DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 08/01 - Auslandsforum "classic" 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bitte unbedingt vor Benutzung des Forums die Ausführungsbestimmungen durchlesen!
Ein separates Forum gibt es für die Alpenländer Österreich und Schweiz - das Alpenlandforum
Zur besseren Übersicht und für die Suche: Bitte Länderkennzeichen nach ISO 3166 Alpha-2 in [eckigen Klammern] verwenden!
Hallo Welt,

Allgemein Informationen findet ihr hier: [www.bahnpics.com]

Alle Berichte und die ganzen Galerien findet ihr auch auf [www.bahnpics.com]
Falls ihr also ältere Berichte noch anschauen wollt, geht am besten über diese Seite.

Heute vor einem Jahr waren wir .. schon auf dem Weg nach Dombas .. eiei.
Es folgen die zwei letzten Tage in Estland (schon), weiter geht’s dann im nächsten Teil mit Lettland … lassen wir uns mal überraschen wann es soweit ist. Solange das Wetter hier so mies ist wird’s wohl kaum mehr lange dauern.
Noch ein Hinweis: Wer jetzt schon koller wegen den langweiligen Fotostellen bekommt, es geht bis und mit Litauen noch weiter mit den kein Stellen ;)




Tag 73: Freitag, 3.08.2007, Rakvere – Tartu 182km

[maps.google.de]

Das aufstehen heute war schwer, sehr schwer .. den in dem Bett hier hat es sich soo schön gepennt *gähn*, da will man gar nicht aufstehen. Aber das Wetter draussen und auch der Hunger (Frühstück war inklusive :)) trieben uns aus den (weichen) Federn. Voller Elan gingen wir runter zum Essen und trafen auf das "Buffet" ... öhm, naja, wir hatten uns da eigentlich was grösseres drunter vorgestellt, aber es war etwas Essbares dabei (so schmeckte es zumindest). Nach dem Frühstück und dem zusammenräumen (was man an einem Abend für ein Chaos veranstalten kann mit dem Elektronikmüll) fuhren wir los, in die Wolken und den Schleier hinein *bäääh*. Heute stand aber der Russenzug mit der GoRail Tep70 auf dem Programm ... Einzig kurz vor Tapa dreht die Strecke für wenige Kilometer soweit nach Süden das die Kiste im Licht kommt, da stellten wir uns hin. Und es begann zu Rollen wie es noch nie hat zu rollen begonnen (oder so:)). Es war der Bär los, schon auf dem Weg zur Stelle kamen wir einem Güterzug entgegen, dann kam einer nach Russland wo wir unsere Stelle bezogen und kurz darauf einer von Russland. Dann nochmals einer von Russland und dann noch einer auf der anderen Strecke nach Tartu. Bei dem Verkehr machten wir große Augen, was war den da los? Dann, 45min nach unserer Ankunft kam die erhoffte Tep70 von GoRail mit dem Russenzug nach Tallinn.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8904k%20copy.jpg

Eestiraudtee Lok 1570 mit einem Nahgüterzug bei Tapa

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8911k%20copy.jpg

TEP70 0320 von GoRail mit einem Zug aus Russland nach Talllinn bei Tapa

Bevor wir uns jetzt an die Strecke nach Tartu verkrümeln wollten musste noch etwas zum Essen her UND in Tapa wollten wir uns ja mal noch den Bahnhof anschauen. Und was stand da, eine GM die gerade am Rangieren war .. in der Sonne. Dieser Lok gaben wir dann ein paar Minuten bis sie mal genau da stand wo wir das wollten. In dieser Zeit rollten übrigens wieder zwei Güterzüge durch den Bahnhof .. einer von Tartu und einer nach Russland.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8925k%20copy.jpg

Lok 1534 mit einem Getreidezug nach Russland in Tapa

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8951k%20copy.jpg

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8953k%20copy.jpg

Lok 1572 mit Rangieren beschäftigt im Bahnhof von Tapa

Sooo, damit wir noch etwas von dem ganzen Verkehr mitnehmen konnten mussten wir mal auf die Strecke. Bei dem Dorf Vägeva fanden wir an einem BÜ (was sonst) ein nettes Platzerl zum warten für Züge nach Tartu. Es kam dann mal vor dem ganzen Eisenbahnverkehr noch "unser Nachbar" vorbei, an dessen Grundstückrand wir wohl standen. Er konnte sogar Englisch und erzählte uns das er mal in St. Moritz war ect. - wie sich solche Leute das leisten können, das kann sich nicht mal unsereins. Naja, er war freundlich und schnell wieder weg ... nur Züge fehlten noch. Es kamen zwei Edeleisenbahnen und zwei Güterzüge von hinten, beide mit GM *grummel*. Als es dann ein drittes mal hornte von hinten wurde uns das zu Bunt und wir wechselten an einen anderen BÜ. Wenn wir die Kisten schon mit Frontschatten schiessen dann wenigstens nicht immer an einer Stelle. Beim Dorfeingangsbü gings dann auch ganz gut, aber er kam halt aus der falschen Richtung.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8973k%20copy.jpg

Erneut eine Edeleisenbahn, DR1B nähe Vägeva - hier in der verkürzten Form.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8988k%20copy.jpg

Nächster Zug von Tartu, Lok 1543 mit Schüttgut nähe Vägeva

Wir stellten uns dann erneut an den "alten" BÜ, eigentlich immer in Erwartung auf den Spacecomzug von den letzten Tagen. Er kam nicht, stattdessen stand wieder eine Edeleisenbahn an, aber auch von denen hatten wir schon reichlich am BÜ, also standen wir zum Bahnhof des Dorfes und knipsten den da von einem alten Stapel schwellen runter.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_8993k%20copy.jpg

Edeleisenbahn nach Tallinn aus Tartu im Bahnhof von Vägeva

Es war dann auch wieder gut und wir glaubten nicht wirklich mehr an Güterzüge. So fuhren wir weiter in Richtung Tartu, bis nach Jögeva, da stand eine Edelzugkreuzung in absehbarer Zeit an. Die zwei Züge wurden erlegt und wir waren wieder Weg.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_9006k%20copy.jpg

DR1B Steuerwagen nach Tallinn kurz vor dem Bahnhof von Jögeva

Am Stadtrand von Tartu dann schauten wir wieder in die immer vorhanden Stadtkarten um den Weg zu unserem "Campingplatz" zu suchen. Es ist kein Campingplatz im eigentlichen Sinne, es ist mehr .. ein Haus wessen Garten man nutzen kann für bissle Geld. Wobei es dann kein normales Haus ist, es ist u.A eine B&B Bude in einem Studentenwohnheim betrieben. Diesen Eindruck macht das alles auf alle Fälle. Die Rezeption war in der Küche, die drei Mädels die da sassen hatten von nix so richtig ne Ahnung, aber Geld wollten die haben ... jaja ;) Wir bauten uns dann schnell auf und verdufteten wieder ab in die Stadt, zum "Bahnhof". Wobei Bahnhof eher ein zu netter Ausdruck für dieses schäbige Holzgebäude ist. Es stand da am "Bahnhof" ein Edelzug abgestellt welcher erlegt wurde und ein paar GMs unfotogen. Nebenan war noch das BW von der Spacecom, welche aber leider auch keine Loks Fotogen vor dem Schuppen stehen hatte.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.04%20Tartu/DSC_9020k%20copy.jpg

Besuch im \"Bahnhof\" Tartu, der zweit grössten Stadt des Landes.

Dann entdeckten wir nochmals eine GM Rumstehen, im Licht .. und dahinter eine Eestiraudtee Russenlok, versifft aber sie stand da. Gerade als wir bei der GM angekommen sind verschwand das Licht ab, nicht schlimm, denn der Schleier war nicht gross und unsere Geduld aber schon. Als wir dann so warteten, es waren nur wenige Minuten vergangen, tauchten an einem Gebäude drei Gestalten auf. Eine mit Warnweste, schien offiziell und zwei Mafiosis im Anzug. Wir schenkten dem weiter keine Beachtung obwohl die ab und an in unsere Richtung schauten. Als dann die Sonne kam nahmen wir die Kamera für die GM *knpis* und wollten uns gerade auf den Weg zum Russen machen als die zwei Mafia(ffen) typen auf uns zu liefen. Die zwei Herren waren gross, stark gebaut, dazu natürlich mit Sonnenbrille. Sehen halt so wie Russische Mafiosis aus ... *bibber*. Wir grüssten, wie wir es hier immer machen, in Nuschelform irgendwas dahin, als der eine laut was auf Estisch sagte. Deutsch, Englisch ... mehr sprechen wir nicht. NO FOTO, mehr verstanden wir nicht, aber das haben wir verstanden. No Foto und so ... *mhm*, egal, lieber weg bevor der Chef kommt, wir trauern zwar dem Russen noch was nach, aber die GM hat gereicht. Also good bye und auf wiedertschüss .. und schon waren wir wieder verschwunden und auf dem Weg zum ESSEN! Die Stadt Tartu schreit sich zweitgrösste Stadt des Landes, aber nebst super Hasenställen zum drin Wohnen besteht die halbe Stadt aus Holzhäusern, die natürlich schön versifft sind. Also so stelle ich mir keine Grossstadt vor ;) Egal, die Innenstadt sieht freundlich restauriert aus und was zu Futtern gabs auch. Für umgerechnet 15 CHF Aßen wir zu Abend, mit Getränkt und Dessert *lecker*. Ab und an schaute noch die Polisei auf dem Hauptplatz vorbei (sind hier eh sehr präsent in den Städten) und verleite und ein Gefühl von Sicherheit - aber das Auto stand weit weg *bibber* ;) Aber auch das Auto war noch heile als wir vorhin von der Stadt zurück auf unseren "Zeltplatz" gefahren sind ...




Tag 74: Samstag, 4.08.2007, Tartu – Tartu, 201km

[maps.google.de]

Der heutige Morgen fing früh an, sehr früh sogar. Um geschlagen 5:30 Uhr rief von draußen jemand an unser Zelt „Hello, Hello“. Genervt aufgewacht und aus dem Zelt schauend, teilte mir eine älter Dame im gebrochenen Englisch mit, dass Sie etwas in ihrem Zimmer vergessen, den Schlüssel aber bereits abgegeben hatte. Klar, die Tür war nun von außen nicht mehr aufzukriegen ohne Schlüssel und so bleib der Dame nichts anderes übrig als das erst beste Zelt draußen aufzuwecken. Und wer war das erste Zelt?? Natürlich unser *GRMBL*. Zu allem Übel brachte die alte Schabracke das Schloss nicht mal auf, was ja auch ein wenig Geschicklichkeit erforderte. So durfte ich auch noch Trainerhose anziehen und ihr die Tür zu öffnen. Kaum wenige Minuten waren vergangen, lag ich wieder in meinem Schlafsack und träumte im Tiefschlaf wieder vor mich hin. Einige Zeit später, so gegen 7 Uhr rasselte unser Wecker und zwang uns wiederum aus dem Tiefschlaf. Jetzt war aber Grund genug aufzustehen, den der blaue Himmel und die Sonne lockte an die Strecke. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir einige Kilometer raus aus Tartu an die Strecke in Richtung Russland. In der Annahme, dass hier ein wenig mehr verkehrt als oben, setzten wir uns bei Tööraste auf einen relativ hohen Holzstapel und warteten ab. Es sollte einige Zeit dauern, bis das Ausfahrsignal von Tööraste auf Grün sprang. Wir beschlossen, wenn der Zug was Gescheites sei, ihn als Taxi zu benutzen und mit dem Zug in Richtung Pölva zu fahren. Bedingung.. es müsste eine GM oder ein blauer Russendiesel sein. So warteten wir ab und hörten schon bald ein Diesel wummern. Hmm.. was ist es wohl? Die Lichter erschienen und die Front war zu erkennen. Russendiesel TEP116. Doch was für eine Farbe? Zuerst dachten wir, es sei eine rote, da die Lokfront ziemlich dunkel wirkte. Danach sah es arg nach Grün aus.. und als die Lok zu uns kam war unser erstaunen umso grösser. Königsblau!?!?! Hääää???

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9040k%20copy.jpg

2TE 116 670 vom EVU AS Coal Terminal Trans im Bahnhof von Tööraste

Egal, schnell ins Auto und dem gemächlichen Riesen folgen. Bereits beim nächsten Bahnübergang hatten wir genug Vorsprung dass es noch auf die andere Seite reichte. Mit Tele rein.. mit Normalbrennweite nochmals.. prima. Weiter gings.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9048k%20copy.jpg

Nur wenige Kilometer weiter gelang das zweite Bild des Zuges welcher gen Russland strebt.

Nächster BÜ war bei Vana – Kuuste, danach nochmals in Vastse Kuuste. Hier war auf der Karte ein Weg eingezeichnet.. doch in Wirklichkeit gab es keinen BÜ. Verärgert drehten wir bei und folgten wieder auf der Hauptstrasse dem Zug. Wiederum der Meinung genug Vorsprung zu haben, bogen wir in Richtung Taevaskoja in eine Schotterpiste und folgten dieser. Als der BÜ in sichtweite war, sah man lediglich die beiden roten Lampen abwechselnd blinken.. sch… schon hier der Zug? Es reiche gerade noch um auszusteigen, Kamera herauszunehmen, sich kurz umzuschauen und abzudrücken. Leider wird die Strecke im Moment umfassend modernisiert und so standen wir nun mitten in einer Baustelle. Ab in die Tonne mit dem Foto. Weiter mussten wir, waren doch noch ein BÜ’s bis Pölva ;-). In Pölva überquert die Bahn die Hauptstrasse auf gleichem Niveau. Vor dem BÜ verlief sie jedoch noch in einem netten Einschnitt, welchen wir uns zunutze machten. Zusammen mit einem alten Strommasten und der Telegrafenleitung gab es ein nettes Motiv, welches wir gleich auf Anhieb fanden.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9067k%20copy.jpg

2TE 116 670 an der Einfahrt von Pölva - wir nähern uns Russland

Zum Glück, den viel Zeit hatten wir nicht auf Vorrat, da der Zug ja immer rollte. Bei der Ankunft hatten wir noch einen Gegenzug im Kreuzungsbahnhof Pölva gesehen. Bespannung war ein hellblauer Diesel. Leider kam auch diese Lok wieder einmal nirgends im Licht. Die Hellblauen mochten uns wohl nicht ;(. Da unsere Königsblaue Lok hier anhalten musste, wagten wir nochmals einen Versuch. Hinter Pölva trennten sich Bahn und Strasse voneinander und die Bahn konnte nur noch über eine längere Schotterpiste erreicht werden. Davon gab es 3. Wir entschieden uns für die mittlere und trafen nahe Russa auf die Bahn. Wie aus Zauberhand präsentierte sich die Bahn auch hier chic und einem Foto stand nichts mehr im Wege. Doch wo blieb der Zug? Schon vorbei oder kommt er erst noch? Ein lautes dumpfes Hornen in der Weite bestätigte unsere Hoffnung. Er kam noch. Die Sonne strahlte aus voller Kraft als die elegant wirkende Lok an uns vorbeizog. Nun waren wir uns einig, mehr Zugsverfolgung rentiert nicht. Gemütlich zusammengepackt, wollten wir noch an den nächsten Ausweichbahnhof fahren, um die Fahrzeiten für die nächsten Züge zu kriegen. Auf einer Schotterpiste folgten wir der Bahn bis nach Veriora. Hier befand sich neben einem Holzverladebereich ein kleiner Bahnhof mit 2 Ausweichgleisen. Zu unserem Erstaunen stand die Königsblaue Lok mit ihrem Zug noch im Ausweichgleis und wartete anscheinend auf einen Gegenzug. Hmm.. mitnehmen ;-). Als wir unser Auto parkten und dem Zug entlang zur Spitze liefen, hörte man bereits das dieseln des Gegenzuges. Hätte ich gewusst was kam, ich währe gerannt. Als Gegenzug kam eine grüne TEP116, wie sie halt in Russland aussah. Davon hatte ich jedoch nichts, da ich einfach zu langsam war. Schade. So fotografierten wir die Königsblaue bei ihrer Ausfahrt und liefen zum Auto zurück.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9083k%20copy.jpg

... und nochmals im Bahnhof von Veriora, fast dem letzten vor Russland.

Nach einem Eis im Dorfladen gingen wir zum Bahnhof und klopften einmal freundlich an die Tür des „Stellwerkes“. Eine Dame öffnete und konnte natürlich kein Englisch. Mit Händen und Füssen machten wir auf unser Belangen aufmerksam, wurden aber mit der Antwort enttäuscht, dass Sie auch keine Ahnung hatte, wann die Züge kommen würden. Sie kommen wenn sie kommen war hier die Devise, was wohl in Zusammenarbeit mit Russland nicht verkehrt war. Und nu? Auto beim BÜ parken und abwarten. Die Sonne wollte hier noch lange stimmen und wir konnten uns über die „Töffligangsta“ im Dorf lustig machen und den Mädels nachschauen ;-). Nach einiger Zeit kündigte sich ein Zug aus Russland an. Leider war das Licht hier nur für Züge nach Russland gut, jedoch nicht für Züge aus Russland. Da die Bahn bis zum vorherigen Standpunkt eine Linkskurve machte, nahmen wir an, dass das Licht dort stimmen könnte. Nichts wie hin da. Gesagt, getan, standen wir gute 5min später bei der vorherigen Stelle in Russa. Was kommen würde, wussten wir natürlich nicht, da wir zu früh losgefahren waren. Unsere Freude war um so grösser, als sich ein hellblauer Russendiesel ankündigte. Endlich!. Das Licht passte und die Stelle war in die Gegenrichtung auch nett.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9095k%20copy.jpg

2TE 116 1034 von SpaceCom mit einem Öler bei Russa gen Tartu

Statt nach dem Zug wieder zurückzufahren, blieben wir nun in Russa stehen, da das Licht für Züge aus Russland hier gut war und wir für Züge nach Russland wieder zurück nach Veriora wechseln konnten. Lange Zeit verging, die Sonne brannte mit geballter Kraft auf unser Auto und an der Bahnstrecke rührte sich nichts. Mühsam!. Kurz vor 15 Uhr war es dann auch Personenzugzeit und der blaue Triebzug kam pünktlich. Leider nur 3-teilig.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9099k%20copy.jpg

Eine der zwei Personenzüge vom Tag in Form von DR1B 3711 bei Russa

Wieder warteten wir lange Zeit, ehe sich die BÜ-Lichter zum blinken entschieden. Es folgte eine dunkelblaue (hatten wir bisher auch noch nie gesehen) Lok mit Mischwarenzug.. hätte meiner Meinung auch gerne die Grüne sein dürfen ;-).

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9110k%20copy.jpg

2TE 116 1259 wieder von AS Coal Terminal Trans bei Russa

Auf den Zug folgte noch eine Königsblaue Lok als Lz nach Tartu. Da sich die Sonne schon weit gedreht hatte und mittlerweile die Uhr auch schon später Nachmittag anzeigte, entschieden wir uns, den nächsten Zug wiederrum als Taxi zurück zu benutzen. Um nicht immer an derselben Stelle zu hocken, fuhren wir noch einen BÜ weiter nach Holvandi

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9121k%20copy.jpg

Ein Lokzug von AS Coal Terminal Trans im Haltepunkt von Holvandi

Leider wurde mit der Zeit das Licht auch nicht besser und wir wechselten abermals die Stelle als die Schatten die Gleise im spitzen Winkel erreichten. Der Einfachheit halber, fuhren wir nun nach Pölva, wo wir einen Bahnhof um nachzufragen hatten. Wir glaubten nicht mehr wirklich an ein Foto heute, doch die Dame im Bahnhofsgebäude versicherte uns, dass in 20min ein Zug kommen würde. Perfekt!. Unsere Tankanzeige jammerte mittlerweile auch schon ein wenig und wir mussten unserem Auto neuen Treibstoff gönnen. Bei einer eher altertümlich wirkenden Tankstelle füllten wir unseren kleinen Tank auf und fuhren zurück an den BÜ in Pölva, wo noch keine Schatten im Bild zu sehen waren. Bald schon senkten sich die Schranken und die Signale sprangen auf Grün. Spitzenlichter tauchten am Ende des Bahnhofes auf und wir freuten uns am stetigen Sonnenschein. Von kurzer Dauer war die Freude, bis wir merkten das auch diese Lok als Lz kam. Ob das wohl am Samstag liegt?!?.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9125k%20copy.jpg

Ein zweiter Lokzug, nicht derselbe, im Bahnhof von Pölva gen Tartu.

Das kanns jetzt noch nicht gewesen sein, den eine Lok alleine als Taxi chict sich überhaupt nicht. Beim nahe gelegenen Schrankenwärter erkundigten wir uns nochmals über allfälligen Zugsverkehr. Per rotem Telefon fragte dieser beim Stellwerk nach und antwortete uns mit einem zünfigten Niet. Keine Züge mehr heute?? DA! war seine Antwort.
Ein wenig Enttäuscht fuhren wir nun ohne Zug im Nacken zurück nach Tartu. Kurz vor den Stadtpforten warteten wir nochmals auf die allein fahrende Lok, welche wir vor einem alten Bahnhof in Soinaste erwischten.

http://www.bahnpics.com/nil/Urlaub%2007/Estland/07.08.05%20Tartu/DSC_9138k%20copy.jpg

Der Lokzug nochmals am Stadtrand von Tartu, bei Soinaste – Büchsenlicht sagt man in Deutschland glaube ich dazu? ;)

In Vorfreude auf eine Dusche fuhren wir zu unserem „Campingplatz“ zurück. Da wir am Vortag nicht für Dusche bezahlten wollten, wurde uns auch nicht erklärt wo sich diese im Haus befand. Für die bevorstehende Nacht hatten wir ebenfalls noch kein Geld abgedrückt und so standen wir beide kurz nach unserer Rückkehr im Wohnbereich des Gebäudes. Das einzige Mädel im Haus, bekleidet nur in einem sehr kurzen Kleid, wusste auch nix von bezahlen und meinte nur, dass sich erst morgen wieder jemand von der „Rezeption“ hier blicken lassen würde. So ging es halt ohne Dusche in die Stadt, wo wir bei einem Bier und einem feinen Essen den Tag noch einmal Revue durchgehen konnten. Obwohl wenige Züge in der Anzahl, ergab es doch ziemlich viele Bilder, welche allesamt brauchbar waren. Ein erfolgreicher Tag also =). Wir assen im selben Lokal wie gestern und Nil war heute mit Fahren dran, also durfte ich Bier trinken und er musste mit Cola vorlieb nehmen ;-).


Ab jetzt von Nil: Ich überlegte mir schon während dem Essen ein kühles Blondes zu spendieren, ich hatte deftige Kost und so würde sich das Bier kaum bemerkbar machen, und die zwei Kilometer zum Zelt … relativ einfache Strecke. Ich verzichtete dann aber auf das Bier, Daniel zuliebe ;-). Als es um den Nachtisch ging konnte ich aber nicht widerstehen und bestellte ein Eis mit Baylies *mjam*. Da Wipf nicht reagierte dachte ich, des passt schon! Auf dem Weg zum Wagen nach dem Essen, ich hab den Baylies nicht gemerkt, frage ich Daniel noch ganz locker ob er weiss was hier für einen Alkoholgrenzwert am Steuer gilt. Ich kam erst jetzt auf den Gedanken mal was von Nulltoleranz gelesen zu haben. Daniel meinte dann, neinei, 0.5 oder so .. ich war beruhigt. Ich setzte mich also ans Steuer und fuhr los, an der Ampel links, am Fluss entlang und dann bei der Einbahn links rein und da stand ein blauer Mann mit Warnweste und Winkte uns mit einer Kelle auf die Seite - *schluck*. Poliseikontrolle, das müsste jetzt aber auch nicht sein. Ich hab meinen Führerschein und unsere ID’s hingehalten, er hat sie seinem Kollegen gegeben und sein nächster Griff galt dem Blaskasten für die Alkoholmessung. Ich war jetzt sichtlich nervös, weil ich war wieder der Meinung – Nulltolleranz. Ich hab dann brav gepustet, er hat sich mit dem Gerät dann verdrückt zum Kollegen an die Mauer. Mir war nicht Wohl bei der Sache … ;) Er kehrte dann zurück zum Wagen, gab uns die Ausweise und winkte uns durch. *phuuu*! Wir schauten dann schnell noch in unserem schlauen Buch nach und tatsächlich – Nulltoleranz! Da hatte wohl jemand keine Lust mit Ausländern zu diskutieren, den die Herren konnten nicht wirklich Englisch. Ja, so Endet ein entspannter Abend ;)




Das war es, Stellenmäsig langweilig und auch der Himmel mag das ganze nicht raus zu heben. Ob wir je wieder nach Estland fahren? ;) Ich glaube schon! Die Fotos mögen zwar langweilig sein … aber das „feeling“ ist ganz anders als bei uns, wenn da so eine Russenlok mit einem nicht enden wollenden Öler an einem vorbei zieht und es Minuten später noch riecht … *mmmmmh* ;)




Hier noch ein Landesbericht welchen wir über Estland verfasst haben vor Ort …
Wiederspiegelt unsere Erfahrungen gepaart mit ein paar Infos und halbwissen welches wir mitgenommen haben, muss also nicht stimmen! Die Idee war mal das über jedes Land zu machen .. haben wir aber nie geschafft, insofern glaube ich nicht das über Lettland und Littauen auch sowas kommt. Wird ja eh keiner durchlesen :D

Estland: Das oberste der drei Baltischen Staaten empfanden wir zugleich als das "freundlichste" und das westlichste. Die Leute da schauen sehr nach Finnland und nach Schweden rüber, so gibt es in diesem Land z,B auch Hessburger - ein Finnischer Burgerbrater :) So günstig wie man meint ist dann aber Estland trotzdem nicht (oder nicht so günstig wie wir es erwartet haben), alles ist ungefähr halb so teuer wie bei uns in der Schweiz und damit etwas unter dem niveau von Deutschland. Bezahlt wird mit Eesti Kronen, das geilste Geld der Welt ;) Eine EEK ist ungefähr 0.1 CHF oder 0.06 Euro - soweit so gut - die kleinste Banknote ist 2 EEK - was 20 Rappen entspricht. Das Geld wirkt also sehr wertig und man kommt sich richtig Reich vor :D Kredit und EC Karten werden flächendekend Akzeptiert, auch an Hauptstrassen zahlreich vorhandenen Tankstellen welche ausnahmslos ohne Automaten funktionieren.
Die Leute in Eestland sind von Grund auf freundlich, Englisch wird nur sehr selten gesprochen, Deutsch noch weniger. Obwohl sich gerade die jungen Leute mühe geben und ab und an auch ein paar fetzen Englisch verstehen. Gerüchtweise kommt man mit Finnisch und Schwedisch in dem Land noch weiter, aber das müsste man auch erstmal noch können.
Was den Eestis nicht schaden würde, wenn man den Alkoholverkauf etwas eindämmen würde, den die grössten Regalge in den Supermärkten sind immer mit allerlei Bier und hartem "stoff" gefüllt. So erstaunt es auch nicht das viele "gestalten" auf den Strassen anzutreffen sind welchen man schon von weitem ansieht das irgend etwas nicht stimmt.
Der Sprit ist in Estland so günstig wie sonst kaum irgendwo, der Liter 95 kostete uns ungefähr 1.50 CHF! Um im Eestischen Strassenverkehr mitfliessen zu können braucht man vor allem Geduld und noch wichtiger Mut! Ganz ideal sind z.B Wendespuren auf der Autobahn wo man von der einen seite auf die andere wechseln kann. Rote Ampeln sind zudem nicht immer rot wenn der Eesti das will und Parken kann man an jeder Ecke, auch das passt schon irgendwie! Das Strassennetz ist in einem für uns eher maroden zustand, häufig trifft man auf dem Land auch Hauptstrassen an welche nur geschottert sind, wobei der Zustand da meist akzeptabel ist. Autobahnen gibt es in dem Land zwar auf der Karte, aber es ist nicht das was wir uns drunter vorstellen - den da gibt es nebst den angesprochenen Wendespuren auch Bushaltestellen und gerne wird auch am Rand geparkt, platz ist ja genug da.
Das Thema übernachte in dem Land ist ein heikles Thema, in den grossen Städten gibt es natürlich Hotels, in Touristisch erschlossenen Gebieten auch gerne mal noch eine Pension. Ist man aber irgendwo "im Dorf" kann es schwer werden etwas zu kriegen. Das liegt einerseits natürlich daran das es nicht viel gibt und andererseits, dass das was es gibt nicht angeschrieben ist. Wenn man also vorher schon weiss wo man übernachten will ist es gar nicht dumm wenn man sich informiert wo es Übernachtungsmöglichkeiten gibt und die bei möglichkeit auch gleich reserviert - sonst ist alles voll wie uns in Rakvere passiert. Was wir auch häufig angetroffen haben, Betten ohne Rezeption, es steht bloss eine Telefonnummer an der Türe wo man sich melden kann. Es ist natürlich eine Preisfrage da anzurufen und ob man Verstanden wir steht nochmals auf einem anderen Blatt. Campingplätze gibt es kaum, die paar wenigen die es gibt sind nicht wirklich toll und für das was geboten wird auch irgendwie zu Teuer. Falls man dann mal nix gefunden hat am Abend und nur ein Auto oder ein Zelt zur Verfügung steht, die Leute da sind nicht von Grund auf alle Verbrecher und böse, wir haben auch eine Nacht im Wald wild campiert und uns wurde nix geklaut.
Die Einkäufe erledigt man auch in Estland natürlich beim Supermarkt, besonders empfehlen wir da die Maxima Supermärkte welche sehr verbreitet sind. Das ist eine Russische Ladenkette und nur schon das durchstöbern was es da so alles gibt ist sehr amüsant - zudem sind da die Eigenprodukte sehr günstig.
In den Städten und grösseren Orten kann man sich sicher fühlen, die Polizeipresents ist fast schon grausam hoch, es wird ständig patrouliert und gerne auch Kontrolliert! Wobei wir als Ausländer bis auf einmal nie Ziel der Staatsgewalt geworden sind. Dieses eine mal wurde dann aber gleich das volle Programm abverlangt (Samstag Abend aus der Innenstadt raus) - sämtliche Papiere und: Alkoholkontrolle mit einem Messgerät, das dürfen die anscheinend ohne verdacht. Da in dem Land die 0.00 Promillegrenze gilt empfiehlt es sich also auch im Urlaub auf das Bier beim Abendessen zu verzichten. Blitzer oder dergleichen haben wir nie gesehen, wenn kontrolliert wird dann also noch "von Hand" (was wir auch gesehen haben). Obwohl vor der Kriminalität gewarnt wird (Parken nur auf bewachten Parkplätzen ect.) empfanden wir nicht das es viel schlimmer ist als bei uns. Dass man das Auto in einer grösseren Stadt nicht in einer dunklen Seitenstrasse parkt ist selbstverständlich, das würden wir aber auch in Zürich oder München nicht machen! Auch klar das man die Wertsachen nicht rumzeigt ect. man muss sich halt ganz normal verhalten, wie bei uns in einer grösseren Stadt. Mit dem Fotografieren der Eisenbahn aber auch anderer Objekte hatten wir bis auf eine Ausnahme nie Probleme, man wird ab und an etwas krumm angeschaut und es wird auch schon mal nachgefragt, was man da den tut wenn man auf einen Zug wartet. Die einen wollen es dann nicht verstehen und gehen kopfschüttelnd davon, die anderen amüsieren sich drüber und noch einige wenige verstehen es und ziehen weiter. Man muss die Leute aber auch verstehen! Viele haben vermutlich noch nie jemanden gesehen der sich für die Eisenbahn interessiert, für die Eestis auf dem Land ist die Eisenbahn sowiso praktisch nicht vorhanden und mehr ein übel als ein Segen - wie kann man sich dafür bloss interessieren? Auf Bahngelände wird man meist in frieden gelassen und das Bahnpersonal hat freude an einem, solange man sich auch da an die Spielregeln hält. Wie es sich mit Werkstätte nund BW Anlagen verhält ist uns nicht bekannt, wenn man da fragt kommt man aber sicher rein. Was aber überall geschehen kann das Privates Wachpersonal vorhanden ist welches keinen Spass versteht. So wurde uns das Fotografieren von abgestellten Loks einmal von zwei "Mafiatypen" verboten.

Eisenbahn: Seit vor einiger Zeit die Eestirautee (Staatliche Eisenbahngesellschaft) eingegangen ist, hat sich in dem Land wohl eine ganze Menge verändert. Während die Infrastruktur beim Staat geblieben ist wird der Zugsverkehr nur noch von Privatbahnen abgewickelt, hinter welchen immer Ausländische Investoren stehen. Die Infrastruktur der Eisenbahn zeigt sich noch sehr altertümlich, so gibt es an jedem Bahnhof noch ein Stellwerk, ab und an sogar noch Weichen und Schrankenwärter. Alte Signaltechnik haben wir nirgends mehr gesehen, Telegrafenleitungen gibt es nur noch teilweise. Die Gleisanlagen sind meist gepflegt und es wird sogar noch regelmäßig ausgeholzt an den Strecken, was das Fotografieren sehr erleichtert. Zu nennen wäre noch die Strecke von Tapa nach Narva, diese befindet sich in einem modernen Zustand (EU hat bezahlt) und wurde auch bei unserem Besuch noch modernisiert.

Personenverkehr:
In Estland gibt es nur ein kleines Elektrifiziertes S-BahnNetz rund um Tallinn, es wird von der "Elektroraudtee" betrieben (was frei übersetzt soviel wie Elektroeisenbahn heisst) welche dafür dreiteilige Elektrotriebwagen einsetzt.
Fernverkehr ist im Lande faktisch nicht vorhanden, dennoch gibt es zwei Gesellschaften: GoRail und Edelaraudtee. GoRail ist einzig und alleine für die zwei Verbindungen von Tallinn nach Russland (bis Narva) zuständig und dafür besitzt sie sogar zwei eigene Loks vom Typ TEP70. Problem nur an den zwei Zugpaaren, sie fahren am morgen nach Tallinn (also nach Westen) und am Abend zurück nach Russland (Osten) --> somit sind Bilder mit Licht auf der Front praktisch unmöglich und nur an sehr sehr wenigen Stellen möglich.
Die Edelaraudtee zeigt sich für den restlichen Fernverkehr zuständig, welcher ausnahmslos von einer Triebwagenbaureihe abgewickelt wird, welche drei oder sechsteilig vorhanden ist. Die Edelseisenbahn fährt von Tallinn nach Pärnu, Viljandi, Tartu und Narva. Auf allen Strecke kann man die Zugspaare an einer Hand abzählen, es ist also alles andere als ein Attraktives Angebot und sehr bedarfsoptimiert - was an Freitagen z.B einiges Mehrverkehr verspricht. Von Tartu (der zwei grössten Stadt im Land) wird zudem Piiroja und Walga (an der Lettischen Grenze) angefahren, wieder auch hier mit nur sehr wenigen Zugpaaren pro Tag. Fahrpläne der Bahn hängen an jedem Bahnhof aus, Faltfahrpläne oder sowas zum mitnehmen haben wir jedoch nie gekriegt, wobei es bestimmt so etwas geben wird. Die Bahn verkehrt meist pünktlich, es gibt ja auch keine Anschlüsse oder ähnliches welche abgewartet werden müssten, einzig der Güterverkehr könnte dem ganzen in die Quere kommen.

Güterverkehr:
Auch hier sind mehrer EVU tätig, es ist die aus der Staatsbahn entstandene Eestiraudtee und zwei Russische Unternehmen Spacecom und Transoil. Zudem ein Unternehmen mit dem Namen AS Cole Terminal Trans ... scheint etwas neueres zu sein.
Die Güterströme im Land sind schnell erklärt: Es geht viel von den Häfen von Estland nach Russland rüber, wobei die beiden Grenzübergänge Narva und Piiroja etwa gleichermaßen benutzt werden. Den meisten Zugsverkehr kann man also zwischen Tallinn und Tapa erwarten .. und bis genau dahin geht auch die einzige Doppelspurstrecke des Landes, alles weiter Westlich ist dann wieder Einspurig. Tartu generiert zudem auch noch einigen Güterverkehr, welcher dann direkt über Piiroja nach Russland rüber geht. Es soll zudem noch einige Zugpaare nach Lettland runter geben über Walga, gesehen davon haben wir aber keins, obwohl die Gleise abgefahren waren. In Richtung Pärnu und Viljandi gibt es gemäß berichten keinen nennenswerten Güterverkehr mehr, auch keine Regionalen übergaben mehr, kann natürlich sein das sich das in der Zwischenzeit geändert hat. An den Hauptstrecken aber findet auch noch reger lokaler Güterverkehr statt, an praktisch jedem Bahnhof sind immer ein paar Güterwagen rumgestanden welche dann, so gesichtet, einmal täglich von einem Lumpensammler eingetrieben werden.
Der Güterverkehr läuft, so haben wir es erlebt, so ab wie die GoRail Züge, morgens kommen die von Russland rein nach Tallinn und am Abend gehen sie wieder raus, es läuft aber genug das es auch entgegen dieser Regel Züge gibt. Jeder Tag ist aber anders, wir haben Tage erlebt da rollte der Verkehr überall wie Wild und Tage da lief über stunden nichts, man kann also auch da wieder Glück oder Pech haben. In Zahlen: zwischen Tapa und Tallin fährt ungefähr ein Güterzug pro Stunde und Richtung, nebst Zügen sind auch etliche Lokleerfahrten zu beobachten, von allen EVUs. In Tapa trennen sich die Strecken, jeweils etwa die hälfte fährt nach Osten direkt und die andere über Tartu nach Russland, wobei das auch wieder unterschiedlich sein kann. Am einfachsten hinstehen und warten ;) In den ewig langen Güterzügen werden meist Ölprodukte oder Kohle Transportiert, es gibt aber auch Getreidezüge und Gemischwarenläden.


Eestirautee: Die ex. Staatsbahn ist zugleich das grösste Güter EVU in Estland .. und die Bahn mit dem speziellsten Lokmaterial. Nebst den allgegenwärtigen Russischen Doppelloks ist die Bahn im besitzt von ca. 60 älteren US Loks des Typs Dash7, welche original aus den Staaten importiert wurden - es sind also richtige richtige GM (oder GE) Loks, und nichts halbes wie z.B in Kroatien :). Dabei gibt es bei den 60 Loks zwei Bauarten, die optisch aber bis auf wenige unterschiede identisch sind. Die 2T116 Doppelloks (Russische Kisten) sind bei der Bahn zwar auch noch vorhanden, dienen aber anscheinend eher als Reserve, davon im Einsatz haben wir nicht eine gesehen .. nur in Tartu haben wir eine stehen sehen.

Transoil: Dieses Russische EVU befährt mit rot lackierten 2T116 ebenfalls das Eestische Schienennetz, wobei die Firma eng mit der Eesti Rautee zusammenarbeitet. Hauptachse der roten Brummer ist der Nördliche Grenzübergang bei Narva nach Tallinn, Südlich von Tapa (also Tartu) haben wir nicht eine solche Lok gesichtet, aber ausnahmen können natürlich die Regel bestätigen.

Spacecom: Ist ein ebenfalls Russiches EVU welches mit hell und dunkelblauen 2T116 (sehen sehr speziell aus) in Estland aktiv ist. Anzutreffen sind sie eigentlich überall, wobei wir die nie in Richtung Narva haben fahren sehen. Das BW des EVU befindet sich gleich beim Bahnhof von Tartu, es könnte sogar zu den Morgenstunden möglich sein vor dem BW abgestellte Loks im Licht zu erwischen. Im vergleich zu den Transoil Loks sieht man die Spacecom Loks nicht oft, wir haben am Tag nie mehr als zwei Zugpaare beobachten können nach Tallinn rein, es gehört also etwas Glück dazu die zu erwischen.

AS Coal Terminal Trans: Von diesem EVU haben wir bisher nie etwas gehört, bis wir eines morgens an der Strecke von Tartu nach Piiroja eine Königsblaue Loks des EVUs vor der Linse hatten. Nördlich Tartu hatten wir die Loks bisher aber nie gesehen, was vermuten lässt das die "nur" die Relation Tartu - Russland bedienen. An einem Tag haben wir dann auch gleich zwei Zugpaare beobachten können, man kann also davon ausgehen das es regelmäßigen Verkehr gibt.

Fotostellen:
Eigentlich ist jeder Bahnübergang in dem Land etwas ;) Freie flächen neben der Bahn oder gar Hügel sieht man nur sehr selten bis nie, liegt daran das es halt platt ist in dem Land und die Bahn gerne auf einem Damm verläuft. Meist ist die Bahn aber in einem Wald versteckt, ob das noch Taktische Gründe der Sowjets war Wälder entlang der Bahn zu pflanzen? Es ist aber sehr auffällig und für Fotografen meist störend. Man kann nicht pauschal sagen das es schöne und weniger schöne Strecken gibt, mit etwas sucherei findet man immer etwas.




So, jetzt ENDE … schönen Abend noch
Nil

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...
Zunächst vielen Dank für die Fortsetzung des Reiseberichtes. Schöne Erinnerungen und eine tolle Ergänzung zu meinen Erlebnissen, denn ich hatte erstens kein eigenes Fahrzeug und zweitens wenig Zeit. Auf Züge angewiesen bleibt das wenig Gelegenheit zum Fotografieren. Dafür werde ich Durch Eure tollen Bilder entschädigt!!!


Zitat:
Hier noch ein Landesbericht welchen wir über Estland verfasst haben vor Ort …
Wiederspiegelt unsere Erfahrungen gepaart mit ein paar Infos und halbwissen welches wir mitgenommen haben, muss also nicht stimmen! Die Idee war mal das über jedes Land zu machen .. haben wir aber nie geschafft, insofern glaube ich nicht das über Lettland und Littauen auch sowas kommt. Wird ja eh keiner durchlesen :D

MITNICHTEN !!!! Würde mich freuen, auch von Lettland und Litauen so einen Absatz zu lesen!
Wir haben übrigens beim Markt (z.B. in Tallinn am Bahnhof) die besten – und billigsten – Erfahrungen im Lebensmitteleinkauf gemacht!

Zitat:
Das oberste der drei Baltischen Staaten empfanden wir zugleich als das "freundlichste" und das westlichste. Die Leute da schauen sehr nach Finnland und nach Schweden rüber,
Genau diesen Eindruck hatte ich auch! Da wir nur in Städten waren (Tallinn, Tartu, Pärnu) hatten wir keine Schwierigkeiten mit Sprachen: Deutsch und Englisch wurde häufig verstanden, unter Umständen half etwas Russisch über manche Hürden.

Zitat:
Fahrpläne der Bahn hängen an jedem Bahnhof aus, Faltfahrpläne oder sowas zum mitnehmen haben wir jedoch nie gekriegt, wobei es bestimmt so etwas geben wird.
Ich fand auch keine schriftlichen Fahrpläne. Aber vor allem im Internet findet man gute Fahrpläne. Aber man sollte sich ein wenig mit Estnisch befaßt haben oder Russisch verstehen (falls sich das inzwischen nicht geändert haben sollte).

Die S-Bahn heißt übrigens Elektriraudtee (nicht Elektroraudtee). Aber den Fehler hast Du ja bisher immer gemacht, das wird Dir nicht mehr auffallen.

Toll vor allem die schönen Landschaftsbilder. Ich finde Wald als Hintergrund sehr attraktiv! Vor allem der GO-Rail-Zug mit Landschaft ist gut getroffen. Ich konnte diesen Zug ja nur – mehr schlecht als recht – in Tallinn aufnehmen.

Supi! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 13.06.08 11:51

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Hallo Nil,

wieder mal ein richtig guter Teil. Mit dem Wetter habt Ihr ja tierisch Glück gehabt. Die Züge sind ausgesprochen fotogen und abwechslungsreich. Allein wegen der Edelzüge könnte man dort ja mal hinfahren...
Was die Motive angeht, so habt Ihr schon viel Schönes rausgeholt. Vom Hügel auf Außenkurve mit Kirchlein fotografieren kann jeder. In solch einer flachen und Wald reichen Gegend ein Auge für gute Stellen zu haben, ist schon anspruchsvoller. Auch wenn Ihr "einfach nur" BÜs angesteuert habt, so habt Ihr dennoch gute Motive / Bildausschnitte gewählt.

Viele Grüße und weiter so,
Jan