So, nun gehts weiter in Richtung Aleppo. Die Fahrkarten hatte ich bei Turista bestellt und abgeholt. Die Fahrt Istanbul - Aleppo kostet im Single-Abteil 89,20 Türkische Lira (gemäß Fahrkarte bzw Reservierung). Das müßten ca. 45 EUR sein. Das Reisebüro nimmt dafür 70 EUR. Also ein ganz guter Verdienst nur fürs Fahrkarten holen. Es hat sich aber gelohnt. Die Kurswagen nach Syrien waren komplett ausgebucht. Es scheint im Moment auch planmäßig zu sein, dass 2 Wagen von Istanbul nach Aleppo verkehren. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt waren 2 Wagen unterwegs. Wie gesagt, auf der Hinfahrt waren alle Abteile belegt. Soweit ich es herausfinden konnte, haben fast alle über Turista die Tickets bestellt. Es würde es vereinfachen, wenn man die Reservierungslisten direkt ins Reisebüro legt ;).
Es waren nur Touristen unterwegs. Als Einheimische konnte ich nur die Schlafwagenschaffner ausmachen. Das waren 3 für beide Wagen. Es waren mit mir ca. 6 oder 7 Deutsche im Zug (obwohl einer Schweizer war glaub ich ;)) und ziemlich viele Backpacker aus Amerika. Andere Nationen waren auch noch vertreten. Die Stimmung im Zug bzw Wagen war echt toll und die Tour war wirklich ihr Geld wert. Ich kann das Ganze nur empfehlen. Die Schlafwagenschaffner waren äußerst freundlich, sprachen einigermaßen Englisch und ich war einfach begeistert. Abends wurde im Dienstabteil Essen zubereitet und man kam gar nicht daran vorbei ohne etwas probieren zu müssen. Ansonsten gibt es keine Verpflegung im Zug auch im restlichen Toros-Express gibt es keinen Speiswagen.
2 weitere Deutsche wollten ebenfalls nach Aleppo, haben jedoch in Haydarpasa keine Reservierung mehr für die Kurswagen bekommen. Sie wurden in den Schlafwagen der türkischen Bahn gebucht und stiegen in Adana in die syrischen Wagen um. Gegen einige Dollar an die Schlafwagenschaffner konnten sie den Rest der Fahrt im Dienstabteil des einen Wagen zurücklegen.
Es gibt sowohl eine "normale" als auch eine orientalische Toilette (von einigen zuerst als Dusche interpretiert ;)). Der Holz-WC-Sitz dürfte wohl auch noch Original sein. Das Holz wellt sich allerdings schon ein wenig. Handtücher und Toilettenpapier wurden übrigens bis Aleppo immer wieder aufgefüllt.
Bilder von meinem Abteil.
Bilder vom Bhf Haydarpasa
Die syrischen Wagen sind komplett abgeriegelt. Sie werden einfach "zugeschraubt". Auch die Einstiegstüren waren größtenteils verschlossen. Wenn dort nachts etwas passiert hat man keine Chance. Zumal die Abteilfenster nicht zu öffnen sind.
Bilder von unterwegs.
In Adana. Und ich darf nicht mal mein Auto auf der Straße waschen ;).
Bilder von unterwegs.
Ankunft in Fevzipasa. Hier werden die syrischen Kurswagen abgehängt und zusammen mit Güterwagen in Richtung Grenze weiterbefördert. Der vordere Zugteil fährt weiter nach Gaziantep.
Es muß ja nicht immer ein Hemmschuh sein ;).
In Fevzipasa beim Rangieren.
Auch das macht die Reise so interessant. Solch Schienenstöße gibt es bei uns kaum noch. Aber dort gehört das typische klack klack einfach noch dazu. Herrlich :).

Mit einer langen Schlange Güterwagen zwischen Fevzipasa und Islahiye dem türkischen Grenzbahnhof. Tiere und Personen am Gleis. Hierzulande würden einige Lokführer sicher sofort Meldung an den Fdl machen. Hier interessiert das absolut keinen.
Islahiye, türkische Grenzkontrolle und erneut rangieren. Manche Güterwagen bleiben hier, andere kommen mit. Außerdem wird ein türkischer Reisezuwagen beigestellt, welcher nur das Stück von Islahiye bis Meydanekbez (syrischer Grenzbahnhof) fährt. Die Leute sind alle sehr freundlich und der Lokführer freute sich, dass ich nach vorne kam um seine Lok zu fotografieren.
Fahrt über die türkisch-syrische Grenze und Ankunft am syrischen Grenzbahnhof Meydanekbez.
Jetzt muß ich doch wieder ein bißchen Text dazwischenschieben. Kurz etwas zur Statistik: Abfahrt in Istanbul pünktlich. Eigentlich der ganze erste Tag ziemlich pünktlich. Abends Ankunft und Abfahrt in Afyon mit +25. Am nächsten Morgen in Adana hatte wir allerdings bereits 194 Minuten Verspätung. Warum? Keine Ahnung, ich habe wohl alles verschlafen. In Fevzipasa Ankunft mit +230. Abfahrt in Islahiye +247, Ankunft in Meydanekbez mit +280.
Hier fing nun also das Abenteuer Syrien an. Zuerst wurden alle Pässe im Zug eingesammelt. Nachdem das erledigt war, mussten wir alle aussteigen und begaben uns in die "Passenger Hall". Dort lagen die Pässe und ein paar Grenzbeamte gingen ihrer Arbeit nach. Nun wurde an jeden eine Art "Einreise/Ausreisezettel" verteilt. Den galt es auszufüllen. Hätte man das vorher gewußt, hätte man auch nen Stift mitgenommen aus dem Zug ;). Es galt nochmal alles auszufüllen, was man im Prinzip auch auf dem Visaantrag angegeben hat. Name Vater, Name Mutter, Grund des Besuchs usw usw. Am besten fand ich, dass man erst die Pässe einsammelt und dann später auf dem Zettel nach der Passnummer fragt ;).
Die ausgefüllten Zettel mußte man nun abstempeln lassen und dann abwarten. Nach und nach wurde dann jeder aufgerufen und musste an eines der 4 Fenster kommen. Es ist gar nicht so einfach seinen Namen zu verstehen, wenn er von einem Syrier ausgesprochen wird. Meisten guckte sich jemand der Reisende den Pass an und suchte dann nach demjeniegen. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Grenzbeamten und Abgabe des Zettels kamen die Pässe alle wieder auf einen Stapel.
Nun mussten noch die passenden Stempel in den Pass. Nachdem dies erledigt war, wurde wieder jeder aufgerufen und musste seinen Pass abholen. Das Ganze zog sich eine Ewigkeit hin, aber es gab keine Probleme. Alle waren freundlich, nett und hilfsbereit. Man kam mit einigen syrischen Reiseführern ins Gespräch und konnte sich schonmal über sein Hotel in Aleppo oder andere Sachen erkundigen.
Ok, nachdem alle durch waren saßen wir wieder im Zug und warteten auf die Weiterfahrt. Dann kamen nochmal 3 Grenzbeamte durch den Zug und fragten jeden Reisenden nach Handy und Digitalkamera und wollten diese sehen. Am Anfang war mir vollkommen unklar was das soll, aber im nachhinein is nun klar worum es ging. Nach Syrien dürfen keine Geräte mit GPS eingeführt werden. War für die meisten eigentlich kein Problem, aber ein Amerikaner hatte ein Handy, welches nicht nach Syrien eingeführt werden darf. Und da ging die Warterei erst richtig los. Das Handy musste am Grenzbahnhof bleiben und sollte bei der Rückfahrt wieder abgeholte werden. Es sollte aber ab Damaskus geflogen werden und nicht wieder mit dem Zug zurück. Also großes Hin und Her. Wie es nun am Ende geregelt wurde konnte ich leider nicht herausfinden. Ich habe nur mitbekommen, dass das Handy am Bhf blieb.
Die lange Pause nutzte ich dazu mich bei den Schaffnern zu erkundigen wie es mit dem Fotografieren von Eisenbahnen in Syrien aussieht. Ich hab immer mal wieder gehört, dass es verboten sein soll. Mir wurde aber gesagt, dass es kein Problem ist. Ein Mitreisender sprach Arabisch und ging vor zur Lok. Da hielt es mich natürlich auch nicht. Nach einer kurzen Frage beim Lokführer war selbst ein Eisenbahnfoto am Grenzbahnhof kein Problem. Während ich die Lok und den Zug ablichtete fotografierte mich der Lokführer mit seinem Handy. Alle waren sehr freundlich und wir erhielten noch einen Kaffe von der Lok gereicht. Hier erstmal die Fotos:
Da die Prozedur mit dem Handy doch noch länger dauerte und unser Zug am Bahnsteig im Weg stand, wurde in ein Nachbargleis umgesetzt. Nachdem ich mich bis jetzt über all diese Verzögerung geärgert habe, war ich nun doch froh darüber. Nach einigen Erkundigungen beim Zugpersonal erfuhr ich, dass wir nun von dem Zug Aleppo - Teheran gekreuzt wurden. Auf diesen wartete ich nun mit meiner Kamera. Leider konnte ich auf die schnelle nicht so tolle Fotos machen, aber es sind interessante Bilder geworden denke ich. Zuerst nochmal Bilder von unserem Zug nach dem Umsetzen und dann der Zug Aleppo - Teheran:
Der Zug bestand aus 2 Loks, 1 Gepäckwagen, 3 Sitzwagen, 1 Speisewagen, 3 Schlafwagen und 1 iranischen Gepäckwagen.
Die Sache mit dem Handy war nun auch erledigt und nach Kreuzung konnten wir unsere Fahrt mit 395 Minuten Verspätung fortsetzen.
Kreuzung in Rajo
Halt in ??? um eine zweite Lok aufzunehmen.
Ankunft in Aleppo um 23:05 statt 14:34. Nun ging es mit Taxi ins "Hotel" und dann ins Bett. Am nächsten Morgen soll es doch mit dem Taxi schon wieder zurück in die Türkei gehen. Doch dort geht es im nächsten Teil weiter.
Grüße, Dirk