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Hallo ins Land,

die Nachtigall trapste es ja schon - Stichwort "Nacht-ICE" wie etwa in diesem Beitrag:
[www.drehscheibe-online.de]

Die Überlegungen im Hause Grube gehen jedoch noch deutlich weiter - und man begreift plötzlich, weshalb der Nachtreiseverkehr in den ganzen Präsentationen zum Fernverkehrs-Zielnetz 2030 überhaupt nicht vorkam.

In einem Informationsschreiben DB zu den "Bemühungen, den Nachtzug zukunftsfähig zu machen" ist zu lesen, dass die Nachtreiseverkehre bereits "zum Fahrplanwechsel 2016/2017 in ein alternatives Konzept für Nachtreisen bestehend aus Nacht-ICEs und IC-Bussen überführt" werden sollen. Der klassische Nachtreisezug mit Schlafmöglichkeiten in Liege- oder Schlafwagen soll schon in einem Jahr komplett eingestellt werden. Das "Reisen" ist dann nur noch in Sitzwagen (oder eben Bussen) möglich, selbst die erst 12 Jahre alten "Comfort-Line"-Schlafwagen würden dann abgestellt. Hintergrund sei, dass die "Prognose der Wirtschaftlichkeit der Nachtzugverkehre für die kommenden Jahre trotz der Sanierungsmaßnahmen stark negativ" sei. Dies sei nicht zu vertreten, da die Fernverkehrssparte ohnehin nicht auf finanziellen Rosen gebettet ist. Man überlegt, einige Relationen "mit den ÖBB, dem zweitgrößten Nachtzugbetreiber in Deutschland" zu betreiben.
Noch vor einem Jahr verkündete die DB nach dem CNL-Kahlschlag Ende 2014 öffentlich, man wolle das verbliebene Nachtzugnetz "soweit möglich erhalten":
[www.stuttgarter-zeitung.de]

Dass die ganzen Überlegungen unter dem Projektnamen "Zukunft Bahn" laufen sei als lustiges Detail am Rande bemerkt. Die Planungen, den Nachtverkehr auf Straße oder in grell erleuchtete ICE-Züge zu verlagern, soll noch diesen Monat "in Vorstand und Aufsichtsrat" beraten werden.

EDIT (Epilog und nicht Bestandteil des zitierten Schreibens): Dass man nicht einmal abwartet, wie sich die genannten "Sanierungsmaßnahmen" auswirken, ist das eigentlich Verlogene an der Sache. Die wichtigsten Maßnahmen werden ja jetzt erst zum Fahrplanwechsel eingeführt:
- Wegfall der Reservierungspflicht
- Getrennte Auslastungssteuerung zwischen Schlaf-, Liege- und Sitzwagen
- Synergien durch die Mitnahme von Sitzwagen für Tagesrand- oder Kurzstreckenreisende
Dass man die Effekte nicht mal abwartet deutet eigentlich darauf hin, dass nach dem Willen der DB die Messe bereits gesungen ist.


Und noch etwas:
Wer Nachtreisen nicht mag oder für überflüssig hält, der möge einfach weiter klicken und sich morgens um 4 Uhr zum Flughafen begeben.
Wer diese zeitsparende Form der gepflegten Reise schätzt, der möge nun deutlich die Stimme erheben. Bei der Politik, bei der DB, in den Zielgebieten der Nachtreisezüge.
Die Lage scheint ernster zu sein als vermutet.

Heiko

http://www.desiro.net/Signatur-Rosinen.jpg




4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:12:01:23:44:25.
Das ist dann doch schneller als erwartet :( Auf Reisen die länger als 12 Stunden bleibt für mich dann nur noch das Flugzeug.

Re: Deutsche Bahn will Nachtreiseverkehr schon 2016 komplett einstellen

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 01.12.15 23:38

Müsste die erste Bahngesellschaft eines weit entwickleten Industrielandes sein, dass keine klassischen Nachtzüge mehr anbietet. Gute Nacht Deutschland. Soll der Grube weiter eine Grube für seine Verluste graben. Darüber könnte man sich wieder ewig aufregen über soviel Unfähigkeit bei der DB AG. Wie der InterRegio wird der NachtZug oder CNL in die Versenkung verschwinden. Flugzeug ist nicht immer die Alternative. Eine bessere Vermarktung und Verbindungen hätten vielleicht die Trendwende bringen können. Und bevor man alles abschafft, sollte man mit ausländischen Partnern überlegen, ob nicht grundsätzlich ein europäisches Nachtzugliniennetz aufgebaut wird.
...es war ja zu vermuten und wird wohl so kommen: die große DB kann keine Nachtzüge!
Ich frage mich seit langem, wie es der weitaus kleineren ÖBB gelingt, einen qualitativ hochwertigen Fernverkehr anzubieten. Im eigenen Land und auch bei uns! Und das geographisch weitaus nachtzugkompatiblere Deutschland mit seiner europäischen Großbahn muss sich den kleinen Nachbarn anschließen. Neben aller Scham über diesen unflexiblen Riesen keimt in mir allerdings auch die Hoffnung, dass es um die verbleibenden Nachtzugverkehre unter ÖBB-Ägide in jedem Fall besser bestellt sein wird, als unter DB-Flagge. Anschlüsse in die andere Richtung sind - wie die Geschichte zeigt - noch nie segensreich für irgendjemanden gewesen!

Am bemerkenswertesten ist allerdings die Tatsache, dass der geneigte Nachtzugkunde sich einer weiteren Umerziehungsmaßnahme des Bahnkonzerns zu unterwerfen hat. Heute erst im Radio gehört: die anhaltende Kritik am undurchsichtigen DB-Tarifsystem wurde von der Bahn mit der Bemerkung kommentiert, unterschiedliche Bedürfnisse der Reisenden erforderten eben auch sehr unterschiedliche Tarife.

Dem Bedürfnis nach einer gepflegten Schlafwagenreise muss man künftig also tariflich nicht mehr entsprechen. Auf diese Weise und weil wir als Bahn-Randguppe jetzt das neue Nachtzugfahren in schlichter Produktklasse A oder nach Tfv 643 erlernen werden, wird es immer übersichtlicher im komplizierten Tarif.
So einfach kann ein klar verständliches und transparentes Bahnangebot sein: Gewöhn dich an das, was möglichst billig zu produzieren ist, wenig Kreativität und Flexibilität erfordert und in eine Hochglanzbroschüre passt.
Dann sind Wälzer wir Kursbücher oder Nachtzugtarife überflüssig und endlich kommt Übersicht ins Portfolio!
Und Flexibilität... ja die gibt es zwar nicht wirklich bei der Bahn. Aber dafür einen ganz einfachen Tarif: den Flexpreis! Teuer und leicht zu verstehen.

Was bleibt?
Das Rauchen haben wir uns in Zügen abgewöhnt.
Das Abteil auch.
Die Pünktlichkeit sowieso.
Einen verlässlichen Fahrplan der modernen Dynamisierung geopfert.
Sportliche Hetzjagden nach Sparpreisen sind in Fleisch und Blut übergegangen.
Betten brauchen Schlafende nicht mehr.
Und vielleicht ist es endlich an der Zeit, sich an ein Land ohne Züge zu gewöhnen.
Dann wäre das mit dem komplizierten Tarif auch endlich vom Tisch!

Ich bitte um Nachsicht, dass ich jetzt ein wenig in die zynische Kiste gegriffen habe. Grundsätzlich bleibe ich als altes Eisenbahnerkind der guten deutschen Eisenbahn treu und ich werde sie auch künftig gegen allzu unsachliche Angriffe aus der Welt verteidigen.
In diesem geschützten Forum sei aber ein kleiner Hauch von Resignation erlaubt.

Viele Grüße vom nichtrauchenden Raucher im bettenlosen Nachtzug ;-)

Die paar Verbindungen fallen auch nicht mehr ins Gewicht. Denke ÖBB wird's sich das Filet Stück CNL München-Rom sichern. Andere Verbindungen bleiben wie gehabt. Betrieben von MAV ,PKP,RZD,HZ,eventuell UZ irgendwann mal wieder. Aber wird wohl harter Kampf werden das durchzusetzen. Viele aus der Politik fordern ja das Gegenteil. Meckern ja das es zu wenig Deluxe Abteile gibt. Da ständig ausgebucht. Nacht ICE sind für mich keine Alternative. Als Jugendlicher mal im ÖBB-EN von Regensburg nach Brüssel gefahren im Sitzwagen. Das hat mir gar nichts ausgemacht. Heute nicht mehr vorstellbar. Frisch ausgeruht und mit Frühstück, frisch gewaschen will man schon ankommen nach 10 Stunden Fahrt. Man wird ja heute schon gezwungen zu fliegen. Leider ein Tag eher anreisen. Wenn man morgens Termine hat.CNL- Hamburg-München ist noch unschlagbar gegen das Flugzeug. Bei 07.05 Uhr Ankunft mitten in der City. Im Nacht ICE wird wohl keiner Reisen der früh Termine hat.
Der Zeuge Desiros schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die Lage scheint ernster zu sein als vermutet.

Wundert mich ehrlich gesagt nicht. Die Wagen kosten extra, stehen tagsüber aber nur herum, verursacht also Abstellgleiskosten.
Das Vorbereiten, Bettwäsche etc .. kostet extra und davon auch teures Personal.
Kuppelspielchen mit normalen Wagen verursachen ebenfalls Personalkosten.

Alles in allem könnte man es schon machen, aber: Das hätte einen hohen Preis. Somit wird der Teil der Fahrgäste, der das nicht zahlen kann oder will den Billigbus nehmen und der Teil, der es sich leisten kann, bekommt zum ähnlichen Preis auch schon ein Flugticket. Wer bleibt da noch übrig? DSO-Leser und Eisenbahnfans?

Von daher liegt es schon nahe Züge zu nehmen, die sowieso auch am Tag herumfahren. Das verursacht dann zumindest keine extra Kapitalkosten, weshalb man einen günstigen Preis anbieten kann, wodurch gegenüber dem Bus dann zwar kein Qualitätsvorteil, aber wenigstens der Zeitvorteil bleibt.
Der Zeuge Desiros schrieb:
-------------------------------------------------------
> EDIT (Epilog und nicht Bestandteil des zitierten
> Schreibens): Dass man nicht einmal abwartet, wie
> sich die genannten "Sanierungsmaßnahmen"
> auswirken, ist das eigentlich Verlogene an der
> Sache. Die wichtigsten Maßnahmen werden ja jetzt
> erst zum Fahrplanwechsel eingeführt:
> - Wegfall der Reservierungspflicht
> - Getrennte Auslastungssteuerung zwischen Schlaf-,
> Liege- und Sitzwagen
> - Synergien durch die Mitnahme von Sitzwagen für
> Tagesrand- oder Kurzstreckenreisende
> Dass man die Effekte nicht mal abwartet deutet
> eigentlich darauf hin, dass nach dem Willen der DB
> die Messe bereits gesungen ist.

Unlogische Argumentation: Dein erster und dritter Punkt bezieht sich nur auf die Sitzwagen! Das liefert zu Schlaf- und Liegewagen keine neuen Erkenntnisse.

Es ist klar: Wirtschaftlich lohnen sich Nachtzüge nicht, also stellt die DB sie ein. Die Lösung (meine Wunschlösung!) wären bestellte und subventionierte Nachtzüge, Schottland macht es vor! Aber da sehe ich derzeit keinen Weg hin.

Eine andere Frage ist, warum Sitzwagen unbedingt grell erleuchtet sein müssen. In keinem Gesetz steht das. Eine bequeme Bestuhlung (ähnlich Amtrak), reduzierte Beleuchtung und Decken könnten ein attraktives Angebot sein. Leider tut sich die DB mit schlicht-pragmatischen Lösungen sehr schwer.
Wenn die DB die Nachtzugverbindung eingestellt hätte, wäre eine Verurteilung. Dies wäre das nächste Opfer neben Interregio. Die Privatbahnen würden sich freuen und davon profitieren, wenn kein Monopolist die Nachtzüge betreibte.

Nur noch EN ist in Deutschland übrig.

Viele Grüße Fernzug
http://www.sevenmaster.de/signatures/fernzug-signatur1.png

Vermutlich landen dann die Comfortline bei den ÖBB.Die ÖBB wollten ja neue WL beschaffen, was bislang nicht geschehen ist. Vermutlich ist das mit der DB schon länger im Busch, und man hat daher gewartet.

Es gab schon vor einiger Zeit Gerüchte , daß die ÖBB die Italienzüge zukünftig betreiben würden.

Vermutlich ist der ausschlaggebende Grund auch die Einstellung der Autozüge mit, nach dessen Ende noch die ganzen Personale und Strukturen für die wenigen Züge aufrechtzuhalten, wie Wäsche, Gastronomie, Verwaltung und das Personal, scheint wohl zu aufwendig und zu kostenintensiv. Immer mehr Liegewagen haben Fristablauf, investieren will man nichts.

Was könnte überbleiben ?

Düsseldorf-Wien (ÖBB)
Hamburg-Wien (ÖBB)
München-Rom/Milano (ÖBB)
München-Budapest/Zagreb/Venezia (MAV,HZ, ÖBB)
Berlin - Budapest/Wien (MAV, CD)

Vielleicht engagiert sich die CD für die Prag-Züge ???

Wie wichtig sind der Schweiz die Zürichverbindungen ?...aber wer soll diese dann betreiben ?

Viel eigene Nachtverbindungen hat die CNL ja nicht mehr.Hamburg/Amsterdam - München/Zürich, Zürich - Berlin/Praha, Köln-Praha/Warschau (auch nur in Teilen ein DB-Zug )



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:12:02:00:52:03.

Lufthansa und Air Berlin freut es...

geschrieben von: Patrick Rudin

Datum: 02.12.15 00:44

...und ich möchte bitte nicht wieder das Geseier von irgendwelchen Umweltheuchlern aus der Politik hören, wie schädlich Kurzstreckenflüge doch sind. Es sei denn, die besagten Politiker wachen jetzt auf und hauen auf den Tisch. Die mangelnde Rentabilität der Nachtzüge ist nicht einer geschwundenen Nachfrage zu verdanken, sondern geänderten bahnfeindlichen politischen Rahmenbendingungen.

Fakt ist: Nur das Flugzeug ist die Konkurrenz zum Liege- und Schlafwagen. Nicht der ICE, nicht der Bus. Die Verlagerung vom Nachtzug von Zürich nach Italien und Barcelona hat in Richtung Flugzeug stattgefunden, wobei es ab Zürich kaum "Billigflieger" gibt.

Gruss von jemandem, der die Nachtzüge gerne benutzt hat, allerdings mit immer besserem Gewissen wieder mehr Kurzstreckenflüge macht. Aufgrund der sogenannten "Alternativlosigkeit" der letzteren auf immer mehr Strecken. "Alternativlosigkeit" heisst bei mir: Keine Nachtzüge und keine Tagesrandzüge, in denen es sich ruhig und ohne Leichenschauhausbeleuchtung reisen lässt. Im Flugzeug bin ich auf allen diesen Strecken nach spätestens einer Stunde wieder draussen. Und im Sinne der Politiker scheint es auch zu sein.

Wer jetzt nach meinem leicht frustrierten Beitrag auf mich eindrischt - soll sich bitte fragen, was ihm, der Bahn und der Umwelt für Nachteile entstehen, wenn die doch noch zahlreich vorhandenen weniger preissensiblen Leute die Nachtzüge buchen und nutzen...

Die Logik will mir nicht einleuchten

geschrieben von: Athener

Datum: 02.12.15 00:47

Zitat:
Die Wagen kosten extra, stehen tagsüber aber nur herum, verursacht also Abstellgleiskosten
Also nach der Logik müssten wir auch den Nahverkehr abschaffen, die SPNV-Wagen stehen ja nachts auch nur rum und verursachen Kosten...
Zitat:
Alles in allem könnte man es schon machen, aber: Das hätte einen hohen Preis. Somit wird der Teil der Fahrgäste, der das nicht zahlen kann oder will den Billigbus nehmen und der Teil, der es sich leisten kann, bekommt zum ähnlichen Preis auch schon ein Flugticket. Wer bleibt da noch übrig? DSO-Leser und Eisenbahnfans?
Na wenn das alles eine Preisfrage ist - warum werden dann vor der Einstellung nicht mal wenigstens als Versuch die Tickets in den Nachtzügen zu den (angeblichen) tatsächlichen Kosten angeboten? Dann wird sich doch zeigen, ob tatsächlich niemand mehr mitfährt. Alles andere gehört auf den Adventsteller - als Spekulatius. Ach ja, und bei der Ermittlung der "realen" Preise bitte auch mit einrechnen, wieviel Anschlussverkehr durch die Nachtzugfahrt generiert wird (ich z.B. fahre am Sonntag Dresden-Bonn, davon NZ Dresden-Köln - Hinfahrt am Freitag über Tag mit IC/ICE/NV, ohne die Rückfahrt über Nacht hätte ich definitiv das Auto genommen/nehmen müssen).

Ist der Nachtzug "unwirtschaftlich "?

geschrieben von: Dirk Mattner

Datum: 02.12.15 01:36

Hallo in die Runde.

In den vergangenen Diskussionen wurde es ja immer wieder angesprochen und die DB lässt es in ihren Erklärungen gerne durchblicken, auch wenn sie es selten direkt beim Namen nennt:

Der Nachtzug ist unwirtschaftlich!

"Ah, Ok, wenn das so ist, tja dann..." so denke ich es mir und glaube schon fast es sei Gottgegeben. Oder zumindest Grubegegeben.

Ja, aber nun die vielleicht ketzerische Frage:

Ist das denn wirklich der Fall?

Der Zweifel zu dieser Aussage nährt sich aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, die man mit der Bahn AG und ihrem vollstaatlichen Vorgänger gesammelt hat.
Schon die Bundesbahn sagte uns vor 40 Jahren das der Bahnbetrieb unwirtschaftlich sei und man in Zukunft nur noch auf ausgesuchten Hauptstrecken fahren wolle. Viele haben es geglaubt und die wirtschaftliche Argumentation war durchaus nachvollziehbar.
Richtig gestimmt haben die Aussagen letztendlich doch nicht, sonst müsste DB Regio heute keiner der verlorenen Ausschreibungen mehr nachtrauern, denn diese ausgeschriebenen Netze gäbe es schon seit ca. 30 Jahren nicht mehr. Und auch so dürfte DB Regio eigentlich nicht traurig sein, denn das alles ist ja total unwirtschaftlich - jedenfalls nach Stand 1975.

Das Zauberwort aller Privatisierung bei der Eisenbahn heißt "Staatskohle" oder wahlweise "Staatsknete"!

Einige Zeit später, die DB war bereits privatisiert, wurde uns erklärt der Interregio müsse abgeschafft werden, denn der sei unwirtschaftlich. Und siehe da, ein strenger Blick in die Bücher und tatsächlich waren da einige Leistungen dabei die wohl keine Taschen füllten. Und die Leistungen die es taten, wurden zu teuerern Intercities "upgeraded". Nicht schön, aber doppelt wirtschaftlich: Was bislang Verluste machte gab es nicht mehr und das was schon Geld einbrachte konnte man jetzt teurer verkaufen. Und wir sagten: "Tja, muss wohl!".

Doch plötzlich, noch nicht sehr lange her, zeigt uns das gleiche Unternehmen auf bunten Charts wie man bis 2030 endlich ganz Deutschland flächendeckend mit Fernverkehr beglückt.
Und wer noch verdutzt dreinschaut, dem sei das Zauberwort ins Ohr geflüstert: "Staatskohle, Baby".

Denn es ist eigentlich ganz einfach: Das bunte Chart für 2030 möchte gerne durch Geld von Land oder Bund mit Leben erfüllt werden. Eigentlich eine herrliche Sache: Man verspricht tolle Dinge, jedoch mit der kleinen Fußnote dass es bitte jemand anders zahlen soll. Hey, da fällt mir ein: Ich wollte euch alle mal schick zum Essen einladen! Oh, aber nur wenn Tante Merkel und Onkel Schäuble mir dafür einen Scheck ausstellen. Ihr müsst also noch ein wenig warten. So bis 2030 oder etwas später. ;-)

Tja, und nun der Nachtzug.
Die DB Bahn sagt uns mal wieder das etwas total unwirtschaftlich ist und wir sagen: "Och ja, dann ist das wohl so".

Aber, und damit komme ich zurück zur Ausgangsfrage: Ist das so?


Kleiner Denkanstoß:
Alle paar Jahre werden in Schweden die Lapplandnachtzüge vom Staat ausgeschrieben. Das gleiche geschieht im Vereinigten Königreich mit dem "Caledonian Sleeper" der London mit den schottischen Highlands verbindet.

Wäre es nicht konsequent wenn die Deutsche Bahn AG aka ARRIVA jetzt zum Ende der Nachtzugära in Deutschland feierlich vor der Welt erklärte sie wolle sich NIEMALS NIE NICHT MEHR um solche Leistungen bewerben, da sie an diese unwirtschaftliche Form einer Reisedienstleistung nicht mehr glaubt?
Na, was glaubt ihr? ;-)

Oder riecht es da nicht doch plötzlich ganz lecker nach "Staatsknete"?
"Oh ja, Staatsknete! Hmm... das schmeckt!" (Retro-Grube-Werbeslogan, frei nach Beckenbauers "Knorrrr"-Werbung).

Guten Appetit oder wahlweise Gute Nacht wünscht,
Dirk



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:12:02:01:53:11.

Chance für neue Anbieter

geschrieben von: Staatsbahn

Datum: 02.12.15 01:39

Rein wirtschaftlich kann man doch der DB Fernverkehr keinen Vorwurf machen. Warum soll sie eigenwirtschaftlich etwas anbieten was andere auch nicht machen wollen, scheinbar?

Das wäre doch die große Stunde für alternative Anbieter, denn gerade nachts scheitert es kaum an freien Trassen für den PV. Hier könnte man ein Nachtzugnetz hochziehen, wenn es sein muss Schritt für Schritt.
Da könnnte RDC ja mal zeigen was sie können und mit dem Kapital im Hintergrund könnte man sich das auch leisten wenn man wollen würde.

Oder wie wäre es mit so etwas wie Thello in Frankreich?

Die Einstellung der Nachtzüge ist traurig, aber ist ebenso eine Folge der Privatisierung, da eine betriebswirtschaftlich optimierte Eisenbahn sich das nicht leisten kann. Ist eben keine dem Allgemeinwohl dienende Eisenbahn.
Ich denke aber dass man mit Nachtzugverkehr, wenn man es richtig anstellt, gutes Geld verdienen kann, aber dazu muss man erst mal groß investieren. Es braucht neue, moderne Wagen und ein gutes Konzept, dazu nötiges Kapital.

(Mir ist übrigens klar dass die überwiegende Mehrheit der EVU nur scharf auf die Staatskohle aus dem SPNV ist. Eigenwirtschaftlich? Nein, das strengt an, ist ein Risiko und zu viel Arbeit)

Re: Die Logik will mir nicht einleuchten

geschrieben von: Rheinmain

Datum: 02.12.15 07:22

Athener schrieb:
-------------------------------------------------------
> Also nach der Logik müssten wir auch den
> Nahverkehr abschaffen, die SPNV-Wagen stehen ja
> nachts auch nur rum und verursachen Kosten...
Das der SPNV eigenwirtschaftlich ein Zuschußgeschäft ist, hat der Eigentümer der DB schon vor Jahrzehnten erkannt.



> Alles in allem könnte man es schon machen, aber:
> Das hätte einen hohen Preis.
Eben! Den ansonsten würden sich ja andere EVU auf diese gigantische Marktlücke stürzen, z.B. mit einem HKX-Nachtzug von Frankfurt nach Hamburg und am späten Nachmittag wieder zurück. Bei denen gibt es ja die Diskussion zu den Anstoßverkehren nicht mehr. Es werden einfach Sitzwagen für die eingereiht, die keinen Aufpreis zahlen wollen und für mehr Komfort gibt es Aufpreise.

Doch warum macht das niemand?

> Na wenn das alles eine Preisfrage ist - warum
> werden dann vor der Einstellung nicht mal
> wenigstens als Versuch die Tickets in den
> Nachtzügen zu den (angeblichen) tatsächlichen
> Kosten angeboten?
Weil es heute schon eine weiterverbreite Meinung ist, dass die Bahn zu teuer sei. Gerne werden dabei immer wieder die "ab"-Preise mit den Normal-/Flexipreisen der DB vergleichen. In Fachforen ist aber bekannt, dass die kaum jemand zahlt.

Re: Chance für neue Anbieter

geschrieben von: Freak-City Hbf

Datum: 02.12.15 07:56

Die Chance sehe ich einerseits auch: vieles kann man nur besser machen wie gescheite und komfortable Wagons, geringerer aber effektiverer Personaleinsatz, durchschaubares Preissystem, auch längere Distanzen und attraktivere Verbindungen wären längst möglich. Warum Berlin-München oder München-Milano gurken wenn längst Berlin-Rom/Mailand/Venedig drin wäre. Ich behaupte hier sogar, dass die privaten Anbieter, die krampfhaft versuchen wollen, 1-3 Mal in der Woche irgendwo am Tage Fernverkehr anbieten wollen, in der Nacht das bessere Geschäft machen könnten, jetzt erst recht, fast konkurrenzlos auf der Schiene.

Ich weiß als betroffener Langstreckenreisender: wenn ich in einem einigermaßen komfortablen Nachtzug, während ich einigermaßen ordentlich schlafe, 800 - 1000 km machen kann, dass ich die als Autofahrer nie wieder einholen würde. Und das ist mir verdammt viel wert, z. B. auf der Strecke Prag-Kosice, Berlin-Budapest.

Auf der anderen Seite bin ich sicher, dass der Staatskonzern es unliebsamer Konkurrenz auf der Schiene auch in der Nacht nicht leicht machen wird. Hier sind schließlich die Trassen für den schnellen Güterverkehr bestimmt, die auch sicher ordentlich Einnahmen bringen.

So oder so, sehe ich es einfach positiv, dass das Trauerspiel mit dem Nachtreiseverkehr der Deutschen Bahn ein baldiges "Ende mit Schrecken" haben wird.
rolwie schrieb:
-------------------------------------------------------
> Vermutlich landen dann die Comfortline bei den ÖBB.

Wird davon abhängen welches Konzept man verfolgt. Bis Ende 2016 stehen Neubauwagen aber wohl nicht zur Verfügung, sogesehen wird man sie zumindest tw. brauchen wenn man die Italienverkehre übernimmt.
Eng könnte es aber bei den ÖBB Liegewagen werden.

> Vermutlich ist der ausschlaggebende Grund auch die Einstellung der Autozüge mit, nach dessen Ende noch die ganzen Personale und Strukturen für die wenigen Züge aufrechtzuhalten

Da wird interessant wie/ob sich das auf die ÖBB ARZ auswirken wird.

> Düsseldorf-Wien (ÖBB)
> Hamburg-Wien (ÖBB)
> München-Rom/Milano (ÖBB)
> München-Budapest/Zagreb/Venezia (MAV,HZ, ÖBB)
> Berlin - Budapest/Wien (MAV, CD)

So wirds wohl aussehen. Rom, Milano und Venezia lässt sich zwecks Wagentausch mit den Wien Verbindungen verknüpfen.

> Wie wichtig sind der Schweiz die Zürichverbindungen ?...aber wer soll diese dann betreiben ?

Die SBB wohl kaum. Zürich - Prag wäre vielleicht denkbar, dass sich die CD wieder an die Verbindung über Salzburg erinnert.

mfg
MS




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:12:02:08:36:21.
Warum gibt es kein Unternehmen, dass sich gezielt auf den Nachtzugverkehr konzentriert.
Ich denke, dass die DB hier kein Interesse (mehr) hat ist mittlerweile deutlich und alles was aktuell noch betrieben wird, ist halbherzig und mit dem Ziel, den Karren vollends an die Wand zu fahren. Daher:

Macht es nicht Sinn, dass sich zentral ein europäisches Unternehmen um diese Verbindungen kümmert? Also keine DB, keine ÖBB und keine sonstigen Alleingänge. Es gibt ja aktuell einige private Anbieter in den Startlöchern in Deutschland, warum keine die sich gänzlich dem europäischen Nachtreiseverkehr annimmt? Aus meiner Erfahrung heraus: Die Züge sind praktisch immer ausgebucht. Wo hier der Verlust entsteht kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ganz unrentabel kann das doch nicht sein.
Wenn dieses Unternehmen nun noch den Autoreisezugverkehr als Anhängsel drannimmt, dann dürfte das doch ein funktionierendes Konzept sein. Ich glaube nicht, dass das der Wunsch von Nachtreisezugverkehr ein Hirngespinst in diesem Forum ist, sondern dass es "draußen" genug Interessierte gibt.

[OT] Lappland

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 02.12.15 09:11

Moin,

eine kurze Anmerkung von einem, der Probleme hat, im Schlafwagen dem Sinn des Wagens nachzukommen.

Kleiner Denkanstoß:
Alle paar Jahre werden in Schweden die Lapplandnachtzüge vom Staat ausgeschrieben.


Ebenjene Verbindungen leiden unter starkem Passagierrückgang (Tageszüge bis Umeå, schlechte Infrastruktur, teils katastrophale Pünklichkeit), weshalb seitens Trafikverket über Änderungen nachgedacht wird.


Viele Grüße
Sören

Ich sehe den Verlust vor allem im Planungs und Verwaltungswasserkopf, in der Unterhaltung, sowie erforderliche Investitionen in Revisionen oder Neuanschaffungen. die Aufrechterhaltung von Dienststellen wie Hamburg, München usw, und beim Personal.weiterer Punkt ist Vorhaltung von Rangierpersonal in gewissen Bahnhöfen bei Nacht. Bei so wenigen Zügen dürften sich die Dienststellen, die auf ganz andere Zugzahlen ausgelegt sind nicht rechnen.Es herrscht nur noch eine Art Alibiverkehr.

Grundlegend merkt man schon seit vielen Jahren das Desinteresse der DB am Nachtverkehr. Immer wieder fallen Wagen aus. Oft ist etwas defekt. Teile des Personals sind unmotiviert, was angesichts der allgemeinen Situation verständlich ist.

Seit Jahren erleben wir ein Nachtzugsterben in Salamitaktik.

Man kann nur hoffen, daß es von anderer Seite neue Betreiber, wie auch andere Bahnen geben wird für den Nachtverkehr. Bei den ÖBB, sowie bei der CD ist vieles besser als bei der DB. Der Service ist gut und freundlich, die Unterhaltung der fahrzeuge scheint gut. Ausfälle sind absolute Seltenheit.Man kann sich in der Regel darauf verlassen. Und flexibeler sind die anderen Bahnen auch. Oft gesehen beim EN 420-421. Dieser führte oftmals einen 2. Schlafwagen, weil entsprechend Bedarf war. Dort wird dann entsprechend, soweit möglich, reagiert.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:12:02:09:21:49.
Gibt es eigentlich ein Unternehmen das sich konsequenter zielgerichtet an den Wünschen seiner Kunden vorbei entwickelt, als die DB? Mir fällt keins ein. Jedenfalls keines was überlebt hat...
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