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Hauptbahnhof am Meer (40 Bilder)

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 10.05.14 15:31


Moin.

Pate für den Titel des heutigen Hauptbahnhofsportraits standen der örtliche Zoo und ein Buch. Die Freunde kleiner Eisbären wissen es also schon: Heute besuchen wir Bremerhavens Hauptbahnhof. Und auch das Buch über die Geschichte der Eisenbahn in Bremerhaven hat einen nassen Titel: Bahnhof am Meer von Walter Bollen (Bremen 2006).
Dummerweise habe ich kürzlich im Portrait des Bahnhofs Lehe versprochen, einen geschichtlichen Überblick zu geben. Das hätte ich besser nicht tun sollen, denn das ist nicht so leicht wie gedacht. Also los! Leitfaden ist erwähntes Buch.


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Die heutige Lage von Bremerhavens Personenbahnhöfen ist das Ergebnis umfassender Umbauten, die in den letzten Jahren des Kaiserreiches stattfanden. Dem täglichen Verkehr dienen heute noch drei Bahnstrecken, nach Bremen, nach Cuxhaven und nach Bremervörde. Die Strecke nach Bederkesa ist als Museumsbahn erhalten, die Niederweserbahn nach Bremen-Farge ist schon lange Geschichte. Wir schauen uns nun die Streckengeschichten an, bevor wir zur Bahnhofsgeschichte und damit auch kurz zur Stadtgeschichte kommen.

Bereits der 1845 zwischen Hannover und Bremen geschlossene Staatsvertrag zum Bau der Bahnstrecke Hannover - Bremen sprach von einer Verlängerung ins heutige Bremerhaven. Deren Bau wurde aber erst 1860 beschlossen, am 23. Januar 1862 wurde sie eingeweiht. Die heute zweigleisige Strecke wurde in den 60ern elektrifiziert, am 1. Dezember 1965 bis Ritterhude gleich hinter Bremen und am 22. Mai 1966 bis Bremerhaven.

Am 30. Mai 1896 wurde die Bahnstrecke nach Cuxhaven eröffnet. Sie ist quasi die Fortsetzung der Strecke von Bremen bis an die Elbmündung. Bis 2001 gab es hier einzelne Fernzüge, seitdem wird die Strecke Bremen - Cuxhaven nur noch im Regionalverkehr bedient.

Nur wenige Stunden nach der Strecke nach Cuxhaven wurde die ostwärts abzweigende Strecke nach Bederkesa eröffnet. Am 24. Mai 1968 verkehrte der letzte Reisezug, zum Jahresende 1993 endete der Güterverkehr. Heute wird die Strecke durch die Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa genutzt, die noch bis Anfang Oktober jedes zweite Wochenende verkehrt.

Im Mai 1899 wurde die Strecke nach Bremervörde in Betrieb genommen, sie zweigt in Wulsdorf von der Strecke nach Bremen ab. Ende 1991 wurde die Strecke, wie auch weitere Strecken im Nassen Dreieck, von den EVB übernommen. Seit 1993 fahren die Züge ab Bremervörde nicht mehr nach Stade, sondern nach Buxtehude (und früher bis Neugraben). Das tat den Fahrgastzahlen gut, denn nun kommt man aus Hamburg schneller wieder weg.

Wulsdorf war einstmals Endpunkt einer Privatbahn. 1909 erging die Baugenehmigung für die Kleinbahn nach Farge, am rechten Weserufer entlang. Am 2. August 1911 wurde der Verkehr zwischen Wulsdorf und Stotel aufgenommen, am 5. September wurde Bremen-Farge Ost erreicht. Die Strecke sollte nicht alt werden: Bereits 1938 endete der Verkehr auf dem Südabschnitt von Farge nach Sandstedt, am 26. September 1964 auch zwischen Wulsdorf (seit 1945 fuhr man bis in den Hauptbahnhof) und Sandstedt.


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Bevor wir nun zur Bahnhofsgeschichte kommen, müssen wir einen Blick in die Geschichte der Stadt werfen. Bremerhaven an sich ist jung, im Jahr 1827 erwarb Bremen von Hannover einiges Land an der Geestemündung zwecks Anlage eines Hafens. Der wurde 1830 eröffnet. Dort, um die Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche, befindet sich heute Bremerhavens Zentrum. Fünfzehn Jahre später legte Hannover am anderen, südlichen, Geesteufer einen eigenen Hafen an, Geestemünde. Wulsdorf, Geestendorf (später mit Geestemünde vereinigt) und Lehe sind ältere Gründungen. Im Jahr 1924 wurden Geestemünde und Lehe zur neuen Stadt Wesermünde vereinigt, das 1939 auch Bremerhaven in sich aufnahm. 1947 wurde Wesermünde in Bremerhaven umbenannt und kam zum Land Bremen.

Der erste Bahnhof des heutigen Bremerhaven lag in Geestemünde direkt am Hafen, westlich des heutigen Hauptbahnhofs an der Klußmannstraße (Openstreetmap). Die Güterabfertigung soll noch erhalten sein. Der Bahnhof war als Kopfbahnhof angelegt; die Züge nach Bederkesa und Cuxhaven fuhren quasi auf dem Bahnhofsplatz ab (das ergab einen Keilbahnhof, dessen westlicher Teil ein Kopfbahnhof war) und folgten zunächst der heutigen Ulmenstraße/Schultzstraße. Mit der Einweihung der Strecken nach Bederkesa und Cuxhaven war der bisherige Geestemünder Bahnhof den Anforderungen aber nicht mehr gewachsen, außerdem behinderte der Eisenbahnverkehr zunehmend den Stadtverkehr, lagen die Schienen doch auf Straßenniveau. Wie so oft gab es unterschiedliche Vorstellungen, verschiedene Ideen und Verzögerungen. 1908 schließlich lag ein Plan für die Umgestaltung der Bahnanlagen im heutigen Bremerhaven vor, der auch umgesetzt wurde. 1910 begannen die Bauarbeiten, am 26. März 1914 ging der neue Personenbahnhof von Lehe in Betrieb, am 1. Juli der Bahnhof Geestemünde-Bremerhaven, der heutige Hauptbahnhof. Neben dem ein wenig unruig gestalteten Empfangsgebäude bestach er durch seine beiden Bahnsteighallen, jeweils gut 15 Meter hoch. 1924 wurde der Bahnhof in Wesermünde-Bremerhaven umbenannt und 1947 in Bremerhaven Hbf. Die in schlechtem Zustand befindlichen Bahnhofshallen wurden 1968 abgerissen, also erst nach der Elektrifizierung. Auch das Innere des Empfangsgebäudes wurde mehrmals im Stil der Zeit umgestaltet. Im Jahr 1989 wurde das Zentralstellwerk eingeweiht, das zwischen Wulsdorf im Süden und Lehe zahlreiche alte Stellwerke ersetzte. Vor wenigen Jahren wurden das Empfangsgebäude und die Bahnsteige umgebaut und modernisiert.

Für den Güterverkehr und auch für den Personenverkehr (Überseeschiffahrt, Auswanderer) gibt und gab es in Bremerhaven weitere Bahnhöfe (Fischbahnhof, Lloydhalle, Columbusbahnhof, die heutigen Hafenbahnhöfe). Auf die kann ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.


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Kürzer als die Geschichte fällt der Blick aufs Zugangebot aus. Neben einem umfangreichen Güterverkehr gibt es auch den einen oder anderen Regionalzug zu sehen. DB Regio fährt den stündlichen RE von Lehe nach Bremen, ab dort zweistündlich nach Osnabrück oder nach Hannover. Es verkehren Loks der Baureihe 146 und Doppelstockwagen.
Die EVB fahren die zumeist stündliche Nahverkehrsleistung von Buxtehude über Bremervörde, Bremerhaven und Lehe nach Cuxhaven. Zum Einsatz kommen Dieseltriebwagen der Baureihe 648.
Die Nordwestbahn ist Betreiber der Regio-S-Bahn. Die Linie 2 fährt stündlich von Lehe über Bremen nach Twistringen. Für den Verkehr sorgen drei- und fünfteilige Elektrotriebwagen der Baureihe 440.


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Bremerhaven ist ein gutes Beispiel dafür, wie man in eine an sich unsehenswerte Stadt Massen an Touristen locken kann. Mit Schiffahrtsmuseum, Auswandererhaus, Zoo und Klimahaus setzt man ganz aufs Maritime. Wir lassen die Sehenswürdigkeiten aber aus und beginnen mit der in meinen Augen schönsten Art, sich Bremerhaven zu nähern: Das ist die Weserfähre von Blexen.

Das Fährrecht lag anfangs bei der Blexer Kirche, nach der Reformation übertrug Oldenburgs Großherzog es an sich. 1862 nahm der Norddeutsche Lloyd eine erste Dampffähre in Betrieb, die nur bis 1864 verkehrte, 1884 glückte ein neuer Versuch. Man fuhr zwischen Geestemünde, Blexen und Nordenham. Nach Eröffnung der Eisenbahn bis Blexen entfiel der Abschnitt von dort bis Nordenham. 1910 wurde die heutige Gesellschaft gegründet. Sie befindet sich in kommunalem Eigentum, die Betriebsführung liegt bei den Bremerhavener Verkehrsbetrieben. Es werden zwei Fährschiffe eingesetzt, die 1957 bei Seebeck in Bremerhaven gebaute „Nordenham” und die 1999 in Tangermünde gebaute „Bremerhaven”.


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1 Von Bremerhaven kommt gerade die „Nordenham” an. Sie wurde 1999 modernisiert.


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2 Schon auf der Fähre, blicken wir aufs einstige Bahnhofsgebäude in Blexen.


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3 Vor der Skyline von Bremerhaven liegt die „Wilson Brake” am Kai der Kronos Titan.


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4 Die „Bremerhaven” kommt entgegen.


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12 Die Schiffsglocke.


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5 Parade der Containerkräne am Ufer.


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6 Eine andere Perspektive. Vorne ein Autotransporter.


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7 Parallel mit dem Lotsenboot fahren wir ein.


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8 Der Seenotkreuzer liegt am Kai. Dahinter ein Hotelturm.


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9 Die kleine Schiffsreise nährt sich dem Ende.


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10 Ein Bus ist mir vor der Nase weggefahren. Da ich am Rand der breiten Straße keine Viertelstunde auf den nächsten warten wollte, ging ich zu Fuß gen Hauptbahnhof. Freundlicherweise kürzte dieser Bus den Weg ein wenig ab.


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Falls noch jemand mitlesen sollte, nun beginnt das eigentliche Bahnhofsportrait.


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11 Zuvor allerdings heißt es, schweren Herzens und mit leichter Schlagseite von der wunderschönen Stadt am Meer Abschied zu nehmen.


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13 Eine kleine Ladenpassage verbindet Hauptbahnhof und Stadtbushaltestelle.


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14 Der Hauptbahnhof.


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15 Die Aufnahme entstand mit dem Postadler im Nacken.


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16 Ich hätte noch eine Ansicht mit Straße im Angebot.


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17 Und eine von vorne. Da sind aber die Bauten auf dem Bahnhofsplatz im Weg, vorne das Kundenzentrum von Stadtbus und S-Bahn.


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18 Fahrräder bieten sich in einer Stadt, deren höchste natürliche Erhebungen wohl Müllberg und Deich sind, an.


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19 Neugierig werden wir der Bahn untreu und machen uns auf den Weg zur Fernbushaltestelle.


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20 Unter den Bahnbrücken durch und dann links.


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21 Bremerhavens Fernbusbahnhof.


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22 Auf dem Rückweg zum Hbf: Das kleine Einmaleins für Busfahrgäste.


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23 Der Nordflügel des Bahnhofs.


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24 Renken wir den Hals wieder ein und betreten wir das Empfangsgebäude.


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25 Der Ausgang.


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26 Das Innenleben.


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27 Spuren der Geschichte.


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28 Schmuckzierde.


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29 Die Abfahrtstafel. Ganz oben wird auf den SEV hingewiesen, der brauchte eine Stunde länger als der Zug. Weiter nach Lehe wird er es nicht in vier Minuten schaffen.


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30 Im Personentunnel.


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31 Gehen wir hinten hoch. Da ist es wie eben ziemlich leer, denn die nächste Zugabfahrt war fern.


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32 Blick nordwärts. Zwischen den Signalen das Zentralstellwerk.


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33 Blick südwärts.


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34 Bahnsteigbild.


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35 Wechseln wir den Bahnsteig.


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36 Bahnhofsgebäude.


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37 Stellvertretend für den Güterverkehr 421 375. Freundlicherweise eine andere als in Lehe.


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38 Stimmt.


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39 Zwei EVB-Lints. Sie fahren wegen der Bauarbeiten gleich zurück.


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40 Unser Zug kommt.


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Das ist gut so, denn besonders die Bahnsteige laden nicht unbedingt zu photographischer Tätigkeit ein. So ziemlich das Gegenteil ist Bremens Hauptbahnhof.


Viele Grüße
Sören


PS: Die Aufnahmen sind eine Mischung vom 12. Juli 2013 und dem 16. April 2014.
PPS: Wie ich bereits irgendwo schrieb, werde ich die ersten fünf porträtierten Hauptbahnhöfe erneut vorstellen. Das sind Braunschweig, Kassel, Berlin Ostbf., Ludwigshafen und eben Bremen.
PPPS: Die weiteren Hauptbahnhöfe im Mai sind dann noch Bielefeld und Braunschweig.
PPPPS: Das war es jetzt aber wirklich.





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:03:03:09:51:06.
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