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 04 - Historisches Forum 

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An einem heissen Sommertag habe ich auf einem Führerstand dieses blitzeblank gewienerte Schild entdeckt und auch gleich fotographiert. Die putztechnische Leistung des Personals führte dazu, dass sich mein Kopf auf dem funkelden Messing als Schatten erahnen läßt. Die Lok war übrigens genau so top gepflegt. Meine Frage an die Dampf- und Technik-Freaks war: Was wird mit dem Schild unmissverständlich erklärt?

http://schienensucher.de/albums/album16/RFFSA_114k_001.jpg

Nach 6 Minuten hatte dampfhappi aus dem Bauch richtig gelöst: Es ist eine Bedienungsanleitung für eine ölgefeuerte Dampflokomotive. Und damit ihr nicht lange herumsuchen müsst, tausche ich den portugiesischen Rätseltext hier gleich mal gegen die deutsche Übersetzung - angefangen von mir, aber wirklich zu Ende gebracht von Reinhard Gumbert (Obrigado, Reinhard!).

Nun habe ich aber wieder Fragen an euch - vor allem an die technisch versierteren hiforisti: Kann mir jemand mal laienhaft verständlich erklären, wie die Inbetriebnahme denn nun wirklich funktioniert? Und ist die Übersetzung von uns beiden auch technisch korrekt und schlüssig?

Brennbares Öl - Empfehlungen und Anweisungen - Loc: R.M.V.

ZÜNDEN:

Vorab muss überprüft werden, ob der Kessel mit genügend Wasser gefüllt ist und ob der Boden des Aschkastens frei von losen Steinbrocken (Ziegeln) oder anderen Gegenständen ist, die den freien Durchzug des Dampfstrahls und des zerstäubt austretenden Öles des Ölbrenners verhindern könnten, besonders wenn die Lokomotive mit Brennholz angesteckt wird.
Der Entleerungshahn des Bodens des Öltanks muss geöffnet sein, um das gesamte Wasser nach außen zu entleeren, das sich dort angesammelt haben könnte. Dieser Hahn muss gleich darauf wieder verschlossen werden.
Man öffnet leicht sowohl die Dampfzufuhr zum Ölvorwärmer und ebenso zum Überhitzer (? Super aquecedor), der sich unter dem Aschkasten befindet und dessen Druckablaßhahn geöffnet sein muß, als auch den Hahn am Öltank (offenbar: Belüftungshahn, denn die Ölzufuhr zum Brenner muß geschlossen sein). Dabei muß aber darauf geachtet werden, dass die Ölzufuhr zum Ölbrenner (richtig für macarico?) sorgfältig geschlossen ist.
Danach wird dem Ventilator etwas Dampf gegeben und dann der Dampf des Ölbrenners stark aufgedreht, um das gesamte Kondenswasser aus dem Ölbrenner heraus zu drücken.
Daraufhin befestigt man einen angesteckten (Woll-) Stopfen (also: Putzwolle?) an einem langen Stock, um damit dicht an den Brenner zu kommen, und öffnet die Ölzufuhr schrittweise (? radualmente) und gerade so weit, dass sich das Öl entzündet.
Auf keinen Fall darf die Ölzufuhr geöffnet werden, bevor die Dampfzufuhr zum Ölbrenner geöffnet wurde.
Nach dem Entzünden muß das Feuer beobachtet werden, um zu vermeiden, daß die Flamme (wieder) erlischt; dies kann zum gefährlichen Auslaufen von Öl auf den Boden des Aschkastens und in die Erde führen.
Überhaupt (oder: Grundsätzlich): Eine ölgefeuerte Lokomotive mit Feuer darf nicht verlassen werden.
Beim Anzünden einer ölgefeuerten Lokomotive soll so wenig Öl wie möglich verwendet werden - gleiches gilt für den Betrieb.

BEENDEN (oder: Löschen des Feuers):

1. Der Ölhahn des Tanks muss geschlossen werden, um die Ölleitung zum Ölbrenner zu leeren.
2. Den Ölhahn des Brenners langsam schließen.
3. Schliessen der Dampf - Entleerungshähne des Ölbrenners und des Ventilators.
4. Die Aschkastenklappen schließen (oder: Die Tür des Aschkastens schliessen.)
5. Wenn die Lokomotive länger als eine halbe Stunde stehen bleibt, muß der Deckel auf den Schornstein gesetzt (oder: geklappt?) werden. Das ist sehr wichtig – nicht nur um die Hitze und den Dampfdruck lange zu erhalten, sondern auch damit sich die … (? Estais) und Rohre nicht wegen schneller Abkühlung verziehen.

Eine Ölgefeuerte Lokomotive darf niemals mit eigenem Dampf bewegt werden, obwohl ihr Feuer bereits gelöscht ist.

Und hier noch ein Bild der Lok:

http://schienensucher.de/albums/album16/RFFSA_106k.jpg

Lok 42 der brasilianischen Staatsbahn (R.F.F.S.A.), aufgenommen am 12. Februar 1989 in Tiradentes (wie Matthias Maier es doch tatsächlich ausgeknobelt und vermutet hatte !!! ). Die Lok (Baldwin 38050 / 07.1912, Achsfolge 2C, Spurweite: 762 mm) verfügt über die oben beschriebene Ölfeuerung und war bis 1983 im Planbetrieb zu sehen.


edit: Deutsche Übersetzung eingearbeitet und Überschrift verändert.



10-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:02:21:20:06:56.

Ich kann zwar wirklich kein Spanisch ...

geschrieben von: dampfhappi

Datum: 17.01.08 22:37

... oder Portugiesisch, es scheint aber um das Anheizen einer ölgefeuerten Dampflok zu gehen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:01:17:22:38:40.

Ich bin mir nicht sicher, aber ...

geschrieben von: Palatino

Datum: 18.01.08 08:24

... das müsste doch Portugiesisch sein. Dort gibt es auch viele Substantive, die auf -gem enden (estalagem, barragem usw.). Aber in welchem Land, in dem Portugiesisch gesprochen wird, fahren noch ölgefeuerte Dampfloks, denn bei dem Text dürfte es sich tatsächlich um die Bedienungsanleitung für die Inbetriebnahme einer ölgefeuerten Dampflok handeln?

Die für Sonderfahrten entlang des Duoro eingesetzten CP-Dampfloks sind doch m.W. kohlegefeuert. Außerdem wird Portugiesisch noch in Brasilien gesprochen. Und mit der dortigen Eisenbahn kenne ich mich nicht aus.

Zuerst habe ich gedacht, das könnte auf einer der Loks des Dampfzuges in Patagonien sein, die sind ja definitiv ölgefeuert. Allerdings wird dort doch Spanisch gesprochen.

Eine Menge Ideen, aber keine definitive Lösung vorhanden!

Ich bin sehr gespannt auf die Aufkösung.

Grüße aus der Pfalz
Hubert

Brasilien - RMV

geschrieben von: E-Oldtimer

Datum: 18.01.08 10:23

Moin,

der Text ist definitiv portugiesisch, das sagt schon das Kernwort "locomotiva". Auf spanisch heißt es "locomotora".

R.M.V. könnte für "Rede Mineira de Viação" stehen, eine ehemalige brasilianische Bahngesellschaft, die auch elektrischen Betrieb hatte und in den 60er Jahren in einer anderen Bahn aufging.
Es könnte sich also um eine Lok handeln, die von dieser Bahn kam. Es gibt auch eine erhaltene Lok 205, aber die scheint holzgefeuert zu sein.

Cobra, übernehmen Sie.

"Das ist unerhört! Das ist ein Skandal! Wenn man sich nicht mal mehr auf den Fahrplan der Staatsbahn verlassen kann, worauf dann?"

(Egon Olsen, Die Olsenbande stellt die Weichen)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:01:18:10:26:26.

Re: Brasilien - RMV

geschrieben von: Matthias Maier

Datum: 18.01.08 11:37

Hallo,

mit dem Portugiesisch ist wohl definitiv so. Auch, daß es um eine Ölfeuerung geht. Ergänzend zu dampfhappi: Es wird sowohl da Anheizen wie das Abrüsten beschrieben. Drei Highlights, die mir bei einem ersten schnellen Übersetzungsversuch ins Auge gesprungen sind:

1. zu Beginn der Hinweis, man möge sich doch davon überzeugen, daß genügend Wasser im Kessel ist!-)
2. die Aufforderung, daß Feuer keinesfalls aus dem Auge zu lassen, sprich, wenn die Lok unter Feuer ist, muß Personal an Bord sein
3. wenn ich den letzten Satz richtig verstanden habe, soll nach Feuer aus, die Maschine unter keinen Umständen mit dem Restdampf noch bewegt werden

Die RMV-Deutung von Till scheint mir auch am sinnvollsten, wobei es dann mehrere Möglichkeiten gibt, wo die gesuchte Maschine eingesetzt wird:

Zum einen gibt es das Eisenbahnmuseum in Sao Jao del Rei; hier gibt es u.a. eine 2C1-Schwartzkopff-Maschine zu sehen (soweit ich weiß aber nicht betriebsfähig), die ursprünglich an die RF Viação Sul Mineira geliefert worden ist, welche 1931 in der R.M.V. aufgegangen ist. Außerdem verkehrt von hier aus die "Maria Fumaça" (Rauchende Maria) auf einer knapp 15km langen Strecke nach Tiradentes. Zumindest eine der hier eingesetzten Maschinen trägt das R.M.V.-Logo.

Zum anderen unterhält die ABPF (Associação Brasileira de Preservação Ferroviária) einen Teil ihrere Lokomotiven in einem ehemaligen Ringlokschuppen der R.M.V. bei der Station Cruzeiro, SP.

Auf die Schnelle habe ich aber bis jetzt nicht herausfinden können, ob da irgendwo eine ölgefeuerte Lok dabei ist.

noch kurz zur Geschichte der R.M.V.
entstanden 1931 durch die Zusammenlegung mehrerer kleinerer Bahnen wie E.F. Oeste de Minas, Rede Sul Mineira, E.F. Muzambinho u.a.
ging dann 1957 in das Eigentum der staatlichen R.F.F.S.A. über
heute gehört sie zur Ferrovia Centro Atlântica - F.C.A., die, wie der Name schon sagt, privatisierte Eisenbahnstrecken in der Mitte und im Osten Brasiliens betreibt

Gruß, Matthias


Edit: Geschichte R.M.V.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:01:18:11:59:55.

Die Lösung ...

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 18.01.08 22:34

Respekt - ihr seid der Lösung des Rätsels an einem Tag ja beängstigend nahe gekommen!

Dampfhappi hat seinem Namen alle Ehre gemacht und aus dem Bauch heraus genau das Richtige vermutet: Bei dem Messingschild handelt es sich um eine Anleitung zum Zünden der Ölfeuerung einer Dampflokomotive. Und das nach knapp 6 Minuten - ich fass es nicht!

Das Schild enthält wirklich den Namen der Bahngesellschaft : R.M.V. (Rede Mineira de Viação), eine Bahngesellschaft im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Dass ihr dann aber durch Kombinieren bis zur richtigen Strecke gekommen seid und auch schon nahe an der richtigen Lok wart, hat mich dann völlig verblüfft.

Hier erst mal ein Bild der Lok:

http://schienensucher.de/albums/album16/RFFSA_106k.jpg

Lok 42 der brasilianischen Staatsbahn (R.F.F.S.A.), aufgenommen am 12. Februar 1989 in Tiradentes (wie Matthias Maier es doch tatsächlich ausgeknobelt und vermutet hatte !!! ). Die Lok (Baldwin 38050 / 07.1912, Achsfolge 2C, Spurweite: 762 mm) verfügt über die oben beschriebene Ölfeuerung und war bis 1983 im Planbetrieb zu sehen.

Geliefert wurde sie an die Bahngesellschaft EFOM (Estrada da Ferro Oeste de Minas) als Nummer 44, später 42. Mit gleicher Nummer machte sie vier Eigentümerwechsel der Bahn mit: Zunächst 1931 zur R.M.V. (Rede Mineira de Viação), danach zur VFCO (V F Centro - Oeste), und 1957 zur staatlichen Bahngesellschaft R.F.F.S.A.. Unter deren Flagge habe ich sie 1989 aufgenommen. Mittlerweile ist sie bei einer Nachfolgegesellschaft der aufgelösten Staatsbahn.

Hier noch ein Blick in den Führerstand ...

http://schienensucher.de/albums/album16/RFFSA_113k.jpg

Die deutsche Übersetzung habe ich oben in die Frage eingetragen, um die Lesbarkeit zu verbessern.




5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:02:21:20:57:58.

Der brasilianische Text zum Nachlesen

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 18.01.08 22:39

Óleo combustivel - recomendacões e instruções - Loc: R.M.V.

ACENDER:

Deve - se verificar antes que a caldeira esteja com bastante agua e que o fundo do cinzeiro esteja bem livre de tijolos soltos cascão ou outro objeto que possa obstruir a livre passagem do jato de vapor e oleo atomisado saindo do maçarico, especialmente se a locomotiva for acesa com lenha.
Deve ser aberta a torneira de descarga do fundo do tanque de oleo para dreanar fora qualquer agua que tenha ali se acumulado fechando-se logo depois a dita torneira.
Abre-se um pouco o vapor para serpentina do tanque e tambem do super aquecedor embaixo do cinceiro cuja torneira de descarga deve encontrar-se aberta, e a torneira de oleo do tanque, verificando-se entretanto que a torneira de oleo para o maçarico esteja bem fechada.
Depois abre-se um puoco o vapor do ventilador, e então o vapor do maçarico bastante para expelir qualquer agua que tiver sido nele condensada.
Mete-se a seguir uma estopa acesa colocada na ponta de uma vara bem comprida para chega-la perto do maçarico, e abre- se a torneira do oleo radualmente e somente o sufficiente para o oleo inflamar-se.
Não se deve abrir em hipotese alguma o oleo antes do vapor do maçarico.
Depois de aceso o fogo deve ser vigiado, para evitar que em caso de se apagar a chama, isto possa resultar num perigoso extravio de oleo no fundo do cinzeiro e no chão.
Em suma: Uma locomotiva a oleo com fogo aceso, não póde ser abandonada.
Ao acender uma locomotiva a oleo, trabalhe-se com o minimo de oleo necessário, como tambem em serviço.

APAGAR:

1. Feche - se a torneira de oleo do tanque para esvasiar o cano de oleo ate maçarico.
2. Feche - se devagar a torneira de óleo do maçarico.
3. Fechem- se as torneiras de vapor do maçarico e do ventilador.
4. Fechem-se as portas do cinzeiro.
5. Coloque a tampa sobre a chaminé se a locomotiva por ficar parada mais de meia hora. Isto é de grande importancia não so para conservar o calor e pressão bastante tempo como tambem, para proteger os estais e tubos contra a contracão consequente do esfriamento rapido.

Uma locomotiva a oleo não deve nunca andar com vapor próprio estando o seu fogo apagado.




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:01:18:22:42:07.

Re: Bedienungsanleitung in Handarbeit geschlagen ...

geschrieben von: H_H_Jung

Datum: 19.01.08 10:23

Grüse aus der Wetterau,
Nicht zu unterschätzende handwerkliche Leistung:
Die Bedienungsanleitung ist offensichtlich in Handarbeit mit Einzelstempeln in die Messingplatte geschlagen ... ('SchlagZiffern') ... Hochachtung!!
HHJ

"HiFo international" !

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 19.01.08 11:33

Auch ich bin baß-erstaunt, wie schnell ihr hier in die richtige Richtung geknobelt und kombiniert habt! ...und wieviel Brasilien-know-how hier im HiFo versammelt ist. Muito bom !

Abracos de Aachen -
Reinhard
Hallo,

mich würd' schon noch interessieren, warum eine (diese?) Öllok nicht mehr gefahren werden soll, wenn die Flamme aus ist!
Weiß da einer der Dampfexperten was?

Gruß, Matthias

Re: Bedienungsanleitung in Handarbeit geschlagen ...

geschrieben von: E-Oldtimer

Datum: 19.01.08 15:11

H_H_Jung schrieb:
-------------------------------------------------------
> Nicht zu unterschätzende handwerkliche Leistung:
> Die Bedienungsanleitung ist offensichtlich in
> Handarbeit mit Einzelstempeln in die Messingplatte
> geschlagen ... ('SchlagZiffern') ...
> Hochachtung!!

Hierzulande hätte man da einen Lehrling (parson: Azubi) drangesetzt ;-)

Abgesehen davon interessiert mich auch, warum die Lok nicht mit ihrem Restdampf fahren darf?
Hat das etwas mit dem Brenner zu tun oder ist das nur die Angst, dass die Lok wegen Druckmangels an einer ungünstigen Stelle liegenbleiben könnte? Aber wer würde schon noch längere Strecken so fahren, und für hypothetische 2 km vom Bahnhof ins Bw dürfte es noch immer reichen.

"Das ist unerhört! Das ist ein Skandal! Wenn man sich nicht mal mehr auf den Fahrplan der Staatsbahn verlassen kann, worauf dann?"

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