Im
Straßenbahnforum hatte ich schon einige Fotos von Obussen gezeigt, jetzt ist die Eisenbahn in Georgien dran. Ich war im März für zwei Wochen dort. In dieser Zeit kann man natürlich nicht alles sehen, insbesondere den Nordwesten um Poti/Samtredia/Sugdidi und den Süden und Südosten habe ich vernachlässigt. Ebenso kommen natürlich auch die Separatisten-"Staaten" Abchasien und Südossetien nicht vor, in letzterem fährt sowieso keine Eisenbahn. Ich schreibe hier keinen Reisebericht, sondern möchte einfach nur ein paar Bilder zeigen. Die Reihenfolge ist nicht chronologisch, sondern eher geographisch; Anfang und Ende der Reise waren in Batumi.
Das georgische Eisenbahnnetz ist eigentlich gar kein Netz, sondern besteht aus einer Stammstrecke, die sich im Westen verästelt, zwischendrin ein paar Abzweige hat und im Südosten sich in zwei Strecken nach Armenien und Aserbaidschan gabelt. Ein direkte Verbindung nach Russland gibt es nicht mehr. Praktisch das gesamte Netz ist mit 3 kV Gleichstrom elektrifiziert.
Der Eisenbahnverkehr wird ganz eindeutig vom Ölverkehr zwischen Aserbaidschan und den Häfen in Batumi und Poti dominiert.
Von einigen Bräuchen der ex-sowjetischen Eisenbahnen muss man sich in Georgien gleich verabschieden. Davon stimmt eigentlich nur, dass 800er Elektritschkas mit erhöhtem Komfort sind. Konkret handelt es sich dabei um zwei Zugpaare Tiflis - Poti (davon eins absurderweise in der Nacht; das Zugpaar nach Batumi gibt es nicht). Schlafwagen gibt es nur in den internationalen Nachtzügen Tiflis - Jerewan und Tiflis - Baku sowie in den Nachtzügen Tiflis - Batumi, Tiflis - Sugdidi und Tiflis - Osurgeti mit Kurswagen nach Kutaissi. In den (wenigen) Tagesschnellzügen wird man nicht zum Fahren im Schlafwagen genötigt, da fahren ganz nach europäischer Art ausschließlich Sitzwagen mit zeitgemäßer Ausstattung. Alle tagsüber fahrenden Züge mit 600er-Nummern sind Elektritschkas.
In
Batumi wird man zuerst mit irreführenden Angaben konfrontiert, welcher Bahnhof nun eigentlich bedient wird. So ganz leicht verständlich ist das auch nicht. Zumindest bis in die 80er Jahre gab es in Batumi einen Bahnhof mitten in der Stadt, bei dem das letzte Streckenstück in der Straße lag. Diesen Zustand geben auch die topographischen Karten wieder. Wann genau diese Strecke stillgelegt wurde, weiß ich nicht. Seitdem endet die Strecke am Bahnhof Batumi nahe dem Busbahnhof.
Hier ein Bild vom Stumpfgleis am Streckenende mit TEM2-2382, Standort war der Prellbock. Das rote Haus ist übrigens ein Hotel (das ich auch genutzt habe):
Der Bahnhof ist durch den Güterverkehr derart belastet, dass er nicht mehr für den Personenverkehr genutzt werden kann. Es wurde zwar immer mal behauptet, dass die Elektritschkas bis hierher gefahren sind, zuverlässige Belege dafür konnte ich aber nicht finden. Allerdings werden sie als Leerreisezug zum Abstellen hierher gefahren, das erklärt vielleicht Missverständnisse. Trotz aller landestypischen Großzügigkeit heißt Leerreisezug in diesem Fall auch wirklich Leerreisezug. Ein Blick in den Bahnhof von der Westseite:
Ein Güterzug mit 10-1895. Bei den meisten WL10 wurde das WL wie auch der kyrillische Teil des Herstellerschriftzugs an der Front entfernt. Diese Baureihe erledigt den weit überwiegenden Teil des Güterverkehrs. Hier auf der nur im Güterverkehr bedienten Strecke in Batumi:
WL8 sind nur noch im Rangierdienst und mit Bauzügen im Einsatz. WL8-624 an fast der gleichen Stelle:
Dies ist der "neue" Bahnhof von Batumi, der laut Bradt-Reiseführer in Betrieb ist. Hier ein Bild vom Bahnsteig:
Natürlich ist er nicht in Betrieb, ich habe auch keinerlei Aktivitäten bemerkt. Keine Ahnung, was aus dieser Bauruine werden soll. Ein paar Gleise werden zum Abstellen von Kesselwagen für den Ölverkehr benutzt, sind aber nur von Batumi aus nutzbar. Außerdem wird der Nachtzug von Tiflis hier abgestellt. Der Rohbau des Empfangsgebäudes:
Und das hier ist der Bahnhof Machindschauri, ca. 5 km von Batumi entfernt. Hier endet der Personenverkehr tatsächlich. Der Bahnhof hat 2006 ein neues Empfangsgebäude bekommen. Eine Umbenennung in "Batumi" erfolgte nicht, lediglich die Zuglaufschilder weisen Batumi als Ziel aus. 4E10-689 nach Ankunft mit dem Tagesschnellzug aus Tiflis:
Zwischen Batumi und Kobuleti führt die Strecke am Schwarzen Meer entlang. 10-915 nördlich von Machindschauri:
WL10-1629 am Haltepunkt
Mzwane Konzchi:
Eine 4E10 mit Schnellzug aus Tiflis nördlich von Mzwane Konzchi:
WL10-1629 am Haltepunkt
Botanikuri Bagi (Botanitscheski Sad):
Der zweiteilige ER2M 974 ist ein Einzelstück. Er verkehrt als Personenzug zwischen Batumi und Ozurgeti, hier in
Tschakwi:
Jetzt ein etwas größerer Sprung ins Landesinnere. 4E10-689 in der Nähe von
Dschumati:
Kutaissi ist als Heimat der letzten in Staatsbahndiensten stehenden WL22M bekannt. Die Stadt liegt nicht direkt an der Hauptstrecke, sondern ist über zwei ca. 7 km lange Stichstrecken an diese angebunden. In Brozeula zweigt die westliche Strecke zum Bahnhof Kutaissi-II ab, der in unmittelbarer Nähe des Busbahnhofs liegt. Der Bahnhof Kutaissi-I ist innerstädtisch weniger gut angebunden, liegt aber näher am Zentrum und ist über den Bahnhof Rioni angebunden. Das Bw befindet sich in Kutaissi-I. Die WL22M erledigen dort praktisch alle Aufgaben, die nicht von Elektritschkas übernommen werden. Dazu gehört einerseits die Zuführung der Kurswagen für den Tages- und den Nachtzug nach Rioni (jeweils nur ein Wagen), andererseits die Zuführung von Güterwagen zur Hauptstrecke. WL22M-1483 mit Güterwagen beim Verlassen von Kutaissi-I:
Vermutlich nur ausnahmsweise kam auch WL22M-1204 auf der Strecke von Kutaissi-II nach
Zchaltubo zum Einsatz, hier in Zchaltubo mit einem ehemaligen Plazkartni-Wagen:
Der Bahnhof sieht nur von außen so repräsentativ aus. Das Innere ist komplett ungenutzt, in Deutschland hätte man bei einem solchen Bahnhof die Fenster mit Brettern vernagelt:
Am nächsten Tag kam die Neubaulok 4E1-001 zum Einsatz, vermutlich die Standardbesetzung, hier am Hp. 17 km (der etwas weiter östlich liegt, als in der Karte verzeichnet):
Weiter westlich gibt es noch einen nicht im Fahrplan verzeichneten, aber trotzdem bedienten Haltepunkt, absolut vorbildlich mit Hochbahnsteig, Rampe und Wartehäuschen:
Das einzige Personenzugpaar auf der Strecke Kutaissi-I - Tkibuli wird ebenfalls mit WL22M gefahren. Da der Zug in Tkibuli übernachtet, musste ich leider auf eine Mitfahrt verzichten und mich auf Bilder in der Umgebung von Kutaissi beschränken. Hier als E22-1664 auf dem Weg nach Tkibuli:
WL22M-1204 mit dem Wagen für den Mittagszug nach Tiflis in Kutaissi-I:
11-146 (ex WL11-146) mit dem zugehörigen Zug von Osurgeti und Sugdidi in Rioni. Der Zug hält nicht mal am Bahnsteig. Bei den Schnellzügen scheint man die WL11 zu bevorzugen, ansonsten laufen sie im Güterverkehr mit. Die besonderen Möglichkeiten der WL11 gegenüber der WL10 im Einsatz als Eineinhalbfachtraktion und Doppeltraktion werden in Georgien nicht genutzt:
In Sestaponi zweigt die Strecke nach Satschchere ab. ER2-511 in
Tschiatura:
Zwischen Charagauli und Chaschuri fahren alle Güterzüge und ein Teil der Schnellzüge mit Vorspann. 10-1024 mit einer WL11 in
Charagauli:
In westlicher Richtung 10-1599 neben dem Zug mit 10-038, dem sie bis hier Vorspann geleistet hat:
In gleicher Richtung 4E10-1269 mit einem Messwagen:
In die 800er-Dienste zwischen Tiflis und Poti teilen sich ES-003 und ES-004, die jeweils einen eintägigen Umlauf haben. Der etwas formschönere ES-003 in Charagauli auf dem Weg nach Poti:
Letztes Jahr war zwischen Kutaissi-II und Zchaltubo noch der Triebwagen SR3-1510 im Einsatz. Inzwischen wurde er auf die reaktivierte Strecke Chaschuri - Surami (nur 5 km lang) zurückversetzt. Hier in
Chaschuri:
Die Strecke führt in beiden Orten straßenbahnähnlich mitten durch die Bebauung, wobei in Chaschuri nur ein nördlicher Randbereich durchfahren wird:
Ganz ähnlich in Surami:
In Chaschuri zweigt außerdem die Strecke nach Wale ab. Bis Bordschomi verkehren zwei Elektritschka-Zugpaare, nach Wale nur ein Nachtzug, der aus einem einzigen Wagen (Plazkartni in Obschtschi-Belegung) besteht und zwischen Chaschuri und Tiflis dem Nachtzug aus Osurgeti beigefügt wird.
In Bordschomi zweigt die einzige georgische Schmalspurbahn ab, sie führt nach Bakuriani und ist ebenfalls elektrifiziert, allerdings mit 1,5 kV. Sie hat die Spurweite 914 mm, manchmal auch mit 900 mm angegeben. Es gibt nur zwei Personenzugpaare, die mit je einem alten und einem umgebauten Wagen verkehrten. Die umgebauten Wagen sind so was wie 1. Klasse, eine Fahrt kostet immerhin 2 Lari (ca. 85 Cent, für georgische Verhältnisse reichlich teuer), in den alten Wagen nur 1 Lari.
Der einzige besetzte Zwischenbahnhof ist
Zemi, hier mit TschS11-06 in neuer Lackierung:
TschS11-09 in klassischer Lackierung nach Ausfahrt aus Zemi:
Zur Abwechslung mal ein Kitschbild, unterhalb von Zemi:
TschS11-09 in Tba. Nein, ich habe nicht den Namen des Ortes vergessen, der heißt wirklich so:
Nicht die ganze Strecke ist fotografisch umsetzbar, eine Mitfahrt aber unbedingt zu empfehlen. Beim Nachmittagszugpaar besteht allerdings die Gefahr, dass man in Trinkgelage hineingerät, denen man sich nicht entziehen kann. TschS11-06 bei der Ausfahrt aus
Bakuriani, gleichzeitig der Beweis, dass man zum Fotografieren nicht nüchtern sein muss:
Nun noch ein paar Bilder vom Rest. ER2-3019 als Personenzug von Bordschomi in
Gori. Wer weiter hinten fehlende Fenster zu entdecken meint, liegt richtig. Die beiden Zugpaare nach Bordschomi und das Zugpaar nach Schindisi werden mit fünfteiligen ER2 (mit der jüngsten Kopfform) befahren, bei denen im mittleren Wagen sowohl der größte Teil der Fenster als auch sämtliche Sitzbänke fehlen. Diese Wagen dienen dem Warentransport. Ansonsten sind bei den georgischen Elektritschkas in aller Regel die Fenster drin:
ER2-699 in
Rustawi:
Leider nicht mit Bildern dienen kann ich hinsichtlich des ES-005. Dies ist ein zweiteiliger Elektritschka-Umbau, der in Tiflis zwischen Bahnhof und Flughafen verkehrt.