04 - Historisches Forum
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit von Bahn und Bus, die mindestens 10 Jahre alt sind. Aktuelle Bilder sind nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen zu verwenden. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen, die Qualität sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahn- und KEIN Foto-Forum! Für Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten, zum aktuellen Stand historischer Fahrzeuge oder Infrastrukturen sowie für die Bewertung von Fotos sind die entsprechenden Foren zu nutzen.
Neu bei Drehscheibe Online? » Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben steht das
» Testforum zur Verfügung!
Ihr Lieben,
eigentlich bin ich für Inselbahnen und für alte Deutz-Loks nicht zuständig - da gibt es andere Experten. Und die Bilder, die ich euch zeige, sind erst ein paar Tage alt. Ich zeige sie euch dennoch, da es sich bei dem Fahrzeugrest immerhin um eine etwa 110 Jahre alte Deutz-Lok handeln soll und ich einfach neugierig bin. Es geht um diese Rahmenkonstruktion:
Gesichtet habe ich dieses Lokfragment am 22.1.2009 im Betriebshof der Inselbahn Langeoog - und laut Malte Werning ([www.inselbahn.de]) soll es sich dabei um die Reste der Lok Deutz 16 (!) / 1899 (!) handeln. Er gibt die Typenbezeichnung mit „C XII F" an - Spurweite 1000 mm. Zu den ersten Typenbezeichnungen bei Deutz siehe auch hier die Übersicht von Jens Merte ([www.werkbahn.de]).
Der Lebenslauf findet sich bei inselbahn.de so:
06.06.1899: Auslieferung an Dampfschiffsreederei Norden, Norden für Inselbahn Juist "Ricklef"
27.11.1908: AG Reederei Juist, Norden, für Inselbahn Juist "Ricklef"
__.__.1920: AG Reederei Norden-Frisia, Norden, für Inselbahn Juist "Ricklef"
__.__.193x: an Marinehafenbauamt Flensburg, für Flughafen Sylt (?) [vor 1939]
__.__.194x: an IBL - Inselbahn Langeoog "o. Nr." [nur Fahrgestell, wurde lange Zeit als Kesselwagen zur Unkrautvernichtung verwendet]
[1999 + 2009 Reste vh]
Bei diesem Lebenslauf wird angegeben: Es soll sich um Lok Deutz 16 handeln.
Meine Fragen:
- Könnt ihr auf den Bildern irgendwelche Reste finden, die dieses Schrottgestell wirklich in den „Deutz-Adelsstand" erheben?
- Kennt ihr Vergleichsfotos zu anderen Loks der „C" - Serien, auf denen einzelne Bauteile (z.B. die Achslagerhalter) zu erkennen sind?
- Hat jemand das Betriebsbuch der Lok im Keller liegen und kann die Daten bestätigen und ergänzen?
Gruss - christoph beyer
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:01:25:15:56:52.
christoph beyer schrieb:
> Meine Fragen:
> - Könnt ihr auf den Bildern irgendwelche Reste
> finden, die dieses Schrottgestell wirklich in den
> „Deutz-Adelsstand" erheben?
ich sehe da gar keine Nieten an dem Gestell und das Deutz
1899 in der Schweißtechnik so weit gewesen wäre dergleichen zu schweißen -
da müßte wohl die Industriegeschichte umgeschrieben werden.
Mit Verlaub, wenn das dereinst eine Lok gewesen sein soll, dann ist die aber zwischendurch
mal durch ein Stahlwerk durch.
Auch erinnert die gesamte Konstruktion überhaupt nicht an eine Lok(rahmen).
Gruß
Norbert
geschrieben von: cw
Datum: 25.01.09 16:47
1. Auf der einen Achse ist ein Zahnrad, das könnte von einem Kettenantrieb stammen.
2. Diese uralten Loks waren wirklich so hochbeinig, siehe dieses bekannte Bild, das vermutlich die Schwesterlok "Adlof" zeigt:
Andererseits kann man den Einwand mit dem geschweißten Rahmen auch nicht von der Hand weisen.
Vielleicht sind ja nur noch die Achsen und die Achshalter "echt alt"?
Christopher
Gute und interessante Frage, Christoph.
Das gezeigte Fahrgestell sieht ganz und garnicht nach einem Triebfahrzeug-Rahmen aus, schon gar nicht nach einem uralten.
Die Schweißnähte passen nicht zu Baujahr 18xx .
Der Rahmen besteht aus für ein Triebfahrzeug vergleichsweise zierlichen U-Eisen, der Rahmen ist sehr wenig ausgesteift.
Der Rahmen besteht außen aus nach innen geöffneten U-Profilen, paßt nicht zu dem Vergleichsbild, dort sind die U-Eisen nach außen hin geöffnet..
Die Achslagerführung sieht auch nicht nach einem Triebfahrzeug aus.
Die Achswelle hat in der Mitte ein Ritzel, das würde wieder zu der Vergleichsbild-Lok mit dem außermittigen Schwungrad passen - ANtriebskette in Fahrzeugmitte...
Die Vergleichsbild-Lok hat Speichenräder, der gezeigte Lorenrahmen hat auf den "Antriebsachswellen" normale Feldbahn-Radscheiben mit Rundlochungen.
Meine starke Vermutung ist, das es sich um ein selbst gebasteltes Fahrgestell einer sparsam wirtschaftenden Werkstatt / Bahnverwaltung handelt, die beim Bau ( des Kesselwagens ? ) auf Teile aus der sprichwörtlichen "Restekiste" zurückgegriffen hat.
Bin schon mal auf weitere Ergebnisse zur Geschichte der "DEUTZ 16" gespannt.
Ein Deutz-Fan
Ohne Verwirrung stiften zu wollen: Ich habe dieses Fahrwerk bei meinen Langeoog-Besuchen eher der Motordraisine zugeordnet, deren Aufbau jahrelang am Bensersieler Hafen im Betriebsgelände stand.
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:01:25:19:12:42.
Lieber Dampfhappi, der "Schöma"-Rahmenrest steht gleich um die Ecke und sieht so aus.
Das gezeigte Fahrgestell ist also wirklich der (vermutete) Rest von Deutz 16.
Gruss - christoph beyer
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:01:26:09:19:22.
Hallo Christoph,
vor diesem Rätsel hatte ich kürzlich auch gestanden.
Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Gestell um ein Fahrzeug, bei dem eine kontinuierliche Existenzlinie von der Deutz-Lok Nummer 16 bis zu dem heute existierenden Fahrzeug nachgewiesen werden kann, zumindest auf dem Papier. Leider ist dabei wohl nichts vom Originalfahrzeug übriggeblieben. Ich konnte zumindest nichts erkennen, was auf ein solches Alter hinweist.
Einziges Indiz wären Bauteile an einer (im Bild linken) Achse, die auf die frühere Existenz eines Antriebes hinweisen.
Laut Auskunft der Werkstatt wurde dieser Rahmen seit Jahren nur als Träger für Sandstrahlarbeiten in der Werkstatt benutzt.
@dampfhappi: Das Chassis der Schöma-Draisine existiert auch noch, steht aber ein paar Meter weiter und der Aufbau dazu auf dem Festland am Hafen.
Gruß Rübenbahner
geschrieben von: 211 079-9
Datum: 25.01.09 20:20
Hallo zusammen, wenn überhaupt stammen die Achsen und Achslagerführung von der alten Deutz-Lok, mehr aber bestimmt nicht.
Schweißen war damals definitiv noch nicht in Mode!
Man kann allerdings auch erkennen, dass die Achslagerführungen ziemlich an den "Neuen Rahmen" angebraten wurden.
Trotzdem könnte es sich bei den Achsen aber tatsächlich um den Rest handeln. Die Literatur ist sich ziemlich einig, dass dieser Wagen ohne Nummer von der Sylter-Inselbahn übernommen wurde und genau dahin wurde die Lok Ricklef nach einer Zwischenstation in Flensburg verkauft.
Schönen Abend noch, Jens
geschrieben von: 211 079-9
Datum: 25.01.09 20:28
Die Motordraisine wurde aber erst 1973 bei Schöma gebaut. Es könnte natürlich sein, dass die Inselbahnwerkstatt die alten Achsen samt Führung unter den Rahmen der Draisine gebaut. Von der Schweißkonstruktion ist dieses gut möglich. Vielleicht gibt es bei Schöma ja noch die Bauzeichnung, anhand dieser könnte der Rahmen identifiziert werden.
Gruß Jens
Nein, bei Schöma gibt´s leider keine Bauzeichnung mehr. Nur ein paar Werkbilder fanden sich noch im Archiv, die auf inselbahn.de zu sehen sind.
geschrieben von: jw
Datum: 26.01.09 21:26
Wenn es sich bei Fabriknummer 16 und der Adlof um den Gleichentyp handeln sollte wäre von dem Fragment maximal die Achslager und ein Puffer von der Fabriknummer 16.
Rahmen,
wie von Christopher geschrieben ist der Rahmen des Fragmentes geschweißt, der von der Adlof genietet und nach außen offen, der Fragmentrahmen ist zudem länger, die Adlof überragt kaum die Radscheiben.
Achshalter,
die Adlof besitz Fachwerksachshalter, das Fragment nicht.
Radscheiben,
die Adlof besitz Speichenräder, das Fragment Lochscheibenräder, zudem erscheint der Durchmesser kleiner.
Antriebsrad,
bei der Adlof ist das Antriebsrad erkennbar, es ist aussermittig und wird über eine Kette oder Riemen angetrieben, das Fragment hat ein Zahnrad, kein Ketten oder Riemenrad.
Ich denke das Fragment und die Reste der Loknummer 16 haben maximal auf dem gleichen Abstellgleis gestanden.
Gruß
Jörg