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[JP] Reisebericht Japanreise 2004 (10) - (28B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 06.10.07 16:52

Es geht weiter mit Teil 10 (Teil 9 ist hier: [drehscheibe-online.ist-im-web.de]) des Japan-Reiseberichts.
Im 10. Teil besuchen wir einen berühmten Vulkan und fahren auf der neuesten Shinkansen-Strecke in Japan, um die Stadt Kagoshima zu besuchen. Leider kündet sich der nächste Taifun an – und zwar mit trübem Wetter und beginnendem Regen. Es sind diesmal viele Bahnbilder dabei, sodaß nur ein Tag berichtet wird. Zwei Tage hätte zu viele Bilder bedeutet – also zu viel Ladezeit für manche.

Ausflug zum Aso-san (ein berühmter Vulkan)
Es ist Montag, der 18. Oktober. Wir schauen nach dem Aufstehen im Fernsehen die Wetterprognose für heute. Für heute ist 10-30% Chance auf Regen angekündigt. Bis Donnerstag könnte auch der nächste Taifun kommen. Also für heute wird es sich vielleicht noch ohne Regen ausgehen. Daher planen wir für heute den Ausflug zum Vulkan Aso. Eine Stadt (Kagoshima oder Nagasaki) kann man zur Not auch bei Regenwetter ansehen. Noch vor dem Frühstück mache ich einige Straßenbahnaufnahmen.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_369.jpg
Hier fahren lauter Vierachser. Fast alle mit Vollwerbeanstrich.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_370.jpg
Die Linie 2 hat ihre Endstation vor dem Bahnhof, es wird über einen Gleiswechsel gewendet.

Das Frühstück nehmen wir wie vorgesehen bei „Mr. Donut“ neben dem Bahnhof ein. Dann gelingen bei gutem Licht Bilder vom Hotel.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_371.jpg
Wieder am Bahnhof mache ich einmal einige Aufnahmen und stelle fest, daß die graue Lackierung der Baureihe 787 nicht gleich ist. Die Ariake-Züge haben neben dem roten Quadrat als Markenzeichen auch eine zweigeteilte Lakierung in zwei Grautönen, während die Tsubame-Züge einheitlich dunkelgrau sind. Von der Ferne sieht man den Unterschied jedoch nicht.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_377.jpg
Auf diesem Bild sieht man deutlich den Unterschied. Sogar das kleine Seitenfenster im Führerstand ist unterschiedlich. Die Aufschrift lautet noch immer „Tsubame“, obwohl seit Eröffnung des Shinkansen der Zug genaugenommen „Relay-Tsubame“ heißt.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_378.jpg
Ein „Relay-Tsubame“ der Reihe 787.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_381.jpg
Bei diesem 787er sieht man gut die Scheinwerfer. Es scheint in Japan keine Vorschrift zu geben, wie die Scheinwerfer angeordnet sind. Da stehen dem Designer scheinbar viele Freiheiten offen, wie wir später in Tôkyô noch sehen werden.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_384.jpg
Und das sind die freundlichen Stewardessen im „Relay-Tsubame“. Anders kann man diese Schaffnerinnen nicht bezeichnen. Das Styling der Kleidung dürfte nur für diesen Zugnamen gelten. Auch hier fällt auf, daß die erste Klasse nicht nur durch das Kleeblattymbol als „Green Car“ gekennzeichnet ist, sondern auch durch einen „Einser“.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_373.jpg
Dieses bekannte Äußere gehört zur Baureihe 717. Wieder eine andere Version eines Nahverkehrszuges der früher allgegenwärtigen Bauart. Allerdings für Wechselstrom, gebaut ab 1986. JR-Kyûshû besitzt 8 zweiteilige Triebwagen dieser Bauaurt, die es auch bei JR-East gibt.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_383.jpg
Äußerlich gleich aussehend, ist es doch ein anderer Triebwagen, nämlich der Dreisystem-Zug Reihe 415, also auch für Gleichstrom. Natürlich gibt es kleine Unterschiede. Die Türen sind anders: durchgehend zweiflügelige Schiebetüren zum Beispiel.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_374.jpg
Diesen Zug aus lauter Triebwagen der Reihe kiha31 kann ich bei der Einfahrt erwischen. 29 Stück dieser einmotorigen Triebwagen wurde für JR-Kyûshû ab 1987 gebaut.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_379.jpg
Von der Seite sieht dieser Zug für den Vororteverkehr von kleineren Städten in Kyûshû recht attraktiv aus, von vorne ist das allerdings Geschmacksache. Ab 1999 wurde die Reihe 815 gebaut, 26 zweiteilige Garnituren gab es 2003.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_375.jpg
Die Reihe kiha28 (einmotorig) und kiha58 (zweimotorig, Bild) ist das Schnellzugs-Äquivalent der Baureihen kiha 40/47/48. Allerdings muß man sich darunter nach unserem Verständnis eher einen Eilzug vorstellen. Die erwähnten Baureihen haben auch heute noch die höchsten Stückzahlen aller Dieseltriebwagen in Japan. Von den Reihen kiha 28/58 gibt es noch über 200 Einzelwagen. Die Farbgebung wird allerdings gegenwärtig geändert. Das bisherige Kyûshû-weiß mit blauem Band wird durch einfärbige Anstriche ersetzt.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_380.jpg
Zum Beispiel in Blau, so wie dieser kiha 58-700.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_385.jpg
Nach diesen vielen Bildern ist es Zeit, daß wir unseren Zug besteigen. Es ist der gleiche Triebwagen Reihe kiha 185, speziell umgebaut für die Führung des Trans-Kyûshû-Expresszuges. Mit diesem Zug fahren wir nun bis Aso.
Mein Freund sitzt schon im Zug und zwar im ersten Wagen, damit er dem Lokführer über die Schulter schauen kann. Der Wagen ist jedoch ein „shiteiseki-sha“, also ein Wagen mit reservierten Plätzen. Er will es trotzdem probieren. Aber natürlich werden wir dann von der Schaffnerin (auf Englisch sogar!) höflich aufmerksam gemacht, daß wir den Wagen wechseln müssen. Wir haben uns natürlich dumm gestellt und ziehen uns mit einem „gomen-nasai“ (Entschuldigen Sie) aus der Affäre.
Die Zick-zack-Fahrt (um Höhe zu gewinnen) beobachten wir wieder genau, aber fotografieren läßt sich das leider nicht. Dann kommen wir auch schon in Aso an. Hier müssen wir in einen Autobus umsteigen. Ich habe in einem Führer schon gelesen, daß die Haltestelle im Ort ist. Nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt finde ich den Autobusbahnhof, eine Art Container-Bahnhof. Die Fahrkarten muß man an einem Automaten kaufen, jemand hilft mir, sodaß es nicht allzu schwer ist. Die einfache Fahrt kostet 4 Euro und führt den Berg hinauf, dem man von Ferne seine Höhe gar nicht ansieht. Es gibt einige Kehren, eine hübsche Ausblicke in die Umgebung. Der Aso-san ist ja ein Vulkan, der inmitten der größten Caldera der Welt liegt. Ein Ur-Vulkan, der in Urzeiten einmal eingebrochen ist, hat eine 100 km Durchmesser große Caldera hinterlassen. Natürlich war das einmal ein See. Inzwischen ist der ausgetrocknet, ein neuer Vulkan ist entstanden und hat sich im Zentrum der Caldera durch viele Ausbrüche zu einem Berg von etwa 1500 m Höhe entwickelt. Unterwegs gibt es ein Museum, bei dem der Bus eine 10-minütige Pause einlegt. Wir steigen aus und machen einige Fotos. Wir sehen auch viele Touristen (fast lauter Japaner), viele Schulklassen mit ihren Uniformen. Auch Pferde sieht man. Es gibt Leute, die mit Pferden unterwegs sind.

Westkrater des Vulkans Aso
Die Endstation des Busses ist die Seilbahnstation unterhalb des Westkraters. Hier ist es interessant, ich sehe ja zum ersten Mal im Leben einen Vulkan, noch dazu ganz aus der Nähe. Angeblich ist dies der aktivste Vulkan Japans, denn er raucht ständig. Gefährliche Ausbrüche sind aber sehr selten. Es gibt insgesamt 5 Krateröffnungen hier. Es dampft und raucht ununterbrochen aus dem Krateröffnungen. Die Seilbahnfahrt kostet H+R 6 Euro. Oben gibt es jede Menge Souvenirs.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_387.jpg
Wenige Schritte von der Station entfernt ist ein großer Krater, der durch hölzerne Zäune abgegrenzt ist. Es ist ziemlich kalt, weil der Wind stark geht, aber es ist – für mich: kurzärmelig! – doch auszuhalten. Es gibt viele gelbe Schwefelsteine zu kaufen und ein Schild weist Lungenkranke darauf hin, daß wegen der Schwefeldämpfe das Hinzutreten zum Kraterrand für sie ein Gesundheitsrisiko ist. Ich rieche jedenfalls nichts, vielleicht weht der Wind in die falsche Richtung. Man sieht selten durch den Rauch hinunter auf den Kraterboden.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_386.jpg
Am Geländer findet sich dann auch eine kleine Andachtsstätte – oder wie soll man das beschreiben? Eine Statue der buddhistischen Gottheit Jizô. Hier steht: „onegai jizô-san“. Onegai heißt Wunsch, Bitte. Also bei uns wäre vielleicht ein Heiligenbild und drunter stünde: Heiliger xy, bitte für uns.
Wir gehen einen weiteren Weg zurück zur Station, wobei wir an anderen – kleineren – Kratern vorbeikommen, aber man kann sowieso nichts erkennen. Nur die Steine sind seltsam bunt gefärbt. Es gibt etliche Beton-Iglus, das sind Unterstände, vermutlich für den Fall von Schlechtwetter oder bei Ausbrüchen. Jedenfalls wurde die Seilbahn seit vielen Jahren (oder Jahrzehnten) nicht vom Vulkan zerstört.
Wir fahren um 11.15 Uhr mit der Seilban wieder hinunter, haben etwas Zeit, uns etwas zu Trinken zu kaufen. Mit dem nächsten Bus geht es zum Bahnhof zurück, wo wir längeren Aufenthalt haben, der mir Zeit läßt, mir ein Sushi-Bentô um 2,20 Euro zu kaufen. Das ist meine Jause, die ich im Regionalzug nach Higo-Ôsu genieße – ausgezeichnet!. Von hier geht eine S-Bahn nach Kumamoto weiter. Hier kann ich an der Fahrpreistafel ablesen, daß die Fahrt von Higo-Ôsu nach Kumamoto (nur 23 km!) 7,90 Euro kosten würde. Die Bahnen sind hier wirklich teuer! Da wir also früher als geplant wieder zurückgekommen sind, beschließen wir, die Fahrt nach Kagoshima gleich heute anzutreten. Schließlich ist ja schlechtes Wetter – von Süden kommend – angesagt, sodaß wir heute noch eine Chance haben, Kagoshima ohne Regen zu erleben. Morgen wäre dort wohl starker Regen – Vorbote des nächsten Taifuns. Grund für den Besuch in Kagoshima ist nicht nur der berühmte Vulkan Sakura-jima, der so schön sein soll, sonden natürlich auch die Fahrt mit dem neuen Kyûshû-shinkansen, der erst am 13. März dieses Jahres (2004) eröffnet wurde. Die Umsteigezeit in Kumamoto beträgt nur 9 Minuten, das ist genug.

Fahrt mit dem neuen Kyûshû-Shinkansen nach Kagoshima
Bevor wir den neuen Shinkansen erreichen, müssen wir erst 36 Kilometer mit dem „Relay-Tsubame“ fahren, also mit der Verbindung zum Shinkansen „Tsubame“. Der Name Tsubame bedeutet Schwalbe. Die Schnellzüge von Kokura oder Hakata nach Kagoshima hießen Tsubame. Der Name ist aber noch viel älter: bereits 1930 gab es diesen Zugnamen, im Laufe der Jahre wurden verschiedene Laufwege immer mehr vom Shinkansen zurückgedrängt, sodaß er zuletzt nur mehr auf Kyûshû beschränkt war. Dieser berühmte Name (so berühmt wie in Österreich etwa Transalpin oder Vindobona) ist nun auf den neuen Kyûshû-Shinkansen übergegangen. Wenn die gesamte Strecke einmal in Betrieb ist, wird die derzeit nur 138 km lange neue Shinkansenstrecke mit dem übrigen Shinkansen-Netz verbunden sein. Das kann aber noch lange dauern. Bauvorhaben dauern in Japan immer sehr lang.
Die Fahrt beginnt also in einem Triebwagen der Reihe 787, in Shin-Yatsushiro schwenkt die Kapspurstrecke um fast 90 Grad zum hochgelegenen Shinkansen-Bahnhof, der im freien Feld errichtet wurde. Die Kapspurstrecke geht eigentlich darunter weiter, aber die Strecke wurde an eine Privatgesellschaft abgetreten. Das Umsteigen geschieht – provisorisch bis zur Verlängerung des Shinkansens – am gleichen Bahnsteig innerhalb von 3 Minuten. Organisation perfekt. Das Aussehen des neuen Shinkansen-Typs 800, der ganz in weiß mit einer roten Zierlinie gehalten ist, ist nicht besonders gelungen – aber das ist sicher Geschmacksache. Man kann den kurzen Zug (nur 6 Wagen) leider auch nicht fotografieren, weil die Zeit beim Umsteigen fehlt. Aber innen machte ich ein Foto:

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_388.jpg
Innen ist er interessant: Design aus Holz, die Sitze sind mit hellem und dunklem Holz gestaltet (je Wagen abwechselnd), natürlich gibt es auch eine Polsterung! Der Fußboden jedoch ist nicht aus Parkett wie beim 885. Im Hintergrund sieht man die Laufbandschrift, hier gerade auf Englisch. Ich glaube, ich habe schon erwähnt, daß es hier Informationen zum Zug gibt: Welche Wagen Raucher, welche Nichtraucher sind, welche mit reservierten, welche mit nicht reservierten Sitzplätzen, wo sich ein Getränkeautomat befindet, und Umsteige-Informationen, usw. Die Infos sind Japanisch und Englisch, nur auf Japanisch gibt es auch Nachrichten – national und international –, Wetterbericht von ganz Japan, Wetterwerte, und ähnliches.
Die Strecke führt durch entsetzlich viele Tunnels, dazwischen gibt es viele Berge und einige Ausblicke aufs Meer. Leider beginnt es unterwegs stark zu regnen. Die Ansagen im Zug sind nicht nur Japanisch und Englisch, sondern auch Koreanisch und Chinesisch. Kyûshû wird stark von Koreanern und Chinesen besucht, das wird der Grund sein. Die Laufbandschrift gibt jedoch nur Angaben auf Japanisch und Englisch. Die Fahrzeit von Hakata nach Kagoshima konnte durch die Shinkansen-Eröffnung (trotz Umsteigezwang) von 4:30 auf 2:15 Stunden gesenkt werden. 40 Minuten dauert der Shinkansenabschnitt.

Kagoshima mit Straßenbahn und zwei Bahnhöfen
In Kagoshima ist eigentlich nichts Besonderes zu sehen, außer dem wunderschönen Vulkan Sakura-jima, was soviel heißt wie Kirsch-Insel. Der Vulkan heißt in Wahrheit ganz anders, aber weil die berühmte Insel mit dem schönen Vulkan vor etwa 100 Jahren durch einen großen Ausbruch eine Verbindung zum Inselfestland von Kyûshû bekommen hat, die ehemalige Insel also gar keine mehr ist, und auch wegen der Schönheit, wird heute der Vulkan nur noch so genannt. Der Vulkan ist gegenüber, auf der anderen Seite der Bucht, aber wegen des nebelig-trüben Wetters ist er überhaupt nicht zu sehen. Also bleiben wir auf dem Bahnhof, aber leider steht der Zug so ungünstig, daß ich ihn nicht fotografieren kann. Grund war, daß der Zug am äußeren Bahnsteig stand und nicht auf einem der zwei mittleren Gleise.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_389.jpg
Die Strecke kommt aus einem Tunnel und mündet direkt in den neuen Shinkansen-Bahnhof, der 90 Grad quer zum Kapspurbahnhof drübergebaut wurde. Der Bahnhof heißt heute Kagoshima-chûô (Kagoshima Zentrum oder Mitte), vor der Shinkansen-Eröffnung hatte er Nishi-Kagoshima (=West-Kagoshima) geheißen.

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Ich kann lediglich den nächsten ankommenden Zug mit einem Tele ohne störende Bahnsteigdächer fotografieren.
Wir gehen auf den Bahnhofsvorplatz. Wenn ein Shinkansen den Prellbock überfahren würde, würde er kopfüber auf diesen Vorplatz stürzen. Wirklich eine eigenartige Endstation! Wir machen zunächst einige Straßenbahnfotos. Da das Wetter schlecht ist, fahren wir mit der Straßenbahn zum zweiten Bahnhof von Kagoshima.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_394.jpg
Während Herbert dort Straßenbahnfotos macht, treibe ich mich auf dem Bahnsteig herum, fotografiere einige ED76 Loks und einige der bekannten weißen mit dem blauen Band, die wir schon zur genüge gesehen haben.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie13_500/2005_01_10_242.jpg
Die Baureihe ED76 ist zwar sechsachsig, aber das mittlere Drehgestellt hat nur Laufachsen, daher nicht EF, sondern ED. Ab 1965 wurden die 30 Loks dieser Baureihe gebaut. Die Wechselstromlok kann auf beiden Hertz-Netzen Japans fahren, aber es gibt natürlich keine durchgehende Verbindung zwischen dem Netz in Kyûshû und dem übrigen Wechselstromnetz im Norden. Heute sind alle ED76 in Kyûshû stationiert, einige gehören JR-kamotsu (JR-freight). Kennfarbe für Wechselstromloks war immer dunkelrot, und so sind sie auch heute noch lackiert.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_398.jpg
Hier kommen auch alte 485-Triebwagen, die JR-Kyûshû alle umlackiert hat, vorbei. Sie sind allesamt häßlich lackiert: hier zum Beispiel dunkelgrün.

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Ein Dieseltriebwagen (kiha 140) ist sogar in schwarz lackiert. Die Reihe kiha 140 ist ein Umbau aus kiha 40 für JR-Kyûshû.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_391.jpg
Neben dem Bahnhof Kagoshima fotografiere ich auch die Straßenbahn.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_390.jpg
Man sieht gut, daß sie hier einen eigenen Gleiskörper hat – mit Sperrlinien vom Autoverkehr getrennt.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie14_500/2005_01_10_913.jpg
Als wir dann wieder zum (Haupt-)Bahnhof zurückkommen, gelingt mir endlich ein passables Bild der Reihe 800. Endlich kommt er auf einem der mittleren Gleise an, sodaß ich ihn vom gegenüberliegenden Bahnsteig fotografieren kann. Trotz der starken Dämmerung (Schlechtwetter noch dazu!), ist das Bild wegen der guten Bahnsteigbeleuchtung gar nicht so schlecht geworden.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_400.jpg
Auch die Schnauze hab ich aus der Nähe fotografiert. Besonders schön finde ich sie aber nicht.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_401.jpg
Ich habe auch die Anzeigetafel auf dem Bahnsteig 13/14 fotografiert. Man erkennt gut, daß die Anzeigen fließend von Japanisch auf Englisch und umgekehrt wechseln. Freie Sitzplatzwahl ist in den Wagen 4 bis 6. Als Zugziel ist immer Hakata angegeben, obwohl man Hakata nur mit Umsteigen erreicht (wie schon beschrieben – drei Minuten Übergang am selben Bahnsteig). Alle 30 Minuten fährt ein Zug!

Abendessen in Kagoshima
In dem großen Komplex des Bahnhofs suchen wir nun nach einem Lokal, in dem wir gemütlich zu Abend essen können. Im 5. Stock des Gebäudes finden wir auch eines. Der Fußboden ist mit Tatami-Matten ausgelegt, daher muß man beim Eingang die Schuhe ausziehen. Die Menüs kosten 14 bis 18 Euro. Ein Bier kostet im Restaurant 4 Euro! Die Kellnerin kommt alle paar Minuten mit neuen Schälchen. Wir haben natürlich vergessen, wie unser jeweiliges Menü geheißen hat, aber irgendwann kapiert es die Kellnerin und stellt die Sachen zum richtigen Platz. Was ist also nun alles dabei? Gemüse, Salat, Tôfu, Tempura aus kleinen Fischen, Yakitori (das ist Hühnerfleisch gegrillt), Eierkuchen, eine Art Beef tatar, Kamaboko (wird meist mit „Fischkuchen“ übersetzt) und noch eine andere Art von Tempura, eine klare Suppe mit Gemüse, zweimal gibt es auch Ôchazuke, weiters Nigiri-zushi, eine warme Schale mit Fleisch und Gemüse. Tsukemono fehlt natürlich auch nicht, und als Nachspeise eine Eiskugel. Eine richtige Süßigkeit fehlt mir natürlich wie üblich. Aber ich finde in einem der Läden einen dicken, weißen, süßen Reisball mit Erdbeeren gefüllt.
Die Rückfahrt nach Kumamoto ist unspektakulär, denn es ist ja bereits finster. Wir sitzen diesmal im Wagen Nr. 5, das ist einer mit hellen Sitzen. Den Abend im Hotel verbringen wir beim Fernsehen, Teetrinken sowie Tagebuchschreiben und Lesen. Am 20./21. Oktober wird der nächste Taifun (Nr. 23) Kyûshû erreichen. Die genaue Route kann man noch nicht sagen. Vermutlich wird er südlich der Inselkette entlanggehen. Wenn wir Glück haben, sind wir nördlich davon. Gut, daß wir Kagoshima bereits gesehen haben. … Dort wird der meiste Regen erwartet.

Fortsetzung Teil 11: [www.drehscheibe-foren.de]



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:02:10:17:46:11.

Herzlichen Dank!

geschrieben von: Lokdienst

Datum: 06.10.07 22:31

Herzlichen Dank für die schönen Reiseberichte aus Japan. Ich habe alle Teile "verschlungen" und bin gespannt auf den nächsten Teil. Zu den Bildern paßt die österreichische Schreibweise die ich von Schienenverkehr aktuell kenne und bewundere.

Viele Grüße aus Leipzig vom
Lokdienst

Re: Herzlichen Dank!

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 07.10.07 07:58

Lokdienst schrieb:
-------------------------------------------------------
Zu den Bildern
> paßt die österreichische Schreibweise die ich von
> Schienenverkehr aktuell kenne und bewundere.
>
> Viele Grüße aus Leipzig vom
> Lokdienst

Ganz weiß ich nicht, was Du meinst, glaube aber, daß Du das "österreichische Idiom" meinst. Oder die Schreibweise japanischer Namen? Die ist offiziell, auch wenn manche Zeitungen noch immer Tokio (statt Tokyo - genauer als Umschrift eigentlich Tôkyô [wegen der Vokallänge]) schreiben.
Drei Teile kommen noch, dann ist die Reise (leider) zu Ende.

Re: Herzlichen Dank!

geschrieben von: Straphan

Datum: 07.10.07 12:00

Ich glaube er meint, das Du statt "Bus" - "Autobus" schreibst, statt "Betriebshof" - "Remise", usw. :)

Bin auch auf die Fortsetzung gespannt! :)

Viele Gruesse,

Karol Tyszka
Mitglied im Posener Schienenfahrzeugklub
(Wohnhaft zu Manchester)
Hallo,

ganz großes Lob für diesen ausführlichen und reichhaltig bebilderten Bericht !!!!!! Das sieht nach einer ganzen Menge Arbeit aus...

Ich selbst war in 2004 für drei Monate "drüben" und in diesem Jahr für vier Wochen. Seit 2004 habe ich auch begonnen, mich mit der japanischen Eisenbahnwelt auseinanderzusetzen. Tja, wie soll man sagen: "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen..." ;-)

Ein paar Anmerkungen möchte ich loswerden:

Die alte Shin'etsu-sen hatte zwischen Yokokawa und Karuizawa überwiegend 66 Promille Neigung (und nicht 30, wie ich in einem der ersten Teile gelesen habe, wenn ich mich recht erinnere). Diese Neigung erklärt die notwendige, aufwendige Betriebsabwicklung auf diesem Abschnitt.
Sodann, die EF 63 wurden immer am talseitigen Ende angekuppelt, also waren sie talwärts "Bremsvorspann" und bergwärts "Schubloks". Die in 2004 am Bahnhof Yokokawa aufgestellte Komposition aus EF 63 11 und EF 63 12 und dem 189er stand - leider - "falsch herum".
Übrigens: auf dem kleinen Vorplatz am Bahnhof Yokokawa, dort wo der Bento-Laden ist, ist ein interessantes Regenrinnen-Gitter im Boden eingelassen: alte Zahnstangen!
Am Bahnhof Karuizawa befindet sich ein kleines Museum auf den ehemaligen Gleisen 1 und 2. Hier ist auch eine der ersten Elloks ausgestellt: eine der in Deutschland gebauten EC 10.

Weiters: Shinano Rail hat nicht nur 115er von JR übernommen, sondern auch 169er. Ich weiß aber nicht wieviele, mindestens jedoch einen, denn ich bin in einem solchen mitgefahren.

Weitere Ergänzung: die EF 66-100 sind keine Umbauten der EF 66, sondern Nachbauten. Wenn ich richtig informiert bin.

Weitere Ergänzung: Hat die DD 51 nicht die Achsfolge B'-2'-B' (anstelle von A1A A1A) ??

Noch was: von den klassichen "bonnet"-489ern läuft derzeit noch mindestens eine Garnitur als "Home-Liner"/"Ohayou-Liner" im Vororteverkehr von Tokyo, ausgehend von Ueno auf Takasaki-sen/Joetsu-sen bzw. Tohoku-sen.

Dies sind nur paar Notizen am Rande.
Bin schon sehr gespannt auf die weiteren Folgen!!!

Christof Schröfl

Re: [JP] Reisebericht Japanreise 2004 (10) - (28B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 07.10.07 19:31

Hallo Christof,
Vielen Dank für die interessanten Anmerkungen. Daß die EF63 immer talseitig dran waren, hab ich bisher noch nicht erfahren, aber ich hab ja meine Infos meist nur von japanischen Texten, und da übersetze ich (tw. mühsam) sowieso meist nur das Wichtigste. Kann also durchaus dabei was übersehen haben. Hat natürlich Sinn, wenn die Strecke so steil ist - immerhin früher mit Zahnstange.
Die Promille-Neigung kann ich nicht auswendig sagen, kann mich aber im Netz ja noch schlau machen und dann korrigieren.

Daß Shinano-Rail auch andere Triebwagen übernommen hat, kann natürlich sein. Ich beschäftige mich mit den Privaten nur am Rand, weil mir ein vollkommener Überblick wegen der Größe der Materie zu kompliziert ist.

Daß die EF66-100 Nachbauten sind, wußte ich nicht, aber es klingt eigentlich logisch, weil ja ein Umbau des Lokkastens eigentlich keinen Sinn gehabt hätte. In meinem Buch steht aber leider kein Hinweis über Baujahr oder ähnliches. vielleicht finde ich im Internet noch was.

die DD51 hat tatsächlich die Achsanordnung B-2-B. Woher ich die falsche Bezeichnung genommen habe, weiß ich nicht mehr.

Daß ein Bonnet-489 noch fährt - regulär - weiß ich von meinem Freund.

Freut mich natürlich sehr, daß hier so viel Interesse an meinem Reisebericht ist. Mich persönlich stört die Bildqualität. Heute wäre das mit den digitalen Bildern viel schöner. Ich bilde mir auch ein, daß meine Original-Dias viel schöner sind als diese Scans. Aber das lag nicht in meiner Macht.

Zitat:
Das sieht nach einer ganzen Menge Arbeit aus...
Nun ja, die meiste Arbeit hatte ich 2005, als ich den Bericht erstellte. Für dieses Forum habe ich nur einige Adaptionen vornehmen müssen, weil bei drehscheibe-online keine japanischen Zeichen wiedergegeben werden können o und u mit langem Strich obenauf durch ô und û ersetzt werden mußten. Einige andere forumsbezogene Zeilen mußten gelöscht werden. Dafür war der Spaß, alles nochmals durchzulesen, umso größer! Oh Sehnsucht!!!



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:10:07:20:49:15.