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[JP] Reisebericht Japanreise 2004 (9) - (44B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 06.10.07 09:41

Es geht weiter mit Teil 9 (Teil 8 ist hier: [drehscheibe-online.ist-im-web.de]) des Japan-Reiseberichts. In diesem Teil sind wir noch in der Region Hiroshima und auf Weiterfahrt Richtung Insel Kyûshû.
Da es wieder mehr Teile ohne Eisenbahnbezug gibt, sind diese wieder in blau gehalten – für alle, die sich dafür nicht interessieren. Am Folgetag geht die Reise weiter westlich zur südlichsten Hauptinsel Kyûshû. Unterwegs gibt es viel zu erleben, darunter einen Dampfsonderzug sowie einen Schienenersatzverkehr aufgrund von Taifunschäden.

Japanische Autobahnen und die berühmte Brücke in Iwakuni
Wir sind im Hotel auf der Insel Miyajima. Heute probieren wir ein westliches Frühstück. Man kann zwischen Tee und Kaffee wählen, dann gibt es zwei dunkle, weiche Brötchen, Butter und Marmelade. Dann bekommen wir einen Feuertopf mit Speck und Spiegelei, das heißt also, es wird auf dem Tisch erst angezündet und gebraten. Dann ein Salatblatt, Tomate, Gurke, Zwiebel und derlei mehr, eine Grapefruit und Orangensaft. Alles ist sehr nett angerichtet auf einem Tablett, mit Stäbchen und mit einem (zu kurzen) Messer zum Aufstreichen der Butter.
Fumio holt uns wie schon gestern bei der Fähre in Miyajimaguchi ab. Diesmal ist er mit dem Auto gekommen. Wir fahren heute nach Iwakuni, aber vorher will er uns noch etwas anderes zeigen, einen Platz, den er schätzt. In der Nähe von Ôno fahren wir zu einem Wasserfall, das heißt: eigentlich sind es zwei Wasserfälle: „otoko-no-taki“ und „onna-no-taki. Das heißt Männer-Wasserfall und Frauen-Wasserfall. Bevor man die Wasserfälle sieht, überquert man eine Brücke und gelangt zu einem kleinen Schrein, der auch sehr hübsch ist. Einer der Wasserfälle ist sehr dünn, aber ziemlich hoch, vielleicht 30 Meter oder so. Der zweite ist größer, breiter, stürmischer, aber dafür auch nur etwa 10 Meter hoch. Fumio scheint diesen Ort zu lieben. Mich beeindruckt vor allem die Brücke über den Bach, mit der typischen orange-farbenen Lackierung, die so perfekt ist, daß man meint, es handelt sich um Plastik. Beim Schrein erklärt uns Fumio auch, wie man sich bei einem solchen verhält: man verbeugt sich zuerst zweimal, dann klatscht man zweimal in die Hände (um die Geister auf sich aufmerksam zu machen), dann betet man (vermutlich), am Ende verbeugt man sich einmal.

Japanische Autobahnen
Weiter geht die Fahrt nun in Richtung Iwakuni und Fumio benützt dafür ein Stück Autobahn, genauer gesagt: 25 Kilometer. Für diese kurze Distanz müssen wir immerhin 5,50 Euro bezahlen. In Japan herrscht auf Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Auf Freilandstraßen nur 60. Und die Maut ist sehr teuer, im Durchschnitt etwa 15 € für 100 Kilometer. Da hätte ich meine Autobahnvignette schon nach zwei Wienfahrten herinnen! Erst jetzt, wo wir die Autobahnauffahrt benutzen, fällt mir der Linksverkehr so richtig auf, weil wir von der falschen Seite her einfädeln. Das ist doch ungewohnt. Aber vorher fiel es mir nicht so besonders auf.


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Unterwegs sehen wir immer wieder Bilder wie dieses: nur ist das die Shinkansen-Trasse und nicht etwa eine Autobahn. Man findet häufig diese Bahnbrücken in Japan. Autobahnen scheint es dagegen weniger zu geben – oder sie sind nicht immer so klar sichtbar. Auch die kleinen Reisfelder begegnen einem immer und überall.

Iwakuni
Iwakuni ist eine Stadt mit etwas über 100.000 Einwohnern, die wegen einer Holzbrücke Berühmtheit erlangt hat. Die Kintai-kyô, also Kintai-Brücke heißt übersetzt Brokatschärpen-Brücke oder Brokatgürtel-Brücke. Sie wurde 1673 erbaut, ganz aus Holz und ohne Nägel. Sie wurde so genannt, weil die fünf Bögen (chinesischer Baustil!) wie gekräuselter Brokatstoff aussehen. 1953 wurde die ursprüngliche Brücke von einem Taifun zerstört. Leider hab ich es verabsäumt, ein Bild scannen zu lassen. Daher hier ein Link zu einigen Bildern der Brücke:

[blog.drecom.jp]

Fumio erzählt uns, daß die Brücke aber sowieso alle 25 Jahre erneuert wird, also die Holzteile werden nach und nach ausgetauscht. Das muß erst vor kurzem geschehen sein (vielleicht 2003), denn die Brücke leuchtet in frischem Holz! Ich vermute, daß diese Erneuerung alle 25 Jahre erst nach dem Taifun begonnen hat. Wir müssen 6,80 Euro Eintritt zahlen – was heißt wir? Natürlich zahlt Fumio. Damit dürfen wir nicht nur die Brücke betreten sondern auch den auf der anderen Flußseite liegenden Park, und man kann auch die Seilbahn zur Burg gegenüber benützen.
Gleich neben der Brücke spazieren wir zunächst einmal im Flußbett, das sehr breit ist und weite Schotterbänke hat, weil es derzeit wenig Wasser gibt. Diese Schotterfläche wird als Parkplatz genützt. Uns fallen sofort die Bänke eines Fotografen auf. Die Reisegruppen posieren hier alle vor der Brücke, um ein Andenken zu haben. Gruppenbild mit Brücke. Wie es in Japan überall üblich ist. Dann gehen wir über die Brücke, die natürlich nur für Fußgänger begehbar ist. Es gibt ja fast nur Stufen auf der Bogenbrücke. Im dahinterliegenden Park gibt es viele historische Gebäude, Häuser von irgendwelchen Berühmtheiten und eine Art Museum, das den berühmten weißen Schlangen von Iwakuni gewidmet ist. Aus irgendeinem Grund häufen sich in dieser Gegend die Albino-Abarten einer Schlangenart.
Wir fahren sodann mit der Seilbahn auf den kleinen Berg, der vielleicht 300 oder 400m hoch ist. Oben gibt es eine kleine Burg, die erst 1962 wiederaufgebaut wurde. Sie wurde 1603-08 erbaut und diente als Symbol der fürstlichen Macht und als Aussichtspunkt in die Umgebung. Bereits 1615 wurde die Burg wieder zerstört, weil ein neues Gesetz vorsah, daß in jeder Provinz nur eine Burg stehen durfte. Nach dem 2. Weltkrieg mehrten sich die Stimmen, die einen Wiederaufbau befürworteten.
Die Aussicht von oben ist recht hübsch, es gibt auch Spazierwege. Von der Burg haben wir eine schöne Aussicht auf die Stadt Iwakuni, ja sogar auf die Bucht der Inlandsee.
Fumio schlägt nun zwei Möglichkeiten vor: entweder hier auf einen Berg fahren, wo es ein Onsen (heißes Bad, also Therme) gibt, oder auf die Insel Miyajima, wo man mit der Seilbahn auf den Gipfel des Misen fahren kann und von dort zu Fuß wieder hinunter marschieren könnte. Ich kann mich schwer entscheiden, es würde mir beides gefallen. Schließlich entschließen wir uns, auf den Berg zu fahren.


Fotopause an der Sanyô-Hauptlinie bei Ôtake
Auf der Fahrt zur Fähre nach Miyajima traue ich mich, Fumio gegenüber zu erwähnen, daß ich gerne Eisenbahnfotos machen würde. Also biegt er irgendwo entlang der Strecke links ein, um zur Bahnstrecke zu gelangen. Hier führt die ehemals enorm wichtige – weil früher einzige – West-Ost-Hauptlinie der Japanischen Eisenbahnen vorbei. Heute ist der Fernpersonenverkehr in der Hand der Shinkansen-Züge. Güterverkehr und Lokalverkehr ist aber immer noch enorm dicht. Also brauchen wir – nach dem Suchen eines geeigneten Parkplatzes, was gar nicht leicht ist – nicht lange auf einen Zug zu warten.

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Meine Lieblingslok (vom Design her) kommt in einer Umbauversion ziemlich bald vorbei. Die Reihe EF66-100 wurde erst ab 1989 für JR-Freight gebaut. Die Null-Serie hingegen stammt von 1968. Der hellblau/graue Lack mit gelben Führerstandstüren ist die aktuelle Lackierungsvariante für elektrische JR-Freight-Gleichstrom-Lokomotiven. 33 Stück dieser Type gibt es bei JR-Freight.

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Auch eine neue EF200 kommt hier vorbei. Bei den Güterzügen gibt es heute fast nur mehr Container-Ganzzüge. Die Reihe EF200 ist wie die meisten Loks sechsachsig (BoBoBo) und wurde ab 1990 geliefert. 21 Loks gibt es.

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Auch eine DE10 ist zu sehen. Sie ist mit Verschub beschäftigt. Die ab 1966 gelieferte Verschubtype wurde in über 200 Exemplaren und in verschiedenen Untergruppen gebaut. Die Achsanordnung ist AAAB.

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Im Personenverkehr (Nahverkehr) gibt es nur 115er. Hier in der Regionalfargebung der Region Hiroshima/Ôsaka vom Depot Fukuchiyama.

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Hierher kommen aber auch die Züge im Setonai-Anstrich (von den Depots Shimonoseki und Hiroshima). Dieser Zug hat sogar noch die großen Scheinwerfer!
Fumio zeigt sich sehr geduldig und ich bin direkt beschämt. Allerdings muß ich zugeben, daß ich als Gastgeber ja genauso handeln würde. Dann meint Fumio, daß wir etwas essen sollten, und da wir beide meinen, daß ein ganz einfaches Essen genügen würde, halten wir an einer Art Truck Stop an der Straße. Hier gibt es ein Selbstbedienungslokal, die Essensmarken bekommt man im Automaten. Wir suchen uns ein Trinken aus und ich wähle als Essen Tempura-Udon, also diese chinesischen Weizennudeln mit einem Tempura dazu. Wie üblich zahlt Fumio alles. Nach dem Essen geht es weiter zur Fähre, die wir ungefähr um 14 Uhr erreichen.

Der Berg „Misen“
Bis wir zur Seilbahn kommen, müssen wir zunächst einmal mit einem kleinen Bus hinauffahren zur Talstation, die eine Strecke von der Fährstation entfernt liegt. Die Seilbahn selbst ist in zwei Sektionen gegliedert. Zuerst gibt es kleine Gondeln für vier Personen, in der Mitte der Strecke muß umgestiegen werden in große Gondeln, weil die Strecke hier einen starken Knick macht. Das Wetter ist heute prächtig, und ebenso ist die Aussicht von der Seilbahngondel und natürlich auch vom Berg. Als wir oben ankommen, sind es noch wenige Schritte zum Gipfel. Schilder weisen uns darauf hin, daß die berühmten Affen, die hier leben, um diese Tageszeit schon gegessen haben und daher sich nicht hier aufhalten. Der Berg ist 630 m hoch. Und wir gehen von hier erst zum richtigen Gipfel, denn der erste war nur eine Zwischenstation. Auf dem hohen Gipfel gibt es eine Jausenstation und ein shintoistisches Heiligtum.

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Die prächtige Aussicht auf den Nationalpark „Seto-naikai“ (Seto-Inlandsee).

Von dort marschieren wir dann hinunter zu unserem (bisherigen) Hotel. Es wird ja schon bald dunkel, sodaß wir bald im Schatten gehen. Bäume versperren uns manchmal den Weg, das sind noch Auswirkungen des Taifuns, der im September die Insel verwüstet hat. Aber es ist doch ganz interessant, wie hier die Wege beschriftet und angelegt sind, und wie die Pflanzenwelt ist. Wir kommen um 17.30 Uhr – gerade zur Dämmerung – bei unserem Hotel in einem Park an. Hier trinken wir ein Bier und ruhen uns aus. Ich bin wirklich müde! Dann nehmen wir unser Gepäck, das wir heute Morgen hier zurücklassen konnten, gehen zur Fähre und fahren hinüber zum Festland, also nach Miyajimaguchi.

Miyajima Coral Hotel und Chinesisches Abendessen
Dort beziehen wir in dem gleich neben der Fährstation in Miyajimaguchi unser neues Quartier für die letzte Nacht hier in dieser Gegend von Japan. Es ist ein wirklich ausgezeichnetes Hotel, das Zimmer ist geräumig und hübsch eingerichtet, wie ein toller Salon. Fumio schlägt vor, chinesisch essen zu gehen. Natürlich haben wir nichts dagegen, schon allein deshalb, weil es interessant ist, in Japan chinesisch zu essen. Fumio bestellt verschiedene Gerichte, die in der Mitte stehen, von denen man sich dann auf den kleinen Teller nimmt. Es gibt folgende Gänge:
Tofu mit Faschiertem (=Hackfleisch)
Nudeln mit Gemüse
Fisch im Teig, Ginko-Nüsse, Pilze, Melanzani
Tamago-Domburi (also Reis mit einem Eierüberguß)
Rindfleisch mit Paprika
Tsukemono (eingelegtes Gemüse)
Gyôza (Teigtaschen mit Fleisch und Gemüse)
Dazu trinken wir Bier. Als Dessert gibt es Klöße aus Mochi (Klebreis), mit Azuki-Bohnenmus und Goma (Sesam). Um etwa 20 Uhr kommen wir zu unserem Hotel zurück. Fumio wird morgen Früh wieder kommen, gemeinsam mit Frau und Mutter, um uns zu verabschieden. Unser Zimmer hat einen Blick auf das Meer bzw. die gegenüberliegende Insel Miyajima. Wir sehen praktisch direkt zum Itsukushima-Schrein bzw. zu unserem bisheringen Hotel. Fumio nimmt übrigens kein Geld. Wir versuchen, ihm wenigstens etwas für seine Ausgaben zu geben, aber er verweigert. Er hat in diesen zwei Tagen alles, aber auch wirklich alles bezahlt. Er wird ja auch einmal kommen, meint er.

Am nächsten Tag (Sonntag, 17. Oktober) schauen wir um 6 Uhr Früh wie üblich die Wetternachrichten im Fernsehen. Die Vorhersage für heute ist durchwegs schön und heiter. Um 7 Uhr ist Frühstück. Es ist diesmal wieder Japanisch und ich genieße eines der letzten echt japanischen Frühstücke: Sieben Sachen finden sich auf dem Tablett: Hijiki (eine Art Seegemüse), Tsukemono, Gebratener Fisch mit Gemüse und Kamaboko (das ist eine Art Fischkuchen, eine Masse aus Fisch hergestellt), Tofu mit Katsuobushi, Miso-Suppe, Reis, und etwas das aussieht wie Linsen, ziemlich schleimig ist in der Konsistenz und mir nicht besonders gut schmeckt. Das kommt aber selten vor!
Um 8 Uhr sind Fumio, die „obaasan“ (so nenne ich manchmal die Mutter, das Wort heißt Großmutter) sowie Keiko zur Stelle. Der Abschied vor dem Bahnhofseingang bzw. vor der Bahnsteigsperre ist bewegend. Die Oma hat Tränen in den Augen. Sie will wieder auf Englisch etwas versuchen, aber bringt es nicht raus. Der Rest vom Abschied ist sehr persönlich, daher keine Details hier.

Es waren wirklich zwei wunderschöne Tage, eigentlich ein wenig mehr, drei Nächte. Wir fahren die paar Kilometer zurück nach Hiroshima. Dort haben wir noch ein wenig Zeit und ich kann fotografieren.

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Unter anderem sehe ich diesen Triebwagen Reihe 105.

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Das ist ein kiha47 (Dieseltriebwagen). Über 330 Exemplare (Einzelwagen) wurden ab 1976 von dieser Type für wärmere Gegenden insgesamt gebaut. Die Farbgebung ist im Westen der Hauptinsel (unter anderen Region Yamaguchi) typisch.

Dann begeben wir uns zum Shikansen-Bahnsteig. Ich habe Glück und Pech zugleich:
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Ich fotografiere gerade die lange 15m lange Nase des „Nozomi“ Reihe 500, da kommt plötzlich von links ein gelber Shinkansen ins Bild.

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Diesen Dienst-Triebwagen kann ich daher gerade noch als Nachschuß aufnehmen. Immerhin: es gibt nur einen solchen – Er wird „Doktor Yellow“ genannt – und es ist ein Glück, daß ich ihn überhaupt gesehen habe. Mittlerweile wurde er schon durch ein Nachfolgermodell ersetzt. Japanische Fans sehen diese Triebwagen sehr selten, weil sie meist nur nachts unterwegs sind. Hironori (von Ôsaka) meinte, er hätte diese noch nie fotografieren können.

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Dann kommt ein Zug der Serie 0 vorbei. Er trägt die neue Lackierung von JR-West. Das sind modernisierte Garnituren der ersten Serie.

Dampflokomotive in Shin-Yamaguchi

Wir fahren mit dem „Hikari-Railstar“ nur etwas mehr als eine halbe Stunde, denn ich habe von Hitoshi, einem Dampflok-Fan aus Japan, mit dem ich durch Zufall übers Internet bekannt geworden bin, erfahren, daß am heutigen Tag eine Dampfsonderfahrt von Shin-Yamaguchi aus stattfindet. Es gibt ja in Japan sehr wenige Dampfloks, die erhalten geblieben sind. Für die Größe des Bahnnetzes sogar entsetzlich wenig. Da ist Österreich glücklicher!
Auf dem Bahnhof Shin-Yamaguchi gehen wir zum Kapspurteil.

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Unser Ziel ist die Dampflok der Reihe C57.

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Und hier noch ein Detail für etwaige Freaks.

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Die Wagen sind braun lackiert und der letzte Wagen des Zuges hat eine Art Balkon, also eine offene Plattform.

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Die Sonne steht gut und das Nebengleis ist frei, so können wir also sehr gute Fotos machen. So sah der ganze Zug aus. Das runde Schild an der Spitze ist die „Train mark“, also die Zugstafel, auf der stand der Name des Zuges drauf. In diesem Fall „Yamaguchi“. Es gab und gibt Sammler von solchen Symboltafeln. Manche blieben jahrelang unverändert, manche wurden auch wieder mal neu aufgelegt.

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Es gibt aber auch anderes zu sehen: zum Beispiel kommt der Schnellzug-Triebwagen Reihe kiha187 hier vorbei. Wenn man diesen Zug, der auf Fotos nicht besonders aussieht, vor sich hat, wirkt er doch recht modern und elegant Es ist ein Diesel-Neigezug für die Strecken an der Nordküste des westlichen Teils der Hauptinsel Honshû.

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Auch einen alten Bekannten sehen wir wieder, aber halt! Das ist kein 115er, sondern ein Zug der Reihe 411/415. Sieht zwar gleich aus, ist aber für alle drei Stromsysteme geeignet. Das Besondere an diesem Zug: er gehört zu JR-Kyûshû. Das rote JR-Symbol im blauen Gürtel zeigt es an. Auch hier verkehren die Züge also bis ins Nachbarnetz hinüber, denn wir befinden uns noch im Gebiet von JR-West..

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Dann kann ich noch das Zusammenkuppeln von zwei verschieden lackierten Zügen der Reihe 115 beobachten. Der Verschieber braucht nur die Fahne zu schwenken, mehr hat er hier nicht zu tun.
Bevor die Fahrt weitergeht, kann ich weitere Bilder von Shinkansen-Zügen machen. Hier ist ein sehr dichter Verkehr. Die zwei mittleren Bahnhofsgleise sind Durchfahrtsgleise. Die brausen hier sicher mit 280 oder mehr durch!

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Reihe 0 auf dem Weg nach Hakata steht am Bahnsteig.

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Reihe 700 steht auf dem Bahnsteig Richtung Ôsaka (und der fährt vermutlich nur bis Ôsaka).

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Reihe 700-7000 (Hikari-Railstar) fährt durch in Richtung Hakata.

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Reihe 500 fährt als "Nozomi" hier durch in Richtung Ôsaka - und sicher bis Tôkyô, denn die Nozomi-Züge fahren immer die ganze Strecke mit möglichst wenig Halten.

Dann beginnt unsere Fahrt nach Kyûsû, der letzten Station unserer Japan-Reise. Hier werden wir mehrere Tage bleiben. Die Fahrt nach Kokura dauert nur 20 Minuten, und schon sind wir durch den kurzen Kanmon-Tunnel auf der Insel Kyûshû. Der Name des Tunnels kommt wie üblich von zwei Silben der beiden Endpunkte Shimonoseki und Moji. Nur daß sie in diesem Falle anders ausgesprochen werden, also nicht SEKIMO-Tunnel, sondern die andere Aussprachemöglichkeit KANMON-Tunnel. Das sind die Tücken der japanischen Sprache – aber auch die unendlichen Möglichkeiten, neue Wörter zu kreieren.

Fahrzeuge der JR-Kyûshû (JR九州)

Der Bahnhof Kokura hätte einige Besonderheiten, aber wir wollen lieber die Landschaft entlang der Strecke sehen und halten uns nicht lang auf. So lassen wir die Monorail, die es hier gibt, rechts liegen und nützen nur die Wartezeit auf dem Bahnsteig, um einige der besonderen Züge auf der Insel Kyûshû zu fotografieren, die hier vorbeikommen. Von allen japanischen Inseln hat Kyûshû bzw. die JR-Kyûshû am meisten eigene Triebwagen beschafft. Der Fuhrpark unterscheidet sich dadurch stark vom übrigen Japan. Außerdem sind innerhalb der Baureihen auch viele verschiedene Farbgebungen gebräuchlich, je nach Einsatzgebiet oder Zug-Name.

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Auch wenn er anders aussieht, ist das ein 415er-Triebwagen (415-1500). Kennzeichen sind der Nirosta-Wagenkasten und luftgefederte Drehgestelle. 1985 wurden die 1971 gebauten Züge umgebaut. Die Mehrsystemzüge dieser Reihe werden für den Verkehr durch den Kanmon-Tunnel benötigt. In Kyûshû selbst würde Wechselstrom 60Hz genügen. Lediglich eine kurze Vorortestrecke in Fukuoka ist hier mit Gleichstrom elektrifiziert.

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Die Nahverkehrs-Baureihe 811 gehört wie alle 800er-Baureihen zur JR-Kyûshû und wird nur hier eingesetzt. Die 27 Garnituren wurden 1989 geliefert.

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Der Güterzug mit der Zweifrequenzlok EF81 kommt gerade aus dem Kanmon-Tunnel.

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Der Schnellzug „Sonic“ wird teilweise mit diesen futuristisch anmutenden Garnituren der Reihe 883 gebildet. Der Kopf erinnert Kinder wohl an eine Bionicle-Figur. 1994 wurde dieser sechs- bis siebenteilige Neigezug in acht Exemplaren gebaut.

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Mit diesem Triebwagen der Reihe 787 werden wir in den nächsten Tagen noch häufig fahren. Diese Unterbauart wird nur für den „Ariake“ verwendet, aber auch hier ist man da nicht immer so genau. 25 Garnituren wurden seit 1992 gebaut.

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Für den Nahverkehr im Norden von Kyûshû wurde die Reihe 817 ab 2001 beschafft. 31 zweiteilige Triebwagen gibt es. Die schwarze Stirnfront trägt meiner Meinung nach nicht zu einem gelungenen Äußeren bei.

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In Nirostabauweise entstanden ab 1994 etwa 70 Garnituren der Reihe 813 für den Nahverkehr von Fukuoka nach Süden bis Kagoshima. Sie sind dreiteilig, und auch hier fällt die schwarze Stirnfront auf, obwohl hier auch die JR-Kyûshû-Farbe rot verwendet wird.

Von Kokura nach Beppu im „Sonic“
Der kürzeste und schnellste Weg nach Kumamoto, wo wir drei Nächte gebucht haben, würde über Hakata führen, aber wir möchten auch andere Teile dieser südlichsten Hauptinsel sehen, daher haben wir uns entschlossen, zunächst entlang der Ostküste nach Süden zu fahren, und dann die Insel Richtung Westen zu durchqueren. Wir werden es nicht bereuen!
Wir erleben nun die erste Fahrt in einem der Paradezüge Kyûshûs, dem „Sonic“.

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Es ist ein weißer 885, der seine Ähnlichkeit mit dem deutschen ICE3 nicht verleugnen kann. An der Seite ist eine englische Werbeaufschrift: „INTERCITY KYUSHU SONIC EXPRESS 885 SINCE 2001“. Es ist ein Neigezug (Baujahr 2000, 11 Garnituren), die Bestuhlung ist mit Leder bezogen, der Fußboden ist Holzparkett. Da ich leider kein Bild vom Innenraum habe, hier ein Link zu einem Bild eines 2.Klasse-Sitzes. Man beachte den Parkettfußboden mit dem interessanten Design!
[italo.s7.xrea.com]
Der Zug wackelt leider beim Fahren so stark, daß man nicht (Tagebuch) schreiben kann. Da es Mittagszeit ist und sich der Hunger meldet, beschließe ich, die Verkäuferin der Mini-Bar, die mit einem Wagen durch den Zug geht, um ein Bentô zu fragen. Im Zugbegleiter las ich nämlich, daß es Bentô im Zug gibt. Sie sagt mir, daß sie in der nächsten Station Bentô bekommt, das wird in 5 bis 10 Minuten der Fall sein. Wir sagen beide zu. Als sie dann wieder kommt, hat sie zwei zur Auswahl, eines um 7,30 Euro, eines um 6 Euro. Wir nehmen zwei verschiedene und wie üblich schmeckt es ausgezeichnet! Es gibt gegrillten Fisch, viele Gemüsearten, im anderen ist Reis mit Fisch gemischt, und natürlich ist es wunderschön angerichtet. Im Säckchen mit den Stäbchen ist auch ein Zahnstocher enthalten. Die Strecke führt hin und wieder an der Küste entlang, sodaß man kurze Ausblicke auf die Seto-Inlandsee hat.

Beppu, eine berühmte Bäderstadt
Wir steigen in Beppu aus, das ist eine berühmte Stadt, ebenso wie Ôita. Was bei uns (in Österreich) Loipersdorf, Bad Gastein oder Bad Hall sein mag, ist in Japan Beppu und Ôita. Es gibt natürlich hunderte Thermen in Japan (Onsen genannt), aber hier ist eine der dichtesten Gegenden für heiße Bäder. Es gibt hier spektakuläre Grotten mit verschiedenen Dämpfen, Farben und Gerüchen, aber wir können nur eine Stunde hier bleiben und ein Blick auf den Stadtplan zeigt uns schon, daß die besagten Touristenattraktionen zu weit entfernt sind, um sie in so kurzer Zeit erreichen zu können. Also müssen wir uns mit einem Spaziergang zufrieden geben. Vorerst will ich aber noch fotografieren, was sich hier bietet:

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Der Express-Triebwagen Reihe 783 hat ein eigenwilliges Aussehen. Es waren die ersten für JR-Kyûshû gebauten Schnellzugtriebwagen nach der Verselbständigung 1988. 20 Garnituren wurden damals angeschafft. Sie lösten die alten 485er ab.
Dann gehen wir vom Bahnhof nach Westen, gelangen zu einem Park, in dem wir mehrere Bambus-Haine sehen und einige europäisch wirkende Winkel. Der Park ist im europäischen Stil angelegt. Auf dem Weg zum Bahnhof zurück berauscht mich die Musik der Fußgängerampeln. Wie überall in Japan erklingt eine Melodie oder ein Zwitschern, wenn die Ampel für Fußgänger auf Grün schaltet – je nach Richtung eine andere Melodie. Hier ist es die Melodie eine Volksliedes, das ich kenne.

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Als wir zurückkommen zum Bahnhof, habe ich besonders Glück: ich sehe die einzige Garnitur der Baureihe kiha71, ein grüner Touristen-Schnellzug-Dieseltriebwagen. Er wurde für die Fahrt durch ein berühmtes Tal angeschafft und hat sehr hochliegende Fahrgasträume für besseren Rundumblick.

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Auch ein 485er kommt vorbei. Die Züge dieser Baureihe, die man in ganz Japan antrifft, sind hier aber besonders lackiert. Entweder ganz in grün, rot, schwarz oder überaus bunt. Außerdem wurden sie natürlich runderneuert und sehen in Details doch ganz anders aus als die „Kollegen“ in anderen Teilen Japans.

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In Kyûshû fällt mir auf, daß man besonders viel Englisch verwendet. Nicht nur auf den Zügen. Hier ist man allerdings etwas sparsam umgegangen. Erstens fehlt bei dieser Infomation ein R, zweitens ist alles andere Japanisch. Die obereste Zeile heißt: Bahnhof Beppu. Links ist ein Wagenplan. Die roten Wagen sind solche mit freier Sitzplatzwahl (jiyûseki = keine Reservierung), die blauen sind Wagen nur mit reservierten Sitzen (shiteiseki). Die Tafel gilt nur für die Bahnsteige 1 (oben) und 2 (unten). Auf der rechten Seite ist der Fahrplan.
Von hier nach Ôita, wo wir in den Trans-Kyûshû-Express umsteigen wollen, sind es nur 11 Minuten mit dem Schnellzug. Hier sehe ich weitere neue Triebwagen, die ich fotografieren kann. Wir bleiben bis zu unserer Weiterfahrt auf dem Bahnhof und beobachten das Treiben.

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Zunächst einmal der Sonic-Triebwagen Reihe 885, diesmal mit einer gelben Fensterumrahmung (anstatt blau). Der Unterschied: mit gelb wird er für den Schnellzug „Kamome“ eingesetzt. Aber dieser hier war doch ein „Sonic“. Man ist also selbst in Japan nicht immer ganz genau. Oder sind es Umlaufprobleme?

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Die Triebwagenreihe 883 ist ebenso ein Neigezug wie der weiße 885. Die Gestaltung der Steuerwagen ist farblich auch sehr unterschiedlich. Nur 8 Garnituren wurden 1994 geliefert. Vielleicht ist sogar jede anders lackiert.

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Beim Design ließ man sich Besonderes einfallen. Erstmals sehe ich hier die Ziffer 1 als Bezeichnung für einen „Green Car“ – so wird in Japan die erste Klasse bezeichnet. Das grüne vierblättrige Kleeblattsymbol ist üblicherweise das Symbol für die erste Klasse. Die Pictogramme gelten auch nur für diese Type. Die rot/grün/blau gefärbten Ohrwascheln links und rechts der Türe sind auch Kennzeichen dieser Type. Die Sitzlehnen (Kopfstützen) im Inneren haben diese Form und auch diese Farben. Man kommt sich wie in einem Puppenkabinett vor! Leider habe ich keine Innenraumaufnahme gemacht. Man kann sich aber dieses Bild im Internet ansehen: Das mittlere Bild in der 7. Reihe zeigt die Inneneinrichtung eines solchen Zuges.
[www.geocities.co.jp]

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Auf diesem Bild sieht man die Vorliebe von JR-Kyûsû für Englisch. Alles ist auf diesem gelben Triebwagen der Reihe kiha125 auf Englisch beschriftet: Y-DC125, YELLOW ONE MAN DIESEL CAR. Typisch für Kyûshû ist auch die einheitliche Farbe ohne Zierlinien. Das kommt häufig vor. Baujahr 1992, 25 Stück.

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Eine weitere Kyûshû-Baureihe ist hier zu sehen: 815. 1999 wurden 26 Stück dieser zweiteiligen Triebwagen gebaut. Sie sind im Vororteverkehr von kleineren Städten eingesetzt.

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Ein weiterer Vertreter der einfärbigen Dieseltriebwagen. Diesmal Reihe kiha220 – ganz in rot. Nur 6 Stück gibt es von dieser Solo-Triebwagentype aus 1991.

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Hier sehen wir noch einmal das Einzelstück des grünen „Yûfuin-no-mori“-Touristenschnellzug-Triebwagens vom Typ kiha 70/71. Aber diesmal in besserem Licht.

Der Trans-Kyûshû-Express (Kyûshû-ôdan-tokkyû)

Und dann beginnt der eigentlich interessante Teil unserer Anreise nach Kumamoto.
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Wir steigen mit vielen anderen Fahrgästen in den Triebwagen der Reihe kiha185 ein. Wie üblich, schön angestellt in einer Schlange. Die Baureihe kiha 185 gibt es schon seit 1988 und wurde also noch unter JNR-Regie bestellt. Sie werden heute nur in Kyûshû und Shikoku im Diesel-Schnellzugverkehr eingesetzt. Natürlich wurden sie inzwischen modernisiert.
Wir hätten eigentlich schneller nach Kumamoto fahren können, aber wir wollten diesen Trans-Kyûshû-Express benützen, der quer von Ost nach West die Insel durchschneidet. Diese Gegend hätten wir sonst nicht sehen können, denn der Zug hat keine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit (nur 52 km/h) und für einen Ausflug nur wegen dieser Linie war mir die Zeit zu kostbar, aber als Teil der Hinfahrt war es praktisch. Die Landschaft ist sehr interessant. Auch hier haben aber in diesem September bereits einige Taifune gewütet, und so ist die Strecke ab Miemachi unterbrochen. Ein Erdrutsch hat die Einfahrt zu einem Tunnel verschüttet. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Strecke dauern noch an. Wir müssen also in einen Schienenersatzverkehr umsteigen. Hironori hat mir schon vor Wochen ein Blatt geschickt, in dem die Unterbrechung kundgemacht wird. Wir steigen also in der Haltestelle Bungo-Kiyokawa in einen Bus um, es geht rasch weiter und nach wenigen Kilometern steigen wir wieder in einen gleichartigen Triebwagen ein, wo wir mit 12 Minuten Verspätung abfahren.

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Das Bild zeigt die Haltestelle Miemachi, wo wir aus dem Bus wieder in den links sichtbaren Zug einsteigen, der sogar den Namen des Schnellzugs auf der Scheibe aufgedruckt hat. Rechts steht ein Regionalzugtriebwagen der Reihe kiha31 (erstes Baujahr 1987), der nach uns abfahren wird.
Die 12 Minuten Verspätung holen wir leicht wieder ein. Sehr interessant ist eine kurze Zick-zack-Strecke westlich des Aso-san. Diesen Vulkan werden wir noch besuchen. Auch die Zich-zack-Strecke werden wir daher noch zweimal befahren.

Kumamoto Ekimae Business Hotel Kurenai
Wir kommen also pünktlich in Kumamoto an und sehen gleich gegenüber dem Bahnhof unser Hotel, ein billiges „Business-Hotel“, das ich schon per Internet reserviert hatte. „Ekimae“ heißt ja auch: „vor dem Bahnhof“. Wir bezahlen im Voraus für drei Nächte, pro Person 33 Euro pro Nacht. Das Zimmer ist zwar klein, aber es paßt gerade. Blick vom Fenster direkt auf den Bahnhof und die Straßenbahn. Die Einrichtung ist wie gehabt: Teekocher, Fernseher, Dusche und WC, Hosenbügler unter dem Bett usw. Es ist unser letztes Hotel in Japan. Und noch wissen wir nicht, daß wir eine vierte Nacht anhängen werden müssen.
Nach einer kurzen Zeit des Verschnaufens schauen wir zum Bahnhof hinüber, wo es einen Mr. Donut gibt, wo wir in den nächsten Tagen das Frühstück einnehmen werden. Es sperrt um 7 Uhr auf, das paßt. Wir finden Prospekte über die Stadt, jedoch nicht über den Vulkan Aso. Die Straßenbahnen sind teilweise modern, ein auf alt umgebauter ist auch darunter. Die Bilder kommen im 10. Teil dran.


Fortsetzung (Teil 10) hier: [www.drehscheibe-foren.de]



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