Vor 50 Jahren, im August 1967… - Wie sah unsere Welt damals aus?
Ja, richtig: Das Farb-Fernsehen wurde am 25. August gestartet. Aber das wißt Ihr ja auch schon aus allerlei Veröffentlichungen dieser Tage.
Und sonst so?
Die in der Nachkriegs-Wirtschaftswunderwelt eingeschlafene Republik westlich der „Demarkationslinie“ hatte sich nach den Schrecken der „unerhörten Anti-Schah-Demonstrationen“ vom Juni, die am 2. Juni in den tödlichen Schüssen eines Berliner Polizisten auf den Studenten Benno Ohnesorg gipfelten, gerade wieder im trügerischen Ohrensessel der Geschichte gemütlich zurechtgeruckelt. Bundespräsident war Heinrich Lübke, Bundeskanzler war Kurt Georg Kiesinger, die CDU regierte seit 1.12.1966 in großer Koalition mit der SPD unter Willy Brandt. Der damalige Vorgänger von Donald Trump hieß Lyndon B. Johnson, deutscher Fußballmeister war Eintracht Braunschweig und in der englischen Hitparade rangierten die Beatles schon seit 4. Juni mit „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ auf Platz 1: [
youtu.be]. – In der DDR amtierte seit knapp sechs Wochen ein neuer Ministerrat unter Willi Stoph, mit Klaus Gysi übrigens, dem Vater des uns heute geläufigen Gregor Gysi, als Minister für Kultur. Staatsratsvorsitzender war wieder Walter Ulbricht. Aufsehen erregte die Einführung der 5-Tage-Woche gut eine Woche nach unserem obigen Stichtag. Auf der Schiene schließlich lag der bis dahin schwerste Unfall seit Kriegsende erst kurz zurück: 6. Juni 1967, als P 852 Magdeburg-Thale mit 22 022 in Langenweddingen einen Tanklastzug rammte und 94 Menschen, darunter viele Schulkinder, in den Flammen den Tod fanden (siehe etwa: [
www.drehscheibe-online.de] und [
de.wikipedia.org] )
Vor diesem Hintergrund – das Eisenbahnunglück von Langenweddingen war mir allerdings (noch) nicht bekannt – startete ich am Sonntag, dem 20. August 1967, zu meiner einwöchigen Eisenbahn-Exkursion. Wieder nach Alternbeken, wo die lange Steilstrecke mit schweren Zügen faszinierte, neben der Verkehrsdichte, den Baureihen und der mittelgebirgigen Landschaft.
Anders aber als ein gutes Jahr zuvor, zu Pfingsten 1966 (siehe hier: [
www.drehscheibe-online.de] ), verlief die Bahnfahrt von Frankfurt Hbf nach Kassel kaum spektakulär: E 10 387 war die Zuglok und ab Kassel V 160 066 vor E 540. In Kassel Hbf notierte ich 23 015 und aus dem Bw Kassel, soweit ich aus dem Zugfenster sehen konnte, eine 01.10 unter Dampf, eine 23er und, natürlich, mehrere 50er. Und noch „viele 86 + 50 abgestellt“. In Neuenherse schließlich überholten wir um 19.10 Uhr die Kasseler Öllok 44 189 mit kurzen Sonntags-Güterzug Richtung Paderborn, und schon war Altenbeken erreicht, wo im heute dort noch existierenden Bahnhofshotel Deftiges, Bier und ein kleines Mansardenzimmer ganz oben unterm Dach auf den 17jährigen Pennäler wartete, mit Blick zum polterig-wuseligen Bahnhof natürlich.
Der 21. August, Montag, begann mit trübem Himmel. Kein Fotowetter. So ließ ich mir Zeit – so viel aber schließlich, daß ich den E 687, 9.43 Uhr ab Altenbeken nach Münster und damals noch eine Option für die Kasseler 10er, fast verpaßte:
1.1)
Gut, daß es heuer nicht die 10 001 war, sondern „nur“ 01 1056 – ich hätte mich sonst über den verpatzen Fotostart schwarz geärgert!
Jetzt schnell runter ins Tal und unter dem Viadukt hindurch geradelt, am Nordhang hinauf, zu dem heute noch schönen Blick auf das große Bekeviadukt, als die Ottberger 44 201 mit Dg 6795, planmäßig 10.22 Uhr an Altenbeken, von Paderborn heraufkam:
1.2)
Stellungswechsel: zum Bk Schierenberg, zwischen Paderborn und Altenbeken bei km 114,4 im Wald gelegen. Hier blieb der Interzonenzug D 1097 um 11.37 Uhr mit V 200 unfotografiert, leider, ebenso wie der VT 95, der um 11.45 als Pto Post 3270 Altenbeken-Paderborn an der Blockstelle zu Tal rumpelte. Lange Pause also hier oben auf der einsamen Blockstelle – sehr zur Freude natürlich des Diensthabenden, der endlich mal jemanden zum Schwätzen hatte.
Es war schon 13 Uhr, als der schwere Dg 6710 mit der Kasseler Öllok 44 1167 von Paderborn heraufkeuchte, der verspätungshalber zuvor in Neuenbeken Überholung von D 131 mit V 160 071 und D 189 mit V 160 070 hatte. Schrittgeschwindigkeit, steile Fahne und Auspuffdonner:
1.3)
Sogar die Sonne zeigte sich zaghaft, als die Fuhre mit kriegerischer Last am „Bk Sbg“ vorbeikrachte.
1.4)
Leichts Spiel hatte dagegen eine halbe Stunde später, um 14.01, die Ottberger 44 1204 mit den paar Dreiachser-Schachteln des Pb 2485 Paderborn-Altenbeken:
1.5)
Der Bedarfszug Gdg 6947 rollte gegen 14.30 mit der Kasseler 44 189 zu Tal:
1.6)
Wie bereits Dg 6710 oben, Bild 1.3, kam auch Dg 6734 arg verspätet von Paderborn herauf, nachdem er in Neuenbeken Überholung hatte (von Pb 2485, siehe oben, und E 539 mit der leider nicht fotografierten V 300 001). Die Kasseler 44 1364 hatte die grenzlastig schwere Fuhre am Haken:
1.7)
1.8)
Der schwere Dg hämmerte noch am oberen Ende der „Schierenberg-Gerade“ mit steiler, hoch aufsteigender Fahne auf das große Bekeviadukt zu, als die Ottberger 44 1204 mit Pb 2486 aus Altenbeken zurücktrellerte:
1.9)
Erneuter Stellungswechsel, hinunter nach Neuenbeken. Während ich auf dem Landsträßchen entlang des Beke-Baches hinunterfuhr, verpaßte ich zunächst den bergfahrenden E 533, erkannte aber immerhin eine V 200 vor dem Zug. E 549 mit V 200 007 blieb leider ebenso unfotografiert wie der talfahrende E 550 mit V 200 070 und Dg 6712, immer ein schwerlastiger Bursche, der mit der Otrtberger 44 1204 aus Paderborn heraufkam. Erst für P 2435 war ich wieder parat, den ich bei km 119,2, am BÜ südlich des Dorfes Neuenbeken, mit der Paderborner 01 227 aus dem gerade erst gedroschenen Feld fotografierte:
1.10)
Bei D 190 mit V 160 070 und D 132 mit V 160 071, beide talfahrend nach Paderborn, sparte ich wieder Film und hielt erst wieder drauf, als 01 227 als Lz 14435 aus Altenbeken herunterkam:
1.11)
Der nun unmittelbar folgende Ng 9506, der um 17.49 leicht verspätet mit der Ottberger 44 1168 durch Neuenbeken gen Paderborn hinunterpolterte, Pb 2439 mit der Paderborner 50 1225 nach Altenbeken waren mir kein Bild wert. Erst nach erneutem Stellungswechsel nach Benhausen, km 121,5, kam mir gegen 18.35 Uhr der bergfahrende Dg 6736 mit der Paderborner Schürzenlok 44 1067 wieder gelegen…
1.12)
… als unverhofft D 1098 aus Leipzig(?)-Kassel mit einer V 200 entgegenkam:
1.13)
Den unmittelbar hinter dem Interzonenzug liegenden Talfahrer Dg 6935 um 18.45 Uhr mit der Kasseler Öllok 44 1133 notierte ich jetzt nur noch, ebenso wie die weiteren Talfahrer Pb 740 mit V200 und E 540 mit V 160 065, „meinem“ Zug aus Kassel am Vortag. Dt 137 – „Dt“! Sowas gab’s damals – als VT 24-Einheit gegen 19.13 Uhr durch Neuenbeken hinauf nach Altenbeken, sowie die weiteren Bergfahrer Dg 6716 mit der Kasseler 44 087 – Neuenbeken 19.35 Uhr – und Ng 8798 mit einer Kohle-44 um 20.10 durch Altenbeken nach Kassel blieben nur in der Kladde für die folgenden 50 Jahre bis zum heutigen HiFo-Bericht festgehalten.
Noch mehr Zahlensalat… - wollt Ihr wirklich?
Bitteschön:
1.14)
Das sind die Züge in Altenbeken zwischen ca. 12 und 0 Uhr. Ich hab‘ die Liste am Abend des Tages, nach Strammem Max und einem oder zwei Bier im Bahnhofshotel, in der Altenbekener Aufsicht abgepinnt.
…und hier kommt noch ein Knaller, während dem Pinnen in der Aufsicht:
1.15)
Eine ausgewachsene Bremer 03 stand da plötzlich! Ausfall einer V 160… Die Rückleistung seht Ihr rechts unten. Vielleicht kann jemand noch den Laufweg der 03 in diesem Umlauf nachliefern?
Foto? Doch nicht bei Dunkelheit! „Grrr…“
Mehr gern demnächst! …sofern – zu dieser Einschränkung sehe ich mich jetzt überraschend veranlaßt - Arcor, seit Jahren der hoster meines Vertrauens, es unter seinem neuen Dach von Vodafone zuläßt… Was, wie ich soeben feststellen muß, nicht sicher ist. Überrascht deswegen, und verärgert:
Schöne Grüße aus Aachen –
Reinhard Gumbert
Edit 17.06.2024: Mit „Volkis“ Hilfe Bilder von „abload“ auf „picr“ umgezogen. Danke, Volkmar!
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:06:17:19:11:52.