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[JP] Reisebericht Japanreise 2004 (5) - (24B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 19.09.07 21:53

Heute kommt der fünfte Teil meines Reiseberichtes. Diesmal sind mehrere Bilder off-topic, also abseits der Bahnen dabei. Außerdem sind mehrere qualitativ minderwertige Bilder zu sehen, ich hoffe, es wird verziehen! Dennoch wollte ich sie nicht weglassen. Außerdem kommt im fünften Teil das Thema Eisenbahn etwas zu kurz, dafür das Thema Japan an sich etwas ausführlicher vor.

Aufbruch nach Kyôto und Nara
Heute beginnt ein großer Abschnitt unserer Reise. Herr und Frau Kobayashi haben sich angeboten, uns Kyôto und Nara zu zeigen, danach fahren wir ganz in den Süden bzw. Westen Japans und kommen erst nach 11 Tagen wieder nach Tôkyô zurück. Wir werden die nächsten zwei Tage also weniger Zeit für das Bahnhobby haben. Wir stehen schon um dreiviertel 6 Uhr auf, um nur ja pünktlich auf dem Bahnhof zu sein. Ich genieße es, daß es heute mal nicht regnet auf unserem Weg zur U-Bahn-Station. Für alle User, die sich nur für die Bahn und weniger für anderes interessieren, habe ich alle Sightseeingteile ohne Bahnbezug blau eingefärbt.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_151.jpg
Das schöne Wetter ist eine Chance, unsere Gasse und unser Haus ohne Regen zu fotografieren. Auf diesem Bild sieht man von unserem Haus zu einer Hochstraße, deren Gegenfahrbahn hier unterirdisch verläuft. Hinter dem kleinen schwarzen Mini-Van beginnt ein Fußgänger-Durchgang unter der normalen Straße, die sich zwischen Hochstraße und Tunnel befindet. Kennt Ihr Euch noch aus? Das hohe Haus befindet sich schon hinter der Stadtautobahn. Das kleine Haus rechts ist typisch: zwischen größeren oder riesigen Betonburgen immer mal ein kleines Haus, vielleicht sogar aus Holz. Das ist Tôkyô!

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_152.jpg
Von der normalen Straße (oberes Bild beim Geländer über dem Fußgängerdurchgang) aus machte ich diese Aufnahme. Das Haus mit den blauen Balkonverkleidungen ist unseres. Die Wohnung ist im 7. Stock. Über die unzähligen Leitungen hab ich schon in einem früheren Teil berichtet.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_153.jpg
An der Kreuzung, wo die U-Bahn-Station ist, ist die Stadtautobahn bereits mit beiden Spuren oberirdisch. Die normale Straßenkreuzung ist noch leer – es ist ja erst 6 Uhr früh!
Genau 45 Minuten benötigen wir von unserer Wohnung bis zum Zug, wo wir die Kobayashis im Wagen treffen, wir haben ja reservierte Sitze. Wie zu erwarten, ist der Zug voll besetzt. Heute ist nicht nur Sonntag, sondern auch der Beginn eines verlängerten Wochenendes. Montag ist in Japan Feiertag: taiiku-no-hi, das heißt übersetzt Tag der Leibesübungen oder Gymnastik-Tag oder Sport-Tag. Japanische Feiertage haben alle eine für uns etwas seltsame Begründung, sie haben nichts mit Religion zu tun. Es gibt zumeist traditionelle Feiern, Bräuche und dergleichen. Man geht dann zum Beispiel mit den festlich gekleideten 3-jährigen und 5-jährigen Mädchen in den Schrein oder man nimmt die 7-jährigen Buben, auch irgendwie besonders angezogen zum Tempel mit. Ich habe mich aber mit den Einzelheiten nicht sehr befaßt.

Wir haben also Gottseidank schon vor einer Woche die Plätze reserviert. Natürlich ist der Zug voll, es wurden auch genügend Züge eingeschoben. Die erste Fahrt auf der ältesten Shinkansen-Strecke Japans kann also beginnen. 1964 wurde der erste Abschnitt zwischen Tôkyô und Ôsaka eröffnet. Die 553 km werden heute von den schnellsten Zügen (Nozomi) in zweieinhalb Stunden zurückgelegt. Das entspricht einem Schnitt von 220 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit zur Zeit der Eröffnung betrug 210 km/h. Heute dürfen abschnittsweise bis zu 270 km/h gefahren werden. Das hängt damit zusammen, daß nicht alle Streckenabschnitte eine hohe Geschwindigkeit zulassen. 1972 wurde die normalspurige Schnellfahrstrecke bis Okayama, 1975 bis Hakata, so heißt der Bahnhof der Millionenstadt Fukuoka, eröffnet. Heute dürfen die schnellsten Züge auf Abschnitten bis zu 300 km/h fahren. Die Gesamtstrecke von Tôkyô bis Hakata ist 1175 km und wird von den schnellsten Zügen in 5 Stunden zurückgelegt (Schnitt 235 km/h). Heute gibt es drei Zugsgattungen: Nozomi: Sie fahren die ganze Strecke und halten höchst selten. Hikari: Sie halten nicht überall und bedienen verschiedene Abschnitte, fahren aber nie die ganze Strecke durch. Von Tôkyô zum Beispiel kann man höchstens bis Okayama ohne Umsteigen durchfahren. Kodama: Das sind die langsamen Züge, die überall halten. Trotzdem erreichen sie gegenüber den Standardspurstrecken eine beachtliche Durchschnittsgeschwindigkeit und verkehren auch mit 200 km/h und mehr.
Unsere Garnitur ist Baureihe 300. Sie wird heute nur noch für Kodama- und Hikari-Züge verwendet und ist bis zu 270 km/h schnell. Es ist mir bei meinem Aufenthalt kein einziges Mal gelungen, ein gutes Bild von dieser Type zu machen.
Die ersten hundert Kilometer geht es durch sehr dicht bebautes Gebiet. Aber auch danach ist nur selten eine hübsche Landschaft zu sehen. Unterwegs bietet uns Frau Kobayashi auch eine Jause an: sie hat natürlich Proviant mitgenommen. Bei Nagoya sieht man wieder meilenweit nichts als Häusermeere. Auch das ist eine der häßlichen Millionenstädte. Unweit von hier hat 2005 die Weltausstellung stattgefunden. Nach etwa zweieinhalb Stunden (Durschnitt 205 km/h) erreichen wir unser Ziel: Kyôto.
Herr Kobayashi hat das Hotel in Nara reservieren lassen. Kyôto steht erst morgen auf dem Besuchsprogramm. Daher eilen wir mit schnellen Schritten vom Shinkansen-Bahnsteig zu den normalen Bahnsteigen, wo wir einen Eilzug nach Nara gerade noch erwischen. Immerhin schaffen wir das Umsteigen in 7 Minuten. Da wir hier ziemlich weit weg sind von Tôkyô, gibt es hier auch ganz andere Triebwagen. Das Bahnnetz hier wird von JR-West bedient, während es in Tôkyô die beiden Gesellschaften JR-East und JR-Central waren. Die japanischen Bezeichnungen dafür werden den Forums-Leser wohl nicht so interessieren.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_154.jpg
Unser Eilzug fährt mit Baureihe 221. Die Lackierung ist für europäische Augen nicht sehr hübsch: es dominieren grau/silber/braun-Töne. Ich kann im Laufschritt zum Zug gerade noch diese Aufnahme machen. Unterwegs sehr ich auch die ältesten noch in Betrieb befindlichen Triebwagen der JR: Reihe 103. Noch dazu in dem alten Anstrich, also je nach Linie der ganze Zug in einer Farbe. Hier sind alle hellgrün. So waren es früher die Züge der Yamanote-Linie in Tôkyô auch. Aber dort fahren schon längst keine so alten Garnituren mehr. Bis Nara sind es 42 km.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie14_500/2005_01_10_900.jpg
Besonders lustig ist es, dem Fahrer zuzusehen. Ich habe schon einmal erwähnt, daß er mit den Händen pausenlos in Bewegung ist. Er zeigt auf jedes Signal, zeigt auf den Tachometer, auf die Fahrtentafel (oder wie heißt das? - Ich hab sogar eine!). Er zeigt auf den Monitor am Bahnsteigende, er berührt irgendwelche Bildschirmflächen – und nebenbei fährt er auch noch.
In Nara müssen wir zunächst einmal warten. Herr Kobayashi besorgt Tageskarten für den Bus (3,60 Euro). Es muß nicht mehr erwähnt werden, daß wir sie nicht bezahlen dürfen. Unterdessen genießen wir die Sonne und beobachten zwei Damen in schönen Kimonos.

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Frau Kobayashi ermuntert mich, ein Foto zu machen. Naja, von hinten nur halb so schön, aber der künstlerische Knoten des Gürtels ist wenigstens zu sehen. Von vorne hätte ich mich das nie getraut!
Wir nehmen dann ein Taxi und fahren zu unserem Hotel (7,80 Euro). Dort können wir zwar noch nicht unsere Zimmer beziehen, aber wir können uns auf der Toilette die verschwitzten Leiberln ausziehen und frische anziehen. Auch das Gepäck können wir bei der Rezeption abgeben. Das Hotel scheint alle Stückln zu spielen. Kein Wunder: es kostet ja auch 71 Euro pro Person und Nacht. Ich denke, es wird einem 4-Sterne-Hotel entsprechen, oder vielleicht gar 5-Stern. Ich bin ja nicht so begütert und habe mit solchen Hotels keine Erfahrung. Es ist also eine Premiere für mich. Schon die Halle ist edel: überall Kristall, Teppiche und lauter Leute, die sich verbeugen und uns alle Wünsche von den Augen ablesen. Auch ganz lustig, einmal so bedient zu werden. Nach dem Frischmachen nehmen wir einen Bus und fahren in die Innenstadt. Nun beginnen zwei Tage Sightseeing, für Bahnen wird etwas weniger Zeit bleiben.


Sehenswürdigkeiten in Nara: Tôdai-ji
Unser erstes Ziel ist der Tôdai-ji, also der Tôdai-Tempel. Tôdai-ji wörtlich heißt: Ost-Groß-Tempel. Dieser Tempel liegt inmitten eines großen Parks. Ein riesengroßes Areal im Osten der Stadt, am Fuß eines Berges, und überall trifft man auf die berühmten zahmen Rehe (shika), die um Futter betteln. Sie werden als Götterboten angesehen. Herr Kobayashi will zu einem Gelände, wo den Rehen in einer besonderen Zeremonie die Hörner abgeschnitten werden. Aber da warten so viele Leute, daß man mindestens dreißig Minuten anstehen müßte. Wir deuten aber schon an, daß uns das nicht so sehr interessiert. Wir gehen daher zum großen Tempel. Nun darf man sich unter Tempel nicht ein Gebäude vorstellen, sondern das sind mehrere: eine große Halle mit dem riesigen Buddha, dann eine Pagode, einige Untertempel und Hallen. Der Bau der Tempelanlage wurde 752 vollendet. Alles, was wir hier sehen, hat auch damals schon so ausgesehen, es wurde immer in genau gleicher Weise wiederaufgebaut, wenn etwas morsch oder brüchig oder durch Erdbeben oder Brand zerstört wurde. Auf dem Weg durch den Park sehen wir Verkäufer, die Satsuma-imo verkaufen. Das sind Süßkartoffeln, die gebraten sind. Frau Kobayashi kauft eine für uns, damit wir das kosten können, denn bei uns gibt es sowas höchsten roh am Naschmarkt in Wien. Doch dann nähern wir uns unserer (abgesehen vom Kannon-Tempel in Tôkyô) ersten großen Sehenswürdigkeit Japans, dem Tempelbezirk des Tôdai-ji. Wir kommen zunächst durch ein 19 Meter hohes Tor (Nandaimon – großes Süd-Tor), in dessen Seitenteilen zwei riesige Wächterfiguren enthalten sind – aus Holz geschnitzt, sie stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert. Dann kommt man zur großen, hölzernen Halle, vor der wir aber Eintritt zahlen müssen: 3,60 Euro. Natürlich zahlt Kobayashi.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_156.jpg
In dieser Halle befindet sich der Große Buddha. Der Bau ist eine ungewöhnliche Holzrahmen-Konstruktion, erbaut 1688-1709. Man sieht außen schon, wie alt das Holz ist. Der Bau gilt als das größte Holzbauwerk der Welt, obwohl er um ein Drittel kleiner ist als der ursprüngliche Bau. Auch diese Halle wurde nämlich (vor 1709) mehrere Male durch Brände zerstört.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_157.jpg
Aber innen wird es noch toller: der berühmte große Buddha (Daibutsu). 752 wurde die 16,2 Meter hohe Bronzestatue des Buddha errichtet, die bis heute die weltgrößte Buddhastatue ist. Sie wiegt etwa 500 Tonnen und wurde häufig restauriert, weil Erdbeben und Brände der Statue zusetzten. Der heutige Kopf stammt zum Beispiel von 1692. Auf der aufgehaltenen Hand haben fünf Männer Platz. Im Inneren der Halle erkennt man erst die Ausmaße der Konstruktion. Hinten in den Ecken befinden sich Holzstatuen (Wächterfiguren), links vom großen Buddha ist eine kleinere, 1709 vollendete goldfarbene Buddhastatue, die reicher verziert ist als der große Buddha.

Mittagessen: Wieder was „Bekanntes“ das erste Mal probiert
Nach dem ausführlichen Besuch haben wir natürlich Hunger bekommen und Herr Kobayashi meint, es wäre Zeit zum Mittagessen. Wir suchen uns ein kleines Lokal inmitten der Stände und Verkaufsbuden. Auch hier kann man die Speisen, die es gibt, in einer Vitrine aussuchen. Es ist aber ein einfaches Lokal. Man muß einen Essensbon kaufen, dann setzt man sich an einen der Holztische, die wie alte Wirtshaustische in einem Schanigarten wirken, und gibt einer Kellnerin den Bon. Bis wir das Essen bekommen, schaue ich mich ein bißchen um. Es gibt hier auch Ansichtskarten zu kaufen. Günstig sind 15 oder 20 Stk. in einer Hülle. Eine Karte kostet auf diese Weise nicht viel mehr als 15 oder 20 Cent. So billig gibt es bei uns daheim keine Ansichtskarten. Dann kommt auch schon das Essen. Unter all den Dingen, die es hier gibt, habe ich mir Oyako-don ausgesucht. Davon hab ich schon oft gehört, und das wollte ich immer schon mal probieren. Oft wird es auch Oyako-donburi genannt. Mit „Don“ oder „Donburi“ wird ein Gericht bezeichnet, das aus Reis besteht, über den etwas drüber geschüttet wird. Man könnte es als Art Eintopf bezeichnen (wenn man das dann vermischt). Donburi heißt aber auch „plumps“ oder „platsch“. Naja, so kann man das auch sehen: eine Schüssel voll Reis, und: „platsch“ – wird etwas draufgehaut. In diesem Fall also „Oyako“, das heißt soviel wie „Eltern und Kind“. Soll hier heißen: Henne und Ei. Das drübergeschüttete Etwas ist nämlich Hühnerfleisch und Ei, natürlich auch noch Gemüse und Ähnliches dabei. Ich freue mich jedenfalls, sowas auch mal zu essen. Und es ist gut und sättigend. Kostenpunkt 5,90 Euro. Wer zahlt? --- Nona!
Nach der Stärkung ist der Kôfuku-ji, also der Kôfuku-Tempel das nächste Ziel. Man kann es zu Fuß erreichen. Der Name Kôfuku beduetet etwa „blühender Segen“ oder „blühendes Glück“. Das Besondere ist für uns jedoch nicht der Tempelbau an sich, sondern die fünfstöckige Pagode daneben.


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Sie wurde insgesamt fünfmal ein Raub der Flammen, aber immer wieder neu aufgebaut – originalgetreu. Der heutige Bau stammt von – jetzt wundert man sich! – von 1426! Die Brände waren nämlich vorher! Eine kleinere, dreistöckige Pagode ist von 1114. Wir beobachten jetzt auch die Leute, die hierher kommen. Sie beten still mit gefalteten Händen, fast wie bei uns. Sie stehen kurz vor dem Tempeleingang, haben vielleicht einige Münzen in den Opferkasten geworfen, verneigen sich dann kurz und gehen weiter. Wir sehen auch verschiedene Waschbecken mit Schöpflöffeln aus Bambus. Sie dienen dazu, sich zu waschen, eventuell kann man auch trinken. Wir sehen auch Glocken, die immer mit einem dicken Seil zum klingen gebracht werden können. Man schlägt immer nur einmal an!

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Auch Weihrauchbecken gibt es, wo sich die Leute den Rauch zufächern, um gesund zu bleiben. Also alles ähnlich wie schon in Tôkyô gesehen. Hier fallen uns auch erstmals die kleinen steinernen, buddhaänlichen Figuren auf. Sie haben rote Stofffetzen umgebunden. Es sind Statuen, die an verstorbene Neugeborene oder an Fehlgeburten erinnern. Hier betet man für sie, wenn man so ein Kind verloren hat.

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Junge Burschen verdienen sich Geld mit diesen Rikschas. Das ist ungefähr so etwas wie bei uns in Wien ein Fiaker: eben eine Attraktion.

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Auf diesem Bild sieht man erstens so eine Rikscha, zweitens eine ältere Häuserzeile, drittens ein Schild, das vor den zahmen Rehen warnt, die hier die Straße queren können.
Wir verabschieden uns vom Tempelbezirk und spazieren durch eine lange Gasse mit zahllosen Geschäften, Ständen, Imbißstuben und so weiter. Unser Besichtigungsprogramm führt uns nun zum alten Kaiserpalast: (heijôkyû-seki). Das sind eigentlich Ruinen bzw. hier wird versucht, den alten Kaiserpalast zu rekonstruieren. Nara war von 710 bis 784 die erste Stadt, in der eine permanente Residenz des Kaiserhauses errichtet wurde. Vorher hatte der Tennô immer an wechselnden Orten residiert. Nara war also sozusagen die erste Hauptstadt Japans. Der Weg zu dieser Anlage wird mit einem Bus zurückgelegt und wir können ermessen, wie groß Nara eigentlich ist. Es dauert nämlich ziemlich lang, bis wir dort sind. Viel ist noch nicht fertig in der weitgestreckten Anlage, das wird wohl auch lange Zeit dauern. Das Gelände ist riesig und wir müssen vom Nordost-Eingang hübsch lange gehen, um irgendwas zu sehen. Fundamente sind es meistens nur. Es ist heiß, die Sonne brennt herunter (30°C), man sieht Leute im Gras picknicken. Fern sieht man die östlichen Hügel.
Und man hört eine Bahnlinie: es ist die Kintetsu, eine Privatbahn, die ich auch schon kenne von dem Befassen mit Japan. Eigentlich „Kinki-tetsudô“ (Kinki-Eisenbahn). Kinki heißt die Ebene, in der Ôsaka, Kyôto und Nara liegen. Die Schnellzüge dieser normalspurigen Bahngesellschaft waren immer orange/schwarz, und als wir einige Züge sehen, die quer durch diese Anlage fahren, merke ich, daß diese Farbgebung noch immer stimmt.

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Ich mache sogar eine Aufnahme, obwohl ich mich sonst ja nicht für die privaten Bahnen hier interessiere, denn das würde mir zu umfangreich werden. Wie man erkennen kann, ist Kintetsu eine Normalspurbahn. Wir verlassen die Anlage, die nicht besonders sehenswert ist, weil es nur weite und leere Flächen gibt, durch eines der wenigen fertiggestellten Bauwerke: ein großes Tor namens „Suzaku-mon“. Su heißt zinnoberrot, zaku heißt Sperling. Es wurde vor 20 Jahren fertiggestellt und hat wirklich viel von diesem Orangerot, das man überall in Japan treffen kann. Bei der Rückkehr zu unserem Hotel stellen wir fest, daß sich auch Herr Kobayashi nicht sehr gut auskennt. Wir überlegen, ob wir es zu Fuß zum Hotel schaffen, aber das dürfte doch zu weit sein. Wir fahren also mit dem Bus.

Top Hotel in Nara
Das „Nara Royal Hotel“ spielt „alle Stückln“. Ich war meines Wissens noch nie in so einem feudalen Hotel. Selbstverständlich gibt es im Zimmer Yukata, aber das ist in Japan ja Standard. Auch Tee und Schlapfen sind vorhanden, in der Dusche eine Badehaube. Herausragend sind die großen Zimmer (Kühlschrank, Couch, Tisch, Stühle, Fernseher). Wir haben wirklich viel Platz hier! Die Betten sind riesig. Es gibt ein normales Kissen und ein Reiskissen (gefüllt mit Reis! – das kannte ich noch nicht, fühlt sich jedenfalls genauso an). Wir könnten ohne Probleme auch zu dritt in den Riesenbetten schlafen. Romantisch ist für mich, daß man den Zug hört. Es ist eine Kindheitserinnerung, daß ich den Zug in der Nacht mit Geborgenheit und Urlaub assoziiere. Weiter Pluspunkte des Hotels sind ein gratis Shuttle-Bus in das Stadtzentrum, ein außergewöhnliches Frühstücksbuffet (extra zu bezahlen) und ein Onsen, das ist ein japanisches (öffentliches) heißes Bad. Genaueres darüber etwas später. Denn zunächst fahren wir noch einmal in die Stadt zum Abendessen.
Um 18 Uhr fahren wir mit dem hoteleigenen Shuttle-Bus in die Innenstadt. Er ist für Hotelgäste gratis zu benützen. Es ist ein Kleinbus für vielleicht 10 Passagiere, der nach fixem Fahrplan verkehrt. Herr Kobayashi sucht ein geeignetes Lokal zum Essen. Dort bestellt er zunächst einmal für alle „Okonomiyaki“. Übersetzt heißt das etwa „Gebratenes, das ich mag“. Man könnte es als eine Art japanische Pizza bezeichnen. Es ist ein Teig, der aus Kartoffeln oder Süßkartoffeln besteht, und in den Teig sind Oktopus, Garnelen, Gemüse und derlei Dinge hineingerührt. In runden Fladen wird die Masse dann auf dem Tisch – vor Deinen Augen – gebraten. Mit einer großen Spachtel kann man das dann zerteilen und auf seinen Teller schieben, wo man es dann mit den Stäbchen essen kann. Eine Soße wird auch noch darübergestrichen und aus einem bereitstehenden Behälter wird Katsuobushi drübergestreut. Katsuobushi ist eine häufig verwendete Zutat in der japanischen Küche: geschabte Flocken des getrockneten Bonitofisches. Sie sind so leicht, daß sie sofort davonfliegen, wenn man hineinbläst. Katsuobushi wird oft auch als Basis für Suppen verwendet (Wie bei uns etwa Gemüse oder Fleisch oder Knochen), um der Suppe einen bestimmten Geschmack zu geben. Diese „japanische Pizza“ ist weicher als die italienische, schmeckt interessant und gut. Natürlich gibt es auch andere Sachen, zum Beispiel hiyayakko. Das ist kalter Tôfû mit Katsuobushi darüber und eine Soyasoße dazu. Ich kenne das schon, bin aber froh, es nach vielen Jahren endlich wieder mal essen zu können. Schließlich gibt es auch „Ochazuki“. Davon habe ich wohl schon gehört, aber gegessen habe ich das noch nie. Es ist Reis, darüber Nori (eine Art Meeresgemüse), Fisch-Rogen (ziemlich klein und rosafarben) gibt es auch dazu, und über das ganze wird grüner Tee geschüttet. Beim Essen schlürft man zwangsweise, denn man muß meist die Schüssel an den Mund halten und das suppenartige Gericht in den Mund hineinschaufeln. Dazu wird Tsukemono gereicht, das ist das japanische eingelegte Gemüse. Auch eine Gurke, sowie eine umeboshi (Sauerpflaume) ist dabei sowie eine Art Wasabi-Soße. Wasabi ist der japanische, grüne, scharfe Meerrettich, eine Paste normalerweise. Schließlich gibt es auch noch eine Menge interessanter Drinks mit klingenden Namen, die ich nicht notiert habe. Eine Art Weizenschnaps, etwas das nach Mango schmeckt, und noch einiges. Heute bin ich sehr satt, denn das „Okonomiyaki“ sättigt sehr. Mit dem Hotel-Bus fahren wir wieder zurück.


Ein Muß in Japan: ein heißes Bad („Onsen“)
Wenn es etwas typisch Japanisches gibt, das jeder, der hier war, berichtet, dann ist es das „onsen“. Warme Quelle heißen die Zeichen wörtlich übersetzt und normalerweise ist es auch so etwas. Bei uns sagt man Therme dazu. Aufgrund der Geologie Japans gibt es zahllose heiße Quellen hier und seit Jahrhunderten werden diese Quellen auch genutzt. Nicht nur von Menschen, es gibt sogar Affen, die heiße Quellen schätzen.
Was man also mit „Onsen“ bezeichnet, hat durchaus Ähnlichkeit mit den Thermen in Österreich, Ungarn oder Slowenien, oder mit den berühmten Bädern an verschiedensten Orten Europas. Aber natürlich hat ein Onsen etwas Typisches, das es von unseren Thermen unterscheidet. Während man bei uns in etwa 30 bis 34 Grad warmem Wasser suhlt, zwischendurch eine Sauna oder ein Dampfbad besucht, aber auch ein kühleres Schwimmbecken benützen kann, ist ein japanisches Onsen in der Hauptsache ein heißes Becken mit etwa 40 Grad. In dieses steigt man hinein, nachdem man sich vorher gründlich mit viel Seife gewaschen hat. Hier gibt es aber keine Duschen, sondern man sitzt auf einem Hocker vor einem Spiegel, einer Brause, einer Waschschüssel, wo es Seife gibt und Shampoo und allerlei Dinge. Wie bei uns im Dampfbad oder in der Sauna ist man nackt. Seit die Amerikaner den Japanern ihre Moralvorstellungen aufgedrängt haben (Anfang des 20. Jahrhunderts), gibt es meist geschlechtergetrennte Onsens. Ursprünglich waren sie jedoch gemischt. Heute ist das nur mehr sehr selten der Fall, wie ich gelesen habe. Hauptsächlich an kleinen, abgelegenen Orten.
Unser Hotel hat also auch ein Onsen. Ob es hier darunter wirklich eine heiße Quelle gibt, oder ob das Wasser von irgendwo hergeleitet wird, weiß ich nicht. Die Prozedur, die ich nun schildere, darf im Großen und Ganzen für alle Onsens gelten. Zunächst einmal ziehen wir uns den Yukata an und gehen mit den Kobayashis in den Keller. Dort trennen wir uns erst mal, denn Frau Kobayashi geht ins Frauen-Onsen. Wir vereinbaren einen Treffpunkt danach – und ich wundere mich, daß das schon nach etwa 30 oder 45 Minuten ist. Wir geben zuerst unsere Hotel-Schlapfen in ein Schließfach. Dann gehen wir barfuß zur Theke, wo wir den Schließfachschlüssel gegen einen Schlüssel der eigentlichen Garderobe eintauschen, außerdem bekommen wir auch ein Badetuch und ein kleines Handtuch, etwa 30x30 Zentimeter groß. Bei der eigentlichen Garderobe legen wir den Yukata ab und gehen nackt in den Baderaum. Es ist ein langgestreckter Raum mit drei Wasserbecken und sogar einer Saunakabine mit Glastüren und -wänden. In einer Ecke sind die Waschplätze. Ich habe oft gehört und gelesen, wie sorgfältig und nur ja mit viel Schaum man sich hier zu waschen hat, Herr Kobayashi macht aber Katzenwäsche. Ich bevorzuge es als Ausländer, mich dem Beispiel anderer Japaner anzuschließen und wasche mich ganz ordentlich.
Nach dem Waschen steigen wir ins 42 Grad heiße Becken. In Reiseführern wird oft berichtet, daß es manchen Westlern zu heiß erscheint, ich finde es jedoch angenehm, wie eine heiße Badewanne. Das Wasser ist seicht, wenn man sitzt, muß man sich noch etwas zurücklegen, um bis zum Hals im Wasser zu sein. Japaner empfinden das heiße Bad als angenehme Entspannung nach einem arbeitsreichen Tag oder einem anstrengenden Sightseeing-Tag. Interessant ist, daß man dafür nicht viel Zeit verwendet. Man bleibt vielleicht 5 oder höchstens 10 Minuten im Wasser. Neben dem heißen Becken ist ein Whirlpool und weiter hinten ein kühleres Becken, durch das man wie beim Kneippen durchgehen kann, und ein anderes, das ebenso kühl ist und brusthoch. Es ist aber bei weitem nicht so kalt wie unsere Saunabecken. Herrn Kobayashi wird es bald zu warm und er steigt wieder raus um sich wieder zu waschen. Ganz verstehe ich das nicht. Aber das machen alle so. Der ganze Raum ist übrigens eher kühl und schmucklos mit Fliesen gestaltet.
Herr Kobayashi geht dann mit uns in die Saunakammer, die sich durchaus von unserer Sauna unterscheidet. Auf dem Boden und auf den Bänken liegen Handtücher, auf die man sich setzt. Die bleiben aber hier liegen. Also der Schweiß bleibt da drin! Da verstehe ich den Gedankengang der Japaner nicht. Hier sitzen die Japaner meist im Türkensitz und schauen fern, denn ein TV-Gerät ist auch da drin. Die Temperatur ist etwa wie bei uns.
Wir testen dann auch noch den Whirlpool und ich steige zum Schluß wieder ins heiße Becken, das recht entspannend ist. Kobayashi geht nach der Sauna im brusthohen Wasser „spazieren“ und ich denke mir, daß er hier seinen Schweiß wieder los wird – hygienisch? Denn erst danach geht er sich wieder waschen. Ich finde das seltsam. Nach unserem letzten Wassergang gehen wir mit umgewickeltem Handtuch in einen Ruheraum, in dem eine Menge Fauteuils mit Kunststoffbezug stehen. Hier ruhen wir ein wenig, es gibt auch hier einen Fernseher und auch Zeitungen und Zeitschriften. Danach gehen wir zum Umkleiden, wobei mir auffällt, daß bei den Spiegeln Dosen und Flaschen mit Deos oder Haarmittel herumstehen, auch Fön und Kämme, Bürsten. Als wir dann rausgehen, geht alles genau umgekehrt mit den Schlüsseln, nur werden die Schlüssel vertauscht und wir haben nicht sofort unsere Hotelzimmer-Schlüssel und die richtigen Schlapfen. Ein wenig kompliziert sind die Japaner schon!
Alles in Allem war das ganze, über das die Reiseführer so viel Aufhebens machen, nicht viel anders als ein Saunabereich in einem unserer Thermalbäder. Nichts „Besonderes“, aber sehr entspannend und nur eben ein wenig anders als bei uns.
Damit ist der Tag (etwa um 22 Uhr) beendet. Im Zimmer muß ich den Yukata sofort ausziehen, weil mir sonst viel zu heiß ist. Unnötig zu erwähnen, daß wir heute keine Ausgaben hatten, außer die U-Bahn in Tôkyô und das Frühstück, das wir am Bahnsteig in Tôkyô gekauft haben. Alles andere zahlte ja Herr Kobayashi.


Sightseeing in der Kaiserstadt Kyôto
Der folgende Tag beginnt mit einem köstlichen Frühstück. Es gibt ein Büffet, das sowohl westliches als auch japanisches Frühstück bietet. Alles, was wir kennen und dazu auch Japanisches. Ich erinnere mich nur bruchstückhaft, was ich mir genommen habe. Auf jeden Fall war auch eine Schüssel mit Früchten dabei, denn ich wollte die Kaki probieren und die Melonen. Sie waren natürlich köstlich. Es gab verschiedene gegrillte Fische und Pilze und Gemüse, Reis ebenso wie auch weißes Brot und Gebäck wie aus der Bäckerei, auch Milchbrot. Tsukemono natürlich auch, Salate, aber auch Kaffee oder Schwarztee. Ich hätte gerne noch viel mehr gegessen, aber ich habe mich doch auch ein wenig geniert und mich daher bescheiden gegeben. Um 8 Uhr geht es los mit dem hoteleigenen Bus zum Bahnhof.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_163.jpg
Vor dem Einsteigen kann ich gerade noch unseren Zug, Baureihe 103 fotografieren. Ab 1964 wurde diese Bauart für den Nahverkehr (S-Bahn etc.) in Großstädten gebaut. Sie gehören zu den ältesten noch eingesetzten Triebwagen in Japan. Mit diesem Regionalzug fahren also nach Kyôto. Die Schriftzeichen bedeuten eigentlich nichts anderes als Hauptstadt-Hauptstadt. Tôkyô bedeutet hingegen wörtlich Ost-Hauptstadt, weil sie östlicher liegt. Kyôto war von 794 bis 1868 Hauptstadt Japans. Danach wurde es Edo, das aus diesem Grund in Tôkyô umbekannt wurde. Die Fahrt ist ein wenig langweilig, weil wir überall stehenbleiben. An Bahnbildern kann ich lediglich aus dem Führerstandsfenster fotografieren.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_164.jpg
Zum Beispiel dieses Bild eines Triebwagens Reihe 105. So ein Zug wurde vor zwei Tagen beim Taifun durch Unterspülung zum Umstürzen gebracht.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_165.jpg
Auch ein Zug wie der unsere kommt uns öfter entgegen!

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_166.jpg
Auch die Reisfelder neben der Strecke sind interessant: links noch grün, rechts schon abgeerntet.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_167.jpg
Teile der Strecke sind sogar noch eingleisig, wie man hier gut sehen kann. Wir mußten den Gegenzug abwarten, um weiterfahren zu können.

In Kyôto brauchen wir zunächst ein Gepäckschließfach, denn wir haben ja das Gepäck für die nächsten 11 Tage dabei. Ich bin überzeugt, wenn mein Freund und ich selbst planen hätten können, wir hätten die (einzige) U-Bahn-Linie genommen und wären dann erst in einen Bus umgestiegen. Und wir sind auch überzeugt, daß wir schneller gewesen wären. Nach etwa 25 Minuten Fahrzeit durch die schachbrettartig angelegte Stadt müssen wir umsteigen und noch einmal ziemlich lang fahren, sodaß wir fast eine Stunde unterwegs sind im engen Bus. Dann erreichen wir unser erstes Ziel:

Der Ryôan-Tempel ist einer der berühmteren Tempel in Kyôto. Er liegt im Nordwesten der Stadt, sozusagen am anderen Ende.

http://schienenfahrzeuge.netshadow.at/bahngalerie17_500/2006_sg_01_168.jpg
Hier gibt es einen berühmten Zen-Garten, also einen rechteckigen Steingarten (10 x 25 Meter) mit gekämmtem Kies und 15 Steinen darinnen. Angelegt wurde der Garten um 1450. Am Rande dieses Gevierts sitzen etliche Japaner und schauen. Ich kann dem aber nicht viel abgewinnen. Die Gebäude hier interessieren mich mehr. Eine Halle, ganz aus Holz natürlich, in der die Mönche studiert und meditiert haben. Der zugehörige Garten ist sehr dunkel, überall ist Moos, das natürlich auch gepflegt werden muß. Ein Teich ist natürlich auch im Garten dabei. Er wurde im 12. Jahrhundert angelegt.

Das berühmteste Gebäude in Kyôto: Kinkaku-ji
Das nächste Ziel ist nur wenige Haltestellen entfernt und ist schon viel toller.
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Es ist der berühmteste Tempel von Kyôto: der Kinkaku-Tempel. Eigentlich ist der Goldene Pavillon (das heißt nämlich kinkaku übersetzt), das goldene Gebäude in der Tempelanlage, das Anziehende hier. Aber auch der Garten rundherum ist schön, weil er nicht so dunkel und eng ist wie der von Ryôan-ji, sondern weitläufiger. Der Tempel heißt eigentlich Rokuon-ji (Rehgarten-Tempel), aber wegen des goldenen Pavillons wird er allgemein nur als Kinkanku-ji bezeichnet. Dieser Pavillon wurde im 14. Jahrhundert als Altersruhesitz gebaut. 1397 wurde begonnen, einen Garten anzulegen, der noch heute in der gleichen Form besteht. Der Pavillon wurde nach dem Tod des Erbauers in einen Tempel umgewandelt. Alle Tempelgebäude, die zu dieser Zeit errichtet wurden, verfielen im Lauf der Zeit wieder. Der dreistöckige Bau hat für Kundige der japanischen Architektur viel zu bieten: jedes der drei Stockwerke hat einen anderen Stil. Wir verstehen davon jedoch nichts. 1950 wurde der Originalbau durch Brandstiftung zerstört. Der detailgetreue Nachbau (wie üblich in Japan) ist natürlich wieder mit Blattgold überzogen. Besonders hübsch ist die große Gartenanlage mit einem Teich, einigen kleinen Inseln, alles sehr schön geplant und angelegt. Die Momiji-Bäume sind besonders hübsch. Das ist eine Ahorn-Art, aber mit sehr kleinen Blättern, vielleicht bis zu 4 cm lang. Eine zweite Art von Bäumen, die überall auffallen, sind Matsu, das ist eine Art von Kiefern. Wir sehen dann in der Nähe des Ausgangs einen Tee-Garten (ich nenne ihn einmal so). Man sieht niedrige Tischchen mit roten Tischdecken. Die Tischchen entpuppen sich als Sitzgelegenheiten, also sozusagen zugleich als Tisch als auch als Bank verwendbar.

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Wir nehmen Platz und die Kellnerin bringt einen Matcha, das ist ein grüner Tee, der besonders ist: er wird mit einem pulverisierten Tee hergestellt, der Teestaub bleibt im Wasser und wird mit einem Bambus-Schneebesen schaumig gerührt. Schmeckt köstlich. Dazu gibt es auf einem extra Teller ein kleines Stück Okashi, so heißen praktisch alle japanischen Süßigkeiten. Diese hier ist wie alle mit süßer Bohnenpaste gefüllt, rundherum ist das rechteckige Stück – von der Größe von zwei Milka-Naps etwa – mit einer weißen Masse (sicher aus Reis hergestellt) umgeben. Darauf ein Hauch Goldblatt (ein Quadrat). Sieht wirklich aus wie echtes Gold! Keine Ahnung, ob man Gold überhaupt essen dürfte. Anders als üblich handelt es sich nicht um eine Klebreismasse, es ist eher fest wie Fondant. Jedenfalls außerordentlich gut, aber eben sehr klein.

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Es gibt auch traditionelle Teile in diesem Teegarten. Überdachte Plätze in japanischem Stil, also wo man am Boden sitzt. Der Stein dient als Stufe, die Schuhe bleiben draußen. Die Frau mit dem Kimono ist die Kellnerin. Beim Aufnehmen einer Bestellung wird sich eine höfliche Kellnerin immer auf gleiche Höhe mit dem Gast begeben! Also auch in einem Restaurant mit normalen Stühlen geht sie in die Hocke, wenn sie die Bestellung aufnimmt.
Unser letztes Ziel ist der Ginkaku-ji. Hier handelt es sich nicht um einen Schreibfehler, sondern auf Japanisch ist kin (Gold) und gin (Silber) eben sehr ähnlich. Um zu diesem Tempel zu gelangen, müssen wir wieder eine längere Autobusfahrt mit der Linie 204 unternehmen. Um 13.15 warten wir auf den Bus, die Fahrt dauert 40 Minuten. Wir haben nicht mehr viel Zeit für unsere Besichtigungen. Unterwegs – sogar im Autobus – fallen uns viele europäische oder amerikanische Touristen auf. Mehr als in Nara. Der Ginkaku-Tempel ist sichtbar alt. Das Holz schon sehr verwittert. Der Tempelgarten ist sehr bedeutend für die japanische Kultur, denn hier entwickelten sich Teezeremonie, Noh-Theater, Blumenkunst und Tintenmalerei zu hoher Kunst. Zu Ehren seines Großvaters, der Kinkaku-ji vergolden ließ, wollte der Shogun Yoshimasa (1358-1408) diesen Tempel versilbern, aber ein Krieg machte seine Absicht zunichte. Trotzdem wird der Tempel Ginkaku-ji genannt, also „Tempel des silbernen Pavillon“.
Der Park um diesen Tempel herum ist besonders beliebt, allerdings auch etwas eng. Es gibt unzählige Menschen, die hier die Wege entlang gehen. Viele Flächen sind mit gekämmtem Kies ausgelegt, überall ist Moos verlegt, man sieht Arbeiter, die die nach unten stehenden Nadeln der Matsu-Bäume (Kiefern) abzupfen oder Moos ausbessern. Der Garten wir permanent gepflegt.
In der Nähe des Bahnhofs gibt es natürlich viele Restaurants. Herr Kobayashi geht mit uns durch eine Ladenstraße und sucht ein passendes Lokal. Es gibt viele Spezialitäten-Restaurants, darunter auch China-Restaurants. Er fragt uns öfter, ob wir dies oder das bevorzugen würden. Schließlich gehen wir in ein Tonkatsu-Restaurant. Ein Tonkatsu könnte man am besten mit „Schnitzel“ übersetzen, aber selbstverständlich hat das nichts mit unserem Schnitzel zu tun. Erstens ist die Panier ganz anders, weicher vor allem, zweitens ist die Masse, die paniert wird, nicht reines Fleisch, sondern eine Mischung aus Fleisch (oder auch Fisch) und anderen Zutaten. Wie üblich ist es schwer, sich für etwas zu entscheiden, aber ich nehme dann Redeesu gozen, also etwa „Ladies-Gedeck“. Da gibt es folgende Sachen drauf: Reis mit Babyfisch. Das sind ganz winzige Fischchen, bei denen die Augen größer scheinen als der Kopf. So ein Fischchen ist vielleicht 5 mm groß. Dann natürlich eine Miso-Suppe, eingelegtes Gemüse (tsukemono), dann sechs Schälchen: ein rundes flaches „Schnitzel“, etwas wie ein Ebi-Tempura (Ebi ist Garnele), ein weiteres kugelrundes „Schnitzel“, kaltes Gemüse (Süßkartoffel, grüne Erbsenschoten, eine Paprika-Art), Eierkuchen, Shrimps, und noch andere Sachen. Als Dessert gibt es einen Matcha-Pudding auf Soya-Basis und ein Stück Yôkan, das ist dieses süße Bohnenmus. Außerdem darauf etwas weißes wie Schlagobers. Schade, daß man diese fremden Dinge nicht alle schildern kann. Ich erinnere mich nur ungenau, und selbst meine Aufzeichnungen helfen nicht viel. Dann kommt der Abschied von Herrn und Frau Kobayashi. Sie haben uns fast alles gezahlt, aber sie scheinen es zu haben.


Eine kurze Shinkansen-Fahrt
Die nächsten zwei Nächte verbringen wir in Ôsaka. Während sich unsere zwei Gastgeber zum Zug nach Tôkyô begeben und uns wissen lassen, daß sie nicht gewillt sind, irgendein Geld zu nehmen („Meine Frau hat zu viel Geld!“), begeben wir uns ebenfalls auf unseren Bahnsteig, um die wenigen Kilometer nach Ôsaka in einem Shinkansen zurückzulegen. Alle paar Minuten kommt einer, und in Kyôto und Ôsaka halten alle. Da braucht man keinen Fahrplan.

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Vor unserer Abfahrt kann ich gerade noch einen Zug der Reihe 300 fotografieren, mit so einem sind wir gestern hier angekommen.

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Auch einen Zug der Reihe 700 kann ich zum ersten Mal fotografieren. Es sind die neuesten Standard-Züge in West-Japan, gebaut ab 1997. Ein Teil der Züge trägt die Aufschrift „Ambitious Japan“. Kürzlich wurde eine Neigezug-Variante dieser Bauart entwickelt.
Wir fahren mit einem „Hikari“ („Licht“) die 39 Kilometer bis Shin-Ôsaka, 15 Minuten brauchen wir dafür. Shin-Ôsaka heißt „Neu-Ôsaka. Für die Shinkansenstrecke, die nicht das Zentrum der Stadt berührt, wurde der neue Bahnhof gebaut. Ein Kreuzungsbauwerk, in dem die Shinkansenstrecke die Standardspurstrecke im Winkel von etwa 30 Grad auf einer hohen Brücke überquert. Dadurch ist dieser Bahnhof auch für die Kapspurlinien sehr bedeutend! Wir finden relativ schnell die Nord-Süd-U-Bahn, sie heißt Midôsuji-sen, mit der wir nur zwei Stationen nach Norden fahren und in der Station Esaka aussteigen. Das Hotel hat mir mein Freund Arthur aus Australien empfohlen. Wir finden es auch sofort in der Seitenstraße bei der Station. Wir haben – wie alle Hotels – schon längst per e-mail reserviert. Wir zahlen im Voraus, das ist in Japan fast überall so üblich: 44 Euro pro Person und Nacht im Doppelzimmer. Für das Frühstück können wir Bons erstehen, die 4,40 Euro für ein Frühstück nach Wahl kosten. Nach Wahl heißt hier: westlich oder japanisch. Das Zimmer ist relativ groß, das Service ist wie üblich: Yukata, Teekanne mit Zubehör, Buddha-Buch usw…

Ich habe schon per e-mail mit meinem „Mail-Freund“ Hironori (Familienname: Tanaka, ein sehr häufiger Name wie Maier) ausgemacht, daß wir uns in der Lobby des Hotels treffen. Und bevor ich mich noch hinsetze, kommt er schon pünktlich zur ausgemachten Zeit herein und weiß natürlich gleich, daß wir die Gesuchten sind. Er schlägt vor, irgendwo in der Nähe essen zu gehen. Er kennt sich hier aus, weil er hier arbeitet. Wir finden ein Beefsteak-Kettenrestaurant namens „VOLKS“. Wir haben zwar schon zu Abend gegessen, aber naja. Wir nehmen also etwas eher Kleines, und alle drei das gleiche: Teriyaki Beef. Teriyaki ist etwas Gebackenes in Soyasoße. Das Essen besteht aus Reis, Teriyaki mit Noristreifen, dazu gibt es auch noch Miso-Suppe und Tsukemono (eingelegtes Gemüse). 11 Euro gebe ich für das Essen aus.
Wir plaudern sehr viel, meist auf Japanisch, und ich bin ganz zufrieden mit meinem Sprachvermögen. Obwohl Hironori sich oft bemüht, auch Englisch zu reden, ist es schwer, weil man den Akzent fast nicht versteht und sein Englisch nicht sehr gut ist. Natürlich tauschen wir unsere Geschenke aus. Ich habe selbstgebackene Kekse mitgebracht, aber auch ein Foto-Buch über die ÖBB. Das erleichtert mein Gepäck ungemein. Hironori seinerseits schenkt mir ein kleines, altes Büchlein über die ersten Shinkansen-Züge (das Buch ist von 1964) sowie eine japanische Eisenbahnzeitschrift (tetsudô-fan), das heißt „Eisenbahn-Fan“. Das Besondere darin ist eine Stationsierungsliste der JR-Fahrzeuge. Hironori weiß also genau, was mich interessiert. Wir verabschieden uns dann, denn morgen werden wir ja den Tag, wie geplant, gemeinsam verbringen. Hironori wird auch einen Freund mitbringen. Wir verabreden uns am Bahnsteig, wo ich natürlich schon vorher fotografieren möchte.
In unserem Hotel habe ich nun genug zu lesen. Die Zeitschrift ist zwar nicht für Kinder, daher also etwas schwierig zu entziffern, aber das Wesentliche kann ich mir schon herauslesen, was ich wissen will.



Fortsetzung folgt. - Teil 6: [www.drehscheibe-foren.de]
Mir ist beim Redigieren des Textes (2005 für ein österreichisches Eisenbahnforum geschrieben) aufgefallen, daß sich darin viele österreichische Ausdrücke befinden. Ich habe versucht, die meisten durch allgemein verständliche Wörter zu ersetzen und hoffe, daß ich nichts übersehen habe!



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:02:10:17:37:52.

Re: [JP] Reisebericht Japanreise 2004 (5) - (24B)

geschrieben von: JensR

Datum: 20.09.07 02:02

Ganz herzlichen Dank für die bisherigen Reiseberichte. Gerade auch die Hinweise auf das Leben jenseits der Bahn machen letztere noch interessanter. Und zu den Ausdrücken: 1. versteh ich dich als gebürtiger Bayer bestens und 2. kann man von den Unverständigen ja auch mal etwas geistige Anstrengun verlangen! ;-)

Gruß,

Jens




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:09:20:02:02:43.

Re: [JP] Reisebericht Japanreise 2004 (5) - (24B)

geschrieben von: Sven Jähnig

Datum: 20.09.07 17:02

Ganz toller Bericht über eine interessante Reise - das weckt Erinnerungen an meine Reise letztes Jahr nach Japan. Leider nur 2 Wochen und nur Honshû und Shikoku und auch absolut nicht Eisenbahnlastig, die Bahn war da eher das Mittel zum Zweck, aber ein paar Fotos sind dennoch entstanden. Auch letztes Jahr hatte ich noch das Glück, im Raum Hiroshima mit den alten Zügen der Baureihen 103 und 115 zu fahren - wir sind in den anderen Regionen (bis auf Tôkyô) meistens mit Kaisoku-Zügen gefahren, da war die Zugauswahl dann etwas anders.. Und auch die 2006er-Ausgabe des "Tetsudô-Fan" mit dem Stationierungsverzeichnis (Ich glaube, immer die Juli-Ausgabe) gehört zu meinem Ausgaben-Bestand (neben noch ein paar anderen Ausgaben mit Portraits mich interessierender Baureihen).
Eine Frage hab ich noch: Du hast in einem anderen Beitrag geschrieben, dass du im Besitz des "JR Zensharyô Daizukan" bist. Sind dort auch Technische Daten zu den Fahrzeugen drin?
Ich such nämlich ein Buch, dass mir auch Technische Daten zu den einzelnen Fahrzeugen gibt, denn die immer aus dem Internet zusammenzusuchen ist teilweise sehr mühselig, zumal ich zu manchen Baureihen schlicht und einfach garnichts gefunden habe.
Ansonsten gibt es ja noch das jährlich erscheinende "JR Zensharyô Handobukku", aber auch da konnte ich damals keinen Blick herein werfen - die 2006er Ausgabe sollte eigentlich vor meinem Urlaub erscheinen, musste aber, wie mir im Shôsen Grande (Ein Riesengroßer Buchladen in Tôkyô mit überwältigender Eisenbahnabteilung) gesagt wurde, leider auf Anfang August verschoben werden - wenige Tage nach meiner Abreise...
Falls auch jemand anders irgendwelche Tipps zu einem "umfassenden Gesamtwerk" der JR-Baureihen hat, entweder als Buch oder im Internet (vielleicht auch selbst digital?) - über Tipps freue ich mich gerne.

Sven

Re: [JP] Reisebericht Japanreise 2004 (5) - (24B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 20.09.07 17:29

Also das "JR Zensharyô Daizukan" hat leider nur ungenügende technische Daten. Es sind (fast?) alle Farbvarianten abgebildet, in einem Kasten stehe eine allgemeine Erklärung zur Type - ist ganz interessant, aber da ich ja nicht alle Schriftzeichen kann, ist es doch manchmal mühsam, im Zeichenlexikon nachzuschlagen, bis man die Informationen beisammen hat, die man haben will.
Die meisten Infos suche ich dann doch im Internet. Wenn man allerdings nichts Japanisch kann, dann ist es schon schwer, denn auf Englisch sind nur wenig Informationen zu finden.

Zu welchen Baureihen hast Du nichts gefunden? Vielleicht hab ich ja schon was davon. Ich arbeite halt immer dann, wenn es einen Anlaß gibt oder wenn ich Lust habe, an der Vervollständigung meiner Liste. So wie heute über die Type 701. Ein User wollte da was wissen, das war gleich Anlaß zum Suchen, weil ich diese Bauart noch nicht so genau recherchiert hatte.
Aber etliche andere hab ich ja schon.

Wenn ich gar nichts finde, frage ich meinen Freund in Japan. Der beantwortet dann die meisten Fragen.
Im Internet findest Du am meinsten Informationen bei Wikipedia. Du mußt halt in Google auf Japanisch eingeben. Also z.B. 701kei (kei natürlich mit dem Kanji-Zeichen). Hier in diesem Forum kann ich nicht Japanisch schreiben. Das funktioniert nicht. Aber auf diese Weise findet man schon viele Informationen. Leider auf Englisch nicht.
Kannst Du Japanisch? Dann wird es nicht so ein Problem sein.
Aber wie gesagt, einige Informationen hab ich ja auch selbst.
Gustav

Re: [JP] Reisebericht Japanreise 2004 (5) - (24B)

geschrieben von: Sven Jähnig

Datum: 20.09.07 17:54

Joa, auch Google befrage ich gerne dazu, Problem sind auch nicht umbedingt die Elektrotriebwagen, sondern eher die Dieseltriebwagen älterer Reihen. Kiha 30/35 zum Beispiel, aber auch über den Kiha 38 war nicht soviel zu finden. Bei letzterem ist es mir beispielsweise letztens nicht gelungen, die Höchstgeschwindigkeit herauszufinden. Auf Wikipedia steht nichts dazu, eingabe von "kiha 38 (eigyô-) kôsoku" (In Kanji natürlich) brachte keine zufriedenstellenden Ergebnisse.
Meistens ist bei mir die Japanische Wikipedia die erste Anlaufstelle, wenn da nichts vernünftiges drin ist, suche ich über Google. Aber immer findet man auch nichts und das Zusammensuchen der ganzen Sachen kann manchmal ewige Zeit in Anspruch nehmen.
Japanisch kann ich, aber mein (vor allem Kanji-)Wissen hält sich noch in Grenzen. Lerne seit 2003 Japanisch, seit 2006 an der Universität als Hauptstudienfach. Aber bei technischen Texten wie Baureihenbeschreibungen hörts dann bei mir auf, dann muss ich dauernd Kanji nachschlagen - was Digital heutzutage zum Glück kein großes Problem mehr darstellt. Wenn ich für jedes Kanji meinen Nelson befragen müsste, wäre ich wahrscheinlich seit 3 Jahren ununterbrochen am Nachschlagen. ;)
Deswegen dachte ich, dass vielleicht irgendwer eine Internetseite (oder ein Buch) mit Technischen Daten kennt, das recht viele Baureihen umfasst. Zu besonders interessanten neueren Baureihen der letzten Jahre (Als da für mich vor allem E233 oder Tôkyô Metro 10-000 wären) habe ich mir die entsprechenden Tetsudô-Fan-Ausgaben organisiert, der ist ja sehr umfangreich in der Hinsicht - vor allem die beigelegten Baupläne faszinieren mich immer wieder.
Wenn da drin aber, wie du sagst, zumindestens mal über die Farbvarianten anständige Auflistungen drin sind, wäre das Buch doch eine Anschaffung wert. Gerade bei den älteren Baureihen ist das ja sehr chaotisch, vor allem 103 und 111/113/115 zeichnen sich ja durch eine sehr große Farbenvielfalt aus.

Sven



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:09:20:17:55:11.

Re: [JP] Reisebericht Japanreise 2004 (5) - (24B)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 20.09.07 22:32

Ja, es ist wirklich schwer, Höchstgeschwindigkeiten zu finden. Überhaupt ist das Gebiet der Dieseltriebwagen ziemlich kompliziert. Auf dieser Seite fehlt sogar der Geschwindigkeitseintrag:
[www.geocities.jp]

Dafür fand ich etwas auf dieser Seite: (ich habe die Baureihe und dann „saikôsokudo“ eingegeben.
[blogs.yahoo.co.jp]
kiha31: 95 km/h
kiha37: 95 km/h
kiha38: unklar
kiha30: 95 km/h

Aber das ließ mir keine Ruhe. Hier fand ich auch kiha38:
[homepage1.nifty.com]
v/max: 95 km/h (wie vermutet).

Meine Kanjikenntnisse sind auch nur mangelhaft. Ich glaube, ich kannte mal etwa 700 Zeichen, aber nicht alle Lesarten – oftmals nur in bestimmten Wörtern. Ohne Zusammenhang sind mir heute auch viele Zeichen unbekannt, nur in gewissen Wörtern kann ich sie lesen. Fachausdrücke aus dem Eisenbahnbereich kenne ich besser als Allerweltswörter für Konversation. Manchmal kann ich das Wort verstehen, ohne mich an die Aussprache zu erinnern. Ich habe halt zuwenig Zeit dafür. Ich habs mir auch nur selbst beigebracht.

Wie schlägst Du digital ein Kanji nach? Das würde mich interessieren. Ich habe halt mein Lexikon. Das große Wernecke/Hartmann aus DDR-Zeiten ist schon mühsam, das kleinere von Langenscheidt ist da besser, aber dort findet man ältere oder seltenere Zeichen nicht.

Ich glaube, ich habe etwa 10 oder 12 tetsudô-fan-Hefte daheim. Da finden sich einige interessante Artikel, auch über Dieseltriebwagen-Familien.

In meinem Buch sind nur die aktuellen Farbvarianten enthalten. Historische – nicht mehr bestehende – fehlen natürlich. Die Baureihe 101 ist natürlich nicht mehr enthalten E233 noch nicht (aber eine neuere Auflage enthält es vielleicht). Ich hab glaub ich ein Heft, wo die neueren Baureihen beschrieben sind: E331 (mit einer Art Jacobsdrehgestellen) und 321 (sieht ähnlich aus, aber normale Wagen).

Von der Reihe 103 sind in meinem Buch 8 Farbvarianten abgebildet. Von der Reihe 113 zehn, von der Reihe 115 auch zehn. 111 zählt nicht als Reihe, aber die Steuerwagen der Reihe 113 sind noch 111er. Interessant ist, daß auf Shikoku jeder der drei vorhandenen 113er-Züge eine eigene Farbgebung hat. Zwei davon hab ich fotografiert. Das kommt noch in einem der nächsten Teile.

So, es ist Zeit, ins Bett zu gehen! Wenn Du noch fragen hast, nur zu. Wir können auch via E-Mail weiter korrespondieren (zuerst PM). Alles wird die Forumsmitglieder ja nicht interessieren.

Verhalten des Fahrers

geschrieben von: oaf

Datum: 21.09.07 22:40

Hallo,

das Verhalten des Fahrers (ständiges Zeigen auf irgendwelche Dinge) ist darin begründet, dass entlang der Strecke überall Kameras installiert sind, um den Fahrer zu überwachen. Wenn der Fahrer z.B. auf ein Signal zeigt, bestätigt er damit, dass er das Signal gesehen hat. Durch die weißen Handschuhe sind seine Hände besser zu sehen.

Gruß
oaf

Re: Verhalten des Fahrers

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 22.09.07 10:29

oaf schrieb:
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> Hallo,
>
> das Verhalten des Fahrers (ständiges Zeigen auf
> irgendwelche Dinge) ist darin begründet, dass
> entlang der Strecke überall Kameras installiert
> sind, um den Fahrer zu überwachen. Wenn der Fahrer
> z.B. auf ein Signal zeigt, bestätigt er damit,
> dass er das Signal gesehen hat. Durch die weißen
> Handschuhe sind seine Hände besser zu sehen.
>
> Gruß
> oaf

Das ist natürlich etwas Neues für mich! Vielen Dank für die Aufklärung. Daß überall Kameras das Verhalten des Fahrers überwachen, wußte ich wirklich nicht. Daß es als Bestätigung dient, war mir schon irgendwie klar. Aber ich dachte, das ist psychologisch zu deuten. Auch daß die weißen Handschuhe solcherart Sinn bekommen, ist natürlich hochinteressant!

Re: Verhalten des Fahrers

geschrieben von: oaf

Datum: 22.09.07 15:13

tokkyuu schrieb:
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> oaf schrieb:
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> > Hallo,
> >
> > das Verhalten des Fahrers (ständiges Zeigen auf
> > irgendwelche Dinge) ist darin begründet, dass
> > entlang der Strecke überall Kameras installiert
> > sind, um den Fahrer zu überwachen. Wenn der
> Fahrer
> > z.B. auf ein Signal zeigt, bestätigt er damit,
> > dass er das Signal gesehen hat. Durch die
> weißen
> > Handschuhe sind seine Hände besser zu sehen.
> >
> > Gruß
> > oaf
>
> Das ist natürlich etwas Neues für mich! Vielen
> Dank für die Aufklärung. Daß überall Kameras das
> Verhalten des Fahrers überwachen, wußte ich
> wirklich nicht. Daß es als Bestätigung dient, war
> mir schon irgendwie klar. Aber ich dachte, das ist
> psychologisch zu deuten. Auch daß die weißen
> Handschuhe solcherart Sinn bekommen, ist natürlich
> hochinteressant!

Ich habe das mal in einer Sendung von "Eisenbahn-Romantik" gesehen, wo über eine japanische Bergbahn berichtet wurde. Diese Bahn hat übrigens zwei Fahrer, einen für die Berg- und einen für die Talfahrt.

Gruß
oaf