der Einfachheit halber erst gleich gar nicht geschlossen
Dort wird die Lok abgekuppelt, verschwindet im Ostkopf des Bahnhofs um zehn Minuten später von Westen her kommend wieder am Zug anzukuppeln. Dann geht es in einem Loop einmal rund um Narli zum Ostkopf des Bahnhofes und weiter Richtung Antep. Eigentlich ist dieses Manöver völlig sinnlos, da wir die Fahrrichtung nicht gewechselt haben. In Antep erfahre ich dann, es gibt kein Gleisdreick zum Wenden der Garnitur, daher wird Narli dafür verwendet. Der Zug fährt somit am nächsten Betriebstag in Antep mit dem Schlafwagen an der Spitze aus, lässt in Narli den Loop außen vor und steht dann in Fevzipascha in der „richtigen“ Richtung nach Istanbul, also mit Schlafwagen am Schluss des Zuges. Hinter Narli geht es dann wieder hinauf in die Berge um Narli herum über Salmanli, Sehitarif und Beylerbeyi, dem neuen gewerblichen Zentrum von Antep mit großem Güterbahnhof in den Bahnhof von Gaziantep, Ankunft um 13:40 mit rund zwei Stunden Verspätung.
Die DE 24 nähert sich, nachdem sie Narli umrundet hat, von Westen kommend wieder dem Zug
Der Toros Express abfahrbereit in Narli
Bei der Ausfahrt aus Narli in den Loop begegnet uns wieder der Güterzug aus Köprüagazi
Einfahrt aus dem Loop in den Ostkopf des Bahnhofes Narli
Etwa fünf Kilometer sind die beiden Strecken nach Malatya und Gaziantep parallel geführt, daher können wir den Güterzug wieder überholen.
Die Strecke zweigt nach Süden ab und es geht in die Berge, wieder einmal um Narli herum
Der Bahnhof von Salmanli, wo niemand ein- oder aussteigt, aber „Kuriergut“ entladen wird
Der dazu gehörige Ort, wie es sich in der Türkei gehört rund vier Kilometer vom Bahnhof enrfernt
In den Bergen etwa 90 Minuten von Gaziantep entfernt
Kreuzung mit einem Güterzug im Bahnhof Sehitarif
Ausfahrt des Güterzuges mit 2x DE 24xxx aus Sehitarif
Ankunft nach 28 Stunden und 40 Minuten in Gaziantep am Freitag den 13. Juni (!!)
Blick auf die Bahnsteigseite des in Hochlage erbauten Bahnhofs von Gaziantep. Der kleine Schalter für den Fahrkartenverkauf befindet sich im (leeren) Untergeschoss (Treppe runter) und war geöffnet.
Die Rückfahrt erfolgt dann per Bus nach Adana, dort Übernachtung im Hotel und am Samstagnachmittag mit dem IcAnadolu Mavi zurück nach Istanbul.
Kleine Anekdote am Rande: In der Türkei herrscht seit Mitte Mai Rauchverbot in öffentlichen geschlossenen Räumen, also auch im Zug. Der Anadolu Mavi hat einen Speisewagen (Baujahr 2006), in dem aber ab Adana geraucht wird. Bei mir am Tisch ein etwa 30 jähriger Türke, der, wie sich im Gespräch herausstellt Richter in Karaman ist und selbst der als Amtsperson raucht kräftig mit. Etwa zehn Minuten vor der Einfahrt nach Konya, dem Epizentrum der AKP und mittlerweile trockengelegt, sammelt der Kellner alle Aschenbecher ein, verweist die Raucher aus dem Wagen um zehn Minuten nach Abfahrt aus Konya den alten Zustand wieder her zu stellen, der bis Istanbul (Ankunft mit + 120) anhält. That´s the Turkish way of living!
Grüsse Mistral
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:06:17:15:28:35.