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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.

Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 14.02.16 10:55

Hallo allerseits,

im Dezember 1990 versetzte mich mein Brötchengeber nach Reinsdorf bei Wittenberg. Dort entdeckte ich Schienen, die nicht im Kursbuch verzeichnet waren: Von Lutherstadt Wittenberg-West führte eine Bahnstrecke in nördlicher Richtung nach Straach im Hohen Fläming (so nennt sich der für Süddeutsche kaum merkbare Höhenzug nördlich von Wittenberg). Bei Klaus findet Ihr ein paar Kilometerangaben zu dieser Strecke: [www.klauserbeck.de]

Zumindest in Reinsdorf sah das Gleis noch befahren aus. Natürlich spielte sich der Schienenverkehr nicht am Wochenende ab, und während der Woche hatte ich bei Tageslicht kaum Gelegenheit zum Fotografieren.

Am Sonntag, dem 13. Januar 1991 fuhr ich mit dem Auto die Strecke nach Norden ab. Viel sehenswertes fand ich nicht. Lediglich in Nudersdorf fotografierte ich eine Feldbahnlok mit der Nummer 2 der „Quarzsand GmbH Nudersdorf“:

https://abload.de/img/quarzsand-2-0056212uas64.jpg




In Straach endete die Bahnstrecke recht unspektakulär am Ortsrand. Auch sahen die Gleise dort nicht sonderlich benutzt aus. Deshalb begnügte ich mich mit zwei Bildern des Ortes:

https://abload.de/img/straach-0056213yapl1.jpg



https://abload.de/img/straach-00562146oob7.jpg




Schon am 18. Januar hatte ich Glück, als ich bei Tageslicht die 106 124 mit einem Zwiebelzug bei Wittenberg entdeckte (eine genauere Ortsangabe habe ich leider nicht notiert, der Stein im Hintergrund des 2. Bildes könnte oben eine 1 haben). Vermutlich entstanden die Bilder dort, wo heute der Neumühlenweg die Bahntrasse kreuzt:

https://abload.de/img/dr-106124-0056311bmuqf.jpg



https://abload.de/img/dr-106124-0056312vruoj.jpg




Vor Reinsdorf erwischte ich den Zug noch einmal im schönsten Gegenlicht:

https://abload.de/img/dr-106124-0056313qvueh.jpg




Doch dann war wieder monatelang „Flaute“, bis im Juli eine Dampflok-Sonderfahrt nach Straach angekündigt wurde. Heute weiß ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll, daß ich damals mitgefahren bin, denn die Fotomöglichkeiten waren etwas bescheiden. Dafür habe ich aber die Strecke einmal mit dem Zug bereist. Ein paar Bilder konnte ich dennoch anfertigen.

An jenem 14.7.1991 fotografierte ich die schön geputzte Falkenberger 52 8120 bei der Einfahrt in den Bahnhof Lutherstadt Wittenberg:

https://abload.de/img/dr-528120-0061201e7uvt.jpg




Die Lok fuhr mit der Rauchkammer nach Norden. In Reinsdorf war die Fotomöglichkeit sehr beengt. Bevor hier zahlreiche (Personen-)Erinnerungsfotos entstanden, drückte ich schnell noch ab:

https://abload.de/img/dr-528120-0061204yeup5.jpg




Markante Bauwerke in Sichtweite der Strecke waren rar. In Nudersdorf konnte ich wenigstens den Kilometerstein ins Bild einbeziehen:

https://abload.de/img/dr-528120-00612071fubs.jpg




Ankunft in Straach:

https://abload.de/img/dr-528120-0061208ueu9z.jpg




Vor dem Umsetzen der Lok gab es noch eine Schein-Einfahrt für die Foto- und Filmfreunde:

https://abload.de/img/dr-528120-0061209fnu1v.jpg




Beim anschließenden Umsetzen entstanden noch etliche Wald- und Wiesenfotos, mit denen ich diesen Beitrag jetzt nicht überfrachten will. Stellvertretend zeige ich eines davon:

https://abload.de/img/dr-528120-0061216tpu65.jpg




Auf der Rückfahrt gab es wieder in Nudersdorf einen Halt:

https://abload.de/img/dr-528120-006122053uzi.jpg



https://abload.de/img/dr-528120-0061222q1uw2.jpg




Auch in Reinsdorf wurde wieder gehalten:

https://abload.de/img/dr-528120-0061223qqu7q.jpg




Am Einfahrsignal von Lutherstadt-Wittenberg-West hätte ich gern bei den anderen Fotografen gestanden. Vielleicht liest ja einer hier mit und kann seine Perspektive zeigen?

https://abload.de/img/dr-528120-0061224hmu5e.jpg




Wieder verstrichen ein paar Monate, bis mir am 16.10.1991 die 105 132 mit einem Bauzugwagen am Bü Strandbadstraße in Reinsdorf begegnete:

https://abload.de/img/dr-105132-0062930tture.jpg



https://abload.de/img/dr-105132-006293152umi.jpg




An derselben Stelle traf ich in umgekehrter Richtung am 30.1.1992 die 346 217. Inzwischen hatte die Reichsbahn ihre Lokomotivnummern dem DB-Schema angepaßt:

https://abload.de/img/dr-346217-0064531cluku.jpg




Wie ich es schaffte, am 18.3.1992 die 345 132 beim Rangieren in Braunsdorf zu erwischen, weiß ich heute nicht mehr. Die Straße im Vordergrund und über den Bü heißt zumindest heute Schmilkendorfer Straße:

https://abload.de/img/dr-345132-00655213puxv.jpg



https://abload.de/img/dr-345132-0065522h8urt.jpg




Die markante Silo-Reihe, genannt „Zement-Tankstelle“, ist auch heute noch bei [www.google.de] zu erkennen:

https://abload.de/img/dr-345132-0065523j7ut6.jpg



https://abload.de/img/dr-345132-0065524diurn.jpg



https://abload.de/img/dr-345132-0065525ywu7g.jpg




Ein letztes Mal traf ich am 26.3.1992 einen Zug auf dieser Strecke. 346 381 stand an bekannter Stelle in Reinsdorf, als ich den Bahnübergang überquerte:

https://abload.de/img/dr-346381-0065616upub8.jpg



https://abload.de/img/dr-346381-0065617x7udb.jpg




Inzwischen ist die Strecke größtenteils stillgelegt. Lediglich der Gleisanschluß ACA in Reinsdorf existiert noch. Hier werden Kesselwagen gebaut. Bei Google-maps sind Güterwagen und ein Zweiwege-Unimog (?) zu erkennen.

Viele Grüße
Stefan





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.01.18 21:24.

zu Bild 4 + 5

geschrieben von: Th. Zimmermann

Datum: 14.02.16 11:10

Stefan Motz schrieb:
-------------------------------------------------------

> ...
> Schon am 18. Januar hatte ich Glück, als ich bei
> Tageslicht die 106 124 mit einem Zwiebelzug bei
> Wittenberg entdeckte (eine genauere Ortsangabe
> habe ich leider nicht notiert, der Stein im
> Hintergrund des 2. Bildes könnte oben eine 1
> haben). Vermutlich entstanden die Bilder dort, wo
> heute der Neumühlenweg die Bahntrasse kreuzt:
> ...



Hallo Stefan,


das hast du genau richtig vermutet.
Über diesen Beitrag wird sich Steffen Hennig aber freuen , da er ja als Zugführer auf dieser Schiene gearbeitet hat.



Gruß

Thomas

Der Hohe Fläming

geschrieben von: TransLog

Datum: 14.02.16 11:53

Hallo Stefan,

interessante Entdeckungen und schöne Bilder...

Stefan Motz schrieb:
-------------------------------------------------------
> Von Lutherstadt Wittenberg-West führte eine
> Bahnstrecke in nördlicher Richtung nach Straach im
> Hohen Fläming (so nennt sich der für Süddeutsche
> kaum merkbare Höhenzug nördlich von Wittenberg).


Der Hohe Fläming liegt viel weiter nördlich und ist (nicht nur für Radfahrer) durchaus spürbar.
Vor 90 Jahren benötigten D-Züge dort Vorspann, um über den Berg zu kommen:

[www.drehscheibe-online.de]

Gruß, Ulrich

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: martin welzel

Datum: 14.02.16 12:30

Moin Stefan,

da alcht auch unser Datenfriedhof - die DR-V60D wurden meist nicht so ausgiebig aufgenommen, wie Du es tatest. Damit sind wieder einige V60D mehr mit Rangierfunknamen bestätigt - hier für vielen Dank,

Martin,
der sehr gerne mitgekommen ist

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: frank58

Datum: 14.02.16 12:43

Hallo Stefan,

eine schöne Erinnerung an eine Bahn, die ich aus Kindertagen kenne. In Reinsdorf in der Nähe der Bahn steht mein Elternhaus.

Als Kinder habe wir oft in der Nähe der Strecke in den "Wäldern" unsere Freizeit verbracht. Fotos sind von der Bahn leider nicht entstanden und mit 19 habe ich berufsbedingt 1977 Reinsdorf verlassen. Und dann begann eigentlich für mich erst die Zeit, mich für die Eisenbahn zu interessieren.

Ich meine mich dunkel erinnern zu können, dass ich als Schulkind so ca. 1970 eine Taigatrommel auf dem Abschnitt nach Nudersdorf. gesehen habe.

Für die Lok 2 habe ich 1989 bei einem Besuch in Nudersdorf die Fabriknummer 248623/1958 notiert und in Klammern: 2. Betriebsnummer 721.
Ich hatte damals festgestellt, dass einige Loks mit zwei Nummerierungen beschriftet waren.

Übrigens gab es auch in den 1960er Jahren im damaligen ACA in Reinsdorf ebenfalls eine kleine Sandverladung. Ostwärts lagen auch einige Sand- und Tongruben und eine kleine 600mm(?)-Feldbahn transportierte den Sandzug. Die Lok war eine kleine grüne Diesellok mit offenen Führerstand. Fabrikat unbekannt, ich war damals 8 oder 9 Jahre alt.

Vielen Dank und viele Grüße
Frank

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Rache für 051 444

Datum: 14.02.16 12:44

Eine wunderbare Nachwende-Stimmung!

Vielen Dank,

Jürgen

Kursbuchausschnitt (1 Scan)

geschrieben von: Olaf Ott

Datum: 14.02.16 14:27

Lieber Stefan!

Danke für diesen Bericht über eine mir unbekannte Strecke.

Im Kursbuch vom Sommer 54 fand ich etwas:



http://fs5.directupload.net/images/160214/fn5xi659.jpg


Viele Grüße in den Norden!

Olaf Ott

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Baureihe-266

Datum: 14.02.16 15:57

Stefan Motz schrieb:
-------------------------------------------------------

> Inzwischen ist die Strecke größtenteils
> stillgelegt. Lediglich der Gleisanschluß ACA in
> Reinsdorf existiert noch. Hier werden Kesselwagen
> gebaut. Bei Google-maps sind Güterwagen und ein
> Zweiwege-Unimog (?) zu erkennen.

Hallo

erstmal vielen Dank für die Bilder.Bei Feldbinder (ACA) ist ein Zweiwege-Unimog im Einsatz.

Grüße von Leon W. aus der Lutherstadt Wittenberg (oder LW aus LW)

Über 1300 Bilder zum Umbau vom Bahnhof Lutherstadt Wittenberg gibt es durch den Klick auf das folgende Bild zu sehen.

https://abload.de/img/dsobannerneu2vms1y.jpg

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: MIO

Datum: 15.02.16 07:08

Hallo Stefan,
tolle Bilder von dir, die viele Erinnerungen in mir wecken.

Mit dem Sonderzug 1991 bin auch ich mitgefahren, es war ein wunderbares Erlebnis!! Nach so vielen Jahren ein Personenzug nach Straach, das hat für Aufsehen gesorgt.
All dies ist nicht mehr wiederholbar, denn Teile der Gleisanlage sind bereits verschwunden.
Die 52 8120 hat überlebt und dürfte im Museum in Hermeskeil stehen.
Auch der Begleitwagen könnte überlebt haben, beim Eisenbahnverein in Wittenberg.

Danke für deine Mühe, die Bilder hier einzustellen.

Grüße von MIO

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Steffen Hennig

Datum: 15.02.16 08:06

Hallo
Danke Stefan für den schönen Beitrag. Du hattest ihn mir ja schon vor 4 Wochen vorgelegt. Wie gesagt, sehr schön.
Das war ja viele Jahre mein Arbeitsplatz die Strecke nach Straach. Da war ich fast täglich drauf. Auf dem 1 Bild der 106 124 war ich auch mit drauf. Und den Sonderzug mit der 52 8120 begleitete ich auch als 2. Zf und um in Straach mit dem langen Zug mit 2 mal drumrum zu fahren. Mit einem mal wäre man da nicht drumrum gekommen.
Wer braucht denn hier noch die Rufnahmen der V60? Da müsste ich mal durchschauen. Die wechselten ja immer mal.
Gruß
Steffen



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:02:15:09:44:28.

Re: Ein Gleis nach Straach

geschrieben von: 0nkel_wom

Datum: 15.02.16 13:42

Hallo Stefan
Danke für die Horizont-Erweiterung. Von dieser Strecke habe ich vorher noch nie was gehört.
Musste eben erstmal nachsehen, wo Straach überhaupt liegt.
Solche Güterzug-Strecken hatten immer irgendwie so ein gammeliges Flair, im positiven Sinn,
da wurde ja nichts mehr erneuert.
Schön, dass Du da warst. Manchmal haben derartige Reise-Befehle des Chefs schon was Gutes.

Gruß aus Frankfurt
Wolfgang

Unglaublich

geschrieben von: Der Niederrheiner

Datum: 15.02.16 16:17

Hallo Stefan,
es ist wirklich unglaublich was in diesem Forum alles auftaucht. In Reinsdorf gibt es Verwandte, die ich Anfang der 60iger mit meiner Oma besucht habe. An diesen Gleisen am Ende der Rehfeldstr. habe ich als Kind gespielt und meine Oma hat was von einem "Fläming Express" erzählt, wobei ich mich aber nicht erinnern kann, ob es sich um einen Zug auf dieser Strecke dabei gehandelt hat.
1981 war ich wieder zu Besuch, aber an dieser Strecke habe ich nichts erwischt, dafür aber noch 52 8120 im Planverkehr in Wittenberg.
Davon habe ich schon Bilder hier eingestellt.
Vielen Dank für diesen Beitrag.
Gruß Martin zur Zeit in Bad Sassendorf

Bahnfahren - Das letzte Abenteuer in Deutschland!

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 15.02.16 18:26

Hallo Stefan,

besten Dank für die Eindrücke. Von der Strecke kenne ich nur die ersten Meter, die sind mir bei zwei Besuchen in Lu Wi West, kurz bevor dort Schluß war, quasi übern Weg gelaufen. Ich hänge mal eine Aufnahme vom 31. Juli an.

Null.jpg


Wenn ich mal mehr zeige, werde ich Deinen Beitrag verlinken. Vielleicht in 15 Jahren hier im HiFo. ;-)

Viele Grüße
Sören





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:02:15:18:27:22.

Wie immer: es bleiben ein paar Fragen.

geschrieben von: Streckenrangierbezirk

Datum: 15.02.16 22:17

Hallo miteinander

und zunächst ein großes Dankeschön an Stefan Motz für den interessanten Beitrag. Noch 1998 konnte ich wenigstens einer Bedienfahrt nach Reinsdorf=Braunsdorf (so hieß doch die Ladestelle für Zementwagen?) mit 346 777 beiwohnen. Die Reststrecke wurde wohl damals schon nicht mehr befahren.

Wenn Du, Steffen Henning, auf dieser Strecke Deine Brötchen verdient hast (oder andere Mitleser etwas wissen), dann würde ich mich freuen, etwas über die früheren Betriebsabläufe dort jenseits von Sonderfahrten zu erfahren. Wie häufig wurde die Strecke - insbesondere vor der Wende - bedient? Welche Loks waren zugelassen und welche von ihnen anzutreffen? Gab es eine normalspurige Werklok in Nudersdorf? Wer waren die Kunden an der Strecke und waren die Bedienfahrten stets auf ganzer Streckenlänge vorgesehen? Wie wurde betrieblich gehandelt? Zugleitbetrieb, Funk, Hauptsignalbedienung?

Danke fürs Licht im Dunkeln
Grüße vom SRB


PS: Es wäre schade, wenn nicht im Rahmen dieses Betrags diese "stille" Bahnlinie etwas näher Betrachtung findet.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:02:16:10:44:39.

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: rolf koestner

Datum: 16.02.16 10:37

INteressante Beitrag mit schönen Fotos von einer Strecke, die mir bis heute nicht bekannt war, Stefan. Lang ist's her...


Bis neulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner

RAL 9017
RAL 3020
RAL 1028

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Helmut Philipp

Datum: 16.02.16 11:02

Moin Stefan!

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht über eine mir vollkommen unbekannte Strecke. Lediglich Nudersdorf ist mir ein Begriff, aber nur, weil das Gießereisandwerk in Ellrich als Betriebsteil zu Nudersdorf gehörte und ich diese Werksbahn von jenseits des Zaunes fotografiert habe.

Für die Erweiterung meines Hobbyhorizontes dankt Dir - mit Grüßen an die Ostsee

Helmut

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Steffen Hennig

Datum: 18.02.16 11:59

Hallo
Ja wir haben die Strecke nach Straach 2 mal täglich bedient. Ein mal Vormittags und dann noch mal am Nachmittag bis in die Abendstunden.
Es war vorgesehen, auf der Hinfahrt alle Anschlüsse nur abzusetzten und auf dem Rückweg dann die Wagen aufzunehmen. Meist machten wir das aber alles auf der Hinfahrt, um dann auf dem Rückweg durchzufahren. Einzige Anschlüsse, wo das nicht ging, war Braunsdorf die Leichtbaustoffe. Da konnte nur hin zu bedienst werden und ACA Reinsdorf nur auf der Rückfahrt. In ACA nahmen wir aber auch schon manchmal auf dem Hinweg die Wagen auf, in dem wir sie bis kurz vor die Weiche zum Streckengleis zogen, dann mit der V60 beiseite gefahren und dann den Wagen die Luft abgezogen und dann lief er vom Gefälle her alleine aus dem Anschluss auf den vor der Weiche stehenden Zug auf. Dann mit Lok wieder dran und fertig. Die Sandwäsche in Nudersdorf wurde immer hin und zurück bedient, da dort die meisten Wagen hin gingen.
Wenn für Straach nichts bei war und wir auch keine Wagen zum drumrum fahren hatten, blieben wir gleich in Nudersdorf.
Es gab auf der ganzen Strecke keine Werkloks irgendwo. Wenn dann zogen sich die Anschließer ihre Wagen mit dem Stapler oder LKW hin und her. In Nudersdorf gab es eine Seilwinde unter den Anschlußgleis um die Wagen zu bewegen. Wenn die mal in Wartung war, fuhren sie schon mal in unserem Streckengleis mit dem ZT 300 und zogen die Wagen hin und her. Musste man immer aufpassen wenn man hoch kam das kein Fahrzeug im Gleis stand.
Bis 1989/90 waren wir nur mit 106ern da oben. Dann führten sie auch die 110er da ein, mit der wir aber nicht gern fuhren, da wir uns in den Anschlußgleisen ständig die tiefliegenden Sandkästen der 110er unten öffneten und der Sand weg war.
In Straach kam man mit 28 Achsen noch drumrum. Wenn es mehr waren, mussten wir 2 mal drumrum fahren, indem man Wagen vor der ersten Weiche abhang, dann mit 28 Achsen drumrum, an den 2. Teil vor der Weiche dran, und dann die ersten 28 Achsen mit nach oben durchschob.
Rangiert wurde immer mit Rangierfunk, und ab Wb West war das alles eine Rangierfahrt bis hoch und wieder zurück.
So habe ich jetzt alles?
Gruß
Steffen



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:02:18:12:04:02.

Re: Ein Gleis nach Straach (26 B)

geschrieben von: Steffen Hennig

Datum: 18.02.16 12:14

Hallo
Und bevor wir nach Straach hoch fuhren bedienten wir ja noch den Bf Wittenberg west mit seinen 9 Anschließern. (BMK, Wittol, Blechverarbeitung, Bitum, Kohlehandel, OGS, Baustoffhandel, Montan, Holz) Das meiste war allerdings der Kohlehandel mit 2 Anschlußgleisen. Da kam auch jeden Tag ein Ganzzug von Sabrodt/ Brieske mit Rohkohle und Brikett. Und die ganzen leeren Kohlewagen mussten wir dann auf dem Rückweg immer mit nach Wb nehmen.
Gruß
Steffen

Vielen Dank für diese Bilder!

geschrieben von: steffen1

Datum: 18.02.16 16:55

Hallo Stefan,

vielen Dank für diese Bilder. Zwar ist diese Strecke beileibe keine Berühmtheit, wenn man den Betrieb aber noch als Stift erleben durfte.... Toll.

Fachliche Fragen wurde ja bereits alle von Steffen Henning beantwortet. Bleibt mir nur noch zwei Bilder vom Betrieb anzufügen, wie ich ihn noch bewusst wahrgenommen habe.
2x V60 mit leerem Sandzug nach Nudersdorf, fotografiert in Reinsdorf kurz vor der Strandbadstraße Anfang der 2000er Jahre.

http://i1278.photobucket.com/albums/y513/nicole6/2x%20BR%20346%20in%20Reinsdorf_zps8axyjkhz.jpg

Wie man leicht sieht, sind das keine guten Scanns vom Dia (wie vermutlich von Stefan), sondern schlechte Scanns von mittelmäßigem Papierabzug und dann auch noch bei beginnender Dämmerung fotografiert. Ich bitte die schlechte Qualität zu entschuldigen.

Grüße!

Steffen

PS: sehr interessant für mich sind die Aufnahmen der Dampfleitung in Reinsdorf, schließlich soll soetwas gerade im Modell entstehen, siehe hier [www.drehscheibe-online.de] und hier [www.drehscheibe-online.de].

Re: Vielen Dank für diese Bilder!

geschrieben von: Bahnstern

Datum: 18.02.16 19:38

Ich hatte die Strecke schon mal zu heutiger Zeit gezeigt, müsste zu finden sein...

Aber danke für die prima Fotos und die Infos...
Wieder was gelernt..


Gruss

Bahnstern !

Nur echt mit Baureihe 112-114-143-155-156

So gut wie unbekannt: Ein Gleis nach Straach

geschrieben von: Carsten Friese

Datum: 19.02.16 01:13

Vielen Dank,Stefan,

für diesen Blick auf eine unscheinbare Stichbahn!

es war auch mal eine Verlängerung nach Niemegk angedacht,mit Anschluß an die Brandenburgische Städtebahn.

Hier gibt es noch ein Bild aus Reinsdorf: [www.drehscheibe-online.de] ( von hier: [www.drehscheibe-online.de] )
Dort steht sogar etwas zu den eingesetzten Loktypen.

Schönes Wochenende
wünscht
Carsten

[www.brandenburgische-staedtebahn.de]
Die Eisenbahnfreunde "Hoher Fläming" Bad Belzig auf FB:[www.facebook.com]
[www.fotocommunity.de]

Hallo Steffen,


Dir und allen anderen, die an der Ergänzung dieses Beitrages mitwirk(t)en, ein großes Dankeschön. Habe mich noch einmal mit dem Ausgangsbeitrag von Stefan Motz und der verlinkten Seite "ww.klauserbeck.de" beschäftigt und dabei mit Google-Maps und Gleisplänen von Sporenplan verglichen. Daraus resultieren nun ein paar weitere Fragen, auch weil die persönlichen Erinnerungen allmählich verschwimmen.

Schreiten wir die Betriebsstellen der Reihenfolge nach ab:


1. Lu Wittenberg West [www.sporenplan.nl] :

Erst durch den Gleisplan läßt sich erahnen, was dort einst für Betrieb herrschte.

Steffen Hennig schrieb:
-------------------------------------------------------
> ... bevor wir nach Straach hoch fuhren bedienten
> wir ja noch den Bf Wittenberg west mit seinen 9
> Anschließern. (BMK, Wittol, Blechverarbeitung,
> Bitum, Kohlehandel, OGS, Baustoffhandel, Montan,
> Holz) Das meiste war allerdings der Kohlehandel
> mit 2 Anschlußgleisen. Da kam auch jeden Tag ein
> Ganzzug von Sabrodt/ Brieske mit Rohkohle und
> Brikett. Und die ganzen leeren Kohlewagen mussten
> wir dann auf dem Rückweg immer mit nach Wb
> nehmen.

Der besagte Kohlezug kam mit "großer" Lok direkt in den Bahnhof West gefahren und wurde von Euch feinverteilt? Leerwagen wurden dann von Euch nach Lu Wittenberg (Hbf) mitgenommen, richtig?
Die anderen Einzelwagen für die Anschließer in West und die Strecke nach Straach brachtet Ihr mit der Rangierlok vom Hbf herüber? Welche Zuglänge muß man sich da vorstellen? Genügten da überhaupt zwei Bedienfahrten täglich oder gab es zum Westbahnhof gesonderte Bedienfahrten von und zum Hbf? Zeigt der Sporengleisplan den Zustand des Bahnhofs Ende der Achtziger Jahre? Nach meinem Befinden herrschte dort ziemliche Enge für ausufernde Rangierbewegungen. Insbesondere die Anschlüsse werfen Fragen auf. Vermutlich wurden die Wagen aber nur auf direktem Weg hineingestellt und dann per Seilwinden in die z.T. entgegengesetzt angeschlossenen Ladegleise verbracht?

Wie erfolgte die Abfahrt aus West in Richtung Straach? Wurde zum Schluß die gesamte Rangierabteiung Richtung Wittenberg Hbf geschoben, um dann nach Straach einzubiegen?
Wurde aus Richtung Straach kommend das Einfahr- und zugleich Ausfahrsignal (?) des Bahnhofs Wittenberg West bedient?


2. Abzweig Reinsdorfer Weg (km 0,22):

Die Betriebsstelle ist im DR-Atlas 1989 als "außer Betrieb" gekennzeichnet. Von dort gab es eine Verbindungskurve aus Richtung Straach nach Lu Wittenberg=Piesteritz. Was hatte es mit dieser Kurve auf sich?




Steffen Hennig schrieb:
-------------------------------------------------------

> Ja wir haben die Strecke nach Straach 2 mal
> täglich bedient. Ein mal Vormittags und dann noch
> mal am Nachmittag bis in die Abendstunden.
> Es war vorgesehen, auf der Hinfahrt alle
> Anschlüsse nur abzusetzten und auf dem Rückweg
> dann die Wagen aufzunehmen. Meist machten wir das
> aber alles auf der Hinfahrt, um dann auf dem
> Rückweg durchzufahren. Einzige Anschlüsse, wo das
> nicht ging, war Braunsdorf die Leichtbaustoffe. Da
> konnte nur hin zu bedienst werden und ACA
> Reinsdorf nur auf der Rückfahrt. In ACA nahmen wir
> aber auch schon manchmal auf dem Hinweg die Wagen
> auf, in dem wir sie bis kurz vor die Weiche zum
> Streckengleis zogen, dann mit der V60 beiseite
> gefahren und dann den Wagen die Luft abgezogen und
> dann lief er vom Gefälle her alleine aus dem
> Anschluss auf den vor der Weiche stehenden Zug
> auf. Dann mit Lok wieder dran und fertig.

Diese Rangiertechnologie war vielerorts zu beobachten. :-) Man wußte sich zu behelfen!


3. Anschlußgleis ACA (VEB Apparate- und Chemieanlagenbau) Reinsdorf:


Wurden dort früher auch schon Kesselwagen produziert? Was gehörte sonst so zum Produktionsprogramm bzw. was erreichte den Betrieb im Ein- und Ausgang auf dem Schienenweg?



4. Reinsdorf (km 3,52) [www.sporenplan.nl] :

Stimmt der Gleisplan oder handelt es sich möglicherweise um Braunsdorf?

Bezogen auf die Fotos von Stefan Motz:

Wurde das Ladegleis (links) als solches benutzt (wenn ja von wem und für was?) oder diente es nur zum gelegentlichen Umsetzen der Lok. Sollte der Gleisplan stimmen, handelt es sich rechts im Bild um den VEB Baustoffversorgung. Wenn nicht, welcher Betrieb war es dann? Auch hier die Frage was wurde empfangen bzw. versandt?


5. Ladestelle Braunsdorf (km 5,3):

War das Ladegleis mit den Silos beidseitig angeschlossen und diente es nur dem Baustofftransport?


6. Anschluß VEB (Kombinat) Leichtbaustoffe (km 5,7) [www.sporenplan.nl] :

Bezugnehmend auf die Kilometrierung befand sich der Anschluß jenseits der Ladestelle Braunsdorf, weshalb nur auf der Fahrt nach Straach bedient wurde? Was gab es hier zu verladen?


7. Reinsdorf=Braunsdorf (km 6,39) im Bahnatlas DR:

Es handelt sich dabei wohl nur um die Lage des ehemaligen Haltepunktes?


8. Güterladestelle und Haltepunkt Nudersdorf (km 8,0) [www.sporenplan.nl] :

Wurde diese Güterladestelle von Euch auch bedient? War sie zu jener Zeit überhaupt noch existent?


9. Anschluß VEB Glassandwerke Wittenberg/ Quarzsandwerke Nudersdorf/ "Sandwäsche" (km 8,7) [www.sporenplan.nl] :


Steffen Hennig schrieb:
-------------------------------------------------------
> Die Sandwäsche in Nudersdorf wurde immer hin und
> zurück bedient, da dort die meisten Wagen hin
> gingen.

Wie hoch war das Aufkommen (in Achsen gerechnet)? Der Gleisplan zeigt einen weiteren Bahnsteig in nur 700 Metern Entfernung zum vorangegangenen Haltepunkt. Etwa für Werksverkehr?


Steffen Hennig schrieb:
-------------------------------------------------------
> Wenn für Straach nichts bei war und wir auch keine
> Wagen zum drumrum fahren hatten, blieben wir
> gleich in Nudersdorf.
> Es gab auf der ganzen Strecke keine Werkloks
> irgendwo. Wenn dann zogen sich die Anschließer
> ihre Wagen mit dem Stapler oder LKW hin und her.
> In Nudersdorf gab es eine Seilwinde unter den
> Anschlußgleis um die Wagen zu bewegen. Wenn die
> mal in Wartung war, fuhren sie schon mal in
> unserem Streckengleis mit dem ZT 300 und zogen die
> Wagen hin und her. Musste man immer aufpassen wenn
> man hoch kam das kein Fahrzeug im Gleis stand.
> Bis 1989/90 waren wir nur mit 106ern da oben. Dann
> führten sie auch die 110er da ein, mit der wir
> aber nicht gern fuhren, da wir uns in den
> Anschlußgleisen ständig die tiefliegenden
> Sandkästen der 110er unten öffneten und der Sand
> weg war.


10. Straach (km 10,0) [www.sporenplan.nl] :


Steffen Hennig schrieb:
-------------------------------------------------------
> In Straach kam man mit 28 Achsen noch drumrum.
> Wenn es mehr waren, mussten wir 2 mal drumrum
> fahren, indem man Wagen vor der ersten Weiche
> abhang, dann mit 28 Achsen drumrum, an den 2. Teil
> vor der Weiche dran, und dann die ersten 28 Achsen
> mit nach oben durchschob.
> Rangiert wurde immer mit Rangierfunk, und ab Wb
> West war das alles eine Rangierfahrt bis hoch und
> wieder zurück.
> So habe ich jetzt alles?

Nö. ;-)

Was wurde in Straach noch verladen? Handelte es sich um eine öffentliche Ladestraße?

Und dann gibt es noch diesen verletzten Link bei Sporenplan: [www.sporenplan.nl]...
Was könnte es gewesen sein und wo befand sich dieser Anschluß?

Abschließend noch die Frage, wohin der Bauwagen auf den oben zusehenden Fotos befördert wurde? Ich nehme an, Begleitwagen für das Rangierpersonal kamen auch in den achtziger Jahren nicht mehr zur Anwendung?


Nochmals Danke für Deine/Eure Bemühungen zur Geschichtsschreibung!

Grüße vom SRB
Hallo zusammen,

erstaunlich, wie sich bei einer kaum bekannten Bahn eine vielschichtige Diskussion entwickelt.

Ich versuche mal, auf einen Teil der Fragen eine Antworten zu geben.


Streckenrangierbezirk schrieb:
-------------------------------------------------------
>
> 2. Abzweig Reinsdorfer Weg (km 0,22):
>
> Die Betriebsstelle ist im DR-Atlas 1989 als "außer
> Betrieb" gekennzeichnet. Von dort gab es eine
> Verbindungskurve aus Richtung Straach nach Lu
> Wittenberg=Piesteritz. Was hatte es mit dieser
> Kurve auf sich?

Die Bahn hatte zwischen etwa 1925 bis 1956 auch eine große Bedeutung für den Arbeiterberufsverkehr. Vor allem Nudersdorf entwickelte sich zu einer Arbeiterwohnsiedlung. Ein Großteil der Einwohner arbeitete auch in Wittenberg-Piesteritz in den Stickstoffwerken.
Vgl. bitte in dem Fahrplanauszug, den Olaf Ott eingestellt hat, die Züge 4901 und 4908. Entsprechend der Fußnote fuhren diese direkt nach Piesteritz. Ohne diese Verbindungskurve wäre dies nur mit einen arbeits- und zeitaufwendigem Kopfmachen möglich gewesen.
Später wurde der Arbeiterberufsverkehr auf Busse umgestellt. 1959 wurde dann der Personenverkehr ja gänzlich eingestellt.

> 3. Anschlußgleis ACA (VEB Apparate- und
> Chemieanlagenbau) Reinsdorf:
>
>
> Wurden dort früher auch schon Kesselwagen
> produziert? Was gehörte sonst so zum
> Produktionsprogramm bzw. was erreichte den Betrieb
> im Ein- und Ausgang auf dem Schienenweg?

ACA baute eigentlich keine Kesselwagen; die Betonung liegt auf Wagen. Die eigentlichen Wagen baute Waggonbau Niesky als Hauptauftragnehmer und führte diese dann ACA zu. ACA fertigte die entsprechenden Behälter und setze diese auf die Wagen auf. Inwiefern jetzt in Reinsdorf die Endfertigung erfolgte oder die Wagen nochmals nach Niesky gingen, entzieht sich meiner Kenntnis.

ACA entwickelte sich ab 1949 aus der Firma Fischer. Die Firma Fischer verlagerte ab 1942 ihre Produktion aus Berlin nach Reinsdorf auf dem Geländer der Firma Schach & Beier, Leipzig. Ich kenne die Schreibweise des Firmennamens nicht genau; googeln half momentan nicht weiter. Dieser Firma betrieb die östlich gelegenen Sand- und Tongruben. Das Anschlußgleis wurde also bereits durch diese Firma genutzt.

Die Firma Fischer begann dann mit der Errichtung der ersten kleineren Produktionsstätten. Zu ihrem Programm zählte bereits der Kessel-/Behälterbau, aber auch die Fertigung von Haushaltswaren wie Milchkannen und Kochtöpfe.

Ab 1963 erweiterte sich ACA immens. Durch das Chemieprogramm der DDR wurde auch Investitionen getätigt und die großen Produktionshallen gebaut, die Feldbinder auch heute noch nutzt.

Das Produktionsprogramm von ACA hatte drei große Linien:

- Chemiebehälter und Rohrleitungen für die chemische Industrie
- Behälterbau für Eisenbahnwagen und als Spezialaufbau für Straßenfahrzeuge ( vor allem Minol)
- Milchtanks für die landwirtschaftlichen Betriebe.

Damit sind eigentlich auch die Transporte mit der Eisenbahn umrissen:
Antransport:
Leerwagen aus Niesky
Lieferung von Alu- und V2A-Stahlblechen (ich kann mich an Niederbord- und Rungenwagen erinnern).

Abtransport:
Fertigprodukte wie die Kesselwagen und Spezialbehälter auf Flachwagen.

Anmerkung:
Der Anschluß waren eigentlich 2 Anschlußgleise. Kurz nach Beginn zweigte ein weiteres Gleis ab und führte etwa 400 Meter südlich des heutigen Betriebes zu einer ehemaligen Ziegelei. Diese gehörte ebenfalls zu der bereits erwähnten Firma Schach & Beier.
Der Ziegeleibetrieb wurde frühzeitig eingestellt. Ich kannte den Ziegeleibetrieb überhaupt nicht mehr. An die Gleise kann ich mich aber noch erinnern. Um 1970 wurden die Schienen abgebaut und der Straßenübergang zugeteert. Der Streckenverlauf ist heute noch gut zu erkennen.

>
>
> 4. Reinsdorf (km 3,52)
> [www.sporenplan.nl]
> rbd/halle/drawing.html?image=../../../../../../../
> figuren/tekeningen/db_rbd/halle/Reinsdorf.jpg&titl
> e=Reinsdorf :
>
> Stimmt der Gleisplan oder handelt es sich
> möglicherweise um Braunsdorf?

Es ist Braunsdorf. Irgendetwas mit der Kilometrierung stimmt nicht.

> Bezogen auf die Fotos von Stefan Motz:
>
> Wurde das Ladegleis (links) als solches benutzt
> (wenn ja von wem und für was?) oder diente es nur
> zum gelegentlichen Umsetzen der Lok. Sollte der
> Gleisplan stimmen, handelt es sich rechts im Bild
> um den VEB Baustoffversorgung. Wenn nicht, welcher
> Betrieb war es dann? Auch hier die Frage was wurde
> empfangen bzw. versandt?
>
>
> 5. Ladestelle Braunsdorf (km 5,3):
>
> War das Ladegleis mit den Silos beidseitig
> angeschlossen und diente es nur dem
> Baustofftransport?

Rechts im Bild ist VEB Leichtbaustoffe (nicht Baustoffhandel). Produktion von Dämmmaterial wie die sogenannten "Sauerkraut-Platten". Leichtbaustoffe hatte einen eigenen Anschluß, der erst bei Dir im Punkt 6 zu sehen ist.

Das Ladegleis wurde durch den Baustoffhandel genutzt. Die Zementsilos wurde erst Ende der 1970er Jahre aufgestellt.

> 7. Reinsdorf=Braunsdorf (km 6,39) im Bahnatlas
> DR:
>
> Es handelt sich dabei wohl nur um die Lage des
> ehemaligen Haltepunktes?

Vermutlich ja. Wobei der Haltepunkt dann auch hier weitab vom Ortskern wäre. Die genaue Lage kenne ich auch nicht. Südlich der Ladestellen 5 und 6 in Deiner Aufzählung wäre zwar sehr nahe am Ortskern, aber geografisch durch den Bachverlauf nicht machbar.

Teilweise musste der Transportbedarf enorm gewesen sein. Nichtsahnend kam mir 1984 am 1. Weihnachtsfeiertag die 106 374-2 in Richtung Nudersdorf als Lz entgegen, als ich mit meiner damals 2-jährigen Tochter einen kleinen Verdauungsspaziergang machte.
Offensichtlich mussten, um die Planerfüllung vorfristig melden zu können, noch einige Wagen abgeholt werden.

Soweit meine Anmerkungen dazu. Für Berichtigungen bin ich dankbar.

Viele Grüße
Frank
frank58 schrieb:
-------------------------------------------------------

> erstaunlich, wie sich bei einer kaum bekannten Bahn eine vielschichtige Diskussion entwickelt.

Vielleicht auch deshalb?

> Ich versuche mal, auf einen Teil der Fragen eine Antworten zu geben.
> > 5. Ladestelle Braunsdorf (km 5,3):

> Rechts im Bild ist VEB Leichtbaustoffe (nicht Baustoffhandel). Produktion von Dämmmaterial wie die sogenannten "Sauerkraut-Platten".
> Leichtbaustoffe hatte einen eigenen Anschluß, der erst bei Dir im Punkt 6 zu sehen ist.

Der Anschluß lag aber auf freier Strecke.

Bei Straach habe ich noch einen Anschluß ACZ notiert.

Knut
Hallo
Man Fragen über Fragen.
Will mal noch schnell was zu Wb West schreiben. Unser Nahgüter war schon ab Wittenberg zum Teil bis 120 Achsen lang. Je nach dem. Das meiste war auch meist für Nudersdorf.
Wir fuhren in Wb West nach Gleis 3 ein und drückten dann den gesamten Zug zurück in das lange Ausziegleis (Gleis neben TGA) Dann hatten wir an der Spitze alles für West. Dann wurde zuerst TGA, Wittol, Blechbude bedient und dann den Rest der Wagen für West nach Gleis 3 vorgezogen und über Gleis 2 mit der Lok drumrum. Dann konnten alle anderen Anschlüsse bedient werden nach kreuzen der Hauptgleise.
Abfahrt nach Straach war dann nur mit mündlicher Absprache. Also ohne Ausfahrssignal.
Auf der Rückfahrt blieben alle Wagen der Strecke von Straach in der langen Kurve vor dem Ein/Ausfahrssignal stehen. Wir kamen nach Absprache dann nur mit der Lok vor bis zum Fdl Stw und dann wurde wieder West rangiert und alles an den bereits in der Kurve stehenden Zug dran gedrückt. Das waren dann auch meist so um die 120 Achsen. Wenn mal sehr viel Wagen da waren sagten wir in Piesteritz bescheid das der Nahgüter von Roßlau mit der 242er bei uns noch was mitnahm.
Hin und wieder wenn wir zu viel hatten riefen wir in Wb an und man schickte uns eine Vorspannlok der BR 244 oder 242 oder auch 120er. Was grad da war.
Eine Sache noch. In der Regel gingen die leeren E bzw Ea Wagen vom Kohlehandel nach Wittenberg und am nächsten Tag hatten wir die in Wb wieder am Zug dran für Nudersdorf, Sandverladung. Da kam es schon mal vor, das wir die eigenmächtig gleich von West aus mit nach Nudersdorf nahmen. Dann hatten wir die aus den Füßen.
Gruß
Steffen
Hallo
Nun noch schnell zu den restlichen Fragen.
Alle Anschlüsse auf der Strecke konnten von beiden Seiten aus bedient werden (also hin und Zurück) außer eben Leichtbaustoffe Braunsdorf nur hin und ACA nur zurück (offiziell) ACA baute früher schon Behälter für LKW Auflieger oder Anhänger. Da standen auch immer abgewirtschaftete LKW Auflieger die neu bekesselt wurden. Wir hatten auch immer irgenwelche Behälter in E oder Ea Wagen verladen abgeholt oder auch auf Flachwagen wie Rgs Wagen.

In Nudersdorf gab es zu meiner Zeit (ab 1984) nur noch die Sandwäsche und die bekamen pro Bedienung ca 20 -25 Wagen vor allem die Quarzsandwagen Ucs oder auch E oder Ea Wagen für reinen Kies. Wurde aber auch Quarzsand rein verladen der dann immer durch die Ritzen der Türen rieselte.

In Straach war die ACZ, also nur so Wagen für LPG. Es gingen immer Getreidewagen Tds oder Tadgs da hin zur Entladung und dann auch G oder Gbs WAgen zur Kartoffelverladung in Säcken.

Der Bauwagen auf dem einen Bild ist unser Packwagen. Wir hatten davon 4 Stück. Die waren ex Transportpolizei Wagen mit Dauerbrandofen drin und 2 Betten und Tisch mit 2 Bänken. Einen der Wagen behielten wir dann in Wittenberg als Begleitwagen für unsere 52 8041 im Bw.
Gruß
Steffen
Hallo Frank,


hab mich sehr über Deine ausführlichen Antworten gefreut. Herzlichen Dank!

frank58 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo zusammen,
>
> erstaunlich, wie sich bei einer kaum bekannten
> Bahn eine vielschichtige Diskussion entwickelt.

Wenn alle mitmachen, die etwas zum Thema wissen, kommen erfahrungsgemäß ganz interessante Details zu Tage. Bezogen auf unsere betrachtete Strecke haben wir jetzt einen schönen Überblick, den bisher kein Buch und auch keine Google-Suche zu vermelden wußte.


> 2. Abzweig Reinsdorfer Weg (km 0,22):

> Die Bahn hatte zwischen etwa 1925 bis 1956 auch
> eine große Bedeutung für den
> Arbeiterberufsverkehr. Vor allem Nudersdorf
> entwickelte sich zu einer Arbeiterwohnsiedlung.
> Ein Großteil der Einwohner arbeitete auch in
> Wittenberg-Piesteritz in den Stickstoffwerken.
> Vgl. bitte in dem Fahrplanauszug, den Olaf Ott
> eingestellt hat, die Züge 4901 und 4908.
> Entsprechend der Fußnote fuhren diese direkt nach
> Piesteritz. Ohne diese Verbindungskurve wäre dies
> nur mit einen arbeits- und zeitaufwendigem
> Kopfmachen möglich gewesen.
> Später wurde der Arbeiterberufsverkehr auf Busse
> umgestellt. 1959 wurde dann der Personenverkehr ja
> gänzlich eingestellt.

Diese Fußnote fiel mir zwar auf, jedoch bin ich tatsächlich vom Kopfmachen des Zuges in LuWi West ausgegangen. Der Gleisplan suggerierte es, wenngleich das Umsetzen des gesamten Zuges Stirnrunzeln auslöste. Demnach müßte es also an der Verbindungskurve einen Bahnsteig gegeben haben, da Halte in West ausgewiesen sind.


> 3. Anschlußgleis ACA (VEB Apparate- und
> Chemieanlagenbau) Reinsdorf:

Dein Wissen um diesen Betrieb ist beeindruckend! Du hattest wohl das Brigadebuch verwaltet oder bist Ortschronist von Reinsdorf? ;-)))




> 5. Ladestelle Braunsdorf (km 5,3):


> Rechts im Bild ist VEB Leichtbaustoffe (nicht
> Baustoffhandel). Produktion von Dämmmaterial wie
> die sogenannten "Sauerkraut-Platten".
> Leichtbaustoffe hatte einen eigenen Anschluß, der
> erst bei Dir im Punkt 6 zu sehen ist.

Genau. Die Halle rechts oberhalb des Gleisplanes "Reinsdorf" irritierte mich, passte sie doch eher nach Braunsdorf.


> Teilweise musste der Transportbedarf enorm gewesen
> sein. Nichtsahnend kam mir 1984 am 1.
> Weihnachtsfeiertag die 106 374-2 in Richtung
> Nudersdorf als Lz entgegen, als ich mit meiner
> damals 2-jährigen Tochter einen kleinen
> Verdauungsspaziergang machte.
> Offensichtlich mussten, um die Planerfüllung
> vorfristig melden zu können, noch einige Wagen
> abgeholt werden.

Bis zum 1.Juni 1991 war es auf DR-Gebiet völlig selbstverständlich, dass der Güterverkehr auch sonn- und feiertags durchgeführt wurde. Insbesondere zu DDR-Zeiten lief vielerorts die Produktion rund um die Uhr bzw. wurden extra Transportfacharbeiter abgestellt, um den Güterwagenumlauf in den Betrieben flüssig zu halten. Wagenstillstand und damit verbundene Kosten konnte/wollte (und durfte?) sich kein Betrieb leisten.


> Soweit meine Anmerkungen dazu. Für Berichtigungen
> bin ich dankbar.
>
> Viele Grüße
> Frank

Nochmals DANKE!

Grüße vom Streckenrangierbezirk (wie auch LuWi West - Straach einer war) ;-)
Hallo Steffen,

nun auch Dir noch einmal ein großes Dankeschön für Deine Auskünfte. Was gibt es besseres, als jemandem vom Fach zu Wort kommen zu lassen? Die Strecke war in der Tat äußerst unbekannt, fahrzeugtechnisch für die meisten uninteressant und bewältigte doch - ganz DR-typisch - ein beachtliches Frachtaufkommen. (An E-Wagen mit rieselndem Quarzsand kann ich mich hier in Berlin noch gut erinnern. Vielleicht sogar jene aus Nudersdorf? Empfänger war der VEB Glaswerk Stralau.) Selbst in meiner Phantasie hätte ich nach dem Erkunden der Strecke Richtung Straach in den 90er Jahren nie solch einen interessanten Betrieb vermutet. Eure Hobelei in LuWi West war schon sehr speziell und ließe sich für einen Außenstehenden niemals aus dem Gleisplan heraus erahnen. Deshalb ist es so wichtig, dass sich Zeitzeugen äußern. Sie werden 26 Jahre nach der Hoch-Zeit der DR leider immer weniger und ich klammere mich dann gerne mal an solche Informaten. Vor Ort stand ja damals niemand herum, den man hätte befragen können! ;-)
Ich denke ein Großteil ist nun gesagt, obwohl mir sicher noch ein paar Fragen bzgl. Deines Einzugsbereiches einfallen. Da gibts schließlich weitere "stille Kandidaten", wie die Strecke nach Pretzsch oder der Gbf. Coswig (Anhalt) oder die Anschlußbahn Zschornewitz...

Eine Frage muß ich dennoch loswerden. Die Sache mit dem Packwagen. Du schriebst: "unser Packwagen" und "einer von vier". Bezog sich diese Aussage auf damals (wenn ja, wofür wurde der denn genau benötigt?) oder auf den heutigen Eisenbahnverein in Wittenberg?

Grüße vom SRB
Hallo
Noch mal zu dem Pwg.
Genau, da habe ich ja noch was vergessen zu schreiben.
Also wenn ich als Zf alleine die Strecke bediente (natürlich mit Lokführer) dann bediente der Zf nur die Bf bzw Anschließer in Lu.- Wittenberg West, Zementtankstelle Braunsdorf, Nudersdorf und Straach. Dann brauchten wir auch keinen Packwagen, da der Zf mit auf die Lok ging.
War noch ein Schaffner oder eben Rangierer mit waren wir ja zu dritt und dann gab es eben einen Pwg mit und wir bedienten dann alle Anschließer der Strecke. Ganz am Anfang war das ein Hkms oder Hbs Wagen wie eben die Truppenverladung auch hatte. Dann Anfang der 80er Jahre bekamen wir 4 Pwg. Das waren die kleinen 2 achser die es auch im Reisezug gab mit dem Oberlicht und dem Podestplatz für den Zf da oben. Weiß grad die Gattung nicht vom Wagen. Sind die Pw 88. Weiß nur, das unsere G.Zug Pwg andere Nr hatten wie die Reisezug Pwg. Einer unserer hieß glaube 40 50 940 0256. Ich glaube wir hatten die 0255-0258. Bin mir aber nicht mehr sicher.
Und dann ab 1990 glaube bekamen wir die 4 ex Transportpolizei Begleitwagen. Sie waren dann beschriftet mit Heimat Bf Lu.- Wittenberg. Das waren die 40 50 946 0817 bis 0820. Und später, als wir die 4 nicht mehr brauchten holte ich den 0817 vom Bf hoch ins Bw und wir bauten ihn für unsere Zwecke etwas um mit 2 Doppelstockbetten, wenn wir mit der 52 8041 auf auswertigen Ausstellungen waren.
Und die Strecke Wittenberg- Pratau- Pretzsch- Bad Schmiederg- Söllichau- Eilenburg kenne ich auch noch aus Nahgüterzug Zeiten und später dann auch im Reisezugdienst.
Die Strecke nach Zschornewitz: Da bin ich zwei mal von Gräfenhainichen aus noch über Jüdenberg nach Oranienbaum gefahren mit der V60 und unserer 52 8041 + E94 zur Ausstellung. Kann mich da noch an blaue Signale erinnern.
Gruß
Steffen



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:02:22:18:47:30.

PwG 88 ???

geschrieben von: Carsten Friese

Datum: 22.02.16 18:53

Hallo Steffen,

du meintest sicher so einen hier:

Sachsen Chemnitz Hilb pwg .jpg


Gruß
Carsten

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Re: PwG 88 ???

geschrieben von: Steffen Hennig

Datum: 22.02.16 19:28

Hallo
Ja genau, und das war sogar einer von unseren. Wo ist der jetzt?
Gruß
Steffen

Re: PwG 88 ???

geschrieben von: Carsten Friese

Datum: 22.02.16 19:31

Gorl-Morgs-Stodt Hilbersdorf

Gruß
Carsten

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