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 04 - Historisches Forum 

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Der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) betrieb Anfang der 80er Jahre neben der Zeche in Alsdorf auch noch eine Zechenanlage im Bereich Ahlen (Westfalen) nahe Hamm. Gerüchteweise hatten wir immer wieder mal gehört, dass es dort noch Dampfloks geben soll. Das Zechen- und Kokereigelände war mit Mauern umgeben und schlecht einsehbar. Alle Informationen hatte etwas märchenhaftes. Das wäre ja zu schön um wahr zu sein, wenn es 1981 in erreichbarer Nähe noch echten Dampfbetrieb geben sollte!

Im September 1981 war ich diesem Gerücht schon einmal erfolglos nachgegangen (Siehe hier: [drehscheibe-online.ist-im-web.de] und hatte die Meldung dem Bereich „Märchen" zugeordnet. Aber: Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen ... !?

In den Herbstferien 1981 gab es dann einen heißen Tip: Im Bahnhof Ahlen hatte jemand eine Dampflok gesehen. Sonderfahrten auf DB - Gleisen gab es nicht - ob an der Geschichte doch was dran war? Mit einem Schulfreund sind wir trotz Regenwetters sofort losgeradelt, um genaueres herauszufinden.

So sind wir dann am 20.10.1981 völlig durchnäßt und durchweicht am Zechentor in Ahlen angekommen und sahen doch tatsächlich eine Dampflok! Wir haben nur noch die Räder an eine der Mauern gestellt, sind auf den Sattel gestiegen und haben mit der Kamera draufgehalten:

http://schienensucher.de/albums/album12/0280_17k.jpg

http://schienensucher.de/albums/album12/0280_19k.jpg

Bild 1+2: Lok Nr. 8 rangiert an der Zeche Ahlen. Von den Anlagen der Zeche Ahlen wurde später zunächst die Kokereianlage (im Hintergrund) aufgegeben und abgerissen, während die Förderanlagen und die Kohleverladung in Ahlen noch weiter liefen.

Mit der Dampflokherrlichkeit war es für uns dann aber schnell vorbei, da die Zeche in Ahlen über einen vorzüglichen Werksschutz verfügte, der uns sofort entdeckte. Wir wurden recht barsch in die Pförtnerbude gescheucht, mit dem Hinweis, dass so etwas unter Industriespionage fällt und jetzt gegen uns weitere Schritte eingeleitet würden. Aus der Traum?

Da saßen wir nun in der Pförtnerbude, die zum Glück über einen warmen Kohleofen verfügte und mit einem gesprächigen Mitarbeiter besetzt war. Der bot uns den Ofen zum Trocknen an und liess uns das Regenwetter erst einmal vergessen. Bis vom Werksschutz jemand da war, der entscheiden konnte, was mit uns zu geschehen hat, waren wir schon wieder trocken und munter. Wir hatten uns in der zeit auch ein Vorgehen überlegt, um den Werksschutz von der Harmlosigkeit unseres Treibens zu überzeugen. Nach einer knappen Stunde Aufwärmen verließen wir die Pförtnerbude - mit ein paar dringenden Ermahnungen versehen - aber gut durchgetrocknet.

http://schienensucher.de/albums/album12/0280_34k.jpg

Bild 3: Wir suchten erst einmal etwas Abstand vom Zechengelände und fuhren die Verbindungsstrecke zum Bundesbahnhof Ahlen ab. Von der Brücke der Beckumer Str. herab beobachteten wir Lok 2, die einen Leerzug zur Zeche brachte hatte. An dieser Stelle muss früher mal ein Gleis nach links abgezweigt sein, das ebenfalls zum Bf. Ahlen führte. So wäre es möglich gewesen, aus dem Zechengelände in Richtung Hamm (links) oder Neubeckum (rechts) abzubiegen. Erzählungen zufolge soll die Zechenbahn im zweiten Weltkrieg auch als Umleiterstrecke für den Bahnhof Hamm genutzt worden sein - da wären beide Abzweige hilfreich gewesen - weiss dazu jemand genaueres?

http://schienensucher.de/albums/album12/0280_32kk.jpg

Bild 4: Als nächstes versuchten wir unser Glück am Schrankenposten in der Schachtstrasse und beobachteten zunächst Lok Nr. 2 beim Rangieren. Hier wurden wir vom Schrankenwärter beobachtet - ahnten Schlimmstes - wurden aber gleich auf das Stellwerk eingeladen. Der Posten war wohl weit genug von den wachsamen Blicken des Werksschutzes entfernt. Für den einsamen Schrankenwärter waren wir an diesem trüben Tag eine willkommene Abwechslung. Ein Kohleofen verbreitete behagliche Wärme, der freundliche Mann sass auf einem alten Sessel und wusste viel zu erzählen. Es war eine Zeitreise, immer wieder unterbrochen von den rangierenden Lokomotiven und den Zügen, die das Zechengelände Richtung DB - Bahnhof verließen. Hier stimmte einfach alles - das Ganze hätte sich auch um 1970 mitten im Ruhrgebiet ereignen können.

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_03k.jpg

Bild 5: Aus der warmen Schrankenbude heraus bot sich zunächst dieser Blick auf die rangierende Lok Nr. 8.

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_07k.jpg

Bild 6: Kurz darauf verließ Lok Nr. 2 mit einem kurzen Zug das Zechengelände Richtung Bundesbahnhof ...

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_12k.jpg

Bild 7: ... um bald darauf Lz zurück zu kehren.

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_26k.jpg

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http://schienensucher.de/albums/album12/0281_30k.jpg

Bild 8 - 12: Etwas später (das Licht wurde nun doch etwas schwächer ...) zog Lok Nr. 8 dann einen schweren Kohlezug unter der Verladeanlage hervor und drückte ihn wieder zurück in die Abstellgleise.

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_34k.jpg

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_35k.jpg

Bild 13 + 14: Im letzten Licht des Tages haben wir dann noch einmal den Blick über die Mauer gewagt und Lok 8 ein letztes Mal beim Rangiergeschäft beobachtet. Auch wenn die Bildqualität nicht optimal ist - wir waren erst einmal begeistert. Dampfbetrieb in Westdeutschland im Jahre 1981, damit hatten wir nicht wirklich gerechnet! Wir machten uns zufrieden mit den Rädern auf den Heimweg ... und der Regen war uns erst einmal egal ...

http://schienensucher.de/albums/album12/0281_37k.jpg

Bild 15: Schlussbild des Tages: Lok Nr. 3 verläßt im Regen das Zechengelände Richtung Süden (Hamm - Uentrop / Kanalhafen).

Am Abend wurden die Bilder gleich entwickelt und der staunenden Familie präsentiert. Mein Vater beschloss, gleich am nächsten Tag (nun mit Auto) noch einmal dort hin zu fahren ... - aber davon später mehr.

Zum Einsatz der Fahrzeuge an diesem Tag: In Ahlen wurden bei unseren Besuchen 1981 und 1982 regelmäßig drei Loks gebraucht. Eine schwere Lok brachte die vollen Kohlezüge über eine Steigung von der Zeche herauf zum Bundesbahnbahnhof. Diese Aufgabe erledigte normalerweise Lok Nr 2. In der Zeche wurde eine weitere Lok mittlerer Leistung für den Verschub unter der Verladeanlage benötigt, eine dritte (kleinere) Lok war dann für weitere Rangieraufgaben und Fahrten auf der Strecke Richtung Hamm - Uentrop einsetzbar. Neben den Dieselloks Nr. 1-3 gab es Anfang der achtziger Jahre nur die Dampfloks Nr. 6 (Krupp 2902/1948) und Nr. 8 (Krupp 3079/1955) als Betriebsreserve. Sie kamen bei Ausfall oder Fristarbeiten der Dieselloks zum Einsatz, wenn alle drei Dieselloks ausfielen, wurden zusätzlich Leihloks heran geholt.

Die Fahrzeuge an diesem Tag (Danke für die „Dieseldaten" an Joachim Leitsch, ergänzt um unsere Unt. - Abschriften):

Lok Nr. 2": KHD 58241/68 (B'B'dh Typ DG 1000 BBM) Lebenslauf: 1993 an RAG 680 = 681, 02/94 -> OHE "120 070" (++ 08/2000)

Lok Nr. 3" KM 19456/71 (Cdh, Typ M 500 C, „16.4.1982 nächste Unt") Lebenslauf: 17.04.72 ex Krupp Bochum, KM Mietlok bis 197x, 1993 -> RAG 481, 04/95 -> NEWAG, 24.07.1995 an Böhler Edelstahl GmbH, Kapfenberg [A] "V"

Lok Nr. 8 (Krupp 3079/1955 Typ „Bergbau", Dh2t, „nächste Unt. 10.1983"). Lebenslauf: Am 19.01.1955 an Steinkohlenbergwerk Westfalen, Ahlen i.W. "8" 19XX übernommen von Eschweiler Bergwerksverein EBV, Grube Westfalen, Ahlen i.W. "8", 1983: a, 1985 Museumseisenbahn Paderborn MEP (Händler), 1985 Berliner Eisenbahnfreunde BEF "BERGBAU 8", 1998 Privat, Waggon-Union, Berlin-Borsigwalde , 06.2001 ++

Mit einem größeren Defekt war Lok 1" (KHD 57783/64) in Reparatur, als Reserve stand weiterhin Dampflok Nr. 6 (Krupp 2902/1948, später notiert: „Letzte HU, 9.8.1978 nächste Unt 7.9.1982".) im Schuppen.

Gruss - christoph beyer

Hier die Verweise zu allen Teilen:

- EBV Westfalen, Teil 1 (Vergebliche Suche - 05.09.1981): [drehscheibe-online.ist-im-web.de]
- EBV Westfalen, Teil 2 (Dampflok Nr. 8 im Einsatz - 20.10.1981): [drehscheibe-online.ist-im-web.de]
- EBV Westfalen, Teil 3 (Dampflok Nr. 8 im Einsatz - 21.10.1981): [drehscheibe-online.ist-im-web.de]
- EBV Westfalen, Teil 4 (Pfingstausflug mit Dampflok Nr. 6 - 31.05.1982): [drehscheibe-online.ist-im-web.de]
- EBV Westfalen, Teil 5 (Überraschungsgast - 27.07.1982): [drehscheibe-online.ist-im-web.de]
- EBV Westfalen, Teil 6 (Mitfahrt auf Dampflok Nr. 6 - 30.08.1982): [drehscheibe-online.ist-im-web.de]
- EBV Westfalen, Teil 7 (Die Zeit nach dem Dampfbetrieb - 21.8.1984):[drehscheibe-online.ist-im-web.de]

Eine kurze Chronologie der Zeche Westfalen und Bilder vom Zustand der Anlagen in Ahlen nach der Betriebseinstellung finden sich hier: [lostareas.urban-souls.net]




7-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:02:19:23:32:15.

*Ka-wumm*

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 19.05.07 11:14

http://free.pages.at/dh500ca/blonk.gif

Da lacht das Zechenbahnerherz :) Trotz des üblen Wetters sind Dir da excellente Bilder gelungen, Christoph - Respekt!

Und in den Vor-Internetzeiten war der Informationfluß langsamer, stockender und bisweilen unzureichend. Der EBV-Werksschutz im tiefsten Westen wie Osten war ja als extrem scharfer Hund bekannt und verschrieen. Trotzdem habt ihr viel, sehr viel von der "richtigen" Püttatmosphäre in der Pförtnerbude und dem Schra-Po mitbekommen - und das hat ja auch bleibende Erinnerungen bei Dir hinterlassen. Merke: Bergleute haben in der Regel eine extrem harte und rauhe Schale und einen nahezu butterflüssigen Kern !

Blonkstoff, höchstkarätigster!

geschrieben von: H.R.

Datum: 19.05.07 13:47

Nachdem ich ihn mir gleich doppelt zu Gemüte führen musste, fiel die Entscheidung über ein Verschieben anderweitiger Verpflichtung pro aus, so dass selbige noch etwas zu warten hat - und ein Eingreifen in die geschundene Tastatur jetzt Vorrang!

Das ist mal wieder ganz großartiges Kino! Wer kann nicht nachvollziehen, anno 81 mit nur vagen Aussagen, unbestätigten Hinweisen und nach einer ersten vergeblichen Anfahrt (per Rad natürlich) im Gepäck auf so etwas zu stoßen?

Ich kann es mir lebhaft vorstellen! Allerdings nicht in Bezug auf "Westfalen", denn wegen verwandtschaftlicher Anbindung an Ahlen und seinen Pütt bin ich schon in ziemlich früher Kindheit in den Genuss des Privilegs gekommen, über das Geschehen auf und um W. einigermaßen Bescheid zu wissen (den Duft vonne Kokerei habe ich noch immer in der Nase).

In der späteren Folge habe ich dann zwar auch die eine und andere Aufnahme zusammengesammelt, aber deine Ansichten hier sind größtenteils völlig neu - einfach grandios!!! Besonders verblüffend: Die "8" mit der Rauchkammer nach Süden - wüsste nicht, das jemals so gesehen zu haben.

Nicht minder wertvoll einige deiner Informationen - umgehend "sichergestellt". Vielen Dank auch dafür!!!

Was dies Fass denn letztlich zum Überlaufen bringt, ist die überaus farbige Schilderung eures Hopsgenommenwerdens (woher kenn ich das denn bloß???) - daran angeknüpft das kleine, bildliche Dankeschön für dieses Hochlicht:

http://www.hamm-osterfelder.de/seiten/foren/aw01.jpg

"Warum halten wir, Johann? Sagte ich nicht ausdrücklich, es eile?" - "Die 8, Herr Generaldirektor, die 8..."

Wie Herrn Direkter während eines Arbeitsessens mit maßgeblichen Montan-Magnaten im "Westphälischen Hof" (per Boten) umgehend durch den Leiter Werkschutz zugetragen wurde, ist es zu einem erfolgreichen Zugriff wider zwei Industriespione gekommen. Die Ergriffenen befänden sich festgesetzt in der Pförtnerei. Die Entscheidung, wie weiter mit ihnen zu verfahren sei, wird auf allerhöchster Ebene zu treffen sein - will sagen höchstselbst - nach Inaugenscheinnahme besagter Subjekte und Unterziehung derselben einer verschärften Befragung!

So (oder ähnlich) wird's wohl gewesen sein...
H.

Re: Blonkstoff, höchstkarätigster!

geschrieben von: Marina´s Heizer

Datum: 19.05.07 14:11

Dein Text am Schluss ist auch nicht von schlechten Eltern -))

Gruss vom Heizer;

Beste Grüße, Michael :-) https://s20.directupload.net/images/240906/bvfsgj8n.jpg ... und immer schön die Kurbel fest im Griff !
Moin!

Erst einmal: Tolle Bilder. Atmosphärisch sehr dicht, sa-gen-haft!

Die Zechenbahnstrecke ist tatsächlich als Umgehungsbahn im Zweiten Weltkrieg benutzt worden. Der Einfachheit halber zitiere ich mal aus "Bahnhof Hamm - Geschichte eines Eisenbahnknotens", S. 24:

"Bereits in den ersten Kriegsjahren war eine Umgehungsmöglichkeit der Lippebrücken geschaffen worden, da im Falle einer Beschädigung durch Bombentreffer die Ein- und Ausfahrten nach Münster und Bielefeld nicht mehr befahrbar gewesen wären. Man errichtete daher einen Anschluss von der Hafenbahn-Endstelle bis zur Ruhr-Lippe-Eisenbahn (RLE) in Haaren sowie ein durchgehendes Gleis abzweigend von der Strecke der Ruhr-Lippe-Eisenbahn im Hammer Süden bis zur Reichsbahn-Hauptstrecke zwischen Hamm und Rhynern (Strecke Hamm - Soest). Die Einfahrt erfolgte von Norden über die Gleise der Zeche Westfalen bei Ahlen. Ein Streckenleiter der Reichsbahn sowie Bedienstete der RLE und der Zechenbahn wurden für den ständigen Dienst an der Umgehungsbahn abgeordnet, so dass diese bei Bedarf sofort in Betrieb genommen werden konnte... Die umständlichen und langsamen Fahrten auf diesen Umgehungsbahnen bildeten aber eher die Ausnahme."

Schönen Sonntag noch! Viele Grüße vom

Hamenser



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:05:20:10:34:24.
Lieber Hamenser,

dann ist an dem Gerücht mit der Umleitungsstrecke also doch etwas dran. Nun bin ich in Hamm und Umgebung nicht wirklich ortsfest (jedenfalls was die Einzelheiten angeht) und habe auf die Schnelle eine Skizze zusammengefummelt, um meine Frasgen besser erklären zu können:

http://schienensucher.de/albums/album22/EBV11.jpg

Richtung Bielefeld - Ruhrgebiet: Wenn hier die Hauptbrücke am Hbf Hamm ausgefallen wäre, wären alle Einrichtungen vorhanden gewesen: Von Bielefeld aus auf die (in Ahlen südlich verlaufenden) Gütergleise, in den Güterbahnhof und dann über das Anschlussgleis auf die Schachtanlage zu. Durch die verladeanlagen durch (schon das wäre kurios geworden) und über die kleine Lippebrücke in Dolberg (hätte die das Gewicht überhaupt vertragen?) bis zum Kanal. Die Verbindung in Fahrtrichtung fehlt auf meiner Skizze - in späteren Jahren gab es da nichts - oder sollte im Bf Uentrop immer Kopf gemacht werden? Dann über die Kanalbrücke (ursprünglich nur für eine 1000-mm Schmalspurbahn gedacht - bei Sonderfahrten 1977 aber mit Baureihe 44 befahren, ohne Einsturz) zum Bf Hamm - RLE. Dort kurz vorher nach links abgebogen in Richtung Bf Hamm. Diese Verbindungskurve ist auf Karten eingezeichnet - ob sie in der Realität wirklich so dagewesen ist (oder noch besteht), daran kann ich mich nicht genau erinnern.

Richtung Ruhrgebiet - Bielefeld: Wie oben, nur anders herum.

Richtung Münster - Ruhrgebiet: Da wären nun die fehlenden Verbindungskurven hilfreich gewesen: Ich habe sie auf der Skizze gestrichelt eingezeichnet. Ohne diese Verbindungskurven hätte man in Hamm (bei zerstörter Lippebrücke) weder Bahnhof noch die Strecke nach Bielefeld erreicht. Und in Ahlen hätte man wieder ausgiebig rangieren müssen.

Richtung Ruhrgebiet - Münster: Das gleiche Problem wie bei der Gegenrichtung.

Wie ist es denn nun gewesen? - Gruss, christoph beyer



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:03:02:23:25:39.

Re: Die letzten Plandampfloks in Westfalen ... (15B)

geschrieben von: vobri

Datum: 21.05.07 00:36

Moin moin !

Vielen Dank für den tollen Beitrag - Zechenatmosphäre pur !

Auch ich stand einmal Aufgrund von "Gerüchten" am Schrankenposten Schachtstraße, leider vergeblich.
Ich war mit meinen Eltern auf der Durchreise, daher war nicht viel Zeit. Wir haben dann die Zeche, soweit möglich,
per Auto einmal umrundet ohne viel sehen zu können und dann mußten wir weiter.......

Deine Fragen zu diesem spannenden Thema kann ich leider nicht beantworten. Kamen die Dampfloks denn auch mal
aus dem Werksgelände heraus, etwa auf der in südlicher Richtung führenden Strecke ?

MfG Vobri

Dampfloks auf Strecke ...

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 21.05.07 08:54

ja, die Loks kamen auch aus dem Zechengelände heraus, wenn die entsprechenden Dieselloks defekt waren.
Davon später mehr - gruss, christoph beyer
Hallo, Christoph!

In aller Kürze zu Deiner Vermutung Bielefeld-Ruhrgebiet: Korrekt!
Für die Verbindung nach Münster gab es eine Umgehungsbahn nördlich von Hamm, welche von der Köln-Mindener Strecke bei Heessen abzweigte und sich um die Hügel in Richtung Bockum-Hövel schlängerte. Die Streckenführung entspricht ungefähr Deiner Annahme. Von Bockum-Hövel konnte man noch weiter über die WerBHE zur Zeche Werne, von dort aus auch noch weiter nach Kamen, um auf die Dortmunder Strecke zu gelangen. Von dieser Nordost-Nordwest-Umgehung ist an der Münsterstraße in Hamm noch ein Rest des Bahndammes zu sehen, bis vor ca. 15 jahren überspannte auch noch eine Brücke die Straße. Lt. eines Artikels in der hiesigen Lokalzeitung hat man die Gleise hier zu Beginn der 1950er Jahre schon wieder aufgehoben.

Wie schon gesagt, der Betrieb dieser Umgehungsbahnen war wohl sehr aufwendig und zeitraubend, so dass er wohl nicht oft stattgefunden haben dürfte...

Grüße vom Hammenser



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:05:21:10:56:07.
Lieber Hammenser,

na, da bin ich ja in eine Diskussion hereingeraten ... eigentlich wollte ich ja nur ein paar Dampfbilder aus Ahlen einstellen! Nun bin ich also in eine Suche nach alten Bahntrassen im Hammer Norden verwickelt (wo ich selbst nur einmal mit dem Rad frühmorgens auf dem Weg Nach Bokum-Hövel durchgeradelt bin und mich nun wirklich an KEINE Einzelheiten erinnern kann).

Wie oben vermutet, wäre eine Umleitung des Bahnhofs Hamm und seiner Lippebrücken nur sinnvoll gewesen, wenn es im Norden von Hamm eine Verbindungskurve gegeben hätte - und nur mit dieser Vermutung hatte ich einen Streckenverlauf auf blauen Dunst hin in die Karte eingezeichnet. Und so eine Strecke muss es also gegeben haben - nur wo? Mit deiner Bestätigung und einem Vorschlag von Hartmut Riedermann ergibt sich folgendes Bild:

http://schienensucher.de/albums/album22/EBV13.jpg

Reichsbahn / Bundesbahn: Blau, Strassen: Rot, Umleitungsstrecke: Lila, Umleitungsstrecke vermutet: Lila gestrichelt.

Ausgangspunkt ist der ehemalige weitläufige Rangierbahnhof (oder war es „nur" ein Zechen - Übergabebahnhof?) in Hamm - Heesen. Von dort läßt sich auf Karten und bei google earth auch heute noch ein Bahndamm erkennen (Lila Linie), der wohl zu einer stillgelegten Schachtanlage im Ortsteil Kötterberg geführt hat. Das auf der Karte schwarz eingezeichnete Gebäude müsste in etwa die Lage dieses Schachtes markieren, da die Stichstrasse dort heute "Am Schacht III" heißt.

Von da an darf nun munter vermutet werden: Hartmut Riedemann schlägt in einer E-Mail eine Nordvariante vor (einmal um den Kötterberg hinten herum), die mittlere Trasse hätte die Topographie für sich und würde mit wenigen Kurven auskommen, die untere wäre der direkteste Weg zu den Bahngleisen der Strecke nach Münster und würde dann dem Feldweg folgen.

Na, hat nicht jemand einen alten Onkel in Hamm - Kötterberg wohnen, der sich daran noch erinnern kann?

Gruss - christoph beyer

edit hat wieder gemeckert - und ich habe herausgefunden, dass es in Kötterberg wirklich einen Schacht gegeben haben muss.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:03:02:23:26:02.
Hhmmmm... jaaaa... nuuuuun... um mal meinen ehemaligen Mathematiklehrer zu zitieren...
Da ich nun auf die genauen Örtlichkeiten festgenagelt werden soll ;-) werde ich zum Zwecke dessen bei nächster Gelegenheit mal den entsprechenden Zeitungsartikel nachreichenund mal versuchen, ein Foto von der jetzigen Situation an der Münsterstraße zu knipsen. Da muss ich dann aber um etwas Geduld bitten.
Zur Streckenführung Heessen - Bo-Hö: Ich würde doch meinen, am Fuße des Kötterberges... also die Nordvariante. Scheint mir am plausibelsten zu sein.

Leider kann ich jetzt nicht in den richtigen Bereich meines Archives eintauchen, da sich selbiger bei meinen Eltern befindet.

Daher demnächst mehr von dieser Stelle.

In diesem Sinne bitte etwas Geduld und bis die Tage!
Grüße
Markus

PS: Aber du stammst nicht zufällig aus dem Hammer Norden, bis nur "Durchgereister"?

Durchgereister ...

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 21.05.07 17:16

heißt in diesem Fall eher "durchgeradelter". Ich habe damals in Lippstadt gewohnt und hatte nach einer langen Radtour (im Norden von Hamm radelten wir schon gegen die Uhr) den WBHE - Zug ganz knapp in Bokum-Hövel verpasst. Wie gesagt, das Hobby ist eben nicht nur eine Erfolgsgeschichte ... ;-)). christoph beyer

Einfach toll....

geschrieben von: sago

Datum: 21.05.07 21:35

1981, im zarten Alter von 9 Jahren, war ich regelmäßig bei meiner Oma in Ahlen zu Besuch. Genau hinter dem Haus führte die Strecke von der DB zur Zeche... Wie oft habe ich damals die Loks bestaunt. Leider ist heute nichts mehr davon zu sehen. Schade eigentlich. Umso schöner jetzt diese Bilder hier zu sehen und deine kleinen Anekdoten dazu zu lesen ;-) Ich habe mir den Bericht dann auch gleich einmal auf die Festplatte gebannt...

Grüße, Sven
Will Dir zuerst mal für Deine Berichte hier danken (auch wenn ich annehme, dass der Dank - nach so langer Zeit - eher ein bißchen ins Leere geht). Da ich seit nunmehr etwa 3 Jahren hier in Ahlen zu Hause bin, kann ich etwas zum Thema sagen. Konkret zu Bild 3; da gab es bis in die 50-er Jahre ( ? ) wirklich eine Verbindung links weg zum Personenbahnhof. Und der Spaß ist, Teile davon lassen sich heute noch erkennen ! An der Stelle, wo die Holzbude steht, war der Abzweig. Heutzutage ist dort ein Spielplatz, genau auf der Trasse der alten Verbindung. Der Rest ist - wie sollte es anders sein - in einem Fahrradweg aufgegangen (Zeche bis kurz vor dem Übergabebahnhof, in der Gegenrichtung weiter in Richtung Hamm- Uentrop). Aber zurück zum Thema; die Trasse Richtung Personenbahnhof verlief über besagten Spielplatz, dann durch (später angelegte) Schrebergärten, überquerte den heutigen Konrad- Adenauer- Ring (welcher damals so noch nicht existierte) und führte über ein Werksgelände (heute Firma Kaldewei) in Richtung Bhf. Eine Baumreihe zeigt heute noch den Weg der Gleise. Und, zu guter Letzt, in unmittelbarer Nähe des Kaldewei- Werksgeländes liegt noch ein Gleis. Prellbock - Ende. Befahren wird dieses allerdings auch schon ewig nicht mehr. Leider ist mir meine Festplatte mit den Fotos abgeraucht, ansonsten hätte ich gern ein paar Bilder zum Thema eingestellt. Aber wer sucht, der findet, bei google.maps (Ahlen) lässt sich der alte Streckenverlauf noch gut nachvollziehen.
Soviel dazu, viele Grüße aus Ahlen (ich hoffe, die kommen irgendwann vielleicht doch an), Heizermütze (Michael).
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