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 04 - Historisches Forum 

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Hallo allerseits,

wer, wie ich, nicht nur Lokomotiven und Zügen, sondern auch dem Drumherum der Bahn den einen oder anderen aufmerksamen Blick widmet, dem wird mit Sicherheit schon einmal der kantig-schmucklos-schlichte Schrankenposten-Einheitsbau aufgefallen sein, den es bei der DB in recht großer Stückzahl gab. Lange Zeit habe ich die Einheitlichkeit dieser architektonischen Kleinformen in offensichtlicher Fertigbauweise interessiert zur Kenntnis genommen, bin aber nie ihren Hintergründen und ihrer Entstehungsgeschichte nachgegangen.

Kürzlich hat der HiForist l.k. in einem seiner sehr spannenden und verdienstvollen Beiträge mit Links zum SWR-Archiv einen Filmbeitrag aus der ARD-Mediathek verlinkt, der ein wenig die Hintergründe beleuchtet und den Aufbau eines solchen Gebäudes in Bild und Ton zeigt. Dieser Tage hat nun ein Galeriebild von Andreas Burow, das ein solches Postengebäude zeigt, hier im HiFo interessierte Nachfragen ausgelöst, die Martin ‚Befehlsturm‘ Balser dankenswerter Weise mit dem Scan eines Artikels im ‚Eisenbahningenieur‘ 13/1962 über diesen Einheitsbau beantwortet hat. „Erfinder“ der Gebäudes ist demzufolge ein Herr Zempelin, die Geburtsstunde dürfte Anfang der 1960er zu verorten sein.

Mein Informationsbedürfnis hinsichtlich des Typenbaus ist damit vorläufig gestillt. Dass es eine Liefer- und Verbleibsliste gibt, wage ich nicht zu hoffen …

Um diesem Typenbau ein wenig zu huldigen, habe ich nachfolgend einige bereits gescannte Dias herausgesucht, die zwischen ca. 1987 und 2003 mit Schwerpunkt Ende der 1990er Jahre entstanden sind. Nicht alle Scans entsprechen heutigen Qualitätsansprüchen. Auch bitte ich um Verständnis, dass ich ad hoc keine Aufnahmedaten, Zug- und Tfz-Nummern liefern kann; wer berechtigtes Interesse nachweist, für den werde ich gerne in die Katakomben steigen und die Daten nachzuliefern versuchen ;-)

Hangeln wir uns nun also von Nord nach Süd durch die Republik, stets die bahnbauliche Ausformung von „quadratisch, praktisch, gut“ im Blick.

Bild 1:
Beginnen wir die Reise unweit der Elbe: Posten 94 – die Postennummer ist am Gebäude offenbar abgefallen, die oben rechts klebende ‚43’dürfte die postalische Hausnummer sein – sichert einen viel befahrenen BÜ in Hamburg-Wandsbek. Und zwar bis (fast) heute, wie ein aktueller Beitrag im SiFo von ‚HT‘ zeigt. Das Postengebäude ist allerdings mittlerweile durch Baucontainer ersetzt.


http://www.schrankenposten.de/Posten/140_94.jpg



Bild 2:
Im Stadtgebiet Northeim stellte die Strecke nach Herzberg – Nordhausen ein Verkehrshindernis dar: gleich drei postengesicherte Bahnübergänge mit den Bezeichnungen 89a, 89b und 89c fanden sich bereits auf dem ersten Streckenkilometer. Die Auflassung des Posten 89a ist unverkennbar in Arbeit, als die Braunschweiger 216 201 das Einheits-Gebäude passiert.


http://www.schrankenposten.de/Posten/357_89a.jpg




Bild 3:
Hier bin ich mir nicht sicher, ob es sich tatsächlich um *den* Temelin-Typenbau handelt, bei dem man einfach das Untergeschoss nicht verkleidet hat, oder eine verwandte Konstruktion. Wie dem auch sei: das Ensemble aus Fertigteil-Gebäude, elektrischen Schranken, VT 624 und ‚Starenkasten‘ zur Rotlichtüberwachung des unmittelbar benachbarten BÜ strahlt Bundesbahn-Zeit aus. Wir befinden uns übrigens in Herzebrock an der Strecke Münster (Westf.) – Rheda-Wiedenbrück.


http://www.schrankenposten.de/Posten/406_8.jpg



Bild 4:
Bis Anfang der 2000er Jahre war das Münsterland ein (relatives) Schrankenposten-Paradies. Neben einigen preußischen und individuell entworfenen neueren Gebäuden durfte hier auch ein „Zempelin-Bau“ nicht fehlen. Posten 22 in Reken an der Strecke Coesfeld – Dorsten ist mit seiner Farbgebung ein Denkmal für die „Rosaroten Zeiten“ der Bundesbahn. Weitere Bilder des Postens hat Thomas Woditsch im HiFo geteilt.


http://www.schrankenposten.de/Posten/424_22.jpg



Bild 5:
Dass der Zempelin-Einheitsbau kein Einheitsbau war, sondern je nach örtlichen Bedarfen variiert werden konnte, zeigt diese Aufnahme vom bekannten Posten 3 an der Dortmunder Güterumgehungsbahn, wo sich Straßenbahn und Eisenbahn kreuzen. Und mit ‚Variation‘ meine ich jetzt nicht die sehr individuelle Farbgebung, sondern die Teil-Verkleidung der Treppe als Erker.


http://www.schrankenposten.de/Posten/415-zu_3.jpg



Bild 6:
Leider irreversibel überstrahlt ist diese Aufnahme aus dem Frühjahr 1995 von 103 155 am Posten 139 westlich von Hagen-Haspe, dessen Einfahrsignal über dem IC zu erahnen ist. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob es sich bei dem Gebäude tatsächlich um den Zempelin-Einheitsbau handelt – mir scheint es etwas massiger.


http://www.schrankenposten.de/Posten/455_139.jpg



Bild 7:
Mit Sicherheit kein Zempelin-Produkt ist angesichts von Kubatur und Putzfassade Posten 11 in Priorei an der Strecke Hagen – Brügge. 290 021 kommt im August 2000 als Lz aus Richtung Brügge angerollt.


http://www.schrankenposten.de/Posten/434_11.jpg



Bild 8:
Dagegen passen die Abmessungen von Posten 24 in Bonn gut zu den Zempelin-Typenbauten. Allein die offensichtlich „aufgepolsterte“ Fassade des Obergeschosses lässt zweifeln: sollte sich hier jemand angesichts der katastrophalen Wärmedämmwerte der Konstruktion nachträglich der Schranken-Werktätigen erbarmt haben?


http://www.schrankenposten.de/Posten/470_24.jpg



Bild 9:
Posten 7 in Troisdorf strahlte mitten im Bahnhof im Mittsiebziger-Türkis der Bundesbahn. Die vermutlich nachträglich installierten Sonnenblenden verraten, dass es trotz des weit auskragenden und Schatten spendenden Dachs um Wärme- und Beleuchtungsverhältnisse des Typenbaus nicht zum Besten bestellt war.
Der mittlerweile geschlossene BÜ weist übrigens eine beachtliche Querungslänge auf. Hier möchte ich nicht Schrankenwärter gewesen sein, wenn die sprichwörtliche Oma mit Krückstock über die Gleise wollte und gleichzeitig mein Fdl einen Schnellzug annoncierte …


http://www.schrankenposten.de/Posten/465_7.jpg



Bilder 10 und 11:
Gleich zwei Aufnahmen möchte ich Posten 57 in Lenhausen unweit Finnentrop an der Ruhr-Sieg-Strecke widmen. Am 2. März 1997 ist hier noch die IR-Linie 22 mit 112ern im Sandwich unterwegs, fünf Jahre später nigelnagelneue 425er als Regionalbahnen, während der BÜ zur Automatisierung vorbereitet wird.


http://www.schrankenposten.de/Posten/440_57.jpg

http://www.schrankenposten.de/Posten/440_57-II.jpg



Bild 12:
Auch jenseits der Magistralen finden sich Zempelin-Bauten, wie hier in Stockheim (Oberhessen). Ein 628 macht sich gerade auf den Weg in Richtung Bad Vilbel, ein weiterer wartet im Hintergrund noch auf Abfahrt nach Gießen.


http://www.schrankenposten.de/Posten/631_37.jpg



Bild 13:
Auf freiem Feld zwischen Mainz-Bretzenheim und Mainz-Gonsenheim befand sich Posten 37, der hier von der K’lauterner 218 387 passiert wird. Dank eines Beitrags des Users l.k. wissen wir, dass an diesem BÜ 1961 ein (erfolgloser) Betriebsversuch mit einer Warnanlage für Kraftfahrer unternommen worden ist.


http://www.schrankenposten.de/Posten/661_37.jpg



Bilder 14 und 15:
Wiederum zwei Bilder möchte ich Posten 10 zwischen Monsheim und Worms widmen. 1988 bestimmen noch der Paraden-Steuerwagen 815 616, ein „uralt“-Linienbus und der nagelneue Honda CRX des Schrankenwärters das Motiv, einige Jahre später ein verkehrsroter 628 und die Bauarbeiten zu Automatisierung des BÜ.


http://www.schrankenposten.de/Posten/662_10.jpg

http://www.schrankenposten.de/Posten/662_10-II.jpg



Bild 16:
Anfang der 2000er war auch in Lauterecken-Grumbach an der Glan- und Lautertalbahn mit Po 3035 (netzweite Zählung der Pfälzischen Eisenbahnen ;-) ) noch ein Zempelin-Gebäude in Betrieb. Auch hier sind die Vorbereitungen zu Ablösung unübersehbar.


http://www.schrankenposten.de/Posten/673_3035.jpg



Bild 17:
Von diesem beeindruckend blauen Exemplar kann ich leider nur einen miesen Scan zeigen. Im Stadtgebiet Heilbronn sichert Po 64 die V60-Übergabe aus Schwaigern gegen feindliche Kfz-Fahrten.


http://www.schrankenposten.de/Posten/710-4_64.jpg



Bild 18:
Mit einem großen Sprung nach Süden landen wir am Posten 1 in Schrobenhausen an der Strecke Augsburg – Ingolstadt. Ob es sich hier um einen gezwergten Zempelin-Bau handelt, wird sich vermutlich nicht mehr klären lassen. Die Ähnlichkeit ist jedenfalls kaum zu leugnen. Und auch die Arbeiten zur Automatisierung des BÜ sind nicht zu übersehen.


http://www.schrankenposten.de/Posten/983_1.jpg



Bild 19:
In Eichenau zwischen München-Pasing und Geltendorf sicherte Posten 4 lange Jahre zuverlässig den BÜ einer Staatsstraße. 218 466 ist an einem Wintertag 1999 unterwegs nach Westen.


http://www.schrankenposten.de/Posten/970_4.jpg



Bild 20:
Zum Abschluss begeben wir uns in die Näher der österreichischen Grenze: zwischen Brannenburg und Flintsbach sicherte Posten 8 mehrere mehr oder minder wichtige BÜ. ÖBB-1044 -1044 236 ist mit einem gemischten Güterzug auf dem Weg nach Süden.



http://www.schrankenposten.de/Posten/950_8.jpg



Ich hoffe, es hat gefallen. Ergänzungen und konstruktive Kommentare sind gerne gesehen.


Grüße
Volker



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:06:26:14:51:56.
Wow! Was ist das denn! Eine echte Brückentags-Überraschung. Ich bin restlos begeistert. Danke! :-)


Bye. Flo.
Hallo Volker,

vielen Dank, dass du deine Bilder der Schrankenposten (wieder) zeigst.
Deine Homepage dürfte gerne auch wieder reaktiviert werden.

Aktuell muss ich mir immer mit der Sicherung aus dem Internetarchiv behelfen wenn ich Infos zu bestimmten Posten suche.

Viele Grüße von Steffen
------ Exoten der Epoche IV ------
Beitragsverzeichnis Modellbahn und Historisches aus Rheinland-Pfalz
[www.drehscheibe-online.de]

Mit Kakadu, blau-beigem 515 und vielem mehr...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:05:22:08:13:08.

! dazu ein Bild aus Preetz

geschrieben von: Alberto

Datum: 22.05.20 08:32

Hallo Volker,

vielen Dank für Deinen Bericht - da werden Kindheitserinnerungen wach (ich bin Jahrgang 1968) !

Wir in Preetz hatten nämlich von 1965 - 1985 auch ein solches Gebäude (von dort wurde der Bahnübergang Kührener Straße in der Bahnhofsausfahrt in Ri. Kühren gesichert). Manchmal durfte ich auch zum Schrankenwärter hinaufkommen - die Herren Möller, Schlüter und Andruschek kannten mich bereits früh als Eisenbahnfan. Da ich stets im Bereich der Kührener Straße wohnte, bin ich wohl tausende Male an dem Gebäude vorbeigegangen.

Hier ein Bild von 1985 ----->

https://up.picr.de/38596736vm.jpg

Gruß aus Preetz

Alberto



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:05:22:10:33:31.
Moin Volker,

ein interessanter Beitrag! Man kann es sich natürlich gut vorstellen, dass man auch bei einfachen Schrankenposten eine Art "Baukasten" aufgelegt hatte, um diese Einheitsbauten möglichst kostengünstig zu erstellen.

Da hätte ich auch noch ein Exemplar, bei dem ich allerdings nicht sicher bin, ob dieser Posten auch dazugehört:

http://www.eisenbahnhobby.de/Bodensee/Z5742_Po1_Lindau-Reutin_2-8-13.jpg

Es handelt sich um Posten 1, zwischen dem Bodenseedamm Lindau und dem Bahnhof Lindau-Reutin gelegen.


Danke fürs Zeigen,

Martin
Danke für den Beitrag. In Meschede Laer am Bahnübergang gabs auch so eine Kiste. Ich hab leider kein Bild davon, daher:
[www.sauerlandbahnen.de]
Man muss nur etwas runterscrollen.

Ceterum censeo Confoederationem esse delendam

Christof Bastert

[www.revolution1848-1849.eu]

www.schrankenposten.de

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 22.05.20 09:09

Hallo Steffen,

v100fan schrieb:
Deine Homepage dürfte gerne auch wieder reaktiviert werden.
Da kann ich Dir leider keine Hoffnung machen, das lässt mein Zeitbudget definitiv nicht zu. Es gilt aber immer noch, was ich vor knapp zehn Jahren geschrieben habe: [www.drehscheibe-online.de]

Grüße
Volker

Was für ein Bild!

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 22.05.20 09:15

Hallo Alberto,

vielen Dank für dieses phantastische Bild: der Posten, die wartende Meute in zeitgenössischem Outfit, das Verkehrswacht-Plakat ...

Ich habe Preetz leider erst vor rund 20 Jahren kennengelernt, da war der Posten schon weg. Gab es am anderen Ende nicht noch einen Posten, ebenfalls mit modernem Gebäude, allerdings kein Zempelin-Bau, das nach der Automatisierung des BÜ sogar noch eine Nachnutzung gefunden hat?


Grüße
Volker
Guten Morgen zusammen,

einen mittlerweile aufgelassenen BÜ mit dem entsprechenden Einheitsbau dürfte es auch in Pfaffenhofen a.d. Ilm in Oberbayern an der Ausbaustrecke München-Ingolstadt gegeben haben. Die Strecke wurde bis zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 ausgebaut und weiter von Ingolstadt nach Nürnberg als Schnellfahrstrecke komplett neu gebaut um die Fernzüge direkter und schneller zwischen den größten Städten in Bayern und Franken (und weiter nach Berlin) zu machen. Daher nehme ich an wurde dieser BÜ an den südlichen Ausfahrweichen des Bahnhofs im Rahmen der Um- und Neubauten im Bahnhof beseitigt.

Hier Bilder aufgenommen an einem sauheißen Tag im Juli 2017:

2017_07_06 Pfaffenhofen a d Ilm 19_082.JPG

2017_07_06 Pfaffenhofen a d Ilm 20_083.JPG

Schönen Tag allerseits!

Weitere Einheits-Bauformen

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 22.05.20 10:01

Hallo Martin,

danke für das Bild! Die Lindauer Schrankenposten müssten ja mittlerweile auch alle weg sein?

martin welzel schrieb:
Da hätte ich auch noch ein Exemplar, bei dem ich allerdings nicht sicher bin, ob dieser Posten auch dazugehört:
Angesichts der Putzfassade und des gemauerten Kamins ist das sicher kein Zempelin-Fertigbau, aber die Ähnlichkeit ist da.

Gleich "um die Ecke" von Posten 1 findet/fand sich mit dem bekannten Posten 48 aber ein weiterer Typenbau, der mit seinem charakteristischen Pultdach in Bayern häufiger anzutreffen war:

http://schrankenposten.de/Posten/970_48.jpg


Zu diesem Typ würde mich auch mal die Historie interessieren ...


Grüße
Volker

Vielen Dank - besonders für Bild 6

geschrieben von: Michael Haase

Datum: 22.05.20 10:12

Hallo Volker,

vielen Dank für die Bilder.
Ganz besonders habe ich mich über Bild 6 gefreut, welches den Bahnübergang Hördenstraße in Hagen zeigt.
Bei Bild 1 und 2 hab ich gedacht, dass der BÜ da gut rein passen würde und dann zeigst du ihn.

Zu dem BÜ hab ich eine besondere Beziehung, denn er lag auf dem Weg zum Kindergarten.
Ich weiß gar nicht wie oft wir in Mamas grünem Kadett C dort gestanden haben. Und immer diese Spannung, was für ein Zug kommt.

Ein paar Meter hinter deinem Fotostandpunkt lag der Kindergarten und mein Lieblingsplatz war am Zaun zur Bahnstrecke. Gefühlt habe ich beim "Freigang" so gut wie immer dort gestanden und den Zügen zugesehen.

Diese Erinnerungen hast du mit deinem Bild geweckt :-)

Heute ist dort übrigens alles anders.
BÜ weg, Posten natürlich auch. Die Straße gibt es auch nicht mehr, dafür aber eine Fußgängerbrücke.
Aber den Kindergarten gibt es wohl immer noch. Und wer weiß, ob dort nicht auch heute noch kleine Jungs und Mädchen am Zaun stehen...

Viele Grüße
Michael
Hallo Volker,

wunderbarer Bilderbogen von interessanten Postengebäuden.

Der Posten 11 in Priorei war meines Wissens ursprünglich eine Blockstelle. Nicht weit davon entfernt lag der Posten 10 (bzw. vormals Bk Hengstenberg), der bis in die frühen 1980er Jahre existierte, von dem ich aber noch nie ein Bild gesehen habe. Das müsste aber ein Gebäude gewesen sein, welches noch aus der Zeit des zweigleisigen Ausbau der Vollmetalbahn stammte.

Die bekannten Lindauer Posten sind mittlerweile alle verschwunden. Es gab in Lindau noch einen weiteren Posten, der aber von den meisten Fotografen völlig unbeachtet geblieben ist. Die Bezeichnung fällt mir auswendig nicht ein, da müsste ich suchen. Er befand sich weit draussen in Richtung österreichischer Grenze in Zech und hatte zwei Bahnübergänge zu sichern.

Interessant wäre auch mal eine Übersicht über die Posten rund um Memmingen. Dort gab es an der Illertalbahn nördlich von Memmingen und an der Strecke nach Buchloe bis in die frühen 1990er Jahre auch mehrere Posten, die aber anscheinend von den meisten Fotografen (wie diese Strecken überhaupt) ignoriert wurden.
Die Postengebäude waren allesamt ähnlich dem Lindauer Posten 1.


Viele Grüsse von Mark



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:05:22:10:29:06.

Re: Was für ein Bild!

geschrieben von: Alberto

Datum: 22.05.20 10:45

Ich habe Preetz leider erst vor rund 20 Jahren kennengelernt, da war der Posten schon weg. Gab es am anderen Ende nicht noch einen Posten, ebenfalls mit modernem Gebäude, allerdings kein Zempelin-Bau, das nach der Automatisierung des BÜ sogar noch eine Nachnutzung gefunden hat?

Hallo Volker,

ja - das war der Posten 7 an der Pohnsdorfer Straße! Das Gebäude wurde 1962 gebaut, der Schrankenposten blieb bis zum 15. Januar 1985 örtlich besetzt (Ersatz durch EBÜT-80). Einer der Schrankenwärter wurde dann zum Posten 9 versetzt und nahm die Gardinen mit (daher weiß ich, das Bilder vom Posten 9 „mit Gardine“ nur von 1985 sein können ;-) )

Nachgenutzt wurde das Gebäude eine Zeitlang als Aufenthaltsraum für städtische Arbeiter - später sollte ein Jugendtreff daraus werden (wurde aber nicht). Das leerstehende Gebäude existiert auch heute noch (äußerlich ganz passabel, ein Fenster eingeworfen aber nicht zerbrochen. Jn dem Gebäude war ich übrigens noch nie.

Gruß aus Preetz

Alberto




https://up.picr.de/38597264jp.jpg
Hallo Mark,

Zaubermark schrieb:Zitat:
Interessant wäre auch mal eine Übersicht über die Posten rund um Memmingen. Dort gab es an der Illertalbahn nördlich von Memmingen und an der Strecke nach Buchloe bis in die frühen 1990er Jahre auch mehrere Posten, die aber anscheinend von den meisten Fotografen (wie diese Strecken überhaupt) ignoriert wurden.
Hier kann ich nur noch mit Po 3 in Rammingen dienen. Der Rest war, als ich systematisch angefangen habe Posten zu suchen, schon weg.

http://schrankenposten.de/Posten/971_3.jpg


Grüße
Volker
Hallo Volker,

das ist ja ein herrlicher Bilderbogen!

Als typisch für die Bauart Zempelin, wie sie im Eisenbahn-Ingenieur beschrieben ist, erachte ich die Grundabmessungen 2,8 x 3,0 m (eben nicht ganz quadratisch - vielleicht zur verwechslungssicheren Montage?), die zur Streckenbeobachtung tiefer gezogenen Fenster und das weit auskragende flache Zeltdach mit Holzverschalung. Diesem Typ entsprechen deine Bilder 1, 2, 8, 9, 10/11, 13, 14/15, 16, 17 und die Exemplare in Preetz Po 9, Meschede Po 217, Mörfelden Po 87, Rheine Po 210a und natürlich die drei im Zemplin'schen Artikel gezeigten Exemplare. Auch Jagstheim Po 25 entspricht diesem Typ.

Der große Dachüberstand zwecks Sonnenschutz war für Stellwerkgebäude schon lange vorher typisch. Ab Mitte der 1920er Jahre wurde bei der RBD Essen gern eine dicke Eisenbetonplatte als Dach und Decke benutzt; die dürfte sich aufgrund ihrer hohen Wärmekapazität kaum unzuträglich aufgeheizt haben. Davon dürfte sich Herr Zempelin die Form abgeschaut haben, aber seine 3 cm Styropor haben sicher nicht viel Wärme abhalten können.

Meine Vermutung, dass das WC immer so sitzen müsste wie in der Zeichnung (von der Bahn gesehen rechts) trifft nicht zu.

Das WC musste in der Ecke sein, die sowohl aus Bahn- als auch aus Straßensicht die Feldseite war, damit der Wärter entlang der Bahn und entlang der Straße ausreichende Aussicht hatte. Auf zweigleisigen Strecken wird das Postengebäude vorzugsweise so aufgestellt, dass es rechts neben dem Gleis vor der Straße steht; dann wird es bei einem BÜ-Unfall wenigstens nicht beschädigt. Zu diesem Fall passt die Zeichnung und das Beispiel Mörfelden Po 87 , wo man übrigens schön durch das zum Lüften geöffnete WC-Räumchen durchschauen kann. Ich zähle hierfür 14 Beispiele.

Für abweichende Lageplanfälle gab es dann auch die gespiegelte Ausführung (WC von der Bahn aus gesehen links), dazu finde ich 6 Beispiele. Das Artitec-Modell zeigt also den selteneren Fall, warum eigentlich? Posten 210a hatte das WC doch rechts!

Bei Posten 64 in Heilbronn handelt es sich um das bei SWR Retro gezeigte Exemplar.

Die Ausführung mit Erker (Bild 4 = Reken Po 22, Bild 5 = Dortmund Po 3) scheint auf die BD Essen beschränkt zu sein, ist aber klar als Abwandlung der Bauart Zemplin zu erkennen. Grund für diese Ausführung könnte ein höherer Platzbedarf im Dienstraum oder bessere Beobachtung des Straßenverkehrs sein. Im Fall Dortmund Po 3 ist die maßgebende Straße aber schon lange beseitigt, der Posten sichert nur noch die Gleiskreuzung mit der Stadtbahnstrecke U47.

Dass man in Bonn Po 8 bei der Isolierung nachgebessert hat, möchte ich gern glauben. Troisdorf Po 7 zeigt auch nachträgliche Maßnahmen gegen tiefstehende Sonne. Der herunterhängende Kragen aus Blech bei Rheine Po 210a und Paffenhofen (Ilm) ist sich ähnlich, könnte also ab Werk so gewesen sein.

Die Bauweise auf den Bildern 6, 12 19 und 20 sowie Tegerbach Po 3A zeigt eine etwas andere Bauart: Keine tiefergezogenen Fenster, kein Dachüberstand , stattdessen Sonnenschutzgitter aus Metall-Lamellen. Vielleicht eine Weiterentwicklung, vielleicht ein Konkurrenzprodukt zur Umgehung der Zempelinschen Patentansprüche - ich weiß es nicht! Ich kann nur vermuten, dass man das Dach ohne Überstand irgendwie besser isolieren konnte und die in den Sonnenschutzgittern die absorbierte Wärme eben nicht mehr zur Aufheizung des Dachs beträgt. Solche Sonnenschutzgitter hat die DB ab den 70er Jahren auch an Stellwerke gehängt.

Ich bin nun etwas traurig, dass der Posten 37 in Stockheim sowie die ähnlichen Posten 38 und 41 dort nicht dem "Zempelin Urtyp" entsprechen. Ungemütlich isoliert waren sie dennoch; ich zog den Besuch des im Bildhintergrund sichtbaren Befehlsturms Sf nach Möglichkeit vor. Die Posten 37 und 38 verschwanden auch bereits 1993. Solche modernen Dinger waren damals nicht meine bevorzugten Fotomotive, aber ich habe einige ungescannte Bilder davon.

Die anderen gezeigten Gebäude sind natürlich auch interessant, aber haben nichts mit dem Fertigteilhäuschen von Zempelin zu tun.

LG,
Manja

Re: www.schrankenposten.de

geschrieben von: Pallaswiese

Datum: 22.05.20 13:59

Volker Blees schrieb:
Hallo Steffen,

v100fan schrieb:
Deine Homepage dürfte gerne auch wieder reaktiviert werden.
Da kann ich Dir leider keine Hoffnung machen, das lässt mein Zeitbudget definitiv nicht zu. Es gilt aber immer noch, was ich vor knapp zehn Jahren geschrieben habe: [www.drehscheibe-online.de]

Grüße
Volker
Wie gut, daß ich mir seinerzeit eine Kopie der Webseite gezogen habe.
Aber sie zusätzlich zu meiner Webseite zu verwalten, das würde mich dann doch überfordern.

Gruß, Walter

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau-Erfelden, und mehr, auf https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/.
Neueste Seite: 500 Wegesteine in der Oberlausitz. *** Mein DSO-Inhaltsverzeichnis.

ein paar Worte zum Modell

geschrieben von: Anschlussbahn

Datum: 22.05.20 14:47

Hallo,

> Für abweichende Lageplanfälle gab es dann auch die gespiegelte Ausführung (WC von der Bahn aus gesehen links), dazu
> finde ich 6 Beispiele. Das Artitec-Modell zeigt also den selteneren Fall, warum eigentlich? Posten 210a hatte das WC
> doch rechts!

als derjenige, der das Modell damals angestossen hatte, mal ein paar Worte dazu...

Damals gab es vom ASM die Zeitschrift Bahn Regional, deren Leser ich war und fuer die ich auch immer mal Sachen aus Rheine geschrieben habe. Thema war die Bahn im Muensterland. Dort war in fast jedem Heft ein Gleisplan, gezeichnet von Theo Bruland und ein Gebaeudeplan von Michael Finnemann abgedruckt. Michael hatte den Posten 17 in Nordbeogge seinerzeit gezeichnet.

Fuer Artitec bin ich seit 1997 aktiv und da sind auch so einige Modelle, wie der Posten 56 bei Legden oder Posten 50 (ex Bahnhof Holtwick) von mir aufgemessen worden, neben vielen anderen Gebaeuden. Auf der Suche nach neuen Ideen bin ich auf den Posten gestossen. Michael hatte uns die Zeichnung zur Verfuegung gestellt und Volkers Seite wurde natuerlich auch ausgewertet. Fotos gab es so einige. Aber interessanterweise war der ehemalige Posten 210a bei uns in Rheine nicht dabei. Die Dampflokfotografen haben ja solche Dinge leider oft verschmaeht. Dass der bei einem Reitverein Jahre spaeter (nachdem das Modell erschienen war) auftauchte, war natuerlich bloed. Der wurde dort auf dem Gelaende wohl umgesetzt und ist erst seitdem von der Strasse aus sichtbar.

Hier nochmal das Foto aus dem anderen Beitrag:
http://www.muehlenroda.de/bahnbilder/2020/05/DSC_8584a.JPG


Da die Zeichnung vorlag haben wir uns fuer den Posten entschieden. Damals war die Informationslage auch noch eine ganz andere, als heute. Heute wuerden wir sicher die gaengigere Varainte machen. Aber man wusste es damals nicht besser, ausser das es schon Varianten gab. Bei Bk Rathmannsdorf war die Recherche dann schon umfangreicher. Dieses Standardgebaeude der Rbd Magdeburg gab es auch in beiden Varianten und da standen wir tatsaechlich vor der Frage, welche der beiden spiegelbildlichen Varianten soll es werden, die beide aehnlich weit verbreitet waren. Entschieden habe ich mich dann fuer Rathmannsdorf. Diese Blockstelle verfolgt mich nun seit fast 30 Jahren und ich dokumentiere ihren Niedergang auch so lange. Mehr dazu demnaechst in gedruckter Form.


Das Exotenproblem bei der Modellbahn kann man fuer andere Bahngebaeude so fortsetzen. Irgendwann muss man sich entscheiden, welche Variante man umsetzt. Das sollte dann moeglichst die gaengige Varianten sein, aber manchmal bekommt man auch erst Unterlagen, wenn das Gebaeudemodell fertig ist. So war bei Holtwick und das bestaetigte, dass meine Vermessung gut war.


Hier das Foto des Artitec-Modells vom Schrankenposten:

http://www.muehlenroda.de/bahnbilder/2020/05/10-180_560_bildquelle-artitec.jpg

Das Bild ist das Werkbild von Artitec, was ich hier verwenden darf, bevor jemand meckert. Eigentlich muesste ich mein Belegexemplar endlich mal zusammen bauen. Da kommt mir gerade eine Idee fuer ein neues Diorama im Regal :-)

Armin

Re: sogar ein Bahnhof

geschrieben von: V80max1

Datum: 22.05.20 14:50

Hallo,

das Gebäude in (Hagen) Priorei war sogar noch mehr, nämlich ein Stellwerk,denn Priorei war zu der 2-gleisigen Zeit der Strecke sogar mal ein richtiger Bahnhof mit Mittelbahnsteig und ein paar Gütergleisen rechts in Fahrtrichtung Brügge.

Im Zuge der Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn in den 1960er-Jahren zum Haltepunkt degradiert und in den 1970er-Jahren dann ganz zurückgebaut.

Noch später dann in den 1990er-Jahren erfolgte auch der komplette Abbau des 2. Gleises und damit einhergehend auch Umbau oder Rückbau zahlreicher Bü.

2007 wurde dann das auf dem Bild zu sehende Gebäude mit dem Bagger beseitigt.

mit freundlichen Grüßen aus dem (Nicht mehr Kohlen) Pott

Karl

Re: ein paar Worte zum Modell

geschrieben von: befehlsturm

Datum: 22.05.20 16:00

Hallo Armin,

ah ja, jetzt kann das nachvollziehen, wie es zum Modell mit Linksklosett kam. Das ist schon okay, wenn denn der Lageplanfall dazu passt. Ein Diorama müsste also eine Position des Gebäudes hinter der Straße, wie in Hmb-Wandbek Posten 94 oder Mainz-Gonsenheim Posten 37, zeigen und nicht anders.

Leider kann man den Bausatz wohl kaum auf Rechtsklosett umpfriemeln. Das wäre vielleicht was für die Modellpflege. Aber mit Sonnenschutzvorhang supern könnte man das Modell noch. Ich freue mich auf die nächsten Veröffentlichungen!

Nun, egal ob links oder rechts, immerhin hatte der Zempelin-Posten ein WC! Bei einem sich über eine ganze Nachtschicht erstreckenden Besuch des Postens 31 in Oschersleben wurde mir, als mich ein größeres Bedürfnis überkam, die Lage des Aborts hinter der Bude erklärt, ich bekam eine Klopapierrolle in die Hand gedrückt und mit den Worten "Streu aber nachher ordentlich Kalk drüber" auf den Weg geschickt! Das war Deutsche Reichsbahn anno 1993.

LG,
Manja

Re: Quadratisch, praktisch, gut: Einheits-Schrankenposten der DB (m 20 B)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 22.05.20 16:06

Hallo,

danke für die Pfaffenhofen-Bilder. Ich habe bis letztes Jahr dort gewohnt und da stand das Ding immer noch da - Abriss einfach vergessen?

Grüße

Martin
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