DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 02 - Allgemeines Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Diskussionen, Fragen und Antworten - Bitte auf Themen beschränken, welche einen Bezug zur Bahn aufweisen. Persönliche Unterhaltungen bitte per PN führen.
Links bitte mit kurzer Erklärung zum verlinkten Inhalt versehen, andernfalls werden diese entfernt.

Die Dürener Eisenbahn AG 50 Jahre danach

geschrieben von: Dennis Mellerowitz

Datum: 09.08.14 05:53


Hallo alle miteinander!

Gerade in Nordrhein-Westfalen ist es oftmals schwierig, eindeutig zwischen Kleinbahnen, Werksbahnen und/oder Straßenbahnen zu unterscheiden, von denen mich für diese Reihe eigentlich nur die öffentlich betriebenen Klein- und Privat- und Nebenbahnen interessieren, die sowohl Güter-, als auch Personenverkehr betrieben und zumindest zeitweise auch Dampfloks einsetzten. Die hier nun im Folgenden vorgestellte Dürener Eisenbahn AG war entgegen ihres späteren Namens ursprünglich eine Dampfstraßenbahn und wurde erst 1934 in eine Kleinbahn umkonzessioniert. Da sie jedoch relativ lange Kastendampfloks, Rollwagen und zumindest in ihren Anfangsjahren auch einen recht „kleinbahnigen“ Wagenpark einsetzte, möchte ich sie hier gerne einmal mit vorstellen.

Ihre nur rund 11 Kilometer lange Meterspurstrecke, die in nordwestlicher Richtung aus Düren hinaus führte, wurde zwischen 1893 und 1927 in mehreren Etappen eröffnet. 1913 wurden die bis dahin eröffneten Streckenteile elektrifiziert sowie das letzte Stück nach Inden direkt ab Eröffnung 1927. Während die Dampfstraßenbahnwägelchen nach und nach verkauft wurden, wurden die kleinen Kastendampfloks noch bis Anfang der 50er Jahre im Güterverkehr in den Werksanschlüssen eingesetzt: [www.drehscheibe-foren.de]

Nachdem die letzten Anschlussgleise in den 40er Jahren mit Fahrdraht ausgestattet worden waren, konnten kleine Elloks die Dampfloks im Güterverkehr ersetzen. Auch die Straßenbahnwagen wurden noch durch relativ neue Fahrzeugzugänge aus Osnabrück ergänzt, doch am Ende half alles nichts mehr: Mit dem zunehmenden Straßenverkehr endete der Schienenverkehr zwischen 1963 und 1965.

Viele Spuren der einstigen Bahn sind erst in den letzten Jahren verschwunden, anderes mag ich übersehen haben, insbesondere Gleisreste in den früheren Fabrikanschlüssen oder einzelne Oberleitungsmasten. Einige dieser Relikte, die ich nicht mehr aufgefunden habe, konnten vor wenigen Jahren noch von einer Exkursion der Selfkantbahner dokumentiert werden: [www.selfkantbahn-impressionen.de] Erschwerend kommt hinzu, dass der gesamte hintere Trassenabschnitt der früheren DEAG mitsamt den anliegenden Ortschaften gerade einem Braunkohlentagebau zum Opfer fällt, aktuell viele Spuren restlos verschwinden oder bereits verschwunden sind.

Doch nun zu den Bildern, die am 29.03.2013 entstanden. Als ich in Pier, dem letzten Unterwegshalt der früheren DEAG, eintraf, begrüßte mich nicht mal mehr ein Ortsschild, so dass ich mir nicht sicher war, hier überhaupt richtig zu sein. Erst bei der Fahrt durch den Ort wurde mir klar, welches Schicksal diesem Dorf bevorstand. Der großteils bereits abgerissene Ort mit seinen verlassenen und verrammelten Hausruinen und der erneute Wintereinbruch boten eine schauderhafte Karfreitagsstimmung, gefördert durch das unheimliche stete Rattern und Dröhnen der sich nähernden Grubenbagger:

http://abload.de/img/img_1895wnugf.jpg

http://abload.de/img/img_1896dvuic.jpg

Obwohl kaum mehr was vor Ort an die (Dampf-)Straßenbahn erinnert, gibt es noch einige Fahrzeuge bei der Selfkantbahn, sogar eine komplette Zuggarnitur, die früher zu Dampflokzeiten bei der DEAG im Einsatz war:

Dampflok 4 „Rur“ (Henschel 1899) überlebte, zu einer Dampfspeicherlok umgebaut, als Werklok im internen Verschub der Dürener Papierfabrik Schöller. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf kaufte sie im vergangenen Jahr der niederländische Eisenbahnfreund und Sammler deutscher Meterspurkleinbahnfahrzeuge Wim P. und lässt sie aktuell bei Alan Keef Ltd. in Großbritannien von Grund auf als normale Dampflok restaurieren. Dort hat er bereits zwei kleine Krauss-Loks restaurieren lassen, die er u. a. der Selfkantbahn leihweise zur Verfügung stellt. Und so soll später auch Lok „Rur“ auf der Selfkantbahn zum Einsatz kommen. Hier steht sie noch in Schierwaldenrath in der IHS-Fahrzeughalle:

http://abload.de/img/img_2922cjj5r.jpg

Die folgenden Flachwagen stammen ebenfalls von Schöller. Welche DEAG-Bauarten das früher mal waren, weiß ich nicht:

http://abload.de/img/img_2953u9oxm.jpg

http://abload.de/img/img_2970ggrq7.jpg

http://abload.de/img/img_2971vgrfl.jpg

Erst vor wenigen Jahren konnte von Schöller noch dieser kleine DEAG-Rollwagen geborgen werden, über dessen Lebenslauf noch keine weiteren Erkenntnisse vorliegen:

http://abload.de/img/img_29969rrcx.jpg

Zwei Personenwagen kamen in den 30er Jahren an die Sylter Inselbahn und von dort in den 70er Jahren zurück ins Rheinland. Wagen 119 der Selfkantbahn besitzt noch seine alten Fensterrahmen, war aber zum Zeitpunkt meines Besuchs bei der Selfkantbahn an Ostern 2013 ausgelagert an die Sammlung Wim P. Eventuell hat auch hier ein Eigentümerwechsel stattgefunden? Fast baugleich, jedoch auf Sylt mit modernen Seitenwänden und –fenstern ausgestattet ist der heute noch bei der IHS eingesetzte Büffetwagen 118:

http://abload.de/img/img_3085swp3j.jpg

Doch zurück nach Pier: An die frühere Strecke nach Inden direkt neben der Landstraße gelegen kam ich nicht mehr heran, sie war bereits gesperrt. Inden existierte zum Zeitpunkt der Aufnahmen schon nicht mehr und befand sich etwa dort, wo hinten links noch Bäume zu erkennen sind. Die Straßenbahnstrecke endete stumpf vor der ebenfalls längst stillgelegten Staatsbahnstrecke Jülich-Inden-Stolberg. Vor dem Tagebaubagger ist noch die Landstraße dorthin zu erahnen. Die Bahn bog dann von hinten kommend von der Straße ab auf den Betrachter zu durchs Feld. Möglich, dass der kleine Feldweg im Vordergrund der frühere Bahndamm war:

http://abload.de/img/img_1906tkufv.jpg

Der Blick in die andere Richtung: Die Bahn überquerte die von Lucherberg kommende Straße und führte ein kurzes Stück rechts neben ihr nach Pier hinein:

http://abload.de/img/img_19082iaqf.jpg

…und bog gleich darauf ab auf das Areal des späteren Busbahnhofs: Hier war einst der Klein- bzw. Straßenbahnhof von Pier und bis 1908 Endbahnhof der DEAG mit einem zweigleisigen Lok- bzw. Wagenschuppen:

http://abload.de/img/img_1911qtdgm.jpg

Parallel zu einem Feldweg führte die Bahn hinter den Häusern von Pier entlang. Auf einem der passierten Grundstücke lag quer zum Bahnverlauf noch ein Stück Normalspurgleis. Welchen Zweck dies wohl hatte?

http://abload.de/img/img_19152hfch.jpg

Bis zum Pierer Ortsteil Pommenich konnte man den einstigen bahnparallelen Weg gut befahren: Etwa hier muss sich der Haltepunkt Pommenich befunden haben (Blick zurück nach Inden, das Gleis lag links neben dem Weg):

http://abload.de/img/img_1916xdu9g.jpg

Der Blick in die andere Richtung: Geradeaus ging es weiter rechts neben dem Feldweg nach Düren:

http://abload.de/img/img_19170yqih.jpg

Bei Vilvenich mündeten Weg und Bahntrasse von links kommend in die Landstraße nach Merken ein (Blick zurück nach Inden): Hier muss Vilvenich auch seinen Haltepunkt besessen haben:

http://abload.de/img/img_19195tb29.jpg

Der Blick in die andere Richtung: Die frei auf der Straße laufenden Gänse verstärkten die hier herrschende Endzeitstimmung noch. Die Bahn verlief rechts neben der Straße auf Merken zu, den Ort im Hintergrund mit dem seinem Wasserturm. Der Wall am Ortseingang markiert das Ende des abzubaggernden Gebiets. Hier bog die Bahn wieder nach rechts von der Straße ab, um Merken zu umfahren:

http://abload.de/img/img_1918crqoz.jpg

Wie bei Pier führte die Bahn neben einem Weg parallel zur Hauptstraße hinter den Häusern des Ortes Merken entlang (Blick zurück nach Inden, Gleis lag rechts): Ob der Schuppen links einst einen Gleisanschluss besaß?

http://abload.de/img/img_1923w1lbn.jpg

Der Blick in die andere Richtung: Links neben der Straße ging es weiter an Merken vorbei: Kurz darauf bog die Bahn aber dann nach links ab zur Hauptstraße und zum Bahnhof von Merken:

http://abload.de/img/img_1924gefnm.jpg

Blick entlang der Hauptstraße von Merken: Rechts lag der Bahnhof Merken, der bis 1901 ebenfalls Kopf- bzw. Endbahnhof war. Die Verlängerung aus Inden bog von hinten links irgendwo zwischen den Häusern kommend (heute überbaut) über die Straße nach vorne rechts zum Bahnhof ein:

http://abload.de/img/img_19268ne5m.jpg

Schwenk nach rechts: Das alte Bahnhofsgebäude von Merken von 1901 hat als einziger erhaltener Hochbau der DEAG die Zeit überdauert: Links dahinter stand ebenfalls mal ein zweigleisiger Lok- bzw. Wagenschuppen:

http://abload.de/img/img_1927qjqyd.jpg

Das Bahnhofsgebäude mit seinem Güterschuppenanbau aus einer anderen Perspektive: Die Gleise lagen davor:

http://abload.de/img/img_1932lcoam.jpg

Die noch original verklinkerte Rückseite sieht schöner aus als die verkleidete Straßen- und Gleisseite:

http://abload.de/img/img_1932atuk2n.jpg

Die Ausfahrt aus Merken: Links neben der Straße ging es nun weiter nach Düren:

http://abload.de/img/img_1932bpcaid.jpg

Schwenk nach links (Bildnachträge vom 2. Mai): hier bog ein langes Industrieanschlussgleis ab über das Feld zu der Papierfabrik im Hintergrund:

http://abload.de/img/img_1932chmzud.jpg

Einen BÜ weiter erkennt man noch den Bahndamm, und auch einige Oberleitungsmasten stehen noch:

http://abload.de/img/img_1932d39yrk.jpg

In einer weiten Kurve geht es nach links an der Fabrik vorbei:

http://abload.de/img/img_1932fprbdq.jpg

Die z. T. noch mit Tragwerk erhaltenen Betonmasten aus der Nähe:

http://abload.de/img/img_1932etqy45.jpg

Blick zurück zum Bahnhof Merken:

http://abload.de/img/img_1932ggrya6.jpg

Das Tragwerk eines noch gut erhaltenen Mastes:

http://abload.de/img/img_1932h95yno.jpg

Auch das Fabrikschild ist noch erkennbar:

http://abload.de/img/img_1932i05afq.jpg

Doch zurück zur Strecke nach Düren: Kurz darauf unterquerte die Bahn (heute quasi der Seitenradweg) die A4 (sofern diese schon zu Straßenbahnzeiten existierte):

http://abload.de/img/img_1933dbxbq.jpg

Der Blick zurück in Richtung Inden:

http://abload.de/img/img_19347tpei.jpg

Hier, vor der Schule am linken Straßenrand, muss sich der Haltepunkt der Ortschaft Hoven befunden haben:

http://abload.de/img/img_1936burc7.jpg

Blick zurück nach Inden:

http://abload.de/img/img_1935xzbkp.jpg

Ein Stück weiter der Blick zurück nach Inden: Die Bahn kam von hinten rechts um die Kreuzung herum auf der Betrachter zu, blieb dann aber am linken Straßenrand:

http://abload.de/img/img_1937kwyl6.jpg

Der Blick in die andere Richtung: Rechts neben der Straße ging es aus Hoven hinaus:

http://abload.de/img/img_1938gajs1.jpg

Die nun folgende Rur-Straßenbrücke, über die auch die Straßenbahn führte, wurde im Krieg gesprengt und erst 1946 wieder in Betrieb genommen (Blick Richtung Düren): Erst mit ihr konnte der Betrieb nach Inden wieder aufgenommen werden:

http://abload.de/img/img_193966k8s.jpg

Der Blick zurück nach Inden: Hier hatte die Bahn neben der Straße wieder etwas mehr Platz:

http://abload.de/img/img_1940x7ue9.jpg

Ein kurzes Stück weiter der Blick zurück: Hier, an der Einmündung der Hovener Straße in die Dürener Nordstraße, befand sich links der Bahnhof Birkesdorf mit mindestens sechs Ladegleisen, zwei mehrgleisigen Lokschuppen sowie einem Bahnhofsgebäude ähnlich dem von Merken: Ab hier führten auch diverse Industrieanschlüsse nach links und rechts ab zu den umliegenden Fabriken. Hier endete der erste, 1893 eröffnete Streckenabschnitt der Dürener Dampfstraßenbahn. Heute ist hier alles Bahnmäßige weg:

http://abload.de/img/img_1941o2kwg.jpg

Der Blick in die andere Richtung entlang der Nordstraße, später Zollhaus- oder Veldener Straße: Spätestens ab hier war die Bahn tatsächlich eine Straßenbahn und hielt vermutlich an jeder Straßenlaterne:

http://abload.de/img/img_19428cudb.jpg

Die mächtige Birkesdorfer Kirche erhielt ihren heutigen Glockenturm erst nach dem Krieg: Der alte ging wohl im Krieg verloren. Direkt davor fuhr die Straßenbahn:

http://abload.de/img/img_1942a4puv4.jpg

Der Blick in Richtung Düren:

http://abload.de/img/img_194310uo5.jpg

Der Blick stadtauswärts: Ich habe nicht groß nach Aufhängungsrosetten an den Häusern für die frühere Fahrleitung geschaut, alte Masten oder Mastfundamente habe ich auch nicht entdecken können:

http://abload.de/img/img_19445xrd7.jpg

Eng schlängelte sich die Bahn auf der Zollhausstraße durch Birkesdorf (Blick stadtauswärts):

http://abload.de/img/img_1944aknpsz.jpg

…und weiter stadteinwärts:

http://abload.de/img/img_1946kqq7a.jpg

Genau am Ortseingangsschild von Düren, wo sich der Fußgängerüberweg befindet, kreuzte einst die Dürener Kreisbahn die DEAG:

http://abload.de/img/img_1950phkqu.jpg

Schwenk nach rechts: Auch diese Fabrik hatte einst Anschluss an die DEAG. Ob auf dem Fabrikgelände noch Gleisreste liegen?

http://abload.de/img/img_1949smjpw.jpg

…oder auf diesem? Immerhin qualmt der Schornstein noch:

http://abload.de/img/img_1953dpits.jpg

Der Blick zurück nach Inden:

http://abload.de/img/img_19484za1n.jpg

Kurz hinter der DKB-Querung bog die Straßenbahn ab in die Neue Jülicher Straße (Blick zurück nach Inden):

http://abload.de/img/img_19587cbbc.jpg

…in Richtung Dürener Hauptbahnhof:

http://abload.de/img/img_1958athu8j.jpg

Hier, links neben der Straße unmittelbar vor den Bahnunterführungen am Hauptbahnhof, endete die DEAG-Straßen- bzw. –Kleinbahnstrecke: Eine sinnvolle Verlängerung der Strecke in die Dürener Innenstadt nach dem zweiten Weltkrieg scheiterte am Widerstand der konkurrierenden DKB:

http://abload.de/img/img_19651pdi2.jpg

Schwenk nach links zum Hauptbahnhof: Anstelle des Parkplatzes bog hier das Gleis ab zum früheren DEAG-Güterumladebahnhof mit den Rollwagenrampen, direkt vor dem Staatsbahnhof gelegen:

http://abload.de/img/img_1966ora02.jpg

Nochmal der Blick zurück nach Inden: Düren ist eine eher trostlose Stadt, die außer Miets- und Hochhäusern überwiegend der Nachkriegszeit und alten Fabriken wenig bauliche Vielfalt zu bieten hat. Dafür ist hier im Krieg zu viel zerstört worden:

http://abload.de/img/img_1964caudh.jpg

So, das war’s zur DEAG. Im den nächsten Folgen bleiben wir in und um Düren und behandeln die normalspurige Dürener Kreisbahn DKB. Bis dahin viel Spaß mit den Bildern, schöne Grüße,

Dennis.


Mein DSO-Inhaltsverzeichnis: [www.drehscheibe-foren.de]



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:06:08:02:14:07.
Thema
Angeklickt
geschrieben von
Datum/Zeit
 Die Dürener Eisenbahn AG 50 Jahre danach
(3041)
09.08.14 05:53
(388)
09.08.14 10:50
(341)
09.08.14 10:57
(223)
10.08.14 02:38