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[FI] RB: Finnland-Baltikum (Teil 3: Finnland) (38 B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 10.11.07 17:50

Nach dem ersten Kennenlernen der finnischen Eisenbahn im Bahnhof von Helsinki geht es nun an drei Tagen ins Land. Die erste Fahrt führt mich nach Tampere. Grund für meine Ausflüge waren nicht in erster Linie die Eisenbahnen, sondern das Kennenlernen anderer Gegenden in Finnland, aber natürlich hab ich versucht, möglichst viel Bahn zu beobachten.
Nun sitze ich also zum ersten Mal in einem IC-Zug. Der IC83 ist ein normaler IC, er hat Doppelstockwagen und normale Wagen. Mein reservierter Platz ist in einem Doppelstockwagen unten. Die Ansagen, die sehr deutlich vom Tonband kommen, sind Finnisch, Schwedisch und Englisch. Am Anfang verstehe ich nur „Hyvää matkaa“ (Gute Reise). Sonst merke ich mir noch nicht viele Wörter, was ich aber auf den vielen Aufschriften lese, geht schneller ins Hirn. Und die Ansagen sind ja auch auf dem Monitor lesbar. „Seuraavana“ (nächster Halt) merke ich mir zum Beispiel nicht. Die Sitze im Wagen sind leider ziemlich unbequem und nicht gut für mein Kreuz, außerdem recht hart. Während der Fahrt wird auf einem Monitor die Geschwindigkeit angezeigt (wir fahren bis zu 160 km/h). Vor den Stationen werden auf dem Monitor außerdem Informationen über den Bahnhof (wo der Ausgang ist, wo Taxis stehen, wo der Bus, wo der Fußgängerübergang oder die Unterführung usw.) graphisch angezeigt. Und dazwischen ein Plan von Finnland, in dem eingezeichnet ist, wo der Bahnhof genau liegt. In Tampere angekommen, steigen viele Leute aus. Der Zug wird hier gestürzt und fährt nach Pieksämäki weiter.

http://img145.imageshack.us/img145/5862/zsm37100tampere229yn4.jpg
Ein Pendolino, der eine halbe Stunde später in Helsinki abgefahren ist, ist vier Minuten später als wir angekommen und man kann von ihm noch in unseren Zug umsteigen. Der Anschluß ist sogar im Kursbuch vermerkt. Die Bahnsteige werden gerade umgebaut, eine neue Unterführung ist Grund für die Baustelle. Hinter dem Pendolino steht der Zug nach Pori bereit, doch dazu später.

Es regnet zwar, aber trotzdem kann ich die hier herumstehenden Dm12-Dieseltriebwagen gut fotografieren:
http://img145.imageshack.us/img145/5697/zdm124404tamperejn5.jpg

http://img145.imageshack.us/img145/9451/zsr13028tamperenachporijk3.jpg
Auch ein H-Zug (henkilöjuna = Personenzug) mit den typischen alten blau/grauen Wagen steht hier. Er fährt nach Pori, einer Hafenstadt am Bottnischen Meerbusen, immerhin 135 km entfernt. Die Wagen sehen aber außen gleich aus wie die Wagen wie für Schnellzüge.

Der Bahnhof Tampere war bis 1971 eigentlich ein Kopfbahnhof. Alle drei Strecken verlassen den Bahnhof Richtung Süden: nach Helsinki und Turku (im Süden), Pori (im Westen) und Jyväskylä (im Osten). Die Strecke über Parkano nach Seinäjoki (nach Norden) wurde erst 1971 eröffnet, bis dahin mußten die Züge Richtung Seinäjoki und weiter einen Umweg über Haapamäki machen, das waren 73 km mehr! Man erkennt, daß die weiterführende Trasse noch nicht alt ist und durch Gelände mit wenig Platz für eine Gleistrasse führt. Dennoch ist die Strecke zweigleisig und heute viel wichtiger als die alte Umwegroute.
Rundgang in Tampere
Tampere hat etwa 203.000 Einwohner und hat eine große Geschichte als Industriestadt (Textilien). 1882 wurde hier die erste elektrische Straßenbeleuchtung Skandinaviens eingeschaltet. Viele Industriegebäude dienen heute anderen Zwecken, hauptsächlich kulturellen, wie Kino, Theater, Museen, Galerien usw.

http://img90.imageshack.us/img90/2518/zvr1088dampf1d1intamperwl9.jpg
Leider regnet es wieder einmal. In der Nähe des Bahnhofs steht eine Dampflok als Schaustück, leider schon verschmiert. Es ist eine 1D1 Nummer 1088, gebaut in Tampere 1956, vermutlich eine Tr1. Ich spaziere Richtung Domkirche (Tuomiokirkko) bzw. Kathedrale, der Regen läßt etwas nach.

http://img297.imageshack.us/img297/3467/z0239tamperetuomiokirkkbe8.jpg
Hier ein Bild des Doms von Tampere, damit nicht alles nur Bahnbilder sind… Da heute der 7.7.2007 ist, gibt es jede Menge Hochzeiten in den Kirchen. Ich sehe jedenfalls mehrere Brautpaare.


Fahrt nach Turku
Wieder am Bahnhof besteige ich den Zug nach Turku. Da Tampere (auch aufgrund des Wetters) nicht mehr viel zu bieten hat für mich, setze ich meinen Plan, eventuell nach Turku weiterzufahren, in die Tat um. Der Pikajuna P916 kommt von Pieksämäki und hat die bekannten blau/grauen, älteren Eip-Wagen.

http://img520.imageshack.us/img520/4932/zvrwageneipintamperegx3.jpg
Dieser Eip-Wagen fährt zwar nach Rovaniemi, aber die Wagen unseres Zuges lassen sich nicht gut aufnehmen. Erstmals seit 1974 sitze ich also wieder in einem solchen Wagen. Die Sitze, damals als hochmodern in Erinnerung, erinnern mich heute an die Sitze in den älteren japanischen Triebwagen. Ziemlich weich und tief, aber doch etwas bequemer als die finnischen IC-Sitze. Auch dieser Zug wird in Tampere gestürzt und bekommt eine neue Lok. Ich habe Glück bei der Sitzplatzauswahl, denn vor mir wird ein Fahrgast von Platzkarteninhabern vertrieben. Mein Platz bleibt aber unreserviert.

http://img80.imageshack.us/img80/2022/z0251vrschnellzugwagenasv9.jpg
Das Innere eines alten Schnellzugwagens.
Bald nach Tampere kommt die Sonne hervor und es wird freundlicher. Mein Wagen wird als EFit bezeichnet, das E steht für 2. Klasse, das F augenscheinlich für Gepäckabteil. Interessiert betrachte ich die Landschaft, die mir gar nicht so fad vorkommt, wie ich erwartet habe. Bei der Ankunft in Turku scheint die Sonne prächtig und der Himmel ist überwiegend blau.

http://img140.imageshack.us/img140/3953/zsr13028p916pieksmkiturjf8.jpg
Mein Zug nach der Ankunft in Turku.
Ich bin froh, nicht in Tampere geblieben zu sein. Interessiert betrachte ich die russischen Güterwagen, die hier herumstehen. Zwischen finnischen und russischen (bzw. natürlich auch estnischen, lettischen, litauischen, ukrainischen,…) Wagen ist ein flacher Übergangswagen gereiht, der an jedem Ende die entsprechend richtige Kupplung hat – oder irgend eine Kombinationskupplung. Ich sehe schwedische Wagen und sogar einen deutschen Kesselwagen, interessanterweise mit tw. finnischen Aufschriften. UIC-Beschriftung trägt jedoch kein VR-Wagen, wie man im Vordergrund sehen kann:
http://img140.imageshack.us/img140/9075/zvrgterwagenudbinturkuoc0.jpg

http://img140.imageshack.us/img140/1248/zvrkupplungmitrzdwagentqe7.jpg
Hier sieht man einen finnischen Übergangswagen und einen russischen Güterwagen gekuppelt!

Und so sieht die Kupplung zwischen Klauen- und Schraubenkupplung aus:
http://img99.imageshack.us/img99/7105/z0254vrkupplungbergangfd5.jpg

Turku war bis 1912 die Hauptstadt Finnlands – allerdings war Finnland damals noch nicht unabhängig! Wie viele andere Städte in Finnland auch (Helsinki z.B.) brannte auch in Turku einmal ein großer Teil der Stadt komplett ab, das war 1827 der Fall, und es war der größte Stadtbrand, den Skandinavien je erlebte. Beim Neuaufbau wurde auf breite Straßen und entsprechenden Brandschutz Wert gelegt. Winkelige Gassen findet man hier daher – wie in vielen Städten Finnlands – nicht. Turku ist wegen 5% schwedischsprachiger Bevölkerung offiziell noch immer zweisprachig (der schwedische Name ist Åbo). Der Hafen von Turku ist noch immer sehr wichtig und als Fährhafen das Eingangstor für die meisten Finnlandtouristen.
Spaziergang durch Turku
Das Viertel in der Nähe des Bahnhofs ist ein Vorstadtviertel, nichts Besonderes und für mich gerade deshalb so interessant. Es gibt eine Menge Häuser aus Holz, dazwischen modernere Bauten, auch aus Beton.

http://img84.imageshack.us/img84/4175/z0266turkuholzhausnu0.jpg
Ein typisches Straßenbild in Finnland: Holzhäuser inmitten von moderneren Bauten.

Die auf einem Hügel befindliche Mikaelin kirkko (Michaelskirche), die 1899-1905 im neugotischen Stil gebaut wurde, hat im Inneren Jugendstilcharakter und gefällt mir ganz gut. Ich bin frech, denn es ist gerade eine Hochzeit (ach ja: 07.07.07!), aber die Leute sind nicht alle sehr aufmerksam und ich fotografiere das Innere samt Brautpaar. Ich denke allerdings noch nicht ans Datum, sondern glaube, daß man hier noch gerne heiratet…
Beim Spaziergang durch die rechtwinkeligen Gassen fällt mir auf, daß sich hier die Erwachsenen an die roten Ampellichter halten, also nicht die Straße queren, auch wenn wenig oder keine Autos kommen. Der weitere Weg führt entlang des Flusses und an vielen interessanten Schiffen vorbei in Richtung zum „Turun asama“ (Turkuer Hafen) bzw. zur „Turun linna“ (Turkuer Burg). Sie gilt als die bedeutendste mittelalterliche Burganlage Finnlands, die schon 1280 erwähnt wurde.
http://img87.imageshack.us/img87/9972/z0277turkuturunlinnarf4.jpg

Hier in der Nähe vermute ich auch den Hafen bzw. den Hafen-Bahnhof (Turku Satama bzw. Åbo Hamn), hier hab ich als Jugendlicher zweimal Finnland verlassen, indem ich vom Zug in die Fähre nach Stockholm umgestiegen bin. Ich möchte diesen Bahnhof also finden und finde ihn auch und mache ein paar Bilder.

http://img87.imageshack.us/img87/1474/z0278turkuasamabhfxu9.jpg
Der nächste Zug kommt aber natürlich erst am Abend, denn nur in der Früh (einer) und am Abend (zwei) gibt es direkte Züge zwischen Helsinki und den Fährschiffen von Turku.

Innenstadt und Dom von Turku
Mit dem Bus fahre ich zum Kauppatori zurück und gehe zu Fuß zum Dom (Tuomio kirkko). Der wuchtige Turm ist von Weitem sichtbar.
http://img136.imageshack.us/img136/951/z0280turkudomkr2.jpg
Die Kirche ist das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk in Finnland, der erste Bischofssitz Finnlands (1286) befand sich hier. Die heutige Kirche wurde 1300 gebaut und im Laufe der Jahrhunderte immer mehr vergrößert.

http://img136.imageshack.us/img136/3729/z0292turkukauppatoristrpe4.jpg
Auf dem Kauppatori findet sich ein alter Straßenbahnwagen von Turku, der im Sommer als Eisstand dient. Zum Bahnhof fahre ich wieder mit dem Bus und trete die Rückfahrt nach Helsinki an.
Während der Fahrt beginnt es schon etwa 30 Minuten nach Turku stark zu regnen. Ich hatte also Glück heute! Kurz vor 21 Uhr bin ich wieder in Helsinki. Obwohl ich diese Strecke schon zweimal im Leben gefahren bin, staune ich, daß es hier sogar einige Tunnels gibt.

Am folgenden Tag steht eine längere Reise bevor, aber laut Reiseführer und laut Erzählungen ist Savonlinna sehr sehenswert – und vor allem: man ist mitten im Saimaa-Seengebiet! Nun trete ich meine erste Pendolino-Fahrt an und mir fallen natürlich sofort die niedrigen Fenster auf. Ich sitze in Fahrtrichtung! Zu meiner Überraschung sind die Sitze die gleichen wie in den IC-Wagen – also nicht wirklich bequem. In den Armlehnen befinden sich Stecker für Kopfhörer – wie im Flugzeug.
In Kuovola besteht Anschluß nach Kotka Asama, und mir fällt auf, daß auch diese Nebenbahn elektrifiziert ist. Sie wird mit Sm2-Triebwagen bedient. Unterwegs sehe ich immer öfter Güterzüge mit russischen Wagen. Nicht alle Wagen sind von der RZD, einige dürften Privatwagen sein, denn statt der RZD-Aufschrift findet sich z.B. auch „Evrosib“, aber auch einige EVR-Wagen bemerke ich (estnische Güterwagen).
Umsteigen in Parikkala
Unterwegs kommen wir ganz knapp an der russischen Grenze vorbei, aber man kann nichts erkennen. Einige Rapsfelder gibt es auch hier im Osten, sie sind jetzt erst gelb! Bei uns daheim natürlich schon längst geerntet. In Parikkala muß ich umsteigen. Es gibt viele Leute, die hier aussteigen.

http://img117.imageshack.us/img117/8413/zzdm124408parikkalacw9.jpg
Anschluß nach Savonlinna bietet der Zug H 743 mit einer Doppelgarnitur der 4-achsigen Dieseltriebwagentype Dm12, gebaut in Tschechien. Ich muß auch erwähnen, daß Parikkala nun der östlichste Punkt Europas ist, an dem ich bisher gewesen bin. Moldawien in Rumänien und Lemberg in der Ukraine liegen weiter westlich als Parikkala!

Der Innenraum eines Dm12:
http://img441.imageshack.us/img441/4708/zzdm12innenraumam6.jpg

Ein Unterwegsbahnhof:
http://img105.imageshack.us/img105/4924/zzxbhflustovh9.jpg

Auf der etwa einstündigen Fahrt fahren wir an zahllosen größeren und kleineren Seen vorbei, die meisten sind untereinander irgendwie verbunden, manche auch nur mit Kanälen. Leider ist das Wetter trüb und wechselt ständig: Regen – Wolken – Sonne – Regen – Wolken – Sonne. Jedenfalls scheint die Wolkendecke dünn zu sein, denn das Blau kommt immer wieder zum Vorschein. Ich staune, daß auch in diesem Regionalzug die Ansagen aus dem Lautsprecher dreisprachig sind (Finnisch-Schwedisch-Englisch).
Ich steige (eigentlich versehentlich) so wie fast alle Fahrgäste schon in Savonlinna-Kauppatori (Marktplatz) aus, ein kleines Statiönchen, direkt im Stadtzentrum.
http://img137.imageshack.us/img137/2748/z1023dm124408insavonlinsg6.jpg

Der eigentliche Bahnhof ist erst 1 km weiter hinten, außerhalb der Stadt. Aber gut, bei der Rückfahrt kann ich ja immer noch vom echten Bahnhof aus abfahren. Savonlinna heißt auf Schwedisch übrigens Nyslott (Neuschloß). Ich besichtige zunächst die Burg von Savonlinna, weil das Wetter sehr unfreundlich ist. Danach ist es plötzlich sonnig geworden und ich mache eine Schiffsfahrt auf dem See.
http://img265.imageshack.us/img265/9074/zzs1060seerundfahrtca7.jpg

Auch die Burg sieht man vom Schiff aus sehr gut:
http://img143.imageshack.us/img143/6210/zzs1086savonlinnaolavinmv1.jpg

Ein Spaziergang auf der kleinen Insel Sulossaari nahe des Stadtzentrums ist erholsam. Danach gehe ich zum Bahnhof, um die Rückfahrt nach Helsinki anzutreten. Der Bahnhof hat mehrere Gleise, 5 oder 6. Nur steht nichts herum, alles schon verwachsen.
http://img217.imageshack.us/img217/1165/zzdm124416savonlinna2pb7.jpg
Beim nahen Güterschuppen stehen einige Güterwagen. Von hier führt die Bahnlinie – nur noch Güterverkehr – noch weiter bis Pieksämäki. Ob hier wirklich noch Güterverkehr besteht, kann ich aber nicht genau sagen. Das Bahnhofsgebäude ist aus Holz und immer geschlossen. Fahrkartenverkauf gibt es längst keinen mehr, nicht einmal ein Wartesaal ist offen.

Nach der Abfahrt frage ich die Schaffnerin, wie es mit der Platzreservierung im IC-Zug nach Helsinki ist? Aber sie meint, das sei kein Problem, man muß keine Reservierung haben. Aha – das ist eine andere Information als in Helsinki am Bahnhof. Und natürlich spart das auch Geld. Selbstverständlich kann man in Finnland alle Schaffner auf Englisch ansprechen, sie scheinen überhaupt nicht zu staunen und sprechen alle perfekt Englisch. Unser Zug ist ziemlich voll, die Ansagen vom Tonband sind wieder auf drei Sprachen, bei der Einfahrt nach Parikkala wird genau angesagt, von welchem Bahnsteig welcher Zug abfahren wird.
In Parikkala haben wir etwas Zeit, weil der Zug nach Helsinki Verspätung hat. Ich schaue mir die Abfahrtstafeln an und staune: die Abfahrtstabellen sind nach Himmelsrichtungen sortiert: nach Süden, nach Norden, nach Westen: etelään (nach Süden) oder etelästä (von Süden) ist leicht zu verstehen, denn Helsinki liegt ja im Süden. pohjoiseen und pohjoisesta für Norden und länteen und lännestä für Westen. Itään und itästä wird es wohl für Osten heißen, denn Itävalta heißt Österreich (itä = Osten). Aber von Parikkala geht nichts nach Osten (dort ist Rußland). Während der Wartezeit kommt ein Holzzug mit lauter russischen Wagen vorbei. Es gibt hier im Norden einige Grenzübergänge für Güteverkehr!
http://img442.imageshack.us/img442/7538/zxrzdholzwagenparikkalarv1.jpg

Da unser IC-Zug Verspätung hat, wird diese Verspätung am Bahnhof auch angesagt, wie üblich in drei Sprachen, eine Ansage vom Band, es ist die gleiche Stimme, die auch im Zug spricht. Als der Zug dann einfährt, suche ich mir einen Platz im oberen Stock eines Doppelstockwagens. Endlich. Ich genieße die Aussicht und bemerke das größere Lichtraumprofil. Die Wagenwände sind kaum geneigt hier oben! Der Himmel ist mittlerweile ganz blau geworden, die Wolken alle verschwunden. Die Strecke ist natürlich die gleiche wie bei der Hinfahrt, trotzdem sehe ich die Landschaft jetzt besser – weil von oben. Wir fahren manchmal recht langsam dahin, die Verspätung beträgt sicherlich schon 20 Minuten! Im Nahbereich von Helsinki fällt mir auf, daß auf den Fernbahngleisen Rechtsverkehr herrscht, auf den Nahverkehrsgleisen jedoch Linksverkehr.
Bis zur Ankunft in Helsinki haben wir einiges von der Verspätung wieder eingeholt.

Am nächsten Tag muß sehr früh aufstehen, um den Zug um 6.33 Uhr zu erreichen. Das Ziel für heute ist Kuopio, ziemlich im Zentrum Finnlands bzw. des Seengebiets gelegen. Das Reservieren erübrigt sich, weil Fahrkartenschalter noch nicht offen sind. Aber nach der gestrigen Auskunft der Schaffnerin mache ich mir keine Sorgen. Mein Zug (S 81) ist ein Pendolino. Die Strecke bis Tampere kenne ich schon von vorgestern, ich kann also beruhigt schlafen, aber das Wetter wird sowieso immer schlechter. Der Info-Bildschirm in diesem Wagen (oder Zug) funktioniert nicht, daher kann ich nicht ablesen, wie schnell wir fahren. Der Zug ist übrigens auch ziemlich leer, nur in Tampere, wo die Fahrtrichtung gewechselt wird, steigen so viele Leute ein, daß ich meinen Platz räumen muß für einen Platzkartenbesitzer. Ich höre natürlich oft den Gesprächen der Reisenden zu, außerdem die Ansagen im Zug dazu. Ich finde, ich könnte mich mit der Sprache durchaus anfreunden. Wenn ich drei oder vier Wochen Urlaub nur in Finnland verbringen würde, würde ich mich mehr in die Sprache vertiefen! Die Sätze, die ich im Kauderwelsch-Sprachführer finde, erschließen sich mir schön langsam. Es hat alles eine gewisse Logik und scheint nicht so kompliziert zu sein, wie es am Anfang wirkt.
Auf der Strecke Richtung Pieksämäki kommen wir an der Abzweigung Orivesi – Haapamäki vorbei. Diese Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Bis 1971 verlief hier die Hauptstrecke nach Norden, als die Verbindung Tampere–Seinäjoki noch nicht fertig war. Das Wetter wird immer schlechter, es nieselt oder regnet, mir wird sogar hier im Zug kalt. Zwischen Jämsä und Jyväskylä gibt es viele Tunnels, was mich bei einem flachen Land wie Finnland natürlich erstaunt. Ab Jyväskylä gibt es öfter mal einen Damm quer durch die Seen, auf denen unser Zug fährt. Es war gut, diesen Zug gewählt zu haben, der zwar einen Umweg macht, mit dem ich aber durch ein großes Seengebiet fahren kann, das ich sonst nicht gesehen hätte. Auf der etwas kürzeren Strecke hätte ich erst um 8 Uhr wegfahren können und wäre erst um 12.43 Uhr in Kuopio angekommen. Weil mir noch immer kalt ist, kaufe ich im Zug beim Seisewagen ein Chickensandwich und einen Kaffee – das wärmt. Kurz vor der Ankunft in Kuopio beginnt es leider stark zu regnen. Ich werde heute oft meinen Schirm brauchen.
In Kuopio erlebe ich auf dem Kauppatori erstmals jemanden, der nicht Englisch kann.
Nach einem kleinen Stadtspaziergang, bei dem es nicht immer geregnet hat, spaziere ich wieder zum Bahnhof zurück, als der Regen stärker wird. Auf dem Bahnhof versuche ich noch, die aufgestellt Dampflok beim Parkplatz (eine Vr3) zu fotografieren.
http://img209.imageshack.us/img209/7007/zvr3752kuopiowu2.jpg
Nicht einfach mit Regenschirm im nassen Gras! Und weil das Wetter nicht besser wird, beschließe ich, mich um 13.50 Uhr schon wieder auf den Rückweg nach Helsinki zu machen. Aber bis dahin ist noch Zeit. Im Bahnhof gibt es ein kleines Bahnhofsrestaurant. Dort sehe ich Wieneri, das ist Plunderteiggebäck. Das paßt gut zu Kaffee, also setze ich mich und genieße Kaffee und Wieneri und verkürze somit die Wartezeit.
Auf dem Bahnsteig höre ich dann: „Hyvät matkustajat. Tämä on Pendolino juna Helsinkiin.“ Mir scheint, das heißt: Liebe Fahrgäste, das ist der Pendolino-Zug nach Helsinki. So schwer ist Finnisch ja gar nicht! Der Zug ist ziemlich gut besetzt und ich rechne damit, daß ich – ohne Platzreservierung – öfter meinen Platz wechseln muß, um jemanden mit Platzkarte auf meinen Sitz zu lassen. Aber erst in Mikkeli ist es soweit. Unterwegs bessert sich übrigens das Wetter! Und ab Lahti – als wir die schon einmal erwähnte Neubaustrecke befahren – fällt mir auf, daß wir hier mit 221 km/h unterwegs sind. In diesem Pendolino funktioniert nämlich die Bildschirm-Info-Anzeige! Außerdem sehe ich in Lahti Güterwagen der LG (Litauische Eisenbahnen).

Straßenbahn in Helsinki
In Helsinki ist das Wetter wider Erwarten sonnig und warm und ich nutze das Wetter, um das Diplomatenviertel und die Festungsinsel Suomenlinna zu besuchen.
Am nächsten Tag steht ein Besuch des Freilichtmuseums Seurasaari auf dem Programm. Nachmittag noch einige bisher nicht besuchte Stadtteile. Am diesem letzten Tag habe ich endlich auch Zeit, auf die Jagd nach den Mannheimer Wagen zu gehen, die in der Hauptverkehrszeit zu sehen sein müßten. Und ich habe tatsächlich Glück: immerhin drei Wagen kann ich fotografieren!
Bevor wir Finnland verlassen, daher noch ein kurzer Blick auf die Straßenbahnen in Helsinki:
Da es im Wikipedia eine sehr ausführliche Erklärung zum Straßenbahnnetz Helsinkis gibt, erspare ich mir hier Details. Mir fällt auf jeden Fall auf, daß das Netz mit den sieben Linien sehr ungewöhnlich aussieht, was mit der Geographie der Stadt zusammenhängt: Im Süden ist Schluß, da ist überall das Meer – und im Süden ist aber die Innenstadt. Weitere Besonderheit: es gibt zwei Rundlinien, eine davon fährt in einer Achter-Schlinge. Nicht ganz klar ist mir die Linienbezeichnung: bei der Linie 7 heißen die gegenläufigen Rundlinien 7A und 7B, bei der Linie 3 hingegen 3A und 3T. Angeblich gibt es in der Linie 3T Ansagen für Touristen, weil diese Linie viele Sehenswürdigkeiten berührt. Ich kann mich jedoch an keine derartigen Ansagen erinnern, lediglich Prospekte lagen in den Wagen auf, die die Sehenswürdigkeiten erklärten. Bei der Linie 1 bezeichnet der Zusatz 1A eine Verlängerung zur Hauptverkehrszeit. Da wir hier kein Straßenbahnforum haben, nur ein kleiner Überblick über die Wagen bzw. einige hübsche Stellen:


http://img235.imageshack.us/img235/5142/z0146helsinki2233tpp8.jpg
Die Niederflurwagen (Variobahn) sind angeblich zum Großteil abgestellt. Es verkehrten aber doch einige dieser Wagen, in denen ich mich wegen der zu großen Kälte (Temperaturabsenkung) im Inneren eigentlich nicht so wohl fühlte.

http://img116.imageshack.us/img116/6121/z0019helsinki623ttb3.jpg
Die normalen Sechsachser dominieren in Helsinki nach wie vor und sie sind auch nicht unbequem! Hier ein Paradebild: Bahnhof mit Straßenbahn.

http://img116.imageshack.us/img116/7780/zs0106helsinki1007bjm9.jpg
In der Haltestelle Pasila (beim Bahnhof) ist Triebwagen 100 zu sehen. Interessant ist, daß der Hinweise: Fahrkarten beim Fahrer, nicht nur Finnisch und Schwedisch, sondern auch Englisch und Deutsch angeschrieben ist.

http://img116.imageshack.us/img116/1174/zs01562214katanajokkayd0.jpg
Eine seltsame Gleisverschlingung gibt es in der Endstation Katanajokka (auf einer Insel), damit ein in der Haltestelle wartender Zug überholt werden kann.

http://img404.imageshack.us/img404/8433/zs0157784katanajokkaschcn5.jpg
Die Schleife führt über einen großen Platz, der von Häusern umringt ist. Hier ist die Weiche für das vorhin erwähnte Überholgleis zu sehen.

http://img404.imageshack.us/img404/290/zs1324helsinki1511amk4.jpg
Noch müssen die Mannheimer Triebwagen aushelfen: Triebwagen 151 erwischte ich am Kauppatori auf der HVZ-Linie 1A. Alle Mannheimer Wagen tragen Werbelack für L’Oréal.

http://img57.imageshack.us/img57/8469/zs1325helsinki1527bqn0.jpg
Wagen 152 ist hier beim Senaatintori in Linie 7B zu sehen.

http://img57.imageshack.us/img57/19/zs20101537arw7.jpg
Wagen 153 erwischte ich nur, weil die gebuchte Fähre nach Tallinn ausfiel und ich in der Wartezeit bei Nieselregen noch einen Spaziergang unternahm.

http://img404.imageshack.us/img404/7734/zs0191helsinkimetro119kdd4.jpg
Auch bei den Metro-Zügen gibt es Vollwerbung!

http://img136.imageshack.us/img136/9436/z0085helsinkiubahninneniu4.jpg
Die Inneneinrichtung würde ich schlicht als „scheußlich“ bezeichnen. Plastikbänke in einem unschönen Farbton.

http://img225.imageshack.us/img225/6934/zs0186helsinkimetro155kpo1.jpg
Die Metrozüge haben einen Rotorange-Farbton. Hier ist ein Zug der ersten Bauart abgebildet.

http://img110.imageshack.us/img110/5554/zs0187helsinkimetro220khc1.jpg
Es gibt aber auch einige modernere Züge

http://img260.imageshack.us/img260/2169/zs0192helsinkimetro180ken9.jpg
Zur Zeit meines Besuchs war ein Abschnitt eingleisig geführt, daher muß dieser Zug über eine Weiche wieder das richtige Gleis erreichen.

http://img249.imageshack.us/img249/1948/zs1322helsinki175abh5.jpg
Auch der Partywagen 175 kam mir zweimal vor die Linse. Ich vermute, er wird für Rundfahrten eingesetzt.

Bitte um Entschuldigung für die mangelnde Qualität der ersten Hälfte der Bilder. Ich habe eine Zeit gebraucht, bis ich das besser schaffte.
Damit ist der Besuch in Finnland zu Ende. Im nächsten Teil geht es endlich ins Baltikum, nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Aber bitte ein wenig Geduld.

Links zu den anderen Teilen:
Erster Teil: [drehscheibe-online.ist-im-web.de] - Finnland: Helsinki
Zweiter Teil: [drehscheibe-online.ist-im-web.de] - Finnland: Helsinki
Vierter Teil: [drehscheibe-online.ist-im-web.de] - Estland: Tallinn



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:11:13:19:29:49.
Schöne Bilder, vor allen Dingen der Pikajuna-Innenraum. So bequem wie mit diesen Wagen fährt man wirklich selten, da fällt mir im Moment gar keine vergleichbar bequeme Bahn ein.

Re: [FI] RB: Finnland-Baltikum (Teil 3: Finnland) (38 B)

geschrieben von: falk

Datum: 11.11.07 00:02

Erstaunlich, dass Dir die Sitze in den Doppelstockwagen unbequem vorkommen. Ich finde die IC2-Wagen im Gegenteil besonders bequem, auch die Laufruhe ist richtig gut. Die Wagen nutzen das Lichtrumprofil sehr gut aus, die nicht gerade kleinen Sr2-Maschinen wirken dagegen regelrecht mickrig.
Güterverkehr zwischen Savonlinna und Parikkala besteht noch, im August habe ich wagen mit blanken Radreifen hinter Savonlinna stehen sehen, die Schienen waren auch blank. Auf Züge konnte ich allerdings nicht warten. Die Strecke Parikkala - Savonlinna hatte ich mit den zwei täglichen Zugpaaren schon abgeschrieben, inzwischen verkehren fünf.
Kuppelwagen mit unterschiedlichen Kupplungen auf jeder Seite habe ich dagegen in Finnland nie gesehen. Es gibt nur (noch) die Ks-Wagen mit beidseitigen SA3-Kuppelköpfen und Gemischtkupplungen, die auch unabhängig von GUS-Wagen in Holzzügen laufen.

Falk

Re: [FI] RB: Finnland-Baltikum (Teil 3: Finnland) (38 B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 11.11.07 08:33

Zitat:
Es gibt nur (noch) die Ks-Wagen mit beidseitigen SA3-Kuppelköpfen und Gemischtkupplungen, die auch unabhängig von GUS-Wagen in Holzzügen laufen.
Dann wird es wohl so ein Wagen gewesen sein. Ich bin ja da kein Fachmann und habe wohl das nächstliegende angenommen. Danke für die Aufklärung!