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[AU] Australien 1995, Teil 1: Queensland (m28B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 01.05.08 16:30

Angeregt durch einen Bericht über Australien will ich hier auch meinen Reisebericht von 1995 zeigen. Die Bilder sind relativ klein, doch läßt sich das in vertretbarer Zeit nun nicht mehr ändern. Da es Dia-Scans sind, bitte ich für mangelnde Qualität um Entschuldigung.

Im November 1995 war ich für drei Wochen in Australien. Da ich dort einen Eisenbahnfreund kenne, hatte ich die Möglichkeit, mit ihm einige Bahnfahrten zu unternehmen und einen Teil des Landes zu bereisen. Weil ich selbst gerne Reiseberichte lese, will ich also auch einen zur Verfügung stellen. Australien ist zwar kein ausgesprochenes Bahnland, aber es gibt doch viel Interessantes zu sehen.

Zunächst geht es nur um Queensland, den nordöstlichen Bundesstaat, der in den Subtropen liegt.

QUEENSLAND RAIL (QR)

So heißt die Bahngesellschaft in Queensland. Das Logo wird aus den Buchstaben QR gebildet.
Die neue Farbgebung ist dunkelrot/gelb, aber 1995 war die alte grau/blaue Farbgebung noch häufig anzutreffen, vor allem bei den Dieselloks. Bei den E-Loks gibt es dem Aussehen nach nur eine Type, aber es gibt verschiedene Nummerngruppen und Lackierungen. Dieselloktypen gibt es mehrere, aber mit ihrem Mittelführerstand schauen sie einander so ähnlich, daß man sich als Unkundiger nach der Nummer orientieren muß. Die Spurweite von QR ist einheitlich 1067 mm (Kapspur). Das ab 1979 errichtete S-Bahn-Netz von Brisbane (der Hauptstadt), das vom Stadtzentrum etwa bis zu 60 km ins Umland reicht sowie einige Fernstrecken sind mit 25k 50Hz elektrifiziert. Erweiterungen sind seither alle paar Jahre vorgenommen worden.
Der Hauptbahnhof von Brisbane heißt „Roma Street Station“. Das Netz von QR ist sehr ausgedehnt, as mit der Größe des Landes (zweitgrößter Bundesstaat) zusammenhängt. Von einem dichten Personenverkehr kann aber nicht gesprochen werden, mit Ausnahme von CITYTRAIN, wie das S-Bahn-System hier genannt wird. Auf den wenigen verbliebenen Bahnstrecken mit Personenverkehr gibt es meist nur 2 wöchentliche Zugverbindungen. Die Hauptlinie führt von Brisbane nach Norden und ist bis Rockhampton (639 km) elektrifiziert. Die Höchstgeschwindigkeit auf dieser Strecke beträgt 160 km/h. Die Strecke führt von Rockhampton weiter bis Cairns (1681 km). Von Brisbane, Townsville und Rockhampton gibt es Stichbahnen Richtung Westen ins sogenannte „Outback“, wie das dünnbesiedelte Landesinnere genannt wird. Darüber hinaus gibt es auch viele Strecken, die nur dem Güterverkehr dienen und teilweise sogar elektrifiziert sind.

Hier eine Auflistung der Bahnlinien mit Personenverkehr (ausgenommen reine CITYTRAIN-Strecken):
Brisbane – Cairns (1681 km): 4 Züge pro Woche
Brisbane – Rockhampton (639 km): 17 Züge pro Woche
Brisbane – Charleville (777 km): 2 Züge pro Woche
Rockhampton – Longreach (687 km): 2 Züge pro Woche
Townsville – Mount Isa (977 km): 2 Züge pro Woche
Normanton – Croydon (152 km): 1 Touristikzug pro Woche
Cairns – Kuranda (33 km): täglich mehrere Touristikzüge
Das Personenverkehrsnetz hat also eine Ausdehnung von etwa 4300 km.

Ein Plan der Strecken mit Personenverkehr befindet sich am Ende des Berichts

Alle Fernzüge tragen klingende Namen:
Spirit of Capricorn (Brisbane-Rockhampton, täglich ein Tageszug, 2 Nachtzüge pro Woche)
Spirit of The Outback (Brisbane-Longreach, 2 Züge pro Woche)
Spirit of The Tropics (Brisbane-Mackay, 1 Zug pro Woche)
Sunlander (Brisbane-Cairns, 3 Züge pro Woche)
Queenslander (Brisbane-Cairns, 1 Zug pro Woche)
Westlander (Brisbane-Charleville, 2 Züge pro Woche)
Inlander (Townsville-Mount Isa, 2 Züge pro Woche)
Gulflander (Normanton-Croydon, 1 Touristikzug pro Woche

Der Unterschied zwischen Queenslander und Sunlander ist, daß der Queenslander Schlafwagen nur 1. Klasse und Sitzwagen nur 2. Klasse sowie Autotransportwagen führt und um eine Stunde weniger braucht als der Sunlander, der alle Klassen führt, aber keine Autotransportwagen. Bei 31 oder 32 Stunden Reisezeit ist das aber unerheblich. Die meisten Fernzüge verkehren mit Lok+Klassen, lediglich der „Spirit of Capricorn“ wird mit einem sehr komfortablen E-Triebwagen geführt, der äußerlich den S-Bahn-Garnituren ähnlich sieht.

Die Fahrpreise sind für europäische Verhältnisse sehr günstig. Brisbane-Cairns (entspricht der Strecke Wien-Istanbul über Budapest oder Wien-Malmö über Puttgarden) kostete 1995 129 $, (75 Euro, alle Dollarpreise nach damaligem Kurs und Wert in heutige Euro umgerechnet). 2. Klasse Schlafwagen kostete 92 Euro, 1. Klasse Schlafwagen 141 Euro.

Demgegenüber sind natürlich die Touristikzüge teurer. Für die 33 km von Cairns nach Kuranda zahlte man 1995 23 $ (13,30 Euro). Die Züge mit Holzwagen und Diesellokomotiven verbinden die wichtige Stadt Cairns mit der Urwaldstadt Kuranda, einem touristischen Anziehungspunkt ersten Ranges. Alternativ kann man die Stadt auch mit der längsten Seilbahn der Welt quer über den Regenwald erreichen.
Bahnhof Kuranda mit ausfahrendem Zug von der Seilbahn aus gesehen:
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_208.jpg

Zwei Züge mit Lokomotiven Reihe 1700 im Bahnhof Kuranda:
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_207.jpg

Auf der Fahrt nach Kuranda werden viele Brücken überquert:
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_206.jpg

Der Gulflander, der in den Tropen von Normanton nach Croydon verkehrt, fährt mit einem alten Dieseltriebwagen. Die Strecke ist nur mit Bussen über das Outback zu erreichen.

Außer diesem Schmalspurnetz gibt es noch die Normalspurstrecke von Brisbane nach Süden, auf der pro Tag ein Triebwagenzug (2 Triebköpfe und eine variable Anzahl Zwischenwagen ähnlich dem britischen APT) von und nach Sydney (987 km) verkehrt. Diese Strecke wird von „Countrylink“ betrieben, so heißt die Personenverkehrsgesellschaft der State Railway Authority of New South Wales (SRA).

CITYTRAIN

Unter diesem Markennamen verkehren die S-Bahn-Züge in Brisbane. Städte in Australien sind ähnlich wie in den USA: das eigentlich Stadtgebiet ist klein und besteht aus vielen Büro-Hochhäusern. Die Siedlungsgebiete erstrecken sich bis zu 50 km weit vom Zentrum entfernt und liegen in politisch selbständigen Städten und Gemeinden, trotzdem spricht man vom Großraum Brisbane.
Auf den meisten Linien von Citytrain beträgt das Intervall je nach Linie, Tageszeit und Wochentag zwischen 20 Minuten und 1 Stunde. In der HVZ und im Stadtzentrum, wo drei Linien gebündelt sind, ist das Intervall natürlich dichter, sodaß es hier häufig zu Verspätungen kommt. 1995 war daher im Zentrum gerade ein viergleisiger Ausbau im Gang. Die Verspätungen werden sehr genau in der Zugzielanzeige (ein TV-Schirm) angezeigt.
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_217.jpg

Hier kann man zwei Zeiten ablesen: die Fahrplanzeit und die tatsächlich erwartete Abfahrtszeit. Letztere ändert sich häufig während des Wartens. Die drei Linien werden mit drei Farben (rot, grün, blau) unterschieden, die sich in Fahrplänen und auf den Bildschirmen wiederfinden. Die Namen der Linien beziehen sich immer auf den Endpunkt der Zielstrecke. Die grüne Linie nach Osten heißt daher Cleveland Line und ist grün, auch wenn sie ihren Ausgangspunkt einmal auf der Roten Linie hat. Solche Überschneidungen kommen manchmal vor.
Ein Plan der Strecken von Citytrain ist am Ende des Berichtes eingefügt.

Auf der Karte sind die S-Bahn-Linien bis zur Grenze des Großraums Brisbane farbig (Lineinfarben) gezeichnet. Bis dorthin ist relativ dichter Verkehr, darüber hinaus Regionalzüge. Da die Ortsnamen wenig aussagen, sind stattdessen die km-Angaben als Hinweis auf die Ausdehnung angegeben.
Das S-Bahn-Netz wird laufend erweitert. Ich sah 1995 Werbeplakate, die ankündigten, daß die berühmte Gold Coast bald ans S-Bahn-Netz angeschlossen wird. Die Entfernung dorthin beträgt jedoch über 80 km, sodaß besondere high-speed-trains geplant waren, die bis zu 140 km/h erreichen sollten. Für diese Schnellzüge rüstete man das Normalspurgleis im Zentrum von Brisbane mit einer dritten Schiene aus, weil tagsüber diese Strecke ohnedies ungenutzt ist.
Das Streckennetz von Citytrain betrug 1995 etwa 205 km, unter Einbeziehung der äußeren Strecken (vergleichbar mit einem Regionalzugverkehr) etwa 350 km. Die Fahrpreise waren sehr niedrig und sind auch im Stadtgebiet nach Entfernungen gestaffelt. Außerdem gelten unterschiedliche Einzelfahrpreise je nach Tageszeit und Wochentag. Beispiel: für eine Fahrt H+R nach Nambour zahlte man in der Früh umgerechnet 11,70 Euro, nach 9 Uhr nur mehr 8 Euro und an Wochenenden gar nur 4 Euro. Wohlgemerkt: Hin und Retour!! Um diesen Preis kam man 1995 in Österreich H+R gerade mal 15 km weit. Eine S-Bahn-Fahrt von 10 km kostete umgerechnet 93 Euro-Cent, Off Peak Return sogar nur 1,30 Euro.

Die Triebwgen für die S-Bahn tragen die Reihenbezeichnung EMU (Electric Multiple Unit). Es wurden 3-teilige Garnituren eingesetzt, die ab 1979 gebaut wurden und die Zusammensetzung Triebwagen (mit Motor) –Zwischenwagen (mit Motor) – Steuerwagen (ohne Motor) haben. Es gibt auch 20 sechsteilige Garnituren, zusammengesetzt aus zwei dreiteiligen, bei denen die beiden mittlere (End-)Wagen ohne Führerstand ausgebildet sind.
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_219.jpg

Neuere S-Bahn-Züge der Baureihe SMU (Suburban Multiple Unit) sind ähnlich aufgebaut, doch fehlen mir hier die Details.
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_226.jpg

Übrigens gibt es für Queensland kein Kursbuch. Die Fahrpläne der Fernzüge passen auf ein A4-Blatt (Fotokopie), das man gratis erhält. Für die S-Bahn-Züge gibt es Gratis-Fahrplanheftchen für jede Linie.

Nach diesen Vorbemerkungen zum Bahnnetz von Queensland ein bißchen Reportage im Tagebuchstil:


Dienstag, 31.10.1995: Brisbane CITYTRAIN
Ich wohnte bei meinem Onkel in Brisbane, genauer gesagt in Morningside (das spricht man hier aber wie „Mooningsoid“ aus). Aber das gehört eigentlich zum Einzugsbereich von Brisbane. Morningside hat eine Station des CITYTRAIN. Meine erste Bahnfahrt in Australien war also eine Fahrt mit dem CITYTRAIN von Morningside nach Roma Street, dem Hauptbahnhof von Brisbane, und zwar bereits am Tag meiner Ankunft (6.30 Uhr Früh). Nach einem Nickerchen nach dem Mittagessen nehme ich den Zug um 15.48 Uhr.
Die Fahrpläne an der Haltestelle sind irritierend, weil sie in am/pm-Schreibweise gehalten sind. Hin und wieder sind die pm-Zeiten fettgedruckt, aber nicht immer, so ist es für mich schwer, gleich die nächste Abfahrt ausfindig zu machen. Auf dieser Linie (Green Line) beträgt das Zugsintervall 20 Minuten. Da der Fahrkartenschalter geschlossen ist, frage ich einen anderen Fahrgast, wo ich Tickets bekommen kann. Ich kann sie auch beim Aussteigen kaufen, werde ich belehrt. Der erste Zug, den ich sehe, kommt auf dem Gegengleis:
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_213.jpg

Meine S-Bahn kommt auch ziemlich bald und ich steige ein.
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_214.jpg

Da die Züge klimatisiert sind, holt einen der Eisbär, sobald man einsteigt. Die Sitze sind stoffbezogen, nicht allzu bequem und – wie die Fenster – recht niedrig. Der Fußboden ist mit Teppichen ausgelegt! Dies dürfte ein Grund sein, warum Essen und Trinken im Wagen verboten ist. Die jeweils nächste Haltestelle wird immer angesagt (vom Lokführer vermutlich), aber wegen des schrecklichen australischen Akzentes und der fremdartigen Namen, die häufig aus einer Aborigines-Sprache stammen, anfangs kaum zu verstehen. Im Wagen befindet sich aber auch Netzplan der S-Bahn-Linien, sodaß man nicht leicht fehlgehen kann. Allerdings findet sich im Zug kein Hinweis darauf, in welcher Linie man sich gerade befindet. Ich fahre auf der „Green Line“ von Cleveland Richtung City.

Bei der Station Park Road sehe ich auch die normalspurigen Gleise der SRA, der Bahngesellschaft von New South Wales, es ist ein Dreischienengleis. Vor dem Brisbane River war früher hier die Endstation für die südlichen S-Bahn-Linien und den Normalspurzug von Sydney. Erst 1978 hat man eine Brücke über den Brisbane River gebaut, und damit diese Strecke (und auch die S-Bahn Strecken im Süden) in den Hauptbahnhof eingebunden.
Der Hauptbahnhof „Roma Street“ und ist benannt nach einer Stadt im Westen von Queensland. In Australien gibt es viele Städte, die nach europäischen Vorbildern benannt sind. Beim Ausgang werden die Fahrkarten kontrolliert oder eingesammelt. Da ich keine besitze, werde ich zu einem Schalter gebeten, der – nur für diese Zwecke – noch immerhalb der Sperre ist. Hier sage ich, wo ich eingestiegen bin und bezahlt 1,50 $. Die Karte wird mir beim Passieren der Sperre gleich wieder abgenommen. Ich habe mir trotzdem hin und wieder eine Karte (ein einfacher Papierfahrschein mit Computeraufdruck) behalten können, denn nicht immer wird so genau kontrolliert, vor allem nicht in der Stoßzeit. Außerdem hab ich auch mal um ein „Souvenir“ gebeten.
Eine Fahrkarte ist am Ende des Berichts abgebildet.

Der Bahnhof Roma Street Station ist ein Durchgangsbahnhof mit Abzweigung. Er liegt etwa in Ost-West-Richtung.
Auf dem Bahnhof sieht man fast nur die S-Bahn-Garnituren, die auch für Regionalzüge nach entfernteren Zielen eingesetzt werden (bis etwa 100 km) und die meisten Zwischenstationen auslassen. Neuere Ferntriebwagen wurden seltener eingesetzt. Interessant sind manche Gleiskreuzungen im Winkel von 30 bis 40 Grad. Das einzige Normalspurgleis ist das Gleis 1. Hier kommt in der Früh der XPT (soll wohl Express Train heißen) von Sydney an, der nach zwei Stunden wieder zurückfährt. Die übrige Zeit ist dieser Bahnsteig einsam und verlassen.

Für die normalen Fernzüge gibt es einen eigenen Bahnsteig, der extrem lang ist – passend für die langen lokbespannten Züge. Manche Fernzüge sind auch kürzer und verkehren mit E-Triebwagen der Reihe EMM. Das geht nur auf der Strecke nach Rockhampton, denn dort endet die Elektrifizierung (687 km).
Viele Fahrgäste checken ihr Gepäck wie am Flughafen beim Schalter ein. Ein Auto bringt die Gepäckstücke dann zum Gepäckwagen.
Mit der nächsten S-Bahn fahre ich nach Morningside zurück. Der 1. November hat keine Bahn-Höhepunkte, nur einen Stadtspaziergang, daher wird das Reisetagebuch mit dem 2. November fortgesetzt.

Donnerstag, 2. November: Fernzüge am Hauptbahnhof

Um 6.19 Uhr besteige ich bereits die S-Bahn, um ein Bild des nur einmal am Tag verkehrenden Sydney-XPT zu machen. Wo ich diesen fotografieren werde, weiß ich beim Einsteigen noch nicht. Ich nehme zunächst eine Fahrkarte bis South Brisbane, das ist der bis 1978 als Kopfbahnhof dienende Bahnhof südlich des Brisbane River. Bemerkenswert, wie man hier Fahrkarten kauft: Nicht etwa „Bitte bis South Brisbane“ oder „einmal South Brisbane bitte“, sondern „South Brisbane danke!“. Auf Australisch „Sauth Brisbain ta“, oder auch „thanks“. Reichlich seltsam, aber ich gewöhne mich bald daran. Ich steige aber doch schon früher aus, bei einer S-Bahn-Abzweigestation. Nach einiger Wartezeit brummt der Dieselzug vorbei, der in Blautönen lackiert ist und – darauf sind die Aussies stolz! – zur Gänze in Australien designed und gebaut wurde. Wenn hier etwas nicht aus China, Japan oder sonstwo aus Asien stammt, ist man stolz drauf!
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_227.jpg

Ich fahre danach weiter bis South Brisbane und habe das Glück, mit einer neueren Garnitur zu fahren, die bereits automatische Türen mit Druckknöpfen zum Öffnen haben. Man muß hier nicht wie bei den anderen Zügen die Züren von Hand öffnen. Ein Schild weist extra auf diese Türen hin. Außerdem fällt mir eines der vielen Gebots- und Verbotsschilder im Zug auf: „Students on consessional tickets must not occupy seats while adults are standing“. Natürlich ist auch die Strafe angedroht: die Bezahlung des vollen Fahrpreises. Den Zug der Reihe SMU kann ich nach dem Aussteigen fotografieren:
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Hier kommt gerade ein Regionalzug, der aus Lok+Klassen besteht, vorbei:
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Von South Brisbane spaziere ich über eine Brücke, die über die Einfahrtsgleise des Hauptbahnhofs führt und mache hier einige Bilder. Gut zu sehen ist das Dreischienengleis für den Normalspurzug von Sydney:
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Zu Fuß erreiche ich dann den Bahnhof Roma Street. Gestern wurde ein neuer Fernbahnsteig (Nr. 10) eröffnet, der sehr modern wirkt und viel Beton enthält. Fahrpläne findet man hier aber nicht. Keinen einzigen! Auf dem Bahnsteig steht der einzig tägliche Schnellzug, wenn man vom Sydney-XPT absieht: „Spirit of Capricorn“ nach Rockhampton. Er fährt mit einem Elektrotriebwagen der Reihe EMM
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Wie bei den S-Bahn-Garnituren ist die Front des Inox-Zuges gelb mit weinrotem QR-Emblem gestaltet. Heute verkehrt aber auch der „Sunlander“ nach Cairns. Er wird 40 Minuten vor der Abfahrt bereitgestellt, und zwar mit einer Diesellok, die nun eingesperrt ist bis der Zug abfährt.
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Die direkte Ausfahrt nach Norden ist vom neuen Bahnsteig noch nicht fertig. Der nötige Tunnel wird gerade erst ausgebaut, und die Züge nehmen bis zur Fertigstellung die Route über eine Güterumfahrungsstrecke. Bis Rockhampton wird der Zug natürlich mit einer E-Lok bespannt. Ich könnte also den „Sunlander“ in Bowen Hills fotografieren, wenn ich rechtzeitig dort bin. Die Wagen sind Inox-Wagen, manche haben Zierstreifen in weinrot oder blau.
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Es gibt auch andere Eisenbahnfotografen, die sich die neue Situation hier ansehen.
Kurz darauf fährt der „Westlander“ aus Charleville ein. Ich bemerkte ihn zu spät und kann ihn erst – mehr schlecht als recht - fotografieren, als er wieder hinausgezogen wird.
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Die Wagen sehen nicht sehr hübsch aus und tragen noch die frühere Farbgebung. Innen scheinen sie – nach einem Blick durch die Fenster – aber sehr komfortabel zu sein.

Mit der nächsten S-Bahn fahre ich nun bis Bowen Hills. Unterwegs fällt mir eine Haltestelle mit chinesichen Anschriften auf. Das ist in Australien nichts ungewöhnliches. Es gibt sehr viele mehrsprachige Aufschriften – und zwar für Einheimische! Vietnamesisch, Polnisch, Malaysisch, Chinesisch, Japanisch, Portugiesisch und vieles mehr. In Bowen Hills ist auch das Lok-Depot. Ich habe einen guten Blick von einer Brücke auf die Strecke, auf der auch bald der „Sunlander“ vorbeifährt:
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Gerne würde ich die mehr als 30stündige Reise mitmachen, aber ich habe andere Pläne. Zunächst fahre ich wieder zu meinem Quartier zurück. Heute stehen noch ein Besuch des Koala Sancutary auf dem Programm, in dem es außerdem auch Emus und Känguruhs gibt.


Freitag, 3. November: Sugar Cane Tramway in Nambour
Ein Brieffreund aus Sydney, den ich 1990 in der DDR im Zug kennengelernt hatte, kommt an diesem Tag mit dem Syndey-XPT in Brisbane an. Der Zug ist hellblau lackiert – das ist eine Sonderlackierung zum Jubiläum „140 Jahre Eisenbahnen in Australien“.
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Wir fahren ziemlich bald nach Nambour (man spricht es eher wie Näämber aus), etwa 100 km nördlich von Brisbane gelegen. Unser Ziel sind die Sugar Trams oder Sugar Trains. Es ist nämlich gerade Zuckerrohrernte. Die Fahrt dorthin ist recht interessant. Es geht zuerst durch endlose Vororte, dann folgen Ananasplantagen. Man sieht unterwegs die berühmten Glass House Mountains, einzelne Bergkogel vulkanischen Ursprungs, die von der Ferne so schillern, daß der Entdecker sie von Ferne für Glashäuser hielt und sie danach benannte. Nach der Ankunft in Nambour gelangen wir schnell zur berühmten Kreuzung mit der Zuckerrüben-Bahn. Die 610mm-Bahn kommt von den Zuckerrohrfeldern in die Stadt, fährt hier mitten auf der Straße wie eine Straßenbahn
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Überquert die Hauptstraße von Nambour
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Und führt direkt in die Sugar Mill, also die Zuckerfabrik. Wenig später kommt eine Lokomotive allein zurück:
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Die Züge sind ziemlich lang, bestehen aus lauter Sugar Bins, das sind Drahtkästen, die jeweils eine Tonne Zuckerrohr fassen können. Wieviel das Eigengeicht der Wagen ist, kann ich nicht eruieren, aber ich höre, daß eine Lok einen zug von bis zu 500 Tonnen schleppen kann. Dabei haben die Wagen gar keine Bremsen, sondern nur die Lok allein. Die „bins“ sind übrigens sehr breit, bast so breit wie lang.
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Wenn man neben dem Bahndamm geht, kann man schwer abschätzen, wie breit der Zug eigentlich sein wird. Vorsicht ist also geboten!
Wir gehen zunächst zu der Stelle, wo die Bahn von der Straßenmitte in die Felder abbiegt. Dort gibt es viele Gleise zum Aufstellen der Züge. Wir sprechen mit einem Lokführer und uns wird manches erklärt. Wir gehen dann auf den Schienen weiter bis zu einem Platz, von dem aus man gute Fotos machen kann. Hier warten wir auf einen Zug. Da bleibt Zeit genug, sich die Felder anzusehen. Sie erinnern an Maisfelder bei uns, auch wenn die ausgewachsenen Pflanzen ganz anders aussehen und heller gefärbt sind. Vor dem Ernten werden sie abgebrannt, dabei wird das überschüssige Grün verbrannt und die Stengel, die den Zucker enthalten bleiben übrig. Nur diese werden geschnitten und in die Bins gefüllt und abtransportiert. Dann kommt auch schon der Zug:
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_235.jpg
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Als wir wieder zurück zur Straße kommen, sehen wir gerade eienn Sattelschlepper, der einige volle Sugar bins ablädt und leere Wagen auflädt.
http://www.eisenbahn-bilder.com/bahngalerie13_500/2005_01_10_236.jpg

Er bringt Zuckerrohr von Teilen der Plantagen, die keinen Gleisanschluß haben. In Queensland wird aber fast das gesamte Zuckerrohr durch die Sugar trams eingebracht. Tuasende Kilometer Gleise in 610 mm-Spur sind im ganzen Land verlegt und während der Ernte fahren pausenlos Züge von den Plantagen zu den „Mühlen“ und wieder zurück. Früher hat man ds Zuckerrohr händisch geschnitten, und die Arbeiter sind vielfach an unbekannten Krankheiten oder an Schlangenbissen gestorben. Bis eines Tages ein Unglück passierte: ein Feld geriet in Brand, und nach dem Ende des Brandes sah man: die Stengel waren noch alle da, nur das Unkraut und die Blätter waren verbrannt. Daher brennt man nun jedes Zuckerrohrfeld vor der Ernte nieder, seitdem gibt es keine Todesfälle mehr. Die verbrannten Stengelteile riechen süßlich verbrannt und sehen schmutzig bis schwarz aus. Der Zucker aus Zuckerrohr sieht allerdings auf dem Tisch dann gleich aus wie unser Rübenzucker und schmeckt auch gleich.
Wieder zurück beim Bahnhof verpasse ich leider den „Sunlander“. Wenn ich den Fahrplan gewußt hätte, hätte es ein schönes Bild werden können. So muß ich mich aber mit den EMU-Garnituren zufriedengeben, die aber in dieser Landschaft auch schön zur Geltung kommen:
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Damit endet mein Bericht, denn alle Dias, die ich bisher scannen ließ, sind gezeigt.
Wenn es Euch interessiert, kann ich weitere Dias scannen lassen: Besuch beim Straßenbahnmuseum Brisbane (die Straßenbahn hier ist längst eingestellt), Fahrt mit dem XPT nach Sydney, S-Bahn-System Syndey, Bilder der SRA (Bahngesellschaft von New South Wales), Fahrt mit dem Indian Pacific nach Adelaide, S-Bahn-System Adelaide, Straßenbahn Adelaide, Bahnen in South Australia, Melbourne: Straßenbahn, S-Bahn, V-Line (Victoria-Line, so heißen die Staatsbahnen im Bundesstaat Victoria).



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:05:02:11:46:55.