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 04 - Historisches Forum 

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Phantastischer Eisenbahnknoten Eldagsen
Versuch einer chronologischen Rückschau

Der gute Anschluss an die sich entwickelnden Schienenwege entschied für ein Dorf, eine Stadt, ob sie ihren erreichten wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Standort im Umkreis bewahren, ausbauen oder gar verlieren würde. Gleichzeitig wurde um das neue Gefährt Dampflokomotive eine teilweise erbitterte Auseinandersetzung geführt, die nicht selten in groteske Abgründe führte – aus heutiger Sicht. Aber es spielten bei den damals anstehenden Entscheidungsschritten auch handfeste wirtschaftliche Abwägungen und Spekulationen einzelner Personen oder Personengruppen eine Rolle; dort forcierten sie einen eher unpraktischen Streckenverlauf und an anderer Stelle verhinderten sie „erfolgreich“ die Fortsetzung jeder Planung.
Alles dies lässt sich an der damals für seinen Umkreis starken Stadt Eldagsen ablesen. Die sich einerseits erkennbar bemühte an den Schienenstrang zur großen weiten Welt angeschlossen zu werden. Wo es aber auch immer wieder widerstrebende Ansichten gab, die offen oder unterschwellig Planumsetzungen verhindern konnten.
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1868;
Der Plan einer Schienenverbindung Löhne – Hameln – Springe – Nordstemmen wird endgültig fallen gelassen -– Eldagsen hätte damit bereits eine direkte Anbindung haben können. Hameln zeigte ein starkes Interesse an einer guten Verbindung nach Elze und weiter nach Hildesheim; Hannover lag damals gar nicht im Blickfeld eines Schienenweges.
Für die südliche Streckenführung (eröffnet 19.5.1875) Hameln – Coppenbrügge – Elze spricht darum auch ein höheres Frachtaufkommen aus dem Raum Salzhemmendorf, Duingen, Osterwald – dagegen wird der Raum Eldagsen als „gewerbe- und productenlose Gegend“ bezeichnet;

1872;
Die Eisenbahnstrecke Hannover-Altenbekener Eisenbahn (HAE) wird gebaut. Als erste Abschnitt wurde der von Hannover - Hameln am 13. April 1872 eröffnet; die Gesamtstrecke Hannover–Altenbeken ging am 19. Dezember 1872 in den Betrieb. - Die zunächst eingleisige Strecke wurde 1908 zwischen Hameln und Altenbeken und bis 1913 zwischen Hannover und Hameln zweigleisig ausgebaut. - Ab Sommer 1971 war die Strecke elektrisch befahrbar. - Eldagsens Bahnhof liegt 5km von der Stadt entfernt direkt an der Ortsgrenze Völksens;
(das alte Empfangsgebäude brannte erst 2008 ab)
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1887;
Eldagsen erkennt zunehmend seinen Standortnachteil und bemüht sich um einen direkten Anschluss an die Hauptbahn.
Auf dem Tisch liegen zwei Pläne:
1] (als Neuauflage) „Springe – Eldagsen – Nordstemmen/Elze“
2] (als Verlängerung) „Springe – Münder - Lauenau“;

1894;
Die Pläne von 1887 werden sogar mit einer Trassenvermessung unterstrichen, die einen Weg über Alvesrode auswiesen.
ALLERDINGS: es ist lediglich eine Schmalspurbahn von Lauenau nach Barnten vorgesehen. Auch die Baugenehmigungen werden bis 1896 vorbereitet.;

1896;
In diese Planungen hinein fällt die Gründung eines Kleinbahn-Komitees in Linden (damals noch eine eigenständige Stadt) – der Konzessionsantrag für die erste Strecke wird gestellt
Als Streckenführung ist vorgesehen:
Linden – Pattensen – Gestorf – Eldagsen – Mehle
Es kommt zu Interessenkonflikten am Bereich Eldagsen u. Wülfinghausen – die Planungen werden daraufhin verändert und die Strecke soll nun über Holtensen – Boitzum – Sorsum geführt in Elze enden. Es waren dabei Abzweigstrecken nach Bennigsen und Wülfingshausen vorgesehen.
Wieder sprechen örtliche Interessen – nun vor allem in Eldagsen – gegen die konkreten Pläne; die Befürchtung: Ausflugsgäste aus Hannover könnten gleich bis Wülfingshausen durchfahren und die Gastwirte der Stadt gingen leer aus.;
Wichtig für die heutige Sicht: der motorisierte individuelle Kraftverkehr muss seinen Platz noch finden

1896;
Im Jahr 1896 bestand der Plan, eine 22,3 km lange Kleinbahn mit 1,00 m breiter Spur von Nordstemmen aus über Barnten, Schulenburg, Adensen, Hallerburg, Alferde, Eldagsen und Alvesrode nach Springe zu erstellen, die sowohl dem Personenverkehr wie auch dem Güterverkehr dienen sollte. Die Kleinbahn sollte jährlich 100.000 Reisende und 30.000 Tonnen Güter (unter anderem Zuckerrüben für die Zuckerfabrik Nordstemmen) befördern. Der Bau der Kleinbahn scheiterte am Einspruch der Stadt Eldagsen und ihrer Landwirte, die keine Eisenbahn in ihrem Stadtgebiet haben wollten. (aus: WIKIPEDIA.COM);
In WIKIPEDIA.COM sind vermutlich mehrere Pläne zusammengefasst dargestellt eingeflossen

1898;
Die Strecke Nenndorf – Lauenau – Münder wird südlich von (Bad-) Münder an die Strecke nach Hameln angeschlossen, damit ist die Variante über Springe nach Nordstemmen hinfällig geworden; Die Strecke im Sünteltal wurde inzwischen wieder komplett abgebaut

1898;
Es werden Pläne einer Straßenbahnlinie (Hannover-) Rethen – Pattensen bekannt, die sogar bis Eldagsen trassiert werden sollte.
Die Kleinbahn-Linden wird in ihrer Planung genehmigt, und sie weist nur zwei Endpunkte auf (Elze + Mehle)
Doch diese Pläne gehen schnell wieder unter. Für die Finanzierung der 43km langen Strecke fehlten 50% der Geldmittel, die die Gemeinden und der Kreis hätten beitragen sollen.
1900 stimmt der Magistrat den Plänen zu. Die anderen Gemeinden an der Strecke jedoch scheuten das Risiko!
Das Projekt wird reduziert auf die Strecke Bennigsen – Bockerode – Eldagsen – Wülfinghausen.
Selbst eine sogenannte „Bandwurmbahn“ (benannt wegen ihrer verwegenen Streckenführung durch möglichst viele Orte zwischen Leineufer und Saupark) soll die Planungen noch einmal aufwerten und Geldquellen erschließen.
Wenig später scheitern diese Pläne der Kleinbahn-Linden allein daran, dass der viel zu wertvolle Ackerboden des Calenberger Landes zu schade ist, als dass er für irgendwelchen öffentlichen Verkehr vergeudet werden dürfte.

1907;
Für kurze Zeit gibt die Planung einer Kleinbahn von Bennigsen – über Eldagsen – Holzmühle nach Bodenwerder. Die Hannöversche Handelskammer bringt diesen Vorschlag zur Förderung der Wirtschaft im Raum Eldagsen ins Gespräch! - allein der Weg zwischen Holzmühle und Dörpe ließ diesen Plan schon aus technisch-wirtschaftlichen Gründen scheitern.
Eine „Dampf-Omnibuslinie“ von Nordstemmen über Wülfingen nach Eldagsen tröstet für kurze Zeit über das Scheitern hinweg.

1910;
Die Kraftomnibus-Linie Eldagsen – Barnten wird fest eingerichtet und stellt sich nur als schwacher Ersatz heraus. Eine so wichtige Stadt (wie Eldagsen) ohne direkten Bahnanschluss war für die Betriebe vor Ort ein Unding; alles gab es in Eldagsen: Elektrizität, bedeutende Betriebe, umfangreiche Landwirtschaft, Telefon, sogar eine Badeanstalt; doch der Bahnhof eine Stunde Fußweg entfernt.;

1912;
Im Sommer des Jahres 1912 erreicht der amtierende Bürgermeister von Eldagsen bei einem Besuch in Berlin, dass man sich dort ausdrücklich für einen Bahnanschluss Eldagsens einsetzen wollte.
Der Beginn des I.Weltkrieges (1914-1918) macht diese Zusage zunichte.

1919;
Sehr konkrete Planungen werden für den Stadtrat Elsdagsens erarbeitet. Es soll eine normalspurige Kleinbahn von Völksen („ELDAGSEN“) vorbei an Mittelrode nach Eldagsen ergeben. Der Betriebsmittelpunkt soll demnach in Eldagsen liegen. Der Bahnhof war geplant auf dem Gelände, wo heute die Katholische Allerheiligen-Kirche steht. Der Anschluss in Völksen war auf Höhe des Friedhofs, südlich der Hauptbahn vorgesehen.;
Pläne der Firma „Bahnindustrie Paul Ende, Berlin“ liegen im Eldagser Stadtarchiv vor.

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1924;
Pläne einer elektrischen Bahn von Wülfinghausen über Eldagsen nach Nordstemmen scheitern.
Gleichzeitig wird durch eine öffentliche Indiskretion bekannt (Leserbrief in einer Tageszeitung), dass es in Eldagsen auch maßgebende Personen gibt, die sich schon seit langem gegen jeden Schienenweg nach oder durch Eldagsen einsetzen.

1927;
Noch einmal letzte Ansätze zu einem Bahnanschluss von der Hamelner Strecke her. Die Arbeiten beginnen sogar und scheitern schließlich 1929 an der Bewältigung des Hochwassers im Bereich der Haller.

Übertragen ergeben alle diese Planungen für Eldagsen einen Eisenbahnknoten der besonderen Art.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:11:09:18:53:39.
Hallo Christel,

vielen Dank, dass Du Deine Beiträge jetzt auch hier zur Verfügung stellst. Gerade für Modellbahner sind solche nie ausgeführten Planungen eine wichtige Quelle beim Prototype Freelancing.

LG

Jörn
Eine sehr schön gelungene Dokumentation!

Gruß
Jörn.
Hallo aus Leipzig,
trügt mich meine Erinnerung oder hat da nicht in der Nähe des Bahnhofes Eldagsen Völksen sogar ein gebäude gestanden was wie ein typischer Kleinbahnhof ausgesehen hat?
Stefan
Die Erinnerung trügt Dich OPTISCH nicht. Nur der Rückschluss stimmt nicht mit der Historie überein.
Feste Bauten der Kleinbahn nach Eldagsen sind nicht errichtet worden.
Was Du gesehen hast, war(!) das erste Empfangsgebäude an der Strecke Hameln - Hannover -- es stand auf der SÜDSEITE der Gleisanlagen.
Ende März 2008 ist das Gebäude ausgebrannt und dann wurde der Rest abgerissen. Ich werde gleich die bei mir vorhandenen Fotos in einen neuen Thema vorstellen.
[www.drehscheibe-online.de]
c.p.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:04:10:20:47:08.
Danke für Deine Antwort. Ich kenne die Geschichte aus den Erzählungen meines Vaters. Der hat Mal bei einer Autofahrt (Hameln Hildesheim) auf Höhe Völksen davon erzählt, als wir an den Bahnhöfen in Völksen vorbei kamen. Ich glaube er musste seiner Zeit einen Aufsatz darüber schreiben. So wie ich Ihn verstanden habe, hätte es die Kleinbahn gegeben, das hat mich immer gewundert, denn ich habe immer Mal wieder Spuren in der Landschaft und auf alten Karten gesucht aber nie was gefunden. Er selber konnte sich aber auch nicht mehr so genau an das Aufsatzthema erinnern. Schön das sich diese Geschichte nun für mich geklärt hat, und ich nun wieder in Ruhe nach dem Panzerzug von Waldenburg suchen kann.
Stefan