Hallo,
eine Fahrt mit dem Torosexpress, über den auch hier schon einiges berichtet wurde, musste einfach sein. Am Donnerstag den 12. Juni 2008 habe ich es dann endlich "gewagt".
Teil 1 Von Istanbul nach Adana
Von Istanbul nach Gaziantep sind es 1411 TCDD Kilometer. Hier verkehrt der wohl bekannteste Zug(namen) der TCDD, der Toros Express dreimal pro Woche, Abfahrt jeweils Dienstag, Donnerstag und Sonntag. Von seinem alten Glanz ist nicht mehr viel übrig geblieben, die durchgehenden Schlafwagen nach Beirut, Damaskus und Bagdad, bis 1974 noch von der CIWLT betrieben, sind längst Geschichte, lediglich sonntags gibt es noch zwei CFS Schlafwagen nach Aleppo (Halep), deren Zuführung nach Istanbul donnerstags erfolgt (an Istanbul Freitag abends). Seit den neunziger Jahren fährt er auch wieder auf dem direkten Weg über die alte Bagdadbahn, davor wurde er über Ankara – Kayseri nach Adana geführt. Den Speisewagen gibt es seit 2006 auch nicht mehr aber dennoch ist dieser Zug ein Muss, durchfährt er Richtung Gaziantep die interessanten Strecken der Türkei als einziger Zug – auch Dank planmäßiger Verspätung – bei Tag.
Auch von der Betriebsführung her ist der Toros Express der interessanteste Zug der TCDD, da er auf seiner Fahrt mehrmals umgespannt wird, zweimal die Fahrtrichtung ändert – alles Dinge die die TCDD eigentlich vermeiden möchte - und zwei Loops befährt. Mittlerweile ist er an den beiden Tagen, an denen er ohne die syrischen Schlafwagen verkehrt auf sechs Wagen geschrumpft, an der Spitze hinter einer E 43xx ein 26,4m Bm und ein 23m Altbauwagen (Achterabteile) die ohne Reservierung benutzt werden können, zwei zu Pullmannwagen umgebaute ex Bm nur mit Reservierung nutzbar, ein Acm als Liegewagen (ohne Bettzeug) , ein WLA älterer Bauart mit zu öffnenden Fenstern (!!!) und am Schluss statt eines Packwagens ein gedeckter Zweiachser fürs aufgegebene Gepäck (ja, so etwas gibt es hier noch). Im Mai 2006 ist er mir noch begegnet mit jeweils zwei Schlaf- und Liegewagen.
Zuglaufschild Toros Express
Innenansicht Pullmannwagen Umbau aus Bm
Wie üblich fährt mich Mustafa morgens nach Sirkeci zur Abholung der per Internet gekauften Fahrkarten und nach einem kurzen Frühstück hinüber nach Karaköy, von dort geht es alleine weiter rüber nach Hayderpascha. Zehn Minuten vor Abfahrt bin ich da, der Schlafwagen ist zur Hälfte gefüllt, aber sonst gibt es ab Istanbul noch reichlich Platz. Um neun geht´s dann los Richtung Enveriye, wo der erste Lokwechsel stattfinden wird. In Arifiye muss ich dann meine Wasservorräte auffüllen und bekomme mit, dass der Zug mittlerweile ziemlich voll geworden ist (der Zug hält aber auch fast an jedem Bahnhof, bis Antep 79 mal). Im Nebengleis steht noch der Vangölu Express, der eigentlich gestern Abend um 23h in Hayderpascha hätte sein sollen. In Bilecik ist planmässig die Kreuzung mit dem Bogazici Express (aus Ankara) sowie die Überholung durch den Baskent Express (nach Ankara) vorgesehen, wir kommen mit + 15 an und fahren fast planmässig weiter, da der Baskent nicht kommt.
Bilecik, Warten auf Bogazici und Baskent Express
Also geht es hinauf über die Rampe nach Karaköy, Bozük und weiter nach Enveriye. Ab Inönü sind mittlerweile die Bauarbeiten für die HGV voll angelaufen und seit März ist richtig was zu sehen.
auf dem Bilecik Viadukt
Blick auf Bilecik Viadukt aus der höher gelegenen Kehrschleife
NBS bei Inönü
Nach dem Lokwechsel geht es weiter Richtung Alayunt durch eine herrliche Landschaft in zügiger Fahrt, die ab Uluköy eingebremst wird; das Stück bis Alayunt ist neu überarbeitetet worden, derzeit nur mit 20km/h befahrbar und Ankunft in Alayunt daher mit +20.
Viel Betrieb in Enveriye, dem kleinen Zweitbahnhof von Eskisehir, der ein Umfahren des Bahnhofs in Richtung Kütaya ermöglicht, allerdings das Umspannen von E-Lok auf Diesel notwendig macht
Der Toros Express abfahrbereit nach Lokwechsel in Enveriye
In Alayunt gibt es ein großes Gleisdreieck auf dem wir Richtung Westen nach Kütaya abbiegen, dort nach kurzem Aufenthalt für das Entriegeln der Weiche in den Loop einfahren und von Westen her kommend im Bahnhof auf Gleis 1 einlaufen. Der Güterwagen am Schluß fährt unbegeleitet und die Jungs vom Bahnhof Kütahya können zunächst den Türriegel nicht öffnen. Mit türkischer Finesse und einem Stück Gleis wird der Riegel doch noch geöffnet und nun kann verladen werden.
Ausfahrt aus Alayunt in Richtung Kütaya. Das linke Streckengleis führt direkt nach Afyon, wird im Regelbetrieb nur von Güterzügen genutzt. Man beachte das einzige Ausfahrtsignal.
Halt vor der Weiche im Ostkopf des Bahnhofs Kütaya, die erst entriegelt und umgelegt werden muss, damit der Loop befahren werden kann. Was der „Hosenträger“ hier soll, konnte mir keiner erklären.
Blick aus dem Loop auf den Bahnhof Kütaya
Der Gepäckwagen wird entriegelt
Allerdings kostet das Zeit und weiter geht es mit + 30 zurück nach Alayunt und übers Gleidreieck nach Süden Richtung Afyon. Im Dreieck liegt ein Posten, der als Alayunt Müselles bezeichnet wird, dort müssen wir halten weil ein ewig langer Containerzug nach Bandirma das Dreieck blockiert. Es gibt im Fahrplan für Müselles eine Abfahrtzeit, die aus meiner Sicht allerdings nur als Richtzeit zu verstehen ist, denn Ein- und Aussteigen kann man hier nicht, zumindest gibt es dafür keinerlei Vorrichtung.
Einfahrt in das Gleisdreieck von Alayunt aus Kütaya kommend in Richtung Afyon. Links ist die Abzweigung nach Alayunt und Eskisehir zu sehen, auf der wir 20 Minuten zuvor Richtung Kütaya gefahren sind.
Blick auf Alayunt Müselles und dem Rest des Containerzuges, dessen letzte Wagen noch im Streckengleis nach Afyon stehen und den dortigen Bahnübergang blockieren.
Weiter geht es über Cogürler, wo die verpackten verunfallten Wagen des Pamukkale Express immer noch stehen (siehe Reisebericht von BR 232) nach Degirmenözu, einem Ort an dem Boran(e) gewonnen und verladen wird. Die Strecke ist immer noch fest in „deutscher Hand“ was Signalisierung und Weichenantriebstechnik anbelangt.
Einfahrt in den Bahnhof von Degirmenözu
Weichen- und Signalspannwerke deutscher Herkunft im Bahnhof von Degirmenözu
Boran(e) Verladung in Degirmenözu
Es herrscht reger Güterverkehr, der Oberbau ist in Ordnung und mit + 30 kommen wir 18:15h in Afyon an. Hinten wird aufgegebenes Gepäck entladen und vorne, im zweiten Abteil des Bm „Kuriergut“ wie Briefe, Zeitungen etc. Mit Wasserfassen dauert alles rund zwanzig Minuten und 18:35h fahren wir weiter Richtung Konya. Der Bahnhof von Afyon, der wie viele Bahnhöfe der TCDD weitab der Stadt liegt, hat viel von seiner Herrlichkeit verloren. Der alte Rundlokschuppen, der 2006 noch stand, ist abgerissen und das Zugangebot mittlerweile recht übersichtlich.
„Kurierabteil“ des Toros Express, hier in Afyon
der mittlerweile recht übersichtliche Fahrplan im Bahnhof Afyon. Richtung Usak und Goncali (bei Denizli) gibt es keinen Personenverkehr mehr, lediglich der Pamukkale Express fährt nachts noch die Strecke Richtung Denizli
In Afyon wartet der Toros Express auf die Abfahrt
Bis Aksehir ist der Oberbau noch in Ordnung, zwischen Aksehir und Argithan fängt dann die berühmte LA an, die bis Konya reicht (die dort auch schon 2006 zu finden war) und jedem Zug mindestens 90 Minuten Verspätung einbringt, bei Kreuzungen entsprechend mehr. Bei der Einfahrt in Pinarbasi ist es 23:40h, hier treffen wir auf die aus Polatli kommende HGV Strecke Ankara – Konya, deren Trassierung weitgehend fertig gestellt ist und eine Stunde später sind wird dann in Konya. Hier ist wieder Lokwechsel angesagt, der Zug wird fast gestürmt und bei der Abfahrt um 00:50h gibt es keinen freien Platz mehr. Am nächsten Morgen weckt mich die Sonne,
Auf der Torosrampe hinab nach Durak morgens um sechs
Ankunft in Yenice morgens um 06:30h; über die Verspätung dürfte keiner unglücklich gewesen sein
Der Toros Express steht abfahrbereit in Adana
es ist sechs Uhr früh und wir verlassen den Bahnhof Kisali Bucagi um aus der Torosrampe hinab nach Yenice zu fahren und kommen in Adana an um 06:55h.
Gruß aus Istanbul Mistral
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:06:17:15:22:43.