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Heute vor einem Jahr waren wir .. schon in Trondheim ;)
Es geht im folgenden um zwei Tage, zwei Tage Lettland. Am ersten Tag haben wir uns nach Riga durchgekämpft und die wirklich schöne Stadt noch besichtigt und gut gegessen! Am zweiten Tag ging es dann entlang der Hauptstrecke bis Krustpils im Landesinnern – dem Verkehrsknoten der Eisenbahn.




Tag 75: Sonntag, 5.08.2007, Tartu – Riga, 420 km

[maps.google.de]

*phuuu*, heute Früh schien wieder mal voll die Sonne auf unser Zelt, was Sauna bedeutet. Schlecht für den Moment, aber gut für den Tag, so kommt man ungewollt relativ früh raus aus den Federn - 9:00 Uhr ;) Heute stand der Wechsel von Estland nach Lettland an ... wieder eine neue Sprache und was uns mehr betrifft, eine neue Währung. Jetzt sind wir also unsere lieb gewonnen Eestikronen mit den geilen 20 Rappen Noten los, hin zu Lettischen Lets. Ein schreckliches Geld, dazu aber unten mehr.
Ohne etwas zu Knipsen fuhren wir direkt an die Lettische Grenze und passierten diese ohne weitere Probleme (ID vorzeigen und das wars). Nun waren wir in Valga und wollten jetzt etwas Lettischen sehen. Gibt's aber nicht, den die hier im Osten sind irgendwie komisch. Da gibt es Personenzüge nach Valga von Estland her, aber keine von Lettland, diese ihrerseits fahren nur bis Lugazi, was wenige Kilometer hinter Valga im Landesinnern liegt. Das beste daran, Valga selber ist näher am Bahnhof Lugazi als Lugazi selber, da hat man wohl irgend ein Dorf gebraucht für die Namensgebung was in der nähe war. Zu diesem Bahnhof Lugazi aber fuhren wir mal um etwas über den hier hinfahrenden Personenzugsverkehr rauszukriegen. Was aber nicht gelang, den bis auf die an und Abfahrtsanzeiger von diesem Bahnhof war nix rum, kein Kursbuch nix. Und den Nachmittagszug nach Riga fuhr vor einer Stunde los, nächste Zugfahrt - in 5h. Also schnell weg, dahin wo was läuft .. und wir dachten da an Valmiera, der nächsten Stadt an der Strecke. Auch da gingen wir zum Bahnhof und fanden sogar eine Taigatrommel (M62) vor! Die stand fotogen abgestellt an einem Zug dran und wurde natürlich nicht unfotografiert zurück gelassen.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Lettland/07.06.05%20Riga/DSC_9147k%20copy.jpg

Taigatrommel M62 1240 steht in Valmiera und macht Pause.

P-Verkehr gibt’s hier aber auch nicht viel mehr, nur ein Zugpaar mehr (fährt früh morgens und kommt spät Abends an). War also Bahntechnisch auch nix, aber nun hatten wir Hunger und suchten uns mal einen Supermarkt. Obwohl Sonntag haben in diesem Land (wie eigentlich in allen Ländern bis auf die Schweiz) die Supermärkte immer geöffnet, viele sogar von 7-22 Uhr (einzelne sogar bis 24h !!) Dem Preisschauen und Essen besorgen stand nichts im Weg - nur die Währungswechsel. Wir liefen also zur kleinen Bank im Supermarkt drin (die auch offen hatte) und pappten da mal unsere restlichen Esti Kronen auf den Tisch. 120 hatte ich noch ... was einem ganzen Bündel Noten entsprach. Ich war gespannt wieviel ich nun zurück bekomme .. auch wieder so viel? Es waren, sehr enttäuschend, ein paar Münzen die nach nix wert ausschauen (obwohl 12 CHF). Wipf erging es ähnlich, er bekam immerhin noch ein 5 Lets Nötli ;) Das Geld hier ist für nix, ein Lets entspricht ungefähr 2.5 CHF ... das ganze dann gepaart mit halb so teuren Preisen wie bei uns ergibt eigentlich immer 0.X Beträge. Das ist zum Rechnen sowas von unangenehm, zudem kommen einem 100 CHF (die wir je am Automaten bezogen) vor wie nix, 490 Lets, was ist das schon? .. *tsts*. Das führt dann an jeder Kasse dazu, dass man gezwungen ist mit Kleingeld um sich zu werfen. Ausserdem kommt einem alles so teuer vor hier ;) Der Euro ist für uns Schweizer kein Problem, das ist für uns schon fast wie die eigene Währung, da muss man nicht mehr Umrechnen, das hat man im Blut. Aber ansonsten muss im Urlaub die Währung einfach weniger Wert haben, den wir sind ja reich also haben wir viel Geld - das ist logisch :D Das dann ein Land kommt und meint Geld zu haben ohne Wert das bringt uns zu 100% aus dem Konzept. Arme Leute hier, bekommen am Monatsende ein paar mickrige Noten die nach nix ausschauen, da lob ich mir Estland mit den 20 Rappen Noten. Günstig im vergleich zu uns ist es hier aber allemal, trotz dem supermistpreisen und dem richtig doofen Geld.
Nun fuhren wir aber dann ohne halt bis nach Riga durch, der Hauptstadt dieses Landes .. und im vergleich zu Tallinn ist es sogar eine richtig Grosse und auch schöne Stadt, wie wir am Abend noch herausgefunden haben. Nun galt aber unser Interesse erstmal dem Campingplatz, welcher beim Messezentrum irgendwo in eine Ecke gequetscht wurde, aber dafür schön Zentral gelegen. Mit 11 Lets war es dann aber auch einer der teuersten Campingplätze überhaupt welche wir besucht haben, schon erstaunlich, und das in einem der günstigsten Länder hier. Nun war aber mal Zeit zum Fotografieren wieder, wir fuhren erstmal zum Bahnhof um mal ein Kursbuch zu "Kaufen" und um den Betrieb mal kurz zu studieren. Nach dem Kurzbesuch, dauerte ca. 30min, also recht fix. drängte die Zeit bereits wieder, denn bald sollten zwei Fernverkehrszüge die Hauptstadt gen Westen verlassen. Und da wir nicht genau wussten was für Züge das sind, also ob Lokbespannt oder nicht, wollten wir für die mal stehen. Natürlich hofften wir auf etwas Lokbespanntes mit TEP70. Wir fuhren also aus dem Chaos der Stadt hinaus aufs "Land" ... und in die Wälder. Denn auch hier, man konnte es erahnen, ist die Strecke eigentlich immer in einem Wald oder hinter einer dicken Buschreihe versteckt. Auch die BÜ's eignen sich zum Fotografieren nur bedingt, denn wie in Estland auch sind die Masten der Elektroeisenbahn dermaßen hässlich und gross das man da nicht wirklich was gescheites machen kann. Trotzdem stellten wir uns mal an einen BÜ nähe Kegums und warteten auf die Züge. Bevor aber ein P-Zug unseren Weg kreuzte kam von hinten ein Güterzug des Weges gefahren, im Licht ... und mit einer 2M62, die Dinger sind echt mal geil. Es folgten dann die zwei Fernverkehrszüge ... beide mit Triebwagen, und nicht irgendwelchen sondern genau von dem Typ welche auch ein Land höher bei der Edeleisenbahn fährt. Es kam dann noch eine neue Elektroeisenbahn und eine alte ehe wir die Stelle wechselten.

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RVR ER2 989-09 der S-Bahn Riga nähe Kegums auf dem Weg nach Riga

Beim Bahnhof von Ogre (müsste es gewesen sein), breites beängstigend weit weg von unserem Bett fanden wir wieder was passendes .. und wieder kam, nachdem sich eine S-Bahn in Gleis 3 zum Wenden stellte, ein Güterzug mit 2M62 gen Riga daher.

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ER2 131707R wendet in Ogre auf Gleis 3 während auf Gleis 2 eine 2M62 nach Riga rollt.

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Gelb / blau entspricht der aktuellen Lackierung vom RVR Nah-/ und Fernverkehr

Es folgte noch ein P-Zug ehe wir abermals die Stelle wechselten nach Iksile. Auch da räumten wir wieder bissle ab, obwohl die Stelle eher mies war, es kam ein Güterzug einer Privatbahn, es kamen Fernverkehrszüge und S-Bahnen .. und alles in den verschiedensten Farben. Beim Fernverkehr gibt es rot/weisse Triebwagen, gelb/blaue und noch blau/weisse Triebwagen ... wobei das gelb/blau wohl die aktuelle Farbgebung ist. – Ist das wirklich der Fall?

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Lettland/07.06.05%20Riga/DSC_9183k%20copy.jpg

DR1A 149 3 aus Riga kommend bei Iksile

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A/S.Baltijans Tranzita Serviss mit 2M62 0293 bei Iksile - die einzige Privatbahn in Lettland.

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Eine Lackierungsvariante welche mir speziell gut gefällt - bei Iksile aus Riga.

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ER2M 605 mit verschieden lackierten Wagen bei Iksile von Riga kommend

Beim Nahverkehr gibt es ebenfalls mehrere Farben, auch das aktuelle blau/gelb und noch ein paar alte, z,B Braun oder grün - nix hübsches ;) Nachdem dann die Sonne so langsam hinter Schleiern und Wolken verschwand, man lässt uns ja nicht durchknipsen, drängte der Hunger und wir suchten uns auf dem Weg zur Hauptstadt noch was zu futtern und fuhren dann erstmal zum Campingplatz zurück.
Ab da dann wieder in die Stadt um die uns mal anzuschauen und noch ein Bier zu trinken irgendwo in der Altstadt. Was leider nicht gelang, noch eine alte Tatratram irgendwo zu knipsen, war zu schnell zu dunkel und die meisten waren eh mit Werbung zugeklebt. Ganz zum Ärger des Nachtwächters der Einfahrt zum Campingplatz kehrten wir dann relativ spät zurück und wollten auch noch rein ..

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Der Bahnhofsvorplatz von Riga ... etwas moderner als der von Tallinn ;)




Tag 76: Montag, 6.08.2007, Riga – Krustpils, 265 km

[maps.google.de]

Durch die Sonnenstrahlen, welche an unser Zelt schienen und es in eine Sauna verwandelten, wurden wir heute morgen artig früh geweckt. Bereits um 8 Uhr fing der Tag mit dem packen unserer 7 Sachen und der Abfahrt an. Weit kamen wir nicht, den die Daugavabrücke bei der Bahnhofsausfahrt musste noch mit. Nach der elendigen Parkplatzsuche und einen kleinen Fussmarsch fanden wir eine nette Stelle, von wo wir die Brücke samt Hochhaus und Raidisson SAS Hotel aufnehmen konnten. Wir warteten 3 S-Bahnzüge ab, von welchen jedoch keine in wirklich einheitlicher auffälliger neuer Lackierung erscheinen wollte.

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Eisenbahnbrücke in der Hauptstadt Riga - sie führt über die Daugava

Trotzdem zufrieden über den Tagesanfang zogen wir weiter um zu Frühstücken. Nicht das wir jetzt die einheimische Kost meiden wollten, doch der Mc an der Hauptstrasse erwies sich einfach als zu Ideal. Mit einem Burger und einem Milchshake konnte der Tag ein zweites mal beginnen.
Um der Elektroeisenbahn hierzulande noch einmal Adieu zu sagen, posierten wir uns an einem Bahnübergang gleich vor Azikraule und warteten den nächsten Zug ab. Gleich nach unserer Ankunft war ein lautstarkes wummern zu vernehmen, ganz klar, es konnte nur ein Güterzug sein. Es erschien eine Taigatrommel mit Güterzug, welchen wir im besten Sonnenlicht aufnehmen konnten. Laut Fahrplanauskunft sollte es noch 30min bis zur nächsten S-Bahn dauern, welche wir noch mitnehmen wollten. Zwischendurch gab es noch Besuch. Ein hier ansässiger Rentner kam unser Treiben ein wenig komisch vor und so tat er sich keinen Zwang an um uns anzuquatschen. Logischerweise konnte er kein Englisch und wollte auch nicht verstehen, dass wir kein Lettisch sprachen. Naja, er textete uns kurzerhand voll, schaute und blöd an, als wir die Schulter hoben zog wieder ab. Keine 5min wollten vergehen, ehe ein Auto auf der anderen Seite des BÜ’s parkierte und ein jüngerer Herr, mitte 30, ausstieg und uns ebenfalls auf Lettisch zuquatschte. Nix verstehen deine Sprach gaben wir zur Verständnis und forderten ihn auf Englisch mit uns zu reden. „What are you doing here??“ Wollte er in einem ziemlich unfreundlichen Ton wissen. Es scheint unser Hobby ist hier nicht so bekannt oder wir waren hier irgendwie in ein komisches Gebiet geraten. Er liess uns weiterwarten und zog wieder ab. Es verging nicht mehr viel Zeit ehe die erste S-Bahn erschien. Glücklicherweise war es ein modernisiertes Modell und wir beschlossen, am Endbahnhof mal einen kurzen Blick rein zu werfen. Zuerst stand jedoch noch die Überholung eines Dieselzuges an, welche wir im Bahnhof aufnahmen. Frontenvergleich.

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Eine neue S-Bahn kurz vor dem Endbahnhof Azikraule

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ER2T 7113-07R und DR1A 290 4 begegnen sich in Azikraule

Die S-Bahn erwies sich als sehr „S-Bahnig“. 3+3 Bestuhlung und alles schön aus Plastik. Der Führerstand ähnelte mehr einem Flugzeugcockpit, war jedoch schön klimatisiert. Alles in allem irgendwie nichts besonderes, einfach in russischem Design. Nun konnten wir weiterziehen. Tagesziel war heute Krustpils. Auf der Fahrt dahin wollten wir noch einige Züge mitnehmen, weshalb wir ab und an eine Strasse hineinschauten. Kurz nach Koknese blinkten die Lichter eines BÜ’s bereits. Stellen- und Lichttechnisch nicht gerade optimal erwischten wir einen Russendiesel mit Güterzug. Bei einer weiteren Stelle hielten wir jedoch ein wenig länger an. Kurz vor Plavinas überquerte die Hauptstrasse das Trasse der Eisenbahn auf einer hohen Brücke. Von dort konnte man prima in beide Richtungen fotografieren. Die Sonne war mittlerweile von den vielen Schleierwolken gedämmt, so dass ein allfälliger Frontschatten nicht so fest auffallen würde. Es verging nicht allzu viel Zeit, ehe es im Wald zu wummern anfing und einen Taigatrommel mit Kohlenganzzug erschien.

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In der nähe von Plavinas rollte diese 2M62 0894 der LDZ gen Osten

Das Vorsignal hinter unserem Rücken zeigte Halt an , weshalb wir auch noch den Gegenzug abwarten wollten. An der Gewaltigen Abgaswolke, welcher der Russendiesel über sich erblicken liess, war der Zug schon von weitem zu sehen. Es folgte eine 2TEP10M mit einem Mischwarenzug.

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2TE10U 217 beschleunigt mit einem gemischten Zug aus dem Bahnhof Plavinas

Genug von der Stelle gesehen und ein wenig verärgert über den immer dichter werdenden Schleier vor der Sonne fuhren wir weiter. Weit war es nicht mehr bis Krustpils, doch Stellen schienen vorhanden zu sein. Kurz vor dem Bahnhof vereinigt sich die Strecke aus Ventspils mit der Strecke aus Riga. Da wohl die meisten Züge aus Ventspils nach dem Bahnhof auf die Strecke nach Russland abbogen, wurde die ganze Infrastruktur so konstruiert, dass ein Zug von Riga nach Daugavpils und ein Zug von Ventspils nach Russland parallel durch den Bahnhof fahren konnten oder sich niveaufrei kreuzen konnten. So wurde die Strecke aus Ventspils mit einer Brücke über die Strecke aus Riga geführt und in einem weiten Bogen vereinigt. Die Eisenbahnbrücke bzw. der Damm davor eignete sich auf jeden Fall bestens als hoch stehender Standpunkt und wir warteten ab. Die Sonne schien mittlerweile irgendwo zwischen dem Schleier hindurch und es folgte eine TEM2 mit einem Kurzgüterzug aus Richtung Plavinas. Gleich darauf erschien in der Ferne eine Taigatrommel mit Kohlezug in Richtung Riga. Leider war nun wieder Schleier vor der Sonne und es war nur noch Halblicht. Schade. Zu allem Übel wiederholte sich genau dieselbe Situation 5min später, als wieder eine Taigatrommel mit Kohlezug erschien. 10min später wummerte es in der Gegenrichtung und eine TEP10M, ebenfalls mit Kohlezug, fuhr in den Bahnhof von Krustpils ein. Auf der Strecke nach Ventspils schien nicht wirklich viel los zu sein. Aufgrund des Schleiers und der mittlerweile arg verdunkelten Landschaft beschlossen wir hier abzubrechen und einmal das Städtchen Krustpils anzusehen. Es stellte sich als richtiges Kaff heraus. Lauter Bretterbuden und 2 Supermärkten. Sonst nichts wirklich erwähnenswertes. Die Daugava schien eher einer Kloake gleich als einem mächtigen Fluss und die einzige Brücke darüber hatte auch schon bessere Zeiten gesehen. In der Hoffnung auf einige Infos fuhren wir zum Bahnhof und stiefelten ein wenig auf dem Perron herum. Ausser dem Stellwerk und den beiden BÜ Überwachungshäuschen auf jeder Seite des Bahnhofes war kein Personal anzutreffen. Als sich der ältere Herr im BÜ Häuschen als ziemlich desinteressiert erwies, gaben wir auch die Hoffnung auf Infos auf. Irgendwie wollte es heute nichts so ganz!. Mehr als Zeitvertreib lichteten wir die immer noch im Bahnhof stehende 2TE10 ab und fotografierten den soeben einfahrenden Gegenzug, bespannt mit einer 2M62.

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Zugkreuzung im Bahnhof Krustpils

Diese hielt ebenfalls an und ein weiterer, diesmal sogar angestrahlter Russendiesel 2TE10U erschien mit einem Mischwarenzug.

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2TE10U 0190 der LDZ mit einem gemischten Güterzug im Bahnhof Krustpils

Da die Sonne je länger je mehr durch den Schleier hindurch brach, entschlossen wir uns nochmals zur Bahnbrücke zu fahren. Diesmal verging auch nicht wieder viel Zeit, ehe es zu dieseln begann. Nun schien es aber von der Strecke aus Ventspils zu kommen. Ein automatischer Heißläufersensor auf der anderen Brückenseite fing an zu rattern und ein In der Ferne erschien ein Baufahrzeug. Toll ;-). Wir standen zur Seite und warteten wieder ab. Im Bahnhof war ein Zug zu sehen, mal schauen wohin der will!?. Etwas gleichzeitig sprang das Einfahrsignal aus Riga auf Grün und in der weiten Ferne war ein leises wummern zu hören. Hmm.. Rush Hour. Der im Bahnhof gesichtete Zug bog in Richtung Ventspils ab, der andere kam aus Riga. Wer ist zuerst? Wir beschlossen uns aufzuteilen, um jeden der beiden Züge zu knipsen. Aus Richtung Riga kam eine Doppeltrommel mit Oeler, nach Ventspils zeichnete sich eine Russenlok ab. Doch hä?? Die Lok war rot.. und zwar nicht das Rot von Transoil, sondern ein anderes rot. Zu allem Erstaunen hatte die Lok noch LDZ Anschrift und Nummer. Ob das wohl das neue Farbschema ist?

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Lettland/07.08.06%20Daugavpils/DSC_9320k%20copy.jpg

2TE10M 3450 mit einem Ölzug aus Riga kurz vor dem Bahnhof Krustpils

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Zeitgleich - 2TE10U 0184 der LDZ in rot anstatt grün nahe Krustpils auf dem Weg nach Daugavpils

Der Vollständigkeit halber warteten wir auch noch einen Zug in Richtung Riga ab, welcher nicht lange auf sich warten liess.

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2M62 1186 mit einem Ölzug auf dem Weg nach Riga kurz hinter Krustpils

Danach konnten wir zufrieden Stelle wechseln.. Einige Kilometer weiter in Richtung Plavinas war eine grosse Fläche gelegen, welche wir noch fotografisch festhalten wollten. So warteten wir auch da auf einen Zug. Die Personenzüge ganz vergessen, waren wir ziemlich überrascht, als ein Steuerwagenführender Triebzug daherkam. Um noch einen richtigen Zug abzuwarten blieben wir noch, bis ein Güterzug erschien. Wiederum mit Trommel führend hörte man das gute Ding schon von weiter Ferne. Zum ersten mal sahen wir nun eine Vierfachtraktion, bestehend aus 2 2M62.

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2 2M62 mit einem gemischten Güterzug bei Plavinas

Als letztes warteten wir an der Stelle einen Fernverkehrszug ab, im Bahnhof Krustpils hatten wir die Abfahrtsanzeiger Fotografiert und laut diesem müsste bald einer kommen. Was er auch tat, bespannt mit einer TEP70.

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TEP70 0203 mit einem Latvijas Ekspresis nach Russland zwischen Plavinas und Krustpils

Nun blieb uns noch eine bekannte Stelle offen. Von der Strassenbrücke in Plavinas hatten wir noch eine andere Brücke gesehen, welche wir nun anschauen wollten. Sie erwies sich ebenfalls als fotogen und wir warteten ab. Es verging eine Stunde, zwei Stunden, von Zugsverkehr keine Spur. Nach guten 3 Stunden Wartezeit kam dann der Fahrplanmäßige Personenzug, welchen wir nachschossen. Ebenfalls folgte der Gegenzug und später noch einer. Immerhin hatten wir jetzt von jeder Farbgebung ein gutes Foto ;). Doch von Güterzügen war nichts zu sehen und es kamen auch keine mehr ehe die Sonne zu schwach für anständige Fotos war. Schade.

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DR1A 149 3 zwischen Plavinas und Krustpils auf dem Weg nach Osten

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Lettland/07.08.06%20Daugavpils/DSC_9396k%20copy.jpg

DR1A 2541 mit der schönsten der drei Farbgebungen zwischen Plavinas und Krustpils

Mittlerweile bereits 9 Uhr, machten wir uns auf die Suche nach dem Campingplatz. Dieser sollte sich rund 20km westlich von Krustpils an einem See befinden – das meinte zumindest unser ADAC Campingführer. Den Platz fanden wir auf Anhieb, die Rezeption bzw. den Besitzer nicht. Gäste waren auch keine Auszumachen. Nach hin und herlaufen fanden wir dann einen älteren Herr, der uns weiterhelfen wollte. Die Sprache war halt wieder einmal das Problem und seine Frau, welche ein ganz wenig Deutsch konnte, wurde gerufen. Glücklicherweise kam etwas zur selben Zeit der Besitzer noch kurz vorbeigefahren. So durften wir unser Zelt dann auf einer Wiese aufstellen und die Duschen und Klo’s benutzen. Kostenpunkt: 5 Lats für 2 Nächte – verglichen mit 11 Lats für eine Nacht in Riga ganz schön günstig.
Da wir wohl hier nichts mehr zu essen bekamen versuchten wir im nächsten Dorf unser Glück nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten. Erfolglos, einzig eine Tanke hatte geöffnet und so versorgten wir uns mit Bier und etwas zum Knabbern. Auf der Suche nach etwas Essbarem stiessen wir im Wagen noch auf Norwegische (!!) Ravioli ;) Akzeptabel, diese wurde dann mit dem Benzinkocher warm gemacht und wir genossen den Abend am See mit Futter und einem leckeren einheimischen Bier.




Das wars, noch nicht so spektakulär, wobei ich gelobe beim nächsten Teil etwas besserung, zumindest Bildmässig gefällt mir der dann besser. Nach dem nächsten welcher noch mal komplett Lettland ist geht es bereits nach Litauen, einem düsteren Kapitel unserer Reise ;)

Ich hoffe es hat gefallen, über Reaktionen und verbesserungen falls Fehler passiert sind danke ich jetzt schon!

Gruess
Nil

Ps. Besonders gefreut habe ich mich die Tage über eine E-Mail aus Riihimäki (Finnland), bis da hin hat es meine Berichterstattung also schon „geschafft“.

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:06:17:01:07:51.

Re: Nettes Betthupferl, danke :-)

geschrieben von: Jesuskind

Datum: 17.06.08 10:11

Salut Nil,

merci vielmals für die Fotoreportage. Au wäs nete so spektakulär isch gsi, isch es glich schön gsi.

Wunderschönes Land Lettland, lang isch es her.

Ä härzliche Gruäss us däm Obersimmetal.
Martin-Hinrich Kunzendorf
Hallo!
vielen Dank für die Berichte und Eure große Mühe!
Grüße, Martin
Wieder sehr interessant und aufschlußreich, wie Ihr diese Länder erlebt habt – im Vergleich zu mir, der ich ja auch im vorigen Sommer zum ersten Mal dort war.

Ich darf mir doch wieder einige Bemerkungen erlauben?

Die Währung heißt Lats und sie ist fast genauso viel wert wie das britische Pfund. Wo liegt also das Problem? Vielleicht, daß der kleinste Schein 5 Lats ist. Na gut, ungewohnt, aber auch in England so (5 Pfund).

Ich persönlich fand Lettland eigentlich als das teuerste der drei baltischen Länder.

Beim Grenzübergang Valga/Valka gibt es seit kurzem endlich wieder grenzüberschreitende Züge. Aber für grenzüberschreitendes Reisen eigentlich derzeit nicht wirklich brauchbar.

Das erste Bild der S-Bahn Riga hast Du mit RVR beschrieben (auch spätere Bilder), das ist aber die Firma, die den Zug gebaut hat (Rigaer Waggonfabrik oder so ähnlich) und keine Bahnbezeichnung. Auch ist es kein neuer Triebwagen sondern ein „erneuerter“. Refurbished könnte man auch sagen.
Die Bahnbezeichnung ist LDZ, wie auch auf dem Rigaer Hauptbahnhof deutlich zu lesen steht, wobei es für die Personenzugssparte eine Untergesellschaft gibt (PV).
Mit der Lackierung in gelb/blau hast Du recht, es ist die aktuelle Farbgebung. Rot/weiß waren die Dieseltriebwagen früher lackiert (und auch mir hat das am besten gefallen), und es gibt auch noch etliche davon. Grün/grau ist die alte Farbgebung noch aus Sowjetzeiten. Blau/weiß hab ich selbst nicht gesehen und ich kann auch leider nicht sagen, wie lange diese Farbgebung lackiert wurde und wieso. Möglicherweise waren die Triebwagen für den Fernverkehr so lackiert. Von außen kann man ja Fernverkehrswagen und Nahverkehrswagen nicht auseinanderhalten, sie unterscheiden sich in der Inneneinrichtung. Umso schöner also Dein Bild vom blauen DR1A-149 bei Iksile.

Schade, daß Ihr nie das reichhaltige Frühstück genießen konntet, das in Lettland üblich ist (z.B. am Bahnhof Riga, eine reiche Auswahl an diversen warmen Speisen).
Übrigens kann man Tallinn (alte mittelalterliche Stadt) nicht wirklich mit Riga (größte Stadt im Baltikum, die einzige echte Großstadt) vergleichen. Uns hat Tallinn besser als Riga gefallen. Und es stimmt: Straßenbahnen in richtiger Farbgebung sind gar nicht so leicht zu erwischen! Aber es gibt sie!

Freu mich schon auf die Fortsetzung und bin gespannt, wieso Litauen so düster für Euch war (für mich nicht!).
leicht OT zum Preisgefüge:
In Lettland ist es besonders in und um Riga teuer. Deshalb war auch euer Campingplatz so teuer. Ich selber habe paar mal in Hotels übernachtet, das sind auch extreme Wucherpreise.
Dasselbe gilt auch für Litauen, wobei es hier wiederum 3 "teure" Städte + Küste gibt.
Estland ist wiederum durch den finnischen Einfluss nicht billig.
Ich denke man kann es aber nicht pauschalisieren, welches Lnad am teuersten ist.

Wieder spitzen Beitrag mit schönen Bildern!
Hoi ;)

>>Die Währung heißt Lats und sie ist fast genauso viel wert wie das britische Pfund. Wo liegt also das Problem? Vielleicht, daß der >>kleinste Schein 5 Lats ist. Na gut, ungewohnt, aber auch in England so (5 Pfund).

Lat, nicht Let ... hab ich das also ungewollt "eingedeutsch", werde ich beim nächsten mal ändern.
Pfund, mit Pfund hab ich bisher auch keinerlei Erfahrung, auf die "Insel" kam ich bisher nie ;) Uns hat einfach der Gegensatz "gestört", vom total wertlosen Papiergeld aus Estland hin zum wertvollen Kleingeld. Wie gesagt, der Text entstand direkt an dem Abend, das ich etwas sehr negativ über die Währung lästere kann könnte auch von der Tagesform abhängig gewesen sein.

>>Das erste Bild der S-Bahn Riga hast Du mit RVR beschrieben (auch spätere Bilder), das ist aber die Firma, die den Zug gebaut hat >>(Rigaer Waggonfabrik oder so ähnlich) und keine Bahnbezeichnung.

Aha, deshalb tauchte dieses RVR in Litauen auch wieder auf ;)

>Schade, daß Ihr nie das reichhaltige Frühstück genießen konntet, das in Lettland üblich ist (z.B. am Bahnhof Riga, eine reiche >Auswahl an diversen warmen Speisen).

Riga am Morgen, hm .. wir haben uns nur Riga am Abend "gegönnt".
Und am Campingplatz im Wald gab es leider kein Frühstück ;)

>>wieso Litauen so düster für Euch war (für mich nicht!).

Ich bin auch erstaunt, von Litauen sieht man hier am meisten aus dem Baltikum. Doch trotzdem aus verschiedenen Gründen sind wir am schluss fast schon "geflüchtet". Gründe gab es viele, die sind dann im Text nachzulesen (bin selber gespannt den Text wieder zu lesen und zu schauen was wir geschrieben haben ;)).

ABER, Litauen ist das einzige Land vom Baltikum wo wir nach der Ausreise gesagt haben: Hier müssen wir wieder hin (auch wegen den neuen Loks).

Gruss

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:06:17:15:01:22.