04 - Historisches Forum
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Beim Durchstöbern von alten Zeitungsartikeln bin ich auf folgenden Beitrag gestoßen, der am 10. Februar 1959 in der "Westfälischen Zeitung" in Bielefeld erschien. Im Februar 1959 wurde die stillgelegte Bielefelder Kreisbahn vom Schrotthändler Hebeler aus Bochum abgebaut und verwertet. Damit geriet die Kreisbahn noch einmal in das Interesse der örtlichen Presse - und war Anlaß für den folgenden Artikel. Dabei hat der Reporter in der Kreisbahndirektion offenbar Unterlagen einsehen können, die über den Verbleib von Lokomotivschildern und anderen Dokumenten Auskunft gaben. Wahrscheinlich lagen die Betriebsbücher der Loks auch in greifbarer Nähe ... Diese Unterlagen sind verschollen - aber vielleicht haben die Schilder (und weiteres?) bei Schildersammlern irgendwo überlebt? Da der Besitz solcher Schilder (und Bücher) ja nicht gerne an die große Glocke gehängt wird, freue ich mich auch über Hinweise als Privatnachrichten. Die "Westfälischen Nachrichten" schrieben damals:
Franz von Ditfurth nach Holland entführt - Mijnheer muß auf Bielefeld verzichten
Dornberg an der schönen blauen Donau ... und andere Neuigkeiten vom Ende der Bielefelder Kreisbahnen
Es müssen schon Lokomotiven Briefe an die Westfälische Zeitung schreiben, wie neulich (gemeint ist ein Artikel vom 6.2.1959, in dem die sprechende Dampflokomotive "Theesen" über den Stand der Dinge berichtete, CB), als die „Theesen" vom Kleinbahnhof, damit Dinge bekannt werden, von denen außer Eingeweihten kein Mensch etwas weiß. Oder wußten Sie etwa, daß „Franz von Ditfurth" nach Holland auswanderte? Nein, es handelt sich nicht um den altehrwürdigen, verdienten Bielefelder Landrat, sondern um die Kreisbahnlokomotive gleichen Namens. Ja, nicht einmal um die 24 Tonnen Eisen insgesamt, sondern nur um die Schilder mit dem Namen und mit der Herstellerfirma des fauchenden Monstrums. Ein Sammler in Holland ... doch erzählen wir die Geschichte von vorn:
Als sich durch die Zeitschrift „Der deutsche Verkehrsamateur" das Ende der Bielefelder Kreisbahnen herumgelesen hatte, konnte sich die Redaktion vor den Wünschen der Verkehrsamateure nicht retten. Die so angesprochene Gattung Mensch, Sammler aus Leidenschaft, wollte partout die Hinterlassenschaften unserer guten alten Kleinbahn unter sich aufteilen. Kiloweise bestellten sie Fahrkarten, alte Kursbücher. Die Pfeifen der Kleinbahnschaffner interessierten sie ebenso wie deren Achselstücke oder die roten Lederschärpen der Zugführer. Nicht zuletzt aber waren es die Lokomotiven selbst, oder, da der Transport derselben zu kostspielig gewesen wäre, wenigstens ihre Schilder, die sie haben wollten.
So wurden denn die gußeisernen Schilder der „Dornberg" nach Wien verfrachtet und schmücken das Heim eines Studenten. Die Schilder der „Heepen" fanden einen Liebhaber in Hanau, und der Spirituosen- und Kaffeegroßhändler am Main war glücklich, als sie endlich eintrafen. „Franz von Ditfurth" ziert, soweit es sich um seine Schilder handelt, eine Sammlung in Holland. Mit der „Bielefeld" hat es seine besondere Bewandtnis. Sie schmückt nicht etwa das Dienstzimmer des Landrats oder Oberbürgermeisters, im Gegenteil: sie scheint zu den wenigen Objekten dieses Namens zu gehören, die sich die beiden nicht streitig machen. Ihre Schilder liegen in Brackwede vergessen in einem Schuppen. Briefträger Bernhard Kühne in dem holländischen Städtchen Weert zwischen Roermond und Eindhoven, 54 Jahre alt und Vater von sieben Kindern, konnte die Summe für die Zollgebühren für den Metallpreis nicht aufbringen. Und das ist schade, denn Mijnheer Kühne hat schon einige Straßenbahnwagen zwischen den Blumenbeeten seines Gartens stehen, besitzt 14 000 Fotos von Schienenfahrzeugen aller Art und ein komplettes Direktionsbüro. Seine Sammlung hat soviel System, daß wissenschaftliche Institute und Verkehrsgesellschaften sie laufend in Anspruch nehmen.
Nur in Bielefeld, da interessierte sich außer den Schrotthändlern bisher niemand für das Ende der Kleinbahn. Dürfen wir an unseren Vorschlag vom Wochenende erinnern, wenigstens die „Theesen" als letztes Erinnerungsstück der Kreisbahn den nachfolgenden Geschlechtern zu erhalten? Daß ausgerechnet die Schilder der Bielefeld noch auf Abholung warten ist sicher mehr Fingerzeig als Zufall. Sprach man nicht schon öfter große Worte von einem technischen Museum in unserer Stadt?
rp.
vgl. Westfälische Zeitung vom 10. Februar 1959 bei schmalspur-ostwestfalen.de
Gesucht werden:
- Ein Student aus Wien
- Ein Spirituosen- und Kaffeegroßhändler aus Hanau am Main
- eine Sammlung in Holland
- Briefträger Bernhard Kühne aus dem holländischen Städtchen Weert zwischen Roermond und Eindhoven.
Sind die Schilder bei diesen Erstbesitzern noch vorhanden - und wurden damals neben den Schildern weitere Unterlagen erworben oder übernommen? Um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Ich selbst bin KEIN Schildersammler und habe kein Interesse an den Schildern selbst. Ein Foto oder ein Einblick in Dokumente würde mir schon reichen ...
Und damit das Ganze nicht so trocken bleibt, hänge ich Bilder von zwei der besprochenen Lokomotiven an:
Bild 1: Lok 8 "Dornberg" im Frühjahr 1954 vor dem Lokschuppen in Enger (Foto: P. Gabriel, Sammlung Kleinbahnmuseum Enger).
Bild 2: Lok 1 "Bielefeld" im Frühjahr 1954 in Werther, kurz vor der Einstellung des Personenverkehrs (Foto: P. Gabriel, Sammlung Kleinbahnmuseum Enger).
So, und nun bin ich gespannt, ob nach so vielen Jahren noch etwas herauskommt - Gruss, christoph beyer
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:09:27:17:13:10.
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Die Versammlung des leider verstorbene Ben Kühne aus Weert sollte nach dem Openbaar Vervoer Museum in Doetinchem überreicht worden sein (http://www.ovm-doetinchem.nl/). Vielleicht daß da noch etwas hierzu zu finden ist.